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143. Iu0öa, Montag, den 27. Juni 1898 25. Jahrgang.
* Italienische Wirren.
Nach auffallend langem Zögern hat König Humbert von Italien Visconti Venosta mi der Bildung eines neuen Kabinets beauftragt. Visconti Venosta hat zwar nicht dem letzten Ka- binet des Marchese Rudini angehört; aber er war in dem voraufgegangenen Ministerium desselben Minister des Auswärtigen. Er war in das allerletzte Kabinet Rudini deswegen nich^ übergetreten, weil er ein ausgesprochener Gegner der radikalen Partei ist und Marchese di Rudini in wunderlichem Gegensätze mit seiner voraufgegangenen Politik gerade durch die Hilfe der Radikalen und durch Zugeständnisse an diese mit aller Gewalt am Ruder sich erhalten wollte. Immerhin wird es ihm nichts weniger als leicht werden, ein Kabinet zusammenzubringen, das lebensfähig ist. Und überhaupt ist ja die That- sache nicht zu verkennen, daß es immer schwerer wird, in Italien regierungsfähige Ministerien zu bilden. Der Grund liegt nahe genug: die p o l i- tische Zerfahrenheit nimmt reißend zu, der innere Halt des neuen italienischen Königreiches nimmt ebenso reißend ab.
Die letzten Lebenszuckungen der Regierung des Marchese di Rudini waren ebenso kläglich wie widerwärtig anzusehen. Und im höchsten Grade unwürdig waren die krampfhaften Anstrengungen dieses Mannes, sich an der Leitung der politischen Geschäfte zu erhalten. Eheden galt Rudini als „konservativ". Dieses Wort konservativ muß man aber natürlich in einem Lande und unter Verhältnissen doppelt in Anführungsstriche setzen, wo eigentlich alles, was ist und politische Geltung hat, auf dem Grundsätze des Umsturzes aufgebaut worden ist. Und es war eigentlich gar nicht wunderbar, daß am Ende Rudini gezwungen wurde, sich zur Erhaltung seiner Regierung mit Leuten zu verbinden, die ganz offen in allen Stücken sich zu dem Gegen- theile von dem bekennen, was man als „konservativ" zu bezeichnen pflegt. „Konservativ" nennt man heutzutage in Italien die Leute, die unter allen Umständen die Erhaltung und Stärkung der gegenwärtigen Monarchie als leitenden Grundsatz für ihre politischen Handlungen gelten lassen. Aber diejenigen Gruppen, mit denen Marchese di Rudini zuletzt sich verband, haben ganz andere Grundsätze auf ihre Fahne geschrieben und sind zum Theile unmittelbare Feinde der Monarchie, nicht nur der gegenwärtigen, sondern aller Monarchie überhaupt. Durch die Verbindung mit diesen Leuten verscherzte sich Rudini die Freundschaft des Königs und seiner früheren Gesinnungsgenossen. Und da seine neuen Freunde natürlich ihm auch nicht trauten, sondern ganz genau wußten, daß sie nur als Nothnagel benutzt werden sollten, um Herrn Rudini über Wasser zu erhalten, so saß dieser sehr bald und auch sehr unsanft zwischen den altberühmten beiden Stühlen.
Da kam dem Minister der Gedanke eines Staatsstreiches. Er verlangte vom Könige die Unterzeichnung dreier Verordnungen: 1. das Parlament sollte sofort heimgefchickt werden, — 2. das Budget sollte ohne Parlament durch königliche Verordnung genehmigt werden, — 3. die Deputirtenkammer sollte aufgelöst werden. Der
Der KapeUerchof.
Erzählmig aus dem Leben von Max Benno.
19 ------ (Nachdruck verboten.)
Indessen war es Abend geworden. Mit jeder Stunde wuchs die allgemein Freude und Lust. Da entstand Bewegung an einem benachbarten Tische, den Mitglieder des Kriegervereins in Unform und Cwll besetzt hatten. Die jungen Leute fuhren von ihren Sitzen empor und grüßten in stramm militärischer Haltung einen Offizier, der vornehm grüßend und die Gäste musternd langsam das Zimmer durchschritt. Es war Rudolf von Königsberg. Auch die Jäger erhoben sich vor dem Sohne ihres Brodherrn, und nur Hugo blieb sitzen. Rudolf sah es. Er hemmt seinen Schritt und schien einige Sekunden mit einem Entschlüsse zu kämpfen. Plötzlich trat er an den Tisch und fixirte den Soldaten mit drohendem Blicke.
„Amberg!" knirschte der Lieutenant mit bebender Stimme, deren Klang jedoch eine gewisse Absichtlichkeit unschwer herausfühlen ließ. „Sie sind und bleiben trotz des eisernen Kreuzes ein dummstolzer, grober Bauernflegel, dem die Fuchtel gehört. Wie sich nur ein ordentliches, gebildetes Mädchen mit einem solchen Kerl abgeben mag." Die letzten Worte hatte er, zu Luise gewandt, mit erhobener Stimme gesprochen.
Hugo erblaßte anfangs, dann fchoß ihm alles Blut in's Gesicht. P
Wie ein verwundeter Löwe fprang er empor, und von einem wuchtigen Faustschlage getroffen fiel der Baron rücklings auf einen Tisch und von
König aber soll Herrn Marchese di Rudini sehr wenig liebenswürdig empfangen und ihm ganz einfach geantwortet haben: „Nein, das wird nicht geschehen" — und da blieb nun dem so übermäßig gelenkigen Manne nichts Anderes übrig, als endlich doch zu gehen und das Schlachtfeld als vollkommen geschlagener Feldherr zu räumen.
Die letzten Verzweiflungsstreiche des abgewirthschafteten Ministerpräsidenten waren, wie man weiß, die überaus harten Maßnahmen gegen die Leute, die an den Mailänder Unruhen die Schuld tragen sollten. Diese wurden zur Aburtheilung vor ein Militärgericht gestellt und zu schweren Strafen verurtheilt, die durch ihre Härte und Ungerechtigkeit ihres Gleichen suchen. Es sind Männer darunter, die mit dem ganzen Aufruhr nicht das Geringste zu thun haben, fo zum Beispiel der Leiter des katholischen Mailänder Blattes ,Osservatore cattolico' (Katholischer Beobachter). Das ist ein außerordentlich angesehener und beliebter Geistlicher, Don Albe rtario. Natürlich war und ist dieser kein Freund des gegenwärtigen Regimentes in Italien, denn er steht auf dem Standpunkte, daß dem Papste das wiedergegeben, der Kirche das wieder erstattet werden muß, was gege« alles Recht weggenommen wurde. Aber daß ein angesehener katholischer Geistlicher nicht schuld sein kann an dem Entstehen von Aufruhr und Mord in den Straßen von Mailand, liegt doch auf der Hand. Dennoch wurde Don Albertario von dem allzu gehorsamen Kriegsgericht zu drei Jahren Ge- fängniß verurtheilt. Der römische Korrespondent eines liberalen Berliner Blattes schreibt diesem darüber: „Die Verurtheilung dieses Priesters, dessen Einfluß im Klerus und im katholischen Volke weit über das Weichbild Mailands hinausgeht, wird allgemein als schwerer politischer Fehler angesehen, der sich in Zukunft noch rächen dürfte."
So urtheilen Liberale. Was sollen Katholiken erst dazu sagen?
Deutsches Deich.
Berlin, 25. Juni.
* Ein Termin für die preußischen Laud- lagswahke« ist noch nicht bestimmt, doch wird offiziös mitgetheilt, daß die Wahlen vor November keinesfalls stattfinden würden.
ff Am 13. Juni 1898 fand in Köln die Versammlung des Centralvorstandes des Afrika-Dereins deutscher Katholiken statt, an welcher von Vertretern auswärtiger Diözesanvereine theilnahmen: die Herren Domkapitular Rüping aus Münster, Domkapitular Hilpisch aus Limburg und Seminarprokurator Dicke aus Paderborn. Der Vorsitzende des Verwaltungsausschusses, Herr Landgerichtsdirektor Reichensperger, führte aus, daß die Missionen in den deut;chen Kolonien sehr erhebliche Fortschritte gemacht und die Missionshäuser in Deutschland in )er erfreulichsten Weise sich entwickelt, daß aber die Einnahmen des Vereines, insbesondere die zur freien Verfügung eingegangenen Gaben sich nicht in entsprechender Weise vermehrt hätten. Der Schatzmeister Herr Bankdirektor Elkan theilte sodann mit, daß im letzten Rechnungsjahre
da auf den Boden. Zu spät hatten die Jäger den Rasenden an dem verhängnißvollen Angriffe gegen den Offizier zu verhindern gesucht. Nun galt es, ihn wenigstens vor den nächsten Folgen zu schützen. Trotz seines Widerstrebens wurde er von den Freunden säst mit Gewalt aus dem Saale entfernt.
Rudolf hatte auf einige Sekunden das Bewußtsein verloren. Durch die Bemühungen der zu seiner Hilfe herbeigeeilten Soldaten und Jäger um er wieder zu sich. Er erhob sich, riß den Degen aus der Scheide und rannte auf den Platz zu, wo der Frevler gesessen — aber er fand ihn eer. Schnaubend vor Wuth verließ er das Zimmer.
Luise und die Mutter waren Hugo gefolgt. Sie beschworen ihn, sich vor dem Baron verborgen zu halten und kehrten, als er dies versprach, wieder in's Wirthshaus zurück, um die Vorbereitungen zur Heimkehr zu treffen.
Nach Verlauf einiger Minuten stellte sich auch sier der Baron wieder ein. Mit der gleichgiltig- ten Miene ging er umher, als habe er den pein- ichen Vorfall vergessen; und nur das leise Zittern der Mundwinkel verrieth den in ihm tobenden Zorn. Mit einem eigenthümlichen Lächeln setzte er sich neben Luise an den Platz, den Hugo vorher inne gehabt hatte.
Das Mädchen war über das Vorgefallene im höchsten Grade bekümmert. Sie kannte zwar die ganze Größe der Gefahr, in der Hugo sich brand, noch nicht, allein eine geheimnißvolle Ahnung sagte ihr, daß das Schicksal des Freundes in der Hand des Barons v. Königsberg lag, und in namenloser Angst bat sie, er möge Hugo nicht unglücklich machen.
eingegangen seien im Ganzen 110,693.21 Mark, darunter aus den Erzdiözesen Köln 19,122.38 Mark, Freiburg 2940 Mark, den Diözesen Münster 25,913.50 Mark, Paderborn 10,036.50 Mark, Rottenburg 9194,63 Mark, Trier 4681.75 Mark, Osnabrück 2802 Mark, Ermeland 2320.87 Mark, Breslau 2200.10 Mark, Limburg 1284.35 Mark, Fulda 1237.97 Mark, dem Apostolischen Vikariat in Sachsen 5626 Mark usw. Dem Schatzmeister ertheilte sodann der Centralvorstaud unter dem Ausdruck lebhaften Dankes für die mühevolle Verwaltung die Decharge. Hieran berichtete Herr Domkapitular Hespers über die katholischen Missionen in den deutschen Schutzgebieten. Am Anschluß an diesen Bericht beschloß der Centralvorstand, 70,000 Mark an die sieben in den deutschen Schutzgebieten thätigen Missionsgesellschaften, für die Missionen in Deutsch-Ostafrika, Togo, Kamerun, Deutsch-Südwest-Afrika, Bismarck-Archipel und Neu-Guinea zu vertheilen.
* Die auch von uns mitgetheilte Nachricht der .Franks. Ztg.h daß der Sultan ein 3000 Meter im Geviert umfassendes Landstück außerhalb Jerusalems bei Zion angekauft hat, um es dem Kaiser Wilhelm aus Anlaß des Besuches desselben in Jerusalem zu übergeben, und daß dort ein Kloster für die deutsche« IranzisKaner erbaut werden soll, wird in Bezug auf letztere Angabe stark bezweifelt. Und zu diesem Zweifel hat man auch allen Grund. Die Katholiken find in Preußen- Deutschland noch lange nicht so weit, daß sie hoffen dürften, es würde in Jerusalem auf einem dem deutschen Kaiser geschenkten Terrain ein katholisches Kloster erbaut werden. Der unduldsame „Evangelische Bund" würde ja auch gegen einen solchen Vorgang mit den stärksten Waffen losfahren. Weit mehr Glauben verdient die Nachricht, daß der Sultan aus Anlaß des Besuches des deutschen Kaisers im heiligen Lande, um demselben und den katholischen Deutschen im hl. Lande ein besonderes Entgegenkommen zu bezeigen, dazu übergehen werde, fortan in Rom beim hl. Stuhle einen besonderen Gesandten zu bestellen. Derselbe würde dann in Wechselwirkung mit dem deutschen Botschafter in Konstantinopel auch den katholischen Deutschen in Palästina wie im Orient einen besondern Schutz gewähren. Würde das zur Verminderung des französischen Einflusses im Oriente beitragen, so würde das noch ein besonderes nationales Moment für Deutschland in sich tragen. Denn bisher maßte Frankreich sich das Protektorat über das ganze katholische Element im Orient an, ohne jedoch stets in der rechten Weise diesem Elemente Schutz und Sicherheit zu verschaffen. Insbesondere kamen hierbei hie katholischen Deutschen und ihre Institute oftmals zu kurz. Das mag wohl auch den deutschen Verein vom heil. Grabe bewogen haben, in der gleichen Richtung wie die deutsche Reichsregierung in Rom vorstellig zu werden, damit es zur Errichtung einer tmkffchen Gesandtschaft beim heil. Stuhle komme.
x Am Montag den 27. d. Mts. tritt im Reichsamte des Innern die Aeichskomutisfto« für Arveilerstalistik zu einer Sitzung zusammen. Außer mit den Arbeiteroerhältnissen im Müllerei- und Gastwirthsgewerbe wird diese Kommission,
Der Baron lachte. Es war ein Lachen, das Luisen einen Stich ins Herz gab.
„Wissen Sie auch, Fräulein," fragte er, welche Strafe auf ein Verbrechen gesetzt ist, wie es der freche Mensch sich erlaubte? Drei bis vier Jahre Festungshaft sind ihm sicher," fügte er hinzu, ohne sich durch den entsetzten Blick des Mädchens beirren zu lassen.
„Allmächtiger Gott!" rief Luise und die Thräneu brachen gewaltsam aus ihren Augen hervor. „Haben Sie Erbarmen, verschonen Sie ihn!"
Rudolf schwieg und betrachtete das schöne Mädchen, das in seiner Angst und Aufregung noch lieblicher erschien, einige Sekunden lang mit seltsamem Blicke.
„Vielleicht!" sagte er dann zweideutig und ergriff Luisens Hand, welche sie ihm in diesem Augenblicke nicht zu entziehen wagte. Plötzlich erschrack das Mädchen heftig zusammen. Am Fenster war ein bleiches, schmerzverzerrtes Antlitz erschienen, und Luise hatte es als das Hugos erkannt. Ihr Herz pochte fast hörbar vor Angst. Wenn er zurückkehrte, wenn er abermals mit dem Lieutenant Streit bekäme, dann waren sicher alle ihre Bitten umsonst. Ihre qualvolle Unruhe wuchs mit jeder Minute, und endlich hielt sie es an der Seite des Barons nicht mehr aus. Unter einem Vorwande verließ sie das Zimmer. Sie eilte an den Platz, wo Hugo sie seinem Versprechen gemäß erwarten wollte. Aber sie traf ihn nicht. Tief niedergeschlagen kehrte sie wieder zurück und drängte zum Aufbruche, in der Voraussetzung, daß Hugo allein nach Hause gegangen fei.
wie neuerdings bekannt wird, auch mit der Bäckerei-Verordnung sich zu beschäftigen haben. An eine Aufhebung dieser Verordnung ist nicht zu denken. Aber es scheint, als wolle man dieselbe in einigen Punkten abschwächen. Sollte der Bundesrath sich darauf einlassen, so könnte man das im Interesse einer durchgreifenden Reform nur beklagen. Von einer Seite wird berichtet, man wolle eine wöchentliche Maximal-Arbeitszeit festsetzen, um den verschiedenartigen Betrieben den nöthigen Spielraum zu gewähren. Eine solche Einrichtung könnte man sich wohl gefallen lassen, vorausgesetzt, daß alsdann vernünftig mit ihr gewirth- schaftet wird.
* Zur Mevisto« der Unfair- und Inva- tiditätsverficherttvgsgefetze verlautet offiziös: Der Staatssekretär des Innern, Graf v. Posa- dowskp, ist auf Grund der umfassenden Erhebungen, die er in der Frage einer Revision der Uufall- und Jnvaliditätsversicherungsgesetze angestellt hat, zu der Ueberzeugung gelangt, daß eine gleichzeitige Umgestaltung beider Gesetze auf unüberwindliche Schwierigkeiten stoßen müßte, und daß deshalb zunächst nur eines derselben einer Revision zu unterziehen sei. Er hat sich dafür entschieden, zunächst die Revision der Alters- und Jnvaliditätsversicherung in die Wege zu leiten, weil die mit dem Gesetz verbundenen Uebelstände als die größeren erscheinen und dringender eine Abhilfe erheischen, als die Mißstände der Unfall- Versicherungsgesetze. Dabei leitet den Grafen v. Posadowsky zugleich der Gedanke, daß es später möglich sein würde, an die umgestaltete Alters- und Jnvaliditätsversicherung die umzugestaltende Unfallversicherung anzugliedern. Die gewerblichen Berufsgenossenschaften haben sich zwar im Allgemeinen bewährt und erfüllen die ihnen obliegenden Aufgaben gut; sie arbeiten aber fast ohne Ausnahme mit einem sehr kostspieligen Apparat, der den minder Leistungsfähigen unter ihnen schwer drückende Lasten auferlegt. Jedenfalls kann jetzt bereits als sicher betrachtet werden, daß die Umgestaltung der Unfallvcrsicherungs- gesetze auf unbestimmte Zeit zurückgestellt ist, und daß sich der neue Reichstag zunächst ausschließlich mit der Revision des Jnvaliditäts- und Alters- Versicherungsgesetzes zu beschäftigen haben wird.
X Die Sozialdemokratie wird im neuen Reichstage allem Anscheine nach die stärkste Partei nächst dem Centrum werden. Sollten die Konservativen noch besonders gute Wahlgeschäfte machen bei den letzten Stichwahlen und die Sozialdemokraten vielleicht noch um zwei oder drei Mandate überflügeln, dann würde die Sozialdemokratie jedenfalls nach der Zahl der Reichstagsmandate an dritter Stelle stehen; und ganz augenscheinlich beginnt sich innerhalb der Sozialdemokratie der Wunsch zu regen, daß sie auch Theil haben möge am Präsidium des Reichstages. Es ist ja die Frage, ob später auch die sozialdemokratische Parteileitung diesem Wunsche sich anschließen wird. Immerhin ist es interessant, daß dieser Wunsch tatsächlich sich zu regen beginnt. Bisher nämlich war man hm innerhalb der Sozialdemokratie durchaus abhold: denn sonst hätte dieselbe ja schon im letzten Reichstage im Präsidium vertreten sein
Der Baron stellte den Damen seinen Wagen zur Verfügung. Diese hatten trotz ihres Flehens noch fein bestimmtes Versprechen von dem Offizier erlangt, und nahmen, um ihn versöhnlich zu timmen, die Einladung an. Eine Viertelstunde päter befanden sie sich auf dem Wege nach dem Kapellenhofe.
Hugo hatte sich nur widerwillig in feinem Verstecke aufgehalten. Hätte ihn nicht sein gegebenes Versprechen gebunden, er wäre sofort wieder in die Wirthsstube hinübergeeilt, um dem Feinde gegenüber zu treten. Der Baron hatte icherlich das seiner Zeit geübte Unrecht noch nicht vergessen und konnte überhaupt nach allem Vorausgegangenen keine besondere Hochachtung für eine Person von ihm beanspruchen; warum trat er ihm abermals in den Weg? Dabei vermochte er sich freilich das Verhängnißvolle des vorliegenden Falles nicht zu verhehlen. Er hatte an einen Vorgesetzten Hand angelegt, und zwar in einer Weise, daß eine sehr schwere Strafe nicht ausbleiben konnte, wenn die Sache zur Anzeige üam. Zudem war er mit dem Begriffe von Offiziersehre zu gut vertraut, um nicht zu wissen, daß der Baron Genugthuung für den ihm in Gegenwart seiner Untergebenen angethanen Schimpf haben mußte. Was sollte er thun, um der drohenden Gefahr zu entgehen? Es zeigte ich ihm kein rettender Weg.
Nach einer Stunde peinlichen Grübelns hielt er es in der Einsamkeit nicht länger aus. Es ng auch schon an zu dämmern. Er trat vor- ichtig ins Freie, näherte sich dem Fenster der Wirthsstube und blickte hinein.
Da wich plötzlich alle Farbe aus seinem Ge-