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FuldaerO Zeitung

JK 142.

3tuC6a, Samstag, den 25. Juni 1898

Verantwortlich: Für die Redaktion Ios. Bau«, für Inf-rate F. parzeller in Fulda.

Fnserate: Dieein- spalt. Garmond­zeile oder deren Raum 15 Pf., Re­klamen die Petit­zeile 25 Pf.; bei Wiederbolungen wird entsprechend. Rabatt gewährt.

Wochen-Rundschau.

(Rachdruck verboten.)

X Fulda, 25. Juni.

Nun hat alle Hoffnung, Spannung und Erwartung ein Ende: die Wahlen sind vorüber — denn wenn diese Rundschau den Lesern zu Gesicht kommt, sind auch die meisten Stichwahlen bereits vollzogen. Die verschiedenen Parteien, die am Wahlkampfe be- thciligt waren und Kandidaten aufgestellt hatten, können nunmehr ihre Bilanz machen, und je nachdem das „Soll" und „Haben" sich bei ihnen gestaltet, werden sie mit mehr oder minder gehobenen Gefühlen auf die Reichstagswahl zurückblicken. Keine Partei kann auch nur annähernd so befriedigt undfreu- dig ihre Wahlbilanz ziehen, wie das Cen­trum, keine hat auch nur im Entferntesten einen Erfolg zu verzeichnen, wie die Vertretung des katho­lischen Volkes.

Vor der Wahl hatten sich „Propheten" verschie- dener Art aufgethan, die dem Centrum alles mögliche Unheil vorhersagten; insbesondere stimmten alle darin überein, daß in den Reihen der Partei selbst Meu­terei entstehen und so der Centrumsthurm von innen heraus, wenn auch nicht gerade gesprengt, so doch stark beschädigt werde. Es waren aber schlechte „Pro­pheten", die namentlich auf der „befreundeten" konser­vativen Seite erstanden waren: nichts von alledem, was sie „prophezeit" hatten, ist eingetroffen, das Cen­trum hat den Wahlkampf sogar in einer unfern eignen Erwartungen übertreffenden Weise günstig bestanden; es hatte schon in der Hauptwahl einen so zu sagen vollen Erfolg zu verzeichnen, indem es sofort nicht weniger als 85 seiner seitherigen 97 Mandate glänzend behauptete, eine Zahl, die in der Hauptwahl vorher niemals erreicht ward. Darunter befanden sich zwei,

Das Centruni war an 40 Stichwahlen betheiligt, aus denen es wohl noch mindestens 20 Sitze davon­tragen dürfte. Damit würde es die 100 überschreiten und auf den Stand von 1890 gelangen, den höchsten, den es jemals hatte. Wenn die protestantische Voreingenommenheit gegen alles Katho­lische nicht so groß wäre, müßte das Centrum in wenigstens 30 Stichwahlen siegen, aber es gibt „staats­erhaltende" Elemente, denen der Sozialdemokrat ein kleineres „Uebel" ist, als der Centrumskandidat. Die Sozialdemokraten waren an nicht weniger als 101 Stichwahlen betheiligt, in deren weitaus meisten sie allerdings unterliegen werden; immerhin aber scheint ziemlich sicher, daß sie in den neuen Reichstag ver­stärkt einziehen dürften. Das ist dann der „Erfolg" der Miguelffchen „Sammelpolitik", die bei den Wahlen einen so schmählichen Einbruch erlitten hat, daß selbst die Gegner dieser „Sammelei" davon überrascht sind. Die Sammelbrüder der verschiedenen Richtungen aber sind jetzt so fassungslos, daß keiner es mehr gewesen sein will, der zur „Sammlung" geblasen hat, während sie unmittelbar vor der Wahl noch nicht übel Lust hatten, den Reichskanzler zur Rechenschaft zu ziehen, oder gar zu stürzen, weil er nicht mit „sammeln" wollte. Nun aber will selbst der Sammlungs-Vater, Herr von Miquel, von seinem Wechselbalg von Kind nichts mehr wissen. So gründlich vermag ein Wahl­ausfall zu fuhren. Anstatt einer zur Beschneidung der kümmerlichen Volksrechte bereiten Kartellmehrheit, wird auch der künftige Reichstag eine volksfreund­liche Mehrheit aufweisen, an deren Spitze das nach wie vor ausschlaggebende Cent rum steht. Daß dieses günstige Resultat erzielt wurde, ist vor Allem und an erster Stelle den Centrumswählern zu verdanken, die nicht nur für die Stärkung und Kräfti­gung ihrer eigenen parlamentarischen Vertretung sorgten, sondern auch für die Schaffung einer Abwehr-Mehrheit gegen alle volksfeindlichen Anschläge. Ihnen daher zunächst, den Centrumswählern, gebührt tiefen Dank und höchste Anerkennung.

Zwei Ministerkrisen fast zu gleicher Zeit sind in zwei Ländern ausgebrochen, deren Verhältnisse eben auch eine gewisse Aehnlichkeit mit einander haben: in Frankreich und in Italien. In Frankreich ist der in der vorigen Rundschau besprochenen Kammer­verhandlung über die Politik der Regierung, in der das Ministerium Meline eine Vertrauens- und eine Mißtrauenskundgebung zugleich erhielt, der Rücktritt des Ministeriums unmittelbar gefolgt. Wer das neue Ministerium bilden soll, weiß man noch nicht. Einst­weilen herrscht vollständiges Durcheinander. Das ist der „Erfolg" der versuchten „Sammlung aller Repu­blikaner", die bei den traurigen französischen Verhält­nissen darin besteht, daß jede Partei, die skrupellosen Radikalen an der Spitze, lediglich sich zu bereichern, das Land auszubeuten sucht. Das Richtige wäre ge­wesen, daß Präsident Faure das Ministehum Meline gehalten, sofort wieder die Kammer aufgelöst, und daß dann bei den Neuwahlen die Regierung dafür gesorgt hätte, daß der Volkswille unverfälscht zum Ausdruck gekommen wäre. Die Radikalen würden dann eine schwere Niederlage erlitten haben, und so wäre eine Gesundung der Zustände erreicht worden.

In Italien liegen die Dinge ähnlich. Dort hat das Ministehum Rudini keine Gelegenheit gefunden, seinen in der vorigen Woche erwähnten Volksknebelungs­und Verfolgungsplan zu verwirklichen. Derselbe fand

die es früher besessen, später aber eingebüßt hatte: Essen a. d. Ruhr und Reichenbach-Neurode in Schlesien; beide wurden, was kaum Jemand hoffte, gleich im ersten Wahlgange glänzend genommen, eben­so Kelheim in Bayern, welches 1893 den Baye­rischen Vaterlands-Sigl wählte, ihm jetzt aber wieder den Laufpaß gab. Ebenso wurde sofort behauptet der gefährdete Wahlkreis Rees-Moers am Nieder- rhem, in dem Katholiken und Protestanten fast gleich stark vertreten sind. 1893 ging dieser Kreis an die Konservativen verloren, wurde dann aber 1895 in einer Nachwahl wieder zurückerobert. Der Wahlkreis Allenstein-Roessel in Ostpreußen, der 1893 vom Centrum an die Polen überging, wurde jetzt den letztem wieder abgenommen.

Wie schon bemerkt, hat keine andere Partei auch nur vergleichsweise die Wahlprobe so glänzend be­standen, wie das Centrum; keine hat bei der Haupt­wahl, die ja hier maßgebend ist, nur halb soviel Kan­didaten durchgebracht. Dem Centrum am nächsten kommen die Konservativen mit 38 Mandaten; dann folgen die Sozialdemokraten mit 32, 8 mehr. als sie 1893 in der Hauptwahl errangen. Ihre Stimmenzahl hat abermals in erschreckender Weise zugenommen, aber nur in protestantischen Gegenden; in katholischen Bezirken hat sie abgenommen. Wenn die Regierenden sehen und lernen wollten, könnten sie daraus wieder einmal entnehmen, was der sozial­demokratischen Fluth am erfolgreichsten zu widerstehen vermag, und mit welchen Mitteln der sozialistischen Irrlehre entgegengetreten werden muß, wenn man sie zurückdrängen will. Immer mehr herunter kommen die Nationalliberalen. Diese einst so stolze übermüthige Partei, die in den siebziger Jahren fast die Hälfte aller Reichstagssitze inne hatte, konnte dies­mal in der Hauptwahl nur noch 10 Sitze behaupten! Wie schrecklich ist doch diese Partei, die am deutschen Volke und dessen höchsten Interessen sich so schwer versündigt hat, gestraft worden! Ihr ungerathener Sohn, die Sozialdemokratie, hat sie fast überall ver­drängt, sie wird kaum noch genannt. — Auch die Freisinnigen, sowohl die Richter'schen wie die Rickert scheu, verlieren immer mehr Boden im Volke, ein Beweis, daß sie es nicht verstehen, die Interessen d-s HMs so zll vertreten, wie dieses es verlangt. Bei der Hauptwahl haben sie ganze zwei Mandate gerettet! Allerdings standen sie in 49 Stichwahlen in denen sie aber doch nur mit Hilfe anderes Parteien siegen konnten.

Erickiciut täglich, m. Ausnahme der Sonn- und Feier­tage. Vierteljährl. titfugsgrm ohne Bringerlohn und Bestellgeld in Fulda und aus- värlsl M.50Ps.

Aus dem Aachbargebiet.

X chrotzenlüder, 24. Juni. Gestern Nach­mittag gelang es dem Forstaufseher Koh l dahier, einen schon mehrfach bestraften Wilderer aus Oberbimbach im Walde bei Großenlüder auf frischer That zu ergreifen und dingfest zu machen. Der Wilderer leistete aber so energischen Wider­stand, daß 'es dem sehr kräftigen Forstbeamten nur unter Aufbietung aller Kraft gelang, ihn bis zu dem nahen Forsthause Kleinlüder zu bringen, wo er mit Stricken gebunden und alsdann in das Gefängniß dahier verbracht wurde. Vor dem Gefängnisse nahm der Wilderer seine Uhr aus der Tasche und warf sie auf die Straße, daß sie zerschellte. Da der Wilderer den Forstbeamten mehrmals thätlich angegriffen hat, so hat er sich neben der Wilddieberei auch noch wegen Wider­stands gegen die Staatsgewalt zu verantworten.

Molenburg, 24. Juni. Nur wenige Tage trennen uns noch von dem im Juli (2., 3. u. 4.) in unseren Mauern stattfindenden Gau turnfeste des Oberfuldagaues. Der Festausschuß hat unter dem Ehrenvorsitz des Herrn Bürgermeisters Wetzell in einer Anzahl Sitzungen eine rührige Thätigkeit entwickelt. Das Festprogramm und die Vorbereitungen für das Fest, insbesondere für die Dekoration der Stadt und des Festplatzes lassen darauf schließen, daß das Fest den in den 60er Jahren hier gefeierten großen Turnfesten an Bedeutung nicht nachstehen wird. Der Vor­mittag des 4. Juli ist dazu bestimmt, die Fest- theilnehmer zu einem Ausfluge auf den Alheimer zu vereinigen. Dem Vernehmen nach sind schon eine ganz stattliche Anzahl auswärtiger Turn­genossen angemeldet. Die Lage und Umgebung unseres Städtchens ist ja auch derartig schön, daß es sich wohl verlohnt, unseren Ort zu besuchen.

• Gaffel, 24. Juni. Bei der heutigen Stichwahl im Wahlkreise Kassel-Melsungen stimmten die vereinigten Parteien der National­liberalen, der Konservativen, des Fortschritts, des Centrums und der Antisemiten geschloffen für den Sanitätsrath Dr.Endemann. Die Centrums­wähler haben mit Rücksicht auf die Person des Dr. Endemann, der wohlwollend und gerecht denkt und handelt, auch ein Gegner der Aus­nahmegesetze und für Schmälerung des Volks­

25. Jahrgang.

Wahlrechts nicht zu haben ist, sich den vereinigten Parteien angeschlossen und somit die Gefahr eines Sieges der wachsenden Sozialdemokratie beseitigen helfen. Der Wahl enthalten haben sich die Mit­glieder der Hessischen Rechtspartei, deren Führer, Rechtsanwalt Dr. Martin hier, bei der Haupt­wahl 1200 Stimmen auf sich vereinigte. Die Wahl war lebhaft. Es erhielten in der Stadt Kafsel: Dr. Endemann (natl.) 6430 Stimmen, Redakteur Thiel (Sozialdem.) 6275 Stimmen. Unter Hinzurechnung der aus dem Wahlkreise weiter eingelaufenen Nachrichlen waren bis heute Abend bekannt: Dr. Endemann 10462, Thiel 10 716 Stimmen. Die Wahl Endemanns gilt hiernach als gesichert, da die Stimmen am Land in der Mehrzahl sich auf ihn vereinigen werden.

* Kassel, 24. Juni. Die Herren Minister der Finanzen, des Innern und für Handel und Gewerbe haben im Einverständniß mit dem Herrn Reichskanzlers mittels Erlasses vom 31. o. Mts. den Königlichen Regierungs-Assessor v. Go er sch en hier für die Dauer seines Haupt­amtes in Kassel widerruflich zum Staatskommissar für die Jnvaliditäts- und Altersversiche­rungsanstalt Hessen-Nassau bestellt. — Der Herr Minister für Handel und Gewerbe hat die Errichtung zweier Handwerks­kammern in der Provinz Hessen-Nassau beschlossen, die ihren Wohnsitz haben: 1. in Kassel für den Regierungsbezirk gleichen Namens mit Ausschluß der Kreise Rinteln und Schmal­kalden, die den Kammern in Hannover und Erfurt zugewiesen werden sollen — aber mit Einbeziehung des Fürstenthums Waldeck, dessen Anschluß an die preußische Organisation von der Landesregierung gewünscht worden ist, 2. in Wiesbaden für den Regierungsbezirk gleichen Namens.

* Iraukfurt, 24. Juni. Die Zeit der Reife verschiedener Obstsorten, wie Erd-, Johannis­und Stachelbeeren, Heidel- und Himbeeren, Kirschen, Aprikosen, Pfirsiche, Pflaumen, ist da oder steht nahe bevor, und wir wollen daher alle Produzenten und Konsumenten wieder auf die Frankfurter Centralstelle für Obstverwerthung auf­merksam machen, die es den Verkäufern und Käufern fo sehr leicht macht, die Obsternte an den Mann zu bringen bezw. den Bedarf an Obst zu decken. Die Interessenten haben nur das zur Verfügung stehende Quantum oder die benöthigte Menge der Centralstelle anzugeben, um sofort. von dieser mit einer größeren Zahl von Produ­zenten und Konsumenten in Verbindung gesetzt zu werden. Einzige Bedingung ist, daß das ab­gesetzte oder erworbene Quantum immer sofort der Centralstelle mitgetheilt wird. Es wird natür­lich auch erwartet, daß immer nur gutes Obst geliefert wird; die Käufer sind gebeten, von nicht befriedigenden Lieferungen dem Komitee Mittheilung zu machen. Gut ist es, wenn mit den Anmeldungen nicht zu lange gezögert, sondern schon vor der Reife von dem erwarteten Ertrage bezw. der be- nöthigten Menge der Centralstelle Mittheilung gemacht wird, damit die Vorverhandlungen vor der Reifezeit erledigt werden können und feiner Zeit auf Grund der geschehenen Abschlüsse sofort mit dem Versandt begonnen werden kann, denn manche Obstsorte verträgt ja kein langes Lagern. Es werden auch für Spätobst, insbesondere Aepfel und Birnen, jetzt schon Anmeldungen angenommen.

* Marvurg, 24. Juni. Arg geprellt wurde ein hiesiger Hotelkellner, der sich dieser Tage von einem fremden Reisenden für 85 Mk. ein Zweirad kaufte und auch gleich bezahlte. Der Verkäufer machte nun noch vor den Augen des Käufers eine Probefahrt, von der er bis heute noch nicht zurückkehrte. 6 Mark Hotelrechnung sind auch noch zu bezahlen.

A« unsere Keser!

Das dritte Quartal nimmt bald seinen An- fang und wir bitten, die Bestellung auf die Pertung" nunmehr, soweit es noch nicht geschehen sein sollte, zu besorgen. Die Sommermonate bewirken naturgemäß, daß der Strom des politischen Lebens ruhiger dahinfließt; trotzdem fehlt es nicht an brennenden Fragen, deren fortschreitende Lösung zu verfolgen Pflicht eines jeden Deutschen ist, der an der politi­schen, geistigen und wirthschaftlichen Entwickelung seines Vaterlandes regen Antheil nimmt. Die religiös-kirchlichen Fragen kennen überhaupt keinen Stillstand, und für jeden treuen Katholiken ist es durch die Zeitverhällnisse zur Nothwendigkeit geworden, sich durch das Halten eines Blattes, welches sowohl auf kirch­lichem Gebiete katholisch ist, als auf politischem Gebiete den Centrumsstandpunkt vertritt, stets auf dem Laufenden zu erhalten und so ein Stein in dem festen, unüberwindlichen Thurme zu bleiben als der sich unsere Partei bei den letzten Wahlen so glorreich erwiesen hat.

In dem kommenden Quartal muß die Haupt­arbeit für die L a n d t a g s w a h l e n gethan werden, W deshalb kann nicht dringend genug dazu ae- ratheD werden, sich durch die Lektüre eines Cen- trumsbiHffes, wie die „Fuldaer Zeitung.", sowohl über der Bewegung in der eigenen Partei als über die PW? der Gegner und die Gesammt- Sachlage auf dem Laufenden zu erhalten.

Im Ausland e nimmt das meiste Interesse, und zwar ein hervorragendes, der Krieg zwischen Spqyien und den Vereinigten Stauten jn An­spruch. Die Entwickelung der Djnge hat sich so zugespitzt, daß im nächsten Vierteljahre ersichtlich die Entscheidung fallen muß, und daß sich dabei Folge-Ereigniffe von großer Bedeutung abspielen werden, ist eine Vermuthung, welche die größte Wahrscheinlichkeit für sich hat. ß

Immerhin aber wird die Sommerzeit uns die Möglichkeit geben, dem Unterhaltungsstoffe einen brettern Raum zu gewähren; deshalb haben wir eine Anzahl kleinere Erzählungen erworben, mit denen wir namentlich unseren Leserinnen eine angenehme Abwechselung bieten wollen.

* i Die „Fuldaer Zeitung" unterrichtet in knapper, aber vollständiger und übersichtlicher Weise über alle Vorgänge auf politischem Ge­biete. Sie berücksichtigt in gleicher Weise die allgemeinen Interessen des gesammten Volkes wie auch das, was die einzelnen Stände angeht: den Arbeiter, Handwerker, Bauer, Geschäftsmann, Beamten, Lehrer usw.

Die amtlichen Bekanntmachungen, sowie die Holzverkäufe, Marktberichte und ähnliche Anzeigen von allgemeiner Wichtig­keit werden aus den für unseren Leserkreis in Betracht kommenden Kreisen sämmtlich in der »Fuldaer Zeitung' veröffentlicht.

Mögen deshalb unsere Freunde in Stadt und Land dafür sorgen, daß die „Fuldaer Zeitung" nicht nur in jedem Wirthshause aufliegt, sondern auch in jeder katholischen Familie zu finden ist.

m der Kammer eine so feindselige Aufnahme, daß das Kabmet gar nicht erst eine Abstimmung abwartete, sondern sofort, nachdem es merkte, woher der Wind wehte, seine Entlassung einreichte, so unrühmlich wie möglich vom Schauplatze verschwand. Auch hier sollten nun „alle ehrlichen Leute" — „ehrlich" ist gut gesagt bei einem Raubsystem! — die es „mit dem Vaterland gut meinen", „gesammelt" werden. Aber es geht ge­nau so wie in Frankreich: Beutejäger find genug da, es gönnt aber keiner dem andern die Beute, und so ist es bis jetzt noch nicht gelungen, ein Kabinet „ehrlicher Leute" zusammen zu bringen. Nun hat König Hum­bert in seiner Verlegenheit einen ganz neuen Mann berufen, den Senator Finali, um ihn mit der Kabinets- bildung zu betrauen. Ob der Mann den „ehrenvollen" Auftrag übernehmen wird, steht noch dahin; wenn er es thnt, wird er die total verrotteten Zustande natür­lich ebenso wenig bessern können, wie die „Ehren­männer", die vor ihm Minister waren. Das Ver- hängniß, die allgemeine Revolution kommt immer näher, und diese abzuwenden, sind andere Mittel erforderlich, als Knebelungsgesetze und Ministerwechsel.

Der amerikanisch-spauische Seekrieg entwickelt sich ganz merkwürdig, jedenfalls ganz anders als die Ame­rikaner und auch noch andere Leute es sich gedacht hatten. Immer noch stehen die Dinge auf Cuba so zu sagen auf dem alten Flecke; es ist den Amerikanern noch nicht gelungen, einen irgendwie ernsten Erfolg dort zu erzielen. Seit Wochen schon haben sie eine „Besatzungsarmee" für Cuba von mindestens 30000 Mann gebildet, die nach den letzten Nachrichten in diesen Tagen dort eingetroffen sind. Mittlerweile aber ist eine kleinere Truppe, die sie an einer Stelle der cubanischen Küste gelandet hatten, in große Bedrängniß gerathen, einerseits durch die Angriffe der Spanier, andererseits durch das gelbe Fieber, das auch schon auf einigen amerikanischen Schiffen ausgebrochen sein soll. Wenn das richtig ist, brauchten die Spanier sich keinen bessern „Verbündeten" zu wünschen, denn gegen diesen Feind wären die Amerikaner machtlos; er würde sie schließ­lich nöthigen, ihre Schiffe ans den cubanischen Ge­wässern zurückzuziehen. Es sollen bereits Mehrere b^ss.eit am gelben Fieber erkrankte Mannschaften der Schiffsbesatzung nach dem nächsten Lazareth in Key- Wft Verbracht chyrdxn sein. - Auch Manila auf den Philippinen, dessen Fall schon vor 14 Tagen „stündlich" erwartet wurde, ist immer noch in den Händen der Spanier, die es allerdings wohl nicht lange mehr werden halten können, wenn nicht Ersatz kommen sollte. Die eingeborenen Aufständischen haben es von der Landseite vollständig eingeschlossen, und die spanische Besatzung ist zu schwach, um sich ihrer halb­wilden Bedränger auf die Dauer zu erwehren. Auch hier sollen amerikanische Truppen unterwegs sein, um die Stadt einzunehmen und zu besetzen. Aus eng­lischer Quelle wird verbreitet, die Königin-Regentin Christine von Spanien beabsichtige, angesichts der kritischen Sage des Landes auf den Thron zu ver­zichten. Man kann ruhig annehmen, daß das eine Erfindung ist, denn ein derartiger Schritt würde denVer- zicht der herrschenden Dynastie überhaupt bedeuten.

mit Älnteryaltrmgs-Meilage „Iü'ustrirte Sonntags-Ieitung."

Vermischtes.

* Aaris, 24.Juni. Der oberste Gerichtshof sprach gestern den Kindern des Wiener Ehepaars Dessauer, das beim Brand der Komischen Oper umkam, hunderttausend Franken Schadenersatz nebst 5 v. H. Zinsen seit 1887 zu. Der Rechtsstreit gegen den französischen Staat als Eigenthümer des abge­brannten Theaters hat elf Jahre gedauert, war dreimal verloren und ist erst an vierter Stelle gewonnen worden.

* Doppelsinnig. „Wer ist der junge Mensch, der da eben zur Thüre herausflog?" — „Ein entfernter Verwandter vom Hausbesitzer!"

" Gottesdienstordnung in Fulda.

Sonntag, 26. Juni. Dom. 5,6, 68,* und 7'/» Uhr hl. Messen, 9 Uhr Amt mit Predigt, 11 Uhr Christen­lehre, 12 Uhr hl. Messe, l1/« Uhr Andacht und Christen- lehre, 4 Uhr Predigt und Andacht, 7 Uhr Andacht in der Marienkapelle. — Stadtpfarrkirchr. 5 Uhr hl. Messe und Predigt, 6 Uhr hl. Messe, 7 Uhr hl. Messe und Kom­munion derchristenlehrpfl. Jungfrauen, 8 Uhr hl. Messen. Predigt, 91/» Uhr Hochamt u. Predigt, 11 und 1'/- Uhr Christenlehre, 3 Uhr Michaels-Bruderschaft. — Michaels- Kirche. 10 Uhr hl. Messe mit Exposition, 2 Uhr Predigt und Bruderschaft von den 7 Schmerzen Marias. — J.-S. 63/. und 2'/. Uhr. — Pfarrkirche pmt hl. Geiste. 8 Uhr Hochamt mit Predigt, 5 Uhr Andacht |mit Segen. — Frauenberg. 5 und 6‘/» Uhr hl. Messen, 8 Uhr Bruder- schaftsmesfe, 9 Uhr Hochamt, 2 Uhr feierliche Vesper» 71/» Uhr Herz-Jesu-Andacht.