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für Meratf“J. Varz-U-r in Lulda. mit Nnterhaltungs-Meitage „Illuffrirte Sonntags-Zeitung!' peteregajfe Nr. 2 (Harmonie).

25. Jahrgang.

. * Der Direktor des ZSrmdes der Laud- wirttze, Dietrich Hahn, hat seinen Wählern mitgetheilt, daß er vom Bunde 9000 Mark Ge­halt beziehe, was bei den theueren Verhältnissen Berlins und seiner Arbeitsleistung nicht gerade sehr hoch sei. Gleichzeitig bestätigte er, daß Herr v. Ploetz 6000 Mark Remuneration erhalte.

M 141.

IuLöcr, Freitag, den 24. Juni 1898

* Die Wahlen und das offiziöse Telegraphenbureau.

Die Berichterstattung über die Ergebnisse der Wahlen hat diesmal noch mehr als stüher Anlaß zu Klagen und Beschwerden aller Art gegeben.

Zunächst war es die große Langsamkeit der Berichterstattung. Am Donnerstag den 16. Juni haben die Wahlen stattgefunden, und erst am Abend des darauffolgenden Montags, des 20. Juni, hatte man einen Ueberblick über den Ausfall aller Wahlen. Das heißt, man wußte dann von den meisten Wahlkreisen, ob eine Stichwahl stattfinden muß oder die Sache mit der Hauptwahl abgethan war. Von einigen wußte man auch das noch nicht genau. So wurde von dem amtlichen Berliner Drahtbureau auch noch nach der amtlichen Feststellung der Wahlergebnisse beispielsweise aus Stettin berichtet, dort sei der Sozialdemokrat gewählt worden, während thatsächlich Stichwahl zwischen dem Sozialdemokraten und dem Kandidaten der frei­sinnigen Vereinigung stattfinden muß; und als zweifelhaft wurde von demselben Bureau der Ausfall der Wahl in zwei oberschlesifchen Wahl­kreisen bezeichnet, obwohl sonst alle Welt bereits ganz genau wußte, daß dort die Kandidaten des Centrums im ersten Wahlgange den Sieg davon­getragen hatten.

Dann aber ist zu tadeln die ganz außerordent­lich mangelhafte Berichterstattung. In den allermeisten Fällen begnügte man sich damit zu berichten: der und der gewählt, oder: Stichwahl zwischen dem und dem. Damit ist aber erst die Hälfte gesagt von dem, was nothwendig ist; denn um die Lage in einem Wahlkreise richtig beur- theilen zu können, wo Stichwahl nöthig ist, muß man wissen, wie viele Stimmen jeder einzelne der Kandidaten erhalten hat.

Unmittelbar falsch wurde auch über das Wahlergebniß im Wahlkreise Siegen be­richtet. Dort sollte nach der Angabe des offiziösen Telegraphenbureaus Herr Stöcker gewählt sein. In der That aber muß Stichwahl zwischen diesem und dem Nativnalliberalen stattfinden, und erst acht Tage nach erfolgter Hauptwahl bequemte sich das offiziöse Telegraphenbüreau dazu, diesen Fehler zu berichtigen.

Solche Meldungen gehören nicht nur dem Jnterefsenkreise der Zeitungen an, vielmehr hat die gesammte Wählerschaft das allergrößte Interesse daran, daß sie äußerst schnell und äußerst genau über alle Wahlergebnisse unter­richtet wird. Es ist geradezu Pflicht der einzelnen Landesregierungen, dafür zu sorgen, daß in Zukunft eine unglaubliche Saum­seligkeit und Mangelhaftigkeit in der Bericht­erstattung über die Wahlergebniffe vermieden wird; denn diese Berichterstattung bildet einen wichtigen Faktor in unserem öffentlichen politischen Leben.

Was soll man dazu sagen, wenn dieses halb­amtliche Telegraphenbureau so außerordentlich saumselig in der Erfüllung seiner Pflichten ist, auf der andern Seite aber sich dazu hergibt, sogenannte „Berichtigungen" einzelner Inte­ressengruppen wie des Bundes der Land- wirthe zu verbreiten, die in der That gar keine

Der Kapellenhof.

Erzählung aus dem Leben von Max Benno.

17 ------ (Nachdruck verboten.)

Da gerieth der Lieutenant in Wuth.

„Ha, unverschämte Canaille," tobte der Lieutenant, „ich werde Dich zur Raison bringen. Wahrscheinlich lernst Du dann, einem Vorgesetzten Rede und Antwort zu geben. „Vorwärts, abgc- stiegen," kommandirte Rudolf, „der Bursche muß an den Pfahl!"

Die Reiter zögerten einen Augenblick, doch eine drohende Bewegung schüchterte sie ein. Sie sprangen von den Pferden und vollzogen den graufamen Befehl.

Hugo sagte kein Wort. Ruhig, aber mit einem Blicke des unversöhnlichsten Hasses auf den Baron ließ er sich an einen Baum binden.

Rudolf saß schon wieder im Sattel, und auch die Reiter standen im Begriffe, auf ihre Pferde zu steigen da sprengte von der Seite her ein ^erer Offizier und ein Ambulanzwagen folgte. , „Was gibt es hier?" fragte der Oberst, den gefesselten Hugo erblickend.

„Zu Befehl, Herr Oberst!" rapportirte der Lieutenant, „ich traf den Mann müßig auf dem Wege einherschlendernd und stellte ihn hierüber zur Rede. Auf alle meine Fragen hat er mir jedoch keine Antwort ertheilt."

Der Oberst trat zu Hugo und fragte ihn streng: „Warum sprechen Sie nicht?"

Die Brust des jungen Mannes begann heftig zu wogen. Er stand im Begriffe, eine Antwort zu geben, da löste sich von dem indeffen heran-

Berichtigungen sind? Wie kommt dieses Tele­graphenbureau dazu im Auftrage und Namen des Bundes der Landwirthe für diesen Reklame dadurch zu machen, daß es die falsche Meldung verbreitet, 66 Mitglieder des neuen Reichstages „wurden vom Bunde der Landwirthe bei der Wahl unterstützt und bekennen sich daher zu seinen Anschauungen" ? Sehr richtig bemerkt die „Nationalliberale Korrespondenz dazu: „Die Ab­sicht dieser Ausführungen liegt klar zu Tage . . ; es follen die genannten Abgeordneten auf Verpflichtungen vor der Öffentlich­keit fest gebunden werden, die sie nicht ein­gegangen sind . . ." Hat doch sogar die Presse des Bundes der Landwirthe auch mehrere ganz zweifellose Centrumsabgeordnete als solche bezeichnet, die angeblich auf das Programm des Bundes eingeschworen sein sollen! Und ebenso recht hat das nationalliberale Partei-Organ, wenn es dazu weiter bemerkt: „Ueberraschend war uns daß... sich die offiziöse Telegraphenagentur dazu hergegeben hat, den Versuch, die bei Ver­mittelung von Thomasphosphatmehl befolgten Praktiken auf das politifche Gebiet zu übertragen, mit der Autorität zu unterstützen, die sie von der Regierung entlehnt. Das ist das Gröblichste an Preßunfug, was in den letzten Jahren vorgekommen ist. . ."

Es liegt durchaus im allgemeinen öffentlichen Interesse, daß hier Abhilfe und Besserung geschaffen werde!

Deutsches Keich.

Berlin, 23. Juni.

* Der Kaiser ist am Mittwoch Nachmittag von Helgoland in Brunsbüttelkrog eingetroffen und heute, Donnerstag früh um 3 Ühr mit seiner Dacht „Hohenzollern" nach Kiel weiter­gefahren.

* In der politischen Thätigkeit der Regierung beginnt die Muhe des Sommers einzukehren. Nach Herrn von Miquel und den Staats­sekretären Gras Posadowsky und Tirpitz ist nunmehr auch der Reichsschatzsekretär Frhr. von Thielmann abgereist, und zwar nach Kreuth in Bayern.

x Beinahe in jedem Jahre wiederholt sich in der politischen Ruhezeit das Schauspiel, daß einige Offiziöse von den Rockschößen der Regie­rung abgeschüttelt werden. Jetzt geht es der „Mariire-Aoktti scheu Korrespondenz" so. Die oberoffiziöse »Norddeutsche Allgemeine Ztg.' schreibt: „Verschiedene ausländische Zeitungen haben neuerdings die Meinung ausgesprochen, die Marine-Politische Korrespondenz sei ein halb­offiziöses Organ und stehe mit dem Reichs- Marine-Amte in Verbindung. Das ist nach keiner Richtung hin zutreffend." Man wird wohl richtig vermuthen, daß dieser Rüffel, der der genannten Korrespondenz ertheilt wird, mit einer Notiz zusammenhängt, die dieselbe kürzlich über Deutschlands Anschauungen über die Phi­lippinen-Frage gebracht hatte. Da war nämlich gesagt, daß Deutschland auf den Philippinen einen Hafen ebenso wie Kiautschou in Ostasten bean­spruchen würde, wenn jetzt etwa aus den Philip­pinen so etwas wie eine freie Republik werden gekommenen Ambulanzwagen eine dunkle Gestalt ab, und im nächsten Augenblicke schlang ein junges Mädchen im Gewände einer Novizin der barmherzigen Schwestern ihre Arme um feinen Hals.

„Hugo, Bruder, um Gotteswillen," jammerte sie, „was hast Du gethan? Georg ist tobt und Du. . ."

Sie konnte nicht weiter sprechen. Durch die hervorbrechenden Thränen wurden ihre Worte er­stickt. Hugo drückte die Schwester, welche er so unerwartet auf dem Schlachtfelde hier fand, innig ans Herz. Er wollte etwas sagen, allein vor Aufregung brachte er feine Silbe hervor.

Eine unverkennbare Rührung zeigte sich bei dieser Szene auf dem Antlitze des Offiziers.

„Fräulein Emma", sagte er weich, „auch dieser Mann ist Ihr Bruder, wie der brave Fähnrich vom zweiten Jägerbataillon?"

Weinend bejahte die Jungfrau.

„Bindet den Soldaten los," befahl nun der Oberst und sein Auge ruhte mit eigenthüm- lichem Ausdrucke auf Hugos schmerzverzerrtem Gesichte.

«Sie haben einen Mißgriff gethan," wandte er sich an den Lieutenant, während die Reiter seinen Befehl mit sichtlicher Freude vollzogen. „Der Mann ist kein Feigling. Er hat sich heute als einer der Bravsten gezeigt, und das eiserne Kreuz ist ihm sicher!"

t Der Oberst trat wieder zu Hugo, dessen Trotz sich in Thränen der Scham und des Zornes Über die schimpfliche Behandlung aufgelöst hatte.

Gütig reichte er dem jungen Manne die Hand.

„Sie sind verwundet," ries er plötzlich, Hugos

sollte. Vielleicht darf man aus dem Umstande, daß die,Norddeutsche' nicht auch die Richtigkeit dieser Bemerkung in Abrede stellt, den Schluß ziehen, daß damit die Marine-Politische Korre­spondenz' das Richtige getroffen hatte.

h. Die Vorarbeiten für die ttette Organi­sation der IekdartiKerie sind Berliner Blätter­meldungen zufolge nunmehr fo weit gediehen, daß das Gesetz darüber mit dem neuen Etat ins Leben treten und dem Reichstage nach seinem Zusammentritt zur Beschlußfassung vorgelegt werden kann. Entsprechend der Kavallerie werden bei jedem Armeekorps zwei Brigaden, jede zu zwei Regimentern, gebildet werden. Von den reitenden Batterien werden so viele Abtheilungen eingehen, daß nur für jede im Kriegsfälle aufzu­stellende Kavallerie-Division eine Abtheilung ver­bleibt, fo daß die eigentliche Vermehrung an Ge­schützen und Gespannen als nur unbedeutend be­zeichnet wird. Zur Beschießung verdeckter Ziele soll bei jedem Armeekorps eine Feld- Haubitz-Batterie gebildet werden. So ganz unbedeutend werden ja die Mehrforderungen nun wohl doch nicht fein! Außerdem besteht die Ab­sicht, die Granatgeschosse wegen ihres geringen Streuungskegels eingehen zu lassen.

* Da die ILesetznng von Kianlschon in ihrer gegenwärtigen Stärke erhalten werden soll, stellt sich die Nothwendigkeit der Ablösung des ältesten Jahrgangs des III. Seebataillons heraus. Hierzu ist der Uebertritt von 40 Unteroffizieren und 270 Mann aus der Armee beantragt worden und finden zur Zeit Umfragen nach sich freiwillig Meldenden bei sämmtlichen Armeekorps statt. Wie diese bisher gleichfalls gehandhabt worden ist, scheiden die Uebertretenben aus ber Armee aus, bie Unteroffiziere kapituliren neu mit bem Seebataillon, bie Mannschaften (vom Jahrgang 1897) verpflichten sich zu breijähriger Dienstzeit. Die Ablösung bieses Kommanbos soll im Juli 1900 erfolgen, so baß bie Mannschaften im Herbst besfelben Jahres zur Entlasfung gelangen würben.

h. Das neue Gebäube bes preußische« Av geordnelenhauses wirb schon jetzt allgemach bezogen. Der Umzug ber Bibliothek ist bereits erfolgt, unb ber Umzug des Bureaus soll in der ersten Juliwoche erfolgen, lieber den muthmaß- lichen Zeitpunkt der preußischen Landtags­wahlen verlautet, daß dieselben möglichst spät vvrgenommen werden sollen, vielleicht erst im Monat November.

X Noch ganz zuletzt ist der amtliche ,Reichs- anzeiger' mit einer Zusammenstellung derWaHk- ergeöuiste erschienen. Und nach dieser Zusammen­stellung soll Freiherr v. Stumm in seinem Wahlkreise Ottweiler-St. Wendel gleich im ersten Wahlgange gewählt sein. Angenommen, es wäre so, so ändert das nichts an der Thatsache, daß der Centrums-Kandidat Dr. Hille die glänzendsten Erfolge gegen Freiherrn v. Stumm erzielt hat. Daß es fo ist, geben auch Blätter zu, die dem Centrum nichts weniger als hold sind. Aber ist es nicht geradezu ungeheuer­lich in einem Staatswesen wie Preußen und Deutschland, daß noch volle acht Tage nach vollzogener Hauptwahl nicht volle Gewißheit darüber besteht, wie das Ergebniß in einem Wahl­kreise ausgefallen ist?

blutgetränkten Aerrnel gewahrend. „Warum sagten Sie nichts!"

Der unbeschreibliche Blick, den der Soldat bei dieser Frage auf den verlegen zur Seite stehen­den Offizier warf und seine bitter hervorge- stoßenen Worte: „Lieber den Tob, als von biesem eine Wohlthat zu empfangen," verriethen bem Obersten, baß bem Vorkommnisse persönliche, feinbliche Beziehungen zwischen ben beiben zuGrunbe liegen, von welchen er ben Schleier vorerst nicht wegziehen wollte.

Emma hatte ben Arm Hugos, beffen Mus­kulatur von einer Kugel burchbohrt war, ent- kleibet unb waltete ihres Amtes.

„Sie sehen," roanbte sich ber Oberst, nachdem er einige Worte mit bem Leutnant gewechselt, mit freunblicher Zurechtweisung roieber an Hugo, „wie Eigensinn unb Trotz manchmal schlecht an­gebracht sinb. Sie haben Antwort unb Gehor­sam verweigert unb bem Herrn Leutnant stand das Recht zu. Sie deshalb zu strafen. Durch eine willige und kurze Aufklärung über Ihren Zustand hätten Sie alles erspart. Bis auf wei­teres überlaste ich Sie nun der Obhut Ihrer Schwester, wo Sie ohne Zweifel gut ver­sorgt sind."

Die Reiter stiegen zu Pferd, und Hugo nahm mit der Schwester in dem Ambulanzwagen Platz. Er erzählte ihr die Erlebnisse des Tages.

Von der Leiche des Bruders weg war er mit seinen Kameraden auf's neue gegen den immer wieder vordringenden Feind geführt worden. Die meisten derselben fanden den Tod, unb auch er erhielt einen Schuß in ben Arm. Unfähig, weiter zu kämpfen, aber boch noch im Staube, sich fortzn-

Ausland.

* Mruflek, 23. Juni. Der ,Etoile beige' melbet," König Leopolb, als Souverän bes Kongo st aates, habe heute mit einem Kon­sortium Brüsseler Banquiers eine Anleihe von 20 Millionen Francs abgeschlossen, welche zu Ausgaben für im Kongostaat auszuführenbe öffent­liche Arbeiten verwenbet werben sollen.

x Iiom, 23. Juni. Die italienische Regierung — wenn man im gegenwärtigen Augenblicke überhaupt von einer italinischen Regierung sprechen kann — rächt sich in gehässiger Weise bafür, baß bie ganze Welt ihre Verlegenheit klar erkannt unb baß bie unabhängige Presse sich nicht gefürchtet hat, dies offen auszusprechen. Man sieht bas an den Urtheilen, die gefällt werden in dem Prozeß wegen der Mailänder Unruhen. Da ist unter anderen der Leiter des katholischen .Osservatore cattolico', der Geistliche Don Albertario, zu drei Jahren Gefängniß ver urtheilt worden. Warum? Weil er der italienischen Regierung die Wahrheit gesagt hat. Und ein solches Regierungs-System wagt es, sich „liberal" zu nennen!

* Madrid, 23. Juni. König Alphons ging heute Morgen zur ersten hl. Kommunion unb empfing Nachmittags in Gegenwart ber Minister unb ber höchsten Würbenträger bie hl. Firmung.

* Petersburg, 23. Juni. Graf Iwanow, Kammerherr bes Zaren, besten Frau, Oberst Schischkin unb mehrere Hausbedienstete wurden wegen versuchter Vergiftung des Zaren verhaftet. Der Leibarzt Andrieux hatte in dem Frühstücksthee des Zaren Gift entdeckt. Die Zarin, welche von dem Thee gekostet hatte, leidet seitdem an schrecklichen Leib schmerzen. (Diese Meldung eines italienischen Blattes hat bisher noch keine Bestätigung erfahren. D. Red.)

Der spanisch-amerikanische Krieg.

* Vom Kriegsschauplätze liegt heute die wichtige Meldung vor, daß dem amerikanischen Expeditionskorps die Landung auf Cuba endlich gelungen ist. Ein Telegramm aus Washington vom 22. Juni meldet: Kriegssekretär Alger erhielt heute Abend ein von Playa del Este datirtes Kabeltelegramm Shasters, in welchem letzterer berichtet, die Truppen seien mit Erfolg in Daiguiri gelandet, lieber Details ber Lanbung unterrichtet eine zweite Depesche aus New-Dark: Die Lanbung ber Truppen Shafters hat bei Daiguiri, 17 Meilen östlich von Santiago begonnen, währenb bie Flotte gleich­zeitig mehrere befestigte Punkte westlich unb östlich von Santiago beschoß, aus benen bie Spanier vertrieben werben müssen, ehe ber Marsch auf Santiago angetreten werben kann. Die Lanbung

schleppen, zog er sich aus ber Gefechtslinie zurück, um einen Verbandplatz zu suchen. Da erfolgte die Begegnung mit Rudolf.

Emma hatte den gefallenen Bruder in dem großen Saale einer Villa gefunden, wo die Tobten unb Verwunbeten in großer Zahl untergebracht waren. Auch ihr gestattete bie Pflicht kein langes Verweilen; sie sprach ein kurzes Gebet für bie Seele des Heimgegangenen unb schloß sich roieber bem auf bas Schlachtfelb hinauseilenben Ambu­lanzwagen an.

Einige Wochen schon befanb sich Hugo im Lazarette, wo es mit ber Heilung ber an unb für sich nicht gefährlichen 2Bur.be nicht recht voran­gehen wollte. Zu biesem ungünstigen Erfolge mochte seine verbüsterte Stimmung beitragen. Der Tob des Bruders hatte ihm sehr wehe ge­than, noch mehr aber nagte an seinem Innern ein unversöhnlicher Groll gegen den Baron. Hugo glaubte den Grund der rohen Willkür des­selben zu kennen. Rudolf wußte ohne Zweifel, daß durch die Wachsamkeit des ehemaligen Freun­des seine Absichten auf Louise durchkreuzt worden waren, und hatte die bevorzugte Stellung benützt, um sich zu rächen.

Hugo, der begriff, daß er unter den obwal­tenden Umständen mit dem Baron nicht abrechnen konnte, verbiß feinen Grimm mit dem festen Vor­sätze, bei der ersten besten Gelegenheit Vergeltung zu üben. Nur der Schwester gegenüber sprach er sich aus. Emma suchte die bösen Gedanken aus seinem Herzen zu verscheuchen, indem sie ihn be­lehrte, daß er gefehlt und die erste Pflicht des Soldaten: den Gehorsam gegen seine Vorgesetzten, in gröblicher Weise verletzt habe. Er hörte sie