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25. Jahrgang

Iutöcr, Dienstag, den 21. Juni 1898

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Stimmenabgabe.

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VerüntrvorUich: Für die Redaktion 3o(. Daum, für Jnferate I-Parzell-r in Fulda.

DruS und Verlag der Fuldaer Actiendruckerri petersgaSe Nr. L (Harmonie).

lagt« ihn an, die Schuld an seinem verfehlten Leben zu tragen; sollte das Gleiche einst bei der Tochter der Fall sein? Ihr Unglück wollte er nicht. Wenn ihr die Verbindung mit Reinhold als ein solches erschien, dann trat er lieber zurück. Der Freiherr hatte ihn durch sein beharrliches Fernbleiben ohnehin so unwillig gemacht, daß ihm der Bruch mit demselben nicht allzu schwer wurde. Mil dem Wunsche Emmas, barmherzige Schwester zu werden, war es aber etwas Anderes. Was würden Stern, Ferber und seine übrigen Freunde dazu sagen, wenn er, der Freigeist, seiner Tochter die Erlaubniß ertheilte, ins Kloster zu treten?

Die Schwester sah sein Schwanken, und ine Hoffnung auf einen schönen Erfolg gab ihren überzeugungsvollen Worten doppelte Kraft. Und noch am gleichen Abende erhielt Emma zu aller Erstaunen vom Vater das beglückende Jawort.

Ferber und Stern bekamen zwar sehr lange Gesichter, als Amberg ihnen seine Absicht mittheilte. Sie zogen sich aber, so bald sie seine Festigkeit erkannt hatten, zurück, um nicht ihren Einfluß und die Stellung zu dem Kapellenbauern noch

oder 39 und dann die Sozialdemokraten mit 33 im ersten Wahlgange gewonnenen Wahlkreisen. Aber die Sozialdemokratie ist an mehr als 90 Stichwahlen betheiligt, und es würde eine ganz und gar nicht angebrachte Selbsttäuschung sein, wenn man sich der Erkenntniß der Thatsache ver- chließen wollte, daß die Sozialdemokratie auch wiederum in dieser Reichstagswahl einen ganz erheblichen Stimmenzuwachs zu verzeich-

so selbstbewußten und strengen Zügen schien heute eine besondere Weichheit zu liegen. Diese Gemüths- stimmung äußerte sich auch, als er auf den freudig bellenden Hofhund Ruß zuschritt und ihn mit zärt­lichem Streicheln von der Kette losließ. Allmählig be­gann es im Hause lebendig zu werden. Die Läden und Thüren flogen auf. Ein Knecht zog die blank- geputzte Chaise aus dem Schuppen, und ein anderer führte zwei Pferde zur Tränke. Amberg verschwand wieder im Haus, doch nur auf kurze Zeit.

Nach Verlauf einer Viertelstunde erschien er mit feiner Frau und den beiden Söhnen, alle

erfreuen.

Fast noch bedeutsamer als diese Er- rungenftbaften ist das Ergebniß in einigen Wahlkreisen, die das Centrum mit Erfolg be­hauptet hat. Wir meinen die Thatsache, daß das Centrum feine alte Thurmfestigkeit bewiesen hat gegen die wildesten und leidenschaftlichsten Angriffe, die eine bestimmte Gruppe von S o nd e r- bündlern gegen das Centrum richtete, und außerdem habrr. wir ist Auge die Thmfache, daß keine andere Partei sich so erfolgreich gegen die Sozialdemokratie erwiesen hat, wie gerade das Centrum. Die rheinischen Wahlkreise -Cleve-Geldern, Mülheim-Wippersürth und der Siegkreis sind von dem Rheinischen Bauernverein mit einem Fanatismus bearbeitet worden, als gelte es, den entsetzlichsten und gefährlichsten Fettd daraus zu vertreiben — und der Erfolg? Er ist über die Maßen kläglich. Die Sonder­kandidaturen, die der Vorstand des Rheinischen Bauernvereins den Kandidaten der Centrums- partei entgegengestellt hatte, haben so außerordent­lich wenige Stimmen auf sich vereinigt, daß man ganz klar und deutlich sieht, wie die Landwirth- schaft im Rheinlande durchaus nicht hinter dem Vorstände des Bauernvereins steht, sondern ganz klar und deutlich erkannt hat, daß ihre Sache am allerbesten vertreten und geschützt ist durch die altbewährte Centrumspartei und durch deren Grundsätze von der ausgleichenden Gerechtigkeit auf wirthschaftlichem Gebiete.

Nicht anders als im Rheinlande war es in

Ein lieblicher Frühlmgsmorgen brach an. In den blüthenprangenden Bäumen rings um den Kapellenhof fangen die Vögel, und oben auf dem First badeten sich die Tauben in der thausrischen Luft. Die Hühner scharrten gackernd im Sande, und ungeduldig zerrte der große Hofhund an ferner

Westfalen, war es in Schlesien: dort überall ist der Centrumsthurm unerschüttert geblieben durch die Wahlwühlerei im gleichen Sinne.

Und wie steht es nun mit dem Centrum und der industriellen Arbeiterschaft und damit gleich­zeitig mit dem Verhältnisse zwischen Centrum und" Sozialdemokratie? Der Wahlkreis Reichenbach-Neurode ist der Sozialdemo­kratie durch einen Centrumsmann genommen. Im Wahlkreise Bochum, wo die Industrie so außerordentlich entwickelt ist wie wohl in keinem einzigen andern, und wo die Zahl der wahlbe­rechtigten Leute so riesig zugenommen hat wie sonst nirgends, hat sich die Zahl der sozialdemo­kratischen Stimmen nur wenig vermehrt seit 1893; die Centrumsstimmen aber haben eine riesige Zu­nahme erfahren. In dem Mittelpunkte der Saar- Industrie, in dem „Königreiche" des Freiherrn von Stumm, im Wahlkreise Ottweiler-St. Wendel, ist erst in letzter Stunde der Generalsekretär der katholischen Arbeitervereine in Berlin, der Geistl. Rath Dr. Hille als Kandidat ausgestellt worden. Es hat keine planmäßige, von langer Hand vor­bereitete Agitation für ihn stattgefunden, für den Mann, der fremd ist im Industrie-Gebiete an der Saar, für den Mann, der neben seiner Be­red tsamkeit nur die Empfehlung mitbrachte, im katholischen Geiste für die Arbeitersache zu wirken — und siehe da, er schlug den Freiherrn von Stumm im ersten Wahlgange um rund 500 Stimmen; gerade den Mann, von dem man weiß, daß er in jüngster Zeit den größten Einfluß ge­wonnen hatte auf die sozialpolitischen Grundsätze

mehr zu gesährden. *

Der KapeUerchof.

Erzählung aus dem Leben von Max Benno.

14 ------ (Nachdruck verboten.)

Reinhold von Wälden ließ sich auf dem Hofe nicht mehr blicken. Er hatte sich mit eigener Krankheit entschuldigt, allein Amberg mußte recht gut, warum er nicht kam, und der junge Freiherr begann in seiner Gunst gewaltig zu sinken.

Hugo unterstützte die Krankenpflegerinnen, so gut er konnte. Er hatte sich auch für Nacht­wachen und ähnliche Dienste zur Verfügung ge­stellt. Man wies ihn jedoch freundlich dankend zurück.

Emma aber schloß sich der barmherzigen Schwester mit wachsender Liebe an und öffnete ihr endlich das Herz. Schwester Veronika hörte die Klage des Mädchens über die Verweigerung ihres innigsten Wunsches an und versprach für sie beim Vater zu bitten.

Die Genesung der Kranken ging in erfreu­licher Weise vor sich. Bei dem ersten Gange ins Freie wurden sie von den duftenden Blüthen des wiedergekehrten Frühlings begrüßt.

Veronika hatte bis jetzt keine passende Gelegen­heit gefunden, um mit dem Vater über Emmas Bitte zu sprechen. Diesen ersten Aufenthalt in Gottes freier Natur wollte sie dazu benützen. Sie befand sich mit Amberg in der grünumranften Laube, während die Mutter und Emma sich unter ihren f proff enden und blühenden Lieblingen im Garten ergingen. Dem Kapellenbauer flieg der Gedanke auf, wie nahe er dem Tode gestanden

mit Nnlerhattungs-Metkage „Mustrirte Sonntags-Zeitung?

und wie wenig gefehlt hatte, daß er all dies nicht mehr sah und empfand. Dieses Bewußtsein weckte aufs Neue das Gefühl der Dankbarkeit gegen die treue Pflegerin, die so viel für seine Genesung gethan hatte.

Er bat sie, ihm zu sagen, womit er seine große Schuld einigermaßen abtragen könne.

Mit freundlichem Lächeln schaute die Schwester ihn an. „Ich nehme Sie beim Worte," sagte sie. „Sie haben eine Schuld zu bezahlen, Kapellen­bauer, jedoch nicht an mich, sondern an denjenigen, welcher über Tod und Leben gebietet, an Gott. Der Herr will auch ein Opfer von Ihnen, denn er ist's, der den Drang nach dem Ordenskleide in die Seele Ihrer Tochter gelegt hat. Wollten Sie ihm auch jetzt noch, nachdem er Ihnen Leben und Gesundheit zurückgab, diesen Dank vor­enthalten?"

Amberg war betroffen — das hatte er nicht erwartet.

„Ich weiß alles," fuhr Veronika fort. „Sie wollen Emma verheirathen, und zwar gegen ihren Willen an einen Mann, der ihrer nicht würdig ist. Wiffen Sie auch, was es heißt, das Lebens­glück eines Kindes zu opfern? Gott gab Euch die Kinder, um sie als kostbare Kleinode zu hüten und zu bewahren und für ihr zeitliches und ewiges Wohl Sorge zu tragen. Beides tarne durch die Verwirklichung Ihres Planes für Emma in die größte Gefahr!"

Die Schwester schwieg und auch Amberg wußte nicht gleich eine Antwort zu finden. Un­willkürlich drängten sich die Vorwürfe Hugos aus feiner Seele hervor, die er trotz allen Be­mühens noch nicht vergessen hatte. Der Sohn

& Das Centrum bei den Wahlen.

Nach den vorläufigen Zählungen stellt sich das Gesammtergebniß der Reichstags­wahlen wie folgt: In 209 Wahlkreisen ist die Wahl gleich im "ersten Wahlgange entschieden worden; in 188 Wahlkreisen haben Stichwahlen stattzufinden. Gewühlt sind 42 Konservative, 8 Freikonservative (9 ?), 9 Nationalliberale, 87 vom Centrum, 33 Sozialdemokraten (34?), 12 Polen (13?), 2 vom Bunde der Landwirthe, 3 vom bayerischen Bauernbünde, 4 Antisemiten, 9 andere Fraktionslose. An den Stichwahlen ist das Centrum in 39 Fällen, die Sozial­demokratie in 95 Fällen betheiligt. Die Zu- fammenstellung der amtlichen Wahlergebnisse dürfte noch einige kleine Aenderungen in diesen Ziffern bewirken.

Das Cent rum also wird mindestens in der alten Stärke in den neuen Reichs­tag einziehen. ,

Das Centrum hat indessen auch einen Ver­lust erlitten; es hat den bayerischen Wahlkreis Deggendorf an den von den Bauernbündlern dort aufgestellten Dr. Ratzinger verloren. Dafür hat das Centrum aber mehrere Eroberungen gemacht. In Schlesien ist den Sozialdemokraten durch die Kandidatur des Grafen Magnis der Wahlkreis Reichenbach-Neurode abgenom­men, in Ostpreußen ist der Wahlkreis Allen - stein-Rössel neu gewonnen worden, und in Bayern haben die Bauernbündler Kehlheim an das Centrum zurückgeben müffen. Außerdem ist Eis en durch den wackeren Stötzel dem Centrum erobert! Vermuthlich werden uns die Stich­wahlen durch einige weitere neue Errungenschaften

Inserate: Die ein­spalt. Garmond­zeile oder fceren Raum 15 Pf., Re­klamen die Petit­zeile 25 Pf.; bet Wiederholungen wird entsprechend. Rabatt gewährt.

Ueberall wurde an mir gezweifelt, überall stieß ich auf falsche Beurtheilung. Nur Eine hatte zu mir Vertrauen, Eine glaubte an mich, das war die Armee, und auf "sie gestützt, im Vertrauen aus unfern alten Gott übernahm ich mein schweres Amt, wohl wissend, daß die Armee die Haupt­stütze meines Landes, die Hauptsäule des preußi­schen Thrones sei, auf den mich Gottes Rath­schluß berufen . . . ." Mit aufrichtigem Be­dauern wird das Volk im Lande diese Klage des

Deutsches Deich.

Berlin, 20. Juni.

h Am 16. Juni hat der Kaiser an die im ogen. Lustgarten zu Potsdam versammelten Leib­regimenter eine Ansprache gehalten, in der nach der Mittheilung des amtlichen.Reichs- und Staatsanzeigers" folgende Stelle enthalten ist: „Mit schweren Sorgen übernahm ich die Krone.

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neu hat.

Die Stimmenzunahme der Sozialdemokratie stammt diesmal nicht hauptsächlich aus den großen Städten und aus den Mittelpunkten der Großindustrie. Sie hat vielmehr nament­lich ihren Sitz in kleineren Städten und in ländlichen Wahlkreisen, und vor allen Dingen ist es auffällig, wie außerordentlich die sozialdemokratische Stimmenzahl in den ländlichen Bezirken der östlichen preußischen Provinzen zugenommen hat Sollte das nur ein sogenannter Zufall fein ? Wir glauben es nicht. Wir glauben, daß das feine ganz besonderen Gründe hat.

Sehr stark angewachsen sind ferner die sozial­demokratischen Stimmenzahlen in solchen Gegen­den, wo vorherrschend Hausindustrie getrieben wird, so z. B. in einigen thüringischen Wahl­kreisen. In östlichen Wahlkreisen, wo ehedem gar niemand mit der Möglichkeit rechnete, daß ein andern als ein konservativer Kandidat bei der Wahl in Frage kommen könnte, müffen sich jetzt vielfach die Konservativen einer Stichwahl gegen einen Sozialdemokraten unterziehen; und dies kann doch nur davon herrühren, daß die ländliche Arbeiterschaft massenhaft sozml- demokratische Stimmzettel abgegeben hat, um ihre Unzufriedenheit mit den Verhältnisfen zum Ausdrucke zu bringen, in denen sie leben. Gibt das nicht zu denken? Es kommt uns so vor, als könne gerade diese Seite der neuesten Wahl­ergebnisse gar nicht genug beachtet werden: für die Arbeiterschaft der Großindustrie ist während der letzten Jahre manches ge­schehen, vor allen Dingen dort, wo die katho- lj,sche Sozialpolitik ihre segensreiche Thättg- teit entfalten konnte; und nun stellt diese Arbeiter- schaff bei den Wahlen ihre Quittung darüber aus, indem sie mehr als bisher den sozialdemo­kratischen Lockungen widersteht. Für die länd­liche Arbeiterschaft ist in diesem Sinne recht wenig geschehen; und daß die Arbeiter in der Hausindustrie ein nichts weniger als beneidenswerthes Loos haben, ist leider bekannt genug. Diese beiden Arbeiterklassen aber bezeugen die Unzufriedenheit mit ihrer Sage ganz deutlich und unverkennbar durch sozialdemokrattsche

Kaisers vernehmen, daß er im Anfänge feiner Regierung überall auf falsche Beurtheilung ge­stoßen sei. Es geschieht wohl zum ersten Male, daß der Kaiser dieser Klage öffentlich Ausdruck verleiht; und aufrichtig wird das ganze Volk die Hoffnung hegen, daß der Kaiser nie mehr Grund zu gleicher Klage finden möge, daß dies also auch zum letzten Male geschehen sein möge. Ein herr­liches Mittel zur Erfüllung dieser Hoffnung würde die Durchführung der bekannten Februar- Erlasse vom Jahre 1890 fein. Dessen könnte der Kaiser versichert sein: das Volk würde ihn nicht mißverstehen, wenn er heute mit der ganzen Energie, die ihm innewohnt, auf der Durchfüh­rung der Grundsätze dieser Erlasse bestehen würde. Das wäre der beste, das wäre der sicherste Kampf gegen die Sozialdemokratie. Und die Erfolge einer solchen Politik würden als­bald glänzend triumphiren über die Be­sorgnisse engherziger Egoisten und ängst­licher Regierungs - Bur eaukraten, die noch stets es verstanden haben, die Durchführung dieser Erlasse zu hintertreiben. Soll die Sozial- resorm wirklich für immer begraben fein?

X Zu der Angelegenheit der Graumrg des Kerzogs Ornst Günther vo« Schkeswig- Kokstein mit der katholischen Prinzessin von Koburg wird der ,@ermania' aus Koburg mit- gethellt, daß dort „von einer Trauung in der katholischen Pfarrkirche nichts bekannt" sei. Thatsächlich ist bereits vor mehreren Wochen ver­schiedentlich übereinstimmend in mehreren Blättern berichtet worden, daß in Koburg für diese Trauung in der katholischen Pfarrkirche dort alle nöthigen Vorbereitungen getroffen würden; uno jene Mel­dungen ffnd von keiner Seite beanstandet worden. Danach hätte man also wohl anzunehmen, daß neuerdings der katholischen Trauung des herzog­lichen Paares wieder Schwierigkeiten erstanden ffnd. Oder sollte die Trauung an einem anderen Orte stattfinden? Das ist auch so gut wie aus­geschlossen. Denn schon ist eine ganze Reihe von Fürstlichkeiten offiziell zur Theilnahme als Gäste bei dieser Trauung in Koburg angemeldet. Und über die Veranstaltung von Trauungen in so hohen Kreisen wird doch auch nicht erst zwischen Thür und Angel entschieden. Die Aufklärung wird wohl nicht lange auf sich warten lassen.

S Vor einigen Tagen wurde an dieser Stelle eine Nachricht der ,Köln. Volkszeitung" erwähnt, wonach innerhalb der Regierung Gegen­sätze bestehen sollen derart, daß Herr von Miquel mehr für eine Politik mit den Herren von Plötz, Dr. Hahn usw. fei, der Reichskanzler und Staats­sekretär von Bülow aber grabe die entgegengesetzten Anschauungen hätten. Nunmehr strebe man da­hin, diese letzteren beiden zu verdrängen usw. Daß solche Gerüchte grade gegenwärtig Herrn

Erscheint täglich, m. Ausnahme der Sonn- und Feier­tage. Bierteljährl.

Bezugspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld in Fulda und aus­wärts IM. 50 Pf.

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Die Thür des Wohnhauses öffnete sich, und gehabt hatte. Gleichwohl gab es Augenblicke m Amberg trat in den Hof. Auf seinen sonst immer denen er das Versprechen bereute, das er der

Wagen, und eine Minute später rollte das Fuhr­werk zum Hofe hinaus. Das Gesicht der Mutter, die schweigend neben dem in sich gekehrten Georg saß, bekundete einen noch größern Ernst als ge­wöhnlich und nur aus Hugos Blicken, der die Pferde mit lautem Peitschenknall zu raschem Laufe antrieb, strahlte der Wiederschein eines Herzens, das die Freude durchglühte.

Emma befand sich schon fett längerer Zett m W., um sich für den Empfang des Ordensklerdes vorzubereiten. Dieser bedeutungsvolle Tag war nun angekommen. Amberg schien nicht recht zufrieden. Daß er mit Wälden gebrochen, bereute er Nicht. Der Freiherr hatte sich über den Verlust Emma 8 sehr schnell getröstet und einen Ersatz gesucht M der Verbindung mit einer schon bejahrten, aber sehr reichen Wittwe. Diese Gleichgiltigkeit verdroß den hochrnüthigen Mann, und nebenbei mußte er anerkennen, daß Schwester Veronika mit ihrem Urtheile. über den ehemaligen Freier Emma's recht

der Regierung!

Das möge die Regierung sich merken! Und sie möge danach handeln. Thut sie es nicht, handelt sie nicht nach der Lehre, die diese letzten Wahlen ihr so deutlich ertheilen, sondern verhält sie sich nach wie vor abweisend gegen eine auf­richtige , entschiedene Sozialresorm in wahrem christlichen Sinne, sucht sie nach wie vor der ka­tholischen Kirche und ihrem Wirken durch Polizei­maßregeln die Schwingen zu stutzen, dann wird sie selbst es sich einstmals zuzuschreiben haben, wenn die sozialdemokratische Sturmflutb die Damme bricht und reißend alles mit sich sort- schwemmt. Noch ist es Zeit zum Handeln. Darum handele man bald und ent« schieden!_________________

* Die Sozialdemokratie bei den Reichstagswahlen.

Mit dem üblichen Lärm verkündete am 17. Juni das Berliner Centralorgan der Sozialdemokratie, der ,Vorwärts", daß gleich im ersten Wahlgange 36 Sozialdemokraten fest gewählt seien. Aber die Herren Genossen haben Wasser in ihren Wein schütten müssen. Sie hatten in drei Wahlkreisen zu früh triumphirt, und es stellte sich bei der ge­naueren Stimmenzählung heraus, daß sie in diesen Wahlkreisen noch eine Stichwahl durchzumachen, daß sie also bei der Hauptwahl nur in 33 Wahl­kreisen den Sieg davongetragen haben. Nach der Zahl der gleich von Anfang gewonnenen Man­date steht die Sozialdemokratie an dritter Stelle. Das Centrum mit 87 Mandaten steht an der Spitze. Dann kommen die Konservativen mit 38