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FultmerMZeiturig

25. Jahrgang.

Iutöcr, Samstag, den 18. Juni 1898

HL 136

Inserat«: Die ein» spalt. Garmond­zeile oder deren Raum 15 Pf., Re­klamen die Petit» zeile 25 Pf.; bei Wiederholungen wird entsprechend. Rabatt gewährt.

Erscheint täglich, m. Ausnahme der Sonn-und Feier­tage. Bierteljährl.

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•■XMäSX'ä“- mit Anterhattungs-Meilage „Zllustrirte Sonntags-Zeitung« ptUrsgah« Nr. i (Laruwalt).

Woche« «Rundschau.

(Nachdruck »erbaten.)

X Fulda, 18. Juni.

Nunmehr hat alle Wahlagitation und Wühlerei ein Ende: Der große Tag, der für die Gestaltung und die Entwickelung unserer inneren Politik in den nächsten 5 Jahren mehr oder minder entscheidend sein wird, ist vorüber, und im Großen und Ganzen ist schon be­kannt, in welcher Richtung die Entscheidung gefallen ist: daß nämlich die Mehrheit der Wähler stch für eine Fortsetzung der vom letzten Reichstag befolgten, vom Geiste der Sparsamkeit getragenen Politik ruhiger Besonnenheit und Stetigkeit, die vor allem die Wahrung der Volksrechte im Auge hat, ausgesprochen hat Jeder wahre, aufrichtige Volksfreund wird sich darüber freuen, daß daulit alle Erschütterungen, die dem öffentlichen Wohle niemals dienen können, fern­gehalten werden. Besondere Ueberraschungen in aus­gedehnterem Maße dürften diesmal übrigens kaum zu befürchten sein, da es an den Voraussetzungen zu solchen gefehlt hat: so vor Allem an einer weite Wählerkreise verwirrenden Agitation und an der Angst­macherei, wie sie beispielsweise vor der 1887er Kartell- Wahl und auch vor fünf Jahren zu Gunsten der damaligen Militärvorlage betrieben wurde. Durch derartige gewissenlose Hetzereien lassen diejenigen Wähler, die in politisch nicht erregten Zeiten oft gar nicht an die Wahlurne zu bringen sind, leicht sich be­stimmen, die der Regierung genehmen Kandidaten zu wählen, weil sie glauben, dadurch die ihnen vorge­graulte Gefahr am sichersten abwenden zu können. Mit Recht daher wurde namentlich die 1887 gewählte Kartellmehrheit ein Angstprodnkt, eine Fälschung des Volkswillens genannt.

Nach den Hauptwahlen wendet sich nun sofort das ganze Interesse den Stichwahlen zu, die diesmal allgemein früher stattfinden, als dies sonst der Fall war, und für die daher nur wenig Zeit zur Agitation übrig bleibt. Wo ein Centrumskandidat zur Stichwahl steht, müssen unsere Parteigenossen selbst­verständlich das Aeußerste aufbieten, um demselben zum Siege zu verhelfen. Der letzte Mann muß zur Urne gebracht werden, damit, wenn ein Sieg nicht möglich ist, die Partei wenigstens mit Ehren aus dem Kampfe hervorgeht. Wo ein Centrumskandidat nicht in Frage kommt, die Centrumswähler aber die Ent­scheidung zwischen zwei anderen Parteien in der Hand haben, müssen dieselben unter allen Umständen für den Kandidaten eintreten, der sich verpflichtet, die Volksrechte und insbesondere das bedro hte Wahl- recht zu schützen und für die Aufhebung des Jesui-tengesetzes zu stimmen. Das wird in der Regel der freisinnige Kandidat sein. Unter allen Umständen muß die Wahl volksfeindlicher Kartellkan­didaten verhindert werden, mögen dieselben sich konser­vativ oder nationalliberal nennen, denn das größte nationale Unglück, welches das deutsche Volk treffen könnte, wäre ein Reichstag mit einer K artell­mehrheit. Ebenso wenig aber darf ein Centrums­wähler einem Sozialdemokraten seine Stimme geben!

Der bayerische Landtag ist nach einer achtmonat­lichen Session noch nicht geschlossen, sondern nur ver­tagt worden und soll im nächsten Winter noch zu einer kurzen Tagung einberufen werden, auf die dann die Neuwahlen folgen werden. Die Volksvertretungen der kleineren Bundesstaaten nehmen sich zu ihren Ver­handlungen reichlich Zeit, was sich hauptsächlich daraus erklären mag, daß sie nur alle ztvei Jahre einberufen werden, abgesehen davon, daß es in der Natur der Sache begründet ist, daß, je kleiner die Verhältnisse find, um so eingehender darüber diskutirt wird. In Bayern speziell hat die neue Partei der Landbündler und ebenso die Sozialdemokraten zur Hinausziehung der Verhandlungen der Abgeordnetenkammer nicht wenig beigetragen. Daß dabei die landbündlerischen Vertreter eine besonders glückliche Rolle gespielt hätten, kann nicht behauptet werden.

In Oesterreich hat die parlamentarische Krisis eine unerwartete Wendung genommen. Nachdem in der vergangenen Woche wieder einmal wüste Szenen, wie sie im Reichsrath jetzt leider schon hergebracht sind, stattgefunden hatten, waren die Sitzungen bis zum Dienstag den 14. ds. ausgesetzt worden. An diesem Tage sollte der Ministerpräsident Graf Thun eine Er­klärung der Regierung bezüglich der Sprachenverhält­nisse abgeben, und man hoffte auch, daß es dann möglich sein werde, den Sprachenausschuß zu wählen, auf den sich die Parteien soweit geeinigt hatten, und der eine befriedigende Lösung der unglückseligen Spra­chenfrage versuchen sollte. Da verkündete am Sonntag unvermuthet eine kaiserliche Verordnung die Ver­tagung des Reichsraths bis zum nächsten Herbst, die in einem am Samstag stattgehabten Ministerrath beschlossen worden war. Offenbar war die Regierung zu der Ueberzeugung gelangt, daß bei der feindseligen Haltung der Reichsrathsmehrheit und Minderheit zu einander eine gedeihliche Lösung der Sprachenfrage einstweilen nicht möglich und es daher beffer sei, den Gemüthern während des Sommers Zeit zur Beruhi­gung zu lassen und im Herbste die undankbare und wenig Erfolg verheißende Arbeit eines Ausgleichsver­suchs wieder aufzunehmen. Unter den obwaltenden Umständen dürfte dieser Schritt das Klügste gewesen sein, was die Regierung thun konnte, und in diesem Sinne sprechen sich denn auch Blätter der verschie­densten Richtungen aus. Ob aber im Herbste wirklich eine allgemein, wenigstens einigermaßen befriedigende

Lösung gefunden werden wird? Wer vermöchte das zu sagen!

In Frankreich hat die neu gewählte Deputirten- kammer zum ersten Male Farbe bekannt. Die Präsi­dentenwahl in der vorigen Woche konnte als ent­scheidende Probe nicht gelten, weil diese Wahl mehr Personenfrage ist, bei der Sympathien und Anti­pathien höhere Bedeutung haben als sachliche Gründe. Am Montag und Dienstag aber wurde in Folge einer Interpellation über die künftige Politik des Ministe­riums Möline debattirt, und da schieden sich die Geister scharf. Radikale und Sozialisten, die sich kaum noch von einander unterscheiden, im Religions- und Priester­haß mit einander wetteifern, griffen das Ministerium heftig an, das nur von der Gnade der Rechten lebe, und verlangten, daß dasselbe lediglich auf eine repu­blikanische Mehrheit sich stütze, zu der natürlich auch Radikale und Sozialisten gehören müßten. Und zwei Tage später war das Ministerium gestürzt. Ein neues Kabinet ist bis heute noch nicht zu Stande gekommen.

In Italien ist ein „Programm" des neuen Mini­steriums Rudinii veröffentlicht worden. Wenn dieses „Programm", das fast ausschließlich gegen die katho­lischen Blätter und Vereine gerichtet ist, zur Durch­führung gelangen sollte, so würde für die Katholiken eine Zeit neuer, heftiger Verfolgung beginnen, von der namentlich auch die Priester getroffen würden. Der gesunde Menschenverstand will nicht begreifen, daß für die vor einigen Wochen stattgehabten, zum Theil durch die herrschende Noth, zum Theil durch sozialistische Wühlereien herrorgerufenen Unruhen die kirchentreuen Katholiken verantwortlich gemacht werden sollen; die revolutionäre italienische Regierung weiß das aber besser: sie sucht die Revolution und deren Urheber da­durch zu beschwichtigen, daß sie auf den „Klerikalis- mus" (vshaut — bis sie selbst mit dem ganzen herr­schenden System von der Revolution verschlungen wird. Und dieser Augenblick rückt immer näher.

Auf dem amerikanisch-spanischen Kriegsschauplatz befinden sich die Dinge int Allgemeinen immer noch auf dem alten Stande, wenigstens in den cubaNi­sche n Gewässern. Die Amerikaner haben zwar wieder­holt den Hafen und die Stadt Santiago beschossen und verkündeten triumphirend, sie hätten den Spaniern großen Schaden zugefügt; dieselben würden sich nicht länger mehr dort halten können. Wie immer aber seither, erwiesen diese Berichte sich als Aufschneiderei, und schließlich mußten die Uankees selbst zugestehen, daß die Beschießung einen ernstlichen Erfolg nicht ge­habt habe. Aehnlich erging es ihnen mit wiederholten Landungsversuchen, bei denen sie stets von den Spaniern zurückgeschlagen wurden. An einer Stelle im Osten der Insel mußten sie sogar einen Punkt, den sie be­setzt hatten, wieder aufgeben, weil sie ihn nicht halten konnten. In Folge dieser Sachlage, und da die Kriegs­kosten bereits eine ungeheure Höhe erreicht haben, ein Ende des Krieges aber nicht abzusehen ist, beginnt sich in der amerikanischen Bevölkerung bereits eine ernste Mißstimmung bemerkbar zu machen, die der Regierung und dem Präsidenten nicht gleichgiltig sein kann. — Von den Philippinen dagegen kommen für die Spanier ungünstige Nachrichten. Die dortigen auf­ständischen Eingeborenen belagern, von den Ameri­kanern mit Geld, Waffen und Munition versehen, die Hauplstadt Manila, welche die Spanier, da sie nur eine schwache Besatzung dort haben und auf die ein­geborene Bevölkerung nicht sich verlassen können, kaum noch werden halten können. Von Tag zu Tag wird die Meldung vom Falle der Stadt erwartet. Für die Amerikaner ist das nichts weniger als rühmlich: sie selbst vermochten nichts gegen die Hauptstadt auszu­richten; deßhalb bedienen sie sich der von ihnen be­zahlten eingeborenen Empörer gegen die rechtmäßige Regierung. Amerikanisch mag das sein, aber nicht anständig.

)(Der spauisch-amerikanische Krieg.

Das päpstliche Kollegium Josephinum, Seminar der hl. Kongregation der Propaganda zu Colum­bus, Ohio, in Amerika gibt ein sehr zu empfehlendes deutsches Famitienblall unter dem Titel: ,Ohio Waisenfreund' in der eigenen Druckerei heraus, dem wir aus der Nummer vom 25. vor. Mts. folgendes entnehmen:

Washington, 18. Mai. Infolge der sehr rigoriosen ärztlichen Untersuchung, welcher alle Volontäre sich zu unterwerfen haben, geht die Rekrutirung der Volontär-Regimenter nur ver- hältnißmäßig langsam vor sich. Man ist bei der Einstellung der Voluntäre aus mehreren Gründen sehr vorsichlig. Zunächst sollen nur solche Leute der Armee eingereiht werden, die durchaus gesund und kräftig sind, weil die bevorstehenden Strapazen große Anforderungen an die Körper-Konstitution stellen werden. Dann aber hat man aus der riesigen Pensionsltste des Bürgerkrieges Lehren gezogen. Damals wurde alles eingestellt, was nur eine Muskete tragen wollte. Diesen Fehler, damals durch zwingende Nothwendigkeit veranlaßt, will man jetzt vermeiden, und nur gesunde, kräftige Leute besten Alters einstellen.

Columbus, 25. Mai. In der verflossenen Woche hörten wir im Josephinum fortwährend die Feuerglocken läuten. Es war zwar nirgends ein Brand ausgebrochen, sondern ein anderes Ereigniß sollte damit angekündigt werden: näm­lich der Abmarsch der Truppen des Staates Ohio, die in den Krieg zogen. Wir haben schon früher erwähnt, daß nicht fern vom Josephinum ein großes Lager ausgeschlagen worden war, wo das erste Aufgebot der Freiwilligen mobil gemacht

wurde. Auf einem großen schönen Platze wohnten dort die Soldaten in Zelten und wurden organisirt, mit Uniform bekleidet und mit Waffen ausgerüstet. So zogen die Krieger vom Lagerplatze zum Bahn­hof durch eine der schönsten Straßen von Amerika. Zahlreiche Blumensträuße wurden den Soldaten gespendet und Tausende von Menschen, meilen­lang ausgedehnt, betrachteten mit großer Auf­merksamkeit unter den Tönen der Feuerglocken die dahin ziehenden Krieger. Jeder wurde dadurch daran erinnert, daß der Krieg ein Uebel ist; aber dieses Uebel ist nun einmal da, und der Friede kann jetzt wohl nicht anders hergestellt werden, als daß er erkämpft werde. Alle die Tausende, welche aus Ohio in den Krieg gezogen, sind Freiwillige. Es wird offenbar gar keine Schwierig­keiten verursachen, noch mehrere Male ein neues Aufgebot von 100000 freiwilligen Soldaten ein­zuberufen, wenn dies nöthig sein sollte, denn der Enthusiasmus für den Krieg ist sehr groß. Wir sind der Meinung, daß unser Land, das keine Militärpflichten kennt, ohne allen Zwang und ohne Schwierigkeiten eine Million Soldaten ausrüsten könnte, so lange der Krieg populär bleibt, wie er jetzt ist.

Mögen diese Soldaten auch nicht so gut ein­exerziert sein, wie jene der europäischen Armeen, so sind sie doch auf das Beste bewaffnet, und viel besser ausgerüstet, als die deutschen Soldaten vor dreißig und mehr Jahren waren. Außerdem werden sie "von militärisch erzogenen und geschulten Offizieren befehligt, so daß sie nach unserer An­sicht im Stande sind, es mit irgend einer euro­päischen Armee aufzunehmen. Am Tage Christi Himmelfahrt haben wir mit unseren Studenten zugeschaut, wie die letzten Soldaten, welche Neger waren, aus dem Lager abmarschirt sind.

Hier und da wird die Frage aufgeworfen, ob der im Gange befindliche Krieg zwischen unserem Lande und dem Königreich Spanien auch gerecht sei. Die Frage hat nach dem Ausbruche des Krieges keinen besonderen praktischen Nutzen mehr für uns, denn nun muß auf jeden Fall der Kampf ausgefochten werden, und je schneller das Ende des Krieges und damit der Friede herbeigeführt wird, um so besser wird es sein. Es gibt aber, wie in europäischen Zeitungen zu sehen ist, Leute, welche glattweg behaupten, der Krieg der Ver­einigten Staaten gegen Spanien sei nicht gerecht. Sie geben als Grund an, derselbe sei aus Hab­gier unternommen und habe den Zweck, das Ge­biet der Vereinigten Staaten durch die Annexion von Cuba zu vergrößern. Leute, welche so ur- theilen, sind theils in Unwissenheit, theils im Jrrthum. Der Kongreß verlangte die Räumung jener Insel aus dem Grunde, weil dort seit langen Jahren eine Mißregierung bestanden hatte und das darauf wohnende Volk mißhandelt worden war.

Die Befreiung jener Insel von dem Joche Spaniens ist der ausgesprochene Zweck des Krieges. Dabei hat der Kongreß offen und vor aller Welt die Meinung von sich gewiesen, daß die Vereinigten Staaten irgendwelche Oberhoheit über Cuba ausüben wollten, nachdem die spanischen Soldaten davon sich zurückgezogen hätten. Diese Erklärung des Kongresses kann als eine wahre Verpflichtung gelten, so daß nach dem Ende des Krieges, der unzweifelhaft günstig für die Vereinigten Staaten aussüllt, die Insel Cuba eine freie Regierung erhalten muß, welche fähig ist, das Land zur Zufriedenheit seiner Ein­wohner zu regieren. Nachdem dieses Ziel erreicht sein wird, müssen auch unsere Truppen sich von der Insel zurückziehen. Wenn dann Cuba sich selbst überlassen ist und durch Volksabstimmung sich unserem Staatenbunde anschließen will, so würde es keine Verletzung der eingegangenen Verpflichtung sein, die Insel Cuba unserem Lande anzugliedern. Der Krieg ist unternommen worden, um ein bedrängtes Volk von seiner Mißregiernng zu befreien. Die vielen Beschwerden von dort, welche in den Vereinigten Staaten veröffentlicht wurden, sind niemals von der spanischen Regie­rung widerlegt oder berichtigt worden, da sie zum Kriege führen mußten.____________________

Deutsche« Keich.

Berli n, 17. Juni.

Ganz unnöthige Besorgnisse äußern die Amerikaner wegen der deutsche« Kriegs­schiffe, die nach den Philippinen beordert sind; und geradezu lächerlich klingt es, wenn man liest, daß in der Sitzung des Kongresses der Vereinigten Staaten am letzten Mittwoch die Aeußerung gefallen ist: Amerika werde jede Ein­mischung Deutschlands auf den Philippinen mit Waffengewalt verhindern. Noch lächerlicher aber berührt es, wenn die Drahtberichte weiter melden, daß diese Aeußerungen „mit freudigem Beifalle ausgenommen wurden". Deutschland hat ja, rote bei uns Jedermann weiß, gar nicht die Absicht, die Hand auf die Philippinen zu legen. Und

außerdem wird noch zum Ueberfluffe eine halb­amtliche Kundgebung verbreitet, die von neuem feststellt, daß „alle Vermuthungen unbegründet sind, wonach Deutschland angeblich aus seiner Neutralität in der Philippinen-Frage herauszu­treten beabsichtige". Wichtige deutsche Interessen auf den Philippinen verlangen den deutschen Schutz, und dieser wird ihnen zutheil; und nur sehr ungerecht denkende Leute können daran etwas auszusetzen finden. Die Amerikaner aber werden ja kaum mit dem schwachen Spanien fertig. Da nimmt sich ihre Drohung mit Waffengewalt gegen Deutschland in der That nicht wenig lächerlich aus — ganz abgesehen davon, daß diese Dro­hung nicht die geringste thatsächliche Bedeutung in Anspruch nehmen kann. Uebrigens ist zu den vier bereits nach Manila beorderten deutschen Kriegsschiffen noch ein fünftes abgesandt worden: Die „Prinzeß Wilhelm", Kommandant Korvetten- Kapitän Truppe!, ist am Mittwoch ebenfalls von Nagasaki nach Manila abgedampft.

X In einer statistischen Zeitschrift werden nach dem vorliegenden amtlichen Material inte­ressante Mittheilungen gemacht über die Zahl der ländliche« Zn»a«gsversteigerrmge« in den zehn Jahren von 1888 bis einschließlich 1897. Danach haben sich erfreulicherweise die Zwangsversteigerungen fortgesitzt vermindert, sowohl nach der Zahl der vorgenommenen Ver­steigerungen, als auch nach dem Größenumfange der versteige: ten Landflächen. Nach den Zusam­menstellungen des Statistischen Bureaus der preu­ßischen Staatsregierung kamen im Königreiche Preußen im Jahre 1888 zur Zwangsversteigerung 6308 Grundstücke mit zusammen 128579 Hek­taren Landfläche und 1087 991 M. Grundsteuer- Reinertrag. Bis zum Jahre 1896 sind dann diese Ziffern allgemach gesunken auf 6294 Grund­stücke mit 95 790 Hektaren Landfläche und 768023 Mark Grundsteuer-Reinertrag, und im Jahre 1897 haben die entsprechenden Ziffern nur noch betragen: 5961 Grundstücke mit 65 585 Hektaren und 678 281 M. Grundsteuer-Reinertrag Diese Ziffern an sich sind, wie gesagt, ohne Zweifel sehr erfreulich, und aus der Stetigkeit ihres Verhältnisses darf man auch darauf schließen, daß sie nicht als Kennzeichen einer vorüber­gehenden Erscheinung aufzusassen sind. Nun ist die Frage, ob diese Verringerung der Zwangs­versteigerungen allein mit einer Besserung in der Lage der Landwirthschaft zusammenhängen. Ja manchen Fällen mögen auch die Gläubiger wegen der Nothlage der Landwirthschaft von einer Uebernahme der Güter sich gefürchtet und dadurch vor einer Zwangsversteigerung sich gehütet haben.

h. Nach einer Mittheilung der ,Kreuz-Ztg/ soll in der großen Versammlung des ^«ft«v Adolf Werems, die in diesem Jahre in Ulm stattfinden wird, eine Protest-Kundgebung veranstaltet werden gegen den Prozeß, der wegen der bekannten Vorgänge in Alberschweiler und gegen den protestantischen Pfarrer Dr. Gerberl in Saarburg mit Fug und Recht angestrengt wurde. In „evangelischen Kreisen" soll angeblich „die tiefste Entrüstung herrschen". — Das kann nett werden!

Derrnischtes.

' FroSkenz, 16. Juni. (Vor 50 Jahren, auch eine Erinnerung.) Am 16. Juni 1848 Morgen 4 Uhr rückte eine Abtheilung hiesiger Soldaten, Infanterie und die reitende Artillerie, vor und ins Arresthaus. Punkt 5 Uhr läutete ein Glöcklein, die Pforten öffneten sich und ein schauerlicher Zug setzte sich in Bewegung. Zwei arme Sünder, Johann Birkenhauer und seine Stiefschwester Barbara Unzel befanden sich rücklings sitzend und laut betend auf einem Karren; dahinter schritt der hochwürdige Herr Pastor Krementz, jetzige Kardinal-Erzbischof von Köln, das Kreuz hoch empor haltend! Man war angelangt! Es waltete eine un­heimliche Stille ob. Die Frau, eine schöne, jugendliche Gestalt, schritt beherzt die Stufen hinauk — in wenigen Sekunden wars geschehen. Ein Schrei des Entsetzens ertönte. Der Bruder beim Anblick .des Blutes seiner Schwester erstarrt zusammenbrechend! Die Henkers­knechte stürzten herbei, der hochwürdige Herr Pastor aber wies sie zurück, richtete den Unglücklichen auf, führte ihn zur Schauerstelle und eine Minute später hatte auch er gesühnt den schrecklichen Mord an seinem leiblichen Schwager. Lautlos, erschüttert, zogen die Massen von dannen, ebenso die Truppen — keiner aber von allen wird den fürchterlichen Augenblick je ver­gessen haben. Es war die letzte öffentliche Hrn- richtung in Koblenz und in Deutschland!

• Meine Aachrichte«. Kevelaer. Von eurem gräßlichen Unglücksfalle wurde.bte Familie des Klempnermeisters Stephan Boes hterselbst getroffen. Derselbe war auf dem Dache des Klosters beschäftrgt, als plötzlich der Sicherheitshacken, der seine Letter htelt, stch löste, und der Meister auf den Klosterhof stürzte. Der Verunglückte starb kurz nachher. — Dursburg. Dem Weichensteller Jos. Woog wurde auf dem Hafen­bahnhof in Hochfeld gestern Abend beide Beine ab- gefahren. Der Verunglückte wurde nach dem St. Marten- Hospital gebracht, wo er nach Verlauf von einer Stunde starb. — Kalk. Beim Rangiren eines Waggons kam ein Arbeiter einer hiesigen Fabrik zu Fall und wurde überfahr.en. Die Räder gingen dem Unglücklichen über den Kopf,so daß der Tod sofort eintrat.—S t. W e n d e l. Das in voriger Woche hier niedergegangene Gewitter soll im Kreise St. Wendel einen Schaden von 90000 Mk. | verursacht haben. — Elberfeld. Ein böses Wort ist