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25. Jahrgang

Isu0öa, Samstag, den 18. Juni 1898

M 136

unb Vertag ber Aulbaer XctienbriKteeei peteregage Rr. 2 (Harmonie).

Kreisbl.' in 28 Ortschaften der Sozialdemokrat die meisten Stimmen erhalten, und unter diesen 28 Ortschaften prangt als ein Unikum die Stadt Orb (von 369 Stimmen 240 sozialistische) mit überwiegend katholischer Einwohnerschaft, während in allen anderen Ortschaften, Städten und Dörfern der genannten Kreise, in denen eine nennenswerthe Anzahl sozialistischer Stimmen abgegeben worden sind, die Katholiken nur eine schwache Minderheit bilden oder gar nicht vertreten sind. In überwiegend katholischen Orten mit ländlicher Bevölkerung bleibt jede sozialistische Agitation ohne Erfolg. Es zeigt sich auch hier, wie allenthalben, daß die katholische Kirche das einzige Bollwerk ist, an dem der sozialistischer Sturm zu Schanden wird. Dem katholischen Klerus, den katholischen Vereinen, insbesondere dem Volksverein, und namentlich auch der katholischen Presse ist es zu verdanken, daß das katholische Volk für die sozialistischen Ideen und Versprechungen unzu­gänglich ist. Mögen sich das diejenigen merken, die da glauben, eine staatserhaltendes Werk zu vollbringen, wenn sie den katholischen Volksverein polizeilich überwachen lassen, und die, welche die katholische Presse in ihrer Bedeutung für Kirche, Staat und Gesellschaft noch immer nicht zu würdigen wissen.

* Das Keutrum hat nach der .Germania' von früheren Kreisen wieder erobert: Esten, Reichenbach - Neurode, wahrscheinlich Allenstein- Rössel. Verloren hat es keinen Kreis. Aussicht zu gewinnen hat es Liffa-Fraun- stadt, Meseritz.Bomst, Hamm-Soest, Duisburg- Mülheim, Saarbrücken, Ottweiler-St. Wendel. Die gegen die offiziellen Centrumskandidaten auf­gestellten Sonderkandidaturen in Westfalen und Rheinland haben, wie die ,Germania' hervor­hebt, ein glänzendes Fiasko erlebt.

* Merkt«, 17. Juni. Das Wolffscke Tele­graphenbureau stellte heute Nachmittag 4 Uhr, offenbar nach den bei der Regierung eingrzogenen Meldungen, Folgendes zusammen; Bekannt sind bisher 317 Wahlresultate, davon 29 Konser- üati,$c, 5 Reichspartei, 68 Geutrum, 4 Reform­partei, 5 Nationalliberale, 2 Freisinnige Ver­einigung, 32 Sozialdemokraten, 8 Polen, 1 ®änet 5 Wilde; 1S8 Stichwahlen, woranöecheMgt) 40 Konservative, 19 Reichspartei, 35 Centrum 7 Reformpartei, 60 Nationalliberale, 4 Frei­sinnige Vereingung, 35 Freisinnige Volkspartei, 9 Deutsche Volkspartei, 9 Bund der Landwirthe, 84 Sozialdemokraten, 7 Welfen, 1 Pole, 6 Wilde.

st Besondere Beachtung verdient der Aus­fall der Wahlen in Berlin. Grade in Berlin ist die Stimmenzahl der Sozialdemokraten seit 1893 nicht gewachsen. In mehreren Berliner Wahlkreisen ist dieselbe sogar zurückgegangen, und nur im 6. Berliner Wahlkreise ist sie wesent­lich größer geworden. Dieser Wahlkreis an sich aber hat seit 1893 ganz riesig an Stimmen zu­genommen. Die Zählkandidatur des Cent rum s hat dagegen mehr als doppelt so viele Stimmen erhalten als damals.

X Der WahkausfaK in ZSaden entspricht : im Allgemeinen den Erwartungen, namentlich fo^ , weit das Centrum in Betracht kommt. Drei

Ein zweiter hervorstechender Charakterzug ist das sehr starke Anwachsen der Sozialdemo­kratie. Sowohl die Zahl der im ersten Wahl­gange gewählten Sozialdemokraten ist nicht uner­heblich gewachsen, als auch die Zahl der insge- sammt für die Sozialdemokratie abgegebenen Stimmen. Und an der überwiegenden Mehrzahl der Stichwahlen ist die Sozialdemokratie ebenfalls betheiligt. Es ist gewiß wahr, daß bei diesen Wahlen die Sozialdemokratie auch eine ganz ungeheure Agitation entfaltet hat und die meisten bürgerlichen Elemente im allgemeinen recht theiln ahmlos gegen die Wahl sich verhalten haben. Aber daraus allein läßt sich das An­schwellen der sozialdemokratischen Stimmen nicht erklären. Es muß „etwas faul sein im Staate Dänemark", und man geht sicherlich nicht sehl, wenn man dem Stocken in dem Werke der Sozialreform die Ursachen dieser sozialdemo­kratischen Stimmenvermehrung in erster Reihe zuschreibt. Unter den 274 Wahlkreisen, die hier in Betracht kommen, sind gleich im ersten Wahl­gange 32 — nach anderer Lesart 36 — der Sozialdemokratie anheimgefallen, und die Sozial­demokraten sind bisher schon an 75 Stichwahlen betheiligt. Neu erobert hat die Sozialdemo­kratie die beiden Dresdner Wahlkreise von den Antisemiten, Stuttgart von den Nationalliberalen, Lübeck von den Freisinnigen und Pinneberg und Hanau von den Konser­vativen. Sie hat verloren Reichenbach- Neurode

^Das Ergebniß der Reichstagswahl läßt sich in dem Augenblicke, wo diese Zeilen zu Papier gebracht werden, noch nicht vollständig Abersehen. Es fehlen noch die Wahlergebniffe uus einer Reihe von Wablkreisen, die überwiegend ländlich sind, namentlich in den östlichen preu- Hischen Provinzen und in Süddeutschland. Aber gerade in den Wahlkreisen dieser Art pflegt man im Allgemeinen das wahrscheinliche Ergebniß schon vorher ziemlich genau zu kennen, so daß man dort vor nachträglichen Ueberraschungen ziemlich sicher ist. Und somit kann man schon im voraus eine ziemlich sichere Kennzeichnung der hervor­stechendsten Züge dieser jüngsten Reichstagswahl geben. . t .

Diese Züge bestehen vor allen Dingen dann, daß auch jetzt wieder die Centrumspartei ihre alte Festigkeit und Stetigkeit bewährt hat. Das Centrum hat sich fast überall ganz allein, ohne Bundesgenossen, auf das Schlachtfeld der Wahlen begeben, und aus diesem ersten Wahl­gange ist es unter allen Parteien milder größ­ten Zahl fest gewählter Vertreter heroor- ^egangen. Aus den 397 Wahlkreisen liegen im Augenblicke 274 W a h l e r g b n i s s e vor, und von diesen 274 Wahlkreisen haben 62 gleich im ersten Wahlgange ein Mitglied der Centrumspartei zu ihrem Vertreter im.Reichstage gewählt. Aller Vor­aussicht nach wird also das Centrum in alter Stärke wieder in den Reichstag einziehen. Ver­loren hat es, wie bisher bekannt ist, keinen einzigen Wahlkreis. Namentlich haben die in Rheinland und Westfalen aufgestellten katho­lischen Sonder - Kandidaturen keinen einzigen Erfolg gegen das Centrum aufzuwetsen. Ueberall in Rheinland und Westfalen sind dort, wo zwei katholische Wahlbewerber um die Palme des Sieges schritten, die offtziellen Partei-Kandidaten in den Reichstag gewählt worden. Weniger günstig als bei der letzten Wahl ist diesmal für das Centrum die Wahl in der Stadt Köln ausgefallen. Dort wurde Rechtsanwalt Trim- born bei der Ersatzwahl i. I. 1896 gleich im ersten Wahlgange gewählt; diesmal muß er sich einer Stichwahl mit dem sozialdemokratischen Kandidaten unterziehen. Anderseits berichten die bisher bekannten Wahlergebnisse von einigen neuen Eroberungen des Centrums. So ist im Wahlkreise Essen a. Ruhr der bisherige freikonservative Abgeordnete Krupp durch den Centrumsmann Stötzel verdrängt worden, und der schlesische Wahlkreis Reichenbach-Neu­ro de ist den Sozialdemokraten durch den Cen- ttumsmann Grafen Magnis weggenommen worden. Es ist nicht ausgeschlossen, daß wir später noch von weiteren Eroberungen des Cen­trums zu berichten haben werden. Diesmal sei namentlich noch erwähnt, daß die Centrumsparole sich auch außerordentlich wirksam erwiesen hat gegen den gewaltigen Beherrscher von Saarabien, den Freiherrn von Stumm. Dieser muß sich in seinem Wahlkreise Ottweiler-St. Wendel einer Stichwahl unterziehen mit Dr. Hille, dem Generalsekretär der katholischen Arbeitervereine in Berlin. Es scheint sogar, als habe Dr. Hille in der Hauptwahl Herrn von Stumm um etwa 500 Stimmen noch geschlagen!

an das Centrum, Straßburg an die „vereinigten Ordnungsparteien".

Ferner ist von Neuem bemerkenswerth, rote schon bei den Wahlen im Jahre 1893, der außer­ordentliche Rückgang derLiberalen, nament­lich der Freisinnigen. Bis jetzt ist nicht ein einziger Wahlkreis bekannt, den die Freisinnige Volkspartei im ersten Wahlgange erhalten hätte; unter den 274 Wahlkreisen, von denen hier die Rede ist, haben nur 2 freisinnig gewählt, nämlich 2 Kandidaten der freisinnigen Vereinigung, und nur vier Nationalliberale sind bisher als fest gewählt aus diesem ersten Wahlgange bekannt geworden! Endlich aber ist bemerkenswerth bei dieser jüngsten Reichstagswahl die ganz außer­ordentlich große Zahl der nothwendigen Stichwahlen. Die 274 Wahlergebniffe, die dieser Betrachtung zu Grunde liegen, machen allein schon 136 Stichwahlen nothwendig.

Aus diesen 274 Wahlen sind als fest gewählt hervorgegangen: 18 Kons., 5 Freikons., 63 vom Centrum, 4 Antisemiten, 4 Nationalliberale, 2 von der freis. Vereinigung, 32 Sozialdemokraten, 5 Polen, 1 Däne, 4 Welfen, und außerdem müssen die vorher schon aufgeführten Stichwahlen stattfinden. An diesen 136 Stichwahlen sind be­teiligt: 34 Kons., 16 Freikons., 26 vom Centrum, 5 Antisemiten, 55 Nationalliberale, 4 von der freis. Vereinigung, 29 freis. Volkspartei, 9 von der deutschen Volkspartei, 7 vom Bunde der Landwirthe, 75 Sozialdemokraten, 7 Welfen und 5 Dänen.

Auch das kann man vom neuen Reichstage schon ziemlich bestimmt voraussagen: das Ce n/ trum ist durch die Neuwahlen auch in seiner ausschlaggebenden Stellung nicht er­schüttert worden. Die Mehrheitsbildungen werden im neuen Reichstage ziemlich ebenso sich vollziehen wie im alten, und außerdem gewinnt man den Eindruck, daß der neue Reichstag auch die erhoffte Mehrheit aufweisen wird für die notwendige Unterstützung der Landwirth- schaft und des Mittelstandes. Und wenn dieses Beides der Fall ist, dann ist schon ziemlich viel erreicht.

schlesischen Wahlkreis Neurode an das Centrum und voraussichtlich auch denWahlkreis Höch st-U singen, wo Herr Richard Müller-Fulda mit dem bisherigen Vertreter des Wahlkreises, dem Sozial­demokraten Brühne in Stichwahl steht und aller Wahrscheinlichkeit nach siegen wird. Wie viele Wahlkreise die Sozialdemokraten erobert haben, ist noch nicht bekannt. Viele werden es nicht sein, denn von der großen Zahl der Wahl­kreise, in denen der sozialistische Kandidat in die Stichwahl gekommen ist, fallen ihnen nur sehr wenige zu. So wird denn die Zahl der sozial­demokratischen Abgeordneten wahrscheinlich keine große Steigung aufweisen, während die Zahl ihrer Stimmen sehr gestiegen ist. Eine bemerkens- werthe Erscheinung ist insbesondere die große Zahl von sozialdemokratischen Stimmen, die auf dem Lande, in kleinen Städten und sogar in kleinen Dörfern abgegeben worden sind. So hat z. B., um nur aus den Nachbarkreisen einige Beispiele anzuführen, im Kreise Eschwege der sozialdemokratische Kandidat in folgenden Ortschaften die meisten Stimmen erhalten: Eschwege, Waldkappel, Abterode, Aue, Granden­born (von 57 Stimmen 42), Hitzerode, Langen­hain, Neurode, Niederhone, Oberdünzebach, Ober- Hone , Ortmannshausen, Rambach, Röhrda, Schwebda, Weidenhausen, Weißenborn. Im Wahlkreise Kassel-Melsungen gibt es eben­falls mehr als 40 meist kleine Ortschaften, wo der sozialistische Kandidat mehr Stimmen erhalten als irgend ein anderer. In Altenrite erhielt er 48 von 68 Stimmen, in Eiterhagen 47 von 70, in Ochshausen 83 von 104 u. s. w. Im Kreise Gelnhausen hat nach Angabe des ,Gelnh.

mündlich beim Handelsminister Brefeld Vorstel- lnngen gemacht. Diese Vorstellungen gehen der Hauptsache nach von d m Jntereffen-Standpunkte von Handel und Industrie aus und bezeichnen es als ungerecht, die wichtige Sache der Erhaltung und Verbesserung der künstlichen und natürlichen Wasserstraßen, sowie namentlich auch die Anlegung neuer Wasserstraßen, ferner die Verwaltung der Seehäfen und die Finanzpolitik auf diesen Gebieten einer Behörde anzuvertrauen, die in erster Linie die Interessen der Landwirthschast zu vertreten habe. Handel und Industrie müßten sich dagegen um so mehr wehren, als in den Kreisen der Landwirthschast vielfach Anschauungen beständen, die nicht vereinbar seien mit der wünschenswerthen Förderung derJnteressen von Handel und Industrie; und außerdem bestehe in den Kreisen dieser beiden letzteren in weitem Umfange die Empfindung, daß die preußische Regierung den Interessen der Land- wirthschaft mehr entgegenkomme, als den ihrigen.... Diese Ausführungen klingen scharf genug. Vor allen Dingen klingen sie ganz und gar nicht nach politischer und wirthschaftlicher Sammlung, wie Herr v. Miquel und andere sie gemeint hatten. Vielleicht aber hat diese ganze sogenannte Sammlung jetzt, nackdem die Wahlen der Hauptsache nach vorüber sind, auch für ihre Macher das Interesse verloren. Jedenfalls sind die Vorstellungen der Herren Frentzel und Soetbeer beim preußischen Handelsminister ein neues bedenkliches Anzeichen für die fortgesetzt zunehmende Verschärfung des feindseligen Verhältnisses einzelner Jnteressenkreise und Berufsstände gegen einander. Und immer klarer und deutlicher geht aus allem die Noth- wendigkeit hervor, in Zukunft unsere Handels­und Wirtschaftspolitik in Bahnen zu leiten, die uns einer Versöhnung dieser Gegensätze näher bringen — ganz nach dem wirthschaftlichen Pro­gramm der Centrumspartei, die von jeher Ver­söhnung der wirthschaftlichen Gegensätze als eine der wichtigsten politischen Aufgaben der Gegenwart in den Vordergrund gestellt und danach gehandelt hat.

(Weitere Mittheilungen aus dem Deutschen Reiche befinden sich im zweiten Blatt.)

Centrumssitze: der 3. Wahlbezirk (Säckingen- Waldshut), der 8. (Achern - Baden) und der 14. (Tauberbischofsheim-Wertheim) sind in der Haupt­wahl mit überwiegender Mehrheit behauptet wor­den. Im 3. wurde Pfarrer Schüler, im 8. Dekan Dr. Lender wieder-, im 14. für Frei­herrn v. Buol Gerichtsdirektor Zehnter von Mannheim neugewählt. In 7 Wahlkreisen kommt das Centrum mit dem Nationalliberalen in die Stich­wahl. Geringe Aussicht auf Erfolg bieten dies­falls die bisher bereits nationalliberal vertretenen Wahlkreise: 2 (Donaueschingen), dessen wandel­bare Schicksale bei einer zu 84 pCt. katholischen Bevölkerung beklagenswert sind; der National­liberale (Faller) ist dem Centrums-Kandidaten (Schüler) um 1000 Stimmen vor. Auf die 1200 sozialistischen Stimmen ist in der Stichwahl nicht zu rechnen. Aehnlich ist das Zahlenverhält- niß (Nationalliberaler Blankenhorn 6900, Centrums-Kandidat Fehrenbach 4400 Stimmen) im 4. Wahlkreise (Lörrach), der zu mehr als 50 pCt. katholisch ist. Im 12. Wahlkreise (Heidel­berg-Mosbach) ist das Centrum, welches bisher mit den Freisinnigen ging, nahezu ohne jede Vor­arbeit mit dem Nationalliberalen in die Stichwahl gelangt; wenn die Antisemiten mit dem Centrum zusammenhielten, wären die Stimmen gleich und ein Erfolg nicht ausgeschlossen. Im 1. Wahl­kreise fehlen dem Centrums-Kandidaten (Hug) an der absoluten Mehrheit nur 57 Stimmen; sein Sieg in der Stichwahl ist nicht zweifelhaft. Nur im 5. Wahlbezirke (Freiburg-Waldkirch) ist, wie früher schon, das Ergebniß von dem Verhalten der Sozialdemokraten abhängig; Marb e (Centr.) hat 9875, Rau (natl.) 8625, der Sozialdemokrat 2193 Stimmen; für den Centrumssieg genügt also sozialistische Stimmenthaltung. Die Wahl-

Wahlresultate.

A Eine bedeutende Zunahme der sozial­demokratischen Stimmen — das ist das charakteristische Merkmal der vorgestrigen Reichs­tagswahl. Die sämmtlichen Großstädte (mit mehr als 100000 Einw.)des deutschen Reiches waren mit alleiniger Ausnahme der Stadt Danzig, diesrei- sinnig vertreten war, und der 4 überwiegend katholischen Großstädte des Rheinlandes (Köln, Aachen, Düsseldorf und Krefeld) schon im vorigen Reichstage sozialdemokratisch vertreten — und das ist so geblieben. Die sämmtlichen großen Jndustrie- bezirke — wiederum mit alleiniger Ausnahme der überwiegend katholischen Jndustriebezirke im Rhein­lande — sind längst der Sozialdemokratie anheim gefallen. Auch das ist so geblieben, nur ist fast überall der Sieg der Sozialisten diesmal viel glänzender ausgefallen als vor 5 Jahren. Ver­loren haben die Sozialdemokraten diesmal, so weit bis jetztbekauntist,den Wahlkreis S tr a ß b u r gi.E., wo sämmtliche übrigen Parteien sich vereinigt hatten, um die Wiederwahl Bebels zu verhindern, den

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Deutsches Deich.

Berlin, 17. Juni.

* Das preußische Staatsminikerinm hat heute eine Sitzung abgehalten, in der es sich hauptsächlich um die schon mehrfach erwähnten Aenderungspläne für die Organisation des Mi­nisteriums gehandelt hat, namentlich um die Schaffung einer einheitlichen Hauptstelle für die Leitung der Wasserwirtschaft und des Wasser­baues.

X Von allem Anfänge an ist an dieser Stelle auf die Wichtigkeit und auf die ganz be­sondere Bedeutung hingewiesen worden, die der Behandlung des Kauzker-Zrriefes an den Prinzen von Schönaich-Carolath durch die konservative Presse zukommt. Von Anfang an ist an dieser Stelle darauf hingewiesen worden, daß es sich allem Anscheine nach um eine neue Treiberei der bekannten „kleinen, aber mächtigen Partei" handelt. Aber erst allmählich ist die allgemeine Aufmerksamkeit dieser Angelegenheit zugewandt worden. Wahrscheinlich so allmählich deswegen, weil die Wahlen zu sehr das In­teresse aller Politiker in Anspruch nahmen. Jetzt erhält die,Köln. Volksztg.' eine Meldung aus Berlin, die den Unterschied der politischen An­schauungen des Reichskanzlers und des Herrn von Miquel genauer zu kennzeichnen sucht. Danach sei „Miquel der Ansicht, daß man mit Hahn, Kanitz und Plötz Politik machen müsse". Aber der Kanzler und Staatssekretär von Bülow seien der entgegengesetzten Ansicht. Man „bohre nun, um den Kanzler und Bülow weg­zubringen," und zwar seitens der Kreise, die eine Politik im Sinne des Bundes der Landwirthe fordern. Nun, der Kanzler wird wissen, was er zu thun hat.

* Für den Meichskanzker scheint das ge- heimeWahlrecht nicht zu gelten. Die,Kreuz­zeitung' weiß zu berichten, daß er für den konser­vativen Kandidaten gestimmt habe. Woher weiß sie das? Hat vielleicht einer der Ihrigen am Wahllokale gestanden, ihm den konservativen Zettel in die Hand gedrückt und ihn dann genöthigt, diesen Zettel hoch erhebend zur Wahlurne zu schreiten? Oder sollte der Reichskanzler das Blatt Über seine Abstimmung benachrichtigt haben, um Verzeihung für seinen Brief an den Prinzen Carolath zu erlangen?

* Der deutsche Kaudekstag macht An­strengungen gegen die Ausführung des Planes, in Preußen die Wasserbau-Verwaltung unter das landwirthschastliche Ministeri­um zu stellen. In diesem Sinne haben zwei Ver­treter des Handelstages, der Präsident Kommerzien- rath Frentzel und der Generalsekretär Dr. Soetbeer,

Juferate J. Parseller n> £ttlba. mit Unterhaltungs-Anlage „Illnstrirte Sonntags-Ieitungi'