FuldaerMZeitung
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mit Unlerhattungs-MeUage „Illüstrirte Sonntags-Zeitung« --
25. Jahrgang.
Iutöcr, Freitag, den 17. Juni 1898
JK 135.
<ß Politischer Sumps in Oesterreich.
Eigentlich schon seit dem April 1897 hat das «österreichische Parlament seine Arbeit eingestellt. Der parlamentarische Streik, die Obstruktion, welche die deutsche Opposition der Linken anzettelte, hat leider einen vollen Erfolg zu verzeichnen, und bis heute hat die Regierung noch kein Mittel gefunden, um den verfahrenen Staatskarren wieder in's rechte Geleise zu bringen. Und feit damals steht nun der dritte Ministerpräsident am Ruder des Staatsschiffes! Graf Baden,, der mit seinen unglückseligen Sprachenverordnungen «einen großen Theil der Schuld trägt an der Versumpfung der Zustände, trat von der politischen Schaubühne ab, um dem Geschäfts-Ministerium des Barons Gautsch v. Frankenthurn Platz zu machen, und dieses sollte den Boden bereiten für den Grafen Thun — aber Graf Badeni trat ab, Herr v. Gautsch folgte ihm und machte dem Grafen Thun Platz, und dennoch ist Alles beim Alten geblieben. Das Parlament verweigert nach wie vor seine Arbeit, bewilligt kein Budget, und so muß die Regierung unter allerhand Vor- -rvänden von einem Vierteljahre zum andern die zum Regieren nothwendigen Gelder durch das Nothstands-Gesetz sich selbst bewilligen.
Wie wird das enden? Vor acht Tagen ist das österreichische Parlament aufs neue geschlossen worden, ohne auch nur einen einzigen Schritt vorwärts gekommen zu sein, und bis heu!e weiß niemand, wie es wohl zu machen sein könnte, um den schon unerträglichen Zustand zu beenden. Die deutsche Opposition verlangt, daß .zunächst die Badem'schen Sprachenverordnungen aufgehoben werden, ehe sie ihre Obstruktion aufgibt. Die Regierung aber will sich nicht diese Demüthigung auferlegen lassen. Und in der That kann sie es auch nicht. Graf Thun ist den Deutschnationalen auf halbem Wege entgegengekommen und hat ihnen einen Mittelweg vorge- fchlagen : das Abgeordnetenhaus sollte einen parlamentarischen Ausschuß einsetzen zur Vorberathung der Sprachenfrage. Aber ehe es dazu kommeu konnte, begann die Obstruktion von neuem und machle alle" Verhandlungen"unmöglich. Ja, noch mehr: man ließ sogar den Grafen Thun nicht zu Worte kommen, als dieser bereitwilligst auf die Interpellation wegen Auslösung des deutsch- uationalen Gemeinderathes in Graz eingehen und die Interpellation beantworten wollte.
Anfänglich hoffte die Regierung darauf, die gegnerischen Parteien würden von selbst den Weg zu einem Ausgleiche unter einander finden. Aber diese Hoffnung ist erst recht gescheitert. <8ine Reihe von Ereignissen hat vielmehr nur dazu beigetragen, die Gegensätze noch zu verschärfen: das waren die bösen Kundgebungen in Prag, die Durchführung der verhaßten Sprachenverordnungen bei den Finanz- und Steuerbehörden in Böhmen, und schließlich die von den Tschechen absichtlich mit politischen Spitzen reichlichst aus- gestattele Feier des hundertsten Geburtstages des Geschichtsforschers Palacky, des einstigen Führers der tschechischen Bewegung in Oesterreich.
Ja also, was nun? Innerhalb der Parteien der Rechten regt sich von neuem recht lebhaft der Wunsch, die Regierung möge Strenge an-
Der Kapellenhof.
Erzählung aus dem Leben von Max Benno.
12 ------ (Nachdruck verbalen.)
Amberg war zu sehr mit seinen eigenen Gedanken beschäftigt; er bemerkte es nicht. „Wie wird der Baron von Königsberg sich ärgern," dachte er, „wie wird er in Wuth gerochen, wenn er erfährt, daß der Kapellenbauer einen seiner Standesgenosien zum Schwiegersohn bekommt!" Dem Reize dieses Bewußtseins hätte er ohne Bedenken eine noch viel größere Summe zum Opfer gebracht, als er sie zur Verwirklichung seiner Pläne in Aussicht nehmen wollte.
Bei dieser Sachlage waren die beiden bald einig. Amberg gab sein Jawort, und der Advokat versprach dafür zu sorgen, daß der Kapellenhofer, sobald er es verlange, freie Hand zur Ablösung der auf dem Gute Reinholds lastenden Hypotheken bekomme.
Noch am gleichen Tage wurde die Kapellenhofbäuerin durch Amberg von den getroffenen Vereinbarungen in Kennlniß gesetzt.
Die Hofbäuerin hatte das vertrauliche Ver- hältniß zwischen ihrem Manne und dem Freiherrn 'feit einiger Zeit mit wachsender Unruhe beobachtet und theilweise gefürchtet, daß schließlich das erfolgen werde, was ihr soeben gesagt worden war. Sie wurde deshalb durch die Mittheilung zwar erschreckt, aber nicht außer Faffung gebracht. Schweigend nahm sie die Eröffnung entgegen, und Amberg, der darin die gewohnte folgsame Unterwerfung unter seinen Willen erblickte, zog sich befriedigt zurück.
wenden und der ganzen Verlegenheit mit einem Staatsstreiche ein Ende machen. Freilich, daß es schwer, sehr schwer ist, die endlose Obstruktion der Linken mit Geduld zu ertragen, kann nicht bezweifelfelt werden. Und so, wie die Dinge jetzt liegen, kann auch niemand in Abrede stellen daß die Schuld in erster Reihe die deutschnationale Opposition trifft. Diese hätte unbedingt die versöhnlichen Absichten des Ministerpräsidenten Grafen Thun anerkennen und ihm den Weg zum Sprachenausgleiche erleichtern sollen. Aber dennoch würde es sicherlich verhängnißooll wirken, wollte die Regierung diesen Staatsstreichgelüsten nachgeben. Und von allen Freunden gesunder Mäßigung kann die Nachricht nur mit Freude begrüßt werden, daß Graf Thun von neuem seine Geduld darthun und von neuem während der bevorstehenden parlamentarischen Ferienzeit mit den Parteien Unterhandlungen anknüpfen will.
Leider ist aber zunächst die Hoffnung auf Erfolge solcher Unterhandlungen sehr schwach. Denn eine Kundgebung der Führer der politischen Opposition verkündet, daß die Opposition „entschlossen ist, auf der Forderung der Aufhebung der Sprachenverordnungen zu beharren", und daß sie „in der Erfüllung der Forderung das einzige Mittel sehen zu einer fruchtbringenden parlamentarischen Thätigkeit".
Auch die Rechte hat eine solche Kundgebung veröffentlicht; und diese Kundgebung ist in sehr ruhigem und versöhnlichem Tone gehalten. Ver- muthlich hat der Einfluß des Grafen Thun dies zu Wege gebracht. Aber was hilft das? Vorläufig ist noch immer kein Ende der politischen Wirren abzusehen, unter denen das herrliche Land Oesterreich leidet. Und leider ist die Wahrscheinlichkeit nur zu groß, daß im September das österreichische Abgeordnetenhaus genau so fortfahren wird, wie es jetzt aufgehört hat.
Deutsches Keich.
Berlin, 16. Juni.
* Die Londoner .Times" läßt sich aus Kairo berichten, daß Kaiser MikHelm bei Gelegenheit seiner Reise nach Palästina möglicherweise auch der Aegyptischen Hauptstadt einen Besuch abstatten werde. Man „habe Grund zu vermuthen, daß der Besuch stattfinden werde".
* Staatsminister vor» Miquel wird sich am 18. Juni für die Dauer von drei Wochen nach Bad Ems begeben. Alsdann wird der Minister für kurze Zeit nach Berlin zurückkehren, um erst hernach seinen eigentlichen Sommerurlaub anzutreten. Diesen wird er im Schwarzwalde zubringen.
x In der Reihe der Auszeichnungen, die vom Kaiser anläßlich seines zehnjährigen Regierungs-Jubiläums verliehen worden sind, verdient nachträglich noch eine ganz besondere hervorgehoben zu werden. Es ist dies die Verleihung des Charakters als Wirklicher Geheimer Rath mit dem Titel Exzellenz an den Grafen von Dönhoff-Friedrichstein. Dieser wurde bereits früher vom Kaiser ausgezeichnet, weil er seiner Zeit entgegen seinen konservativen Parteigenossen für den russischen Handelsvertrag im Reichstage eingetreten war. Graf Dönhoff mußte
Emma hatte einen Gang nach dem Städtchen gemacht. Die Mutter ging ihr bis zur Kapelle entgegen und erwartete sie. Als das Mädchen erschien, ließen Mutier und Tochter sich auf der Rasenbank unter den Linden nieder, und Emma erfuhr, welches Schicksal ihr durch den väterlichen Machtspruch bestimmt worden war.
Da ging mir dem früher so schüchternen Mädchen eine wunderbare Veränderung vor. Sie hörte die Mutter bis zum Ende ohne Widerspruch an. Als diese aber schwieg, schlug sie ihre Augen muthig empor und erklärte fest und bestimmt, daß sie dem Freiherrn nie und unter keinen Umständen zum Altar folgen werde. Gleichzeitig drängte sich das lange zurückgehaltene Geheimniß ihres Herzens über die Lippen hervor. Sie erzählte der Mutter, welch' unverlöschbarex Eindruck durch den Frieden des Klosters auf sie gemacht worden sei, wie sich mehr und mehr eine heiße Sehnsucht nach diesem Glücke ihres ganzen Wesens bemächtigt habe und wie sie fest überzeugt sei, nur als Braut Christi ihren L.benszweck erfüllen zu können. Damit verband sie die innige Bitte, die Mutter möge ihr zur Erreichung dieses hohen Zieles behilflich sein.
Die Kapellenbäuerin wurde durch das Gesiänd- niß Emmas in nicht geringe Aufregung versetzt. Bei aller Frömmigkeit that ihr der Gedanke an den Verlust der einzigen Tochter doch weh. Sie wußte recht gut, daß die Verwirklichung der ausgesprochenen Absicht die Lösung aller weltlichen Verhältnisse und Bande umschloß. Sie versuchte deshalb auch, ihr geliebtes Kind in dem vernommenen Vorsatze wankend zu machen; als sie jedoch sah, wie tief derselbe bereits Wurzel geschlagen hatte, stand sie ergebungsvoll von weiteren Bemühungen
damals aus der konservativen Fraktion des Reichstages deswegen ausscheiden, und jetzt wurde ihm in seinem Wahlkreise Königsberg-Land von dem Bunde der Landwirthe zusammen mit einem Theile der Konservativen in der Person des Grafen von Dohna-Wundlacken ein Gegenkandidat gegenüber gestellt. Der Kampf ist darauf in jenem Wahlkreise nicht wenig heftig entbrannt, und gerade unter solchen Umständen gewinnt die Auszeichnung des Grafen von Dönhoff-Friedrichstein durch den Kaiser eine ganz besondere Bedeutung. Diese Auszeichnung läßt in Verbindung mit dem Briefe des Reichskanzlers an den Prinzen von Schönaich-Carolath darauf schließen, daß in den oberen Regionen für den Bund der Landwirthe kein besonders günstiger Wind weht.
* In der Reichshauptstadt Berlin ist die Wahkveweguug diesmal im allgemeinen überaus lau gewesen. Am Vorabende des Wahltages hatten alle Parteien noch eine Reihe von Wähler-Versammlungen einberufen, die Sozialdemokraten allein zwölf. In den 6 Berliner Wahlkreisen waren im Ganzen 20 Kandidaten aufgestellt. Außerdem hat die Centrumspartei in allen Wahlkreisen Herrn Legationsrath a. D. v. Kehler als Zählkandidaten aufgestellt. Auch gibt es in allen sechs Kreisen eine polnische Zählkandidatur. Die Sozialdemokraten hoffen, nicht nur ihre bisherigen fünf Mandate zu behaupten, sondern auch noch den ersten Wahlkreis, in dem auch das königl. Schloß liegt, zu erobern. Anderseits hoffen die Freisinnigen, das einzige ihnen gebliebene Mandat behaupten und den dritten und fünften Kreis zurückerobern zu können. Aber auch die Antisemilen hoffen, im dritten Wahlkreise, mit überwiegend kleinbürgerlicher Bevölkerung, in die Stichwahl zu kommen. Singer und Liebknecht, die in den eigentlichen Arbeiier- Vierteln aufgestellt sind, werden wahrscheinlich gleich im ersten Wahlgange mit großen Mehrheiten wiedergewählt werden. Stöcker wendet sich in seinem letzten Flugblatt besonders an die 40,000 Wähler des sechsten (Liebknecht'schen) Wahlkreises, die bisher nach Ausweis der amtlichen Wahlstatistik nicht gewählt haben. Ein ganz bedeutenöer Bruchtheil der Berliner Wählerschaft hat sich nämlich weder 1890 noch 1893 an der Wahl betheiligt. Im Jahre 1890 gab es 352,783 Wahlberechtigte, von denen 112,546 der Wahlurne fernblieben; im Jahre 1893 373,930 Wahlberechtigte, von denen 103,538 nicht mitstimmten. Dies Mal gibt es 395,484 Wahlberechtigte, die sich allerdings sehr ungleichmäßig auf die sechs Wahlkreise vertheilen. Während z. B. der sechste Wahlkreis 141,474 Wähler aufweist, zählt der erste Wahlkreis deren nur 18,785. Die Zahl der Wähler im sechsten Kreis ist also nahezu acht Mal so groß wie im ersten. Auch der zweite und vierte Kreis weisen im Ver- hältniß zum ersten, dritten und fünften riesige Wählerziffern auf. Das rasche Anwachsen der Sozialdemokratie in der Reichshauptstadt veranschaulichen folgende Ziffern. Es wurden in Berlin sozialdemokratische Stimmen abgegeben: 1871 2058, 1874 21,279, 1877 31,512, 1878 56,147, 1881 30,871, 1884 68,535, 1887 94,259, 1890 126,317, 1893 151,122. Dies
ab und sagte Emma auch dem Vater gegenüber ihre Unterstützung und Fürsprache zu.
Es war indessen Abend geworden, und die beiden kehrten nach Hause zurück.
Die Kapellenbäuerin suchte sofort ihren Mann auf, den sie mit den Prozeßakten im Schlafzimmer fand. Sie wählte zum Vorbringen ihres Anliegens keine glückliche Zeit. Die Wolken auf dem Antlitze Amberg's deuteten auf Sturm.
Die Frau unterschätzte die Schwere der übernommenen Aufgabe nicht; es galt jedoch dem Glücke ihres Kindes. Dieses Bewußtsein er- muthigte sie.
Anfangs stockend, aber mit steigender Beredsamkeit brachte sie ihr Anliegen vor. Sie hatte ihren eigenen Schmerz bereits niedergekämpft und sprach mit Begeisterung von den reichen Gnaden und unschätzbaren Verdiensten des Berufes, der durch Emma erwählt worden sei; dabei verschwieg sie nicht, wie Hugo ihr gegenüber einen großen Theil an seinem verfehlten Leben auf den Vater gewälzt habe, und beschwor letztem schließlich, durch Gewährung der Bitte Emmas an diesem Kinde wieder gut zu machen, was er an dem Sohne gefehlt.
Amberg hatte anfangs, als nehme er an den Aeußerungen seiner Frau gar keinen Antheil, geräuschvoll in seinen Akten geblättert; die Hand erstarrte jedoch allmählich geradeso, wie sein Gesicht, und er hörte aufmerksam zu. Er widersprach auch mit keinem Worte; als die Frau aber schloß, stand er langsam von seinem Sitze auf. Keine Miene in dem bleich gewordenen Antlitze verrieth, was im Innern des Mannes vorging. Ganz gegen seine sonstige Gewohnheit beherrschte er
Mal hofft es die Sozialdemokratie auf gegen 200,000 Stimmen zu bringen. Schon 1893 wurden in Berlin weit mehr sozialdemokratifche Stimmen abgegeben als in ganz Bayern (125,952). Nur das Königreich Sachsen wies eine größere sozialdemokratische Stimmenziffer auf: 270,654. Im ganzen erzielten 1893 die Sozialdemokraten 1,786,738 Stimmen. Dies Mal hoffen sie über 21/* Millionen Stimmen zu erhalten, bei rund 11 Millionen Wählern in ganz Deutschland, von denen gewöhnlich rund drei Millionen der Urne fernbleiben.
Wahlresultate.
* Bei der gestrigen Reichstagswahl wurde, wie wir unseren Lesern in der Stadl schon gestern Abend durch Extrablatt mittheilen konnten, in den fünf Wahlbezirken der Stadt Iakda folgendes Resultat erzielt: Es erhielten Herr Gutsbesitzer Karl Herold (Centrum) 1037, Professor Hüpeben-Kassel (nationalsozial) 178, Pfannkuch (Sozialdemokrat) 182 Stimmen; zersplittert waren 7 Stimmen. Die Wahlbetheiligung war sehr schwach, denn es haben nur 52,3 Prozent der Wahlberechtigten gewählt, gegen 77,4 Prozent im Jahre 1893. — Erfreulich ist der Rückgang der sozialdemokratischen Stimmen. Trotz der eifrigen Agitation haben die Sozialdemokraten diesmal 70 Stimmen weniger erhalten, als bei der vorigen Wahl und 156 Stimmen weniger als im Jahre 1890. Im Jahre 1893 haben 10,2 Prozent der Wahlberechtigten, diesmal nur 6,7 Prozent einen sozialdemokratischen Zettel abgegeben. Der Kandidat des Centrums, Herr Herolo, hat 73,9 Prozent der abgegebenen Stimmen erhalten, während vor 5 Jahren Herr Richard Müller 68,8 Prozent der Stimmen für sich hatte. — Bei der letzten Reichslagswahl am 15. Juni 1893 hatten in der Stadt Fulda erhalten Herr Richard Müller 1317, Amtsrath Thaler 341, Pfannkuch 252 Stimmen; 3 Stimmen waren zersplittert. Im Ganzen waren damals von 2472 wahlberechtigten Personen 1913 Stimmen abgegeben worden.
Aus dem Wahlkreise Fulda-Gersfeld- Schlüchtern liegen folgendeEinzelmeldungenvor: Herold Hüpeden Pfannkuch 45' 0 1
14 1 0
50 0 0
34 0 0
52 0 1
19 0 0
84 0 0
29 0 0
26 0 0
87 0 0
99 0 0
28 0 0 '
72 0 0
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198 0 0
.24 28 1
56 0 2
154 4 0
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sich. Er durchmaß ein paar mal den Raum, dann lachte er laut auf.
Es war ein böses, ein häßliches Lachen, das der Frau die Seele durchschnitt. Dann blieb er vor ihr stehen und sagte scheinbar ruhig, aber mit einem Tone, den ein maßloser Ingrimm durchklang:
„Man möchte fast glauben. Du kenntest mich nicht. Ich wundere mich darüber, woher Du den Muth nähmest, mir das zn sagen. Das Verlangen Emmas ist eine Narrheit, über die ich stillschweigend hinweggehen will. Was aber die Heirath mit dem Freiherrn betrifft, so erkläre ich Dir hiermit noch einmal, daß der junge ÜDlann von mir, dem Kapellenbauern Amberg, das Jawort erhielt, das eingelöst werden muß. Dir und dem verschrobenen Kopfe Deiner Tochter zum Trotz, liebet die Frechheit des ungeratenen Buben Hugo ärgere ich mich nicht. Er mag sich jedoch in acht nehmen; das Maß ist jetzt voll!" ,
Damit wandte er sich um und ging hmaus. Die Thür flog krachend ins Schloß.
Es war nicht der letzte Kampf, den das liebende Mutterherz mit dem Eigensinn des Vaters bestand. Amberg hatte auf die Veranstaltung einer förmlichen Verlobung Emmas mit Reinhold gedrängen; doch mit einer Entschiedenheit, die man der stillen Frau nicht zugetraut hätte, widersetzte sie sich. Die Feierlichkeit unterblieb zwar, aber der Kapellenhofer hielt nur mit umfo größerem Eigensinn an seinem Plane fest, obgleich auch Hugo und sogar Georg sich ganz unverhohlen auf die Seite der Mutter und Schwester gestellt hatten. Auf den ausdrücklichen Willen des Hausherrn gestützt, verlor Reinhold die Hoffnung auf einen
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