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mit Htnterhattungs-Meilage „Ilkuffrirte Sonntags-Zeitung" petersgaAe llr. -* (Larmonie».

M 134.

Jutöcr, Donnerstag, den 16. Juni 1898

25. Jahrgang.

Meline vor der Depntirten- kammer.

In der französischen Deputirtenkammer hat am Dienstag die Klärung der politischen Lage und damit die Lösung der Frage begonnen: wird das Kabinet Meline am Ruder bleiben? Um die Antwort auf diese Hauptfrage vorweg zu uehmen: der Ausgang dieses ersten Aufklärungs­gefechtes auf parlamentarischem Boden spricht nicht dafür, daß die Stellung des Minister­präsidenten Meline durch die Neuwahlen ge­stärkt worden ist. Wenn Herr Meline sich auf dem Ministerpräsidentensesfel erhalten will, fo müßte er seine Mehrheiten in der Deputirten­kammer anders zusammensetzen als bisher, kurz gesagt, er müßte sich von der Rechten ab­wenden, seine Politik ändern und so einrichten, daß diese eine rein republikanische Mehr­beit findet, zusammengesetzt aus den gemäßigten Republikanern und aus den Radikalen, oder doch aus einem Theile dieser letzteren. Immerhin ist anzunehmen, daß das Kabinet Meline noch eine .Zett lang an der Spitze der politischen Geschäfte bleiben wird, gehalten von kleinen Abstimmungs­mehrheiten von 10 bis 30 Stimmen. Und ganz unmöglich ist der Fall ja auch nicht, daß Herr Meline in dieser Zwischenzeit Mittel und Wege findet, um seine Stellung wieder für längere Zeit hinaus zu befestigen. Aber wahrscheinlich ist das fürs erste nicht.

Die Debatte über die Politik des Kabinets Meline wurde hervorgerufen durch eine Inter­pellation des Sozialisten Millorand, die den Ministerpräsidenten Moline auffordert, sich über seine politischen Absichten zu äußern. Gleichzeitig machte Herr Millörand dem Mlnisterpräsidenten zum Vorwurf, daß er auch mit den Monarchisten politische Geschäfte mache.

Herr Meline hat es in seiner Erwiderung gut verstanden, die Behauptung von dem An­wachsen des Sozialismus in Frankreich dahin zu verweisen, wohin sie wirklich gehört, nämlich ins Reich der Fabel. Und im Uebrigen war die Tonart'seiner Rede namentlich darauf gestimmt, zu beweisen, daß erstens die Republik bei seiner Politik niemals Gefahr laufe, und zweitens darauf, daß Frankreich eine dauernde, gemäßigte und feste Regierung haben und von dieser Regierung keine Revision der Verfassung nach dem Wunsche der Radikalen und Sozialisten durchgeführt sehen, sondern das Bestehende unverändert erhalten und gefestigt sehen will. Im Uebrigen betonte Herr Meline namentlich die Notwendigkeit, die Kolonial­politik zu pflegen, und am Ende seiner Rede legte er dar, wie sehr Frankreich darauf ange­wiesen sei, allen unfruchtbaren Streit so viel wie nur irgend möglich zu vermeiden und an seinen Bündnissen mit auswärtigen Mächten festzuhalten, durch die Frankreich größer geworden sei. Damit meinte Herr Meline natürlich das freundschaftliche Verhältniß zum Zarenreiche; und tatsächlich ist ja dieses Verhältniß, die „entente cordiale“, erst durch die Politik des Herrn Meline so eng ge­knüpft worden, wie es gegenwärtig besteht. Das machte bisher das größte Verdienst Möline's in den Augen Frankreichs aus, und mit dem Hin-

Der KaprUeichof.

Erzähümg aus dem Leben von Max Benno.

11 ------ (Nachdruck verboten.)

„Das ist nicht wahr," nahm nun Stern mit geheimnißvollem Lächeln das Wort; „ich weiß es besser. Der Rechtsanwalt Ferber war heute -ei mir. Wir kamen von ungefähr auf die Sache zu sprechen, und so erfuhr ich denn von Heinrich, der damals mit der Führung des Prozesses von Deinem Vater betraut worden war, daß letzterer ohne Termin aus Scheu vor den voraussichtlichen Kosten einfach nachgab und der Baron in Folge ’beffen Besitzer des bestrittenen Grundstückes blieb. Davon," fügte Stern mit einem lauernden Seiten­blicke auf Amberg zu, „kannst Du Dich selbst überzeugen, da eine Abschrift der Akten unter den Papieren Deines seligen Vaters vorhanden fein muß!"

Das Gesicht Ambergs hatte sich noch dunkler gefärbt. Seine Brust arbeitete mächtig; er be­fand sich sichtlich in einer gewaltigen Aufregung. Als Stern schwieg, warf er auf diesen einen miß­trauischen Blick. Dann sagte er: „Komm!" wandte sich mit einer eschen Handbewegung an den Agenten und schritt eilends in's Hans.

Er ging die Treppe hinauf in eine kleine Kammer, wo sich neben anderem Gerümpel ein altertümlicher Kasten befand. In wirrem Durch­einander zeigten sich in dem Kasten verschiedene Papiere und Bücher. Stern zog mehrere Akten­bündel heraus, entfernte den Staub, und bald war das Gesuchte gefunden.

Ferber Halle den Freund auf dasjenige Akten­

weise darauf schloß Herr Meline seine Rede; es ist der höchste Trumpf, den er auszufpielen hat.

Nach Meline sprach Herr Bourgeois als Redner der Radikalen. Er richtete die Spitzen seiner Ausführungen durchaus gegen Herrn Meline und gegen die Rechte, und sprach seine feste An­sicht aus, daß die Aufgabe des Herrn Meline beendet sei.

Man muß sagen, daßHerr Meline auch diesem Gegner sehr geschickt geantwortet hat. Aber das Endergebniß der Berathung war doch eben das, daß Herr Meline selbst es aufgegeben hat, in/ der bisherigen Weise weiter zu regieren. Er nahm von den vorgeschlagenen Resolutionen diejenige des Herrn Ribot an, welche lautet: „Die Kam­mer billigt die Erklärungen der Regierung und ist entschlossen, eine Politik demokratischer Reformen durchzuführen, die gegründet ist auf die Vereinigung der Republikaner." Da­mit hat Herr Meline, um sich selbst einstweilen zu reiten, von der Rechten sich abgewandt. Zwar versuchte er noch zu vermitteln. Der Depulirte Henri Ricard beantragte, der Tagesordnung Ribot's noch die Worte anzuhängen: „und die sich stützt auf die ausschließlich republikanische Mehrheit"; und Herr Meline bekämpfte diesen Zusatz. Aber ein Widerspruch war ver­gebens : der Zusatz des Herrn Ricard wurde mit 195 gegen 246 Stimmen angenommen. Die Re­solution des Herrn Ribot wurde in ihrem ersten Theile, der die Billigung der Regierungs-Politik ausspricht, mit 295 gegen 272 Stimmen ange­nommen, in ihrem zweiten Theile dagegen, der von der Vereinigung aller Republikaner handelt auf der Grundlage demokratischer Reformen, mit der Riesenmehrheit von 527 gegen 5 Stimmen.

Wie die Sachen jetzt liegen, ist Herr Moline der Linken verdächtig, die Freundschaft der Rech­ten aber hat er verscherzt. Und Herr Cassaignac rief ihm am Dienstag laut und deutlich zu: Sie haben die Rechte verleugnet. Mit den gemäßig­ten Republikanern allein hat Herr Meline keine Mehrheit, und somit ist kaum anzunehmen, daß er sich aus die Dauer wird behaupten können.

*

Schneller, als gedacht, hat Herr Meline die Konsequenz aus den Ereignissen gezogen, die am Montag und Dienstag in der Deputirten­kammer sich abgespielt haben; und so hat er ge­meinsam mit seinem ganzen Kabinet den Präsidenten um seine Entlassung aus dem Amte gebeten. Freilich handelt es sich dabei mehr um eine persönliche Niederlage des Herrn Mölme; und nach wie vor kann nur ein Kabinet an der Spitze der Republlk stehen, das im Allgemeinen eine ebenso gemäßigte Politik betreibt, wie Herr Meline. Viele Aussicht da­rauf, Ministerpräsident zu werden, hat der ge­mäßigte Republikaner Ribot; und aller Wahr­scheinlichkeit nach wird Herr Hanotaux das Ministerium des Auswärtigen auch in dem neuen Kabinet beibehalten. Dieses wird schwerlich ge­bildet werden können ohne radikale Elemente. Aber vermuthlich werden diese Elemente auch nur demjenigen Flügel der Radikalen entnommen werden, der sich bisher von einer eigentlichen Ge­meinschaft mit den Sozialisten fern gehalten hat. Ohne Zweifel wird dann das neue Kabinet die

stück aufmerksam gemacht, das ein fast unzweisel- hastes Recht des Kapellenhofers nachwies, wenn man es nicht im Zusammenhänge mit den übrigen las. Dieses suchte er nunmehr hervor, prüfte es schnell und gab es dem Bauern, dessen fieberhafte Hast die größte Spannung verrieth. Die Augen Amberg's vergrößerten sich. Da stand es ja schwarz auf weiß, daß der streitige Platz sein Eigenthum war. Und mit einer solchen Waffe in der Hand hatte sein Vater freiwillig den Kampf aufgegeben? Das begriff der stolze Mann nicht. Er besann sich nicht lange. Sofort sprach er die Absicht aus, den Prozeß gegen den Baron wieder ausnehmen zu lassen.

Stern billigte diesen Vorschlag. Gleichzeitig rieth er, die Sache in die erprobten Hände des Advokaten Heinrich Ferber zu legen und Amberg entschloß sich ohne Widerrede dazu. Er packte die Akten zusammen, ließ anspannen und fuhr mit dem Agenten zu dem Anwalt in das Städtchen hinab. Auch von diesem wurde er in seinem Vorhaben durch verlockende Versprechungen eines günstigen Ergebnisses bestärkt.

„Der Prozeß," meinte Ferber vorsorglich, „wird zwar voraussichtlich längere Zeit dauern und auch manchen Thaler verschlingen. Aber gewinnen müssen wir ihn schließlich, das ist gewiß.

Dieser Bescheid genügte dem Bauern. Die Kosten scheute er nicht. Wenn nur der Baron das vorenthaltene Grundstück herausgeben mußte und sein Uebergewicht, sowie seine Rache zu füh­len bekam.

Unverzüglich wurden die nöthigen Schritte zur Einleitung des Prozesses gethan. Schon nach Verlauf weniger Tage erntete Amberg, wie er

Rechte wieder als Opposition sich gegenüberstehen sehen, und nicht minder wahrscheinlich ist es, daß nach dieser Zwischenzeit längerer Ministerbestän­digkeit von neuem eine Periode beginnt, in der in rascher Aufeinanderfolge Ministerium nach Ministerium stürzt, um fortgesetzt neuen Männern Platz zu machen.

Deutsches Deich.

Berlin, 15. Juni.

h Der Kaiser hat heute, am Tage seines zehnjährigen Regierungs - Jubiläums, zahlreiche Ordens-Auszeichnungen verliehen. Reichs­kanzler Fürst zu Hohenlohe ist bedacht wor­den mit dem Stern der Großkomture des Hohen- zollerschen Hausordens. Zu Rittern des Schwarzen Adlerordens wurden ernannt Botschafter Fürst Ra d o lin in Petersburg, königlicher Hausminister von Wedel, der Oberpräsident von Westpreußen, Staatsminister von Goßler und der komman- dirende Admiral von Knorr. Der frühere Staatssekretär der Marine, Admiral Hollmann, ist durch das Großkreuz des Rothen Adlerordens ausgezeichnet worden. Keine Auszeichnung irgendwelcher Art ist Herr^Staatsminister von Miquel zu Theil geworden; Durch einen ganz besondern Akt hat der Kaiser die hohe Bedeutung der technischen Hochschulen für unsere Zeit bervorheben wollen. Er hat zu Mitgliedern des Herrenhauses auf Lebenszeit ernannt die Professoren Staby an der technischen Hochschule in Charlottenburg, Launhardt zu Hannover und Jntze in Aachen.

X Liberale Blätter, voran die katholiken- seindliche ,Vossische Zeitung', beschäftigen sich mit der ehelichen Verbindung des Bruders der Kaiserin, des Kerzogs Krnst Günther z« Schkeswig-Kokkem mit der katholischen Prin­zessin Dorothea von Sachsen-Koburg. Die ,Voss. Ztg.' meint, der Herzog könne un­möglich das Versprechen der katholischen Kinder­erziehung gegeben haben, denn einem solchen Ver­sprechen stehe die königliche Kabinets- ordre entgegen, die preußischen Offizieren ver­bietet, solche Versprecl en vor der Trauung abzu­geben. Diese Kabinetsordre besteht ja in der That. Aber wenn auf der einen Seite die ,Vosf. Ztg.' sich auf den Standpunkt stellt, die katholische Kirche müsse eine Ausnahme von der Regel machen zu Gunsten dieser Kabinetsordre und gegen die katholische Kindererziehung, so muß man doch vom Standpunkte der Kirche aus ent­gegenhalten, daß viel eher eine solche Kabinets­ordre jn gestimmten Fällen umgangen werden kann, als' ein Hauptgrundsatz der Kirche. Die ,Vossische Zeitung' aber will mit der Heran­ziehung jener Kabinetsordre natürlich nur s ch a r f macken gegen die Verbindung der katholischen Prinzessin von Koburg.

* Der Chef des kaiserlichen Civilkabinets Herr v. Lucanus ist Domherr von Merseburg geworden. — Wir gratuliren!

* Im allgemeinen ist diese WaHköewegrrng ruhig vor sich gegangen. Von gewaltsam ge­störten Wahlversammlungen hat man kaum etwas gehört, und sogar der Kampf in der Tagespreffe hat sich im ganzen genommen ziemlich leiden­

meinte, den besten Erfolg. Es traf ein Schreiben von dem Baron ein, in dem dieser den Kapellen­bauern in der freundlichsten Weise darauf auf­merksam machte, daß er sich auf eine sehr ge­fährliche Bahn gewagt habe. Es komme nichts bei dem Handel heraus. Nur die Advokaten machten ein gutes Geschäft dabei. Das hätten ihre Väter begriffen. Er ralhe ihm als wohl­meinender Freund und Nachbar, die ganze An­gelegenheit ruhen zu laffen. -«08

Dieser Brief bestärkte Amberg vollends, auf sein gutes Rtcht zu dringen. Er war vollständig von der Ueberzeugung durchdrungen, daß sein Gegner lediglich durch die Besorgniß von drohen­dem Verluste zu der entgegenkommenden Mahnung bestimmt worden sei. Infolge deffen brachte das Mahnschreiben geradezu die entgegengesetzte Wirkung hervor. Es wurde von dem Kapellen­bauern auf die Seite geworfen und Ferber zu entschiedenem und rücksichtslosem Handeln gespornt.

Der Rechtsmann stellte sich von da an zu mündlichen Besprechungen wöchentlich einmal oder zweimal auf dem Kapellenhofe ein und war da­selbst bald bekannter als Stern. Aus diesem Grunde fiel es nicht auf, daß er eines Tages in Gesellschaft eines jungen Mannes erschien, den er als den Sohn eines verstorbenen Freundes, des Freiherrn v. Wälden vorftellte.

Reinhold v. Wälden war ein zierliches Herrchen von 26 Jahren mit blasirtem Gesichte, dem weder der wohlgepflegte Bart, noch das künstlich gelockte Haar einen einnehmenden Aus­druck verlieh. Es schien ihm auf dem Hofe sehr gut zu gefallen, und nachdem er einmal einge­führt war, kam er nicht selten allein, um „in der

schaftslos abgespielt — natürlich hat es auch da nicht gefehlt an Beispielen vom Gegenteil. Aber diese Beispiele sind gering an Zahl. Die einzige unrühmliche Ausnahme in ganz Deutsch­land, die blutige Prügelei in Oberroden, fällr der Sozialdemokratie zur Last. Man darf gespannt darauf fein, ob die führenden Organe der Sozialdemokratie auch hierin nur den „Kampf der Geister" scheu und nach wie vor leugnen wollen, daß sie es aus elende Verhetzung der Massen abgesehen haben! Die genaueren Einzelheiten der Greuelszenen in Oberroden sind leider erst spät bekannt geworden, um in allen Wahlkreisen noch als Warnung zu dienen. Hoffentlich verfehlen sie aber nicht ihre Wirkung für die Stichwahlen. Kein katholischer Arbeiter, kein Katholik darf seine Stimme einem Sozialdemokraten geben!

ft Die Gctreidepreise sind während der letzten Tage in Newyork und in Chicago sehr stark gefallen, ebenso stark, wie sie vor­her gestiegen waren. Die Getreidepreise stehen jetzt sogar erheblich unter der Höhe derjenigen Zeit, in der die „Schwänze" des Herrn Joseph Lewis Leiter begann; und dieser Leiter soll nun­mehr ein vollkommen ruinirter Mann sein. Von einer Seite wird sogar berichtet, er habe sich erschossen — so das' rechte Ende wahnsinniger Börsenspekulanten, die unbekümmert um das Wohl und Wehe ihrer Mitmenschen die gewagtesten und ungesundesten Spekulationen unternehmen, nur um möglichst schnell reich zu werden. Die Getreidepreise in Deutschland sind den amerika­nischen Preisen ebenso wenig reißend in ihrem Niedergange gefolgt, wie sie mit diesen Schritt gehalten hatten in der Aufwärtsbewegung. That­sächlich aber sind sie auch in Deutschland schon erheblich unter den Stand gesunken, den sie im Monate Mai erreicht haben,

x Die Aenderung in der Stellung des Herrn Finanzministers v. Miquel zu der Frage der Besteuerung der Hroßvazare wird auf ein unmittelbares Eingreifen des Kaisers selbst zu­rückgeführt. In einer Sitzung des Ministerrathes hat, nach verschiedenen miteinander übereinstim­menden Mittheilungen, der Kaiser den unzwei­deutigen Wunsch ausgesprochen, „das Mögliche zu thun zur Erhaltung und zur Hebung des Mittelstandes"; und vermuthlich auf diesen un­mittelbar ausgesprochenen Wunsch des Kaisers ist es zurückzuführen, daß Herr v. Miquel neuer­dings nicht müde wird, allen Vertretern des kaufmännischen und gewerblichen Mittelstandes seine Unterstützung zuzusichern in ihren Be­strebungen, sich gegen die schädlichen Einwirk­ungen des Unwesens der Großbazare und ähn­licher Unternehmungen zu schützen.

* Die Berathungen des preußischen ApolHckerralhes haben zu dem Beschlüsse geführt, in Zukunft für den Apotheker - Beruf das Reifezeugniß als Vorbildung zu ver­langen.

ft lieber die Beschäftigung von Kand- fnngskehrkingen an Sonntage« find während der letzten Zeit behördliche Ermittelungen ange­stellt worden. Es hat sich dabei ergeben, daß die Lehrherren es vielfach ihren Lehrlingen und überhaupt jugendlichen Angestellten überladen, Poesie des Landes zu schwärmen," wie er sich Emma gegenüber aussprach. Diese Schwärmerei äußerte sich freilich auf eine etwas seltsame Art. Der junge Herr verfolgte die Hühner, riß ihnen die bunten Federn aus und schmückte damit seinen Hut. Oder er kletterte auf die Bäume, pflückte Obst und verzehrte es in der luftigen Höhe. Gelegentlich leistete er Mutter und Tochter im Garten Gesellschaft und rühmte sich feiner vielen, in der Regel nicht genialen Streiche, wodurch er sich ebenfalls nicht besonders empfahl. Er hatte versucht, mit Hugo Freundschaft zu schließen. Doch diesem war das ganze Wesen des geschniegelten Herrchens in der Seele zu­wider, und er ging dem „halb verrückten Menschen", wie er ihn nannte, stets aus dem Wege.

Die gute Laune des freiherrlichen Gastes wurde dadurch nicht gestört. Er suchte bei Georg Ersatz, und dieser hörte das seichteste Geschwätz mit unerschütterlicher Geduld und Ruhe an, wenn auch bei den schnurrigen Anschauungen und Be­hauptungen Wälden's über Pferde und Pferde­zucht oft ein mitleidiges Lächeln über fein Ge­sicht flog. . .

Amberg war der einzige, dem der junge Mann nicht mißfiel. Das zutrauliche, fast unter­würfige Entgegenkommen des adeligen Herrn schmeichelte seiner Eitelkeit in so hohem Grade, daß er dessen auffälliges Gebaren ganz übersah. Er machte auch aus seiner Vorliebe für den Frei­herrn kein Hehl und schien gar nicht zu ahnen, daß diese mit seinen früher betätigten Gesinn­ungen und Grundsätzen in schreiendem Gegensätze stand. Bei aller Blastrtheit war Wälden für