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verantwortlich: Für die Redaktion 3of. Saum, für Inserate I. Parzeller in Fulda.
mit Nnterhaktungs-Meikage „Muflrirte Sonntags-Zeitung" Peterozasse Nr. 2 (Harmonie).
M 133.
Iuröa, Mittwoch, den 15. Juni 1898
25. Jahrgang.
Für die morgige Reichstagswahl hat die Centrnmspartei folgende Kandidaten aufgestellt.
Wahlkreis Fulda-Gersfeld-Schlüchtern: Gutsbesitzer Karl Herold in Loevelinkloe bei Münster.
Wahlkreis Hünseld-Hersfeld-Rotenburg: Dr. Ernst Lieber-Camberg.
Wahlkreis Kassel-Melsungen: Rentner Richard Müller-Fnlda.
Wahlkreis Marburg-Kirchhain-Frankenberg: Rentner Richard Müller-Fnlda.
£ Die Stunde schlägt!
Noch liegt es, Wähler, in deiner Hand, wie sich der künftige Reichstag gestalten wird —, noch hast du die Wahl, wem du deine Stimme geben und damit die Vertretung deiner Interessen anvertrauen willst. Es schlägt die Stunde! und ist der Glockenschlag verhallt, dann hört deine freie Selbstbestimmung auf, dann handelt für lange Zeit ein anderer in deinem Namen über dein eigenes Loos! Wird er auch in deinem Sinne entschei.en? Sieh' dich vor, daß der Mann deines Vertrauens dein Vertrauen nicht täuscht!
Zur Lockung der Wähler sind prangende Schilder ausgehängt: Künden sie die Wahrheit? Einen vorsichtigen Käufer lockt nicht das Schild, er macht dort sein Geschäft, wo er sich gut und reell bedient weiß, und so sollst auch du, Wähler, bei den Wahlen nur mit der Partei dein Geschäft machen, deren Dergangeuheit dir die Gewähr gibt, daß sie nicht nur gewillt ist, dein Interesse zu wahren, sondern daß sie hierzu auch im Stande ist.
Diese Partei ist für uns Wähler aus dem katholischen Volk einzig «nd allein das Len- tr«m! Die glorreiche Vergangenheit desselben hat gezeigt, daß es verstanden hat, neben den idealen Interessen unseres Volkes auch die materiellen zu vertreten und zu fördern. Keine andere Partei kann sich hierin dem Centrum zur Seite stellen: entweder sind sie höherer idealer Interessen bar oder das Verwiegen der materiellen Interessen hat jene weit in den Hintergrund gerückt! Keine andere Partei kann so wie das Centrum für sich in Anspruch nehmen, daß sie keine einseitige Znteressen- pokttik treibe, sondern daß sie das Interesse sämmtlicher Stände vertrete. Und daß das Centrum dies für sich geltend machen kann, verdankt es dem Umstande, daß Vertreter aus allen Ständen des Volkes in seinen Reihen sitzen und daß der Streit der Sonderintereffen unter dem Gesichtspunkte des höhern alle Stände umschließenden Interesses der Allgemeinheit seinen Ausgleich findet.
In diesem Sinne verdient mit Recht unsere Partei die Bezeichnung „Gentrnm" als die Partei, in welcher die Gegensätze von rechts und
links sich versöhnen, als die Partei, die sich von allen Extremen fern hält und im Wirrwar der politischen Bestrebungen den sicheren Pfad der Mitte inne hält. Darum haben alle Stände des katholischen Volkes, vom Arbeiter bis zum Fürsten hinauf, ein hohes Interesse daran, daß die ausschlaggebende Stellung des Centrums im Reichstag durch den 16. Juni nicht erschüttert wird.
Was geht für ««s auf dem Spiele?
Die Kartellparteien sind wieder rührig! Es gelüstet ihnen wieder darnach, die parlamentarische Herrschaft an sich zu reißen. Gelingt es ihnen, dann, Volksrecht, fahr' wohl, dann, Bürger, hast du am 16. Juni zum letzten Male dein geheimes Wahlrecht ausgeübt, dann, Arbeiter und Beamter, tanzest du nächstens bei den Wahlen nach der Pfeife deines Brod- gebers oder deines Vorgesetzten, dann, ihr unteren Volksklassen, habt ihr die Aussicht, mit neuen drückenden Steuern beschwert zu werden, dann ist es auch mit dem Rest von Freiheit, den uns das heutige Vereins- und Versammlungsrecht noch läßt, vorbei; dann endlich fahr auch du wohl, Sozialpolitik des Centrums, und katholisches Volk sei gefaßt auf neue kultur- kämpferische Bestrebungen!
Die Stunde schlägt r Darum, itzrkattzo- kische« Wähler, vollzählig an die Urne Hera«! Keiner öleiöe zurück. Keraus aus Kutte und Zkalast, aus der Werkstätte und der Amts strröe, hinweg vo« Acker und Oe-, werke, auf jede Stimme kommt es a«! Alle, alle zur Mahlurue mit einem Stimmzettel für de« Kandidaten der Kentrums- partei!
Deutsches Deich.
Berlin, 14. Juni.
X Daß gegenwärtig vor den Philipp inen ansehnliche deutsche Wariue-Streitkräfte zusammengezogen werden, ist bekannt und bereits mehrfach an dieser Stelle besprochen worden. Die deutschen Jntereffen sind schon jetzt auf den Philippinen - Inseln so stark vertreten, daß diese außerordentliche Aufmerksamkeit, welche Deutschland der Entwickelung der Dinge auf den Philippinen widmet, durchaus gerechtfertigt ist. Bei solchen Gelegenheiten pflegen gewöhnlich allerhand abenteuerliche Gerüchte zu entstehen, und dies ist nun auch diesmal der Fall gewesen. Von Madrid aus werden Depeschen in die Welt gesandt, welche die Ansicht aussprechen, daß Deutschland die Insel
gruppe in Besitz nehmen werde, wenn sie dem Königreich Spanien verloren gehen sollte. Das ist natürlich Unsinn. Wollte Deutschland Anspruch auf die ganze Inselgruppe erheben, so würde es unvermeidlich in Streit gerathen mit anderen Mächten, und davon kann selbstverständlich niemals die Rede sein. Ueber die wahren Absichten der Reichsregierung gibt vielmehr wohl den richtigen Aufschluß eine Darlegung der halbamtlichen ,Marinepolitifchen Korrespondenz'. Danach würde es sich darum handeln, für Deutschland „einen Stützpunkt für seine Interessen zu beanspruchen". „Allem Anscheine nach — so wird weiter ausgeführt — wird es darauf ankommen, gegen die Zügellosigkeit der Eingeborenen eine feste Position zu gewinnen. . . . Aus denselben Gründen, aus denen von China eine Hafenabtretung verlangt werden kon«te, ist eine solche von der allem Anscheine nach bevorstehenden „Republik der Philippinen" zu beanspruchen, da der zu- künstigen „Regierung" ... kein größeres Vertrauen entgegen zu bringen ist als denjenigen des chinesischen Kaiserreiches. Außerdem wird in der halbamtlichen Kundgebung noch ausdrücklich darauf aufmerksam gemacht, daß der Befehl über die deutschen Streitkräfte demselben Vizeadmiral v. Diederichs anvertraut ist, der im Namen des Deutschen Reiches auch Besitz von dem Hafen von Kiautschau ergriffen hat; daß also t-ieses Kommando in bester Hand sich befinde.
st Allem Anscheine nach steht die Bildung einer neuen Spezialtruppe bevor, nämlich die Errichtung einer eignen GekegrapheA-Grnppe. Zunächst ist die 5. Kompagnie des Garde-Pionier- Regiments zur Militär-Telegraphenschule überwiesen worden, und es scheint, daß man dies als den ersten Schritt zur Bildung einer besondern Telegraphen-Truppe aufzufafsen hat. Es ist der Vorschlag gemacht worden, jedem Armeekorps eine Telegraphen-Kompagnie zuzutheilen; und es schweben gegenwärtig ernstliche Berathungen über diesen Vorschlag.
x Als im preußischen Abgeordnetenhaus« die Interpellation des Centrumsabg. Szmula besprochen wurde wegen der Haltung der Regierung zu der Frage des Mangels a« kändkichen Arveiter« und Dienstboten, wurde von mehreren Rednern Klage darüber geführt, daß auch durch den Militärdienst viele junge Leute den ländlichen Verhältnissen entfremdet würden und dann nicht mehr nach ihrer ländlichen Heimath zurückkehren. Es wurde gleichzeitig die Frage aufgeworfen, ob es nicht ein
Der KapeUerchof.
Erzählung aus dem Leben von Max Benno.
10 ------ (Nachdruck verboten.)
„Und doch," hielt Stern ihm entgegen, „ist auch diese Spekulation nichts Anderes, als ein weiteres Glied an der goldenen Kette, die den kühnen Bau meiner Ideen umspannt. Wenn sie gelingt, bin ich der Vollendung meiner Aufgabe um einen Riesenschritt näher gerückt. Mein Bruder hat sich zur Ruhe gesetzt. Er treibt den Handel nicht mehr. Es ist auch nicht nothwendig. Er hat sich so viel erworben, daß er behaglich ausruhen kann. Wie es mir scheinen will, traute er dem Wetter nicht mehr. Die Sache wurde gar zu offenkundig betrieben und hat die Aufmerksamkeit der englischen und amerikanischen Kreuzer auf sich gelenkt. Sie kommen zu spät. Das Geschäft ist gemacht. Nun beginnt unsere Arbeit. Mein Salomon hätte mir mit nichts Erwünschterem entgegenkommen können, als der Einladung auf sein jüngst erworbenes Landgut am Orinoco, die ich heute Morgen erhielt. Ich werde ihr folgen, doch erst, wenn der junge Baron v. Königsberg vollends dahin gebracht ist, wo man ihn braucht. Es fehlt nicht mehr viel. Nur noch einige Schachzüge, und der leichtsinnige junge Herr ist so matt, daß er es dem guten Freunde danken wird, wenn er ihn vor dem Schlimmen bewahrt."
„Du bist sehr vertrauensselig," wandte Ferber kopfschüttelnd ein. „Schlägst Du Deinen Einfluß am Ende gar zu hoch an? Bedenke, daß des Leutnants Vater mit seiner Kasse im Hintergründe
steht. Der alte Baron wird bei all seiner Knappheit auch das größte Opfer nicht scheuen, wenn es die Rettung der Ehre seines Namens verlangt."
„Pah," entgegnete Stern mit wegwerfendem Tone, „so weit kommt es gar nicht. Dafür wird schon zum voraus gesorgt. Ich kenne den Herrn Leutnant besser als Du. Er würde sich eher dem Teufel verschreiben, als daß er zu Kreuze kriecht und dem Alten seine Streiche gesteht. Ueberdies sind meine Bedingungen verlockend genug. Bekommt er nicht eine Millionärin zur Frau? Daß er nur als Werkzeug für unsere Pläne benützt wird sagt man ihm natürlich nicht. — Ec wird in die Falle gehen, und alles Andere ergibt sich von selbst. Wir machen ein Geschäft Heinrich, dem gegenüber die Einbuße mit Wälden als eine wahre Bagatelle erscheint!"
Das lebhafte Gebärdenspiel Ferber's bei den letzten Worten Stern's bekundete, daß etwas in ihm vorging. Als jener schwieg, trat er einen Schritt vor und flüsterte, einen Knopf an dessen Rock ergreifend, mit triumphirendem Blicke: „Julius, mir fuhr soeben eine Idee durch den Kopf. Wie hoch schätzest Du denn eigentlich den Kapellenbauern Amberg?"
Stern schaute den Advokaten einige Sekunden lang an; er begriff nicht, wohin dieser mit einer solchen Zwischenfrage wollte. „Die Waldungen Amberg's," erwiderte er nach einigem Besinnen, „sind wenigstens 150 000 Mark werth. Die übrigen Grundstücke mit den Gebäuden und dem tobten und lebenden Inventar jedenfalls ebenso viel, und 80000 bis 100000 Mark hat er Zins tragendes Kapital."
Ferber verzog den fast zahnlosen Mund zu
einem befriedigten Schmunzeln. „Gut!" sagte er, „dabei kommt für jedes seiner drei Kinder eine recht hübsche Summe heraus. — Meine Rechnung stimmt."
Er entwickelte nun in längerer Auseinandersetzung seinen Plan und schloß mit der Versicherung: „Wenn wir klug und vorsichtig zu Werke gehen, wird nicht nur der seitherige Verlust mit Wälden ersetzt, sondern wir machen noch überdies ein neues flottes Geschäft."
Stern hatte den Redefluß Ferber's zwar ein paar Mal durch Einwendungen zu unterbrechen gesucht, stimmte aber schließlich doch bei. Die nöthigen Maßregeln wurden noch näher besprochen, dann schüttelten die beiden sich im vollsten Einverständnisse die Hände, und der Advokat empfahl sich.
Nach Tisch ergriff Stern, statt wie sonst sein Mittagsschläfchen zu halten, Hut und Stock und verließ mit langsamen Schritten die Stadt. An dem Wege, der zum Kapellenhofe führte, bog er von der Landstraße ab und schritt durch den schattigen Wald nach dem Hofe.
Julius Stern hatte die nähere Bekanntschaft des Kapellenbauern Amberg auf eine nicht ganz gewöhnliche Art und Weise gemacht. Der Kapellenbauer Amberg war ein reicher Mann, der eine Rolle in der Gesellschaft hätte spielen können. Aber er war von geradezu krankhaftem Ehrgeiz geplagt. Und so war es oft mit geheimem Groll von ihm bemerkt worden, wie sein Gutsnachbar, der Baron v. Königsberg, durch Freigebigkeit und Wohlwollen sich die Liebe aller errang. Erhalte es diesem gleichthun wollen, hatte ebenso den Wohlthäter, den Rathgeber, den Freigebigen bis
Mittel gebe, auch während der militärischen Dienstzeit dazu beizutragen, daß der Soldat, der von Hause aus in landwirthschaftlicher Umgebung ausgewachsen ist, nicht das Interesse an dieser verliert. Diese Frage hat nun der deutsche Landwirthschaftsrath in sein Programm ausgenommen für die nächste Sitzung eines ständigen Ausschusses, die für den 28. Juni anberaumt ist. Es soll dort berathen werden über die „Einführung von landwirthschaftlichen Unterrichtskursen in der Armee für die dem landwirthschaftlichen Berufe angehörigen Mannschaften".
* Die einmüthige Haltung der Mehrheit des preußischen Abgeordnetenhauses in der Frage der Aestenernng der chrotzöazare scheint doch nicht ohne Eindruck auf den Herrn Minister v. M i q u e l geblieben zu sein. Anfänglich stand dieser bekanntlich auf dem Standpunkte, daß diese Besteuerung nur auf dem Wege der Kommunalbesteuerung erfolgen solle. Jetzt scheint Herr v. Miquel einem Eingreifen der Landesgesetzgebung nicht mehr grundsätzlich abgeneigt zu sein. Diesen Schluß gestattet wenigstens ein Schreiben, das der Minister v. Miquel dem Vorstande des Bundes der Handel- und Gewerbetreibenden hat zugehen lassen. In diesem Schreiben heißt es wörtlich an einer Stelle: „Sollte es sich bestätigen, daß eine den kommunalen und sozialpolitischen Rücksichten entsprechende Umgestaltung der bestehenden Gewerbesteuer im Wege der kommunalen Autonomie (Selbstständigkeit) keinen ausreichenden Erfolg erwarten läßt, so würde auch der Eventualität eines landesgesetzlichen Eingreifens näher getreten werden müssen, wenn auch bei Einschlagung dieses Weges trotz sorgfältiger Erwägung die besonderen Verhältniffe und Bedürfnisse der einzelnen Gemeinden nur in geringerem Maße Berücksichtigung finden könnten." jJmmerhin ersieht man aus diesen, in recht bösem Deutsch abgefaßten Sätzen, daß Minister v. Miquel noch immer nicht in den grundsätzlichen Anschauungen mit der Mehrheit des Abgeordnetenhauses übereinstimmt. Dieser letztern war es bei Beurtheilung dieser Frage vor allen Dingen um ausreichenden Schutz des gewerblichen und kaufmännischen Mittelstandes gegen die Ueberwucherung der Großbazare, der Konsumvereine und ähnlicher Gesellschaften zu thun. Aber in dem Schreiben des Ministers v. Miquel klingt es fast so, als sehe dieser als Hauptsache bei der ganzen Angelegenheit eine Gabe an die städtischen Gemeinwesen an. Davon, daß dies eine Hauptsache dabei ausmache, kann doch wohl im Ernste keine Rede sein.
zur Verschwendung gespielt. Aber er that dies auf eine Weise, die sofort erkennen ließ, daß seine Handlungsweise nicht dem Drange christlicher Liebe entsprang, sondern der Sucht zu glänzen.
Die Folge davon war gewesen, daß Amberg zwar wohlfeiles Lob in Hülle und Fülle erntete, aber keine Herzen gewann. Dieses Bewußtsein hatte seinen Neid erregt, der allmählig in Haß überging, und diesen glaubte er nun am besten dadurch bethätigen zu können, daß er sich zum Führer der politischen Gegner des Barons hergab. Und der damalige Referendar Stern war sein Helfer und Berather. Da wurden beide in einen bösen politischen Prozeß verwickelt und kamen schließlich hinter Schloß und Riegel. Das Los der beiden wäre voraussichtlich nicht das angenehmste geworden, hätte sich nicht der sehr einflußreiche Baron von Königsberg als Gutsnachbar Amberg's für sie ins Mittel gelegt. Nach einigen Wochen Haft wurden sie wieder in Freiheit gesetzt. Bei dieser Gelegenheit äußerte sich der Stolz und der Eigensinn Ambergs' in der häßlichsten Art. „Als er die Ursache der geübten Gnade erfuhr, wies er letztere in brutaler Weise von sich. „Er wolle dem adeligen Herrn nichts zu danken haben," erklärte er. „Nachdem man ihn überhaupt eingesperrt habe, komme es auf etliche Wochen mehr oder weniger nicht an." Er weigerte sich, seine Zelle zu verlassen und wurde, als alle Vorstellungen nichts halfen, mit Gewalt aus dem Gefängnisse entfernt.
Nun kehrte er mit finsteren Rachegedanken gegen den Baron v. Königsberg nach Hause zurück. Stern aber nahm in der Voraussicht, daß es mit seiner amtlichen Laufbahn nach dem Vorgefallenen