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25. Jahrgang.

IuLöcr, Dienstag, den 14. Juni 1898

M 132.

Druck an» Vertag »er Fuldaer »ctiendruckeret petersgaffe tlr. 2 (Harmonie).

mit IlnterKallungs-Meikage „Muflrirte Sonntags-Zeitungs

L Kulturkampf!

Viele Leute wollen uns glauben machen, mit dem Kulturkämpfe sei aufgeräumt, es gebe keinen Kulturkampf mehr. Und zumal vom preußischen Kultusministerium wird immer und immer wieder versichert, die preußische Regierung stehe der katholischen Kirche und ihren Einrichtungen „wohl­wollend" gegenüber — aber nur, um hinterher immer und immer wieder durch entgegengesetzte Thaten zu beweisen, daß das sogenannte „Wohl­wollen" in Wahrheit ein unzweideutiges und recht kräftiges Uebelwollen ist! Der Kulturkampf besteht fort, nur in anderer Form als früher. Früher sagte man es geradezu, daß man ihn wolle. Heute behauptet man, er sei abgethan und aus der Welt geschafft, aber man handelt dennoch nach kulturkämpferischen Grundsätzen. Das beweist vor allen Dingen die Weigerung der verbündeten Regierungen, das schmähliche Aus­nahmegesetz gegen die Jesuiten zu be­seitigen. Das geht hervor aus der feind - Zeitigen Stellung, die mehrere Bundesregierungen gegen die Zulassung katholischer Ordensge­nossenschaften überhaupt einnehmen. Das ersieht man daraus, daß in Preußen nur immer langsam zögernd und stets mit sicht­lichem Widerwillen die Erlaubniß dazu ertheilt wird, neue Ordensniederlassungen zu gründen oder frühere wieder einzurichten, wenn nämlich die Erlaubniß überhaupt zu erreichen ist. Und noch schärfer wird das erwiesen durch die zahlreichen Fälle, in denen diese Erlaubniß ganz und gar verweigert wird, und durch die ent­weder lächerlichen oder auch gehässigen Vorwände durch die man solche abschlägige Bescheide zu begründen sucht. In ganz Deutschland bleiben die Jesuiten geächtet. In Baden und in einigen kleineren Bundesstaaten duldet man grundsätzlich überhaupt keine katholischen Ordensniederlassungen. In Preußen behandelt man die Frage katholischer Ordensniederlassungen mit grundsätzlicher Ab­neigung und offenbarem Uebelwollen, und so ist die Behandlung der Ordensfrage ganz allein schon Beweis genug dafür, daß der alte feind­selige Geist des Kulturkampfes noch lange nicht erloschen, sondern fortgesetzt am Ruder ist mit allen seinen Ungerechtigkeiten und Gehässigkeiten gegen die Einrichtungen der katholischen Kirche und gegen die Millionen deutscher Staatsbürger, die ihr angehören.

? Leider aber ist es nicht diese feindselige Be­handlung der Ordensfrage allein, die für das Fortleben des Kulturkampfes trauriges Zeugniß ablegt. Beweis dafür reiht sich an Beweis, und erst die letzten Tage haben einen neuen Fall ge­zeitigt, der so recht deutlich die Gehässigkeit kenn­zeichnet, mit der heilige und altehrwürdige Ge­bräuche der katholischen Kirche verfolgt werden.

In Heddernheim bei Frankfurt am Main sollte in diesem Jahre wie immer seit Anfang dieses Jahrhunderts die Frohnleichnams- Prozession stattfinden. Niemand dachte an Arges. Da plötzlich wurde die Prozession polizeilich verboten. Warum? Niemand konnte es sich erklären. Und sehr wenig Leute werden sich das erklären können, auch nachdem sie die Gründe kennen gelernt haben werden, die das Franksurter

Der Kapelleichof.

Erzählung aus dem Leben von Max Benno.

9 ------ (Nachdruck verboten.)

Mit einem triumphirenden Lächeln blieb der Agent stehen, bis die Schritte des Barons ver­hallt waren. Dann ergänzte er den zur Hälfte ausgefertigten Wechsel und verschloß ihn in seinen Schrank.

Die Tapetenthüre ging auf, und der große Kopf Aarons erschien.

„Komm nur herein," rief Stern. „Die Luft ist wieder rein!"

Der Agent lachte boshaft.

„Ein prächtiger Herr, dieser Baron," sagte er, „kurz angebunden und doch so stolz wie ein Prinz. Nu, man läßt ihm die Freud', ist er nur gut." Es wurde bald wieder ganz still im Zimmer. Aaron schrieb und Stern studirte einen der neuesten Kurszettel. Da wurde er wieder burdi ein Klopfen gestört. Ehe er jedoch „Herein" rufen konnte, wurde die Thür geöffnet und ein älterer Herr trat ins Zimmer. Er legte seinen Hut ab und nahm nach einem vertrauensvollen Gruße Platz, ohne lange auf eine Einladung zu warten. Der Mann war in dem Hause des Agenten Stern offenbar sehr gut bekannt.

„Was bringst Du denn Neues, Heinrich?" fragte der Hausherr, als der Angekommene sich gesetzt hatte.

„Nicht viel Gutes," erwiderte dieser mit finsterem Stirnrunzeln. „Bei dem Geschäfte mit Herrn von Wälden haben wir eine Dumm­heit gemacht."

Polizeipräsidium als maßgebend für sein uner­hörtes Verbot ins Feld führt.

In Heddernheim war infolge eines Blitzschlages die katholische Kirche abgebrannt. Die neue katholische Kirche ist auf demselben Grund­tücke/aber nicht auf derselben Stelle dieses Grundstückes erbaut worden. Der Ein­gang der neuen Kirche liegt einer anderen Straße gegenüber als der Eingang der alten Kirche. Dennoch hätte die Prozession durch dieselben Straßen sich bewegt wie früher; nur Anfang und Ende der Prozession würde ein wenig anders ausgefallen sein als ehedem. Und aus liefern vollkommen nebensächlichen, geringfügigen Imstande leitet das Frankfurter Polizeipräsidium die Gründe her für ihr Prozessions-Verbot. Die Prozession, so sagt das Polizei-Präsidium^ sei nun nicht mehr „die herkömmliche", und ömit hätte es neuer polizeilicher Erlaubniß nach voraufgegangener besonderer Anmeldung bedurft.

An sich ist das eine erbärmliche Paragraphen­reiterei, ein ganz besonders gut, oder vielmehr schlecht gerathenes Schaustück bureaukratischer Reglementirungswuth, wie man sie sich anderen Einrichtungen gegenüber sicherlich nicht erlaubt haben würde.

Aber selbst der letzte Schein von Berechtigung dafür fällt weg, wenn man die vorliegenden That- sachen noch genauer kennen lernt. Während der beiden Jahre nämlich, die der Neubau der katho­lischen Kirche erforderte, wurde der katholische Gottesdienst in der lutherischen Pfarrkirche in Heddernheim abgehalten. Diese Kirche liegt natürlich an einer ganz andern Stelle, als die katholische. Nichtsdestoweniger hat die Frohn- leichnams-Prozession während dieser beiden Jahre vollkommen unbeanstandet von der lutherischen Pfarrkirche aus stattge­funden. Da aber wurde die Prozession als die „herkömmliche" angesehen und ohne weiteres ge­stattet. Diesmal aber war der Sinn des Polizei- gewaltigen anders gestimmt, und die Prozession wurde verboten.

Kann man sich einen höh er enGrad vor­stellen von unverständlich scharfem Vor- -geh^rn gegen dis katholische Kirche? Das ist nicht gut möglich. Und von Neuem ist be­wiesen, wie stark noch immer der Geist des Kulturkampfs-Hasses gegen unsere Kirche ist.

Denkt daran, alle ihr deutschen Katholiken, am 16. Juni, am Tage der Reichstagsw ahl! Denkt daran, daß es nach wie vor gilt, durch die Wahl unsere heiligsten Rechte zu sichern gegen Willkür, gegen Ungerechtigkeiten, gegen den alten Kulturkampf, der stets von neuem gegen alles hervorbricht, was katholisch ist! Denke jeder daran, und versäume kein deutscher Katholik, an diesem wichtigen Tage seine Pflicht zu thun und seine Stimme in die Wagschale zu werfen für Wahrheit, Frei­heit und Recht!

Deutsches Deich.

Berlin, 13. Juni.

st Einige Zeitungen beschäftigen sich eingehend mit der Verheiralhung des Bruders der Kai-

„Wieso?" fragte Stern und stand von seinem Lehnseffel auf.

„Der reiche Onkel des jungen Herrn," er­klärte Heinrich Ferber, der renommirteste Rechts­anwalt nicht nur in B., sondern im ganzen Lande — „ist gestorben, allein mit der erhofften Erb­schaft ist es nichts; der alte Duckmäuser hat sein ganzes Vermögen noch in der letzten Stunde dem Spitale und anderen derartigen Anstalten ver­macht. Wälden bekommt nichts, und auch wir sind geprellt. Das sogenannte herrschaftliche Schloß ist eine halbzerfallene Ruine, für die vnf kein Mensch etwas gibt; die Wälder sind aus­geraubt und die besten Güter verkauft. Wenigstens die Hälfte unseres Guthabens ist verloren, wenn wir nicht ein Mittel finden, uns auf irgend eine Weise schadlos zu halten. Das hast Du zu ver­antworten, fügte er grollend hinzu. „Auf Deine Empfehlung und Bürgschaft hin gab ich ihm das Geld."

Stern's Gesicht hatte sich bei dem Berichte Ferbers bedeutend verlängert. Er wandte sich ab und durchmaß mit großen Schritten den Raum.

„Es ist ein ganz verfluchter Streich," stieß er zornig zwischen den Zähnen hervor, „der einen meiner schönsten Pläne durchkreuzt. Den Gewinn wollte ich noch gerne verschmerzen, käme nur die reiche Erbschaft nicht jenen Leuten zu gute, die meinen Bestrebungen am gefährlichsten find. Ich zweifelte gar nicht am Erfolge, und nun ist alle Mühe umsonst!"

Ferber stellte sich ihm in den Weg. „Höre, Julius," sagte er ärgerlich, „verschone mich end­lich mit Deinen Bestrebungen. Du weißt, was

fertn, des Herzogs Krnst Günther z« Achtes- rvig-Kotstei«, mit der Prinzessin Doro­thea, Tochter des Prinzen Philipp von Sachsen- Koburg-Gotha und der Prinzessin Luise von Belgien. Die Prinzessin ist katholisch, die Trauung findet in der katholischen Kirche zu Ko- burg statt. Jedenfalls mit Recht ziehen mehrere Blätter daraus den Schluß, daß der Herzog das Versprechen der katholischen Kindererzie­hung gegeben hat. Denn die katholische Kirche traut, wie jeder Katholik weiß, kein Paar ge­mischter Konfession, das nicht dieses Versprechen in bindender Form abgibt.

X Der,Reichsanzeiger' veröffentlicht die üb­liche Zusammenstellung über die KifeuvaHn- Itufälke auf deutschen Eisenbahnen, abgesehen von den bayrischen, während des Monats April. Danach sind 25 Entgleisungen vorgekommen, 11 auf freier Bahn und 17 in Stationen; ferner 14 Zusammenstöße, alle in Stationen, und außerdem 127 sonstige Betriebsunfälle. Bei diesen Unfällen büßten 48 Menschen ihr Leben ein, darunter 5 Reisende, und es wurden 88 Menschen verletzt, darunter 13 Reisende. Aller Voraussicht nach wird sich der Verkehr im Laufe dieses Sommers noch erheblich stärker entwickeln, als im Sommer des letzten Jahres. Hoffentlich wird dieser erhöhte Verkehr nicht wiederum von so mörderischen Folgen begleitet sein wie der des Vorjahres es war.

£5 Das Reichsversicherungsamt macht in der letzten Nummer seiner amtlichen Nachrichten vom 1. Juni d. Js. bekannt, daß nach den gemachten Wahrnehmungen über das Wesen und Wirken der Aröeiterverfichernng des deutschen Reichs in den betheiligten Kreisen und namentlich unter den Arbeitern selbst noch immer mangelhafte Kenntnisse herrschen, welche häufig zu falschen Auffassungen und Beurtheilungen der sozial­politischen Gesetze, mitunter für die Versicherten auch zum Verlust ihrer Anrechte führen. Das Reicbsversicherungsamt hält es deshalb für wünschenswerth, daß der von ihm zusammen- gestellte „Leitfaden zur Arbeiter-Versiche­rung des deutschen Reichs", welcher sich bisher als ein geeignetes Aufklärungsmittel er­wiesen hat, eine thunlichste weite Ver­breitung findet. Seine Aufgabe ist, den Ver­sicherten selbst nicht nur die Wahrnehmungen ihrer Ansprüche zu erleichtern, sondern ihnen auch einen tieferen Einblick in die wechselseitige Ergänzung der verschiedenen Versicherungszweige und die Gesammtwirkung der Arbeiterversicherung zu geben, welche der deutschen Arbeiterschaft in den verschiedenen Nothlagen des Erwerbslebens Unterstützungsrechte in in einem bisher in keinem anderem Lande erreichten Umfange gewährleistet hat. — Auch eine weite Verbreitung des Leit­fadens unter den Vertrauensmännern empfiehlt das Reichsversicherungsamt. (Leitfaden zur Ar­beiter-Versicherung des deutschen Reichs von Dr. Zacher. Bezugspreis bei 300 und mehr Exemplare: 10 Pfg. pro Stück, bei 100 12 Pfg. und bei 50 und mehr Exemplare 15 Pfg. pro Stück. Verlag von A. Asher u. Co., Berlin, Unter den Linden 13. )

* Ein Gesetz zum Schutze des ZLienen- houigs ist dringend wünschenswerth, welches die ich davon halte. Kein vernünftiger Mensch geht mehr aus den abgestandenen Leim. Ich kann gar nicht begreifen, daß ein Mann wie Du, der doch seine fünf Sinne besitzt, sich mit solchem Unsinn abgeben mag. Es kommt mir fast vor, als sei es seit einiger Zeit nicht mehr ganz richtig mit Dir. Du hast Dich in Deine Ideen förmlich verrannt und vernachlässigst darüber das Geschäft, das doch immer die Hauptsache bleibt. Ich bitte, schlage Dir den überspannten Kram aus dem Kopfe; es sind ja nur eitle Träumereien, bei denen nichts herauskommt!"

Stern war stehen geblieben. Er maß sein Gegenüber mit einem fast drohenden Blicke, und ein fanatisches Feuer glühte in seinen Augen.

„Was behauptest Du?" rief er. „Ich vernach­lässige das Geschäft? Ha, würde es nur ein Jeder von uns so betreiben wie ich! Wie ich, dem Arbeiten und Erwerben, Unternehmen und Gewinnen Lebenszweck ist — der sich für den Kreuzer ebenso, wie für den Gulden abmüht, der das Kleinste nicht verachtet, aber auch den Kampf ums Große nicht scheut! Zur Erreichung unserer Ziele brauchen wir noch viel größere Mittel als wir schon besitzen, und nur durch Gewinn und Erwerben um jeden Preis erlangen wir sie. Von eitlen Träumen sprichst Du? Greife doch um hundert Jahre zurück und vergleiche jene Zeit, da der Jude als Knecht, als Sklave, als Aus­würfling und noch Schlimmeres gatt, da man ihm ungestraft ins Gesicht spie, mit der Gegen­wart, und sage mir, ob Du nur eitle Träume, ob Du nicht vielmehr eine herrliche und ver­heißungsvolle Wirklichkeit siehst? Schaue Dich um in den Metropolen, wo sich um die Burgen

Bestimmung enthält, daß künstlicher Honig ähnlich kenntlich gemacht werde wie die Margarine. Da es den Chemikern nicht möglich ist, Kunst­honig von echtem Bienenhonig auf chemischem Wege zu unterscheiden, hat sich eine große In­dustrie entwickelt, die aus Invertzucker, Dextrin, Glukose, Kartoffelsyrup rc. künstliche Honige fa- brizirt, die trotz ihres sehr viel geringeren Wohl­geschmackes, Aromas usw. in Folge des billigen Preises das köstliche Bienenprodukt verdrängen und in Mißkredit bringen, da die Folgen des Genusses oftmals nicht angenehme sind. Das Publikum thut gut, nicht Honig, sondern Bienen­honig zu verlangen, da nach Gerichtsentschei­dung der Verkäufer von künstlichem Honig sich strafbar macht, wenn er ihn statt natürlichen Honigs verabreicht. Ebenfalls sollten die Pro­duzenten, welche echten Honig in den Verkehr bringen, die Büchsen und Behältniffe mit der Bezeichnung „Bienenhonig" versehen; das würde ihrer Waare bedeutend mehr Vertrauen und Be­liebtheit bringen.

* Mnrzkurg, 13. Juni. Bei der Land­tagsersatzwahl wurde Landwirth Nikolaus Holzapfel (Centr.) mit 155 Stimmen gewählt. Der Bauernbündler Michael Keller (Arnstein) erhielt 68 Stimmen.

* Karlsruhe, 13. Juni. Der badische Staatsminister a. D. Turban ist gestern Abend gestorben. Ludwig Karl Friedrich Turban war am 5. Oktober 1821 zu Bretten geboren. Er studirte Philologie und Jura und trat 1845 in den Staatsdienst. 1860 wurde er in das neuerrichtete Handelsministerium berufen, dessen Präsident er 1872 wurde. 1876 wurde er nach Jollys Rücktritt zum Präsidenten des Staats­ministeriums ernannt. Den Kulturkampf gegen die katholische Kirche in Baden hat Turban, der nach seiner politischen Parteistellung national- liberal war und schon in den 60 er Jahren seine kulturkämpferischen Sporen verdiente, mit der größten Rücksichtslosigkeit geführt. Die kirchenpolitischen Zustände im badischen Muster- ftaat wurden unter Turbans Leitung der Ge­schäfte bis zur Unerträglichkeit verschärft Nach von Stößers Rücktritt hatte Turban auch das Ministerium des Innern übernommen; im Oktober 1890 trat er von letzterem zurück, 1893 auch vom Staatsministerium. Von 1876 bis 1893 war Turban auch Mitglied des deutschen Bundesrathes.

I«r Reichstagswahl.

* Für eine Aenderimg des Iteichstags- wahlrechls treten die ,Grenzboten' in einem Artikel „Stimmenwenh, nicht Stimmenzahl" ein. Der Artikel gibt der Anschauung Ausdruck, daß zu einem vollkommenen Wahlrecht die Berück­sichtigung von „Begabung, Bildung, Herkunft, Familienstand, Beruf, Besitz, Einkommen, politi­scher Einsicht" gehört. — Was Haden gegenüber solchen Verlautbarungen alle ^.Dementis vor dem Wahlkampfe, daß eine Abänderung des Reichs­wahlrechts nicht beabsichtigt sei, für einen Werth! Wohin die Pläne der ,Grenzboten' gehen, erhellt daraus, daß das Alter zum Maßstab der Wahl­berechtigung gemacht werden soll. Je älter der

der Kaiser und Könige ein Ring von stolzen Palästen erhebt; — wem gehören dieselben? — Uns! Wer beherrscht ferner die Börse, das Kapital, den Handel und Verkehr? — Wir! Wähle an einem Montag irgend eine Bahnstrecke und Du wirst überall unseren Leuten begegnen, die sich nach der Sabbathruhe in die Städtchen, Dörfer und Gehöfte ergießen, um dort zu machen, was gemacht werden kann. Das sind unsere Apostel, unsere Bahnbrecher im kleinen, und die Resultate ihrer Thätigkeit sind wahrlich nicht gering. Ihr Evangelium ist der Thaler, das Geld! Welche Wonne für den ehemals getretenen, ge­schlagenen und verhöhnten Juden, wenn der Bauer oder Hofbesitzer das Käppchen demüthig in der Hand dreht und voll Höflichkeit und Ehr­erbietung zu dem Herrn Moses, Urias oder Ben­jamin spricht!"

Ferber hatte mit wechselndem Mienenspiel auf die Ausführungen seines Freundes gehört. Als dieser schwieg, nahm er mit einem hämischen Grinsen das Wort:

„Du bist ja der reinste Prophet! Nur schade, daß Du nicht einige tausend Jahre früher auf die Welt kamst, bann hätte man Dich vielleicht auch auf einem feurigen Wagen in den Himmel spe­rrt. — Die ganze Geschichte ist übrigens so viel Worte nicht werth. Kultivire in Kuckucks Namen Deinen Schwindel, wenn Du ihn nicht lasten kannst! Ich gebe Dir meinen Segen dazu und fürchte nur. Du möchtest schließlich an Deinem eigenen Werke wenig Freude erleben. Was sollten wir anfangen, wenn die ganze Welt aus klugen Hebräern bestände? Wir brauchen die Dummen

| sehr noch wendig, Julius! Im Reiche Israels