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M 131.
mit Zlrüerhattungs-Meitage „Jssnstrirte Sonnlags-Zeilung!'
25. Jahrgang.
Julöa, Montag, den 13. Juni 1898
Druck und Verlag der Fuldaer Actiendruckeret petcrsgajse ltr. ä (Harmonie).
ak Sozialdemokratie und katholische Sozialpolitik.
Der Sozialdemokratie wird bange vor der Gewalt der Anziehungskraft, welche die katholische Sozialpolitik auf die Gemüther der Arbeiterschaft ausübt. Die Sozialdemokratie selbst weiß es am besten, daß sie am wenigsten auszurichten vermag dort, wo die katholifche Sozialthätigkeit ihre Schwingen voll entfalten kann. Denn sie hat es erleben müssen, daß Wahlkreise, die sie schon als sichere Domänen zu betrachten begann, durch Centrumsmänner wieder entrissen wurden, so namentlich die Wahlkreise Köln und Mainz und manche andere mehr. Und darum macht die sozialdemokratische Preffe noch jetzt vor Thoresschluß allerletzte, krampfhafte Versuche, um das Centrum und seine sozialen Bestrebungen vor der Arbeiterschaft zu verdächtigen. In Wahrheit kann sie das aber nicht. Und darum versucht sie es mit der Lüge, mit der platten, nackten Lüge: die ganze sozialpolitische Thätigkeit des Centrums soll nach einer allerneuesten Leistung der sozialdemokratischen Presse „von wahltaktischen Gesichtspunkten bestimmt sein", d. h. „das Centrum braucht die Arbeiter als Wähler", und da müsse „man wohl oder übel den Arbeitern auch ein paar Brocken vorwerfen oder auch nur vorhalten".
Natürlich fehlt es den sozialdemokratischen Blättern vollkommen an Beweisen für diese verleumderischen Behauptungen. Leicht aber ist es, das Gegentheil zu beweisen.
Als während der letzten Reichstags - Periode zuerst der Verdacht aufstieg, daß unter dem neuen Staatsfekretär des Innern das Werk der Sozialreform in Stillstand gerathen möchte, war es der Abg. Dr. Lieber, „der zu allererst von allen Rednern des Reichstages erklärte, daß das Centrum nicht gesonnen sei, die Sozialreform irgendwie versumpfen zu lassen. Der Cmtrums-Abgeordnete Professor Dr. Hitze aber, der Führer des Centrums auf sozialpolitischem Gebiete, hat auch während dieser letzten Legislatur-Periode des Reichstages eine so lange Reihe von Forderungen zu Gunsten der Arbeiter aufgestellt, daß nur ganz böswillige oder sehr thörichte Menschen den Versuch wagen können, diese ganze Reihe von Arbeiterschutzforderungen des Centrums aus der Welt zu lügen. Professor Hitze ist es, welcher Verordnungrn verlangte, um die Bestimmungen der Gewerbe - Ordnung über Einrichtung und Betrieb von Fabriken zum Schutze der Gesundheit und Sittlichkeit wirksamer durchzuführen. Derselbe Abgeordnete verlangte die Ausdehnung der Sonntagsruhe auf weitere Gewerbezweige, Regelung der Arbeitszeit für jugendliche Arbeiter und Arbeiterinnen auch in Werkstätten mit Motorenbetrieb, Ausdehnung der gesetzlichen Arbeiterschutz- Besttmmungen auf alle Werkstätten, namentlich auch auf die Arbeitsstätten derHausindustrie, Ausbau der Gewerbegerichte und der Arbeiterversicherung, Vermehrung der Fabrikinspektoren und Erweiterung ihrer Thätigkeit und ihrer Befugnisse.....Alles das hier
Der KapeUerchof.
Erzählung aus dem Leben von Max Benno.
8 --(Nachdruck verboten.)
Ein lautes Klopfen an der Thür unterbrach den Agenten.
Auf sein „Herein" erschien ein halb erwachsener Junge mit der Meldung, daß eine Frau den Agenten zu sprechen verlange.
„Mer ist's?" fragte Stern rauh.
„Nach dem Namen," erklärte der Junge, „habe ich nicht gefragt. Die Frau ist jedoch sehr anständig und sauber gekleidet und hat der gnädigen Frau ein Paar fette Gänse gebracht."
„Schon gut," sagte der Agent und verließ das Gemach.
Im Hausflur trat Stern einer noch jungen Frau entgegen, deren Frische und gutes Aussehen die Sorgen jedoch verwischt hatten.
„Herr Stern," sagte sie bittend, „es ist uns unmöglich geworden, den Termin einzuhalten'; seien Sie barmherzig und gedulden Sie sich noch einige Zeit. Nach einem Vierteljahre sollen Sie ganz gewiß bezahlt werden."
„So sagt Ihr immer," erwiderte Stern mit finsterer Miene, „und wenn dann der Verfallstag kommt, ist es jedesmal nichts! Ich habe die Frist schon einmal verlängert, mehr kann ich nicht thun."
„Ach Herr," seufzte die Frau, „seien Sie nicht so hark; wir bezahlen ja gerne einen noch höheren Zins. Wir hätten das Geld wohl zusammengebracht," fuhr sie fast weinend fort, „allein zuerst war ich krank, dann die Kinder und zuletzt auch noch mein Mann. Zu allem
aufzuzählen ist unmöglich. Es möge genug sein mit diesem kurzen Hinweise auf die Hauptsachen.
Ganz dasselbe Ergebniß erhält man, wenn man einen Rückblick wirft auf die Anträge, die das Centrum während der Dauer der Thätigkeit des letzten Reichstages eingebracht hat. Während der zweiten Tagung stellte es den Antrag, es sollten Erhebungen angestellt werden über die Wirkungen der Beschränkung der Arbeitszeit für Arbeiterinnen, namentlich in dem Sinne, ob eine Befchränkung der Arbeitszeit auch für die Arbeiter nothwendig erscheine, und ob weitere Beschränkungen für die Beschäftigung verhei- ratheter Frauen möglich seien. Der Antrag wurde in der dritten Tagung wiederholt und auch vom Reichstage angenommen. Später wurde ein weiterer sozialpolitischer Antrag des Centrums angenommen. Derselbe ging dahin, die verbündeten Regierungen möchten dafür sorgen, daß die Bestimmungen über die Gesundheit und Sittlichkeit der Arbeiter genauer und pünktlicher durchgeführt würden; ebenso sollten Vorbereitungen getroffen werden dafür, daß der erforderliche Schutz auch den jugendlichen und weiblichen Arbeitern in der Hausindustrie zu Theil werde. Ferner beantragte das Centrum, die Regierung möchte einen Gesetzentwurf vorlegen, der die Arbeitszeit der jugendlichen Arbeiter in Fabriken auf höchstens 63 Stunden wöchentlich beschränken sollte. Dieser Antrag wurde nicht angenommen. Wenigstens sührte er aber zu dem Beschlüsse, daß Erhebungen angestellt werden sollten darüber, in welchen gewerblichen Betrieben die Gesundheit der Arbeiter durch übermäßige Dauer der Arbeitszeit gefährdet wird; und daß Verordnungen erlassen werden sollen, um dort, wo es nothwendig sein sollte, die Dauer der Arbeitszeit zu regeln.
Für den weiteren Ausbau der Arbeiter- Versicherung ist das Centrum genau ebenso eifrig eingetreten, wie für den Ausbau des Arbeiterschutzes. Und es hat nach immer wiederholten Bemühungen gegen den anfänglichen Widerstand einer gegnerischen Mehrheit im Reichstage durchgesetzt, daß ein Antrag angenommen wurde, der Erhöhung der Invalidenrente und eine Einbeziehung der Fürsorge für die Wittwen und Waisen verlangt. Und an den letzten Gesetzentwürfen über Arbeiterversicherung hat das Centrum gearbeitet wie keine andere Partei.
Dann aber ist vor allen Dingen zu erinnern an die Stellung des Centrums zu der Frage von dem Koalitionsrechte der Arbeiter. Wer war es wohl, der stets von Neuem den Antrag eingebracht hat auf Verleihung der Rechtsfähigkeit an die Berufsvereine? Etwa die Sozialdemokraten? Kein Gedanke! Das Centrum ist es gewesen; und das Centrum hat diesen für die Koalitionsfreiheit der Arbeiter so außerordentlich wichtigen Antrag ohne Rücksicht darauf vertreten, ob es dadurch andere Jnteressen- ®nippen verletzt oder nicht. V o l l e K o a l i t i o n s - freiheit und gesetzliche Organisation der Arbeiter fordert das Centrum. In der zweiten und in der dritten Tagung des Reichstages beantragte im Namen der Centrumspartei Prof. Hitze eine Resolution, die Regierung zur Vorlage eines Gesetz entwurfes aufzufordern,
Unglücke mußten wir die Kuh wegthun, die wir auf Ihre Empfehlung von dem Moses gekauft hatten. Er hat uns recht angeführt."
Ein stechender Blick aus Sterns Augen traf die arme Frau.
„Ihr werdet doch mir an diesem Mißgeschicke keine Schuld geben wollen?" fragte der Agent drohend.
„O, gewiß nicht," erwiderte die Frau ängstlich, „aber der Verlust that uns ebenso weh! wäre er nicht gekommen, so könnten wir unsere Schuld ganz abzahlen."
Stern schwieg eine Weile. „Wartet einen Augenblick," sagte er dann und eilte die Treppe hinauf. Nach Verlauf einiger Minuten kam er zurück. Sein Antlitz hatte den finstern Ausdruck verloren.
„Ich will Euch was sagen," wandte sich Stern an die Bahnwärtersfrau, „und Ihr sollt sehen, daß ich's gewiß gut meine. Nach einem Vierteljahr wollt Ihr bezahlen? Das geht nicht. Euer Mann bezieht als Bahnwärter monatlich 50 Mark. Er hat noch manchen Nebenbezug, und zudem bekommt er eine tägliche Nachtdienst - zulage. Dies macht zusammen ungefähr 58 Mark Baargeld. 35 Mark monatlich braucht Ihr nothwendig für Euch. Die Schuld beträgt jetzt 170 Mark. In einem Vierteljahre brächtet Ihr aber bloß 75 Mark zusammen, und dann hätten wir wieder die alte Geschichte. Wir machen es anders. Ihr bringt ein Jahr lang die noch übrig bleibenden Gulden, dann sind wir quitt."
„Die Frau rechnete nach. „Aber, du lieber Gott," rief sie, „das sind ja fast fünfzig Prozent Zins!"
um den Arbeitern eine Vertretung „zum freien und friedlichen Ausdrucke ihrer Wünsche und Beschwerden zu ermöglichen und auch den Staatsbehörden Gelegenheit zu geben, über die Verhältnisse der Arbeiter sich fortlaufend zu unterrichten". Bald danach brachte das Centrum noch eine Interpellation ein, was denn die Regierung zu thun gedenke zur Ausführung der Februarerlasse; und durch diese Interpellation wurde der Reichskanzler zu dem Geständnisse genöthigt, daß die Februarerlasse noch immer der Ausführung harren!
Doch genug für heute; es könnte sonst des Guten zu viel werden. Nur dessen können alle Arbeiter voll und ganz versichert sein: Alles, was bisher auf dem Gebiete der Sozialreform geleistet werden konnte, ist nur und ganz allein nur durch die Arbeit und durch die feste Haltung des Centrums erreicht worden. Die Vertreter der Sozialdemokratie im Reichstage haben dabei nicht das Geringste mitgewirkt. Das Centrum aber wird auch in aller Zukunft treu bei der Sache bleiben, trotz aller Schmähungen und Verleumdungen, die ihm für feine uneigenützige Arbeit zu Theil werden. Und das Centrum wird unbeirrt an der weiteren Entwickelung der Sozialreform fortarbeiten, auch wenn die Sozialdemokratie bewußt oder unbewußt das Gelingen dieses Werkes noch so schädlich beeinflussen sollte.
Deutsches Deich.
Berlin, 11. Juni.
x Wie bekannt, steht der Tag bevor, an dem zehn Jahre verflossen sind seit dem Aegie- rrmgsautritte des Kaisers. Am 15. Juni 1888 starb Kaiser Friedrich und bestieg gleichzeitig sein Sohn Wilhelm den Thron; und nach dem ausdrücklichen persönlichen Wunsche des Kaisers soll dieser Tag ausschließlich dem Gedächtnisse seines Vaters gewidmet sein. Als einzige Veranstaltung soll am bevorstehenden 15. Juni ein Trauergottesdienst in der Friedenskirche zu Potsdam stattfinden, bei der das Mausoleum des Kaisers Friedrich sich befindet. Größere Feierlichkeiten hat der Kaiser überhaupt abgelehnt.
* Reichskanzler Jürfl zrt Kotzenkohe kehrt früher nach Berlin zurück, als anfänglich beabsichtigt war. Er wird bereits Montag Abend hier in Berlin erwartet. Anfänglich hieß es, er werde bis zum 18. Juni ausbleiben. Am 18. Juni wird dann Staatssekretär Graf Posa- dowsky auf sechs Wochen in Urlaub gehen.
* In der Presse tauchten Gerüchte auf, daß Freiherr Warschau vo« Mieverstein nicht mehr allzu lange auf seinem Botschafterposten in Konstantinopel bleiben werde. Nach einer halbamtlichen Kundgebung entbehren diese Gerüchte der Begründung.
* Wie den Münchener »Neuesten Nachrichten' aus Berlin mitgetheilt wird, soll der neue Meichstag schon im September zu einer kurzen Session einberufen werden, um feine Zustimmung zum deutsch-englischen Handelsverträge zu geben.
Stern zuckle die Achseln. „Ihr habt die Wahl," sagte er kalt. ^„Entweder geht Ihr auf meinen Vorschlag ein, ober Ihr zahlt heute noch die hundert Gulden zurück. Wenn nicht, wird morgen geklagt."
„Wir wollen es thun," sagte sie endlich schwer aufathmend. „Barmherziger Gott, eS bleibt uns ja keine andere Wahl!"
Stern ging in sein Arbeitszimmer und kam dann mit einem neu ausgestellten Schuldscheine wieder heraus.
„So," sagte er, „das bringt Ihr mir noch heute von Euch und Eurem Manne unterschrieben zurück, bann ist bie Sache in Orbnung."
Die Frau nahm bas Papier und ging.
Einige Minuten später stand der Agent mit zufriedenem Lächeln wieder vor feinem Pulte und prüfte den Auszug, den der Gehilfe von der Schuld des Barons Ruiolf von Königsberg gemacht hatte. Es war eine bedeutende Summe; so hoch, daß sie für Manchen ein ganz respektables Vermögen ausgemacht hätte.
„Wann kommt der Baron wieder?" fragte er nach einer Weile.
„Heute Vormittag habe ich ihm gesagt, wird er Sie treffen."
In diesem Augenblicke wurde abermals an die Thüre gepocht.
Er gab seinem Faktotum einen Wink und Aaron öffnete eine ins nächste Zimmer führende, kaum sichtbar an die Wand eingefügte Tapeten- thüre, durch bie er verschwand.
Stern ging bent Kunden mit der freundlichsten Miene entgegen.
Ah, guten Morgen, guten Morgen, Herr Ba-
h Die konservative ,Kreuz-Zeitung' hatte aus anscheinend erster Hand eine Notiz gebracht, wonach der bekannte Mrief des Iieichskanzters an den Prinzen Schönaich-Carolath eigentlich nur aus einer Unkenntniß des Reichskanzlers über die Wahlverhältnisse im Wahlkreise Guben- Lübben entstanden sein sollte. Auch hatte das genannte Blatt den Anschein zu erwecken gesucht, als betrachte Fürst Hohenlohe die Veröffentlichung seines Briefes als einen mit demselben getriebenen Mißbrauch. In beiden Punkten muß sich nun die ,Kreuz-Zeitung' eine Berichtigung des Reichskanzlers und noch dazu durch die Vermittelung des Prinzen Schönaich-Carolath selbst gefallen lassen. In einem vom 10. Juni aus Paris datirten Telegramme theilt der Reichskanzler dem Prinzen mit, daß die voraufgegangene „sogenannte Berichtigung" der,Kreuz-Zeitung' von einem Unberufenen herrühre. Außerdem benachrichtigt der Reichskanzler den Prinzen, daß er, der Kanzler, feinem ersten Briefe nichts Weiteres hinzuzusetzen habe, und er ermächtigt den Prinzen ausdrücklich dazu, Brief und Telegramm zu veröffentlichen. Das läßt nun Prinz Schönaich-Carolath durch die nationalliberale ,National-Ztg.' besorgen. Arme,Kreuz-Zeitung'!
X In der Bucht von Manila werden sich demnächst vier denlsche Kriegsschiffe befinden. Es befinden sich dort bereits die Kreuzer Irene und Kormoran seit einem Monate. Dann ist am 8. Juni der schnellste deutsche Kreuzer Kaiserin Augusta mit dem Geschwaderschef v. Diederichs an Bord von Nagasaki (Japan) nach Manila abgedampft, und nunmehr ist auch der Kreuzer 1. Klasse Kaiser von Nagasaki ebenfalls dorthin abgegangen. Nach Ankunft dieser beiden Fahrzeuge wird Vizeadmiral v. Diederichs über eine Streitmacht von 16 )5 Mann verfügen. Kaiser hat 644 Mann an Bord, Kaiserin. Augusta 436, Irene 365 und Kormoran 160. Diese Macht ist mehr als ausreichend zum Schutze der deutschen Untertanen.
x Ein Miquel-offiziöses Organ weist in überraschend starker Sprache auf den Werth und auf die Bedeutung der gegenwärtig bestehenden Kavdeksverlräge, die von den Konservativen und von dem Bunde der Landwirthe so heftig angegriffen werden. Die Berliner ,Polit. Nachrichten' nämlich schreiben: „Alle die von den Um« turzhetzern in Unkenntniß ihrer eigensten Wohl- ahrtsbedingungen gehaltenen Wähler mögen es ich gesagt sein lassen und es sich für den Wahltag behufs Ziehung der praktischen Nutzanwendung zu Gemüthe führen, daß bie Neugestaltung unserer hanbelspolitischen Verhältnisse ein Werthobjekt — unsern Ausfuhrhandel — in Höhe von reichlich viertehalb Milliarben Mark betrifft. Ein einsaches Rechenexempel zeigt auch dem schlichtesten Verstände, welche Unsumme von Löhnen in einer derartigen Ausfuhr steckt, wie viele Menschen brodlos werden würden, wenn die Ausfuhr infolge von Begehungs- ober Unterlassungssünden seitens einer nicht auf ber Höhe ihrer Aufgaben stehenden Reichstagsmehrheit bei Abschluß ber neuen Hanbelsverträge erheblich litte, namentlich in Erwägung des Umstandes, daß unserer Bevölkerung im Reiche jährlich um weit über eine ron!" rief er und reichte dem jungen Manne die Hand. „Sie haben sich ja schon sehr früh aus die Beine gemacht."
Rudolf befand sich heute nicht in Uniform; er hatte einen leichten, hellen Sommeranzug zu dem Morgenspaziergange gewählt. Sein nicht unschönes Gesicht war auffallend bleich, und die matten Augen und schlaffen Wangen verriethen deutlich, daß dem schmächtigen Körper mehr zu- gemuthet wurde, als er wirklich zu ertragen vermochte.
Stern führte den Baron in fein Gemach und stellte ihm einen Sessel zum Sitzen bereit.
Der Baron nahm Platz und begann nach einigem Räuspern mit übermütigem Lächeln:
„Sie glauben am Ende gar, Herr Stern, ich sei gekommen, um meine Schuld zu bezahlen? Sie ist heute verfallen," fuhr er fort, als der Agent schwieg, „das weiß ich recht gut. Allein, ich habe nicht nur keine Deckung für die Wechsel gebracht, sondern bin vielmehr genöthigt. Sie um einen weitern Vorschuß zu bitten.“
Der Agent hatte jedenfalls nicht Anderes erwartet, dennoch schien er durch die Eröffnung betroffen zu fein.
„Herr Baron," sagte er ernst, „Ihre Wechsel lauten aber schon lange auf einen sehr hohen Betrag."
„Ach was!" fiel ihm der Baron leichtfertig ins Wort. „Es kommt Ihnen doch bei mir hoffentlich auf einige tausend Gulden mehr ober weniger nicht an! Ich habe im Spiele Unglück gehabt, mein Ehrenwort verpfändet und muß das Geld haben. .Sie verlieren ja nichts, und umsonst brauchen Sie's auch nicht zu thun. Alsa