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LuldaerMIenung

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mit Anterhattungs-Meikage „Illuflrirte Sonntags-Ieitung"

Druck und Verlag der Suldaer Actiendruckerei pelersgaAe Nr. 2 (Harmonie).

25. Jahrgang.

Iuköcr, Samstag, den 11. Juni 1898

Jti 130.

hat, heißt es u. a.:

Herr Redakteur Baum-Fulda wies sodann darauf hin, daß die übrigen Kandidaten dieses Wahlkreises den Wählern zwar sehr viel versprechen, aber keine Garantie bieten können, daß sie auch nur einen kleinen Theil ihrer Versprechungen später halten werden.

Daß wir in diesen Worten etwas Unan­ständiges gesagt hätten, wird wohl Niemand behaupten können, auch nicht, daß das eine niederträchtige Art einer Agitationsei. Die,Oberhess. Zeitung' aber, die ihre Gegner

wie oben gezeigt, persönlich zu beschimpfen sich erdreistet, kritistrt unser Referat in folgender ge­schmackvoller Weise. Sie schreibt:

Wochen-Rundschau.

(Nachdruck verboten.)

X Fulda, 11. Juni.

Die letzte Woche vor dem entscheidenden Tage des 16. Juni ist angebrochen, und das ist wirklich zu be­grüßen, denn wenn auch die Wahlbewegung bisher im Allgemeinen weit ruhiger verlaufen ist, nicht ein Maaß der Gehässigkeit und Verbitterung gezeitigt hat, wie das sonst von Reichstagswahlen und namentlich noch im Jahre 1893 der Fall war, so kann man sich doch nicht verhehlen, daß in der letzten Zeit einige Erscheinungen an die Oberfläche getreten sind, von denen Niemand wird behaupten wollen, daß sie erfreulich genannt werden könnten. Und das kann von allen Parteien gesagt werden. „

Für uns kommt natürlich vor Allem das Centrum in Betracht. Es ist bekannt, daß seit mehreren Jahren in den beiden westlichen Provinzen des Landes, Rhein­land und Westfalen, den Stammburgen des Centrums, in gewissen Kreisen des letztern sich eine Rückwirkung der heftigen Agitation des ostelbischen protestantischen „Bundes der Landwirthe" bemerkbar gemacht hat. Nicht etwa in dem Sinne, daß der Bund selbst einen nennenswerthen Anhang gefunden hätte — das ist, wenigstens soweit die Rheinprovinz in Frage kommt, vollständig ausgeschlossen. Aber es gibt dort Leute, die eine größere, einflußreichere Rolle spielen wollen, als ihnen nach ihrer persönlichen Bedeutung und Befähigung zukommt. Diese nun sahen durch die Erfolge, welche die Agitatoren und Schreier des „Bundes der Landwirthe" durch ihr selbstbewußtes, herausforderndes Auftreten erzielten, sich angeeifert und glaubten durch Befolgung dieses Beispieles ihre politischen Sonderzwecke, denn diese stehen im Vordergründe, eher erreichen zu können, als durch ruhige sachliche Arbeit zum Wohle der ländlichen Be­völkerung, deren Bestes sie doch fördern wollen.

Wenn diese Bewegung auch nicht die Bedeutung und den Umfang hat, die unsere Gegner ihr zuschreiben möchten, so ist sie nichtsdestoweniger doch sehr zu be­dauern, allein schon deshalb, weil dadurch die Einig­keit und Geschlossenheit, mit der man bis dahin die Centrumrpartei allenthalben auftreten zu sehen gewohnt war, nach außen hin durchbrochen erscheint, und das ist mindestens ein nicht zu unterschätzender moralischer Nachtheil. Diese Herren haben nun den offiziellen Kandidaten der Centrumspartei in einigen Wahlkreisen Sonderkandidaten entgegengestellt. Die Auf­stellung der Sonderkandidaten wird damit „begründet", daß die landwirthschaftlichen Interessen innerhalb der Centrumsfraktion seither nicht ge­nügende Vertretung gehabt hätten. Dieser Vor­wurf ist durchaus grundlos. Es gibt überhaupt keine Partei, in welcher diese Interessen so sachver­ständig und erfolgreich gewahrt werden, als eben im Centrum; das wissen und geben jene Sonderbündler auch zu. Wünsche auf Vermehrung der ländlichen Vertreter aber sind, mit Ausnahme eines einzigen Falles, in dem ein dahinzielender Antrag von dem zuständigen Kreiskomitee abgelehnt worden, nirgends an der richtigen Stelle vorgebracht worden. Wenn z. B. die Rheinprooinz allein fünf praktische Landwirthe in das Centrum entsendet, wird doch kein vernünftiger Mensch behaupten wollen, daß das eine genügende Vertretung der Landwirth- schast nicht sei. Wo sollte es denn hinaus, wenn alle übrigen Berufsstände das gleiche Ansinnen stellen wollten? Dann würde ja die Zahl der Mandate nicht ausreichen, um allen Forderungen zu entsprechen. Es ist glücklicherweise nicht zu befürchten, daß die Sonder­bestrebungen nennenswerthen Erfolg haben werden. Der gesunde Sinn unddasPslichtbewußtsein der rheinisch-westfälischen Landbevölkerung werden der­selben am 16. Juni den richtigen Weg zeigen, den sie wandeln muß, wenn sie ihre geistigen und mate­riellen Güter, wie seither, sicher und erfolgreich wahren will, und dieser Weg ist der des Cent rums, von dem auch die ländlichen Wähler wissen, daß es die einzige Partei ist, welche die Interessen aller Be­rufsstände gleichmäßig, nach den Grundsätzen des Rechtesund der Gerechtigkeit, auch ferner vertreten wird. Die neuen „Führer" aber, die der Landbevölkerung sich aufdrängen möchten, haben erst noch zu beweisen, ob sie für die Landwirthschaft so einzutreten und zu sorgen wissen, wie das Centrum in den 30 Jahren seines Bestandes dies gethan hat. Umso treuer aber noch werden die ländlichen Kreise dem Centrum auch künftighin bleiben, als sie in ihm den zuverlässigsten Vertheidiger ihrer politischen Rechte und Freiheiten erblicken, die bei den Leuten, die jetzt das Centrum bekämpfen, obgleich sie auch Centrumsanhänger sein wollen, nichts weniger als gesichert sein würden, denn diese Leute huldigen der Ansicht, daß das Volk „ge­führt" werden müsse, daß es nicht zu viel Freiheiten und Selbstständigkeit haben dürfe. Für alle katho­lischen Wähler daher muß am 16. Juni die Loosung sein: Treu dem Cent rum, ohne Wanken und Weichen!

Wenn es ein Trost für uns sein kann, zu wissen, daß es in allen andern Parteien um kein Haar er­freulicher aussieht, so genießen wir diesen „Trost" in vollstem Maaße. Die sogenannten Sammlungs­parteien, Konservative und Nationalliberale, sehen betrübten Antlitzes ihre Wahlaussichten mit jedem Tage schlechter werden, und die Politik der „Sammlung" ist derart in Mißkredit gekommen, daß sogar deren Urheber, Minister v. Miquel, sie preis- gebrn zu wollen scheint. Jedenfalls hat sich klar ge­zeigt, daß die werbende Kraft der Miquel'schen

bekämpft.

cf Kassel, 9. Juni. Im Wahlkreise Kassel- Melsungen ist die Agitation in vollem Gange. Die Nationalliberalen, die Konservativen und der Fortschritt haben einen gemeinsamen Kandidaten, den Sanitätsrath Dr. En de mann, die Anti­semiten in Gemeinschaft mit dem Bund der Land­wirthe, den Kaufmann Schack aus Hennburg, die Hessische Rechtspartei den Rechtsanwalt Dr. Martin, das Centrum den Rentner Richard Müller-Fulda und endlich die Sozialdemo­kraten, den Redakteur Thiel, aufgestellt. Das Cen­trum tritt diesmal mit einem eigenen Kandidaten in den Wahlkampf, da sich das Zusammengehen mit den Parteien im ersten Wahlgange nicht mehr empfiehlt. Bereits seit fünf Jahren haben sich die Katholiken in den verschiedenen Vereinen organistrt. Es steht deshalb zu hoffen, daß sich eine ziemliche Anzahl von Stimmen auf den Centrumskandidaten vereinigen werden. Der Anfang die Stimmen der Katholiken zu sammeln, ist damit gemacht. Möge es gelingen, die jetzt noch fernstehenden Wähler nach und nach zu er­wärmen und für die gute Sache zu begeistern.

jeit auf eine so große Wählerschaar Hinweisen; >ei den meisten ist der Anhang ebenso unsicher wie das Programm (Bader, Böckel, v. Gertach). Ein bestimmtes und klares Programm haben außer dem genannten Kandidaten der Centrums­partei noch der Zählkandidat der Sozialdemokraten, deren Zahl aber glücklicherweise in dieser Gegend sehr gering ist, und der Kandidat der konser­vativen Partei. Letzterer hat einen sichern An­hang in der Stadt Marburg, aber die höchst ungeschickte und widrige Agitation, die das hiesige konservative Blatt, die ,Oberheff. Ztg/ für diese Kandidatur tagtäglich verbricht, ist gar sehr geeignet, die an sich schon geringen Chancen der Partei ganz zu vernichten. Ueberhaupt spielt die hiesige Presse in diesemWahlkampfe eine gar traurige Rolle. Was der eine Kandidat, der „Volksmann" Bader in seiner ,Hess. Landeszeitung' und in seinen zahl­losen Flugblättern an Verhetzung des Volkes und an Beschimpfung der Gegner bisher geleistet hat und noch Tag für Tag leistet, spottet jeder Beschreibung. Von dieser Seite kann man aller­dings nicht viel Anstand erwarten. Daß aber auch eine Zeitung, welche in den sogenannten besseren Ständen gelesen wird und die amt­lichen Kreisblätter zweier Kreise (Marburg und Kirchhain) als regelmäßige Beilagen bringt, die schon genannte ,Oberhess. Zeitung' sich so tief erniedrigt, daß sie in der Beschimpfung und Verleumdung der Gegner selbst einem Bader den Vorrang streitig zu machen sucht, ist tief zu beklagen. Anderseits ist diese betrübende Er­scheinung charakteristisch für unsere heutige kon­servative Partei. Der nicht nur in seiner eigenen Partei, sondern bei allen Parteien des Reichs­tages und bei den Vertretern der verbündeten Regierungen hochgeachtete Herr Abgeordnete Richard Müller ist in der letzten Zeit von der ,Oberhess. Zeitung' wiederholt in einer Weise angegriffen und persönlich verunglimpft worden, wie es unter anständigen Menschen nicht vor­kommen darf. „Wahllügen", „Bauernfängerei", „würdiges Mitglied der Partei der Schaukel- Politik", „Schauergeschichten", „Schwindel", „un­gerufene Heilkünstler" — das sind so einige Aus­drücke, die das noble Blatt Herrn Müller entgegen­ruft. Nebenbei sei bemerkt, daß nach dem Berichte der ,Oberhess. Ztg.' Herr Müller auf der Marburger Versammlung am Sonntag dasselbe Programm aufgestellt haben soll, wie der konservative Kan­didat v. Bartenwerffer. Dem gegenüber bemerken wir, daß Herr Müller als die T h a t e n der Centrumspartei und als seine eigene Thaten eine große Reihe von Dingen aufzählen konnte, für die der konservative Kandidat erst einzutreten verspricht, während die konservative Partei im Reichstage gegen viele von diesen Dingen geredet und gestimmt hat. — Zum Schluffe haben wir mit der ,Oberhess. Ztg.' noch persönlich ein Hühnchen zu pflücken, obschon es uns widerstrebt, mit Blättern, denen alle Begriffe von Anstand und Wahrheitsliebe abhanden gekommen sind, uns näher einzulaffen. In dem kurzen Referate der ,Fuld. Ztg.' über die Wahlversammlung, welche die Centrumspartei in Kirchhain abgehalten

Reichstags-Abgeordneten Diäten (Tagegelder) zu bewilligen, wenn dafür eine Aenderung des Wahl­rechtes (in dem von Herrn Plötz) angedeuteten Sinne vom Reichstage zugestanden werde. Unter dieserBedingung werde aber dasCentrum ieber auf die Diäten verzichten, weil es das Wahlrecht, das wichtigste politische Recht des Volkes, nicht verkürzt wissen wolle. Die Red.)

□ Marburg, 10. Juni. Der Wahlkreis Marburg-Kirchhain-Frankenberg ist einer der interessantesten Wahlkreise in ganz Deutschland. Nicht weniger als sieben, oder gar acht Kandidaten sind hier aufgestellt, und mit Ausnahme des Sozialdemokraten hoffen sie alle, wenigstens in die Stichwahl zu kommen. Drei von diesen Kandidaten wollen eine eigene oder doch eine neue Partei gründen (!). Wie das Ergebniß der Wahl ausfallen wird, läßt sich gar nicht Vorhersagen. Eine sichere Wähler- chaft von größerem Umfange hat nur der Kandi- >at der Centrumspartei aufzuweisen, aller­dings ist deren Zahl zu gering, um einen durch- chlagenden Erfolg bei der Wahl erhoffen zu können. Die Katholiken machen kaum ein Sechstel des Wahlkreises aus; aber diese kleine Schaar wird mit sehr geringen Ausnahmen ein- müthig für den Centrumskandidaten Herrn Richard Müller-Fulda eintreten. Keiner von den anderen Kandidaten kann mit Sicher-

Zur Reichstagswahl.

* Nach amtlicher Mittheilung sind nunmehr auch von den NettHsveHörde« die geeigneten Anordnungen getroffen, daß kein Reichs be­amt er durch seine dienstlichen Obliegenheiten ge­hindert wird, bei den bevorstehenden Reichstags­wahlen von seinem Wahlrechte Gebrauch zu machen.

x In der Angelegenheit des HssaHkörie/es des Grafe« Sosadowsky verzeichnet die ,National-Zeitung' die in Berliner politischen Kreisen umlaufende Annahme, daß „von maß­gebender Seite eine derartige Kundgebung ge- wünscht worden sei, der Reichskanzler aber keine Neigung dazu gehabt und nach einigen Verhandlungen Graf Posadowskp die Ausführung übernommen habe". Diese Auffassung der Sachlage stimmt genau überein mit der­jenigen, die von Anfang an an dieser Stelle zum Ausdrucke gelangt ist.

X Wiederum hat ein hervorragender Konser­vativer, Herr o. P l ö tz, der Präsident des Bundes der Landwirthe, als Gegner des gegerrrvär- tigea Weichstags - Wahlrechtes sich bekannt. Dies geschah in einer Wähler-Versammlung in Stargard. Herr v. Plötz suchte anfänglich den Anfragen auszuweichen, die wegen des Wahl­rechtes an ihn gestellt wurden. Dann aber, als er nicht mehr anders konnte, ging er auf die Sache ein und meinte, er könne ein bindendes Versprechen für die Aufrechterhaltung des gegenwärtigen Reichstagswahlrechtes nicht geben. Er sei für die Gewährung von Tagegeldern an die Mitglieder des Reichstages. Würden diese eingeführt, so würden auch noch weitere Aende- rungen beantragt werden, so z. B. die Er- Höhung des Wahlalters auf 30 Jahre und ein größeres Stimmrecht für gewisse Kreise . . . Mehr braucht man ja gar nicht zu wiffen, als was Herr v. Plötz da verrathen hat! (Auf der Versammlung in Kirchhain er­klärte der Äbg. Müller-Fulda, daß die ver­bündeten Regierungen (jederzeit bereit seien, den

„Sammlung" gleich Null ist, eine heilsame Lehre für den „Vater aller Hindernisse". Dazu kommt noch, daß auch der ostelbische „Bund der Landwirthe die Politik der „Sammlung" nicht respektirt und den be- mitleidenswerthen Kartellbrüdern durch seine Raubzuge in deren Wahlkreise das Leben so arg verbittert. Die Sozialdemokraten betreiben die Aufschneiderei und die Bethörung der Massen in einer Weise, die höchstens von den K o n s er v a t i v en und dem „B und e der Landwirthe" erreicht werden kann; sie gehe)! vor Allem darauf aus, die Zahl der für sie abzu­gebenden Stimmen möglichst zu erhöhen, um später vor dem Lande prahlen zu können, daß die Mehrheit des deutschen Volkes sozialdemokratisch gesinnt sei. Ob diese ihre „Rechnung" zutrifft, wird der 16. Juni zeigen. Möge am Abend dieses Tages unter allen Umständen das Eine festgestellt werden können: das deutsche Volk hat wieder eine volksfreundliche Mehrheit in den Reichstag entsandt, alle Kartei l- und „Sammlungs"-Bestrebungen sind gründlich zu Schanden geworden!

In Oesterreich ist die Lage neuerdings erschwert durch die Auflösung des liberalen Grazer Gemeinde- rathes, der, anstatt sich um die kommunalen Angelegen­heiten zu kümmern, sich in ein p o l i t i s ch e s Kollegium verwandelte und der Regierung wegen verschiedener Anordnungen den Text lesen wollte. Die Liberalen im Parlament verlangen nun von der Regierung den Widerruf der Auflösungsordre, was diese natürlich rundweg ablehnt. So wird Tag für Tag ausgefüllt mit unfruchtbaren Streitereien, bei denen für Land und Volk nichts herauskommt. Wie lange das noch so fortgehen wird, ist nicht abzusehen. Einstweilen hat die Regierung den Reichsrath bis zum nächsten Diens­tag vertagt, um inzwischen sich Raths zu suchen, wie aus diesem Wirrwarr herauszukommen sind.

In Frankreich ist die Deputirtenkammer vor acht Tagen zusammengetreten; zur völligen Klärung der Lage und der Parteiverhältnisse ist es aber noch nicht gekommen. Zwar ist bei der Provisorischen Präsidenten­wahl der frühere radikale Präsident Brisson unter­legen und der gemäßigt-republikanische Deschanel mit drei Stimmen Mehrheit gewählt worden, worüber die Radikalen ganz außer sich geriethen, aber einen zuver­lässigen Schluß auf die künftige Gestaltung der Dinge kann man hieraus nicht ziehen, weil erst jetzt, nachdem die definitive Wahl erfolgt ist und das Provisorium bestätigt hat, die Debatte über die Absichten und die künftige Politik der Regierung einen festen Anhalt zur Beurtheilung der Lage geben wird. Dann werden sich die Geister scheiden.

Vom amerikanisch-spanischen See-Kriegsschau- platze ist immer noch nichts Entscheidendes zu melden. Inzwischen tauchen immer wieder Nachrichten von Vermittelungsversuchen einzelner Mächte auf; namentlich die Russen sollen sich dafür sehr interessiren unter dem sehr zutreffenden Vorgeben, daß durch den Seekrieg beider Mächte der Handel aller andern Länder schwer leide und letztere daher allen Grund hätten, auf eine Beendigung des Krieges zu dringen. So Wünschenswerth die letztere auch wäre, so ist an den Erfolg dahinzielender Bestrebungen vorerst nicht zu denken, allein schon wegen des Hochmuthes der Ameri­kaner, die erst Frieden schließen wollen, wenn die Spanier „niedergeworfen" seien. So werden also einstweilen die Kanonen noch weiter arbeiten.

In welch' unwahrhaftiger, einem Gegner, wie Sr. Exzellenz dem Herrn General z. D. v. Barten­werffer gegenüber einfach unanständigerWeis efein Re­dakteur Baum aus Fulda am 5. d. M. in einer Wähler­versammlung in Kirchhain für Herrn Müller-Fulda ge­sprochen hat, zeigt folgende Stelle aus dem Berichte der .Fuldaer Zeitung' Nr. 128 über jene Versammlung. (Es folgt dann der obige Satz aus unserem Referate. Weiter schreibt das konservative Blatt:) Woher, so fragen wir, schöpft in solch' dreister Weise ein Mann aus Fulda, der Herr v. Bartenwerffer nicht einmal kennt, das Recht, ihn in derartiger Charakterisirung öffentlich hinzustellen? Wir haben für solche nieder­trächtige Art einer Agitation nur ein Pfui!

Auf diese Beschimpfungen zu antworten, ist nicht unser Geschmack; solch pöbelhafte Redeweise gegen den politischen Gegner richtet sich selber. Wir wollen aber die an uns gerichtete Frage beantworten, woher ein Mann aus Fulda „ein Redakteur Baum" das Recht nimmt, so zu sprechen. Daß die übrigen Kandidaten Bäder, Böckel rc. ihre Versprechungen nicht halten können, gibt auch wohl die,Oberheff. Ztg.' zu. Es bleibt also nur der konservative Kandidat Herr v. Barten­werffer. Die persönliche Ehrenhaftigkeit dieses Herrn, seine aufrichtige Gesinnung und seinen guten Willen, die Versprechungen zu halten, haben wir keineswegs bezweifelt—im Gegentheil auf der Versammlung in Kirchhain ausdrücklich betont, daß daran absolut nicht zu zweifeln sei. Aber wir haben auch darauf hingewiesen, daß in der kon­servativen Partei des Reichstages für die Er­füllung der Versprechungen zu Gunsten des kleinen Mannes kein Raum sei. Die beiden einzigen hessischen Abgeordneten der konservativen Partei im letzten Reichstage haben das erfahren. Herr Professor Hüpeden, der in Kassel-Melsungen gewählt war, trat aus der konservativen Partei aus, weil die Partei seinen Bestrebungen zu Gunsten der kleinen Leute sich widersetzte, und Herr Bürgermeister Stroh, der in Hanau- Gelnhausen gewählt war, zog es vor, zu Hause zu bleiben, weil er in der konservativen Partei das nicht durchführen konnte, was er seinen Wählern versprochen hatte. Diese unbestreitbaren Thatsachen geben uns das Recht, zu sagen, daß auch Herr von Bartenwerffer, dessen ehrliche Gesinnung trotz der ,Oberhess.Ztg/ unanfechtbar ist, als Mitglied der konservativen Parteides Reichstages die dem Mittel­stände, den Unterbeamten rc. gegebenen Ver­sprechungen nicht halten kann, ebenso wenig wie die Herren Hüpeden und Stroh es gekonnt haben. Diese Thatsache haben wir in der ruhigsten Form ausgesprochen, und anstatt da­rüber zu schimpfen, sollte die ,Oberhess. Ztg/ ein Beispiel daran nehmen und lernen, wie man einen politischen Gegner, auch wenn er uns unbequem wird, in anständiger Weise

Gottrsdienstordnung in Fulda.

Sonntag, 12. Juni. Dom. 5, 6, 6«/< und 7'/, Uhr hl. Meffen, 6 Uhr hl. Messe u. Kommunion der Christen- lehr-Jungfrauen, 8 Uhr Hochamt; nach diesem die feiert. Prozession durch die Stadt, 12 U. hl. Messe, V/. Uhr An­dacht, 4 u. Andacht, 7»/« 11. Schluß-Andacht der Bomfatius- Woche. Von Mittwoch dieser Woche bis Donnerstag nächster Woche jeden Abend 73. Uhr Andacht vor ausgesetztem Hochw. Gute. — Stadtpsarrkirchr. 5 Uhr hl. Messe und Predigt, 6,7 und 8 Uhr hl. Messe, 1 /» Uhr Christenlehre, 3 Uhr Bruderschaft von der Todesangst des Herrn. — Michaelskirchr. 6 Uhr hl. Meffe. — Pfarrkirche rum hl. Geiste. 7 Uhr Hochamt mit Segen, 5 Uhr Andacht mit Segen. —J.-S. Mutterhaus 2 Uhr. — Frauenberg. 5, 6, 7 und 8 Uhr hl. Meffen, 2 /• Uhr Versammlung des III. Ordens, 7‘ - Uhr Herz-Jesu-An- dacht. Montag. (Fest des hl. Antonius v. Padua.) 5 bis 8 Uhr hl. Meffen, 9 Uhr Festpredigt, Umgang mit dem Allerheiligsten (wegen der Clausur nur mit Männer- Begleitung) und feierl. Amt, 3 Uhr feier!. Vesper.

Der Postdampfer „N o o r d l a n d" der „Red Star Linie" in Antwerpen, ist laut Telegramm am 31. Mai wohlbehalten in New-Iork angekommen.