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M 130.
Jutöcr, Samstag, den 11. Juni 1898
25. Jahrgang.
Deutsches Deich.
Berlin, 10. Juni.
(*) Verschiedene Blätter wußten dieser Tage zu melden, daß die ZLikdrmg eines neue« Armeekorps mit dem Standorte in Mainz beabsichtigt sei. Wir haben davon keine Notiz genommen, weil die Sache uns unglaubwürdig schien. Jetzt nun meldet die Berliner ,Postt aus zuverlässiger Quelle, daß jene Nachricht in der That der Begründung entbehre. Immerhin aber wird zugestanden, daß „Erwägungen ähnlicher Art gepflogen worden sein mögen. Zu irgend welchen Entschlüffen sei man indessen bis jetzt noch nicht gekommen".
* Dem nächsten Reichstage soll abermals eine Novetre zur Oemeröe - Hrd«««g vorgelegt werden. Es soll sich dabei um die Einführung eines Befähigungs-Nachweises für Bau Handwerker und eine Regelung der Arbeitsverhält- niffe im Gastwirths-Gewerbe handeln.
X In Berlin machen sich gegenwärtig sehr lobenswerthe Bestrebungen in dem Sinne geltend, auch die Ka«si«dttstrie zwangsweise den Bestimmungen des Krankenversicherungs-Gesetz es unierzuordnen. Die Gewerbe-Deputation des Magistrates hatte in diesem Sinne bereits einen Entwurf ausgearbeitet, damit aber starken Widerspruch bei einer Reihe von Arbeitgebern gesunden. Nunmehr haben neue Berathungen in Gemeinschaft mit einer Abordnung des Central- Ausschusses Berliner kaufmännischer, gewerblicher und industrieller Vereine stattgefunden, und es ist als Ergebniß dieser Berathungen der Beschluß gefaßt worden, daß die Gewerbe-Deputation des Magistrates einen andern Entwurf ausarbeiten soll. Derselbe soll nach dem Grundsätze gearbeitet werden, daß die Beiträge und Unterstützungen in Prozenten -des-wirklichen Arbeitsverdienstes festgestellt werden, nicht nach dem ortsüblichen Tagelohne gewöhnlicher Tagearbeiter. Dieser Vorschlag rührt von dem Vertreter des Berliner Gewerbegerichtes her, und alle bei den Berathungen anwesenden Arbeitgeber, Arbeiter und Kranken- kassen-Vertreter sind diesem Vorschläge im Grundsätze beigetreten.
X Auf dem Gebiete der chroßvazar Zlvter- rreHmrtuge« liegt eine neue Erscheinung vor: nämlich die Verschmelzung mehrerer Großbazar-Unternehmungen zu einer einzigen. In Berlin ist gegenwärtig derartiges im Gange. Kommt der Plan zur Ausführung, dann würde das Stammkapital der neuen Großbazar-Gesellschaft 40 Millionen Mark betragen, und die Errichtung weiterer Großbazare würde die Folge fein. Die Frage wie diesem Unwesen gesteuert werden könnte, wird also immer brennender. Der neu gegründete Centralverband der Vereine selbständiger Gewerbetreibender war vom preußischen Finanzministerium aufgefordert worden, seine Vorschläge zur Abwehr dieser Gefahr einzureichen, die dem Mittelstände droht. Der Ver-
Der KapeUerchof.
Erzählung aus dem Leben von Max Benno.
7 ------ (Nachdruck verboten.)
Das Mondlicht beleuchtete ein liebliches Bild. Emma hatte den Arm um den Hals der Freundin geschlungen, und der große am Boden liegende Hofhund blickte mit erhobenem Kopfe zu ihnen empor. Der Gesang war verstummt. Die Mädchen unterhielten sich miteinander. Hugo konnte nicht viel verstehen und fand nur heraus, daß die Schwester sich über das traurige Verhältniß in der Heimath beklagte. Nach einer Weile erhob er sich und ging still, wie er gekommen, in sein Zimmer zurück. >
Schlafen konnte er jedoch nicht. Er stellte sich wieder ans Fenster. Seine Brust pochte hörbar und ein nie gekanntes Gefühl bewegte sein Herz. Er preßte die Hände auf die wogende Brust, und unwillkürlich machte sein heißes Sehnen in den leise geflüsterten Worten sich Luft: „O, könnte sie mich lieben! Dann würde alles noch gut!"
Nach einer Weile schloß er das Zimmer und begab sich zur Ruhe.
Am folgenden Morgen, einem Feiertage, war Amberg schon fort, als die Familienmitglieder sich versammelten. Er hatte mit Tagesgrauen anspannen lassen und eine Fahrt nach dem Städtchen gemacht. Nach dem Gottesdienste bat Emma ihren Bruder Hugo, auf einem Spaziergange den Führer zu spielen, und dieser entsprach dem Wunsche nur zu gerne. Er warf die Flinte auf
band hat sich dieser Aufgabe jetzt entledigt und in einer ausführlichen Darlegung zur Bekämpfung der Großbazare neben einer Umsatzsteuer eine Besteuerung der Verkaufsraumfläche gefordert. Außerdem fordert der Verband strenge polizeiliche Vorschriften über die Ein- und Ausgänge, ein Verbot der Freitreppen und durchbrochenen Decken. Zu Verkaufsräumen soll ferner nicht mehr der Keller benützt und ein Bazar soll nicht mehr höher als durch zwei Stockwerke hinaufreichen. Im Interesse der Feuersicherheit wird mit Recht die Anlage von Treppenhäusern gefordert. Von anderer Seite war die Einführung einer Steuer nach der Anzahl der angestellten Personen in Anregung gebracht worden. Der Verband der selbständigen Gewerbetreibenden spricht sich gegen eine solche Steuer aus.
Zur Reichstagswahl.
* Fulda, 11. Juni. Die Wahlzettel für den Kandidaten der Centrumspartei Herrn Carl Herold wurden am Freitag Abend für den ganzen Wahlkreis Fulda-Gersfeld- Schlüchtern zur Post gegeben, müssen also im Laufe des heutigen Tages, spätestens aber Sonntag früh, überall eintreffen. Sollte aus Versehen irgend ein Ort keine Wahlzettel, oder nicht die genügende Anzahl erhalten haben, so wolle man solche umgehend eventl. telegraphisch verlangen. Adreffe: Fuldaer Aktiendruckerei Fulda.
X Salmünster, 10. Juni. Heute Nachmittag fand dahier eine stark besuchte Versammlung der Centrumspartei statt. Herr Postverwalter Kuhn eröffnete die Versammlung mit einer kurzen Ansprache und schlug als Vorsitzenden Herrn Pfarrer Schulz-Soden vor. Außer diesem sprach n die Herren Kircher und Kapp aus Fulda, sowie der Kandidat der Cen- lrumsnartei für unfern Wahlkreis. Herr Karl Herold. Die klaren Ausführungen dieser Herren über die Aufgaben des nächsten Reichstages und die Stellung des Centrums zu den einzelnen Fragen wurden von der Versammlung mit großem Beifall aufgenommen. Es ist nicht daran zu zweifeln, daß Herr Herold in hiesiger Gegend eine sehr große Stimmenzahl erhalten wird, da Jedermann überzeugt ist, daß wir in ihm einen vortrefflichen und ausgezeichneten Vertreter im Reichstage haben werden.
—* Wirrdecker», 8. Juni. Gelegentlich der gestern dahier abgehaltenen Wähleroersammlung der konservativen und nationalliberalen Partei, welche zahlreich besucht war, äußerte sich der Kartellkandidat Herr Oberst Sieg laut dem ,Han. Anz/ auf eine Interpellation über die Centrumspartei in folgender Weise: „Er halte es für einen Fehler, wenn für eine politische Partei ausschließlich (??) kirchliche Fragen maßgebend sein sollen. Die Centrumspartei vertritt aber lediglich (?) katholische Interessen und stellt die Aufhebung des Jesuitengesetzes als conditio sine qua non an die konservative Partei. Während sie sich so einer
den Rücken und schritt mit den Mädchen dem nahen Walde zu.
Es war ein prächtiger Morgen; so thaufrisch und schön, daß das Herz aufgehen mußte.
Unter anregendem Geplauder hatten sie einen der jüngeren Schläge erreicht. Da blieb Hugo plötzlich stehen. Aus unmittelbarer Nähe vernahm man ängstliches Vogelgezwitscher. Hugo ging einige Schritte vorwärts und erblickte zwischen niederem Strauchwerke etwa ein Dutzend zappelnder Vöglein in einem Netze gefangen. Ein Schatten tiefen Unwillens flog über sein Gesicht. Er nahm ein Messer aus der Tasche, zerschnitt die Fäden des Netzes und gab den armen Thier- chen die Freiheit zurück. Mit Hellen Jubelrufen flogen die kleinen Sänger davon. Sie setzten sich auf die Zweige und schmetterten aus voller Kehle — wie zum Danke ein fröhliches Lied.
Die Augen der Mädchen, namentlich Luisens, waren dem Beginnen Hugos mit unverkennbarer Spannung gefolgt. Freundlich lächelnd reichte ihm letztere nunmehr die Hand.
„Die Mutter hat recht," sagte sie mit einem bedeutsamen Blicke auf die Freundin. „Du bist nicht halb so schlimm wie Dein Ruf."
Hugo schoß das Blut in's Gesicht. Sein Auge aber bekundete Freude über das Lob aus Luisens Mund.
„Ich verbot dem Hütbuben," wandte er sich an Emma, „schon wiederholt, die armen Geschöpfe zu fangen; allein wie ich sehe, hört er nicht auf, bis ich ihm einmal einen empfindlichen Denkzettel aufschreibe."
Sie gingen weiter, immer tiefer in das Dunkel des Waldes hinein. Da vernahmen sie Hunde-
feits als kirchliche Partei gerirt, verläßt (??) sie anderseits ihren kirchlichen Standpunkt, indem sie sich einer Partei anschließt, welche den alten Glaubenssatz der katholischen Konfession, „Gebet Gott, was Gottes ist und dem Kaiser, was des Kaisers ist", außer Acht läßt. Die Fortschrittspartei erstrebt eben eine Schwächung der königlichen und eine Vermehrung der parlamentarischen Gewalt. Während die Centrumspartei so einem fundamentalen Grundsätze ihrer Kirche untreu (!!) wird, tritt sie in unserem Wahlkreise für einen Mann ein; gegen den auch Herr Sieg nichts einzuwenden hat, außer, daß derselbe der freisinnigen Volkspartei angehört und gibt ihren Standpunkt gegen die Freimaurer auf, indem sie einem Mit- flliebe derselben ihre Stimme gibt. Es ist unanechtbar, daß die katholische Kirche und Se. Heiligkeit der Papst wiederholt und erst in neuerer Zeit die Freimaurer auf das hefttgste bekämpft und geradezu vor ihnen gewarnt hat." Wenn Herr Sieg wirklich das gesagt hat, was der ,Han. Anz/ ihm hier in den Mund legt, dann ist es schwer begreiflich, wie man einen Mann, der die größte Partei des Reichstages, die Centrumspartei so wenig kennt und so durchaus falsch beurtheilt, der ferner so verworrene politische Anschauungen hat, wie sie uns hier entgegentreten, als Kandidaten für den Reichstag ernsthaft in Betracht ziehen kann.
h, Die Kartellpresse sowohl als auch die Sozialdemokraten glauben, eine wichtige Entdeckung gemacht zu haben. Herr Dr. Liever hat in einer Wählerversammlung in Montabaur eine Rede gehalten und dabei auch die Warnungen der Herren Richard Müller-Fulda und Dr. K. Bachem in den Kreis seiner Betrachtungen gezogen. Da soll nun Herr Dr. Lieber den Satz gebraucht haben: „Es gibt auch in unserer Partei sehr gewiegte Männer, die sagen, das Wahlrecht ist nicht ohne Bedenken",und mit diesem Satze schlagen nun unsere Gegner ein lautes Halloh auf und stellen sich an, als sei Dr. Lieber damit auch unter die Leute gegangen, die unser gutes Reichstagswahlrecht zurück revidiren wollten. Lächerlicher Wahlschwindel! Die Leutchen, die sich auf diese Entdeckung etwas zu Gute thun, unterschlagen nämlich ganz einfach die Sätze, die diesem einen Satz nach folgten; und dadurch entsteht eine lügenhafte Entstellung dessen, was Herr Dr. Lieber gesagt hat. Nach jenem Satze, dessen richtige Wiedergabe nicht einmal verbürgt ist, hat nämlich Dr. Lieber wörtlich noch das Folgende ausgeführt: „Ich sage nur zwei Dinge. Gegen das System der mittelbaren Wahlen (durch Wahlmänner) ist das allgemeine Wahlsystem unvergleichlich viel besser. Darübersind wir doch alle einig. Und ich sage zweitens, wenn es vielleicht ein gewagtes Spiel des Fürsten Bismarck gewesen ist, das allgemeine Wahlrecht zu verleihen — er wollte damals Oesterreich den Wind aus den Segeln nehmen! — so würde es heute ein Verbrechen sein, es dem Volke zu nehmen!" So lautet die Ausführung Dr. Lieber's vollständig, und damit sind alle Machenschaften der verschiedenen Centrumsgegner, das Centrum oder doch einen seiner Führer als einen zweifelhaften Freund des Reichstags-Wahlrechtes
gebell und sahen bald darauf einen Offizier mit zwei herrschaftlichen Jägern vor sich. Erst jetzt fiel es Hugo ein, daß er nicht mehr auf dem Grund und Boden seines Vaters, sondern auf dem Eigenthume des Barons v. Königsberg war.
Hugo betrachtete den Offizier näher. Eine steudige Ueberraschung zeigte sich auf seinem Gesichte. Er ging auf ihn zu und streckte ihm die Hand mit dem Rufe entgegen:
„Rudolf, Du hier? Wo stecktest Du denn, daß ich gar nichts mehr von Dir zu sehen und zu hören bekam?"
Der Angeredete nahm von Hugo's Gruß keine Notiz.
Eine Sekunde lang musterte er die Gruppe durch sein Monocle. Dann trat er, ohne Hugo die geringste Beachtung zu schenken, auf Luise zu.
„Sehe ich recht," rief er, und haschte nach der Hand des Mädchens. „Sie sind's? Wie kommen Sie in meinen Wald?"
Luise hatte ihre anfängliche Befangenheit schon niedergekämpft.
„Dieser Wald ist Ihr Eigenthum?" nahm sie ziemlich frostig das Wort, „und wir am Ende auf verbotenem Wege? Dann thut es mir leid; ich wußte es nicht."
„Sonst hätten Sie ihn wohl nicht betreten," stieß Rudolf mit rohem Lachen hervor, „nicht wahr? Immer noch so spröde und stolz? Gehen Sie nur zu, ich will Sie nicht hindern!"
„Wer aber gibt Ihnen, mein Herr," wandte Rudolf sich mit drohenden Blicken an Hugo, „ein Recht, in meinem Walde zu jagen? Das ist eine Frechheit, die exemplarische Strafe verdient! Geben Sie Ihr Gewehr ab."
darstellen zu wollen, als das gebrandmarkt, was sie wirklich sind: als erbärmliche Schwindeleien!
X In einigen Centrumsblättern erschien vor einigen Tagen eine Anweisung, wie die Centrumswähler bei den Stichwahlen sich verhalten sollten. Diese Anweisung bestand, ganz kurz gefaßt, in folgenden Regeln: 1) Freisinniger gegen Sozialdemokrat: Der Freisinnige erhält unsere Stimme. — 2) Nationalliberaler gegen Sozialdemokrat: Der Nationalliberale erhält unsere Stimme, wenn er für Verfassung, Wahlrecht und Aufhebung des Jesuitengesetzes einzutreten verspricht. Sonst Wahlenthaltung. — 3) Konservativer, Freikonservatioer, Bund der Land- wirthe, Antisemit usw. gegen Nationalliberal: der Nationalliberale erhält unsere Stimme, wenn er das Versprechen wie unter Nr. 2 abgibt. Sonst Wahlenthaltung. — 4) Nationalliberaler gegen Freisinn: unsere Stimme erhält, wer uns die bessere Bürgschaft in dem Sinne der Centrumspolitik bietet. — 5) Konservativer, Frei- konservativer, Bund der Landwirthe, Antisemit usw. gegen Freisinn: der Freisinnige erhält die Centrumsstimmen. — 6) Dieselben gegen Sozialdemokrat: Wahlenthaltung in allen vier Fällen. Gegen dieses Rezept werden Bedenken erhoben, und sicherlich mit vollem Rechte. Denn man kann unmöglich das Verhalten, das das Centrum bei den Stichwahlen zu befolgen hat, in dieser Weise in eine eng begrenzte Schablone hineinzwängen. Bei den Stichwahlen muß das Centrum von Fall zu Fall entscheiden, je nach den Personen, mit denen es zu thun hat. (In konservativen Blättern wird die Frage aufgeworfen, ob jene Anordnung von der Centrumsleitung ausgehe. Das ist natürlich nicht der Fall.)
Ausland.
O 10. Juni. Gestern hat die
französische Deputirtenkammer die end- giltige Präsidentenwahl vorgenommen. Herr D es chanel, der Kandidat der gemäßigten Republikaner, hat dabei 287 Stimmen erhalten; Herr Brisson dagegen, der Kandidat der Radikalen, mußte sich mit 277 Stimmen begnügen. Ohne Zweifel ergibt dieses Wahlergebniß von neuem, daß die Regierung dann eine Mehrheit in der Kammer haben kann, wenn die Rechte und alle gemäßigten Republikaner zusammengehen. Aber es wird sehr schwer für die Regierung sein, sich diese Mehrheit zu erhalten für die Berathungen über die angekündigten Gesetzesvorlagen, und gelegentliche Niederlagen des Kabinets Msline in der Deputirtenkammer sind darum nichts weniger als ausgeschlossen. Herr Mäline beginnt bereits, wie berichtet wird, über eine andere Zusammensetzung seines Ministeriums nachzudenken.
* London, 10. Juni. Zu der Meldungaus Peking,betreffend die Pachtung eines Gebietes um Kaulung durch England, bemerkt die ,$ime§', daß der Vertrag am 1. Juli in Kraft tritt und daß die nördliche Grenze eine Linie bildet, welche die Mirsbay mit der Deepbay verbindet. — Wie dem Reuter'schen Bureau aus Peking gemeldet wird, ist das einzige Hinderniß, welches sich dem Abschlüsse des belgischen Ver-
Der junge Manu war über diese unerwartete Anrede durch den Sohn des Barons von Königsberg, seinen ehemaligen Studiengenossen, so verblüfft, daß er kein Wort finden konnte. Stumm, aber mit blitzenden Augen stand er vor ihm.
„Nun, wird's bald?" rief der Offizier, als Hugo keine Miene machte, der Aufforderung Folge zu leisten. „Haben Sie mich denn nicht verstanden? Sie meine ich, Herr Amberg, Sie!"
Auf die letzten Worte wurde ein besonderer Nachdruck gelegt. Nun riß Hugo die Flinte vom Rücken. Seine Haltung sprach jedoch nicht dafür, daß er die Waffe gutwillig abgeben werde. Einige Sekunden lang standen sich die jungen Männer drohend gegenüber. Da fühlte Hugo feinen Arm leise berührt und bittend flüsterte Luise ihm zu: „Du bist im Unrecht, gib nach!"
Noch schwankte dieser, doch auch die Schwester redete ihm zu. Luisens Augen besiegten endlich seinen Trotz, und schon stand er im Begriffe, das Gewehr einem der Jäger zu geben, da kam ihm Rudolf zuvor.
„Was wird mir zum Lohne," fragte er, Luisen mit einem zweideutigen Lächeln betrachtend, „wenn ich Gnade für Recht walten lasse?"
Hugo hatte jedoch schon eine Antwort bereit. Er warf dem Baron das Gewehr vor die Füße.
„Ich will dem Herrn Baron keinen Dank schuldig sein," rief er stolz. „Mag er mich in Strafe bringen! Das thäte der gute Freund ja nicht zum erstenmal!"
Dann wandte er dem Offizier den Rücken und schritt mit Luisen und der Schwester davon.
Unterwegs erzählte erstere, daß sie den Baron auf einem Balle in der Residenz kennen gelernt