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mit MterKattungs-Meitage „Mustrirte Sonntags-Zeitung!' peterszage Nr. 2 (Harmonie).

M 128. Zweites Blatt.

IrrL'öa, Mittwoch, den 8. Juni 1898

25. Jahrgang.

Zur Reichstagswahl.

X „Ein notabler Politiker", wie die .Berliner Neuest. Nachrichten' sich ausdrücken, hat sich an den Staatssekretär Grafen v. Posadowsky ge­wandt und ihn um eine gutachtliche Aeußerung gebeten über das taktische Werhakten bei Ücr Wahl. Darauf hat er eine ausführliche Antwort erhalten. Der Staassekretär meint: Seines Erachtens können „die bürgerlichen Parteien über ihre Haltung bei den Wahlen nicht zweifelhaft sein. . . . Die bürgerlichen Parteien . . . haben ... die Verpflich­tung, durch ihre Stellung im Wahlkampfe und ihre Betheiligung an der Wahlhandlung der Wahl sozialdemokratifcher Ab geord­neten gemeinschaftlich ent gegen zutret en . . . Wer unser Vaterland vor inneren Er­schütterungen bewahren will, sollte seine politischen Neigungen der vornehmsten politischen Pflicht unterordnen: der geschlossenen Frontstellung gegen den revolutionären Sozialismus." Außer dieser Aufforderung zum gemeinsamen Kampfe gegen die Sozialdemokratie enthält die Wahlkundgebung des Grafen v. Posadowsky auch einige Sätze wirth- schaftspolitischer Natur. Der Staatssekretär verlangt, daß der nächste Reichstag „eine sichere Mehrheit aufweise, welche bereit ist, die großen ge- gemeinsamen Interessen unserer positiven Erwerbs­stände positiv zu fördern. Zu dem Zwecke muß er der Regierung einen festenRückhalt bieten bei der Vorbe­reitung und Entscheidung der schwierigen Fragen des internationalen Wettbewerbs und entschlossen sein, die Lage der heimischen Produktion und zwar besonders ... der Landwirthschaft und der Mittel­stände einer vorurtheilLfreien . . Prüfung zu unterziehen . ." Ohne Zweifel handelt es sich hier um eine Kundgebung, die von vorn herein für die Oeffentlichkeit bestimmt war. Denn „notable Politiker" pflegen selbst ganz genau zu wissen, wie sie ihr taktisches Verhalten bei den Wahlen einzurichten haben. Von der Kund­gebung selbst aber kann man nicht sagen, daß sie irgend etwas Neues bringe. Genau dasselbe hat Graf Posadowsky im Reichstage gesagt — genau dieselbe Phrase von der Todtmachung der Sozial­demokratie durch Verdrängung aus dem Parla­mente. Grade dadurch aber wird man die Sozial­demokratie nicht wirksam bekämpfen. Wirk­same Sozialreform von unten, das ist das rechte Mittel dazu. Dieses Mittel scheint aber Graf Posadowsky gerade nicht anwenden zu wollen!

* Ein sonderbares Verhalten wollen die Dolen bei den bevorstehenden Reichstags­wahlen einschlagen. Die Polen haben in Lrssa beschlossen, den von ihnen besessenen Wahlkreis Fraustadt-Lissa auszugeben und für den Centrums- Kandidaten daselbst zu stimmen. Ebenso wollen die Polen für den Centrumskandidaten stimmen in Meseritz-Bomst und den Wahlkreis dadurch den Freikonservativen entreißen. Das polnische Central-Wahlkomitee für Rheinland, West­falen und die Nachbarprovinzen macht dagegen bekannt, daß beschlossen worden sei, sich der A b- stimmung sowohl für einen Centrums - als für irgend einen anderen Kandidaten zu ent­halten, und fordert die polnischen Ortskomitees auf, diesen Beschluß den polnischen Wählern noch besonders in Volksversammlungen kundzugeben und die Gründe klarzulegen. Diesen Beschluß kann man nur sür einen Unverstand erklären, denn auf diese Weise tragen die Polen direkt dazu bei, daß unter Umständen einer ihrer schlimmsten Feinde, z. B. in Bochum ein Nationalliberaler, gewählt wird, während doch gerade das Centrum (das in Bochum sehr ge­fährdet ist), stets mit größtem Nachdrucke für die Polen und alle ihre berechtigten Ansprüche eingetreten ist. Man muß staunen über den Un­verstand, den die Polen hier mit seltener Virtuosität entwickeln. Hoffentlich sind aber noch genug praktische und einsichtige Menschen unter den polnischen Wählern, welche ihren eigenen Nutzen besser erkennen und der von dem polnischen Centralwahlkomitee gegebenen Weisung nicht Folge leisten.

K Der Vorstand des nationalliberalen Vereins in Merlin hat beschlossen, für Berlin keine eigenen Kandidaten aufzustellen, sondern die Parteigenossen auszufordern, vou Anfang an für die Kandidaten der freisinnigen Volkspartei zu stimmen.

* Wähler für den deutschen Iteichstag ist jeder Deutsche, welcher das 25. Lebensjahr zurückgelegt hat in dem Bundesstaate, wo er seinen Wohnsitz hat. Für Personen des Soldatenstandes, des Heeres und der Marine ruht die Berechtigung so lange, als dieselben sich bei der Fahne befin­den __ Von der Berechtigung zum Wählen sind

ausgeschloffen: Personen, welche unter Vormund- scl>ast ober Kuratel stehen, über deren Vermögen Konkurs- oder Fallitzustand gerichtlich eröffnet worden ist, welche eine Armenunterstützung be­ziehen, oder denen der Vollzug der staaisbürger- lichen'Rechte entzogen ist.

Wähler

des Wahlkreises Iulda-Hersfeld-Kchlüchtern!

Die Neuwahlen zum Reichstage sind auf Donnerstag den 16. d. Mts. anberaumt. Sie sind diesmal von besonderer Wichtigkeit, und es ist Pflicht jedes Wahlberechtigten, nach Kräften mitzuwirken, daß der richtige Vertreter entsandt werde.

Zum allgemeinen und größten Bedauern hat der seitherige Abgeordnete, Herr Rentner Richard Müller, durch den unser Wahlkreis während der letzten 5 Jahre so ausgezeichnet vertreten war, seiner Zeit aufs bestimmteste erklärt, daß er diesmal ein Mandat für unseren Wahlkreis nicht wieder annehmen könne.

Wenngleich es uns nun leider nicht gelungen ist, als Ersatz für einen so vorzüglichen Abgeordneten wieder einen in unserem Wahl­kreise ansässigen geeigneten Kandidaten zu ermitteln und aufzustellen, so glauben wir doch in der Person des Herrn

Gutsbesitzer Karl Herold

(auf Kans Loevelinkloe bei Amelsbüren, Kreis Münster in Westfalen)

einen würdigen und tüchtigen Nachfolger des Herrn Richard Müller gefunden zu haben. Der Genannte hat sich auch bereits in der zahlreich oesuchten Vertrauensmänner-Versammlung am 20. Mai persönlich vorgestellt und ist von dieser einstimmig als unser Kandidat erklärt worden.

Herr Heiolv ist kein Neuling im parlamentarischen Leben. Er gehört seit einer Reihe von Jahren der Centrumsfraktion des preußischen Abgeordnetenhauses an und nimmt daselbst durch seine erfolgreiche Thätigkeit in den verschiedensten wichtigen Kommissionen nicht minder als bei den Plenarverhandlungen eine hervorragende, bei allen Parteien hochangesehene Stellung ein.

Im Reichstage wird er in gleicher Weise aus vollster Ueberzeugung mit Kraft und Entschiedenheit für die Verwirklichung der bekannten Grundsätze des Centrums eintreten, wie diese in dem jüngst veröffentlichten Wahlaufruf der Ceutrumsfraktio« so trefflich und bündig dargelegt sind.

Herr Herold ist ein anerkannt tüchtiger Landwirth, was ihm in unserem überwiegend ländlichen Wahlkreise gewiß zur Empfehlung gereicht Er steht aber anderseits voll und ganz auf dem Boden des Centrums, das bekanntlich in ausgleichender Gerechtigkeit sür alle Stände und Verussarten eintritt.

Er ist deshalb ein ausgesprochener Gegner der einseitigen und maßlosen Forderungen der sog. „Agrarier", jener ostelbischen Groß­grundbesitzer, die wohl mit rücksichtslosem Nachdruck ihre eigenen Interessen, nicht aber die der andern Berufsstände, noch auch die unserer Bauern und des geringen Mannes zu fördern suchen.

Deshalb, ihr Wähler des Wahlkreises Fulda-Gresfeld-Schlüchtern, erscheint am 16. d. M. Mann für Mann bei der Wahlurne und gebt mit uns eure Stimmen ab für den

Kandidaten der Kentrurnspartei,

Herrn Gutsbesitzer Karl Herold!

Dem Vaterlande und Euch selbst werdet Ihr einen großen Dienst erweisen, indem Ihr die ausschlaggebende Stellung des CentruwS erhalten helft, dessen weise und erfolgreiche Thätigkeit die letzte Reichstagsperiode zu einer so fruchtbaren und segensreichen gestaltet hat.

An dieser Thatsache können all die unbegründeten Vorwürfe seiner Gegner, alle die schnöden Verunglimpfungen und Verleumdungen, wie sie z. B. in einem jüngst verbreiteten social-demokratischen Wahlaufrufe ausgestreut werden, nicht rütteln und nichts ändern.

Also auf zur Wahl am 16. Juni mit dem Wahlspruch: Mr Wahrheit, Freiheit and Recht! Wählet alle den Erkorenen des Centrums

Herrn Gutsbesitzer Karl Herold!

Fulda, den 4. Juni 1898.

Schick, Professor, Vorsitzender des Wahlausschusses. Kircher, Robert, Kaufmann, stellvertr. Vorsitzender des Wahlausschusses. Arnd, Karl, Kaufmann. Atzert Richard, Sattlermeister. Baum, Jos., Redakteur. Bergmann, Stadtkaplan. Bonda, Magazinier. Breitung, Domkapitular. Dangel, Stadtkaplan. Emmerling, Jos., Schuhmachermstr. Euler, Stadtverordneter. Fleischmann, Franz, Schloffermstr. Fritz, Zimmermstr. Gegenbaur, Rechtsanwalt. Goebel, Dr., Geh. Reg.-Rath. Goebel, Otto, Bankier. Golbach, Domkaplan. Gundlach, Konrad, Korbmacher. Hartmann, Wilh., Fabrikant. Hohmann, Ang., Fabrikant. Johannis, P., Rentner. Kalb, Konr., Rentner. Kalb, Wilh., Kaufmann. Keil, Paul, Fabrikant. Knittel, Ed., Kaufmann. Kräh, Karl, Kaufmann. Kramer, Aug., Metzgermstr. Kübel, Th., Rentner. Latsch, H., Werkmeister. Dr. Leimbach, Prof. Malkmus, Domkaplan. Mehler, Wilh.,Fabrikant. Mollenhauer, Th., Instrumentenmacher. Muller, Rich., Rentner. Dr. Raabe, Arzt. Reust, D., Häfnermstr. Rhiel, Stadtpfarrer. Schleichert, I., Werkführer. Schmitt, Jos., Bankier. Schmitt, M., Rentner. Traut, Jg., Kaufmann.

Flach, Heinrich: Schmitt, Georg, Weißbinder in Ahl. Malkmus, Pfarrer in Blankenau. Klingcbiel, C., Bauer in Böckels. Ney, Pfarrer in Dipperz. Müller, I., Pfarrer; Hambach, H., Kaufmann in Flieden. Günst, Pfarrer in Giesel. Schell, Pfarrer; Medler, Aug., Guts­besitzer in Großenlüder. König, Bürgermeister; Reinhardt, Bauer in Haimbach. Schönherr, Eugen, Vorsitzender des Landwirthschaftl. Vereins, und sämmtliche Vereinsmitqlieder; Scheibelhut, Leo, Landwirth in Hainzell. Möller, P., Bürgermeister in Hattenhof. Röhre, W., Pfarrer m Hauswurz. Müller, Jos., Gutsbesitzer in Heiligenhof. Etzel, Sixtus; Hohmann, I. C., Landwirth in Hilders. Roll, Pfarrer m Hofbieber. Hausmann, Pfarrer in Horas. Mehler, Wirth; Neidert, Sil., Kaufmann in Hoseufeld. Ludwig, Pfarrer in Kämmerzell. Diegelmann, D., Gastwirth in Kerzell. Nüdling, H., Bürgermeister und Fabrikant in Lahrbach. Hütsch, Ad. Jos., Gutsbesitzer itzMaberzell. Jestädt, Bürger­meister in Malkes. Reisinger, Aloys, Bauer in Marborn. Reinhardt, Rich., Landwirth in Mauerschell. Weh, Alexander, Landwirth m Niedcrkalbach. Post, S., Bürgermeister; Remm, R., Hüttner und Weber in Neuenberg. Malkmus, Dechant m Neuhof. Zimmer, Dechant in Oberbimbach. Dr. Kircher, Pfarrer in Petersberg. Dr. Fischer, Pfarrer; Nüdling, Will)., Fabrikant m Poppenhausen. Medler Dam., Gutsbesitzer in Rodges. Henrich, Tamian, in Rommerz. West, Ludwig, in Rothemann. Zahn, Jgn., Kaufmann; Ziegler, Rich., Küfer in Salmünster. Brehler, Magnus, Landwirth; Post, Rudolf, Bauer; Post, Zach., Schreiner m Salzschlirf. Frohnapfel, C., Lemenfabrikant n Schmalnau. Büttner, Bürgermeister in Steinau. Huhn, Frz., Landwirth; Bräscher, Aug., Landwirth m Ulmbach. Andres, Peter, 'Wollspinnerei- und Webereibesitzer ‘in Welkers. Herbert, Bürgermeister in Zirkenbach. Gnau, Pfarrer in Ruckers bei Flieden. Dill, Heinrich, in Marborn. Baier, Franz Kaspar, Bauer in Ried. Sebald in Thalau.