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Der Angeklagte erklärte sich dazu bereit, wenn die Klage zurückgezogen werde. Der Vertreter des persönlich nicht anwesenden Klägers, Herr Rechtsanwalt Lewin, stellte noch verschiedene weitere Forderungen, u. A. daß der Angeklagte die sämmtlichen Kosten übernehmen müsse. Der Verteidiger des Angeklagten, Herr Rechtsanwalt Gegenbaur, bemühte sich vergebens, eine Einigung zu erzielen. Die nun folgende Gerichtsverhand­lung nahm eine geraume. Zeit in Anspruch, weil eine Anzahl größerer Aktenstücke verlesen werden mußte. In dem Ausdrucke „Denunziation" wurde eine Beleidigung gefunden, weil dieser Ausdruck, der nichts weiter bedeutet, als „Anzeige", einen ehrenrührigen Beigeschmack habe. Nach Ansicht des Gerichtshofes ging aus einem anderen Satze des Artikels auch die Absicht der Be­leidigung hervor. Das Urtheil lautete auf eine Geldstrafe von 10 Mark und Veröffentlichung des Urtheils in der ,Fuldaer Zeitung'. Gegen das Urtheil wird Berufung eingelegt.

cf Am vorigen Samstag wurde in der seit einiger Zeit hier bestehenden Schreib Maschinen­fabrik, Inhaber C. Lipp, die 100. ZKafchine fertiggestellt und von einer Abordnung der Ar­beiter dem Chef, Herrn Carl Lipp, mit einer Ansprache feierlich überreicht. Sämmtliche Arbeiter der Firma, sowie das Bureaupersonal wurden dann anläßlich des erfreulichen Ereigniffes photo- graphirt und folgten am Sonntag Nachmittag mit ihren Familien einer Einladung des Herrn Lipp zu einem Glase Bier in die Bachmühle. Hier wurden zunächst die Anwesenden im Namen des Chefs, der durch eine Reise an der Theil- nahme verhinderi war, durch den Ingenieur der Firma, Herrn Maeder, begrüßt, dessen Ansprache in einem Hoch auf den Fabrikherrn gipfelte. Weitere Ansprachen, die das gute Einvernehmen zwischen Fabrikherrn und Arbeiter hervorhoben, bewiesen, welcher Sympathieen sich Herr Lipp im Kreise seiner Angestellten erfreut.

*• Morgen (Frohnleichnam) werden 17 Schüler des hiesigen Kgk. Gymnasiums in der Nonnen­kirche zur ersten heil. Kommunion geführt. Den Vorbereitungs-Unterricht hat Herr Gym- nasial-Oberlehrer Dr. Frye geleitet.

Ö Gestern Vormittag machte der an der Löherstraße wohnende Drechsler F. einen Seköss- mordversuch, indem er sich einen Schnitt in den Hals beibrachte. Er fand Aufnahme im Land­krankenhause ; die Wunde ist nicht lebensgefährlich.

* Eine für das gesammte Jeuerversichc- rnugswese« Preußens wichtige Entscheidung fällte der dritte Senat des Oberverwaltungsgerichts in der öffentlichen Sitzung,vom 21. d. M. Der Regierungspräsident in Bromberg bestätigte die Annahme der Polizeibehörde, daß der Ver­sicherungssuchende bezw. der Agent der Ver­sicherungsgesellschaft verpflichtet sei, im Falle der Versagung der behördlichen Genehmigung des Versicherungsantrages wegenvermuthlicher Uebe r- versicherung die Versicherungssumme herab­zumindern. Der Generalagent H. Swientek aus Posen erhob Klage gegen diesen Bescheid des Regierungspräsidenten und vertheidigte persönlich vor dem Oberverwaltungsgericht in einer längeren Ausführung seinen Standpunkt. Nach mehr­stündiger Berathung schloß sich das Oberver­waltungsgericht in zwei Punkten der Anschauung des Klägers an, und unter Aufhebung des Be­

scheides des Regierungspräsidenten entschied das­selbe im Sinne des Klägers dahin, daß die Polizeibehörde im Falle der Annahme einer fieber» Versicherung verpflichtet ist, die einzelnen zur Versicherung beantragten Beträge einer jeden Position auf eine bestimmte Summe herabzu­mindern. Durch diese Entscheidung ist einer langjährigen Meinungsverschiedenheit zwischen Polizeibehörde und Generalagenturen ein Ende bereitet worden.

Aus dem Aachbargebiet.

t Kämmerzell, 8. Juni. Das gestrige heftige Gewitter hat die hiesige Rochus­kapelle nicht unerheblich beschädigt, indem der Blitz vom Thurme Schiefern und Verschalung abriß und weit umherschleuderte, Balken zer­splitterte und rings um die Kapelle fast unter jedem der mit Eisengittern versehenen Fenstern mehr oder weniger Spuren seiner Gewalt hinterließ.

44- Aufenau, 7. Juni. Vor 25 Jahren hatte unser hochw. Herr Pfarrer Adalbert Ricken (ein geborener Fuldaer) das große Glück, zum Priester geweiht zu werden. Diese schöne Erinnerungs­feier festlich zu begehen, rüstete sich schon einige Wochen vorher ein in hiesiger Gemeinde zusammen- getretenes Komitee. Jedoch als der Herr Pfarrer dies hörte, lehnte er in feiner großen Bescheiden­heit eine geplante Feier ab und erklärte dazu, daß er sich an dem silbernen Jubiläumstage ganz zurückziehen wolle, um einmal ganz still für sich allein über die als Priester durchlebte Zeit nach- denken zu können. Als er aber von dem aus- geführten Vorhaben zurückgekehrt war, sammelten sich rasch die Gemeindeglieder, zündeten ihre Fackeln an und zogen, begleitet von einer Musikkapelle, mit ihrem Lehrer an der Spitze nach dem Pfarr- Hofe. Dort angekommen, spielte die hiesige Musik­kapelle einige Stücke. Sodann hielt Herr Lehrer Lotter eine Ansprache, in der er die große Liebe des Jubilars zu seinen Pfarrkindern hervorhob, der geteilten Freude der Pfarrangehörigen Aus­druck verlieh und dem allverehrten Herrn Pfarrer den Dank für seine opferwillige Thätigkeit wäh­rend seines Hierseins abstattete. Hierauf trug ein Schüler ein Festgedicht vor, worauf der Herr Jubilar sichtlich gerührt dankte. Nachdem nun der eigens zu diesem Zwecke zusammengetretene Männerchor ein vierstimmiges Lied vorgetragen hatte, stimmte die Musikkapelle das schöne Dank­lied: „Großer Gott wir loben Dich" an, das die Versammlung mit voller Begeisterung fang und worauf der Zug wieder abmarschirte. Möge es uns vergönnt fein, daß unser Herr Pfarrer noch lange Jahre bei uns bleibt, um fo auch fein goldenes Priesterjubiläum in unserer Mitte feiern zu können. Das walte Gott!

* Ira«kfurt,6.Juni. Der erste der Sonder- züge, mit denen die Frankfurter Eisenbahn­direktion ihren Angestellten und Arbeitern Frühjahrs-Ausflüge nach dem Niederwald bereitet, wurde gestern Vormittag 11.40 Uhr ab- gelaffen. Er bestand aus fünfzehn v-Wagen und einem Vorläufer, war 63 Achsen stark und mit zwei Lokomotiven bespannt. Die Zahl der Theil- nehmer betrug 850. Der Zug hatte nur in Kastel eine Minute Aufenthalt und traf Nachmittags 1.20 Uhr in Aßmannshausen ein. Um fünf Uhr ging der Marsch zum Nationaldenkmal. Die Feier

am Denkmal wurde durch ein Gewitter unter­brochen. Um 8.45 Uhr wurde im Sonderzug von Rüdesheim die Heimkehr angetreten. Am nächsten Sonntag geht wieder ein solcher Eisenbahner- Sonderzug nach dem Niederwald. Für den Spät­sommer sind ebenfalls zwei Führten vorgesehen. — Eine Frankfurter Gesellschaft machte gestern einen Ausflug zu Wagen nach der Bergstraße auf die Starkenburg. Bei der Heimfahrt wurden die Pferde scheu und das Fuhrwerk stürzte. Die Gattin des Spielwaarenhändlers Behle fiel fo unglücklich, daß sie einen Wirbelfäulenbruch erlitt und auf der Stelle den Tod fand. — Die ältesten Be­wohner des Zoologischen Gartens können sich nicht erinnern, daß das Institut so zahlreich wie gestern besucht war. Am Vormittag, als der Eintritt 20 Pfennig kostete, wurden etwa 10,000 Karten ausgegeben, am Nachmittag, bei 50 Pfennig für Erwachsene und 25 Pfennig für Kinder, strömten 15,000 bis 16,000 Personen in den Garten. Rechnet man die Zahl der Abonnenten hinzu, so dürfte die Besuchsziffer des ganzen Tages mit 30,000 Personen nicht zu hoch gegriffen fein. Die Ursache der Völkerwanderung des Ostens war neben der Preisermäßigung die erste heurige Ballon- auffahrt von Fräulein Käthe Paulus, die der Abwechslung halber einmal aus einem Fahrrad in die Lüfte stieg. Der Ballon erreichte eine Höhe von 1500 Meter; man konnte ihn längere Zeit beobachten, bis er im Wolkendunst verschwand. Die Landung ging nach einer halben Stunde am Heiligenstock glücklich von statten. Der Statistik halber sei noch erwähnt, daß im Garten 40 Hektoliter Bier getrunken und 2500 Schinkenbrödchen, trotz der hohen Getreidepreise mehr Brod als Schinken, gegessen wurden.

* Kassel, 7. Juni. In der Königsschenke fand gestern eine Besprechung mehrerer Land- wirthe statt, welche mit der Absicht umgehen, nach dem Vorbilde von Hannover einen gemein­schaftlichen Vertrieb ihrer Milcherzeugung mit gleichzeitiger Anlage einer Central-Molkerei zu begründen. Es wurde beschlossen, sich mit dem Direktor der Molkerei Fulda, Herrn Rudolph Backhaus, einer Autorität auf diesem Gebiet, in Verbindung zu setzen. Ein geeignetes Grundstück von etwa 2500 Quadratmeter Größe ist für den Zweck angeboten unb vorläufig ge­sichert.

Kirchham, 7. Juni. Sollte kommenden Sonntag" die Witterung mitwirken, fo wird das Fahnenweihfest des hiesigen Gesangvereins, ver­bunden mit dessen 60. Stiftungsfeste den Cha­rakter eines wahren Volksfestes annehmen. Das uns vorliegende reichhaltige Programm verspricht der Unterhaltungen und Abwechselungen gar viele. Den musikalischen Theil hat die Kapelle des Hess. Jägtrbataillons Nr. 11, „Königin Margaretha" aus Marburg übernommen. Der Festzug findet Nachmittags 2 Uhr vom Amöneburger Thore aus statt. Bis jetzt haben sich 28 auswärige Vereine angemeldet.

Vermischtes.

* Kovkevz, 7. Quitt. Beim zweiten Bataillon des hier garnisonirenden Infanterie-Regiments Nr. 68 ist der Typhus ausgebrochen; 20 Mann sind daran erkrankt.

* München, 7. Juni. Gestern Abend erfolgte in der Nähe des Centralbahnhofes ein Zusammenstoß zweierGüterzüge. Ein Zugführer und ein Bremser wurden getödtet.

Airchenkalenber.

Donnerstag, 9. Juni. Columba, Abt. Der hl. Columba war im Jahre 520 in Irland geboren und trat frühzeitig in ein Kloster ein. Später begab er sich auf eine Missionsreise nach Schottland, wo er auf der kleinen Insel Jona ein Kloster gründete, das eine berühmte Pflanzstätte gelehrter und großer Männer wurde. Als Abt dieses Klosters starb er im 1.597.

Freitag, 10. Juni. Margaretha, Königin. Die hl. Margaretha war eine Prinzessin von England und wurde die Gemahlin des Königs Maleolm von Schottland. Sie war eine große Wohlthäterin der Armen und Kranken, und für ihren Gemahl und ihre Kinder das Muster einer Ehegattin und Mutter. Sie starb im Jahre 1093. Beim Ausbruch der Refor­mation in Schottland wurde ihr Sarg nach Spanien gebracht, wo derselbe im Eseurial beigesetzt wurde.

Geschichts-Kalender.

9. Juni.

615 Tod des Abtes Hugo von Fulda.

1781 Georg Stephenson, Erfinder der Lokomotive, geboren.

1871 Gesetz betr. Vereinigung Elsaß-Lothringens mit dem Deutschen Reiche.

1884 GrundsteinlegungzumReichstagsgebäudeinBerlin.

1897 Palastrevolution in Korea (74 Todesurtheile).

10. Juni.

1190 Tod des Kaisers Barbarossa (beim Baden er­trunken).

1580 Tod des portugies. Dichters Camoens.

1608 Geburt des Malers Rembrandt.

1836 Tod des französ. Physikers Ampöre.

1886 Prinz Luitpold von Bayern übernimmt die Regentschaft.

Gottesdienstordnung in Fulda.

Donnerstag, 9.Juni. (Frohnleichnamfest.) Dom. 5, 6, 63/« u. 7‘/i Uhr hl. Messen, 9 Uhr Hochamt mit Predigt, 12 Uhr hl. Messe, l1/« Uhr Andacht, 4 Uhr Abend- Andacht, 7S 4 Uhr Andacht in der Bonifatiusgruft. — Stadtpfarrkirche. 5 Uhr hl. Messe und Predigt, 7 Uhr Kommunion der Bruderschaft vom Hochw. Gute, 7 Uhr hl. Messe und Kommunion der christenlehrpfl. Jüng­linge, 8 Uhr hl. Messe und Predigt, 91 - Uhr Hochamt mit Diakonium und Chorgesang, 2 Uhr Fefipredigt und Andacht. Während der Frohnleichnahms - Oktav von Mittwoch Abend 8 Uhr ab Segensandacht. — Michaels- Kirche. 10 Uhr Hochamt mit Segen. — Pfarrkirche ?um hl. Geiste. 8 Uhr Hochamt mit Predigt, 5 Uhr Andacht mit Segen. — Sodalität. 6'/, Uhr Generalkommunion. — Frauenberg. 5, 6'/a und 8 Uhr hl. Messen, 9 Uhr feierl. Amt, 2 Uhr feier!. Vesper. 7‘/i Uhr Herz-Jesu- Andacht.

m. Wetter-Beobachtungen.

8. Juni.

Temperatur 6 Uhr Abends: 18,0° Erls., 14.4" Reaum.

„ 7'/. „ Morg.: 14,8° . 11,8° .

„ 12 . Mittags: 25,4° „ 20,3° „

Diehöchste Temperatur des gestrigen TageS betrug 20,0 “ Celsius (16,00 Röaumur).

Die niedrigste Temperatur in vergangener Nacht betrua 13,5°Celfius (10,2° RSaumuri.

Wassrrwärmr der FUtda (in Röaumur) 7 Uhr Abends 13,7», 6'/- Uhr Morgens: 10,2°.

Witterung» - Kederstcht der Deutsche» Krrwarle vom

7. Juni, mitgethellt dem Deutschen Reichsanzeiger.

lieber ganz Europa ist der Luftdruck gleichmäßig vertheilt und dabei die Luftbewegung schwach; am höchsten ist der Luftdruck über der mittleren Ostsee, am niedrigsten nordwestlich von Schottland. Das Baro­meter ist allenthalben gestiegen. In Deutschland ist das Wetter warm und heiter; im Binnenlande ist theilweise Regen gefallen, in den westlichen Gebietstheilen fanden auch Gewitter statt. Vielfach Gewitter wahrscheinlich.

Muthmaßtichr Witterung für den 9. Juni. Warm, bewölkt. Gewitterbildungen.

Bekanntmachung.

Nachdem durch Beschluß des Provinzialrarhes vorn 21. Mai 1898 die von Philipp Schwär), Kevi Strauß und Katharina Heumüller gegen den von den städtischen Körperschaften be­schlossenen Fluchtliweuplan er­hobenen Einwendungen als un­begründet zurückgewiesen wor­den sind, wird der Fluchtlinien- plan für die vorbezeichneten Straßen hiermit förmlich festge- ftellt und vom 10. Juni ab auf 8 Tage zu Jedermanns Ein­sicht im Stadtsekretariate öffent­lich ausgelegt.

Fulda, 31. Mai 1898.

Der Magistrat: _______Dr. Antoni._______ tztUMs-VitKauk.

Mittwoch de» 15. Juni,

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