FuldaerMIeitung
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M 127.
Julöa, Dienstag, den 7. Ium 1898
25. Jahrgang.
x Centrum, Sammelpolitik und Landwirthe.
Man kann die Stellungnahme der Centrumspartei im gegenwärtigen Wahlkampfe noch so oft und ausführlich begründen, man muß doch immer wieder erleben, daß die Gegner sie nicht verstehen wollen. So behauptet heute wieder die ,Kreuzztg/, um nach der Erhaltung einer doppelten Mehrheit zu streben, müsse man sich von bestimmten Grundsätzen so viel wie möglich frei machen. Wir meinen, das gerade Gegentheil sei der Fall: weil wir bestimmte Grundsätze haben und festhalten wollen, müssen wir eine doppelte Mehrheit zu erhalten bemüht sein. Unsere Grundsätze lassen sich bei den Verhältnissen, wie sie nun einmal liegen, mit einer Mehrheit nicht durchführen, ja wenn wir keine doppelte Mehrheit haben, haben wir überhaupt keine Mehrheit mehr. Die vorhandenen Rechte und Freiheiten zu schützen, ist einer unserer wichtigsten Grundsätze; um ihnen Geltung zu verschaffen, brauchen wir aber die Unterstützung der Linken, da die Konservativen die Rechte und Freiheiten des Volkes auf ein möglichst geringes Maß einschränken wollen. Um eine gesunde Wirthschaftspolitik durchzuführen und überhaupt in den wichtigsten positiven Fragen etwas erreichen zu können, bedürfen wir der Mithilfe der Konservativen. Also handeln wir gerade im Interesse unserer Grundsätze, wenn wir uns die beiden Mehrheiten erhalten. Wollten wir auf die Mehrheitsbildung mit der Linken verzichten, fo müßten wir die Kartellparteien so stärken helfen, daß sie ohne uns eine Mehrheit bilden könnten, und dann wäre der Erfolg der, daß sie sich um uns nicht kümmerten, thäten, was ihnen beliebte und unsere Grundsätze könnten gar nicht zur Geltung gebracht werden.
Wir sollten meinen, diese Politik sei so klar, einleuchtend und einwandsfrei, daß sie jedem als selbstverständlicherscheinen müßte, auch wenn er nicht auf unserm Standpunkt steht, denn jede andere Partei muß doch naturgemäß ganz das gleiche Bestreben haben. Die,Kreuzztg.' aber meint, gerade diese Politik müffe die katholischen Landwirthe zu der Frage veranlassen, ob ihren Interessen mit der doppelten Mehrheit gedient sei. Die Landwirthe ständen doch auf dem Boden des wirthschaftlichen Sammlungsaufrufes; damit aber dessen Ziel erreicht werde, müßten Freisinnige und Sozialdemokraten erheblich geschwächt werden. Dem widersetzte sich aber die -Centrumspresse, wie sie sich von Anfang an der wirthschaftlichen Sammlung widersetzt habe. Die Leser wissen, wie wenig von alle dem wahr st. Auch wir stehen auf dem Boden des Samm- lungsaufmfes, wie wir das stets betont haben; wir bestreiten aber, daß die Linke geschwächt werden müffe, damit der Schutz der nationalen Arbeit gesichert sei. Rechte und Centrum allein bilden schon nahezu eine Mehrheit für eine nationale Wirthschaftspolitik; dazu kommen die meisten oder fämmtliche Nationalliberale, die Polen, Antisemiten und eine Anzahl „Wilde". Eine weitere Schwächung der Linken ist also für diese Frage ohne allen Belang. Das haben wir
Der Kaprllerchof.
Erzählung aus dem Leben von Max Benno.
4 ------ (Nachdruck verboten.)
„Später befand ich mich einmal mit dem Vater unb Stern allein in der Stube," fuhr Hugo fort. .„Sie führten, ohne mir eine Beachtung zu schenken, ein Gespräch, das mein ganzes Interesse wachrief."
„Stern hatte ein Buch mitgebracht und las -zwischenhin einen Abriß vor. Ich begriff das Meiste zwar nicht. Aber das, was ich verstand, genügte vollkommen, um alle meine Begriffe von Gott und Himmel, Zweck des menschlichen Daseins und unserer ewigen Bestimmung in Verwirrung zu bringen. Stern — dachte ich — ist ein ge« lehrter und angesehener Mann; er muß es wissen. An des Vaters Weisheit wagte ich gar nicht zu zweifeln. Und doch lautete das, was ich hörte, ganz anders, als wie man es mich gelehrt hatte. Ich fühlte mich bitter enttäuscht, und es war mir, als gösse man kaltes Wasser in mein warmes Herz. Jenes geheimnißvolle Buch brachte ich nicht mehr aus dem Sinn. So oft sich eine Gelegenheit bot, las ich darin. Ich fand so vieles, was ich vorher nicht gewußt hatte, und unwillkürlich regte sich der Gedanke in mir, daß Stern und der Vater recht haben könnten, daß man uns absichtlich über die Herrlichkeit und Freuden der Welt in Unkenntniß hielte. Warum? fiel mir nicht ein zu fragen. Du hast mich dann bei dem Lesen des Buches ertappt. Du hast es mir genommen, und ich sah es nicht mehr; doch das Gelesene tonnte ich nicht wieder vergessen. Ich kam auf die Schule, und mir öffnete sich eine ganz neue
hundertmal ausgeführt und kein Mensch hat es je bestritten.
Die .Kreuzzeitung' kommt mit der Verdächtigung, man werde im Parteiprogramm des Centrums vergebens bestimmte Anhaltspunkte für seine Stellungnahme z. B. in Agrarfragen suchen. Heute, wie 1893 würde das Programm der Annahme des russischen Handelsvertrages keinesfalls entgegenstehen. Ein Theil des Centrums könnte nach links abschwenken und dann wäre die Mehrheit zum Schutz der nationalen Arbeit gefährdet. Es müffen fchon recht merkwürdige Land wirthe sein, die sich durch eine derartige Wortfechterei fangen lassen. Das Programm der Konservativen hat auch der Annahme des österreichischen Handelsvertrages nicht entgegengestanden, den sie heute ebenso verurtheilen, wie den russischen. Wir könnten also auch ebenso gut sagen, ihre Stellungnahme zu der künftigen Handelsvertragspolitik sei unsicher; man könne gewärtigen, daß sich ein Theil von ihnen aus Gouvernementalismus verleiten ließe, abermals Verträgen zuzustimmen, die für die nationale Arbeit, insbesondere für die Landwirthschaft schädlich seien. Sollte es wirklich Cen- trumswähler geben, die den Verdacht hegten, ein Theil des Centrums könne in einer Frage des Schutzes der nationalen Arbeit „nach links abschwenken", so steht nichts entgegen, daß sie sich von den betreffenden Kandidaten bestimmte Garantieen geben lassen. Wir glauben aber nicht, daß es solche unsichere Kantonisten im Centrum gibt, wir sind vom Gegentheil überzeugt.
Jedenfalls wird jeder einsichtige Landwirth die Haltung des Centrums nur billigen können, denn er muß sich sagen: Für die Interessen der Landwirthschaft ist unter allen Umständen im nächsten Reichstage gesorgt; es gibt aber auch noch andere, ja höhere Interessen, für die ebenfalls gesorgt werden muß, und wenn zu dem Ende eine erhebliche Schwächung der Linken zu verhüten ist, so thnt die Centrumspartei ganz recht, wenn sie danach ihre Haltung bei den Wahlen einrichtet. Die ,Kreuzztg.'möchte es so darstellen, als ob wir die Sozialdemokratie unterstützten und ihren parlamentarischen Bestand zu sichern bestrebt seien. Wo ist auch nur die Spur eines Beweises für diese Verdächtigung? Ueberall tritt das Centrum der Sozialdemokratie scharf entgegen, und wenn überhaupt eine Partei die Sozialdemokratie, die sonst überall vordringt, zurückzudrängen vermocht hat, so ist es die Centrumspartei. Nicht Sozialdemokraten, sondern Freisinnige unterstützen wir, und zwar auch überall gegen die Sozialdemokraten; nirgends denken wir daran, die Sozialdemokraten zu unterstützen.
Die .Kreuzztg.' hätte allen Grund, der Besprechung dieser Frage aus dem Wege zu gehen, denn sie hat noch vor wenigen Tagen befürwortet, die Konservativen möchten den gemäßigtliberalen Rösicke im Kampfe gegen ^die Sozialdemokraten im Stiche lassen. Die guten Leute, die die katholischen Landwirthe vom Centrum weglocken wollen, indem sie ihnen sagen, die Wahlpolitik der Centrumspartei gefährde den Schutz der nationalen Arbeit, insbesondere der
Welt. Auch hier wurde allmählig von den Anschauungen und Grundsätzen gesprochen, wie Stern und der Vater sie aufgestellt hatten, aber als von etwas, das man fliehen und verabscheuen müsse. Meine Zweifel wurden dadurch nicht aus der Seele gescheucht. Ich redete mir ein, daß dies nur geschehe, um uns junge Leute durch die Furcht vor der Vergeltung und Strafe im Jenseits im Zaume zu halten. Diese Vermuthung verletzte meinen Stolz, und ich legte es darauf an, womöglich immer das Gegenthcil von dem zu thun, was verlangt wurde. Die Folgen kennst Du. Durch schwere Züchtigung wurde ich von dem Stolze geheilt. Ich bin auch fest überzeugt, daß sie ohne die Dazwischenkunft des Vaters in jeder Hinsicht Gutes für mich bewirkt hätte. Gern wäre ich in der Anstalt geblieben. Das Studium der alten Sprachen war für mich eine Lust; aber ich durfte ja nicht. Der durch die Züchtigung des Sohnes verletzte Stolz des Vaters ließ es nicht zu. Ich mußte heim in einen Wirkungskreis, gegen den sich von jeher meine Natur gesträubt hat. Von da an war meine Zukunft entschieden. Alles, was nachher geschah, konnte gar nicht anders kommen. Um den Hoffnungen des Vaters wenigstens einigermaßen gerecht zu werden, schickte man mich nach Hohenheim. Das hatte gerade noch gefehlt. Alles, was ich dort lernen sollte, war mir zuwider. Infolge dessen schloß ich mich an einige Forstleute an, die das Studium auch nur so nebenbei trieben, und führte ein flottes Leben. Und dem hat dann der Streich ein Ende gemacht, den wir dem Professor Schoder spielten. Die Entfernung von der Anstalt war wahrlich kein Unglück für mich und noch weniger für Euch —
Landwirthschaft, und fördere die Sozialdemokratie, gehen im Grunde nur darauf aus, das Centrum matt zu setzen und es von der konservativen Partei abhängig zu machen. Wir ziehen aber unsere Selbständigkeit doch vor.
Deutsches Deich.
Berlin, 6. Juni.
ft Der Aleichskauzker sollte nach einer Mittheilung des .Pariser Figaro' aus Gesundheitsrücksichten seine Entlassung zu nehmen beabsichtigen. Die «Nordd. Allg. Ztg.' beeilt sich, diese Nachricht alsjeglicherBegründung entbehrend zu bezeichnen. Auch von anderer Seite wird ihr bestimmt widersprochen. Nöthig war das schließlich wohl nicht, denn der,Figaro' genießt bei uns doch kein besonderes Vertrauen.
X Ein vertraulicher Krkatz, diesmal vom Finanzminister und Minister des Innern ausgegangen und an die Regierungspräsidenten gerichtet, veröffentlicht wieder der .Vorwärts'. Die Minister wünschen zu wissen, ob und inwieweit unmittelbare Beamte des gemeinschaftlichen Ressorts und der Verwaltung des Innern an Fachvereinen (Vereinigungen bestimmter Be- amtenkategorien, Militäranwärtervereine), sowie an Fachzeitschriften, insbesondere an solchen betheiligt sind, die den Zweck haben, die dienstlichen Interessen der Verbandsmitglieder durch Vertretung vor den vorgesetzten Behörden und gesetzgebenden Körperschaften wahrzunehmen und Wünsche oder Forderungen der beteiligten Beamtenschaft der vorgesetzten Behörde oder der Staatsregierung gegenüber zu vertreten. Warum sie das wissen wollen, sagt der Erlaß nicht. Der .Vorwärts' nimmt an, daß den Beamten verwehrt werden soll, durch Organisation, Petitionen u. dergl. auf die Verbesserung ihrer Verhältnisse hinzuwirken. Daß etwas Angenehmes für die Beamten geplant sei, kann man in der That nicht gut annehmen. Man hätte glauben sollen, daß nachdem Herr v. Podbielski sich entschlossen habe, den Postassistentenoerband endlich in Ruhe zu lassen, auch in andern Ressorts berechtigte Organisationsbestrebungen der Beamten nicht mehr würden unterdrückt werden. Das scheint nun aber doch anders zu fein. Zum modernen sozialen Kurse würde die Unterdrückung — der Erlaß ist am 10. Januar ergangen — allerdings paffen, den sozialen Erfolg bezweifeln wir. Jndeß wollen wir zunächst abwarten, ob der Erlaß nicht harmloser erklärt werden kann, was wahrscheinlich doch der Fall sein wird.
* Aus den Briesen der nach Kiautschou beförderten Soldaten entnehmen wir, daß für die religiöse« Bedürfnisse der katholischen Mannschaften im ganzen gut gesorgt ist. Ein Seesoldat schreibt aus Kiautschou, daß sie fast jeden Sonntag Gottesdienst hätten, er habe schon verschiedene Missionare gesehen, kenne aber ihre Namen nicht. (Wahrscheinlich sind es Priester des Missionshauses zu Steyl). Ein anderer Soldat, der mit Prinz Heinrich auf demselben Schiffe die Reise gemacht, theilt seinen Eltern mit, daß die Truppen in Hongkong fast jeden Sonntag zur Kirche geführt wurden. Am hl. Charfreitag wäre den katholischen Soldaten in aus meiner Offenheit, Mutter, siehst Du, daß ich mich ganz genau kenne. Ich bin nichts und werde schwerlich etwas, am allerwenigsten das, was Ihr von mir wollt. Uebrigens sehe ich auch die Noth- wendigkeit hierfür gar nicht ein. Der Kapellenhofer ist so reich, daß einmal jedes seiner Kinder genug zum Leben erhält. Etwas anderes verlange ich nicht. Ich will leben und ein bischen Vergnügen dazu. Um alles andere kümmere ich mich nicht."
Die Mutter hatte Hugo ausreden lassen, ohne etwas zu entgegnen. Ihr Mienenspiel verieth jedoch deutlich, was in ihrer Seele vorging. Als er geendet, perlten heiße Thränen über die bleichen Wangen herab. An welch schrecklichen Abgrund hatten den Sohn böses Beispiel und eine verkehrte Kindererziehung geführt! Gleichwohl gab sie die Hoffnung nicht auf. Die Selbsterkenntniß ist ja schon ein Schritt zum Bessern; und bei Hugos Jugend und gutem Herzen glaubte sie nicht verzweifeln zu dürfen. Sie bat ihn, all das zu ver- geffen, was zwischen den kindlichen Anschauungen, die sie ihm in die Seele gepflanzt hatte, und der Gegenwart lag, um in einem neuen Leben Zufriedenheit und die wahre Freude des Lebens zu finden.
Hugo kämpfte mit sich. Man sah, daß der Schmerz der Mutter ihm nahe ging. Gleichwohl aber brachte er kein Wort über die Lippen, das die Sorgen derselben hätte zerstreuen können und als nach einer Weile Schwester Emma das Zimmer betrat, zog er sich zurück, ohne irgend ein Versprechen gegeben zu haben.
Hugo begab sich in sein Stübchen unter dem Dache, das er in sichtlicher Aufregung mit großen Schritten durchmaß. Se/vtÄntlitz erschien zwar von der Sonne etw<°^e un”ei™-“^er die Formen i.tebnger, Gerste ge;q,.
Hongkong feine Fleischkost vorgesetzt, sondern alle hätten Mittags reichlich Fische zu essen bekommen.
* Die Thomasmehl-Geschichte des Bundes der Landwirthe beschäftigt die ,Deutsche Tagesztg.' heute an drei verschiedenen Stellen. Es kommt aber nur die Bestätigung dessen heraus, was immer behauptet worden ist, daß nämlich 15 Mk. von dem Gelde für jeden Waggon, das die Mehlbezieher zahlen müssen, in die Bundeskaffe fließt. Zunächst gibt die Landwirthschaftl. Abtheilung des Bundes eine lange Erklärung ab. Darin wird gesagt, es sei unwahr, daß den Bundesmitgliedern 15 Mark mehr in Rechnung gestellt würden, als der vertragsmäßig dem Bunde zugestandene Lieferungspreis betrage; es feien den Mitgliedern niemals höhere Preise in Rechnung gestellt worden, als der Abtheilung von den Lieferanten als Verkaufspreise vertragsmäßig zu- gestanden worden seien. Aber das ist es ja gerade, daß der Bund mit den Fabrikanten vertragsmäßig einen höheren Verkaufspreis vereinbart haben soll, als er wirklich wollte. Warum sagt man nicht einfach: Die Mitglieder zahlen uns nicht mehr für das Mehl, als es uns kostet? Das kann man nicht sagen, weil es n i ch t wahr ist. Daß der Bund einen Theil des Verkaufspreises einsteckt, wird schließlich auch zu gegeben, nur wird es als Rabatt bezeichnet, den die Fabrikanten dem Bunde für die Vermittlung zahlten. Nicht die Fabrikanten zahlen ihn, sondern die Bundesmitglieder zahlen ihn. Das sucht man aber durch möglichst viele Worte, die mit der Sache nichts zu thun haben, zu verdecken. Auch die Tantieme an die Oberbeamten des Bundes muß zugestanden werden. Daß den Mitgliedern nicht theurer verkauft werde als es handelsüblich fei, daß diese theil hätten an der Bundeskasse usw. usw., das alles sind überflüssige Bemerkungen. Es handelt sich lediglich darum, ob die Bezieher von Thomasmehl, die offenbar doch geglaubt haben, durch die Vermittelung des Bundes'ganz besonders günstige Einkäufe zu machen, von dem Zuschläge von 15 Mk gewußt haben und damit einverstanden gewesen sind. Das ist allem Anscheine nach nicht der Fall. Daß der Bund feine Mitglieder übervortheilt und unkaufmännifch behandelt habe, haben wir nie behauptet. Auch der engere Vorstand des Bundes erläßt eine Erklärung. Sie ist fachlich belanglos, denn sie wendet sich mit entrüsteten Worten gegen die gar nicht aufgestellte Behauptung, daß der Bundesvorstand die Mitglieder beim Bezüge von Dünger geschädigt habe. Endlich hat auch Herr v. Plötz am Sonntag in einer Bundesversammlung am Hermannsdenkmal bei Detmold in kräftigen Worten bestritten, daß der Bund die Mitglieder benachtheiligt habe, lieber feine Bezüge aus der Bundeskaffe scheint er sich nicht geäußert zu haben.
* Aus einer nationalliberalen Broschüre, betitelt: „Rom, die Volksschule und das allgemeine Wahlrecht", zitirt die ,Germania' als Ansicht des Verfassers über das bestehende Aeichstagswahkrechl, daß nur die Centrumspartei und die Sozialdemokraten gegen eine Reform des Wahlrechts feien (S. 101), „jeder dritten Partei aber kann es nur recht fein, wenn den beiden die Flügel beschnitten werden" (Seite waren für bäuerliche Verhältnisse doch nicht derb genug, und die ganze Haltung des jungen Mannes that tunt), daß Handarbeit nicht feine gewöhnliche Beschäftigung war. Das Stübchen war noch mit Erinnerungen aus feiner Jugendzeit ausgeschmückt. Die Decke des Kleiderschrankes diente als Aufbewahrungsort für einige Bücher, und die zahllosen an allen vier Wänden hängenden Bildnisse standen zu der braunen Holzvertäfelung in angenehmem Gegensätze, lieber dem Bette prangten die gekreuzten Schläger zwischen zwei Doppelgewehren, und auf dem Ofen stand eine bronzene Rittergestalt.
Die unerwartete Heimkehr Hugos von H. hatte die Bewohner des Kapellenhofes in nicht geringe Aufregung versetzt. Der Vater namentlich empfing den leichtsinnigen Sohn mit einem furchtbaren Sturm. Amberg sah dadurch nicht nur abermals seine Hoffnungen zerstört, sondern es drohte seinem stolzen Selbstbewußtsein noch eine weitere Gefahr. Wenn die Sache gerichtlich verfolgt wurde, kam Hugo voraussichtlich nicht ohne empfindliche Strafe davon. Dies mußte verhütet werden um jeden Preis. Der Geschäftsagent Stern im nächsten Städtchen war seit Jahren Arnbergs Vertrauter und Freund. Er wurde mit der Schlichtung des bösen Handels betraut. Stern reifte nach H. und erreichte zur großen Erleichterung des Hofbauern seinen Zweck in der Weise, daß der Professor mit dem Ersätze der beschädigten Fenster sich begnügte und Hugo nicht mehr an die Anstalt zurück- kehren durste.
Indessen blieb der Exstudent auf dem Hofe. Amberg hatte allen ehrgeizigen Plänen für feinen Erstgeborenen entsagt. Eine Zeit lang ließ er ihn