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M 126.

Jutöcr, Montag, den 6. Juni 1898

25. JahrgMg.

ft Die indirekten Steuern.

„Wenn der Steuerbote kommt und uns pünkt­lich nach Ablauf einer bestimmten Zeit die Rech­nung präsentirt, und wir dann in die Tasche greifen und bezahlen müssen, das ist für manchen weniger bemittelten Mann nicht selten unbequem und drückend . . .", so sucht ein konservatives Wahlflpgblatt aus der bekannten Blätterfabrik -es protestantischen Predigers Hülle Stimmung iür das System der indirekten Steuern zu machen. Mun freilich, es hat ja leider so recht! Für den wenig bemittelten Mann ist das Steuerzahlen uicht nur nicht selten unbequem und drückend, sondern immer. Und dapum ist der wahre Volks- sreund bestrebt, die Belastung des Volkes mit Steuern so niedrig wie nur irgend möglich zu halten. Das Staatswesen mit den noth- wendigen Geldmitteln versorgen und den kleinen Mann so wenig wie mög­lich belasten, das muß der oberste Grundsatz einer gesunden und volksthümlichen Steuerpolitik sein. Und nach diesem Grundsätze pflegt das Centrum zu handeln, wie es erst neuerdings wieder bei der Flottenvorlage bewiesen hat. Nur und allein dem Centrum ist es zu verdanken, daß die verbündeten Regierungen sich verpflichtet haben dazu, etwa entstehende besondere Geld­bedürfnisse infolge der Annahme der Flottenvor­lage so zu decken, daß die Leute mit kleineren Einnahmen nicht davon getroffen werden.

Das ist gesunde, klare und offene Steuer­politik. Jedermann soll genau wissen, was er dem Staatswesen und der Ge­meindeverwaltung an Steuern zu opfern hat. Er soll es wissen und soll sich danach einrichten. Aber gerade das G e g e n t h e i l davon bewirkt das System der indirekten Be­steuerung. Ganz zu vermeiden ist diese letztere nirgends. Aber niemals darf eine gesunde und ivolksthümliche Steuerpolitik diese indirekte Be­steuerung vollkommen das Uebergewicht erreichen lassen über die direkte, denn die indirekte Be­steuerung läuft zum großen Theile auf eine Täuschung der Steuerzahler über ihre eignen Steuervflichten hinaus und belastet verhällniß- mäßig gerade den weniger bemittelten Mann viel mehr als den Reichen.

„Die paar Pfennige, die infolge der Zölle und Verbrauchsabgaben auf jedem Pfunde Tabak oder Kaffee, auf jedem Liter Branntwein oder Bier lasten, spürt man kaum . . .", so meint das vorher erwähnte konservative Wahlflugblatt und enthüllt damit in anerkennenswerther Offen­heit die Schäden und Nachtheile, die dem System der indirekten Besteuerung anhaften. Freilich, bei jedem einzelnen Pfunde Tabak oder Kaffee ist der Unterschied nicht groß, der durch die in­direkte Besteuerung entsteht, und namentlich der Wohlhabende braucht ihn nicht zu spüren. Aber wenn man nun die einzelnen „paar Pfennige" aus dem ganzen Jahr zusammenzählt, dann stellt sich die Sache ganz anders; denn wenn man sich dann diese Jahresziffern betrachtet, dann merkt man erst, wie die indirekte Besteuerung dem Steuerzahler heimlich eine Menge Geld aus der Tasche zieht, fast wie gestohlen. Und wofür? Dafür, daß er Petroleum in

Der KapeUerchof.

Erzählung aus dem Leben von Max Benno.

3 ------ (Nachdruck verboten.)

Ein hoch gewachsener, breitschultriger Mann, der Kapellenbauer Clemens Amberg, stand neben einem umgestürzten Grabenwagen, der ungefähr hundert Schritte von der nächsten Scheune ent­fernt lag. Sein Antlitz war von einer unge­wöhnlichen Röthe bedeckt. Die Augen blitzten zomig unter den buschigen Brauen hervor, und die Hände waren, als ob sie einen Gegenstand zermalmen wollten, krampfhaft zusammengeballt. Obgleich Amberg bereits den größten Theil seiner Lebenszeit hinter sich hatte, sah man sein kurz geschorenes Haar noch mit keinem einzigen Silber­faden vermischt. Mehrere Minuten lang bewegte er sich nicht von der Stelle, dann aber umkreiste er, halb laute, halb unverständliche Verwünschungen heroorstoßend, die verunglückte Ladung und begab sich schließlich wieder in das Haus. Sobald er verschwunden war, trat das Mädchen aus ihrem Verstecke hervor und schickte sich ebenfalls an, nach dem Wohnhause zu schreilen, wurde jedoch im gleichen Augenblicke durch das Erscheinen einer neuen Figur in ihrem Vorsatze wankend gemacht. .. ®*n jungetURann im schmucken Jägergewande, die Büchse nachlässig über die Schulter geworfen, kam durch das äußere Einfahrtsthor und schritt langsam über den Hof. Als er die aufgehäusten Spuren des geschehenen Unglückes gewahrte, spreite ein häßliches Lächeln um seinen Mund

Auf dem Antlitz des Mädchens trat beim Anblicke des Waidmannes der Ausdruck ängst­

seiner Lampe brennt, dafür, daß er sich seine Suppe salzt oder Zucker in seinen Kaffee thut, also für die Befriedigung von Lebens­bedürfnissen, die zum Theil ganz unent­behrlich nothwendig sind und die außerdem im Haushalt des kleinen Mannes einen ungleich größeren Theil der Gesammtausgaben ausmachen als beim Reichen.

Mit einigen wenigen Ziffern läßt es sich klar machen, wie sehr in der n’ueren Zeit die Belastung des Steuerzahlers in Deutschland durch die indirekte Besteuerung gestiegen ist. Im Durch­schnitte auf den Kopf der Bevölkerung berechnet betrugen die Zölle und Verbrauchssteuern von 20 Jahren jährlich knapp 7 Mark, heute aber etwas mehr als 16 Mark. Mit jedem verbrauchten Liter Petroleum zahlt man 6 Pfennige Steuern, mit jedem Pfunde Kaffee 20, mit jedem Pfunde Zucker 10 und mit jedem Salz 6 Pfennige. Das sind hohe indirekte Abgaben, und eine gesunde und volksfreundliche Steuer­politik muß sich auf den Standpunkt stellen, daß jede weitere Erhöhung der in­direkten Steuern, jede weitere Be­lastung des Volkes auf diese Weise un­bedingt zu vermeiden ist.

Das Cent rum steht auf diesem Standpunkte. Im Reichstage hat es diesen Standpunkt ganz klar und entschieden zum Ausdrucke gebracht, und ebenso entschieden wird es auch in der Zukunft bei diesem volksfreundlichen Grundsätze verharren. Daß das Centcum in diesem Punkte nicht mit sich spassen läßt, das hat die Berathung der Flottenvorlage im Reichstag gezeigt: die Flotten­vorlage würde durch das Centrum zu Falle gebracht worden fein, wenn die verbündeten Regie­rungen nicht die Verpflichtung eingegangen wären, von der Deckung der Kosten der Flottenvorlage auf dem Wege der indirekten Be­steuerung abzusehen, und überhaupt die Zusiche­rung gegeben hätten, daß die Leute mit kleineren Einkommen von etwa nothwendiger Belastung durch die Ausführung der Flottenvermehrung verschont bleiben sollen.

Die Konservativen und Freikonservativen sind anderer Ansicht. Sie bekennen dieselbe auch ganz offen, wie das vorher erwähnte Hülle'sche Wahl­flugblatt beweist; und das ist gut. Denn auf diese Weise erfährt jeder von neuem, woran er ist. Dies aber ist ein weiterer grundsätzlicher Unterschied zwischen den Konservativen und dem Centrum, und in vielen Fällen ein weiterer Grund für das Centrum, bei der Wahl zum Reichstage einem Freisinnigen den Vorzug zu geben vor einem Konservativen.

Sterben und Steuern zahlen muß jeder Mensch, Aber daß die Vertheilung der Steuern gut und gerecht vor sich geht, das muß für jeden aufrichtigen Volksfreund ein un­verrückbarer Grundsatz sein. Und so ruft es das Centrum klar und entschieden als seine Steuerparole aus: „Schutz für den Mann mit kleinem Einkommen! Bis hierher mit der indirekten Besteuerung und keinen Schritt weiter!"

licher Sorge noch schärfer hervor. „Hugo," rief sie warnend, doch nicht laut genug, daß es jener vernahm. Achtlos lehnte er das von der Schulter genommene Gewehr an die Wagendeichsel und ging auf den anstoßenden Garten zu, wo schein­bar irgend etwas sein Interesse wachrief. Er hatte jedoch den grün angestrichenen Lattenzaun noch nicht erreicht, als hinter ihm eine von Wuth durchzitterte Stimme erscholl: „Tagedieb, elender Tropf, Du läufst im Walde umher, und hier geht Alles zu Grunde. Dem muß ein Ende ge­macht werden!"

Hugo hatte sich umgedreht und blickte nun tu die zornfunkelnden Augen des Vaters. Das Blut war ihm bei den Schmähworten aus dem Gesichte gewichen; doch sagte er nichts.

Diese Ruhe empörte den Vater noch mehr. Er ergriff die Flinte und schlug sie an der Wagendeichsel in hundert Stücke, so daß ihm nur noch der Doppellauf in der Hand blieb. Schweigend schaute Hugo ihm zu, und als der Vater, von der Anstrengung schwer aufathmend, mne hielt, zuckte abermals ein Lächeln um seinen Mund. Amberg sah es, und feine Augen sprühten in maßlosem (Stimme. Mit hoch erhobenem Rohre sprang er auf den Sohn los, der trotz der drohenden Gefahr keinen Schritt zurückwich.

In dem Augenblick durchgellten fast zur gleichen Zeit, aber von verschiedenen Seiten zwei Angst- rufe die Luft. Der eine kam aus dem Munde des Mädchens, das in wachsender Aufregung die peinliche Szene beobachtet hatte und nun auf die beiden zueille — der andere aber aus dem Ge­müsegarten, wo eine mit dem Aufrichten der vom Hagel zu Boden geschlagenen Blumen beschäftigte

Deutsches Deich.

Berlin, 4. Juni.

* Der Kaiser besuchte heute Vormittag um 11 Vs Uhr in Swinemünd e die beiden jenseits des Stromes liegenden Lustyachten „Iduna" und „Meteor" und ging 21 /» Uhr an Bord der „Iduna" und in Begleitung des „Meteor" in See. Am Montag wird der Kaiser, wie aus Stettin gemeldet wird, ein Divisionsboot zur Fahrt nach Swinemünde nach Stettin benutzen. Auf der Fahrt wird er zunächst an der Werst des „Vulkan" anlegen, um den seiner Vollendung entgegengehenden Kreuzer „Hertha" sowie den Kreuzer „Hansa" zu besichtigen. Beide Schiffe bilden einen ganz neuen Typ in der Kriegsmarine und sind zum Theil nach den eigensten Angaben des Kaisers erbaut worden. Nach der Besichtigung der Kreuzer fährt der Kaiser nach der Stadt, wo die Landung am Dampfschiffsbollwerk etwa um ll3/t Uhr Vormittags erfolgt. — Wie aus Hof­kreisen verlautet, wird der Kaiser erst Anfangs August, wenn er von der Nordlandsreise zurückgekehrt ist, längeren Aufenthalt auf S ch l o ß Wilhelmshöhe bei Kassel nehmen. Die Kaiserin dagegen wird unmittelbar nach ihrer Rückkehr aus Kiel nach Kassel abreisen, wo sie den Sommer über zubringen wird. Der Kron­prinz und Prinz Eitel Friedrich gehen auch dieses Jahr wieder wie vor zwei Jahren nach Kreuznach.

st Ehedem war Kreutzen tm IürtkerrtHurtt Lippe diplomatisch immer vertreten durch den preußischen Gesandten in Oldenburg, der ebenso wie in Braunschweig und Bückeburg auch in Detmold beglaubigt war. Seit der Einsetzung der gegenwärtigen lippe'schen Regierung hat diese preußische Vertretung in Detmold aufgeh ört. Man hat diesen Umstand als ein Kennzeichen dafür anzusehen, daß seit dem Schiedssprüche zu Gunsten der Linie Lippe-Biesterfeld die Beziehungen zwischen Berlin und Detmold überhaupt nicht gut sind.

X.Jn Potsdam steht das LeHr-Iufanterie- KalaiHon. Das ist ein Bataillon, zusammen­gestellt aus auserlesenen Leuten aller möglichen Regimenter, die nun während ihrer Dienstzeit im Lehrbataillon allerhand schöne Sachen lernen sollen, z. B. besonders brillant exerzieren, Marsch­lieder singen und anderes mehr. Diese Leute sollen dann, wenn sie zu ihrer Truppe zurück­gekehrt sind, den anderen mit gutem Beispiel vorangehen und namentlich auch gute Unter­offiziere werden und dergleichen mehr. Dieses Lehrbataillon begeht alljährlich am Pfingstmontag fein Stiftungsfest, das sogenannte „Schrippen­fest", also am genannten Tage auch in diesem Jahre. Der Kaiser pflegt sich persönlich an dem Feste zu betheiligen und beschenkt dabei die Mannschaften mit allerhand netten Dingen. Stellt doch das Lehr-Bataillon jahraus, jahrein die Wachen für das Neue Palais, das ja der kaiser­lichen Familie den größten Theil des Jahres hindurch als Residenz dient. Dieses „Schrippen­fest" wird durch einen Gottesdienst eingeleitet. Das ist an und für sich eine vortreffliche Ein­richtung. Aber dieser Gottesdienst wird nur nach evangelischem Ritus, als eine sogenannte liturgische Frau bei den Scheltworten Ambergs aus ihrer gebückten Stellung plötzlich in die Höhe geschnellt war. Mit erhobenen Armen stürzte sich letztere zwischen Vater und Sohn. Das Rohr fiel nieder, traf, an Hugos vorgehaltenem Arm abprallend, den Kopf der Frau, und diese brach seufzend zusammen.

Hugo sagte noch immer nichts. Ohne dem Vater einen Blick zu gönnen, nahm er die Be­wußtlose auf feine Arme und trug sie, von dem wehklagenden Mädchen gefolgt, in das Haus. Das Unheil war glücklicherweise nicht so groß, als es hätte werden können; der Arm Hugos hatte die Wucht des Schlages gehemmt. Nach wenigen Minuten kam die Ohnmächtige wieder zu sich.

„Wie fühlst Du Dich, Mutter?" forschte das Mädchen und schmiegte sich mit herzlicher Be- sorgniß an sie.

Die Gefragte erhob sich von dem Sopha, auf das der Sohn sie gelegt hatte, und drückte die Tochter innig an^sich.___

„Es ist schon vorüber," sagte sie mit mattem Lächeln. „Gottlob, ich fühle keinen Schmerz mehr, und das bischen Summen im Kopf ver­geht wohl auch bald. Doch, Emma, wie siehst Du aus," fuhr sie auf, als sie den in Unordnung gerathenen Anzug der Tochter gewahrte. „Du bist ja völlig durchnäßt! Geh in Deine Kammer und kleide Dich um, sonst trägst Du am Ende eine Erkältung davon! — Geh' nur, Kind," drängte sie, als das Mädchen zögerte, „ich habe ohnehin mit Hugo zu sprechen; nachher kommst Du zu mir."

Andacht abgehalten, und an diesem protestantische" Gottesdienste müssen auch die katholischen Soldaten des Lehr-Bataillons theilnehmen, und das ist ohne Zweifel ganz und gar keine vortreffliche Einrichtung. Es war die Pflicht der katholischen Presse, dies zu tadeln; und diese Pflicht ist er­füllt worden. In ganz sachlichem Tone ist darauf aufmerksam gemacht worden, daß dem Katholiken durch ein Gebot seiner Kirche die Theilnahme an dem Gottesdienste anderer Bekenntnisse unter­sagt ist, daß also der katholische Soldat des Lehr-Bataillons durch das dienstliche Gebot der Theilnahme an dem protestantischen Gottesdienste gezwungen wird, gegen sein katholisches Ge­wissen und gegen ein ausdrückliches Gebot feiner Kirche zu handeln. Das festzustellen war un­bedingt die Pflicht der katholischen Preffe. Aber gewisse Leute können es nun einmal nicht ver­tragen, wenn die Katholiken in Preußen für ihre Kirche dasselbe Recht in Anspruch nehmen, wie die Protestanten für ihre Konfession oder vielmehr Konfessionen, nämlich das Recht, frei die Gebote ihrer Kirche ausüben zu dürfen; und da bekommen wir nun zu hören, daß „dieses Eindringen des Ultramontanismus in die Armee nicht energisch genug zurückgewiesen werden" könne. Man solle doch den katho.- lischen Armeebischof zu der Feier einladen, dann würde wohl „die ultramontane Preß- Hetzerei ein Ende nehmen". Der katholische Armeebischof würde eine solche Einladung höflichst ablehnen, denn er darf ja natürlich auch nicht an dem protestantischen Gottesdienste theilnehmen, und so würde also auch dieses Mittel nichts helfen gegen die „ultramontane Preßhetzerei". Haben denn die Leute, die derartig sich gegen die heiligsten Gefühle ihrer katholischen Mitbürger vergehen, gar kein Verständniß dafür, daß sie damit nichts Geringeres, als einen derben Frevel gegen die Gewissensfreiheit verüben? Und das am Ende des neunzehnten Jahrhunderts!

* Am bevorstehenden 13. Juni soll die Merkirrer Schntzmanvschafl eine Feier be­gehen zum Gedächtnisse dafür, daß sie vor 50 Jahren, nämlich am 23. Juni 1848, gegründet worden ist. Der Kaiser wird am 23. Juni nicht in Berlin sein. Er legt aber besondern Werth darauf, persönlich an der Gedächtnißfeier theil- zunehmen, und deswegen soll diese bereits am 13. Juni stattfinden. Im Hofe des .königlichen Schlosses soll die gesummte dienstfreie Schutz­mannschaft zum Appell antreten, und vorher soll eine gottesdienstliche Feier stattfinden. Die Ber­liner Polizei hat nun bekanntlich häufig genug die Kritik herausgefordert. Aber für die Üebel- stände können die einzelnen Schutzleute nicht ver­antwortlich gemacht werden; und daß der Dienst eines Berliner Schutzmannes kein leichter, fein Sold aber im allgemeinen nichts weniger als reichlich ist, das weiß man ja allgemein. Irgend eine angenehme Ueberraschung wäre den Leuten bei dieser Gelegenheit wohl zu gönnen. Aber erstaunlicherweise schämt man sich nicht, durch em halbamtliches Organ, das unmittelbar vom preußi­schen Finanzministerium beeinflußt wird, öffent­lich für die Berliner Schutzmannschaft denBettelsuck vorzuzeigen. „Die geschäftlichen

Die Thür ging auf, und Amberg erschien. Nun eilte das Mädchen davon.

Das Mienenspiel des Bauern Amberg be­kundete, daß er seine Hitze bereut. Wäre seine Frau allein gewesen, so hätte er sich wahrschein­lich auch entschuldigt; die Anwesenheit des Sohnes aber schloß ihm den Mund. Er durchmaß mehr­mals schweigend den Raum und ging dann wieder fort.

Die Mutter zog nach Entfernung des Vaters den Sohn neben sich auf das Sopha. Sie schaute ihm mit bekümmerten Blicke einige Sekunden lang ins Antlitz und nahm dann das Wort:

„Ich habe es längst geahnt, Hugo, daß es noch einmal so kommen werde, denn der Vater ist furchtbar böse auf Dich. Wie mochtest Du nur heute von der Arbeit roeglaufen, wo man alle Hände so nothwendig brauchte! Ueberhaupt mußt Du ganz anders werden. Denn so, wie bisher, geht es nimmermehr fort. Wie Du ge­sehen hast, ist die Geduld des Vaters zu Ende. Ich nehme es ihm auch nicht übel. Georg und wir alle müssen arbeiten vom Morgen bis in die späte Nacht, und Du gehst spazieren. Das allein hätte den Vater nicht einmal so erbittert. Aber die Leute fangen an, von Dir zu reden, und zwar sehr wenig, das Dir zur Ehre gereicht. Schon mehr als einmal hat der Vater ein spöttisches Wort hören müssen. Das bringt ihn in Wuth. Er that so vieles für Dich, und zum Dank dafür wird ihm durch Dein Leichtsinn das Leben vergällt. Siehst Du denn Dein Unrecht nicht ein? Denkst Du nicht an das vierte Gebot?"

„Du sagst immer," fuhr sie fort, da Hugo