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verantwortlich: Sür die Redaktion Jof. Seern, für Inierat« J. Varzeller in Lnlda.
mit Anterhaltungs-Meikage „Muflrirle Sonntags-Zeitung" pelersgaise Ur. 2 (Harmonie).
M 125.
Julöa, Samstag, den 4. Juni 1898
25. Jahrgang.
c? Centrum und Freisinn.
Die ^Freisinnige Zeitung" beklagt sich darüber, daß das Centrum in so vielen Wahlkreisen eigene Wahlbewerber aufstellt und dadurch die Wahl von Leuten begünstige, die im Reichstage die Stimmenzahl der Kartellparteien verstärke» würden. Das führende Blatt der konservativen Partei, die »Kreuz-Zeitung", beschwert sich darüber, daß in manchen Wahlkreisen die Centrumswähler beschlossen haben, gleich im ersten Wahlgange für den freisinnigen Kandidaten zu stimmen, um einen Sieg des weiter rechts stehenden Wahlbewerbers zu verhindern.
Aus diesen beiden Thatsachen ergibt sich, daß das Centrum im allgemeinen seine Wahltakti ! weder zu Gunsten der einen noch der anderen Seite allein einrichtet, sondern diese seine Wahlpolitik den Verhältnissen und Personen anpaßt, je nachdem diese in den einzelnen Wahlkreisen hervortreten. Und vollkommen verkehrt ist es natürlich, eine grundsätzliche Freundschaft der Centrumswähler für freisinnige Kandidaten aus dem Umstande herleiten zu wollen, daß das Centrum in einigen Wahlkreisen gleidi im ersten Wahlgange für den Freisinnigen stimmen will. Nicht um Freundschaft handelt es sich dabei, sondern um eine Abwehr, die dem Centrum durch die Umstände und durch die Haltung der Konservativen selbst aufgezwungen ist. Ohne Zweife' wird es den Centrumswählern in manchen Fällen sehr schwer werden, für den Freisinnigen ihre Stimmen abzugeben. Aber warum haben sich die Konservativen in den Verdacht gebracht, daß ste dem Reichstags-Wahlrecht«feindlich gesinnt sind? Warum haben denn mehrere der konservativen Kandidaten auch jetzt wieder auf bestimmte Anfragen wegen des Wahlrechtes die Antwort gegeben, daß sie sich auf fünf Jahre hinaus n i ch t binden lassen wollen? Und wenn es sich um eigentlich katholische Interessen handelt, if unter Umständen der freisinnige Wahlbewerber der weniger ausgesprochene Gegnerfür das Centrum als der Konservative — ganz abgesehen von den Fällen, wo die Konservativen mitdenNational- liberalen gemeinsame Sache gemacht haben.
Die ganze Haltung des Centrums ist so klar, daß man sich wundern muß über die Beschwerden, die sowohl die freisinnigen als auch die konservativen Blätter gegen die Wahltaktik des Cen- tmms erheben. Nehmen wir einen praktischen Fall. Im Wahlkreise Hanau-Gelnhausen-Orb stehen die Dmge so, daß ein konservativer, ein freisinniger und ein sozialdemokratischer Kandidat aufgestellt sind, und daß es zum Theil von den Centrumsstimmen abhängt, ob der Konservative oder der Freisinnige mit dem Sozialdemokraten in die Stichwahl kommt. Der konservative Kandidat, der zugleich auch der Kandidat der Nationalliberalen ist, wird wohl schwerlich geneigt sein, für die Aufhebung des Ausnahmegesetzes gegen die Jesuiten einzutreten.
Der KapeUenhof.
Erzählung aus dem Leben von Max Benno.
2 ------ (Nachdruck verboten.)
Rudolf, Hugo und Philipp lehnten an dem gegenüberstehenden Hause und schauten mit Befriedigung dem Zerftörungswerke zu.
Die Steinbrecher hatten das Weite gesucht, und auch die jungen Leute standen im Begriffe, sich schnell zu entfernen, da rannte von der Straße her eine schwarze Gestalt auf sie zu, in welcher der noch am meisten nüchterne Baron sofort den Nachtwächter erkannte. Er warnte die Freunde und ergriff eiligst die Flucht. Philipp folgte ihm, und auch Hugo versuchte zu fliehen. Er strauchelte jedoch, fiel und sah sich von dem Nachtwächter gefaßt.
Nur mit Mühe vermochte er wieder auf die Beine zu kommen.
Er wurde von dem Manne des Gesetzes, der den Skandal beobachtet hatte, = sofort erkannt.
die Frage desselben gestand er zu, daß er Zeuge des Unfugs gewesen sei. Er weigerte sich jedoch, irgend eine Auskunft zu geben.
Mit dem Bemerken, daß das Weitere nachfolgen werde, ließ der Nachtwächter ihn ziehen.
Hugo entfernte sich auf der Straße nach seiner Wohnung. Die Fähigkeit des Denkens kehrte allmählich zurück und bewirkte, daß ihm die Sache mehr und mehr in einem fatalen Lichte erschien. Er beschloß, mit den Freunden über die allenfalls nöthigen Schritte sofort noch Rücksprache zu nehmen, fand ihre Zimmerthüren jedoch verschloffon, und auch auf sein Pochen
und außerdem ist er nicht zuverlässig in Sachen des Reichstags-Wahlrechtes; man kann daher unmöglich von den Centrumswählern erwarten, daß sie für einen solchen konservativen Kandidaten besondere Freundschaft empfinden. Ohne weiteres mußte sich da die Erwägung aufdrängen, ob es nicht bester sei, dem Freisinnigen zur Stichwahl mit dem Sozialdemokraten zu verhelfen. Da nun ferner der Kandidat der Freisinnigen ein Gegner des Ausnahmegesetzes gegen die Jesuiten ist, konnte die Entscheidung der Centrumswähler nicht mehr zweifelhaft fein, und auch die Konservativen selbst müssen, wenn sie politisch reife und klar denkende Männer sein wollen, die Richtigkeit der Haltung der Centrumswähler anerkennen.
Andererseits kann man sich aber auch Fälle denken, daß die Person des freisinnigen Kandidaten und seine Stellung zu besonderen Fragen dem Centrum es unmöglich macht, für ihn einzutreten. Solche Fälle gibt es diesmal mehrfach. Namentlich auch die Stellung einzelner Freisinnigen zu speziell katholischen Fragen macht es dem Centrum unmöglich, für sie einzutreten. Und in solchen Fällen liegen die Gründe für die Haltung des Centrums ebenso wie bei dem obigen Beispiele nicht beim Centrum selbst, sondern bei jenen, welche die Stimmen der Centrumswähler gern auf sich vereinen möchten. Es kommt also ganz und gar auf die politische Vergangenheit und die gegenwärtige politische Stellung eines Wahlbewerbers für die Entscheidung der Frage an, ob er die Stimmen des Centrums bekommen kann oder nicht. Und dafür ist der Wahlbewerber selbst verantwortlich, nicht die Centrumspartei.
Aus dem Umstande, daß das Centrum in einigen Wahlkreisen für freisinnige Kandidaten eintritt, sucht man nun auf konservativer Seite den Vorwurf für das Centrum zu schmieden, daß dieses „den Geist des Liberalismus und des Unglaubens zu kräftigen suche". Das kann nur ein Wort berliebereitung sein, denn das glauben alle Konservativen zusammen genommen selbst nicht. Und warum machen denn die Konservativen gemeinsame Wahlgeschäfte mit den Nationalliberalen, wenn es nach ihrer Ansicht verboten sein soll, zur Förderung und Unterstützung eigener Pläne und Ziele sich anderer Hilfe zu bedienen, wenn diese in geeigneter Weise bargeboten wirb?
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Deutsches Deich.
Berlin, 3. Juni.
x Zur geplanten Dieise des Kaisers «ach Palästina wirb weiter berichtet, daß die Einweihung der protestantischen Erlöserkieche in Jerusalem am 18. Oktober stattfinden soll, am Geburtstage des Kaisers Friedrich. Sämmtliche protestantische Fürsten und Kirchen im Deutschen Reiche und außerhalb desselben sollen einer Blättermeldung zufolge, dazu eingeladen werden, und alsdann sollen alle Theilnehmer an der Feierlichkeit die Reise von der italienischen Küste nach Palästina gemeinsam machen. Daß die Landung des kaiserlichen Paares nicht in Jaffa, sondern in der Acca-Bucht bei Haifa erfolgen
wurde nicht aufgemacht. Aergerlich warf er sich auf fein Lager und schlief.
Die freundlichen Sonnenstrahlen drangen am folgenden Morgen schon durch die Gardinen in das Zimmer Hugos, als dieser sich mit bleichem Antlitze, matten Augen und schwerem Kopfe von seinem Lager erhob.
Sein Blick fiel auf den Brief des Vaters, der offen auf dem Schreibtische lag. Unangenehme Gedanken kreuzten sich in seinem Hirn. Er verwünschte den Einfall Rudolfs, der ihn in eine so peinliche Sage versetzt hatte. Denn daß der nächtliche Skandal vorläufig auf fein Kerbholz geschrieben würde, bezweifelte er nach der ver- hängnißvollen Begegnung mit dem Nachtwächter nicht.
Hugo hatte sich noch nicht ganz angekleidet, als Philipp Golm mit verstörtem Antlitz bei ihm erschien. Er kam von seinem Onkel, dem An- taltsdirektor. Professor Schoder hatte die Sache chon zur Anzeige gebracht und Hugo als den Thäter genannt.
Philipp befand sich in der größten Angst, renn feine ganze Zukunft hing von der Güte des Onkels ab. Dieser aber hatte, über den Vorfall im höchsten Grade entrüstet, die Absicht ausge- prochen, daß er, um ein Exempel zu statuiren, das Einschreiten der Staatsanwaltschaft veran- assen werde. Wenn man auch in ihm einen Theilnehmer entdeckte, mußte er unglücklich werden.
Deshalb bat er Hugo fast unter Thränen, ihn nicht zu nennen. Philipp erzählte weiter, er habe schon mit Rudolf gesprochen, der in einer dringenden Angelegenheit nach der Residenz gereift ei. Auch der Baron laste Hugo bitten, bis auf
soll, ist an dieser Stelle schon vor einiger Zeit berichtet worden.
X Nach der Meldung eines Pariser Blattes sollte sich an der deutsch-französischen Grenze ein unangenehmer Zwischenfall ereignet haben. Danach sollten 22 deutsche Soldaten in der Nähe von Mars la Tour über die Grenze marschirt sein trotz des Widerspruches eines französischen Zollwächters. Einem deutschen Soldaten sollte bei dieser Gelegenheit zum Zeug- niß des Vorgefallenen die Mütze weggenommen worden fein u. f. w. — Von Anfang klang die Meldung durchaus unwahrscheinlich. Jetzt wird von halbamtlicher Stelle versichert, daß in Berliner maßgebenden Kreisen von einem solchen Vorfälle nichts bekannt ist.
x Der Bureaudirektor des Abgeordnetenhauses, Geheimer Regierungsrath Kleinschmidt, ist heute früh gestorben. Er war am 28. Febr. 1833 in Schwante bei Flatow in Westpreußen geboren. Bureaudirektor des Abgeordnetenhauses war et seit dem 16. April 1872. Sein ungemeiner Fleiß, seine außerordentliche Geschäftsgewandtheit und seine unermüdliche Freundlichkeit und Liebenswürdigkeit hatten ihm die Hochachtung und Liebe aller Abgeordneten wie der Vertreter der Preffe in seltenem Maße erworben. Das zeigte sich besonders deutlich, als er vor einem Jahre fein 25jähriges Jubiläum feierte. Sein Verdienst an der Förderung der parlamentarischen Arbeiten ist nicht gering; das werden ihm alle Abgeordneten bezeugen. Wünschte Jemand ein Aktenstück aus alter Zeit ober Auskunft über irgenb eine Frage, die vor so unb so viel Sessionen einmal behandelt worden war, oder das zesammte Material über irgend eine Sache, Geheimrath Kleinschmidt besorgte ihm alles auf das schnellste und exakteste. Ebenso war er für jeden Wunsch der Presse zugänglich. Eine ungemeine Arbeitslast hat ihm der Bau des neuen Hauses bereitet. Er wollte alles möglichst praktisch und bequem eingerichtet sehen, und achtete daher auf die geringste Kleinigkeit schon bei Aufstellung der Baupläne. Leider sollte es ihm nicht mehr vergönnt sein, in das neue Haus einzuziehen. Schon im vorigen Herbst befiel ihn die Krankheit, der er nun erlegen ist und dir ihn schon die letzte Session von dem lieb gewordenen Berufe fern hielt. Alle, die als Abgeordnete und Journalisten jemals mit ihm in Berührung gekommen sind, werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren.
* Hsvaörnck, 3. Juni. Der Bischof von Osnabrück hat an den Georgmarien-Bergwerks- und Hüttenverein ein Schreiben gerichtet, in dem er nunmehr den am 27. November v. I. ertheilten Dispens zur Aufnahme der Arbeiten am Pies- berge mit dem Bemerken zurückzieht, daß er diese Maßregel ergreife, weil die betreffenden Pfarrgeistlichen ihr früher abgegebenes Gutachten nunmehr als unrichtig bezeichnet und zurückge- genommen hätten.
Z«r Mchstagswahl.
—* Der heutigen Nummer unserer Zeitung liegt das Flugblatt des Volksvereins für das katholische Deutschland bei, betitelt: weiteres die Sache auf sich zu nehmen, um die Freunde zu schonen. Den Verdacht könne er ja ohnehin nicht mehr von sich abwälzen. Auf diese Weise seien sie am ehesten imstande, ihren Einfluß für ihn geltend zu machen. Philipp versprach, alles aufzubieten, um den Onkel milde zu stimmen und riech Hugo zu sofortiger Flucht.
Dieser fand die Angst des Gefährten erklärlich. Rudolf trug ja die Hauptschuld an der Sache, und Philipp war ein armer Junge, Her ganz von der Gnade des Onkels abhing. "Gleichwohl wurde Hugo durch das unverkennbare Bemühen, ihn für die Folge des muthwilligen Streiches allein verantwortlich zu machen, peinlich berührt und namentlich dadurch im höchsten Grade verletzt, daß Rudolf es nicht der Mühe werth gehalten hatte, sich mit der Bitte persönlich an ihn zu wenden. Bei näherer Betrachtung der Sachlage mußte er übrigens den Vorschlag Philipps als gut anerkennen. Er versprach, dessen Wunsch zu erfüllen unter der Voraussetzung, daß nichts unversucht bleibe, um feinen Rückzug zu decken.
Noch an demselben Tage reifte er ab.
J* *
Ein fünfter Abendwmd spielte kosend in dem üppigen Laub des prächtigen Buchenhains, der den steilen Abhang eines Gebirgsausläufers bedeckt. Das geheimnißvolle Rauschen mischt sich mit dem eintönigen Plätschern der Wellen eines Flüßchens, über dessen silbernen Spiegel der letzte Strahlenguß der scheidenden Sonne sich im purpurnen Glanze ergoß. Auf den Aesten und Zweigen hüpften unzählige Vögel, und aus den Büschen unten im Thale tönte einer Nachtigall
Da» Centrum und die indirekten Steuern Auf dieses Flugblatt, welches vor etwa zwe^ Jahren vom Abgeordneten Richard Müller verfaßt wurde, machen wir unter Hinweis auf die bevorstehenden Reichstagswahlen ganz besonders aufmerksam. Es empfiehlt sich, diese Flugblätter des Volksvereins, deren wir in diesen Tagen mehrere unserer Zeitung beilegen werden, aufzuheben, da der belehrende und intereffante Inhalt derselben, insbesondere mit Rücksicht auf die Agitation der Sozialdemokraten, einen bleibenden Werth hat.
6 Künfeld, 3. Juni. Der Wahlausschuß der Centrumspartei des Wahlkreises Hünfeld- Hersfeld-Rotenburg hat beschlossen, für die bevorstehende Reichstagswahl einen eigenen Kandidaten in der Person des Herrn Dr. Lieber- Carnberg aufzustellen. Den vorn Wahlausschüsse erlassenen Wahlausruf finden unsere Leser an anderer Stelle dieses Blattes.
X Bisher herrschte die Annahme vor, daß die Stichwahlen im ganzen deutschen Reiche an einem und demselben Tage stattfinden würden, nämlich am 24. Juni. Diese Annahme scheint sich nicht zu bewahrheiten. Wenigstens wird gleichzeitig in bestimmter Form gemeldet, daß die Stichwahlen in Baden am 24., in Mecklenburg dagegen am 25. Juni vorgenommen werden sollen. Daraus scheint hervorzugehen, daß die verbündeten Regierungen sich nicht auf einen bestimmten Tag für die Stichwahlen geeinigt haben.
x Dem Einsiedler im Sachsenwalde gefallen die Vorbereitungen zu den Reichstagswahlen nicht. Es geht ihm zu ruhig dabei zu, und so läßt er der Reichsregierung durch sein Hamburger Organ seine Meinung dahin sagen, daß „nur Stagnation und unklare Verhältnisse" auf diese Art geschaffen würden. Nach seiner, des Fürsten Bismarck Aussicht hätte sich die Regierung „offen an die Spitze der Politik der Sammlung und der Bekämpfung der Sozialdemokratie stellen müssen" und „mit voller Energie und mit ihrer ganzen Autorität für die Erreichung der angestrebten Ziele eintreten .... ohne Kampf kein Sieg."' Außerordentlich lebhaft wird man durch diese Ausführungen an vergangene, glücklicherweise vergangene Zeiten und Wahlkämpfe erinnert, an die Wahlkämpfe, in denen eine wilde offiziöse Pressemeute alles das als Reichsfeind und Vaterlandsverräther brandmarkte, was nicht auf die bismarckischen Kommandoworte „einschwenkte wie die Unteroffiziere", an die Zeiten, in denen Beamte der preußischen Regierung aus Rücksicht auf ihre Lausbahn und auf die Erhaltung ihrer Existenz sich zeitweise fürchteten, mit einem Manne der politischen Opposition gemeinsam an einem öffentlichen Orte sich zu zeigen. Gott sei Dank! — so müssen wir allen Ernstes ausrufen, daß diese Zeiten wüster Parteiverhehung vorüber sind. Gott sei Dank, daß dieses Regierungssystem beseitigt ist, das je länger desto verderblicher einzelne Theile des deutschen Volkes unter einander in gegenseitige gehässige Feind-
wundersames Lied. Ein zierliches Reh naschte von dem saftigen Laube eines Hollunderstrauches. Da hob es plötzlich den Kopf, schaute ein paar Sekunden lang nach dem Flusse hinab und sprang dann mit gewaltigen Sätzen davon. Die Flucht des Thierchens wäre nicht nöthig gewesen.
Auf dem schmalen Fußpfade schritt ein junges Mädchen die Anhöhe hinauf. Mit Leichtigkeit Überwand sie den befchwerlichen Weg, wenn auch die Anstrengung auf dem jugendlich frischen Gesichte ein höheres Roth hervorrief. Das Mädchen hatte wohl kaum mehr als achtzehn Sommer gesehen, und doch lag auf dem lieblichen Antlitz ein fast feierlicher Ernst, der zu dem jugendlichen Alter nicht recht paffen wollte. Ein weißer Strohhut bedeckte das dunkle, in einfachen Zöpfen um das Haupt geschlungene Haar und beschattete die offene Stirn, unter der man ein paar kastanienbraune Augen mit dem unbeschreiblichen Liebreiz hervorleuchten sah, der ein unbeflecktes Herz und eine reine Seele verräth. In der einen Hand trug sie ein Körbchen, in der anderen einen Blumenstrauß, den sie unten in den Wiesen gepflückt hatte.
Nach einer kurzen Wanderung war das Ende des Waldes erreicht. Dieser grenzt an eine Hochebene, die theils von Haideland, theils aber auch von fruchtbarem Ackerlande bedeckt wird. Einige hundert Schritte von dem Waldessäume entfernt befindet sich ein idyllischer Platz. Vier mächtige Lindenbäume beschatten auf einer kegelförmigen Erhöhung eine kleine Kapelle, aus deren rundem Thürmchen ein vergoldetes Kreuz in die Luft emporragt. Am Fuße der Anhöhe springt zwischen niedrigem Strauchwerk aus dem rauhen