Erscheint täglich, m. Ausnahme der Sonn- und Feiertage. Bierteljährl.
Kriugrprei» ohne Bringerlohn und Bestellgeld in Fulda und auswärts IM. 5V Pf.
KuldaerW-Zeitung
Inserate: Die ei» spalt. Garmond- zeile oder deren Raum 15 Pf., Re- Namen die Petitzeile 25 Pf.; bei Wiederholungen wird entsprechend. Rabatt gewährt.
für Inserate Parzelle» in Lnlda. mit Ilnlerhattungs-Weilage „Illuflrirte Sonntags-Zeitung'.' pelersgaise llr. 2 lldarmonie).
124. JuLöa, Freitag, den 3. Juni 1898 25. Jahrgang.
>te
lüder (Gastwirth Weismüller); Sonntag den ! mit den Juden!", worauf es zu einem großen 12. Juni, 4 Uhr Nachm., in Fulda (Turnhalle) Tumulte kam. Allenthalben beklagt man sich nun und Nachm. 3 Uhr in Hosenfeld (Gastwirth- 1 "* !* " *■’■ " 1 .......
schäft Becker); Montag den 13. Juni in Neu -
* Makpareiso, 2. Juni. Durch die Botschaft des Präsidenten wurde gestern der chilenische Kongreß eröffnet. Der Präsident sprach die Erwartung aus, daß die Grenzfrage mit Argentinien bald gelöst werde. Schiedsrichter würden im Monat August die Grenze im Allgemeinen festlegen. Die Ausgaben des nächsten Jahres werden auf 76 Millionen Dollars, die Einnahmen auf 83 Millionen Dollars geschätzt. Unter den angekündigten Vorlagen befindet sich ein Gesetzentwurf, betreffend die Besteuerung fremder Versicherungsgesellschaften, des Tabaks und des Alkohols.
I in Paris über die Tumulte, da sie ein schlimmes Anzeichen für den in der neuen Kammer herrschenden Geist bildeten. Mehrere Journale erklären, das Stimmenverhältniß bei der Präsidentenwahl zeige, daß die Kammer zur Ohnmacht verurtheilt sei. Es verlautet, es werde, um einen ähnlichen Zwischenfall zu vermeiden, beantragt werden, den Präsidenten mittelst Auftuf zu wählen.
* Lorrdorr, 2. Juni. Amtlich wird aus Hongkong gemeldet, daß daselbst in der vergangenen Woche 63 Erkrankungen an der Pest vorgekommen sind.
* Nom, 2. Juni. In der nächsten Sitzung des Ministerraths soll gleich das Programm des neuenKabinets festgestellt werden. Das Kabinet gedenkt an die Kammer zu appelliren, daß vor Allem das Budget berathen werde. Es sei ja klar, daß eine große politische Schlacht unvermeidlich sei. Diese könne aber bei der Be- rathung der provisorischen Budgetzwölftel geliefert werden, deren Bewilligung das Kabinet werde beantragen müssen. Nach dieser Bewilligung werde die Regierung darum ersuchen, daß das Budget im Juli in täglichen Sitzungen berathen werde.
* Kßristiama, 2. Juni. In der gestrigen Plenarsitzung beschloß das Storthing eine Verfassungsänderung. Die Storthing- wahlen müffen nämlich nunmehr schon bis Ende September beendet sein, während sie sich seither bis in den November ausdehnten. Das Storthing tritt am 10. Oktober zusammen. Das Budgetjahr beginnt am 1. April. Im Heeresausschusse soll Stimmung dafür vorhanden sein, die Bewilligung von 16 Millionen Kronen als Extra- ordinarium für das Kriegsdepartement zu empfehlen.
Hof. An den Versammlungen in Hilders, Sal- Münster, Großenlüder, Fulda und Neuhof beabsichtigt unser Reichstagskandidat, Herr Karl Herold, persönlich theilzunehmen.
△ Eupen, 2. Juni. Am nächsten Sonntag, nachmittags 5 Uhr, findet Hierselbst im großen Ton- narschen Saale eine Wahlversammlung der Centrumspartei statt. Der Reichstagskandidat für Aachen (Land)-Eupen, Herr Landtagsabgeordneter Dasbach, hat sein Erscheinen zugesagt. Am Frohnleichnamsfeste wird Herr Dasbach in Würselen reden.
Der spanisch-amerikanische Krieg.
* Vom Kriegsschauplätze liegen heute folgende Einzelmeldungen vor:
* Madrid, 2. Juni. Nach einem Telegramm aus Santiago haben bei der Seeschlacht am Dienstag drei amerikanische Kriegsschiffe schwere Havarien erlitten. Zwei Schiffe sind in Brand gerathen.
* Madrid, 2. Juni. Die Nachrichten aus Santiago de Cuba, nach welchen sich die Amerikaner zurückziehen mußten, haben hier große Freude erregt. Die Begeisterung ist unbeschreiblich. Eine Militärkapelle spielte patriotische Lieder und auf der Puerta del Sol stimmte die Volksmenge ebensolche Lieder an.
Dorfes Plieningen im zweiten Stocke eines freund, lichen Hauses mitten in einem weiten Baumgarten befand.
Es war eine mittelgroße, schlanke Gestalt, deren biegsame Formen eine grüne Joppe und enge hirschlederne Reithose mit langrohrigen Stiefeln sehr vortheilhaft hervorhob. Dunkelblondes Kraushaar umwallte die Stirne, unter der ein paar stahlgraue Augen feurig hervorblitzten, und ein kräftiger Vollbart umrahmte das frische Gesicht.
Ein eigenthümliches Lächeln spielte um die Lippen des jungen Mannes, als er die väterliche Epistel gelesen hatte.
„Der Alte ist doch prompt", dachte er bei sich. „Geld habe ich nun wieder, und das ist die Hauptsache. Ein Examen will er? Heiliger Florian, wenn er wüßte, wie wenig mir daran liegt! Was er immer mit dem alten Königsberg hat ? Der Mann ist ohne Zweifel nicht halb so schlimm, wie Papa glaubt. Und vollends Rudolf! Trotz seiner bevorzugten Stellung ein herziger Junge, den man lieb haben muß. Ein lustiger Herr, meinte der Alte! — Da hat er recht. Rudolf versteht wie kein anderer zu leben. Ich kam in eine vorzügliche Schule. Ob auch mein Papa sie als eine solche anerkennen würde, bezweifle ich allerdings sehr. Und doch hat Rudolf recht, man amüsirt sich eine Zeit lang auf dieser vergänglichen Welt. Eines Tages kommt der Sensenmann und schickt uns, wie Rudolf zu sagen pflegt, in das unendliche Nichts."
Der junge Mann blieb stehen und schaute zum Fenster hinaus. Ein unverkennbarer Ernst zeigte sich allmählich auf seinem Gesichte.
und nur in der Zeit zwischen 5l/a Uhr Morgens und 8'/» Uhr Abends beschäftigt werden.
x Der Eisenbahnminister hat einen jetzt vom ,Vorwärts' veröffentlichten Erlaß an die Eisenbahndirektionen gerichtet, worin er zur Milderung der Arbeiternoth der Landwirth- schaft empfiehlt, in größerem Umfange als bisher arrslävdifche Arbeiter Bei Eise« Sahrtvarrter»! und sonst zu verwenden, auch wo es sich um vorübergehende Arbeit handele. Die Sache war bereits bekannt und entspricht Anregungen, die im Abgeordnetenhause gegeben wurden. Der Zweck, dem Arbeitermangel in der Landwirthschaft abzuhalten, ist gewiß zu billigen. Ob er erreicht wird, ist eine andere Frage. Die soziale Lage der einheimischen Arbeiter durch die Konkurrenz der anspruchloseren ausländischen Arbeiter herabzudrücken, ist jedenfalls keine besonders kluge That und stimmt sehr wenig zu dem gerade jetzt so laut verkündeten Grundsätze vom Schutze der nationalen Arbeit. Unsere Arbeiter haben eben so gut ein Recht, gegen die lohndrückende Konkurrenz der ausländischen Arbeiter geschützt zu werden, wie Industrie und Landwirthschaft gegen die Preisdrückerei durch die ausländische Konkurrenz geschützt sein wollen.
* Mönche«, 2. Juni. Die Vorstandschaft des katholischen Lehrervereins begab sich kürzlich zum Erzbischöfe v. Stein, um ihm ehrfurchtsvoll die Glückwünsche des Vereins darzubringen. Der Erzbischof dankte und gab die Versicherung, daß er von jeher dem katholischen Lehrerverein und katholischen Lehrerstande mit großer Liebe zugethan gewesen sei. Der katholische Lehrerverein habe gut gethan, die Prinzipien der katholischen Kirche zum Maßstabe zu nehmen; er werde mit denselben am besten daran sein und dadurch wirkliche bleibende Erfolge erzielen.
Ausland.
O Maris, 2. Juni. Gestern hat die neue französische Deputirtenk amm er ihre Sitzungen begonnen. Gleich dieser erste Tag sollte die Entscheidung darüber bringen, obHerrMöline mit seinem Kabinet über eine Mehrheit in der Kammer verfügt oder nicht. Es handelte sich um die Wahl des Präsidiums, und von der Regierung war die Parole ausgegangen, Herrn Brisson, den bisherigen Präsidenten der Kammer, nicht wiederzuwählen. Herr Brisson ist einer der Führer der Radikalen. Deswegen will Herr Meline ihn nicht wieder zum Präsidenten der Kammer gewählt sehen. Aber Herr Brisson ist persönlich bei vielen beliebt, die politisch nicht ganz auf seinem Standpunkte stehen, und es handelte sich um eine ausgesprochene Kraftprobe, die Herr Meline von seinen Freunden in der Deputirtenkammer verlangte. Allerdings wurde schon im voraus versichert, daß das Kabinet Meline auch dann nicht zurücktreten würde, wenn etwa Herr Brisson wieder gewählt werden sollte; es wolle dann erst der Kammer seine Vorlagen machen und deren Wirkungen abwarten, ehe es sich über Bleiben oder Gehen entscheide. Vorwiegend glaubte man, Herr Brisson werde wieder- gewählt werden; und die Radikalen gaben sich dieser Hoffnung bestimmt hin. Aber zu allgemeiner Ueberraschung ist das nicht der Fall gewesen. Herr Brisson erhielt von den 553 abgegebenen Stimmen 276, sein Gegenkandidat Deschanel 277, und auf der Linken der Kammer entstand eine gewaltige Bewegung. Während der Zählung der Stimmen wurde aber ein Stimmzettel für Brisson auf dem Fußboden bemerkt, und nach vielen und heftigen Auseinandersetzungen zwischen den beiden Parteien wurde endlich in weit vorgerückter Nachtstunde beschlossen, die Wahl zu wiederholen. — Bei der heutigen Wahl wurde Deschanel mit 282 Stimmen gegen Brisson (278 Stimmen) zum Kammerpräsidenten gewählt.
* Maris, 2. Juni. Die Session des Parlaments ist gestern eröffnet worden. In der Deputirtenkammer hielt bei Beginn der Sitzung der Alters-Präsident Boysset eine Ansprache, in welcher er die Politik des Kabinets scharf kriti- sirte und Reformen im nationalistischen Sinne, sowie Maßnahmen gegen die Agiotage verlangte. Der Deputirte Drumont rief wiederholt: „Nieder
Deutsches Deich.
Berlin, 2. Juni.
* Fmanzminister vom Miquel hat heute die Geschäfte in vollem Umfange wieder ausgenommen. Kultusminister Dr. Bosse hat heute seinen Urlaub angetreten und sich zunächst auf vier Wochen zur Kur nach Ems begeben.
*** Unsere Warnungen vor den Avfichte« gege« das MaHkrecht erhalten fortwährend neue Unterstützung. So berichtet die ,Hilfe' des national-sozialen Pastors Naumann, ihr sei aus sehr guter konservativer Quelle der Name eines hohen, einflußreichen bayerischen Beamten und Bundesrathsbevollmächtigten genannt worden, der im Jahre 1893 bereits einen fix und fertig ausgearbeiteten Wahlgesetzentwurf vorgelegt habe. Nach dem,Vorwärts' wäre Herr von Feilitsch gemeint. — Die ,Leipz. Ztg.', ein amtliches Organ der sächsischen Regierung, spricht ihre Freude aus, daß die ,Hamb. Nachr.' sich für die Reform des Wahlrechts ausgesprochen haben. Sie habe aus ihrer Überzeugung von der Reformbedürftigkeit des Wahlrechts niemals ein Hehl gemacht. Aber, fügt; sie hinzu, so lange wir mit dieser Ueberzeugung nicht die Mehrheit der Parlamentarier und der Regierung gewonnen haben, besteht für das allgemeine Wahlrecht keine Gefahr. Das heißpaber doch nichts anderes als: Sobald es geschehen kann, muß das Wahlrecht geändert werden. Ueber dem Blatte steht Minister von Metsch, derselbe Mann, der in Sachsen das Wahlrecht zu Gunsten der Kartellbrüder verschlechtert hat. Schon ftüher hatte das Leipziger Blatt geschrieben: alle wirklich Konservativen wünschten die Beseitigung des Reichstagswahlrechts: sie bestritten es nur öffentlich, weil sie jetzt die Massen gleichfalls brauchten und diese nicht verstimmen dürsten. Dasselbe haben wir gesagt, aber die konservative Presse that sehr entrüstet über diese „Verleumdung". Die öffiziösen Ableugnungen kennzeichnet sehr gut der vielfach offiziös bediente,Hamb. Korr.': „Die Verpflichtung, die allem Gerede ein Ende machen würde, nun und nimmer an eine Aenderung des Wahlrechts zu denken, kann und darf die Regierung gar nicht auf sich nehmen."
X Die Aommisfio« f«r Aröeilerflatistik ist, wie berichtet, für das Ende dieses Monats zu einer Berathung nach Berlin einberufen. Die Kommission wird ihre früher begonnenen Erhebungen über die Lage der im Gast- und Schankwirthschaftsgewerbe beschäftigten Personen fortsetzen, dann die Untersuchungen über die Arbeiterzeit in Getreidemühlen zu Ende führen und Erhebungen über die Sonntagsarbeit im Binnenschiffahrts- und Flößereibetriebe einleiten. Der Berichterstatter für den zweiten Gegenstand hat folgendes vorgeschlagen: In Wassermühlen mit einer Hilfsperson muß der Geselle eine zusammen- . hängende Ruhezeit von 8 Stunden haben. In Wassermühlen mit 2 oder mehr Hilfspersonen darf die tägliche Arbeitszeit nicht über 14 Stunden betragen. Junge Leute unter 15 Jahren dürfen in Wind- und Wassermühlen einschließlich der Pausen nur 12 Stunden täglich
meinen Bitten getrotzt und mir keinen Tropfen Bier zukommen lassen!"
„Wie schade um den prächtigen Durst," fiel ihm einer der Freunde ins Wort.
„Du hast recht," sagte Hugo. „Doch das Versäumte soll nachgeholt werden, so wahr ich Hugo Amberg heiße."
„Wir haben, um Deine Befteiung zu feiern, einen Kommers arrangirt," nahm der älteste der Herren das Wort, „und zu diesem Zweck ein Faß Münchener bestellt. Mach Dich fertig; die Freunde find schon versammelt und warten auf uns."
Hugo vervollständigte schnell seinen Anzug und verließ mit den Gefährten daS Haus.
Die drei jungen Leute, Studirende an der land- und forstwirthschaftlichen Akademie zu Hohenheim bei Stuttgart, schlenderten Arm in Arm auf dem schattigen Alleenwege hin, der an einem prächtigen Buchenwalde vorbei von der mäßigen Anhöhe ins Thal hinabführt.
Hugo Amberg, der Sohn eines reich begüterten Bauern, befand sich schon mehrere Jahre in Hohenheim, um sich nach dem Willen seines Vaters zu einem tüchttgen Landwirthe auszubilden. Er fand jedoch an diesem Studium nicht viel Geschmack und zog es vor, sich in der Gesellschaft einiger gleichgesinnter Freunde, unter denen Philipp Holm, der Neffe des Akademiedirektors, und Rudolf von Königsberg die erste Stelle einnahmen, mit dem reichlich fließenden Gelde seines Vaters gute Tage zu machen.
Das Kleeblatt war vor einem offenen Garten- thore angekommen, durch das man unter den üppigen Kronen mächtiger Lindenbäume einen
Zur Reichstagswahl.
—* Die politische ««d sozialpolitische Hhätigkeit des Ge«tr«ms kann den Wählern jetzt vor der Reichstayswahl nicht oft und eindringlich genug vor Äugen geführt werden, weil die Gegner von rechts und links unermüdlich thätig sind, zu Wahlzwecken die Verdienste des Centrums herabzuwürdigen. Um unsern Lesern eine gründliche Widerlegung aller derartigen Herabsetzungsversuche an die Hand zu geben, haben wir uns entschlossen, eine Anzahl von den vortrefflichen Flugblättern, die der rührige Volks- verein für das katholische Deutschland herausgegeben hat, unserer Zeitung beizulegen. Der heutigen Nummer ist beigelegt das Flugblatt: „Was hat das Centrum für die Arbeitergethan?" Wir empfehlen die Lektüre dieser Flugblättern allen Wählern auf das Angelegentlichste.
Ittlda, 3. Juni. Für den hiesigen Wahlkreis sind vorläufig folgende Wählerversammlungen der Centrumspartei in Aussicht genommen: Sonntag den 5. Juni in Poppenhausen; Donnerstag den 9. Juli (Frohnleich- nam), Nachm. 3 Uhr, in Hilders (Felsenkeller); Freitag den 10. Juni, ‘/»6 Uhr Abends, in Salmünster (Gasthaus zum Engel); Samstag den 11. Juni, 1h8 Uhr Abends, in G roßen-
„Mein lieber Sohn!
Im Anschlüsse erhälst Du die verlangten 500 Mk. Es kommt mir zwar vor, als ob Du mehr als nothwendig brauchtest; doch ich habe Dich nach Hohenheim geschickt und will nicht, daß Du Dich der Kosten wegen zurückziehen solltest; erwarte aber auch, daß Du endlich einmal durch ein Examen zeigst, daß Du etwas Rechtes gelernt hast. — Deine Freundschaft mit dem jungen Baron von Königsberg will mir nicht recht gefallen, doch meinethalben; er soll, wie ich höre, ein lustiger, aber leutseliger Herr sein, der nicht wie der Alte auf uns herabsieht. Zeige ihm nur, daß der Bauer auch etwas ist, und daß die Zeiten vorüber sind, wo man sich vor den Adeligen in den Staub werfen mußte. Empfangsanzeige erwartend Dein Vater."
Diesen Brief laut lesend, durchschritt an einem warmen Frühlingsabende ein junger Mann langsam sein Zimmer, das sich ganz am Ende des
„Warum kommen mir aber", fuhr er in seinem Gedankengange fort, „manchmal so seltsame Ideen? Warum steht so oft mitten im Taumel das Bild der Mutter vor mir, die einst ganz andere Anschauungen in mein Herz gelegt hat, und warum verbinden sich jedesmal Erinnerungen an die Kindheit und eine geheime Sehnsucht nach jener glücklichen Zeit? .... Pah, das sind sentimale Anwandlungen, die man über Bord werfen muß. Mein Mütterchen meint's gut. Aber sie wird alt, und sie kann sich in unserer aufgeklärten Zeit nicht mehr zurechtfinden. Der Vater ist sehr klug und denkt so ziemlich wie wir; auch er hat mich gern, doch auf seine Art; er möchte glänzen mit mir . . . Ach, wie wird er einst enttäuscht sein, wenn er die Erfahrung macht, daß sein theurer Sohn nichts gelernt hat. Was würde er wohl für ein Gesicht machen, wenn er wüßte, daß man mich vor einer halben Stunde erst aus dem Carcer spedirt hat . . ."
Durch rasche, polternde Schritte die Treppe herauf wurde dem Selbstgespräche ein Ende gemacht. Die Thür flog auf, und zwei Herren stürmten mit dem Rufe ins Zimmer:
„Hurrah, Hugo, fideles Haus, Du bist ja schon flott! Wir wollten Dich aus Deinem Kerker abholen, kamen jedoch zu spät."
Die Angekommenen waren zwei junge hübsche Männer in ziemlich gleichem Alter mit Hugo und auch ähnlich gekleidet.
Letzterer reichte ihnen die Hand.
„Ich danke Euch für Eure Liebe," sagte er herzlich. „Gottlob, daß ich wieder frei bin, denn die Zeit wurde mir während der zwei Tage fürchterlich lang. Der filzige Pedell hat allen |
Der zweite führt nach bergumsäumten Gauen;
Von steiler Höhe winkt das ferne Ziel.
„Pflicht", „Kampf" sind auf dem Meilenstein zu schauen Und an dem Wege rings der Dornen viel.
„Hie Pflicht", „hie Leidenschaft", du stehst verlegen!
Ist denn die Wahl so schwer? Was zögerst du?
Pflicht führt dich durch Kampf dem Heil entgegen, Im Rausch die Leidenschaft dem Abgrund zu.
Der KapeUerchof.
Erzählung aus dem Leben von Max Benno.
------ (Nachdruck verboten.)
Zwei Wege führen durch daS irdische Leben, Mit Wort und Bild auf jedem Meilenstein. Der erste blüthenvoll, gebahnt und eben, Lädt fuß verlockend zum Genuffe ein.