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LuldarrM Zeitung

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verantwortlich: L-r die Redaktion Jos. Sau«, für Inserate I. rrarzeller in S-lda.

mit Nnterhattungs-Meilage „ILuflrirle Sonntags-Zeitung!'

25. JahrgMg.

Iulöog Donnerstag, den 2. Juni 1898

M 123.

* Die Sozialdemokratie nimmt diesmal den Mund noch voller als sonst wohl vor den Wahlen. Als ein Stilpröbchen möge die folgende Reimerei dienen, mit denen das Berliner sozialdemokratische Centralorgan ,Vorwärts' in der letzten' Nummer vor dem Pfingstfeste die Gemüther seiner Leser zu erheben sucht. „In die Höfe, in die Dachstuben und vor allem hinaus aufs Land — so ermahnt das sozialdemokratische Centralorgan die „Genossen" — um durch das gesprochene und gedruckte Wort dem heiligen Geiste der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit (!) Bahn zu brechen. Näher und näher rückt die Zeit, von der der Dichter, gegen die Unterdrücker und Dunkelmänner gewendet, singt: Aber kommen wird ein Pfingsten Donnernd über euer Haupt, Und ein Festtag der Geringsten, Der des Hochmuths Stamm entlaubt . . . ." Schade, daß das Oberorgan der Genossen den Namen dieses sogenannten Dichters der Welt vorenthält. Aber vielleicht hat es seine ganz be­sonderen Gründe dazu!

Augenscheinlich sehr unbehaglich und unbequem ist der Genossenschaft eine Zusammenstellung von sozialdemokratischen Aussprüchen, die ein Berliner Blatt der Sozialdemokratie vorhält, um deren wirkliche Gesinnung für Kleingewerbe und Bauernstand zu kennzeichnen. Zum Theil hat diese Zusammenstellung zwar schon die Runde durch die Presse gemacht. Aber sie ist es werth, hier noch einmal kurz wiederholt zu werden.

Im Oktober 1895 sagte der sozialdemokra­tische Abgeordnete Fischer in einer Rede beim sozialdemokratischen Parteitage in Breslau: „Die Sozialdemokratie kann den Bauern erst gewin­nen, wenn er von seinem Eigenthum los­gelöst und bankerott gemacht ist." Ende August 1895 äußerte in einer Versammlung zu Köln ein „hervorragender Genosse": „Von dem Augenblicke an, wo wir dem Bauern helfen, wird er regierungsfreundlich, reaktionär werden. . . Wie industrielle Arbeiter, die durch einen Glücks­umstand zu irgend einem Besitze gelangt sind, sich von uns abwenden, wie viel mehr noch der Bauer, der ein richtiger Eigenthums- teufel ist, wenn wir ihn in seinem Sitze be­festigen." Und am 6. Dezember 1891 schrieb das sozialdemokratische Central-Organ .Vor­wärts': „Uns kann es nicht in den Sinn kommen, den Privateigenthums - Bestre­bungen der Bauern auf Grund und Boden irgendwie förderlich zu sein. Die Ernte gehört nicht den Bauern, sondern allen Menschen. Privateigenthum an Grund und Boden ist Niemandem zuzubilligen."

Daß es die Sozialdemokratie mit dem Klein­gewerbe nicht besser vorhat, beweisen einige andere Aussprüche. „Es fist uns — so schrieb der .Vorwärts' in seiner Nummer 166 vom Jahre 1893 — nicht eingefallen, die fort­schreitende Entwickelung des Großbetriebes, auch im Waarenverkehr, und die allmähliche Ver­nichtung des Kleinbetriebes durch den Großbetrieb als bekämpfenswerth hinzu­stellen ... Es ist im Gegentheil zu wünschen, daß dieser Entwickelungs-Prozeß sich möglichst rasch vollende . . .!" Und der

JW* In der morgigen Nummer beginnen wir mit dem Abdruck einer neuen Original-Erzählung aus der Feder des unseren Lesern bekannten und all­gemein beliebten katholischen Schriftstellers Max Benno. Diese führt den Titel

Der Kapelkenhof ==

und wird durch ihren interessanten Inhalt, wie durch ihren frischen, flotten Stil ohne Zweifel den Beifall unserer Leser und Leserinnen finden.

Die Dreis-Humoreske.

Humoristische Novellette von W. Conrady.

------- (Nachdruck verboten.) (Schluß.)

Nun zögerte Adolf doch eine Weile, ihm bangte schließlich ernsthaft vor den etwaigen Folgen. Allein jetzt war er schon zu weit ge­gangen, ein Zurück gab es nicht mehr. Am Ende konnte er ja das alles nur als Spaß er­klären. Und der leichtfertige Musensohn machte sich weiter keine Sorge darum, wie er sich später aus der Affäre herausziehen würde, zumal er an die 200 fl. und die Reise nach Ischl dachte, um sich die Braut seines Herzens, biex himmlische Loni zu erobern.

So gab er denn der Jungfrau Eulalia Rosen- blüh schriftlich mit eigener Namensfertigung das Versprechen, daß er sie heirathen werde, sobald er als praktischer Arzt etabRrt sein werde. Sie verpflichtete sich hinwiderum in aller Form, Herrn Studiosus Adolf Gerlach bis zum 31. Mai kostenlos eine Humoreske zu liefern und zu vollem Eigenthum zu übergeben, ohne irgendwelche An­sprüche zu erheben.

Sozialdemokrat Engels schrieb im Mai 1890: „Wenn aber das Kapital die kleinen Hand­werker und Kaufleute vernichtet, so thut er ein gutes Werk!" Diese Sammlung ließe sich sehr leicht bereichern. Aber für heute genügt diese Blüthenlese vollkommen, um die sogenannte Freundschaft zu kennzeichnen, die die Sozial­demokratie für den kleinen Landmann, Hand­werker und Handelsmann zu hegen vorgibt. Ent­sprechen doch die Thaten und Handlungen der Sozialdemokratie vollkommen diesen Worten!

X In unserem Nachbarlande Oesterreich

beginnt ein neuer Abschnitt der innern Politik. Die parlamentarischen Delegationen beider Reichshälften haben ihre Arbeiten in Budapest beendet, und mit dem 1. Juni hat eine neue Tagung des österreichischen Reichsrathejs angefangen. Von den Delegationen sind die Kosten für die gemeinsamen Angelegenheiten beider Reichshälften nach dem Vorschläge der Regierung mit 170,6 Millionen bewilligt, und es ist auch ein vorher vielfach angefochtener Nachtrags-Kredit schließlich angenommen worden.

In den Delegationen ist es diesmal theilweise sehr stürmisch hergegangen, so daß man fort­gesetzt daran erinnert wurde, daß in der öster­reichischen Reichshälfte recht unerfreuliche Zustände herrschen. Man verhehlt sich sogar nicht, daß vorläufig gar keine Aussicht darauf vorhanden ist, im österreichischen Reichsrathe die von den Delegationen gutgeheißenen Finanzvorlagen der Regierung durchzubringen; und deswegen fragt mancher verwundert, zu welchem Zwecke denn eigentlich die Einberufung des österreichischen Abgeordnetenhauses erfolgt ist? Bis jetzt hat im österreichischen Abgeordnetenhause noch nicht einmal der Etat für 1898 zur ersten Lesung ge­bracht werden können! Aller Voraussicht nach wird nun Graf Thun sehr bald die Abgeordneten wieder nach Hause senden müssen, um dann von neuem auf dem Wege des Rechtes der Nothver- ordnung die Mittel für die Fortführung der Verwaltung sich selbst zu bewilligen, die der öster­reichische Reichsrath ihm bisher verweigert hat. Das Recht der Nothverordnung steht ihm zu, wenn kein Parlament tagt, um das Nothwendige zu beschließen. Und um sich nun zu diesem Rechte zu verhelfen, sendet die Regierung das Parlament in die Ferien. Dann tagt es nicht, und dann ist damit äußerlich die Bedingung erfüllt, die die Verfassung erforderlich macht für die Handhabung des Nothverordnungs-Rechtes.

Auf die Dauer kann das natürlich nicht so weiter gehen. Aber vorläufig ist noch kein Ende der gegenwärtigen unerquicklichen Zustände abzusehen. Die Deutschen verharren bei ihrer Obstruktion: teine Bewilligung im Parlamente, ehe nicht die Sprachenverordnungen beseitigt sind und em Sprachengesetz angenommen ist, das die Ansprüche der Deutschen befriedigt. Umgekehrt die Tschechen und andere slawische Elemente: diese wollen kein Sprachengesetz annehmen, das den Deutschen günstiger ist als die Badeni'schen Sprachenverordnungen. Und zunächst weiß noch

„Und nun sind wir Braut und Bräutigam," brach ste das Schweigen, welches plötzlich ent­standen.

„Ja .... Braut und Bräutigam!" sagte Adolf und erschauerte vor dem Verlobungskusse, der nun obligater Weise folgen mußte.

„Und das sagst Du so kalt — Adolf? Ist das Deine Liebe?" seufzte sie.

„Verzeih' mir, Eulalia, ich bin noch so erregt über mein Glück, es ist alles so schnell gekommen — und meine Eltern — wenn sie es wüßten!" —

„Ah, ich verstehe, es reut Sie schon, mein Herr..."

„Nicht doch, aber die Furcht vor den Eltern, wenn sie erfahren ..."

„Ich bin nicht grausam, Adolf, und kenne das Leben, und so komme ich Dir gern entgegen mit dem Vorschläge, unsere Verlobung einstweilen geheim zu halten, bis Du Dein Versprechen er­füllen, und getrost vor die Eltern hintreten kannst mit der Mittheilung: „Ich liebe Eulalia Rosen- blüh, sie und keine andere soll das Weib meines Herzens werden!"

„Sie — Du Engel!" kam es von feinen Lippen. Erlöst alhmete er auf, und ihre Hand ergreifend, flüsterte er: „Ja, laß unsere Liebe der Welt ein Geheimniß fein! Ein süßes Ge- heimniß zwischen uns!" Damit drückte er rasch einen Kuß auf ihre Rechte und mit den Worten: „Lebe wohl, Geliebte, vergiß die Humoreske nicht!" war er verschwunden.

♦ *

Eulalia Rosenblüh hatte thatsächlich — sie war sich deffen von Anfang an siegreich bewußt — den Preis für ihre Humoreske „Der Blaustrumpf"

kein Mensch, wie ein Ausweg aus diesem unheil­vollen Zustande, eine Versöhnung dieser schroffen Gegensätze gefunden werden könnte.

Die neuesten Maßregeln der Regierung find nicht dazu angethan, den Sinn der deutschen Opposition zu mildern. Der deutschnational gesinnte Gemeinderath der Stadt Graz ist von der Regierung aufgelöst worden. Der ehemalige Justizminister Graf Gleispach, einer der Unter­zeichner der Badenischen Sprachenverordnungen ist zum Präsidenten des Oberlandesgerichtes in Graz ernannt — die Regierung gibt deutlich zu erkennen, daß ste sich durch deutschnationale Radau­macherei nicht einschüchtern läßt. Gerechterweise kann das niemand dem Ministerpräsidenten Grafen Thun verdenken. Aber es ist nur die Frage, ob es nicht am Ende klüger gewesen wäre, auf Mittel und Wege bedacht zu fein, die zur Milderung der schroffen Haltung der Oppo­sition beigetragen hätten, ohne daß die Regierung sich dabei etwas vergab.

Im Lager der deutschen Opposition ist man die Antwort nicht schuldig geblieben. 151 böh­mische Städte mit überwiegend deutscher Bevölke­rung haben einen deutsch-nationalen Bund gebil­det, einen deutsch-böhmischen Städtetag; und dieser Städtetag ist nun am jüngsten Pfingstsonntage zum ersten Male in Reichenberg in Böhmen ver­sammelt gewesen. Seine erste Kundgebung aber ist eine in starker Sprache gehaltene Beglückwün­schung des Grazer Gemeinderathes zu dessen oppo­sitioneller Haltung; und der Geist, der diesen ersten deutsch - böhmischen Städtetag beherrschte, läßt sich am besten dadurch kennzeichnen, daß die Versammelten schon mit der Möglichkeit der Ver­hängung des Belagerungszustandes über den ganzen deutschen Theil Böhmens rechneten und mit der Redensart arbeiteten: „Je schlimmer es wird, desto besser für uns und für unsere Sache, die uns wichtiger ist als die Erhaltung des öster­reichisch-ungarischen Staatswesens in seinem gegen­wärtigen Zustande."

Unter solchen Umständen ist anzunehmen, daß Gras Thun es nächstens mit der Auflösung des österreichischen Abgeordnetenhauses und mit Neuwahlen es versuchen wird. Was aber dann werden könnte, wenn auch ein neues Parlament nicht fügsamer sich zeigen sollte als das alte, darüber hat wohl bis heute auch Mini­sterpräsident Graf Thun selbst sich noch keine klare Vorstellung gebildet.

Deutsches Deich.

Berlin, 1. Juni.

x Prinz Keinrich von Preuße« ist mit den Schiffen „Deutschland" und „Kaiserin Augusta" am heutigen Mittwoch wieder in Tsingtau einge- troffen, nachdem er vorher der Begräbnißstätte der mit der „Iltis" untergegangenen deutschen Seeleute einen Besuch abgestattet hatte. Nun­mehr wird Prinz Heinrich einen langem Ausflug in das deutsche Gebiet an der Kiautschou-Bucht unternehmen.

* Reichskanzler Isnrst zu Koheukohe weilt zur Erholung in Baden-Baden; von dort begibt er sich auf kurze Zeit nach Paris und von da nach seinem Stammsitze Schillingsfürst, wo er

gewonnen. Das heißt, den Preis hatte ihr „Bräutigam" erhalten, an deffen Stelle sie ihre Arbeit versiegelt und mit dem Motto versehen, und mit dessen Name und Adresse im Kouvert der Redaktion eingesandt hatte. Sein Name ging durch alle Blätter. Aber daran lag Adolf weniger, als an den 200 fl., mit denen er aus den Flügeln der Liebe sofort nach Ischl fuhr.

Schon am Tage nach feiner Ankunft ging er in Gala nach der Villa, in der feine Loni mit den Eltern wohnte, um den entscheidenden Schritt zu thun. Er wußte, daß ihm das Herz des lieben, holden Mädchens gehörte, und daß er auch bei den Eltern wohl gelitten war. Doch wie erstaunte Adolf, als er auf das feurige Be- kenntniß feiner verzehrenden Liebe für seine an­gebetete, süße Loni von der blonden Geliebten die kühle Antwort erhielt: „Ihr Antrag ehrt mich, Herr Gerlach, indessen glaube ich zu wissen, daß Sie schon gebunden sind!"

„Ge—bunden? — Ich? — Fräulein Loni!" Es waren nur abgebrochene Laute, die sich der Brust des mit tiefstem Roth übergossenen Musen­sohnes entrangen.

„Nun, hat das Gerücht etwa die Unwahrheit gemeldet?"

„Also doch nur ein Gerücht!" sagte Adolf, sich selbst ermuthigend.

„Nur ein Gerücht, aber Sie haben es noch nicht dementirt!"

„Muß ich es denn, Fräulein Loni? Was — um Gotteswillen! — sagte denn dies Gerücht?" Er mußte ja doch Klarheit haben, ob und was Loni von seinem dummen Streiche wußte.

„Nun, Sie hätten sich mit einem Mädchen

mit seiner Familie zusammentreffen wird. Der Fürst wird dann längere Zeit zu feiner Erholung in Schillingsfürst verweilen.

* Nach einer Meldung der ,Nordd. Allgem. Ztg.' hat sich das Befinden des Staatsministers vo« Miqnek im Laufe des heutigen Mittwoch so weit gebessert, daß er glaubt, in den nächsten Tagen wieder die Leitung feiner Geschäfte über­nehmen zu können.

X Jetzt wird — wir wissen nicht, zum wie­vielten Mal! — in der Presse von neuem über Unterhandlungen zwischen dem Kaiser und dem Prinzregenten von Bayern über die Re­gelung der Frage vom oöerste« öayerischen Mikitärgerichlshof berichtet. Danach soll Prinz­regent Luitpold erklärt haben, daß er „an dem bayerischen Sonderrechte festhält und daß er sich während seiner Regentschaft auch zu keiner Aenderung desselben herbeilassen werde, noch könne ..." Man kann die Nachricht nicht auf ihre Richtigkeit dahin kontrolliren, ob solche Unter­handlungen von Monarch zu Monarch gegen­wärtig wirklich wieder stattfinden. Aber daß auch Prinzregent Luitpold von dem wohl be­gründeten bayerischen Sonderrechte nichts preis­geben will, ist nach allem Voraufgegangenen so selbstverständlich, daß das gar nicht noch beson­ders hervorgehoben zu werden brauchte.

X Nun soll die internationale Zncsier- prämieu-Ko«fere«z doch endlich beginnen, und zwar am 7. Juni in Brüssel. Halbamtlicher Meldung zufolge wird Deutschland dabei ver­treten sein durch den deutschen Gesandten in Brüssel, Grafen von Alveusleben und den Oberregierungsrath Kühn aus dem Reichs- Schatzamt.

* Die Kommission für Kröeilerstalistik ist vom Staatssekretär Grafen von Posadowsky zu einer Sitzung Ende dieses Monats nach Berlin einberufen worden.

* Mo««, 1. Juni. Dr. Reufing, der feinen Kollegen Dr. Fischer in Bonn im Zwei­kampf erschossen hatte und zu zwei Jahren Festungshaft verurtheilt worden war, ist be­gnadigt worden. — Zur Bekämpfung des Duellunfugs trägt die fortwährende Begnadigung von Duellanten ganz gewiß nicht bei.

* Mönche«, 1. Juni. Die Kaisermanöver des vorigen Jahres, die bekanntlich der Hauptsache nach in Bayern abgehalten wurden, haben, wie jetzt erst nach einer Erklärung des Finanzministers im Ausschüsse der bayerischen Abgeordnetenkammer bekannt wird, dem Lande nicht weniger als 1,481,650 Mark gekostet. Solche Summen müssen sich die bayerischen Parlamen­tarier gegenwärtig halten, wenn es gelegentlich wieder einmal heißt, daß die Taschen des baye­rischen Finanzministers leer seien. Solche Manöver haben bekanntlich auch immer noch eine Menge Pensionirungen im Gefolge.

Zur ReichstugsWuhl.

• I«kda, 2. Juni. Die Sozialdemo­kraten haben in den letzten Tagen in hiesiger Stadt und in der Umgegend einen Wahlauf­ruf für ihren Zählkandidaten Pfannkuch von Haus zu Haus verbreitet. Der Verfasser dieses Wiens, schön, eine Rosenblüthe, verlobt!" Sie sagte das mit so seltsamer Betonung.

War das eine Anspielung auf Eulalia Rosen­blüh, ober hatte Loni nur zufällig diesen Vergleich gewählt? dachte Adolf räthlos.

„Sie sind ja so stumm, — Herr Gerlach, Sie vertheidigen sich nicht."

Er litt wahre Höllenqualen in seiner Verlegen­heit, die dicken Schweißtropfen standen ihm auf der glühenden Stirne. Endlich stammelte er:

„Und wenn es wirklich so wäre, das heißt, wenn ich Wirklich mit einem — andern Mädchen...." Er brachte das Wort nicht über die Lippen.

„Sich verlobt hätten" — hals ihm Loni.

„Ja, Üa§ heißt dem Scheine nach, könnten Sie nicht bei der Liebe, die ich schon so lange zu Ihnen hege, annehmen, daß das nur ein Spaß — ein toller Streich war?"

„Man scherzt und spaßt und spielt nicht mit einem Mädchenherzen", kam es seltsam streng, und doch fast lächelnd aus Loni's Munde.

„Aber, Fräulein Loni, mit der Versicherung meiner Liebe und Verehrung zu Ihnen, angebetetes Mädchen, ist es mir bei Gott wahrlich Emst. Das wissen Sie!"

„Sie geben mir das schriftlich, daß Sie mich lieben, und mich heirathen-wollen, und wann denn, Herr Gerlach?"

„Sofort, wenn Sie es wünschen, theuerste Loni!"

„Gut, und das wollen Sie mir in der That schriftlich geben?"

Also auch sie, genau, wie Eulalia Rosenblüh! Was diese Mädchen doch heute prosaisch und praktisch sind, dachte Adolf.