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mit Ilrrterhallungs-Meilage „Zkkustrirte Sonntags-Zeitung!' °

JK 122.

JuLöcr, Mittwoch, den 1. Juni 1898

25. Jahrgang.

«L Die westindischen Inseln "könnte man jetzt mit dem Namen belegen, der ehedem dem afrikanischen Festlande zukam. Man könnte sie den „dunkeln Erdtheil" nennen — so vollkommen im Dunkeln befindet man sich zeitweise über die Vorgänge, die sich dort ab­spielen.

Am Schluffe der letzten Woche brachten die Zeitungen Meldungen in fetter Schrift oder gar Sonderausgaben über eine Niederlage, die die Amerikaner erlitten haben sollten: auf der Höhe von Santiago de Cuba sollte der spanische Admiral Cervera einen vollkommenen Seesieg über den amerikanischen Admiral Sampson er­fochten haben, und dieser letztere in der Schlacht gefallen sein. Wenige Stunden später verbreitete der Draht eine andere Nachricht: Danach sollte umgekehrt der amerikanische Admiral Schley in den Hafen von Santiago eingedrungen sein, das Geschwader des spanischen Admirals Cervera zerstört haben und die Stadt Santiago de Cuba bombardiren. Und wiederum 24 Stunden später stellte es sich heraus, daß alles beides nicht wahr ist. Am Montag Abend ist aus Washington ein amtlicher Drahtbericht des Kommodore Schley eingelaufen, und dieser Bericht behauptet, daß Admiral Cervera mit seinem Geschwader im Hafen von Santiago eingeschloffen sei, und daß Admiral Sampson einen Angriff auf Hafen und Stadt Havanna vorbereite. Damit ist nun freilich noch immer nicht gesagt, daß das nun auch wirklich so ist. Und selbst angenommen, das wäre nun alles richtig, so steht damit noch lange nicht fest, daß die Amerikaner mit der Blokade von Santiago und mit einem Angriffe gegen Havanna auch nennenswerthe Erfolge erzielen. Denn augenscheinlich war die Ankunft des Admirals Cervera im Hafen von Santiago de Cuba doch für die Spanier ein sehr wichtiges und hocherfreuliches Ereigniß. Jetzt wird nämlich berichtet, daß Admiral Cervera dort 800 Ar­tilleristen und Ingenieure gelandet und 20000 Mausergewehre, sowie große Mengen Schießbe­darf für die fchweren Geschütze der Forts aus- gelqden hat — für die Spanier auf Cuba jetzt ein ganz besonders wichtiger Bedarfsgegenstand.

Die übermüthige Krieges- und Siegesstimmung der Amerikaner erscheint inzwischen einem mehr gelassenen Ernste Platz gemacht zu haben. Wenigstens wird aus Washington berichtet, daß im Senate der Vereinigten Staaten sehr ernst­hafte Erwägungen über die Fortführung des Krieges stattfinden und über das, was nun etwa aus dem Kriege sich entwickeln könnte. „Höchst ernste Verwickelungen", das beginnen nun auch einzelne verständige Leute in Nordamerika einzusehen, können aus dem freventlich vom Zaune gebrochenen Kriege entstehen; und man wird sich allmählich klar darüber, daß man Aufgebote an Land- und Seemacht braucht, die selbst für die reichen Aankees sehr bedeutende Opfer erfordern. Aller Wahrscheinlichkeit nach — so wurde am letzten Sonnabend im Senate zu Washington ge­äußert — werde man baldigst noch einmal so viele Freiwillige aufbieten müssen, als schon aufgeboten worden sind. Und die Amerikaner, die ehedem auch England gegenüber so unverschämt wie

MM" In den nächsten Tagen beginnen wir mit dem Abdruck einer neuen Original-Erzählung aus der Feder des unseren Lesern bekannten und all­gemein beliebten katholischen Schriftstellers Mar Benno. Diese führt den Titel

------ Der Kapelkentzof ।— und wird durch ihren interessanten Inhalt, wie durch ihren frischen, flotten Stil ohne Zweifel den Beifall unserer Leser und Leserinnen finden.

Die Kreis-Humoreske.

Humoristische Novellette von W. Conrady.

------- (Nachdruck verboten.)

»Nach Ischl!" — Da schlage doch Zeus mit allen. Blitzen des Olymps b’rein! — Grade jetzt, da ich endlich d’rauf und d’ran war, ihr den Antrag zu machen! Nun soll ich den ganzen Sommer über verschmachten nach ihr, der Holden, der Einzigen, die mein Herz entflammt! — Loni nachreisen? — woher das Geld nehmen? Bin schon so tief in der Tinte bei Hosches und Hos- pita und sämmtlichen Philistern der Musenstadt. — Es ist zum Tollwerden!

Mit diesem Ausbruche seines Aergers hatte Studiosus medicinae Adolf Gerlich den Portier des geheimräthlichen Hauses am Wiener Franzens- ring verlassen, der ihm die Auskunft gegeben, daß just heute morgen die ganze Familie nach Ischl gereist fei, und vor Ende September nicht wiederkommen werde.

Und nun rannte er, die kecke Studentenmütze ganz windschief auf dem schwarzen Haar, den Ebenholzstock wagerecht unter dem Arm, blind­lings seiner „Bude" zu, um sich dort mit seinem Zorn und Aerger einzuschlleßen.

möglich aufzutreten pflegten, beginnen eine starke Sehnsucht zu fühlen nach der Verwirklichung des von Herrn Chamberlain angekündigten „angel­sächsischen Bündnisses".

Aber es ist sehr die Frage, ob das Bündniß wirklich nach dem Wunsche der Iankees zu Stande kommen wird. In England beginnt es zu kriseln. Nach Londoner Drahtmeldungen verlautet, daß dort eine Spaltung des Kabinets wegen der aus­wärtigen Fragen entstanden sei; und allem An­scheine nach ist die Mehrheit des englischen Kabinets nicht geneigt, die Radau-Politik des Herrn Chamberlain mitzumachen.

Eines ist sicher: alle europäischen Mächte werden aufs sorgfältigste sich hüten davor, einen Anstoß zu geben zu den „höchst ernsten Ver­wickelungen", die man nun auch in den Vereinigten Staaten mit Besorgniß als mögliche Folge der eigenen Frevelthat am politischen Horizonte auf- steigen sieht.__________

Deutsches Deich* *

Berlin, 31. Mai.

X Prinz Keinrich von Srenhe« ist am Pfingstsonntag in Port Arthur angekommen und dort von der russischen Garnison aufs herzlichste und mit ganz besonderen Ehren empfangen worden. Am Pfingstmontage landete dann Prinz Heinrich in Wei-Hai-Wei, wo er die britische und die chinesische Flagge neben einander wehend vorfand. Auch hier wurden herzliche Begrüßungen ausgetauscht.

x Der,Reichsanzeiger' veröffentlicht in seinem amtlichen Theile die Ernennung des Centrums­abgeordneten Dr. Spatz«, jetzt Kammergerichts­rath in Berlin, zum Reichsgerichts-Rath. Vor etwa vierzehn Tagen hatte der Bundesrath beschlossen, Herrn Dr. Spahn's Ernennung zum Reichsgerichts - Rath in Vorschlag zu bringen. Die Ernennung ist dem Vorschläge also ziemlich schnell gefolgt; sie ist die fchuldige Anerkennung der außergewöhnlichen Verdienste, die Herr Dr. Spahn um das Zustandekommen des neuen Bürgerlichen Gesetzbuches und um andere wichtige neue Gesetze auf dem Gebiete derLiechtsprechuPg hqF.

* lieber die Aedrotzrmg des AeichsrvaHc- rcdjfs schreibt der Berliner Korrespondent der ,Franks. Ztg/: „Es ist nicht viel über ein Jahr her — es war damals, als der Kampf um zwei Kreuzer tobte — daß nicht nur Freiherr v. Stumm, der damals noch das Vertrauen des Kaisers besaß, die Drohung mit dem großen Kladderadatsch verbreitete, sondern daß auch sehr ernsthafte Parlamentarier, darunter alte, er­fahrene Herren der nationalliberalen Partei, aber auch Mitglieder anderer Parteien, die gute Fühlung mit den maßgebenden Kreisen haben, die einen besorgt, die anderen schadenfroh, unternehmungslustig von mehr oder wenig ge­wagten Absichten gegen das Reichstags­wahlrecht sprachen." Es unterliege gar keinem Zweifel, daß solche Pläne damals und auch früher bestanden haben, daß es Leute gab, die sie be­fürworteten, und daß es andere gab, nicht nur in der Volksvertretung, denen sie Sorge machten und die sich bemühten, dagegen zu arbeiten. „Was die Herren Müller-Fulda und was neuerdings

Die Wände seines im dritten Stocke eines in der Schloffelgasse gelegenen Hauses befindlichen Zimmers waren mit studentischen Abzeichen, Schläger, Humpen und Pfeifen aller Art ge­schmückt, sonst lag alles kunterbunt durcheinander. Auf dem Tische lag noch der Rest des Frühstücks, und daneben eine Zeitung, auf die fein erster Blick fiel. Mechanisch überfliegt er deren Zeilen, er weiß gar nicht, was er lieft. Da bleibt fein Auge plötzlich auf einer fettgebrucfren Notiz haften:

Preisausschreiben.

Wir haben uns entschlossen, einen Preis von 200 Gld. für bie beste Humoreske im Umfang von 200 bis 300 Druckzeilen auszuschreiben. Dieselbe muß fittenrein gehalten, und bis zum 31. Mai unter einem beliebigen Motto eingereicht sein. In einem, basselbe Motto enthaltenben Kouvert muß sich ber Name unb bie Abreffe bes Autors verzeichnet finben. Die Preisoerkündigung finbet am 1. Juli statt. Preisrichter sinb ber Chefredakteur, der Feuilleton-Redakteur und der Herausgeber dieses Blattes.

„Donnerwetter!" rief Adolf aus, „zweihundert Gulden für eine Humoreske, höchstens 300 Zeilen lang! Abzuliefern 31. Mai! Heute ist der erste! Pceisverkündigung schon 1. Juli! Da wäre mir geholfen! Badereise — Verlobung — Köstlich! Avolf versuche Dich einmal als — Blaustrumpf!"

Er hatte dieses letzte Wort kaum in Gedanken geflüstert, so fiel ein Lichtstreifen auf die Zeitung, ein Fenster am Hause vis-a-vis knarrte und natür­lich — Sie stand daran! Sie, die schon drei Tage, nachdem er dies Logis bezogen, sich ihm gegenüber einquartiert hatte; Sie, die immer am

der Abg. Dr. Karl Bachem öffentlich gesagt haben, ist in der Hauptsache jedenfalls richtig. Diejenigen, die es jetzt vor den Wahlen mit starker Entrüstung ableugnen, stellen sich unwiffender, als sie sind, denn das, was die beiden Herren gesagt haben, weiß Jeder, der sich in den letzten Jahren hier mit Politik beschäftigt hat und etwas mehr kennt, als im ,Reichsanzeiger" und in amtlichen Drucksachen steht. Es ist sehr billig, zu verlangen, daß Namen genannt und Beweise gebracht werden sollen. Die sind natür­lich aktenmäßig in solchem Falle schwer zu er­bringen, und Namen nennen heißt gleichzeitig die Diskretion verletzen, die im politischen Verkehr zwischen Parlamentariern verschiedener Parteien, Mitgliedern der Regierung und der Presse eine erheblich größere Rolle spielt, als der Laie glaubt."

x Blättermeldungen zufolge soll „aller Wahr­scheinlichkeit nach der Aelriev des Kohke«- öergwerkes am Aresöerge bei Osnabrück geschlossen werden". Vermuthlich hat man in dieser Meldung einen Schreckschuß zu erblicken, durch den man die ausständigen Arbeiter zum Fallenlaffen ihrer berechtigten Forderungen be­wegen will. Thatsächlich hat das Bergwerk während der letzten Jahre durchschnittlich 8 pCt. Reinertrag abgeworfen, und die am Piesberge geförderte Anthracitkohle ist gesucht. Da klingt es nicht ganz wahrscheinlich, daß die Unternehmer ihr Besitzthum im Stiche lassen wollen.

* Darmfladt, 31. Mai. Zur Frage der Thronfolge im Großherzogthum Hessen, die jetzt in weiteren Kreisen des Landes Gegen­stand der Erörterung ist, schreiben die .Leipziger Neuesten Nachrichten': Es leben zur Zeit noch drei männliche Mitglieder des großherzoglichen Hauses, der regierende Großherzog und dessen beide Oheime, Prinz Heinrich und Prinz Wilhelm. Die beiden letzteren sind aber mor­ganatisch vermählt und ohne ebenbürtige Nach­kommen. Der Ehe des regierenden Großherzogs und dessen Kousine Prinzessin Viktoria Melitta von Koburg ist bis jetzt eine Tochter entsprossen. Sie im vierten Lebensjahre stehende Prinzessin .Eftsaheth, . Sotjte^dsm großherzoglich er?'PaarX tefn Sohn geboren werden, so würde die männ­liche Linie des großherzoglichen Hauses aus­sterben und der Thron an eine andere Linie übergehen müssen. ist im Zusammen­hang mit dieser Frage immer wieder der Erb- verbrüderungsvertrag zwischen Sachsen und Hessen erwähnt worden, der vor der Zeit Philipps des Großmüthigen zwischen beiden Häusern abge­schlossen und zu Anfang des 17. Jahrhunderts wieder erneuert worden ist. Aber abgesehen da­von, daß es fraglich ist, ob dieser Vertrag heute noch eine staatsrechtliche Bedeutung hat und bei der Abzweigung des sächsischen Hauses in mehreren Linien praktisch ausführbar wäre, ist derselbe ausdrücklich für den Fall des Aus­sterbens des hessischen Mannesstammes abge­schlossen worden. Dem hessischen Mannesstamme gehören aber sämmtliche männliche Nachkommen Philipps des Großmüthigen an, unter denen die Theilung des Landes vollzogen wurde, also außer den Mitgliedern des großherzoglichen Hauses zu­nächst diejenigen der landgräflichen Linie

Fenster steht, sobald sie nur seinen Krauskopf hinter den Scheiben seines Fensters erblickt; Sie, die häßliche — alte Jungfer mit den flachsblonden Haaren, den hinter Brillengläsern hervorlugenden grauen Augen, dem verkniffenen Mund und der besenstieligen Gestalt; Sie, das Gespötte aller Kollegen, die zu ihm auf die „Bude" kommen, und ihm ernstlich einredeten, Jungfer Eulalia sei offenbar sterblich in ihn verliebt, sonst ließe sie sich doch nicht jedesmal in ihrer schriftstellerischen Arbeit durch seinen Anblick stören!

Das ärgerte ihn, aber in diesem Augenblicke erschien ihm der häßliche „Blaustrnmpf" wie ein Deus ex machina, wie eine ideale Göttererschein­ung, wie Melpomene, die Muse der Dichtkunst. Er hatte es ja stets auf dem Gymnasium im deutschen Aufsatz höchstens zu einem „Genügend" gebracht, er würde also sicher keine ordentliche Humoreske zu Stande bringen, obschon er als Bierzeitungs-Redakteur kein unverdientes Ansehen unter seinen Kollegen genoß! Aber Sie — die Dichterin — die Schriftstellerin Eulalia Rosen- blüh — deren Romane angesehene Tagesblätter zum Abdruck brachten, — Sie würde wohl einen Preis erringen, und am Ende ihm den Gefallen erweisen. Für Geld? Aber er hatte ja keines! Nur seine Liebe, sein Herz hatte er zu vergeben. Und das gehörte doch der lieben, blonden Loni! Das sollte er der Jungfer da drüben anbieten? Brrr! Ihn schauerte. Dennoch blickte er mit einer Art ehrfürchtiger Bewunderung hinüber zu ihr. — Wahrhaftig, da steht sie noch! Sie scheint ihn ganz theilnahmsvoll anzublicken, als läse sie in seinem Herzen, was ihn bekümmert! Da lächelt sie gar. Hätte sie nur nicht immer die mr-

(der „älteren, nichtregierenden Linie"). Es ist demnach nicht zweifelhaft, daß im Falle des Aussterbens der männlichen Linie des regierenden großherzoglichen Hauses auf die Nachkommen Philipps des Großmüthigen zurückzugehen und zunächst die Rumpenheimer Linie zur Thronfolge zu berufen wäre, vorausgesetzt, daß die Ebenbürtigkeit der innerhalb derselben abge­schlossenen Ehen, welche das Gesetz für die Thronfolge in Hessen ausdrücklich vorschreibt, nachgewiesen ist. Nach ihr käme die Barch- felder Linie für die Thronfolge in Frage. Mit der Möglichkeit eines hessischen „Erbfolge­streites" wäre also in absehbarer Zeit nicht zu rechnen.

Zur Reichstagswahl.

O Kirchham, 31. Mai. Am Sonntag den 5. Juni Nachmittags */r4 Uhr findet dahier eine Wähler-Versammlung der Cen­trumspartei des Wahlkreises Marburg-Kirch- hein-Frankenberg statt, in welcher Herr Reichs­tagsabgeordneter Richard Müller aus Fulda und andere Herren sprechen werden. Alle Cen- trumswähler und ebenso die Wähler der frei­sinnigen Volkspartei sind zu dieser Ver­sammlung eingeladen.

g Der Wahlausschuß der Centrums- partei hat beschlossen, im Wahlkreise Kanarr -chekrthanserr-Hrö gleich im ersten Wahlgange für den freisinnigen Kan­didaten A. Leonhardt in Hanau einzu­treten und eine Centrums-Kandidatur diesmal nicht aufzustellen. — Für diesen Beschluß sind folgende Gründe maßgebend ge­wesen: Eine Centrums-Kandidatur würde ihren Kandidaten doch nicht in die Stichwahl bringen können, weil die Zahl der Centrums-Wähler zu gering ist und solche von keiner andern Seite unterstützt wird; nach Lage der Dinge würde das aber dahin führen, den konservativen Kandidaten (Politik der Sammlung) in die Stichwahl zu bringen, während mit Hilfe der Katholiken, wie im Jahre 1887, der freisinnige Kandidat in die Sttchwähl kommen und dann in dieser gewählt werden kann. Die Wahl des konservativen Kandidaten Muß verhindert werden, weil eine konseroativ-nationalliberale Mehrheit das Reichs­tags-Wahlrecht gefährdet und allen reak­tionären Plänen Vorschub leistet. Des­halb sind heute dieselben Gründe maßgebend, aus welchen im Jahre 1887 der große Centrumsführer Dr. Windthorst das Eintreten für den frei­sinnigen Abg. Nickel im ersten Gange empfohlen hat. Die freisinnige Partei wird dafür Gegen­leistungen machen, sie wird die Kandidatur des Abg. Müller-Fulda im Bezirke Marburg-Kirch- Hain-Frankenberg im ersten Wahlgange und event. auch in der Stichwahl unterstützen. Auf diese Weise werden die Cenirums-Stimmen des Kreises Hanau-Gelnhausen-Orb, auch wenn sie für Herrn Leonhardt abgegeben werden, dem Centrum zu gute kommen. Der Kandidat für Hanau, Herr A. Leonhardt, hat bestimmte Zusagen gegeben, welche es jedem Centrums-Wähler möglich machen, für ihn zu stimmen. Er wird für Be­seitigung derAusnahmegesetze, gerechte

wünschte Brille auf der Nase, am Ende ist sie gar nicht so häßlich — wenn auch etwas antik! Sollte sie wirklich in ihn verschossen sein. Nun, dann könnte es doch auf einen losen Spaß nicht ankommen? Der Gedanke war zu verlockend, der ganze Studentenleichtsinn regte sich in ihm.

Gedacht, gethan! Ein paar Minuten später stand Adolf in Gala im Altjungfernstübchen Eulalia Rosenblüh's, das bisher keines Jüng­lings Fuß entweiht hatte.

* *

*

"$Ba§ verschafft mir die Ehre ihres Besuches, Herr......?" frug sie mit dünner Stimme,

die Brille auf der Nase zurechtrückend.

„Studiosus medicinae Adolf Gerlach ist mein Name, und der Zweck meines ergebensten Be­suches eine Bitte."

„Eine Bitte an mich? Ach, ich errathe. Sie wünschen sich wohl zu entschuldigen wegen des Spottes, zu deffen Zielscheibe Sie und ihre Herren Kollegen vis-ä-vis mich zu erwählen be­lieben," sagte sie mit mattem Lächeln und einigem Erröthen, das ihren Zügen entschieden zum Vor- theil gereichte.

„Ja," stammelte betreten Adolf Gerlach, „ich muß tausendmal um Entschuldigung bitten, daß wir Sie, gnädiges Fräulein, so oft in Ihrem werthoollen dichterischen Schaffen störten. Ver­zeihen Sie es gütigst dem jugendlichen lieber» muth! Es soll nicht wieder Vorkommen."

„Ich fürchte nur, der jugendliche Uebermuth wird auch dies Versprechen bald wieder vergessen haben. Nun, wir Blaustrümpfe sind nun ein­mal dazu bestimmt, uns den Spott gefallen lasfen