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Fuldaer M Zeitung

25. Jahrgang.

IuLöcr, Dienstag, den 31. Mai 1898

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Druck und Verlag der Luldaer Actiendruckerei P-terrgaAe Nr. 2 (Harmonie).

,malS unsere Geistlichen und alle Überzeugungs- Treuen Katholiken ausgesetzt waren. Wir be­sitzen absolut keine Garantie, daß nicht eine Wiederholung des Kulturkampfes entfacht wird, sobald die Politik der Sammlung, eine Neu­auflage des alten Kartells, an's Ruder kommt. ,®ie Auslassungen der gegnerischen Blätter, .ihre Hetzartikel gegen den Ultramontanismus,

reich zu verkaufen. Diese Meldungen stimmen mit einigen Thatsachen und Verhältnissen so gut überein, daß man trotz der spanischen Ableugnungs­versuche annehmen muß, es liege eine von Spanien ergangene Anregung in diesem Sinne vor. Spanien braucht für die Kriegführung Geld, fehr viel Geld. Ohne fremde Hilfe kann es das erforder­liche Geld nicht aufbringen, und so trachtet es danach, dem französischen Staate Anerbietungen zu machen, für die es dann den Lohn in klingender Münze ausgezahlt bekommt. Da ist man in Madrid auf die Philippinen verfallen. Man bietet dieselben Frankreich zum Kaufe an, und man würde dadurch nicht nur zu Geld kommen, sondern auch gleichzeitig erreichen, daß Frankreich gemeinsam mit Spanien in einen Gegensatz zu den Vereinigten Staaten von Nordamerika gebracht wird.

Aber andere Staaten sind mit einer solchen Veranstaltung nicht einverstanden. Namentlich auchDeutschland nicht. Wenigstens erscheinen in der Presse Kundgebungen dieser Art und in einer Form, die die Wahrscheinlichkeit sehr nahe legen, daß diese Kundgebungen einen thatsächlichen Hintergrund haben. Danach würde Deutschland „entschieden Widerspruch einlegen" gegen eine Abtretung der Philippinen an Frankreich; Deutsch­land würde vielmehr für eine Bert Heilung der Philippinen an diejenigen Mächte ein­treten, die durch ihre Interessen mit jener Insel­gruppe verknüpft sind.

Das klingt, wie gesagt, gar nicht unwahr­scheinlich. Deutsche Interessen sind auf den Phi­lippinen ziemlich stark vertreten. Der deutsche Handel nimmt unmittelbar nach dem spanischen den ersten Rang auf den Philippinen ein. So sind in Manila außer 45 spanischen Handels­firmen 19 deutsche und 17 britische Firmen ver­treten, je eine belgische und niederländische. Außerdem gibt es in Manila 2 britische Makler, 6 schweizerische und 2 französische Ladengeschäfte, und die Chinefen sind vertreten durch etwa 40 Firmen des Zwischenhandels. Das Apotheken- Wefen ist vorwiegend in deutschen Händen. Die deutschen Handelsfirmen pflegen besonders ein mannigfaltiges Einfuhrgeschäft, während die bri­tischen Häuser vornehmlich mit der Ausfuhr von Philippinen-Erzeugnissen sich beschäftigen.

Von London aus wurde die Nachricht ver­breitet, das deutsche Reich habe amtlich erklärt, es werde zum Schutze der deutschen Interessen ebenfalls Truppen auf den Philippinen landen, wenn, wie angekündigt wurde, England dergleichen thue. Man hat nun gegenwärtig keine Kontrole dafür, ob sich das thatsächlich fo verhält. Fast möchten wir es bezweifeln. Daß aber Deutsch­land der Philippinen-Frage gegenüber sich nicht ganz theilnahmsloS verhalten kann, liegt nahe genug. _________________________

meister.

* Eine Aeorgamfatiorr des Kiseuvah«- velrieöes bezw. eine Aenderung der bestehenden Betriebs- und Signal-Verordnungen sowie der Normen für den Bau und bte Ausrüstung der Eisenbahnen vom 5. Juli 1892 ist in der Sitzung des Bundesrathes vom 12. Mai beschlossen worden. Die Aenderungen, die am 1. Oktober 1898 in Kraft treten, werden heute im ,Reichsanzeiger' ver­öffentlicht. Eine weitere Verfügung betrifft die Befähigung der Bremser, die in Zukunft eine viermonatliche Probezeit im Bremsen und Rangir- dienst durchzumachen haben.

* Kleve, 28. Mai. Der Redakteur des ,Klevischen Volksfreundes' ist vorgestern zu einer Geldstrafe von 100 Mk. verurtheilt worden, weil er es energisch gerügt hatte, daß einem katholischen Mädchen in einer hiesigen Leihbibliothek ein von Angriffen gegen die katholische Kirche strotzendes Buch gegeben war. Das Gericht hat zwar als erwiesen angenommen, daß das Buch Angriffe auf Einrichtungen der katholischen Kirche enthalte, insbesondere auf Cölibat und Beichte, daß dagegen das Buch „in die Hand gedrückt" worden sei,sei durch die Zeugenaussagen nicht nach­gewiesen worden. Letztere ständen sich einander gegenüber, und mußte deshalb ein non liquet angenommen werden. Da nun nach dem Straf­gesetzbuch eine Thatsache erweislich wahr fein müsse, und dieses nicht der Fall sei, liege Be­leidigung vor. Der Schutz des § 193 (Wahrung berechtigter Jntereffen) wurde nicht zugebilligt. So kann es einem Schriftsteller gehen, wenn er in seinem Berufe Religion und Sittlichkeit vertheidigt!

* Leipzig, 29 Mai. Der Centrums­abgeordnete und Vizepräsident des Reichs­tages Dr. Spahn ist jetzt offiziell zum Reichs­gerichtsrath ernannt worden.

„deuten schon jetzt darauf hin."

Der Reichstagskandidat Abg. Herold, welcher erst etwa eine Stunde später in der Versammlung erschien, äußerte über denselben Gegenstand im Verlauf seiner Rede:

es seien jetzt gerade 25 Jahre seit Erlaß der Maigesetze verflossen und da empfehle es sich, die Geschichte des Kulturkampfes in Erinnerung zu bringen, nicht um aufzuregen, sondern um das katholische Volk wach zu halten. Der Kulturkampf habe noch nicht aufgehört; der­selbe Faden werde weitergesponnen, nur in einer anderen Nummer.

Wir stellen fest, daß Abg. Müller auch weder früher noch am 21. er. von der Reichsregierung, verbündeten Regierungen oder Bundes­rath im Zusammenhang mit dem Wahlrecht, Versammlungs- und Vereinsrecht und Freizügig­keit gesprochen hat, sondern lediglich die Ge­fährdung dieser Rechte durch die Wahl eines neuen Kartellreichstags gegeben erachtet. Die Richtigkeit dieser Anschauung läßt sich wohl um so weniger bestreiten, als bereits jetzt eine Anzahl Kartellpolitiker sich in freund­lichem Sinne gegen diese bestehenden Rechte aus­gesprochen und dadurch bte Angabe bes Abg. Müller-Fulda bestätigt haben. Was die Existenz eines Entwurfs betreff nd Abänderung des Reichs­tagswahlrechts angeht, so ist die Miltheilung des Abg. Müller-Fulda inzwischen auch von Herrn Dr. Bachem in seiner Krefelder Rede als richtig anerkannt worden.

Herr Abg. Müller beabsichtigt vorerst nicht, seine Quellen der Oeffentlichkeit zu übergeben, und ermächtigt uns zu erklären, daß er der ge- sammten Zeitungspolemik über diesen Gegenstand, mithin auch den ,Germania'- Artikeln absolut fern stehe und auch weiterhin fern zu bleiben gedenke.

□ Die Philippinen-Frage.

Bisher hat der spanisch-amerikanische Krieg an sich die europäischen Mächte ziemlich unberührt gelassen. Aber nebenher hat sich eine Frage aus dem Kriege heraus entwickelt, die möglicherweise noch zu ernsthaften diplomatischen Auseinander­setzungen führen kann. Das ist die Philippinen- Frage.

Schon seit länger als einer Woche taucht immer von Neuem die Meldung in der Presse auf, daß zwischen der spanischen und der fran­zösischen Regierung Verhandlungen angebahnt sind in dem Sinne, die Philippinen-Inseln an Frank-

den demnächstigen Reichstagswahlen in denjenigen Kreisen vorzugehen habe, in welchen kein eigener Kandidat des Centrums aufgestellt werden kann. Hieran schloß sich eine längere Ausführung des Herrn Landtagsabgeordneten Dr. Kiel-Geisa. Derselbe führte aus, daß die diesmalige Reichs­tagswahl an Bedeutung allen früheren womöglich voranstehe. Es gelte vor allen Dingen ent­schieden Front gegen die Politik der Sammlung zu machen. Aus diesem Grunde dürfe auch beim ersten Wahlgange keine eigene Zählkandidatur vom Centrum im hiesigen Wahl­kreise aufgestellt werden, vielmehr sei es geboten, sofort beim ersten Wahlgange für den Kandidaten der freisinnigen Volks­partei einzutreten. Als Anhänger dieser Partei sei durch ihn in erster Linie gewährleistet, daß das allgemeine Wahlrecht, sowie das Vereins- und Versammlungsrecht unan­getastet bleibe. Das sei aber nicht der Fall, wenn der Kandidat des Bauernbundes siegen

' ich gesagt werden soll. Zunächst entsteht von neuem die Frage: welche Regierung ist gemeint? Meint man die verbündeten Regierungen, also den Bundesrath; oder meint man die preußische Staatsregierung? Zweitens hat noch niemand behauptet, daß gegenwärtig der Bundesrath oder die preußische Staatsregierung die Absicht hege, das verfassungsmäßige Wahl­recht zu beseitigen. Im Gegentheil wird von allen Seiten als selbstverständlich betont, daß man gerade jetzt vor den Reichstagswahlen natürlich sich hüten wird davor, an dem Wahl­rechte zum Reichstage zu rütteln oder die Ab- icht zu äußern, daß man das vorhabe. Viel­mehr wird hervorgehoben, daß die Gefahr einer Aenderung des Reichstags-Wahlrechtes sofort wieder heraufbeschworen wäre, wenn es den ögenannten Sammlungs-Politikern gelingen bitte, eine Kartellmehrheit in den nächsten Reichs- ag zu bringen. Man hätte sich also diese ganze Kundgebung im,Reichsanzeiger' sparen können. Die Sache, auf die es ankommt, wird dadurch ganz und gar nicht getroffen. Im Gegen­theil durch die wiederholten, vollkommen miß­glückten Versuche, eine wirkliche und klare Ab- eugnung im ,Reichsanzeiger' zustande zu iringen, wird nur indirekt bestätigt, daß alles das richtig ist, was über die Gefährdung des Reichstags-Wahlrechtes gesagt wird; und daß die Ableugnungen im,Reichsanzeiger' des­wegen so kläglich ausfallen, weil man sich doch nicht getraut, offen und klar wirklich vorhandene Thatsachen Hinwegleugnen zu wollen. Die ganze Tonart der Ableugungsversuche im ,Reichsan- zeiger' erinnert sehr an das Dichterwort: „Ich kann nichts thun als mich beklagen, weil ich zu schwach zum Leugnen bin."

* Mit schlichtem AV schied (unfreiwillig) entlassen sind nach der ,M. Ztg/ im letzten Jahre aus dem preußischen Offizierkorps 31 Offiziere; unter den Jägern, den Ingenieuren, Pioniren, den Eisenbahntruppen, Zeug- und Feuerwerksoffizieren befand sich nicht ein einziger mit schlichtem Abschied entlaffener Offizier. Unter den Trainoffizieren war es 1, unter der ge­summten Kavallerie ebenfalls 1, Die Fuß­artillerie hat keinen Offizier zu entfernen nöthig gehabt, die Feldartillerie 10, und zwar 3 Haupt­leute, 1 Premierlieutenant, 5 Sekondelieutenants und 1 Zahlmeister. Bei einem Feldartillerie- Regiment mußten 2 Sekondelieutenants und 1 Zahlmeister unfreiwillig scheiden, die Infanterie hat 19 Offiziere infolge schlichten Abschieds ver­loren, 2 Hauptleute, 4 Premierlieutenants, 11 Sekondelieutenants, 1 Assistenzarzt und 1 Zahl-

Zrrr Reichstagsrvaht.

A Geisa, 30. Mai. Heute tagte eine Wählerversammlung des Cent rums aus den Aemtern Geisa und Dermbach im hiesigen Gasthofe zum goldenen Stern. Den Vorsitz führte Herr Frühmeffer Hagemann. Derselbe begrüßte zunächst die Erschienenen und legte darnach die .Grundsätze" dar, nach denen das Centrum bei

Deutsches R^ch.

Berlin, 28. Mai.

h. Der Aries bes Aeichskarrzlers an den nationalliberalen Prinzen von Carolath- Schönaich läßt der konservativen Presse immer noch keine Ruhe. „Wenn man nicht in Regierungs­kreisen der Meinung weiter Volkskreise Vorschub leisten will, daß der oberste Reichs- und preu­ßische Staatsbeamte seinen Einfluß zu gunsten des liberalen Prinzen gegen den konservativen Kandidaten thatsächlich hat einsetzen wollen", ist nach Ansicht der .Deutsch. Tagesztg.' „dringend erforderlich, daß der Reichskanzler die (früher ge­gebene) Darstellung der.Konservativen Korreson- denz' durch eine eigne Erklärung bestätigt oder wenigstens in unzweideutiger Weise von amt­licher Stelle bestätigen läßt." Nach dieser Dar­stellung des genannten konservativen Parteiorgans soll der Reichskanzler nicht gewußt haben, daß Prinz Carolath-Schönaich nicht allein einem Sozialdemokraten, sondern auch dem konservativen Kandidaten von Heydebrand gegenübersteht; und nur deswegen, also eigentlich aus Versehen, habe der Reichskanzler dem Prinzen geschrieben, er hoffe diesen letzteren im Reichstage wiederzusehen. Nach neuester Annahme soll der Brief des Kanzlers im besonder« Einverständnisse mit dem Ober­präsidenten von Schlesien, dem Fürsten von Hatzfeldt-Trachenderg, geschrieben worden sein. Bekanntlich ist dieser letztere schon mehrsac; als der muthmaßliche Nachfolger des Fürsten zu Hohenlohe im Reichskanzleramte genannt worden.

ft Der ,Reichsanzeiger' schreibt in seinem nicht amtlichen Theile: „In der Oeffentlichkeit ist trotz unseres Dementis vom 11. d. Mts. von neuem die Behauptung aufgestellt, daß man innerhalb der Regierung die Absicht hege, das verfassungsmäßige Wahlrecht z« ve- seitige«. Wir sind im Interesse der Wahrheit zn der wiederholten Erklärung ermächtigt, daß diese Behauptung jeder thatsächlichen Grundlage entbehrt." — Es ist vollkommen unverständlich, was mit diesen Worten eigent-

|nftrait:®ieein- spalt. Garmond­zeile oder bereit Raum IS Pf., Re­klamen die Petit­zeile 25 Pf.; bei Wiederholungen wird entsprechend. Rabatt gewährt.

ft Kulturkampf, Wahlrecht und Sammlungs-Politik.

Die ,Neuen Politischen Nachrichten', angeblich ein offiziöses Blatt, schreiben in einem Berichte über die arii 21. d. M. hier stattgehabte „Versammlung der Vertrauensmänner der Centrumpartei" u. A. Folgendes:

Diesen Darstellungen gegenüber sind wir in der Lage, verläßlich zu versichern, daß in den keilenden Kreise« der Aegiernng keine Avftchle« anfAendernng des Zteichstags - Wahlrechtes bestehen, daß auch nicht einmal an die Wiederaufnahme der bekannten und schon verhandelten Abänderungen des Vereins- und Versammlungs rech les gedacht worden ist, daß bte Erwägungen über die Beseitigung von Auswüchsen der Freizügigkeit sich auf die vom Herrn Landwirth- schafts - Minister im preußischen Abgeordnetenhause ge­machten Darlegungen beschränken, und daß die Andeu­tung, die Regierung beabsichtige, „den Kulturkampf wieder neu zu entfachen", eine schlechthin sinnlose Be­hauptung ist.

An diesen Thatsachen würde auch dadurch nichts geändert, wen« es wahr wäre, was die »Germania' an­deutet, daß ein oder einige „aktive Beamte" andere Anschauungen als die der leitenden Kreise der Retchs- regierung irgend wann oder irgend wo vertreten haben sollten. —Die Behauptungen, welche angeblich von dem bisherigen Abgeordneten Müller- Fulda aufgestellt sind, und die Andeutungen der,Germania" tragen, da sie be­weislos gelassen sind, den Charakter einer unverant­wortlichen Frivolität.

Der von uns s. Z. gebrachte Bericht über bie fragliche Versammlung enthielt mit k e i n e m Worte bie Anbeutung, baß bie „Regierung beab­sichtige", ben Kulturkampf wieder zu entfachen. Unsere Mittheilungen erwähnten nur kurz, baß bie Gefahr bestäube, ber Kulturkampf werbe neu entfacht werben, wenn bie Politik ber Sammlung eine Neuauflage bes alten Kartells an's Ruber käme.

Diese Ansicht würbe von Herrn Abg. Mül- ler-Fulba etwa wie folgt ausgesprochen:

„Die jüngere Generation ist nur zu leicht „geneigt, bie Zeiten bes Kulturkampfes zu ver- „geffen, unb es bürste nicht schaben, sie hier „daran zu erinnern, welchen Verfolgungen da­

sollte, ba bieser ber „Politik ber Sammlung" angehöre. Aber auch in wirthschaftlicher Be­ziehung sowohl wie auf kirchlichem Gebiete hätten wir keine größeren Feinbe als gerade die Konservativen bezw. den Bund der Land« wirthe. Was der „Bund" auf wirthfchaftlichem Gebiete erstrebe, komme nur dem Großgrund­besitz zu Gute, während die Kosten der kleine Landwirth zu tragen hätte. Und auf kirchlichem Gebiete fände der Haß gegen alles Katholische keine Grenzen. Fernerhin falle speziell die Per­sönlichkeit des Herrn Forstkommissar Kassel- mann aus Eisenach, der uns von der freisinnigen Volkspartei als Kandidat präsentirt werde, in die Wagschale. Derselbe sei nach dem Zeugniß von Führern des Centrums ein gerechter, billig denkender Mann, der mit seinen katholischen Mit­bürgern im besten Einvernehmen lebt. Er sei ein entschiedener Gegner von jeglichem Ausnahme­gesetze. Stets habe er sich als ein Freund der Landwirthschaft durch seine bisherige Thätig- keit erwiesen, insbesondere sei er bestrebt, die Lasten, welche den Bauernstand besonders drücken, zu vermindern. Er sei gegen jede Erhöhung von indirekten Steuern auf Salz, Petroleum, Tabak, Branntwein, welche naturgemäß die ländliche Bevölkerung ganz besonders drücken. Er sei für vollen Ersatz des Wildschadens, den die Konservativen bis jetzt stets verhindert hätten. Auch sei er ein Gegner des Wuchers und erstrebe die Erleichterung des landwirthschaft- lichen Kredits zu billigem Zinsfuß. Das sei der Kasfelmann, wie er sich in der letzten Periode des Reichstags bewährt habe; das gewährleiste aber auch eine Garantie für bie Zukunst. Für uns „Oberländer" kämen nun noch einige andere Gründe inFrage. Kasselmann sei auch Mit­glied des Weimarischen Landtags. Als solcher habe er stets und bei allen Fragen ein warmes Herz für die Interessen des Eisenacher Oberlandes gezeigt und sei unentwegt und ent- schieben besonders auch in Sachen ber Eisen­bahn für uns in die Schranken getreten. Es sei somit gleichzeitig eine Ehrenpflicht für die Bewohner des Eisenacher Oberlandes, unter den obwaltenden Umständen für Kasselmann bei der dem­nächstigen Reichstagswahl einzutreten, ander­seits aber auch ein Akt der Klugheit. — Es wurde hierauf über den Antrag abgestimmt, ob Kasfelmann von der CentrulNswählerschaft des Eisenacher Kreises schon im erstenWahlgang gewählt werden solle. Dieser Antrag wurde einstimmig angenommen. Nach Erörterung einiger Fragen über die Organisation für die nöthige Aufklärung in den einzelnen Ortschaften, zu welcher außer Herrn Frühmeffer Hagemann und Herrn Dr. Kiel noch Herr Pfr. Lammeyer- Schleida und Herr Fabrikant C. Kammandel sprachen, wurde bie Versammlung mit einem Hoch auf Papst und Großherzog geschloffen. Es ist somit begründete Aussicht vorhanden, daß dies­mal sämmtliche katholischen Wähler in allen Ortschaften schon beim ersten Wahlgange für den Kandidaten Kasfelmann eintreten werden.

* Keikigenstadt, 28. Mai. Die Kandidatur des Centrums - Abgeordneten v. Strombeck findet auch bei dieser Wahl unter den katholischen Landwirthen des Eichsfeldes die größten Sym- pathieen. Nachdem die erste allgemeine Wahl- Versammlung in Heüigenstadt stattgefunden hatte, folgen jetzt Versammlungen in verschiedenen Orten des Wahlkreises, so am Dienstag in Weißenborn. Herr Abg. v. Strombeck erstattete Bericht über die Thätigkeit bes Centrums im Reichstage und Landtage und legte dar, was auf kirchlichem, wirthfchaftlichem unb politischem Gebiete noch zu erstreben ober zu sichern sei. Insonderheit stellte ber Herr Abqeorbnete für seine Person einen Antrag auf Vermehrung ber in Preußen für die Förderung ber Landwirthschaft ausgeworfenen Fonds in Aussicht. Angeregt hat er bie Sache bei ber biesjährigen Etatsberathung. Tie Fonbs betragen jetzt alles in allem etwa brei Millionen,

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