FuldaerM Zeitung
25. Jahrgang.
Iutda, Samstag, den 28. Mai 1898
120.
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Druck und Verla, der Suldaer Actiendrucke«i Peters,aAe Nr. 2 (Harmonie).
hauptsächlich diejenigen Provinzen, in denen das Wal lonenthum und damit auch der Liberalismus und die Sozialdemokratie vertreten sind. Diese beiden Gegner hatten gehofft, das konservativ-katholische Regiment stürzen und sich an dessen Stelle setzen zu können. Eitele Hoffnung! Die Wahlen haben in der Zusammensetzung der beiden politischen Körperschaften, in denen die Katholiken die übergroße Mehrheit besitzen, kaum eine Aenderung hervorgebracht: auch fernerhin wird Belgien ein gläubig katholisches Ministerium haben. Die Liberalen aber verschwinden immer mehr von der Bildfläche. Die Sozialdemokraten haben an Stimmen bedeutend zugenommer. — auf Kosten des Liberalismus, der so überall von seinem ungebärdigen Sprossen verdrängt wird. Es ist ein hartes, aber verdientes Strafgericht, das den belgischen Liberalismus ereilt hat. — In Frankreich fanden die 180 Stichwahlen zur Kammer statt, welche die i ei den Hauptwahlen am 8. Mai zu Tage getretene Stimmenzersplitterung nothwendig gemacht hatte. Im Allgemeinen wurde das Ergebniß der Hauptwahl bestätigt. Radikale und Sozialisten, die Hauptkirchenfeinde, haben die schwere Schlappe, die sie am 8. d. Mts. erlitten, zwar in etwa ansgeglichen, aber nicht zu verkennen ist der allgemein durch die Bevölkerung gehende Zug nach Beruhigung, nach einer Politik der Mäßigung, die sich gleich fernhält von der wüsten politischen Hetze, wie von der gehässigen Verfolgung der Kirche.
Mit dem amerikanisch-spanischen Kriege ist es eine eigene Sache. Schon seit zwei Wochen wird die Welt in Spannung erhalten mit der Ankündigung, daß man „in den nächsten Stunden" wichtigen Ereignissen, d. h. einer entscheidenden Seeschlacht in den cubanischen Gewässern oder sonstwo entgegensetze. Die wichtigen Ereignisse sind aber bis heute ausgeblieben, und die Spannung wird schließlich einer gewiffen Heiterkeit Platz machen über die bombastische Groß- thuerei der Amerikaner, die nun so thaten, als brauchten sie mit ihren Schiffen blos sich vor Cuba zu zeigen, um die Spanier zum Kapituliren zu bringen, jetzt aber von Tag zu Tag kleinlauter werden. Und dazu haben sie auch allen Grund; denn nicht nur, daß alle ihre Versuche: Truppen aus Cuba zu landen, vergeblich gewesen sind, haben sie sich dabei jedes Mal empfindliche Schlappen geholt, die natürlich ihren Muth und ihre Zuversicht nicht heben können.
eine Wendung zum Befferen eintreten möge. Es jibt in unserem Kreise keinen Ort, wo sich nicht >ei richtiger Auswahl der Sorten und sachkundiger Behandlung der Bäume ein ergiebiger und lohnender Obstbau betreiben ließe.
Der rationelle Obstbau ist für den Landmann von großer Wichtigkeit; in erster Linie ist er ein einträgliches Geschäft. Es gibt heute schon eine größere Anzahl von Gemeinden in unserem Vaterlande, die noch vor nicht langer Zeit arm waren und jetzt durch ihren Obstbau wohlhabend und reich geworden sind, und darunter gibt es nicht wenige, die ein noch ungünstigeres Klima haben als wir. Die vielen Millionen, welche Deutschland in jedem Jahre an das Ausland, insbesondere an Amerika ausgeben muß, um seinen Bedarf an Obst einzukaufen, könnten recht wohl im Lande bleiben, wenn unsere Bauern den Vortheil, den der Obstbau ihnen bieten kann, recht zu würdigen wüßten. Daß auch die Schönheit der Gegend durch den Obstbau gehoben wird, kommt dabei erst in zweiter Linie in Betracht und soll deshalb nur so nebenbei
Der Obstbaukurjus an der Landwirthschastlichen Winterschule. △ Ittkda, 28. Mai.
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Entscheidung zwischen zwei gegnerischen Kandidaten zu treffen haben, überall und unter allen Umstanden die Kartellkandidaten niedergestimmt und den Bertheidigern des bestehenden Wahlrechts zum Siege verhalfen werden.
Die Centrumsfraktion des Abgeordnetenhauses hat vor ihrem Auseinandergehen beim Schluß des Landtages den Wahlaufruf zu den nächsten Landtagswahlen festgestellt, und die Centrumspresse hat ihn auch bereits veröffentlicht. Die verletzende Art und Weise, wie die religiösen Jntereffen der katholischen Bevölkerung und deren Forderungen auf Beseitigung der immer noch in Kraft befindlichen Reste der Kulturkampfs-Gesetze im letzten Landtag behandelt worden, wird in dem Wahlaufrufe scharf kritisirt. Bitter wird geklagt, daß alle Bemühungen der Centrumsfraktion: der katholischen Kirche die volle, uneingeschränkte Freiheit, welche die preußische Verfassung ihr garantirt, zu sichern, fruchtlos geblieben sind, da namentlich, wo dieser Mangel am nachtheiligsten empfunden wird: auf dem Gebiete der Schule und der Ordensgesetzgebung. Die Behandlung unserer kirchlichen Orden unterscheidet sich im Wesen auch heute nur wenig von der im eigentlichen Kulturkamps; sie unterstehen noch derselben polizeilichen Aufsicht, wie damals, und das ist etwas, was für uns Katholiken mit jedem Tage unerträglicher wird. Hier muß Wandel geschaffen werden; um das aber zu Wege zu bringen, ist vor Allem nothwendig, daß das katholische Volk in den nächsten Landtag ein mindestens ebenso starkes Centrum schickt, wie der eben geschlossene zählte, denn in Preußen werden die Katholiken immer nur in dem Maße etwas erreichen, in dem sie sich öffentlich und insbesondere in der Volksvertretung zur Geltung zu bringen wissen. Hierzu aber die Wähler anzuspornen, kann es in der That kein wirksameres Mittel geben, als immer wieder sich vor Augen zu halten, daß wir Katholiken, die wir nach der Verfassung gleichberechtigt find mit den Anderen, allein unter Ausnahmegesetzen stehen, welche die Gleichberechtigung vollständig aufheben. Wer dadurch nicht sich angetrieben fühlte, Alles daran zu setzen, um die volle Freiheit sich zu erzwingen, müßte ein entarteter Sohn des Vaterhauses genannt werden. Es kann auch nichts schaden, wenn die Centrumswähler aller dieser Dinge schon zu den bevorstehenden Reichstagswahlen sich erinnern und auch bei diesen schon die entsprechenden Konsequenzen ziehen.
In Oesterreich-Ungarn, wo eben die Delegationen tagen, die aus Abgeordneten beider Länder bestehenden Ausschüsse zur Berathung der gemeinsamen Angelegenheiten der auswärtigen Politik, des Heeres und der Marine, hat die gemeinsame Regierung eine Forderung von 30 Millionen Gulden zu Vervollständigung der Marine, für neue Schiffe, eingebracht, die im Wesentlichen als eine Folge der vom Deutschen Reichstag jüngsthin angenommenen Marinevorlage bezeichnet werden kann: die bekannte „Schraube ohne Ende", die, sobald sie in einem Lande angesetzt worden, kurz darauf auch in den Nachbarländern zu wirken beginnt.
In unfern beiden westlichen Nachbarländern haben am vergangenen Sonntag Wahlen stattgefunden: in Belgien die alle zwei Jahre vor sich gehenden regelmäßigen Wahlen zur Erneuerung der Hälfte der Kammer und des Senats. Diesmal wählten
Pfingstrosen.
Novellette von W. Conrady.
------ (Nachdruck verboten.)
Pfingsten war's geworden, und die ganze Welt lachte im Sonnenglanz, im Schmuck der Wiesen, Wälder und Gärten, im Sang der Vögel, im Klang der Kirchenglocken, und in all' der Lust fröhlicher Menschenherzen.
Noch früh am Morgen war's und in dem kleinen Slädtlein — fast war es ein Dorf zu nennen — regte sich noch nichts. Da trippelte schon ein blondgelocktes, blauäugiges Mädchen im Festtagsstaat still und heimlich in eine kleine Seitengasse, zu einem schlichten, aber bildsauberen Hause, in dessen Hochparterre heute, wie immer, ein Fenster offen stand. Jetzt faltete sie den leichten, lichten Sommerumhang, den sie trug, auseinander, und ein Bouquet, noch vom Thau getränkt, frisch- rother, üppiger Pfingstrosen, legte sie rasch auf das Fensterbrett, möglichst weit in's Zimmer hinein. „Er wird's schon gleich finden," flüsterte das liebliche Mädchen, und entschlüpfte so schnell, als es gekommen war.
Ihr Weg führte sie zum Frühgottesdienst und zur hl. Kommunion, die sie für ihn aufopferte, für ihren Karl, mit dem sie verlobt war, und der sie heirathen wollte, so bald er im Geschäfte seines Herrn, des ersten Kaufmanns im Städtchen, es vom Kommis zum Geschäftsführer gebracht hätte. Eher gaben es seine Ellern nicht zu, und ihre Tante — Marie war eine Waise — wollte auch nichts von einer Heirath wissen, ehe die Existenz des Bräutigams vollkommen gesichert fei. Und das konnte noch so lange, ach, so lange dauern! M
Karl Weinzier indeß fand das Bouquet seiner Geliebten nicht. Wohl aber fand es die Mutter.
Von ihr! " rief sie, erfreut es vom Fenster nehmend, "ein Pfingstgruß schon so früh am Morgen Noch alänzt der Thau daran, als feien es ihre Thranm. Wie sie ihn liebt, die süße Marie!" Und dann klopfte sie, die Pfingstrosen in der Hand, an Karls Wohnzimmer. „Auf, auf! Du Langschläfer! Schämst Du Dich nicht, so lange in den herrlichen Pfingsttag hineinzuschlafen? — Na, hörst Du nicht, Karl? Aufstehen sollst Du. Die Marie hat Dir auch schon einen Gruß geschickt!"
will; wenn die Gemüther nicht erregt und aus der normalen Verfassung gebracht werden, können jene 'Blätter und Parteien nicht im Trüben fischen, was sie so gerne thun, können nicht die Wähler mit irgend einem Wauwau überrumpeln und schrecken. Damit aber ist ihnen ein Hauptagitationsmittel entzogen, und deshalb sind sie unzufrieden und machen der Regierung Vorwürfe, daß sie nicht zur rechten Zeit mit einer „Wahlparole" hervorgetreten sei, auf die man die Wähler hätte sammeln können. Im verständlichen Deutsch übersetzt, heißt das einfach: Die Regierung solle Wahlbeeinflussung treiben — zu Gu sten der Kartellparteien, die mit Hilfe ihrer „Programme" „keinen Hund hinter dem Ofen heraus", geschweige denn einen zurechnungsfähigen, selbstständig denkenden Wähler auf ihre Seite zu locken vermögen.
Die Kartellsippschaft kann den Augenblick des Zustandekommens einer Kartellmehrheit im Reichstage iaum abwarten, um ihre verbrecherischen Absichten bezüglich des bestehenden Reichstagswahlrechts zu verwirklichen. — Möchten die Wähler am 16. Juni, wenn sie zur Wahlurne schreiten, dieser Attentatsversuche auf ihre Freiheit und ihre Rechte sich erinnern, dann kann es nicht zweifelhaft sein, daß derartige Gelüste für lange Zeit unschädlich gemacht werden. Die Feinde des Volkes und jeder freiheit- lidjen Entwickelung suchen zwar, nachdem sie sich überzeugen mußten, wie sehr ihnen schon der bloße Verdacht geschadet hat: daß sie das Reichstagswahlrecht .gu verschlechtern gedächten, diesen Verdacht von sich abzuwälzen, aber vergeblich, denn es ist zu gut beglaubigt, daß das Erste, was sie nach erreichter Mehrheit im Reichstage thun würden, eine Aenderung des Wahlrechts wäre, die ihnen für alle Zeit die Majorität sichern würde. Deshalb müssen, wo Cen- strujmswähler in Betracht kommen und diese die
’TÄÄ'iS'"’ mit Anlerhattungs-Weikage „Issustrirte Somstags-Aestung"
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Die bevorstehenden Reichstagswahlen, sowie der Krieg zwischen Spanien und Nordamerika fesseln für die nächste Zeit das Interesse aller Kreise in höchstem Maße. Die gewohnte sommerliche Stille wird in diesem Jahre nicht eintreten, und somit ist das Halten einer Zeitung auch für diejenigen unerläßlich, welche sonst während der Sommermonate auf die Zeitungs- lectüre verzichten. Die .Fuldaer Zeitung' ist aber durch ihre schnelle und zuverlässige Berichterstattung in der Lage, allen Anforderungen, die man an eine größere Zeitung stellen kann, zu entsprechen.
Wochen-Rundschau.
(Nachdruck »erböte«.)
X Fulda, 28. Mai.
Nachdem nunmehr sämmtliche Parlamente verabschiedet und die Abgeordneten an den heimischen Herd zurückgekehrt sind, wendet die öffentliche Aufmerksamkeit ungetheilt sich der Wahlbewrgung zu, von der man auch jetzt erst sagen kann, daß sie im vollen Betriebe fei. Sehr vortheilhaft hat sie sich bisher von denen früherer Jahre durch ihre Ruhe ausgezeichnet. Das ist eine ganz ungewohnte Begleiterscheinung, die man, von der lebhaften Agitation und Aufregung, die Reichstagsauflösungen stets im Gefolge haben, abgesehen, auch in der normalen Wahlbewegung seither nicht kannte, am allerwenigsten so kurz vor den Wahlen, wie eben. Diese Ruhe erscheint manchen Leuten so auffällig und unerklärlich, daß sie ihnen ganz verdächtig vorkommt; sie meinen, da müsse etwas ganz Besonderes dahinter stecken, man dürfe sich auf lieber - raschungen gefaßt machen. Letztere mögen in den drei Wochen, die bis zur Reichstagswahl noch vor uns liegen, möglicherweise noch kommen, und dann würde es natürlich auch mit der Ruhe vorüber sein. Auch in der Presse macht sich die Ruhe in der Agitation bemerkbar: Das Kesseltreiben, wie es sonst wohl üblich war, die persönlichen Angriffe, das gegenseitige Herunterreißen und Beschimpfen — alle diese schönen „Blüthen" einer bis zur Siedehitze getriebenen Agitation hat man, bis auf ein Minimum, seither glücklicherweise vermißt, und es wäre lebhaft zu begrüßen, wenn die gegenwärtige Wahlbewegung den Anbruch gesitteterer Gewohnheiten in dieser Hinsicht bedeutete.
Freilich, wenn es gewissen Parteien und ihren Organen nachginge, würde die Wahlbewegung nicht in den gemessenen Grenzen sich halten, in denen sie bis jetzt verlaufen ist; wir würden dann in dem heftigsten Strudel der Agitation uns befinden oder noch hinein- gerathen. Es sind das Parteien, die sich eigene werbende Kraft nicht zutrauen, sondern nur, auf die Krücken der Regierung gestützt, sich fortzubewegen verstehen: die sogenannten Kartellpart eien. Blättern dieser Richtung ist es gar nicht recht, daß die Agitation nicht in der früher üblichen Weise in Zug kommen
Heute Mittag wurde der Obstbaukursus an : der hiesigen Landwirthschastlichen Winterschule, der am Montag seinen Anfang genommen hatte, geschloffen. Es war der erste Versuch, 1 der hier mit einem derartigen Kursus gemacht wurde, und wenn man vorher vielleicht im Zweifel fein konnte, ob dieser Versuch von Erfolg sein werde, so dürfen wir heute mit Freuden konstatiren, daß sowohl die Betheiligung wie auch der ganze Verlaus des Kursus gezeigt haben, daß man hier einen guten Gedanken in der richtigen Weise zur Ausführung gebracht hatte.
Es beteiligten sich an dem Kursus 22 Herren, nämlich 3 aus der Stadt, 17 aus dem Kreise Fulda und 2 aus dem Kreise Gersfeld. Naturgemäß waren die meisten Theilnehmer Landwirthe bezw. Besitzer größerer Gartenanlagen, 4 Theilnehmer gehören dem Forstfache, 1 einem Gelehrten - Berufe an; 6 Theilnehmer waren frühere Schüler der Landwirth- schaftlichen Schule. Wie man aus dieser Zusammenstellung ersieht, ist diese Erkenntniß von der Wichtigkeit eines rationellen Obstbaues für unsere Gegend in erfreulicher Weise schon in weiten Kreisen zum Durchbruch gekommen, und man darf daher hoffen, daß die Erkenntniß in immer weitere Kreise Eingang finde und der bisher in hiesiger Gegend so sehr vernachlässigte Obstbau allmählich die gebührende Beachtung finden werde. In der Stadt Fulda hat man bekanntlich schon recht beachtenswerthe Erfolge im Obstbau erzielt, so daß der hiesige Gartenbauverein, der sich die Hebung und Pflege des Obstbaues besonders angelegen sein läßt, im vorigen Jahre auf der Deutschen Ällg. Obstbau-Ausstellung in Kassel für sein ebenso reichhaltiges wie vorzügliches Obstsortiment trotz der großen Konkurrenz mit dem ersten Preise ausgezeichnet wurde.
Der Lehrplan des Kursus gestaltete sich wie folgt: Vormittags von 8—12 Uhr wurden jedesmal 4 Vorträge von Herrn Direktor Schopp- mann gehalten, in denen alles Wiffenswerthe über den Obstbaum und seine Pflege, sowie über das Obst selbst in ausführlicher und allgemein verständlicher Weise behandelt wurde. Es würde zu weit führen, wenn wir an dieser Stelle auf den Inhalt dieser Vorträge näher eingehen wollten; wir müssen uns auf eine kurze Aufzählung der wichtigsten Themata beschränken. Es wurde u. A. behandelt: die Bedeutung des Obstbaues im Allgemeinen und für den Kreis Fulda im Besonderen; der finanzielle, ästhetische und bildende Erfolg eines rationellen Obstbaues; die Vermehrung der Obstbäume durch Samen und Stecklinge; das Veredeln der Obstbäume; die Anlage und Behandlung der Baumschule; das Pflanzen und die Pflege der Obstbäume; Kenntniß der verschiedenen Sorten und Auswahl der dem Klima entsprechenden Sorten (erläutert an Wachsmodellen); die Krankheiten der Obstbäume und deren Behandlung; die Schädlinge und deren Bekämpfung; die Obsternte; die Aufbewahrung und Verwerthung des Obstes. — Die Nachmittage wurden dazu benutzt, die theoretischen Belehrungen des Vormittages praktisch zu verwerthen xnb einzuüben. Die Leitung dieser praktischen Hebungen hatte Herr Kunst- und Handelsgärtner F. Ries übernommen. Es wurden u. A. die verschiedenen Arten der Veredelung und der Baumschnitt gezeigt und von jedem einzelnen Theilnehmer ausgeführt. Ferner wurden unter Führung der Herren Direktor Schoppmann und Gärtner Ries die Kreisbaumschule in Edelzell, die Stadtbaumschule im Schloßgarten, sowie verschiedene Privatgärten besucht, in denen gut- gepflegte Hochstämme und musterhaftes Zwergobst in verschiedenen Formen und Sorten besichtigt und in ihren Eigenthümltch leiten erläutert und erklärt wurden. Es wurden besucht die Gärten der Herren Michael Schmitt, Geisler, Fuchslocher und Freude. Ferner wurden die Obstbäumr an den Chausseen und öffentlichen Wegen besichtigt und besprochen.
So bot dieser sechstägige Kursus den Theil- nehmern eine reiche Fülle von Belehrungen und Anregungen; von verschiedenen Herren wird uns mitgetheill, daß sie nicht nur hochbefriedigt von dem Gebotenen seien, sondern daß ihre Erwartungen weit übertroffen worden seien und daß sie alle von den Kenntnissen, die sie sich in dem Kursus erworben, sich den besten Erfolg für ihre Obstbaumzucht versprechen. Wenn man weiß, wie schlecht es auf dem Lande in hiesiger Gegend mit dem Obstbau bestellt ist, so daß sogar vielfach die Ansicht besteht, das Klima sei hier für die Obstbaumzucht ganz und gar ungeeignet, daß man ferner den wenigen vorhandenen Obstbäumen entweder gar keine oder eine gänzlich verkehrte Pflege angedeihen läßt — so kann man nur wünschen, daß hier überall möglichst bald
erwähnt werden.
Voraussichtlich wird ein solcher Obstbaukursus fortan in jedem Jahre an der hiesigen Land- wirthschaftl. Schule abgehalten werden, wie solches in anderen Gegenden schon seit Jahren geschieht. Im Rheinlande finden z. B. an scimmtlichen landwirthschastlichen Schulen regelmäßig solche Kurse statt, und immer größer wird dort die Zahl der Theilnehmer, weil die hohe Wichtigkeit des rationellen Obstbaues dort von Jahr zu Jahr mehr erkannt wird und in den schon jetzt erzielten Erfolgen klar vor aller Augen liegt. Hoffentlich wird auch in unserem Kreise diese für das Allgemeinwohl so hochwichtige Angelegenheit sich in erfreulicher Weise entwickeln.,
Wir schließen uns dem Wunsche an, mit dem Herr Direktor Schoppmann heute Mittag den Kursus geschloffen hat, daß allen Theilnehmern das, was sie hier gehört und gelernt, zum Nutzen gereichen und schließlich zum Gemeingut aller Land- und Gartenbesitzer werden möge, auf daß auch für unsere Gegend der Obstbau allmählich eine ergiebige Quelle des Wohlstandes und des Segens werde. Allen aber, die diesen Kursus in's Leben gerufen, den Mitgliedern des Kreistages, insbesondere aber auch den beiden Herren, welche den Kursus geleitet haben, dem Herrn Direktor Schoppmann und Herrn Gärtner Ries, gebührt der Dank aller, die für den Obstbau, sowie für den Wohlstand und die Schönheit unserer engeren Heimath Verständniß und Interesse haben.