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Juköce, Samstag, den 28. Mai 1898

25. Jahrgang.

Wegen des hl. Pfingstfestes wird die nächste Nummer unseres Blattes erst am Dienstag ausgegeben.

L Pfingsten.

LLtie wunderbar in Wald und Flur CT Ein junges Leben grünt und blüht! Wer's schaut mit gläubigem Gemüth, Sieht überall des Schöpfers Spur.

Und wie es rauscht im grünen Hain, Und wie es singt und wie es Hingt": Der Lebensodem, der durchdringt So zaubermächtig alles Sein.

Was ist's? Ein Hauch aus Gottes Mund, Ein Ausfluß seiner Schöpfermacht, Die aus dem Mchts, aus leerer Nacht Die Sonnen schuf, das Erdenrund!

Was ist der stolze Menschengeist, Das Leben, das den Stoff beseelt Und Mens penwerken ewig fehlt, Ob Du auch Zell' an Zelle reihst ?

Nur durch die Sonne glänzt der Firn!

Nur Gottes Geist als Lebensborn Ist mächtig in dem kleinsten Korn Und in des größten Denkers Stirn! — Gewiß ein Wunder hoch und hehr. Das nie genug der Sänger preist!

Und doch thut Gottes h.il'ger Geist Der größten Wunder noch viel mehr!

Er, der in Flammen niederstieg, Und nun das heil'ge Feuer nährt. Bis einst der Heiland wiederkehrl — Er leuchtet uns voran zum Sieg! Nemo.

* * *

Vom blauen Himmel strahlt die belebende Maiensonne auf das hohe Geburtsfest der Kirche hernieder. Freudig schlagen unsere Herzen und vereinigen sich in Liebe zu unserer heiligen Mutter, und im Dank für ihren mächtigen Schirm­herrn und Erleuchter, den heiligen Geist. Er hat sie mit Weisheit und Stärke gerüstet, daß Ränke und Gewalt der Feinde nichts gegen sie vermochten, er wird ihr auch ferner mit seinem Rache zur Seite stehen, daß sie nicht nur die Be­drängnisse, die ihr bereitet werden, siegreich über­winde, sondern auch als Retterin der weltlichen Mächte aus der Noth der Zeiten sich erweise.

Gottes Wege sind wunderbar. Die irdische Gewalt, der das Schwert zum Schutze des Kreuzes verliehen ward, bedarf des Kreuzes als Schutz wider die Feinde aller gesellschaftlichen und staat­lichen Ordnung. Man verbanntem vielen Staaten das Kreuz aus der Schule, aus dem öffentlichen Leben und wähnte, die Macht des Staates durch die Befreiung vom „Joche der Kirche" zu ver­mehren und zu sichern! In Preußen, aber auch in gar mancher Beziehung im ganzen deutschen Reiche erklärte die Staatsgewalt der Kirche jenen Krieg, den jetzt die meisten nur noch ironisch einen „Kulturkampf" nennen!

Wohl hat der Staat mit diesem Kriege viel Leid und Ungemach der Kirche zugefügt, aber weit empfindlicher hat er durch die offizielle Be­kämpfung der Religion sich selbst geschadet. Die Urheber des Kampfes mußten es schließlich

Hohe Ziele.

Roman von L. von Neidegg.

------- (Nachdruck verboten.) (Schluß.)

Hedwig war emsig mit einer Arbeit beschäftigt, die sollte dazu dienen, die lässigen Gedanken zurück- Hudrängen, die selbst ihr starker Wille nicht ganz bemeistern konnte. Das Buch, in dem sie gelesen, lag in ihrem Schooß; Blatt um Blatt hatte sie umgeschlagen, ohne den Inhalt zu fassen — so unablässig kehrte die Erinnerung wieder an das, was gestern gewesen und was nun nie mehr sein sollte. Es hatte ja nicht schwer gehalten, den Weg zu erkennen, der ihr vorgezeichnet war, auch nicht, herauszufinden, wo ihre Pflicht lag und was ihr durch dieselbe geboten. Furchtbar schwer war es aber, die Aufgabe durchzuführen, und sie stand erst am Anfänge derselben, und das Leben war so lang ! Mit Mühe wehrte sie den Thränen, die ihr in die Augen treten wollten. Sie durfte ■ja nicht weinen, durfte dem Vater das Herz nicht schwer machen.

In diesem Augenblicke ging die Thür auf, und Hermann stand vor ihr mit strahlenden Augen, dem fröhlichen gewinnenden Gesichtsausdruck, den sie an ihm so sehr liebte. Langsam erhob sie sich, und wie gebamit ruhten ihre Blicke auf ihm in wortlosem Entzücken. So liebte er sie also wahr­haft, liebte sie genug, um des Vaters Vergangen­heit zu übersehen! ... Sie konnte und durfte sein Opfer nicht annehmen; gerade in ihrer Liebe zu ihm mußte sie die Kraft zur Entsagung finden. Selbstsucht wäre es gewesen, sich an ihn zu heften, wie ein Bleichgewicht, und ihm eine Erbschaft

selber einsehen und die abschüssige Bahn ver­lassen, die sie betreten, den Weg zum Abgrunde, den plötzlich erschreckend klar die Frechheit der Mächte des Umsturzes, das Anwachsen der Sozial­demokratie, beleuchtete. Es mußte eine neue Zeit eröffnet werden, einv Aufgabe, deren die alten Männer, die den „Kulturkampf" begonnen, leider nicht völlig sich gewachsen zeigten. So blieb es denn beim Waffenstillstände, dem „Präliminar- Frieden mit Demarkationslinie", wie ihn einmal Graf Ballestrem kennzeichnete.

Nun sind die alten Männer größtentheils verschwunden; selbst der Kanzler, der einst nicht nach Kanossa gehen wollte, ist zuletzt gegangen — nach Friedrichsruh. Aber die Männer des vollen Friedens sind noch nicht gekommen; nur die Männer jenes faulen Friedens, den Windt- horst einst mit der Ruhe des Kirchhofs verglich. Das ist eine besonders gefährliche Zeit für uns Katholiken, eine Zeit, welche um so größere Wach­samkeit von uns erfordert und die Führung des hl. Geistes uns doppelt nothwendig macht.

Ueberall ruft man jetzt die Kirche zur Hilfe, den Geist des Verderbens, die „Zuchtlosigkeit" namentlich unter der Jugend zu bannen. Und doch, wenn die Kirche diesem Rufe folgen, und wie einst der Heiland die Kinder um sich scharen will, dann mißgönnt man ihr das historisch so gut wie begründete Recht auf die Schule; die christliche Schule, der die völlige Verstaatlichung den Garaus machen würde, sie wird in Bayern sogar von Katholiken, von ver­blendeten und verführten freilich, durch die Forde­rung der reinen Staatsschule preisgegeben!

Und läßt man denn wenigstens außerhalb der Schule die Kirche frei walten und ungehindert ihre Kräfte in den Dienst der Erhaltung der Ordnung stellen? Wäre es so, dann dürfte der Staat nicht in Allem, wo die Kirche ihre besten Kräfte anwenden könnte, in so beleidigender Weise bevormunden und beschränken. Das geschieht aber leider überall in Deutschland hinsichtlich der Orden. Ja, es besteht ja sogar noch das Ge­setz, welches einen um die Kirche wie um die Wissenschaft und allgemeine Kultur so hochver­dienten Orden, wie denjenigen der Gesell­schaft Jesu, und diejenigen, welche bureau- kratische Weisheit noch für „Jesuitenverwandt" erkläit, aus dem deutschen Vaterlande verbannt, während sogar Anarchisten und Revolutionäre aller Art Verbrecher und Lumpen in Folio in Deutschen Landen blühen, wachsen und gedeihen dürfen, solange sie sich nicht bei der Uebertretung dieses oder jenen Strafgesetzparagraphen er­wischen lassen. Sollen wir noch Hinweisen auf die Freiheit oder vielmehr Frechheit, womit der unchristliche Geist in Wissenschaft, Literatur und Kunst bis zur äußersten Gemeinheit unter dem Deckmantel der „freien Forschung und Kunst" ungehindert entfalten, das ganze öffentliche und private Leben durchseuchen, und dem Umsturz die Wege ebnen darf, während der christliche Geist überall sozusagen unter Polizeiaufsicht ge­stellt ist?! Genug, wir sehen, wie sehr wir deutschen Katholiken noch aller Gaben des heiligen Geistes, insbesondere der Stärkung im Kampfe bedürfen, deren vornehmstes Erforderniß unsere volle, unverbrüchliche Einigkeit ist. Und

von Schande milzübringen, die ihn bitteren De- müthigungen aussetzt; aber süß war es und ein stolzes Gefühl, ihn besser noch und edler zu finden, als sie gemeint, und das Bewußtsein seiner Stand­haftigkeit hinüber retten zu können in die öde Zukunft, die vor ihr lag.

„Hedwig, Hedwig! Der Brief, den Du mir geschrieben hast, besteht für mich nicht. Du bist meine geliebte Braut; nichts soll uns trennen!"

Noch immer sah sie ihn ungläubig an und fuhr sich wie träumend nach der Stirne.

„Kann es wahr fein?" erwiderte sie zweifelnd. „Nein, es ist unmöglich! Ihre Worte thun mir unendlich wohl, Hermann, die Erinnerung daran wird mich in später Zeit noch erquicken. „So süß sie klingen . . . scheiden müssen wir aber doch."

„Kein Gedanke!" ries er in seiner heiteren, sorglosen Art. „Du und ich, ich und Du, soll es fortan immer fein# Gib das frostige „Sie" auf, sag', daß Du mich liebst, lerne wieder lachen und scherzen, wie vordem."

Sie lächelte.zwar zu ihm auf, fuhr aber in früherem Tone fort: „Wissen Sie denn auch alles, Hermann?"

„Alles. Mein Stiefvater übernahm die Mit­theilung."

„Ach ja. Der ist wahrhaft gut und edel. Wie hat er den Vater aufgerichtet!.. . Armer Vater! Und Sie, Sie könnten wirklich vergessen, was ... was sich zugetragen?"

„An Deiner Seite gewiß."

„Es ist nicht denkbar. Könnten Sie es auch, mir würde es vorschweben wie ein Unrecht, das ich an Ihnen begangen. Ich darf meinen Brief nicht zurücknehmen, Hermann."

diese allzeit zu bewahren, das wollen wir heute, dem Geburtsfeste unserer hl. Kirche, am Tage der Herabkunft des heiligen Geistes aufs Neue feierlich geloben!

Deutsches Deich.

Berlin, 27. Mai.

* In dem Befinden des Finanzministers vs« Miquel, der erkrankt von Posen nach Berlin zurückkehrte, ist die erhoffte Besserung bis jetzt noch nicht eingetreten. Man nimmt darum an, daß man es mit einer wirklichen Influenza zu thun hat.

* Außer den bereits gemeldeten Veränderungen im Reichsheere ist auch der Chef des Jngenieur- korps General Dogek vo» Iaktkeustei« in Ge­nehmigung seines Abschiedsgesuches zur Dis­position gestellt worden. Als Nachfolger des Generals Vogel von Falckenstein wird General­lieutenant Freiherr von der Goltz genannt, jetzt Kommandeur der 5. Infanterie-Division, bekannter unter der Bezeichnung von der Goltz- Pascha.

x Der.Reichsanzeiger' veröffentlicht nunmehr auch den Wortlaut des Gesetzentwurfes über die gemeinsamen Rechte der Aefitzer von Schuldverschreivungeu. Der Entwurf besteht aus 19 Paragraphen, und es sind ihm Erläu­terungen beigegeben. Ueber den ungefähren In­halt des Entwurfes ist bereits berichtet worden. Sowohl für diesen Entwurf wie auch für den andern, der mit der Regelung des Hypotheken­bank-Wesens sich beschäftigt, ist als Zeitpunkt des Inkrafttretens der 1. Januar 1900 angenommen, der Tag, mit dem das Bürgerliche Gesetzbuch in Kraft tritt Aus dem Entwürfe über das Hypo­thekenbank-Wesen sei noch nachgetragen, daß nach den Bestimmungen desselben Aktiengesellschaften, Kommanditgesellschaften auf Aktien und Gesell­schaften mit beschränkter Haftung, die mit dem Hypothekenwesen zu thun haben, der Genehmigung des Bundesrathes bedürfen sollen, oder nur der Hauptbehörde eines Bundesstaates, wenn die Be­leihung von Grundstücken sich nur auf diesen einen Bundesstaat beschränkt. Die Beleihung von Grundstücken soll der Regel nach nur zu­lässig sein an erster Stelle, und zwar bis zu zwei Drittheilen des Welches auf dem Lande, bis zu drei Fünfteln bei städtischen Grundstücken.

* Nach den Beschlüssen des Bundesrathes sollen von dem Vorrath der Reichsbank an halben Kronen 22 Millionen Mark in Kronen umgeprägt werden; ferner sollen von dem Baarvorrathansilbernen Zwanzigpfennig­stücken 8 Millionen Mark umgeprägt werden und zwar 5/s der Summe in Fünf- und 3/s in Zweimarkstücke.

* Iarmkadt, 27. Mai. Die Kammer stimmte heute einem Dringlichkeitsantrag der Sozialdemokraten zu, für die Wahlzeit die Feierabendstunde für Wählerversammlungen aufzuheben. Die Regierung erklärte sich dazu bereit. Nicht angenommen wurde dagegen ein weiterer Antrag der Sozialdemokraten, daß den Flugblattvertheilern keiner Partei von den Behörden Schwierigkeiten bereitet werden dürfen. Die Regierung hatte erklärt, daß eine solche Vorschrift

„Du sollst und mußt es aber, Herzensliebling. Dein Vater gibt Dich mir; Du darfst Dich feinem Ausspruch nicht widersetzen. Wir wollen die Welt vergessen und nur unserer Liebe gedenken."

„Aber der Vater? Könnten Sie ihn in Ihrem Hause sehen, ohne sich durch seinen Anblick ver­letzt zu fühlen, ohne ihn empfinden zu lassen, daß seine Gegenwart Sie stört? Die Vergangenheit kann man nicht ungeschehen machen, und ihre Wirkungen greifen hinüber in das ganze Leben."

„Der Vater ebnet uns die Pfade!" rief er unbedacht. „Er sieht es ein, daß Dein junges Leben dem feinen nicht geopfert werden darf. Er selbst verzichtet . . ." Erschrocken brach er ab. Der Blick, den sie auf ihn richtete, zeigte ihm, wie verhängnißvoll seine Worte gewesen.

Hedwig war aus ihrem Taumel erwacht; wie eine Erleuchtung kam es über sie: die Scheu, mit welcher der Vater ihren Fragen über die Zukunft ausgewichen war — kleine, unbedeutende Anordnungen, die aber, zusammengefaßt, auf das Vorhaben einer Reise schließen ließen, ein oder das andere ihm unbedacht entschlüpfte Wort — alles stimmte überein, sie über des Vaters Ab­sichten aufzuklären.

„Also, wenn ich den Vater verleugne, nehmen Sie mich zur Frau? Wenn ich ihn alt, krank, hinfällig, allein in die Welt hinausziehen laffe, soll ich auf seinem Elend mein Glück aufbauen dürfen? Und Sie haben diesen Handel vorge­schlagen, Herr von Hardanger?"

„Hedwig, verurtheile mich nicht! Dein Vater ist's ja gewesen, der den Vorschlag machte."

„Sie haben ihn aber angenommen! . . . Ich hingegen weise ihn zurück. Auf Kosten meines

bereits durch Reichsgesetz gegeben sei. Ma" müsse zu den Behörden das Vertrauen haben, daß sie die gesetzlichen Vorschriften beobachten, und die Kreisämter seien ausdrücklich auf die Bestimmung des Wahlreglements aufmerksam gemacht worden.

Zur Reichstagswahl.

* „Die Centrumspreffe scheint noch immer nicht zu der Einsicht gelangt zu sein, daß in dem Vorgehen des Abg. Müller-Fulda und in den neuerlichen, noch seltsameren, Auslassungen des Abg. Dr. Karl Bachem eine völlig unzu­lässige demagogische MaHkmache enthalten ist. . . " Mit diesen liebenswürdigen Worten sucht ein Berliner konservatives Blatt die ernst­hasten und zeitgemäßen Warnungen von sich ab­zuschütteln, die erfahrene Centrumsparlamentarier an die Wählerschaft richten. Aber die Herren auf jener Seite haben entschiedenes Pech mit ihren Versuchen, die werthoollen Warnungen als Märchen, wenn nicht gar als absichtlich betriebene Flunkereien zu kennzeichnen. Denn jetzt bringt beinahe jeder neue Tag neue Beweise dafür, wie außerordentlich nothwendig es ist, hier die Augen offen zu halten. Soeben ist im Verlage des Deutschen Verlagshauses zu Berlin eine Flug­schrift erschienen mit dem Titel: „Gegen die Umstürzler. Ein Mahnruf zur Sammlung an die deutschen Wähler. Von einem Kon­servativen." Als „Umstürzler" bezeichnet der konservative Verfasser diejenigen, die das Reichs­tagswahlrecht angreifen wollen. Der Plan, den Reichstag' in Zukunft aus Vertretern der ein­zelnen Landtage zu bilden, ist nach den Mit­theilungen des Verfassers int letzten Amtsjahre des Fürsten Bismarck entstanden. „Dieses Projekt — so schreibt der Verfasser wörtlich — konnte damals in den höchsten Kreisen als Grund gegen das Verbleiben des Fürsten im Amte an­geführt werden." Dann ist, immer nach den Mittheilungen der Flugschrift, im Jahre 1894 im Anschluffe an das Umsturzgesetz auch „die Frage der Aenderung des Reichstags-Wahlge­setzes von den Kartellfreunden ernstlich erwogen worden... Im (preußischen) Minister- rathe wurde Wochen hindurch heiß darum ge­kämpft, ob die mildere ober schärfere Auffassung des Gesetzes zur Vorlage gelangen sollte. Für letztere trat Graf Eulenburg mit Feuereifer ein .. Daß die Situation Hochernst war, zeigte die Ant­wort des Kaisers an die ostpreußischen Land- wirthe: er sprach die Hoffnung aus, daß er­schütternde Kämpfe vermieden würden. In eingeweihten Kreisen wollte man Anhaltspunkte dafür haben, daß die Umsturzvorlage nur die Einleitung zur Verfassungsän­derung sei. . " Dann erzählt der Verfasser, wie im konservativen Berliner Verein „Rappo" Alarm geschlagen wurde, ein Verein, dessen Vor­stand stets in Fühlung mit der Regierung ar­beitete. Damals schrieb der Vorstand des ge­nannten Vereins an den Vorstand der konser­vativen Partei, zu Händen des Herrn v. Man­teuffel: „Die Pläne der Kartellfreunde haben feste Gestalt gewonnen. Repressivgesetze zur Eindämmung sozialdemokratischer und ver-

Gewissens sollte ich ein bischen irdische Glück- seligkeit erkaufen? Nein, das soll nie geschehen!"

In der Begeisterung ihrer kindlichen Liebe, die dunklen Augen flammensprühend, hatte ihr Wesen eine eigenartige, hoheitsvolle Schönheit angenommen, die den leicht beweglichen Sinn des jungen Mannes zu überströmender Bewunderung hinriß.

„Komm' zu mir, Hedwig!" rief er, die Arme ausbreitend. „Komm' zu mir! Ich liebe Dich über alles, mehr als Mutter und Ansehen, als Vermögen und das Urlheil der Welt! Laß uns einander angehören . . . bedingungslos nehme ich Dich zur Frau."

Von seiner Ueberreizung hingerissen, schwankte sie einen Augenblick und sah ihn unschlüssig an. Der Kampf war aber ein nur kurzer; allzu deut­lich hatte sich in dem raschen Wechsel wieder die Schwäche seiner Natur gezeigt, und seine Be­theuerungen vermochten sie nicht zu überzeugen. Sie hatte kein Recht, feine stürmische Aufwallung zu mißbrauchen und ihm dadurch Opfer auszu­erlegen, die ihm bei ruhigem Blute unerträglich dünken würden.

„Es kann nicht sein," erwiderte sie unendlich sanft, ober bestimmt. „Ich kenne Sie besser, als Sie selber sich kennen, und liebe Sie viel zu sehr, um Ursache Ihres Unglücks sein zu wollen. Sie würden nie vergessen, was Sie alles für mich hingegeben, und ich würde zu Grunde gehen, müßte ich Ihre Reue bemerken. Scheiden wir also in Freundschaft ... mit tiefem Dank sage ich Ihnen Lebewohl, Hermann. Die schönsten Stunden in meinem Leben sind durch Ihre Liebe in dasselbe gekommen."