StuJ und Verlag der Fuldaer Actiendruckeret
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25. Jahrgang.
Autöcr, Freitag, den 27. Mai 1898
M 119.
Sind Sie der jungen Dame gegenüber gebunden, muffen Sie wissen, was Sie zu thun gedenken. Aber das perhehle ich Ihnen nicht, daß in diesem Regiment, wo strenge aus Ehre und Sitte gehalten wird, kein Offizier die Tochter eines vorbestraften Mannes zur Frau nehmen darf. An einem Orte, wo die Sache nicht ruchbar geworden, in einem andern Regiments, kann es Ihnen vielleicht gelingen, die Heirath durchzusetzen. Hier ist es einfach unmöglich."
„Die Tochter wird also für den Vater gestraft?"
„Lieber Herr Kamerad, so geht es oft in der Welt. Ich sage Ihnen ganz offen: Nach allem, was ich hier über die Familie gehört, würde ich, hätte es an mir gelegen, deren Vergangenheit in Stillschweigen begraben haben; es wäre leicht thunlich gewesen. Wie die Dinge jetzt stehen, wohlgemerkt, nicht durch meine Schuld, geht das nicht an. Wie Sie der jungen Dame gegenüber handeln wollen, darüber steht mir kein Urtheil zu; das ist Ihre Angelegenheit. Ich spreche nur von dem, was ich als Kommandeur zu bestimmen verpflichtet bin."
Damit war Hardanger entlassen.
In seiner Wohnung fand er mit Molsbergs Brief zugleich auch den von Hedwig vor. Erstern las er flüchtig, um ihn dann ungeduldig bei Seite zu werfen. Der Mann war ihm zum Abscheu geworden; am liebsten wäre ihm gewesen, er hätte ihn nie wieder sehen müssen. Als er aber Hedwigs Zeilen überflog, da wurden seine Augen feucht, und es zuckte um seine Mundwinkel. Er sah sie vor sich mit ihren wunderbaren Augen, aus denen die Unschuld des Kindes sprach, verbunden mit der Wärme des liebenden Weibes,
X Neuesten Blätter-Meldungen wird der Kaiser bei seiner Meise «ach Palästina nicht in Jaffa, sondern in der Bucht von Acca landen, und zwar bei Haifa. Demgemäß ist der Vali von Beirut oom Sultan angewiesen worden, in
In seinem Stiefvater, vor dessen Charakter er ausrichtige Hochachtung empsand, einen alten
Einst, im Jahre 1890, ging ein Zug freudiger Erhebung durch das Land. Kaiser Wil- Lelm der Zweite hatte durch die Februar- Erlasse, die Berufung der internationalen Arbeiterschutz-Konferenz, durch die Einbringung des Arbeiterschutz-Gesetzes sich für die thatkräftige Förderung des Wohles der arbeitenden Klaffen erklärt. Das Volk, besonders der Arbeiterstand, jubelte dem Arbeiterkaiser, dem Vertreter des sozialen Königsthumes zu. Mit dem Arbeiterschutzgesetz vom Jahre 1891 wurde ein vielverheißender Anfang einer kräftigen Sozialreform, der Vorbedingung des sozialen Friedens, gemacht. Es war ein Kulturfortschritt angebahnt.
Bald nach dem Jahre 1891 aber fiel das Zaudern der Reichsregierung auf, weitere Fortschritte zu machen. Immer mehr Bedenken und Schwierigkeiten wurden heroorgehoben, die einer weiteren Reform entgegenständen. Dann kam der Versuch der Regierungen, im Reiche durch ein Umsturzgesetz, und als dies mißlang, im preußischen Landtage, ebenfalls vergeblich, durch Einschränkung der Vereinsfteiheit die gährende soziale Unzufriedenheit aus der Welt zu schaffen. Jetzt ist uns, seit dem 13. Dezember 1897, durch den Vertreter des Reichskanzlers amtlich bestätigt, daß heute und in nächster Zeit von den Regierungen eine nennenswerthe Fortführung der Sozialreform nicht zu erwarten ist.
Die Thronrede zur Eröffnung der letzten Reichstagssession erwähnte die Sozialreform schon nicht mehr. Die Männer, welche einst zur Durchführung derselben berufen wurden und erklärte Förderer des Fortschreitens der sozialen Gesetzgebung waren, von Berlepsch, von Rottenburg, Bödiker, haben einer nach dem anderen ihre Stellungen niederlegt, in denen sie nichts mehr erreichen konnten. Die Kommission für Arbeiterstatistik wird nur selten einberufen und ihre Vorschläge finden bei der Regierung „Bedenken". Das im vorigen Jahre durch eine Kommission des Reichstages verbesserte Unfallversicherungsgesetz ist trotz damaligen Versprechens der Regierung unter den Tisch fallen gelassen und nicht wieder eingebracht worden, weil die liberalen Unternehmer „ernste Einwendungen" dagegen
verantwortlich: Air die Redaktion Iok Lan». siir Inserate I. Varzeller tu Fulda.
Hoffnungen und Erwartungen unserer auf tue kaiserlichen Versprechungen bauenden Arbeiter ärger verspotten? Kann man rücksichtslosere Klassenpolitik treiben? .
Leider haben auch die Konservativen und Frer- konservativen dem Arbeiterschutz thatsächlich Absage geleistet. Die Konservativen können sich zwar nicht genug entrüsten, daß man ihnen, den Großgrundbesitzern, „Renten und Unternehmergewinn" durch höhere Getreidepreise, gemäß Antrag Kanitz, staatlicherseits noch nicht gewährleistet hat. Spricht man aber von der Besserung der Lage der Arbeiter, auch ihrer Landarbeiter rc. durch Hilfe des Staates, dann wehren sie mit beiden Händen die „Begehrlichkeit und Vergnügungssucht" der Arbeiter ab und stimmen kräftig gegen alle Forderungen und
erhoben hatten.
Gegenüber der Forderung nach weiterem staatlichen Schutze der Arbeiter erklärte der neue Staatssekretär des Innern, Graf Posadowsky, „daß es außerordentlich bedenklich sei, fämmtliche Erwerbszweige Deutschlands polizei-
Rathschläge. ,
Nun hat der Streit im Reichstage, ob die Sozialreform für die Arbeiter fortgeführt werden soll, ein Ende. Der alte Reichstag, in welchem
den. Daß solche Truppen für einen derartigen Empfang neuer Uniformen bedürfen, klingt außerordentlich wahrscheinlich. Denn mit der Bekleidung pflegt es bei der türkischen Armee in den allermeisten Fällen ein wenig zu hapern. Im Uebrigen braucht man wohl kaum anzunehmen, daß schon jetzt der ganze Reiseplan endgiltig fest-
Reichstag mit ganzer Kraft und Zähigkeit dafür eintreten. Drum ihr Arbeiter, die Augen auf und wählet am 16. Juni die rechten Männer, die wahren und erprobten Freunde der Arbeitersache.
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pet-rsM- Nr- - lSarmonie».
gelegt ist.
X Die bereits angekündigten zahlreichen Veränderungen in höheren Stelle« des Meichs- heeres werden durch eine Sonderausgabe des Militär - Wochenblattes' bekannt gemacht. Es handelt sich dabei um die Verabschiedung bezw. Stellung zur Disposition von 1 Generallieutenant, 6 Generalmajoren, 3 Obersten. Davon seien hier genannt: Generallieutenant v. Wangen- Heim, Kommandeur der 12. Division, die Generalmajore v. Wildenbruch (9. Inf. - Brigade), v. Lippe (13. Inf.-Brigade), v. Reventlou (5. Feldartillerie-Brig.), v. Bonin (12. Kavall.-
Deutsches
Berlin, 26. Mai.
Hohe Diele.
Roman von L. von Neidegg.
33 ------ (Nachdruck verboten.)
Es war das Gefühl des Ingrimms, mit dem Hermann das Schreiben an sich nahm, und doch, als er es durchlas, mußte er sich sagen, daß die Mutter im festen Glauben an die Wahrheit ihrer Behauptungen sich befinden müsse, um sich auf "diese Weise vorzuwagen. Es waren gehässige, Litterböse Worte, welche da geschrieben standen; Molsberg's Vorleben war in den düstersten Farben geschildert, sein Vergehen erschien unentschuldbar. Für Hermann, welcher die Mutter kannte, blieben Zweifel möglich, ob nicht blinder Haß ihre Behauptungen in die Feder diktirt, die nich ganz stichhaltig waren; wem aber die Kenntniß ihres Charakters fehlte, der mußte Molsberg für einen abgefeimten Bösewicht halten, nachdem er diese Zeilen gelesen.
Hardanger biß die Zähne auf einander in ohnmächtiger Wuth und stellte schweigend dem Obersten den Brief zurück.
„Was gedenken Sie nun zu thun ?" fragte dieser.
„Die Nachricht ist so gänzlich unerwartet und so niederschmetternd," stammelte dieser, „daß Herr Oberst mir gestatten müssen, mit der Antwort «och zurück zu halten."
„Das ist begreiflich. Indessen möchte ich Sie aufmerksam machen, daß Ihre Frau Mutter, wie sie hier schreibt, dafür gesorgt hat, der traurigen Angelegenheit die größtmögliche Verbreitung zu geben; es liegt also weder in Ihrer Macht, noch in der meinen, dieselbe aus der Welt zu schaffen.
lich reglementiren zu wollen". ...Wir können . nicht dahin kommen, daß schließlich )eder Gewerbe- I treibende sich Abends mit dem Polizisten zu Bette legen müßte und Morgens mit dem Polizisten wieder aufstehen würde." Die Bevölkerung (gemeint sind die liberalen Arbeitgeber) wolle von weiteren sozialen Gesetzen nichts mehr wiffen, die Sozialreform falle ihr auf die Nerven, sie verlange Schonzeit. — Was sollen demgegenüber alle Versicherungen besagen, die Staatsregierung wolle keinen Stillstand in der positiven Förderung des Wohles der arbeitenden Klassen eintreten lassen, zumal sie, zur Rede gestellt, nichts weiteres in Aussicht zu stellen wußte, als Erfüllung der „berechtigten Forderungen für die sittliche und körperliche Gesundheit der Arbeiter" ?
Was dann das von den Arbeitern seit Jahrzehnten sehnlichst verlangte und auch vom Centrum noch jüngst energisch geforderte Koalitionsrecht, sich unter gesetzlichem Schutze zur Vertretung ihrer wirthschaftlichen Interessen in Ge- werkoereinen rc. vereinigen zu können, anlangt, so will die Regierung davon heute gar nichts, wissen. Sie ließ erklären, die Arbeiter hätten ja das Wahlrecht. Aber was sollen sie mit dem Wahlrechte allein ausrichten, wenn die Regierung weiteren sozialen Gesetzen doch nicht mehr zustimmen will? Und gerade diejenigen Forderungen, welche die Leiter mit Hilfe des Koalitionsrechts durch Gewerkoereine auf gesetzlichem Boden in rechtmäßiger Weise zu erringen hoffen, lassen sich durch allgemeine staatliche Gesetze nicht ausführen.
Heute kann man die vor 7 Jahren erlassenen Kundgebungen des Kaisers in den Februar - Erlassen, den Thronreden und sonstigen Verlautbarungen nur mit dem Gesühle enttäuschter Hoffnung lesen, um so mehr, als auch in der Sozialreform der Stillstand ein Rückschritt ist.
Wir Freunde der Sozialreform müssen das tief bedauern. Unsere Stellungnahme gegenüber der Sozialdemokratie wie unsere gesammte Arbeit auf sozialem Gebiete ist uns dadurch recht schwer gemacht. Die kurzsichtigen Gegner der Sozialreform zwar, die liberalen Unternehmer, die sich im „Centralverband deutscher Industrieller", im „Verein zur Wahrung der wirthschaft- lichen Interessen (der Arbeitgeber) in Rheinland und Westfalen" gesammelt haben, die den Arbeitern aber das Recht zur Bildung von Gewerkvereinen „zur Wahrung ihrer wirthschaftlichen Interessen" hartnäckig nicht gönnen mögen, fubeln auf. Das, was Graf Posadowsky gesagt habe, so erklärte jüngst einer ihrer Wortführer, sei der- elbe Standpunkt, den auch sie stets vertreten hätten und daß ihn nunmehr die Staatsregierung (in einer Aevderung des sozialpolitischen Kurses) einnehme, sei um so erfreulicher, als von vielen Seiten durch jahrelanges °'"‘"
äugeln mit der Sozialdemokratie und ihren „sozialen" Freunden (gemeint sind der frühere Minister v. Berlepsch, Staatssekretär von Rottenburg rc.) genug Unheil in unserem Erwerbsleben gestiftet worden sei, das nur schwer wieder gut zu machen sei. - Kann man mehr Hohn über die „kaiserliche Sozialreform" ausgießen, wie hier die liberalen Unternehmer, die Träger des nationalen Gedankens, sich gestatten? Kann man die berechtigten Wünsche und Forderungen, die heißen
alle in d a s C e nt r um in alter Treue die Fort- « .und Pochhammer (6. Md°rt.-Bn^ fiihrnna der Sozialreform jahrein, jahraus gefordert Alle diese Offiziere sind in Genehmigung ihrer öT u mÄS S. » nach H-uft «d,chi-dzg.,uch- 8« SÜpofliion geftdlt w°-d-n. ^schickt. Ein neuet R-ichAag muß gewählt werden. Die ft-ig-w»rd-n-n Stelle» sind fofort wieder be- Dieser neue Reichstag aber muß, wenn die Sache setzt worden. ,
der Arbeiter nicht ganz unter den Tisch fallen ft Nach einer Mitlheilung des '^rchsa z. soll Abgeordnete aufweisen, die das von der Re- wird die seit Jahren erörterte Frage des Erlasses gierunq bei Seite geschobene kaiserliche Programm eines Meichsgesetzes «6er bte ^^po^eften- drSoziar^mvom Februar 1890 wieder im kauke« im nächsten Herbst wieder an den Sunbe^ «amTbe Aonei unb bet Arbeiter rath gelangen. Die bereits mehrfach unternom- ÜEick erheben menen Versuche in diesem Sinne find bisher er-
Die ArbeUer haben das jetzt beiden folglos geblieben, und dennoch ist die gesetzliche W a h l e n i n d e n H ä n d e n. Mögen sie sich Ordnung des Hypothekenbankwesens em drurgenbes dieser Verantwortung bei den Wahlen am 16. Juni Bedürfmß. „Hierbei — so heißt es m der Mlt- bewustl sein Sie selbst entscheiden über das theilung des amtlichen Blattes — st/ht "icht nur Schicksal ihrer Sache. Wahlrecht, Koalitionsrecht, der Erlaß prioatrechtlicher oder konkursrechtlicher Vereins- und Versammlungsrecht, Arbeiterschutz Vorschriften zur Sicherung der Ansprüche der I sind auf dem Spiele. Die Nationalliberalen, Pfandbriefbesitzer rn Frage, es ist ^mehr. aner- Konservativen Freikonservativen haben sich in der kannt, daß die wirtschaftliche Seile des G g - lebten Reichstaassession nicht als Freunde dieser standes — Errichtung, Geschäftsbetrieb, Beaus- Reckte und Forderungen der Arbeiter erwiesen, sichtigung der Hypothekenbanken — ebenso sehr
übersteigen diese Summe noch um mehrere Millionen Mark. Daraus ergibt sich von selbst, daß sehr bedeutende Interessen mit dem Geschäftsbetriebe der Hypothekenbanken verknüpft sind. Schon tm vorigen Jahre sind Berathungen mit Sachverständigen abgehalten worden; und nunmehr ist vor Kurzem der G e s e tz e n t w u r f den Bundesregierungen mit dem Ersuchen um eine vorläufige Prüfung zugegangen. Gleichzeitig veröffentlicht auch der ,Reichsanzeiger' diesen Entwurf. Derselbe ist ziemlich umfangreich; er besteht aus 35 besitzet, namentlich über die Berufung^von
FuldaerMZeitung mit Iluterhaltungs-Meilage „Mustrirte Sonntags-Zeitung
zu treffen. In Haisa soll unmittelbar bei der
Weae von Laisa n7ch Nazareth und Jerusalem in solchen Versammlungen und über die Be- sollen ausgebessert werden, und eine Flotte von stellung eines gemeinsamen Vertreters sind in dem 9 «rkKaWschNll den Kaiser bei seiner Entwürfe nicht enthalten Man geht aber von Rückkebr von Jerusalem über das M er bis nach der Ansicht aus, daß auch Einrichtungen solcher Komstantinovel begleiten^ Auch verlautet, in Haifa Art erforderlich sind; indeffen nicht nur für die ftlltln 12,000 Mann neubekleideie türkische Truppen Besitzer von HMocheken -Pfandbrlefen, fonbern zum Empfange des Kaisers zusammengezogen wer- uberhaupNü^i^^sitze^gl^i^^^^
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loszusaqen so fand er doch eben so wenig die hier seinem Stiefvater gegenüber sab- Nach He |A «ta S-sch-hmff-» 8-m Trotz «n ihr w.g °-i_bE HU-
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menn etwa die Mutter Unrichtiges über Mols- von Hardanger, weil nach dem Vorgefallenen ich Ä-7Jhm»Lfl7-«g L mLLg-»gm.
MWM-MG-A--- hohes Alter erreichen würde - könnt« sie den können. entsprach zwar vollkommen
Sohn darben lassen, wenn mcht Menschenfurcht betmod; fühlte er sich
abe?daUlber beruhigt, daß sie ihn nach ihrem gedrungen m verbindlichen Worten derselben zu ÄftrÄiÄ ä w. - d»" daü d riemae dem eine goldene Zukunft winkt, er aufrichtige Hochachtung empfand, einen alten sich dk Gegenwart immer dienstbar machen kann. | Bekannten Molsberg s zu finden — zu sehen.
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