Einzelbild herunterladen
 

KuldaerMZeitung

Inserate: Die ein- spalt. Garmond­zeile oder bereit Raum 15 Pf., Re­klamen die Petit­zeile 25 Pf.: bei Wiederholungen wird entsprechend. Rabatt gewährt.

Erscheint täglich, «.Ausnahme der Sonn- und Feier­tage. Bierteljährl.

Drzugspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld in Fulda und aus­wärts IM. 50 Pf.

rsMKSWÄ* mit Nnterhaltungs-Meilage „IssuKrirte Sonntags-Ieitungff peterrgasse Nr. 2 (Harmonie).

M 116.

JuLöcr, Dienstag, den 24. Mai 1898

Spanien und Amerika.

Seit Wochen wird die große Seeschlacht an- - gekündigt, in der Spanier und Nordamerikaner ^gegenseitig ihre Kräfte messen wollen. Aber noch immer läßt dieselbe auf sich warten. Mindestens schon fünfmal ist gemeldet worden, die Geschwader der amerikanischen Admiräle Sampson und Schley seien aus Key-West, dem großen ameri­kanischen Kriegshafen an der Spitze der Halb­insel Florida, abgedampft mit unbekannter Ordre; aber auch das scheint noch sehr der Bestäti­gung zu bedürfen. Kurz, die ganze Sach­lage läßt darauf schließen, daß die Amerikaner ihres leichten Sieges in der Bucht von Manila nicht recht froh werden können. Dort, vor den Philippinen, liegt ihr Admiral Dewey unthätig mit seinem Geschwader da. Er hat keine Lan­dungstruppen und vorläufig ist nicht abzusehen, woher er solche bekommen soll. Denn trotz aller Prahlereien der Aankee-Presse wird es von Woche zu Woche klarer, daß es mit den nordamerika­nischen Landtruppen recht jammervoll be- »stellt ist.

Wie kann es auch anders sein in einem Lande, vroo man für die freiwilligen Miliztruppen die Offiziere bestellt je nach dem Vermögen, das sie besitzen: wohlhabende Leute werden Lieutenants, Hauptleute und Rittmeister, reichere werden Majore und Obersten, und aus den Millionären werden die Generäle gemacht. Wenn aber der geckenhafte Sohn eines Börsenmatadors mit seiner Wäscherin in New-Jork eine Konserenz abhalten will über die Behandlung seiner feinen Wäsche, so bekommt er einige Tage Urlaub für eine Reise von seinem Garnisonsorte nach New- Hork! Das sind keine schlechten Witze, sondern Thatsachen Und wenn man auch annehmen darf, daß solche Thatsachen nicht die Regel aus­machen, sondern selbst in den Vereinigten Staaten Ausnahmen von der bessern Regel bilden, so sind doch solche Dinge auch als Ausnahmen für uns Europäer unbegreiflich und auf jeden Fall ein sehr schlechtes Zeugniß für den Geist, der in den amerikanischen freiwilligen Milizheeren steckt. Mindestens wird es sehr lange Zeit er- -sordern, bis die Amerikaner es wagen können, mit solchen Truppen dem Feinde auf den Leib zu rücken.

Inzwischen haben die Spanier mehrere gute Erfolge aufzuweisen. Unter Admiral ^Cervera ist ihr großes Geschwader glücklich und unbehelligt im Hafen von Santiago auf "Cuba eingelaufen; und dadurch ist die Lage der Spanier auf der Insel Cuba ganz erheblich ver­bessert worden. Mehrere Angriffe der Amerikaner sind mit Erfolg zurückgeschlagen worden, und fast scheint es, als hätten die Spanier noch so viele Schiffe in Reserve, um ein neues Ge­schwader nach den Philippinen senden zu können. Aber trotz alledem werden die Spanier auch diesen gegenwärtigen Zustand nicht lange Aushalten können. Denn nach neuesten Be-

Hohe Ziele.

Roman von L. von Neidegg.

30 ------- (Nachdruck verboten.)

Wieder hörte Tennenbach ihr zu, ohne sie zu unterbrechen, aber immer strenger wurde der Blick, den er dabei auf sie heftete. Als entfessele sein Tadel alle bösen Dämonen in ihrer Brust, rühmte sie sich dessen, was sie gethan. Sie wußte, daß jedes Wort, das sie sprach, die Kluft zwischen ihnen erweitern müsse; sie beobachtete den wachsenden Ausdruck des Widerwillens in seinem Gesicht und empfand eine Art wilder Freude, ihrem lange verhaltenen Groll gegen ihn einen Ausweg zu verschaffen. Ihre Eiseskälte hatte fiebernder Erregung Platz gemacht, ihre Augen funkelten, und es war ein Aufschrei fanatischen Hasses, mit dem schließend sie ausrief: „Und nun kann ich beruhigt sein! Moralisch vernichtet sind diese Menschen! Nichts bleibt ihnen übrig als die Flucht!"

Er sah sie lange an, als suche er in diesen harten Zügen umsonst nach der Aehnlichkeit mit der Geliebten seiner Jugend. Dann aufstehend, sagte er mit fester Betonung eines jeden Wortes: „Ich danke. Du bist Dir klar, Clotilde, daß, was Du damit gethan, uns auf immer trennt."

Sie zuckte unwillkürlich zusammen; war er doch der einzige Mann, , für den ihr Herz je höher geschlagen, zugleich der einzige, der Unterordnung von ihr verlangt und bis zu einem gewissen Grade auch erzwungen hatte. Aber jetzt, von seinem Monarchen bei Seite gestellt, hätte ihm wohl danach gelüstet, an ihr Tyrannei auszuüben.

rechnungen kostet dem armen Lande der Krieas- zustand monatlich nicht weniger als 125 Mill. Pesetas: 50 Millionen für Cuba, 10 Millionen für Puertorico, 15 für die Philippinen und weitere 50 Millionen für allgemeine Ausgaben. Und in diese Summen ist nicht mit einberechnet die Anschaffung neuer Schiffe. Diese ungeheure Belastung muß die spanische Regierung ganz un­vermeidlich mit banger Sorge erfüllen. Denn auch die größte Opferfreudigkeit der Spanier müßte schließlich machtlos werden gegenüber solchen Summen.

Dazu kommt, daß es dem leitenden Minister Sagasta sehr schwer wird, sein Kabinet wieder vollständig zu machen. Die offiziösen spanischen Telegramme wußten zwar zu berichten, die Bildung des neuen Kabinets werde gar keine Schwierigkeiten machen, sondern sofort vollzogen werden. Aber das Mißtrauen, das gleich im Anfänge gegen diese Meldungen an dieser Stelle ausgesprochen wurde, hat sich als vollkommen gerechtfertigt bewährt, und noch heute ist in dem neuen Kabinet gerade der allerwichtigste Posten unbesetzt: der Posten des Ministers für das Aus­wärtige. Keiner hat sich bisher gesunden, der diese ungeheure Verantwortung übernehmen wollte.

Unter solchen Umständen könnten die kriegs­führenden Mächte nichts Besseres thun, als sich wieder vertragen. Und dieser Ansicht scheint man auch in mehr als einer europäischen Haupt­stadt zu huldigen. Neuerdings ist es die russische Regierungspresse, die zur Vernunft redet und wiederholt mit großem Nachdrucke fest­stellt, daß in den Vereinigten Staaten von Nord­amerika selbst Diejenigen wieder mehr an Einfluß gewinnen, die den Frieden wollen. Auf der anderen Seite beobachten die Spanier mit wachsendem Mißtrauen das Gebühren der Eng­länder, die in Gibraltar große Massen von Kriegsmaterial anhäufen. Kurz, die ganze Lage ist im höchsten Grade unklar. Und schwerlich wird die nächste Zeit Licht in das Dunkel bringen.

Deutsches Deich.

Berlin, 23. Mai.

* Der Bundesrath hat Blättermeldungen zu­folge beschlossen, den Abgeordneten Ar. Spahn, bisher Vizepräsident des Reichstags, für die nächstdem frei werdende Stelle eines Reichs- gerichtsrathes vorzuschlagen. Gegenwärtig ist Herr Dr. Spahn bekanntlich Kammergerichts­rath in Berlin.

X Von neuem werden umfangreiche Wer- änderungen i» dem ^erfouenstaude des IleichsHeeres angekündigt. Zahlreiche Generäle und Stabsoffiziere werden, so wird berichtet, ihren Abschied nehmen. Wenn das schon im Frühsommer geschieht, was soll dann erst im Herbste, nach den Manövern werden?

* Dem letzten Reichstage gehörten 48 bayerische Mitglieder an. Von diesen 48 Herren verzichtet genau die Hälfte auf eine Wiederwahl, nämlich 15 Mitglieder des Centrums, 7 Nationalliberale, 1 Bauernbündler und — Herr Dr. Sigl. Wird des letzteren bisheriger Wahlkreis nicht allgemein Trauer anlegen des­wegen, daß er nunmehr diese große Leuchte der sagte sie sich ergrimmend. Nein, weit besser war es, sie gingen auseinander; ihr Beisammensein war ja doch nur mehr eine leere Form. Die innerliche Entfremdung zwischen ihnen war zu einem Grade gediehen, der jede Möglichkeit einer mehr als äußerlichen Annäherung ausschloß. Sie würde dann zwar allein im Leben stehen, denn Freundschaft war ihr immer ein leerer Wahn gewesen. Selbst den Sohn hatte sie nur als das Mittel betrachtet, um durch dessen wachsendes Ansehen das eigene zu erhöhen; durch keine innig, warme Kindesliebe mit ihr verbunden, würde auch er ihr immer fremder werden. Das alles sah sie klar vor sich, und es erschreckte sie nicht. Ihr ungebändigter Hochmuth bäumte sich auf gegen alles, was Nachgiebigkeit oder Unter­ordnung bedeutete. Wenn der Pfad, der vor ihr lag, auch einsam war und nie ein Strahl von Liebe ihn beleuchten sollte — so würde doch auch nie mehr ein fremder Wille den ihren durchkreuzen, und das war ihr genug.

„Ja!" erwiderte sie kalt und leidenschaftslos. „Unter den gegebenen Verhältnissen ist es am besten, wir scheiden. Aber glaube nicht," fuhr sie fort, und es leuchtete seltsam auf in ihren Augen, „glaube nicht, daß nunmehr irgend etwas mich von dem gefaßten Entschluffe abbringen könnte. Wir wollen natürlich jedes Aufsehen vermeiden; von nun an werden unsere Wege aber unwiderruflich auseinander gehen."

Hoch aufgerichtet stand sie da wie eine Königin, die ihren Vasallen entläßt. Langsam, in seiner gebückten Haltung doppelt unansehnlich neben ihr, verließ Tennenbach ihr Zimmer. Und diese Frau war sein Idealbild gewesen! sagte er sich bitter.

Weisheit und der Bürgertugend als Vertreter im Reichstage verliert?

(*) Stach der Meldung der bayerisch-ministeriellen ,Augsburger Abendzeitung' ist die Annahme des Gesetzes über die militärische Strasgerichts- öarkeit im Bundesrathe nicht einstimmig erfolgt. Nach dieser Meldung haben Bayern und Braunschweig gegen das Gesetz gestimmt, aber nicht aus denselben Gründen. Die bayerischen Vertreter im Bundesrathe haben dagegen gestimmt, weil das Gesetz ihnen ebenso wie den bayerischen Mitgliedern des Reichstages als eine Verschlech­terung des gegenwärtigen bayerischen Verfahrens erschien. Braunschweig hat dagegen gestimmt, weil ihm auch diese zahme Reform schon zu weit ging.

X Die nationalliberale und freikon­servative Presse kann sich noch immer nicht beruhigen über die Interpellation des Cent rums wegen der Behandlung des Ar- öeiteransstandes am Aiesverge bei Osnabrück. Da aber alles Andere nichts geholfen hat und auch nachgewiesen wurde, daß die erhobenen Vor­würfe wegen mangelhafter Kenntniß der Dinge die Redner des Centrums ganz und gar nicht treffen können, verfällt man neuerdings auf das billige Mittelchen, zu behaupten, das Centrum habe die Interpellation nur deswegen eingebracht, um sich Arbeiterstimmen für die nächsten Wahlen einzufangen. Wir möchten wissen, waS von den Gegnern des Centrums gesagt worden wäre, wenn es diese Interpellation nicht eingebracht hätte. Sicherlich hätte es bann ge­heißen : da seht ihr es, katholische Arbeiter, was euch euer Centrum nützt. Ihr führt einen harten Kampf um eure besten Rechte, sogar um ausge­sprochen katholische Feiertags-Rechte; das Cen­trum aber schweigt dazu und verräth damit die Rechte des Volkes usw.usw. Wir kennen dieses Lied ja schon genau. Aus der Wirkung der Interpellation kann man aber von Neuem ent­nehmen, daß diese ganz vortrefflich angebracht und durchaus nothwendig war. Wird dem Cen­trum vorgeworfen, es habe durch seine Inter­pellation im preußischen Abgeordnetenhause die Arbeiter am Piesberge zum Ausharren im Aus­stande ermuthigt, so gereicht dieser Vorwurf dem Centrum hier nur zur Ehre. Denn hier handelt es sich nicht um eine leichtfertig vom Zaune ge­brochene Arbeiterniederlegung, sondern um eine in aller Ruhe überlegte und ausgeführte Kund­gebung der Arbeiter zu Gunsten eines unzweifel­haften Rechtes gegen ein rücksichtsloses und nicht zu rechtfertigendes Auftreten der Unternehmerschaft. Hoffentlich trägt das Auftreten des Centrums int preußischen Abgeordnetenhause dazu bei, daß die Arbeiter am Piesberge endlich doch wieder zu ihrem Rechte gelangen und ihre Feiertage wieder ungestört in alter Weise begehen dürfen!

X Im Bereiche der ^ost «nd Telegraphie soll vom nächsten Etatsjahre ab eine andere Art der Gehaltszahlung eintreten. Bisher wurden die Gehälter monatlich ausbezahlt; man sagt, Herr von Stephan habe eine vierteljähr­liche Gehaltszahlung wirthschaftlich für unzweck­mäßig gehalten. Vom nächsten Etatsjahre ab aber soll die Auszahlung vierteljährlich im voraus erfolgen, ebenso wie bei den meisten anderen Reichs- und Staatsbeamten.

Draußen erwartete ihn sein Diener mit einem Expreßbrief aus Kalmar, der eben angekommen. Von Hermann, dachte er, halb unwillig über den Schwächling, der sich immer an ihn wandte, statt selbstständig den Weg zu wählen und ihn dann muthig weiter zu gehen. Die unbekannte Hand­schrift aber erregte fein Befremden, das sich noch steigerte, als er, den Brief aufreißend, Molsberg's Unterschrift las.

In kurzen Worten bat dieser, Tennenbach möchte doch — um Gottes Barmherzigkeit willen flehe er ihn darum an — ungesäumt zu ihm kommen. So verlassen und freudlos sei er, daß er an Niemand in der Welt sich wenden könne, einen Freundschaftsdienst zu erbitten, als an ihn. Es sei nicht viel, was er von ihm erwarte; das Wenige möge er gewähren.

Tennenbach starrte auf die Zeilen nieder, un- fchlüffig, ob er dem Rufe folgen solle ober nicht. Sein Schwanken währte aber nicht lange; alte Erinnerungen stiegen in ihm auf, als er ben ver­zweifelten Hilferuf «lieber unb «lieber las, Er­innerungen, geeignet, sein Widerstreben zu be­siegen, ihm ein längeres Zaudern als sträfliche Selbstsucht erscheinen zu lassen.

Er läutete also dem Diener, befahl ihm, einen Handkoffer zu packen und zum nächsten Zuge nach Kalmar einen Wagen zu bestellen. Während dies geschah, saß er, den Kops in beide Hände gestützt, da und sann nach über den Brief sowohl als über dasjenige, was Molsberg wohl von ihm erwarten konnte.

Ja, er wollte Barmherzigkeit üben und den Mann anhören, der in bitterer Angst zu ihm flehte; hatte dieser doch auch ihm einst geholfen

25. Jahrgang.

*** Bei den Bierbankpolitikern und halbge­bildeten Geschichtsphilosophen gilt die „spanische Mißmirlhschasl« und insbesondere die „Aus­saugung Cubas durch Spanien" als etwas, wovon man mit der Miene des Kenners wie von einer allbekannten unb unbestreitbaren Thatsache rebet. Gelegentlich wirb bann auch bie Schuld an diesen Uebelftänben dem Katholizismus oder — den Jesuiten in die Schuhe geschoben. Da kommt denn nun die ,Kölnische Zeitung', die ganz gewiß nicht in dem Verdachte einer be­sonderen Vorliebe für die Katholiken ober bie Jesuiten steht, unb bringt aus ber Feder eines „ erfahrenen Weltreisend en" einen Artikel, der die Sache in einem ganz anderen Lichte er­scheinen läßt. Dieser Mann, der die einschlägigen Verhältnisse aus eigener Anschauung kennt und auch in jeder Hinsicht befähigt ist, über solche Dinge ein Urtheil abzugeben, erklärt es für un­gerecht, wenn man Spanien einer unerhörten Aussaugung seiner Kolonien bezichtigt. „Indien beispielsweise wird von England, wenn auch unter allerlei scheinheiligen, das Wesen der Sache verdunkelnden Formen, weit gründlicher aus- g eso gen, als Cuba ober bie Philippinen von Spanien." Wie ferner ber blutige Fanatismus ber Englänber gegen bie katholischen Jrlänber unb ihr einst so blühenbes Lanb gewüthet hat, kann man in febem Geschichtswerke nachlesen. In bem Artikel ber ,Köln. Ztg.' heißt es bann weiter:

„Im Englisch redenden Nordamerika sind die Ein­geborenen, ähnlich wie im englischen Australien, fast völlig ausgerottet worden; im Spanisch redenden Südamerika sind sie trotz Cortez und Pizarro größten- theils am Leben geblieben. Von den ihrem Um­fange nach doch sehr beschränkten Unthaten eines Pizarro sprechen lange Kapitel jeder Weltgeschichte, während die bis zur allerneuesten Zeit gleich jagdbarem Wild niedergeschossenen und mit dem Vorschreiten dieser rücksichtslosen Kultur ausgerotteten Eingeborenen Nordamerika's und Australiens vielleicht bloß um deffent- willen, weil es sich bei ihrem Untergange um keinerlei größere Geschichts-Ereignisse gehandelt hat, niemals einen Geschichtsschreiber gefunden haben. Die roma­nischen Völker, insbesondere die Spanier, sind wohl ge­fühllos gegen Thiere, Menschen gegenüber dagegen im allgemeinen weniger hart als die Völker angelsäch­sischen Stammes. Dazu kommt, daß die Spanier, wenn sie rückhaltlos auftreten, ihrer Härte niemals, gleich den Angelsachsen, ein Mäntelchen umzuhängen verstanden haben. Ob bei svanischer Verwaltung mehr Verderbtheit unterläuft als bei nordamerikanischer, dürfte mindestens zweifelhaft sein. Fast ganz Westindien befindet sich seit den durch die nordamerikanische Un­abhängigkeit und durch die napoleonischen Kriege zu An­fang dieses Jahrhunderts bewirkten Umwälzungen in auffälligem und immer noch fortschreitendem Niedergange. Bloß Cuba, das sogar erst in diesem Jahrhundert seine höchste Kultur erreichte, bildet unter den englischen, sranzösischen, holländischen, dänischen und unabhängigen Ländern Westindiens eine rühmliche Ausnahme."

Ob man biefe rühmliche Ausnahme wohl auch ben Katholiken unb ben Jesuiten aufs Konto setzen wirb? Konsequent wäre bas schon, aber--.

Z«r Reichstagswahl.

O Inkda, 24 Mai. Herr Lanbtags - Ab- georbneter Karl Herolb aus Loevelingkloe bei Münster in Wests., unser Reichstags - Kanbibat, hat bei ben in ber Harmonie - Versammlung an« wesenben Vertrauensmännern ber Centrumspartei, wie uns von allen Seiten versichert wirb, ben

in jener thörichten, wilden Jugendzeit, bie so weit hinter ihnen lag. Der schöne, reich begabte, aber zügellose Anton Burgholz war sein Freunb unb Kamerad gewesen; bei besten Zerwürfniß mit bem Stiefbruder hatte Tennenbach ganz auf Anton's Seite gestanden, im Abscheu gegen den heuchlerischen, erschleichenden Fritz ihm nichts nachgebend. In Geldverlegenheit hatten Beide gesteckt, und gerade zur Zeit, als Anton bie Fälschung beging, hatte es sich bei Tennenbach um bie Zahlung einer Ehrenschulb gehanbett. Anton war es gewesen, ber ihm aus ber Roth geholfen, unb ber anbere hatte bie Hilfe an­genommen, ohne zu fragen, woher bas Gelb kam, obwohl es ihm auffallen mußte. Leichtsinnige ftnb eben immer bereit, lästigen Bedenken aus bem Wege zu gehen, unb Clemens Tennenbach war keine Ausnahme von ber Regel gewesen. Erst bann hatte er mit Bestürzung an ben mög­lichen Ursprung ber empfangenen Summe gedacht, als Anton, der Fälschung angeklagt, über ben Verbleib bes zu Unrecht erworbenen Gelbes sich ausweisen sollte. In Tobesangst hatte er bem Augenblick entgegengesehen, wo etwa sein Name bei ber Gerichtsverhanblung genannt worden märe. Er sah sich — wiewohl unschuldig — in bie Sache verwickelt, feinen Namen gebranbmarft, feine Laufbahn zerstört. Anton hatte aber ver­mieden, des Freundes Namen zu nennen, hatte jede Auskunft verweigert über denjenigen Theil ber Summe, bie er jenem vorgestreckt, war im Gegen- theil sorgfältig bebacht gewesen, allen Verbacht einer etwaigen Antheilnahme an bem unrecht­mäßigen Gut von betreiben abzulenken. Die Summe — sie war nicht bedeutend — hatte