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25. Jahrgang.
IuLöct, Montag, den 23. Mai 1898
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leinen Rothen Adlerorden
ür das Centrum ganz speziell noch in
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Druck und verlas der Fuldaer Actiendruckcrei peterss-S- Nr. 2 (Harmonie).
hätten die Schweizer Soldaten italienisches Gebiet nicht betreten dürfen. In Chiasso machten diese etzteren italienischen Truppen Platz, und dann wurde derselbe Eisenbahnzug von einer italrem- chen Lokomotive bis nach Como gezogen, wo Dann die Flüchtlinge einzeln, Mann für Mann, aussteigen mußten. Je zwei und zwei wurden alsdann zusammengefesselt und zur Leibesunter- üchung und weiteren Behandlung abgeführt.
Es handelt sich dabei also um eine Auslieferung nach allen Regeln der Kunst, und die Schweizer Presse fast aller Parteischattirungen tadelt dieses Verfahren scharf. Aber nicht nur Die Presse äußerte ihre Unzufriedenheit über diesen Rechtsbruch. Im Kantonsrathe des Kantons Tessin brachte der Führer der katholischen Partei, Respini, eine Interpellation ein über die Maßnahmen gegen die Italiener; und der Präsident des Kantons, Herr Curti, erklärte in seiner Antwort auf diese Interpellation, daß Der Befehl zu diesen Maßnahmen vom Bundesanwalt Sch erb in Bern ausgegangen war. Herr Curti aber sowohl als auch Herr Scherb gehören den Schweizer Liberalen an. Es wurden übrigens nicht allein diese 200 Italiener auf dem Wege über Chiasso ausgeliefert, sondern auch noch andere in kleineren Transporten auf anderen Wegen.
Man braucht nun grade die Schweiz nicht um ihr Asylrecht zu beneiden. Denn gegenwärtig bringt dieses Recht vornehmlich Anarchisten aus anderen Ländern nach der Schweiz; und das ist ohne Zweifel keine angenehme Vermehrung der Bevölkerung. Aber wenn nun einmal dieses Asylrecht besteht und verfassungsmäßig gewährleistet ist, dann darf es nicht willkürlich in dem einen Falle gehandhabt, in dem andern gebrochen werden, so wie es grade den Leuten paßt, die an der Spitze der Bundesregierung und der Kantonsregierungen stehen; und die Schweizer Presse hat durchaus Recht, wenn sie gegen diese Willkürlichkeit nachdrücklichen Widerspruch erhebt. Daß der wackere Katholikenführer Respini im Tessiner Kantonsrathe dasselbe that, gereicht ihm darum durchaus zur Ehre und beweist auss neue, daß grade bei den katholischen Volksvertretern die verfassungsmäßigen Rechte des Volkes bedeutend besser und sicherer aufgehoben sind als bei den Liberalen, die nicht nur in der Schweiz, sondern auch überall anderswo durch große Dehnbarkeit des politischen Gewissens und kautschukartige Handhabung der Gesetze sich auszuzeichnen pflegen.
* Der,Reichsanzeiger' veröffentlicht folgenden an den Reichskanzler gerichteten kaiserliche«
Nieberding habe Ich _______
erster Klasse mit Eichenlaub verliehen. Ich beauftrage Sie, die Betheiligten hiervon in Kenntniß zu setzen.
Berlin, Schloß, den 20. Mai 1898.
Wilhelm, I. k. Fürst zu Hohenloh e.
* Der Staatssekretär im Reichsamt des Innern Graf vo« Aofadorvsky wird unmittelbar nach den Wahlen zum Reichstag, also bereits Ende Juni, seinen Sommerurlaub antreten und bereits Mitte August wieder auf seinem Posten sein. Als Grund für den frühzeitigen Antritt seiner Urlaubsreise wird angegeben, i>aß die Absicht besteht, dem neuen Reichstage gleich in der nächsten Tagung Gesetzent- würfe bezüglich einer umfassenden Umgestaltung sowohl der Unfall- als auch der Jnvaliditäts-
aber dieFürsorge für die wirthschaftlich Schwachen als obersten Grundsatz festgehalten." Namentlich auf eine „gesunde und gedeihliche Landwirthschaft und auf einen blühenden Mittelstand in Handwerk und Gewerbe" will das Centrum nach wie vor bedacht sein, denn diese bilden die „Grundsäulen des Volkswohles". Und im besonderen für die Landwirthschaft verspricht der Aufruf in gerechter und billiger Würdigung der gegenwärtigen Sachlage Erleichterung der gedrückten Lage dieses für das Wohl und die Kraft des Landes unentbehrlichen Standes anzustreben. Der Wahlaufruf ist in seiner Art ein Meisterstück: kurz, klar und trotz seiner Kürze erschöpfend. Außerdem ist er eine ganz vortreffliche und zur Kennzeichnung der ganzen Sachlage nothwendige Ergänzung des Wahlaufrufes der Centrumsfraktion des Reichstages. Denn die ganze Sachlage wird nur dann richtig aufgefaßt und gewürdigt, wenn man auch die besonderen Verhältnisse berücksichtigt, unter denen die katholische Kirche und Katholiken im Staate Preußen leben, und die vielen undunendlich wichtigen Aufgaben, die es
Erlaß;
Nachdem die Ergänzungsgesetze zu dem Bürgerlichen Gesetzbuch nunmehr sämmtlich verabschiedet worden smd und damit das Werk der einheitlichen Gestaltung des bürgerlichen Rechts feinen Abschluß gesunden hat, ist es Mir Bedürfniß, dem Staatssekretär des Reichsjustizamts und allen Beamten dieser Behörde, welche in hingebender, angestrengter Thätigkeit an dieser großen gesetzgeberischen Arbeit mitgewirkt haben. Meinen kaiserlichen Dank und Meine An- ~ ' Dem Staatssekretär
Preußen zu lösen gibt.
* In geradezu roher Weise äußert sich die reisinnige Berliner ,VossischeZeitung' über >en Wahlaufruf der Keulrums Iraklio« des preußische« Landtages. „Man sollte — so schreibt das genannte Blatt — glauben, wenn man dieses liest, es wäre nichts gewesen, es wäre nichts geschehen seit den Tagen, da Fürst Bismarck nach Kanossa ging. . . . Aber eine politische Partei, wenn sie auch kirchlich bis in Die letzte Faser durchtränkt ist, lebt nicht von Dogmatischen Lehren allein, und es findet denn der Wahlaufruf es für zweckmäßig, auch etliches vom Schutze sämmtlicher Berufsstände .... fallen zu lassen. Groß ist die leibliche Stärkung zwar nicht. Allein das Centrum wird wissen, wie viel es seinen Wählern zu bieten hat, dan.it sie ihm folgen auf den Kalvarienberg der Wahl". Jeder Centrumsmann, der etwas auf sich und auf seine Grundsätze hält, wird es verschmähen, durch eine Erwiderung auf den Standpunkt des Berliner Freisinnsblattes sich zu erniedrigen. Aber zur Kennzeichnung des jwider- lichen Hasses, mit dem solche Presse-Organe das Centrum beehren, ist leider die Erwähnung solcher Ausbrüche dennoch nothwendig. Umgekehrt findet die nationalliberale Berliner ,National-Zei- tung' an dem Wahlaufrufe bemerkenswerth den „gelassenen Ton". Grade das aber ist schön an dem Aufrufe, daß er die Lehren des alten Spruches beherzigt: Gelassenind er Sprache — aber stark in der That!
* Das Avgeord«ete«tzaus hat in seiner letzten Legislaturperiode nicht weniger als 48 Mitglieder durch den Tod verloren. Im Ganzen wurden 80 Mandate erledigt. 75 gelangten wieder zur Besetzung.
x Amtlich wird die Uebersicht der Züetrieös- ergevmffe deutscher KisenvaHne« int Monat April 1898 veröffentlicht, wie sie durch das Reichseisenbahnamt festgestellt worden ist. Diese Uebersicht bestätigt durchaus die bereits mehrfach ausgesprochene Vermuthung, daß der Verkehr
Ein Blick in ihr Gesicht — als er in ihr Zimmer trat, sie zu begrüßen — genügte aber, ihm zu zeigen, daß seine Aufgabe keine leichte sein würde. Mit zunehmendem Alter hatten ihre Züge einen Ausdruck von Härte angenommen, der, trotz deren klassischer Regelmäßigkeit, sie wahrhaft unangenehm erscheinen lassen konnte; niemals aber war der Ausdruck mit gleicher Schärfe hervorgetreten wie heute; auch hatte sie noch niemals ihren Mann mit einem so feindseligen Blick betrachtet. Dieser that aber, als beachte er diese Anzeichen eines drohenden häuslichen Sturmes nicht, sondern fing an, ihr von seinem Ausfluge zu erzählen. Unbeirrt durch ihre Theilnahmlosigkeit" erging er sich in weitläufigen Mittheilungen. Schließlich, in der Erwartung, dadurch ihr Interesse zu wecken, sprang er auf das politische Gebiet über und fing von den Ereignissen zu sprechen an, die sich abgespielt, während er, weltentfremdet, auss chließlich Naturgenüssen sich gewidmet. Als sie auch da noch in ihrer Gleichgiltigkeit verharrte, schickte er sich an, mit freundlichem Gruße sich zu entfernen.
Bisher hatte sie ihn verdrießlich angehört, kaum ein kurzes, widerwilliges Ja oder Nein zwischen seine Bemerkungen geworfen. Nun hielt sie ihn zurück, indem sie in sehr trockenem Tone erwähnte, sie habe ihm Wichtiges zu sagen. Hierauf fing sie von ihrem Besuche bei Burkart zu sprechen an.
Aufmerksam hörte Tennenbach zu, ohne durch ein Wort oder Zeichen seine Frau zu unterbrechen. Erst als sie'erzählte, wie es ihr gelungen, den alten Mann zu überrumpeln, und wie er sehr erschrocken fei, als er gemerkt, daß sein sorgsam
Deutsches Deich*
Berlin, 21. Mai.
* Der Kaiser wird sich, wie aus Kiel geschrieben wird, am 18. Juni zu den Regatten begeben. Die Einschiffung erfolgt in Brunsbüttel auf der Yacht „Hohenzollern", die vorerst nach Helgoland zum Empfang der Theilnehmer der Fahrt Dover-Helgoland, dann zur Kieler Woche abgeht. Nach den Kieler Festta.en nimmt der Kaiser die Nordlandreise auf, die am 1. August in Kiel ihren Abschluß findet.
zergliedert und dessen Folgen, so weit es möglich war, vorausberechnet; mit eiserner Konsequenz verfolgte sie sich ihr Ziel, unbekümmert, ob die Mittel, deren sie sich bedienen mußte, reinlich waren. Sie schrieb einen langen Brief an den Kommandeur ihres Sohnes in Kolmar, darauf zwei etwas kürzere an dortige Bekannte. Dann erst kam ihr Sohn an die Reihe.
„Die Nachricht, daß Du mit jenem Mädchen, das sich Hedwig Molsberg zu nennen beliebt. Dich versprochen hast, ließ ich unbeantwortet", schrieb sie dem Sohne, „weil dieselbe mir zu unglaublich schien. Du wußtest, daß ich mich dieser Heirath widersetzte, wußtest auch, daß meine Drohungen niemals leere sind. Daß ich von dem Augenblicke Deiner Verheirathung mit diesem Mädchen Deine Einkünfte auf das zulässige Mindestmaß herabgesetzt haben würde, davon konntest Du überzeugt sein; bei Deinem Hang zu Luxus und Lebensgenuß eine empfindliche Probe für Deine Liebe. Weil ich Dich aber nicht blind in Dein Unglück rennen lassen wollte, habe ich Erkundigungen eingezogen über diese Molsbergs und sage Dir nun, daß die Heirath einfach unmöglich ist. Der Vater ist fern anderer, als ein gewisser Burgholz, der vor langen Jahren wegen Fälschung zu Zuchthaus oerurtheilt wurde, den ich später im tiefsten Elend — ein verkommener Trunkenbold — hier antraf. Deine Auserwählte ist das Kind, dessen Mutter einst bettelnd an unserer Thüre stand. Dies alles habe ich Deinem Obersten mitgetheilt, damit er Dir die Folgen Deiner Handlungsweise vorstelle, da meine Ermahnungen bei Dir nichts fruchten. Zugleich habe ich Sorge getragen, daß das Vorleben
Hohe Ziele.
Roman von L. vonNeidegg.
29 ------- (Nachdruck verboten.)
Zitternd vor unterdrückter Erregung beflieg Frau - v. Tennenbach ihren Wagen. Zu Hause meldete ihr der Kammerdiener, soeben sei eine Depesche Seiner Exzellenz gekommen, wonach dieser fein Kommen verschiebe und statt mit dem nächsten Zuge erst am übernächsten Tage eintreffe. Die Nachricht war ihr hochwillkommen; sie bedurfte des Alleinseins. Jetzt mußten ihre Gedanken sich ausschließlich damit beschäftigen, auf welche Weise sie wohl den Streich, der die Molsberg treffen sollte, auch wahrhaft niederschmetternd machen könne. Es genügte ihr nicht mehr, die Heirath zu hintertreiben, die begreiflicherweise ihr mehr denn je zum Greue geworden war; was sie wollte, war, diese Menschen unmöglich zu machen, ihr Dasein zu vernichten. Bei der Charakterschwäche ihres Sohnes hielt sie es für denkbar, daß er sonst von diesem Mädchen sich festhalten ließe; das war es, was unter allen Umständen vermieden werden mußte. Von dem eigenen Manne, dessen Weichherzigkeit mit dem Alter auf geradezu lächerliche Weise zu- riahm, konnte sie keine Förderung ihrer Pläne erwarten — allein mußte sie darüber nachsinnen, wie sie die Molsberg'sche Sippe unschädlich machen konnte.
Lange ging sie im Zimmer auf und ab, ihren Entschluß bei sich überdenkend; als sie an ihren Schreibtisch sich setzte, war jede Erregung von ihr gewichen; kaltblütig hatte sie bis au den kleinsten Umstand ihr Vorhaben überdacht.
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<£ Liberaler Rechtsbruch in der Schweiz.
Die Liberalen in der Schweiz zeigen sich als gelehrige Schüler des Fürsten Bismarck und Ehren- Crispi's in der Behandlung der Sozialdemokraten und Anarchisten. Das beweisen Vorgänge, die sich während den letzten Tagen an der Grenze zwischen der Schweiz und Italien abgespielt haben, und bei denen von der liberalen Regierung des Kantons Tessin ganz nach dem Übeln Grundsätze verfahren wurde, daß Gewalt vor Recht gehen foll.
Wie bekannt, waren nach den Unruhen in Mailand und Turin mehrere Hundert der italienischen Aufwiegler nach der Schweiz geflohen, als sie sahen, daß ihre Sache verloren war und die italienische Regierung sich gar nicht gesonnen zeigte, allzu milde mit den Aufwieglern zu verfahren, sondern die volle Strenge des Gesetzes walten zu lassen. In der Schweiz glaubten die Leute, die fast durchweg dem Stande der Hand - arbeiter angehören, sicher zu sein; denn in der Schweiz besteht das Asylrecht. Alle politischen Flüchtlinge sollen unangefochten in der Schweiz leben können, wenn sie nichts Anderes auf dem Kerb holze haben als politische Vergehen; und vor allen Dingen sollen sie in solchem Falle auch nicht an die Behörden ihres Heimaihlandes ausgeliefert werden. Den flüchtigen Italienern gegenüber ist dies Asylrecht durch die liberale Regierung des schweizerischen Kantons Tessin gebrochen worden. Die Sache verhält sich folgendermaßen:
Die italienische Regierung beantragte bei der Bundesregierung der Schweiz die Auslieferung der auf Schweizer Gebiet geflüchteten Arbeiter, die an den Unruhen beteiligt gewesen waren. Und die Schweiz hat dieser Forderung statt- gegeben, entgegen dem Äsylrecht, das verfassungsgemäß in der Schweiz ausgeübt werden soll. Etwa 200 italienische Flüchtlinge wurden in einen Sonderzug gebracht. Drei Wagen des Zuges waren vollgepfropft mit Italienern. Auf jeder Plattform befanden sich Schildwachen mit aufgepflanztem Seitengewehr, und außerdem befand sich an jedem Ende "des Zuges ein Wagen mit Militär. Dieser Zug wurde nach der Grenzstation Chiasso gefahren und so geleitet, daß er genau über die Grenze hinausging und auf italienisches Gebiet zu stehen kam. Vorher wurde den Insassen des Zuges das Verlassen desselben verwehrt. In Chiasso verließen die Schweizer Soldaten den Zug. Da dies auf italienischem Gebiete geschah, so mußte unbedingt eine Verabredunc beider Regierungen mit einander vorliegen. Sons
und Altersversicherung vorzulegen.
x Als erste von beit' Fraktionen des preirdischen Landtages ist die Ke«1r«ms- fraktio« mit ihrem Aufrufe für die preuß. Landtagswahlen auf den Plan getreten. Zwei Hauptzwecke find es, die diesen Wahlaufruf, dessen Wortlaut wir schon am Samstag zur Kenntniß unserer Leser gebracht haben, besonders kennzeichnen. Zunächst sind es die Rechte und Forderungen der katholischen Kirche, die der Wahlausruf als erste und oberste Hauptsache in den Vordergrund schiebt, und leider sind, wie der Aufruf feststellt, „in dieser Richtung auch unsere gerechten und selbst bescheidensten Ansprüche noch lange nicht erfüllt". Denn: „die Wiederherstellung der früher verfassungsgemäß garantirten Freiheit der katholischen Kirche ist noch nicht erfolgt". Als die erhabenste und vornehmste Aufgabe der Centrumspartei auch für die Zukunft bezeichnet der Aufruf „volle Gleichberechtigung des katholischen Volkstheils, Wahrung des konfessionellen Charakters der Volksschule, Leitung des religiösen! Unterrichts durch die kirchlichen Organe, freie und ungehemmte Thätigkeit unserer Ordensgenossenschaften. . ." Das sind Forderungen, von denen mitunter behauptet wird, daß nur ein bestimmter Theil der Centrumspartei sie erhebe, daß aber der sogenannte „aristokratische Flügel" des Centrums weniger Gewicht darauf lege. Wir kennen einen solchen besonderen Flügel des Centrums nicht. Aber für diejenigen, die ihn nun durchaus als vorhanden betrachten wollen, möge es als Lehre dienen, daß unter diesem Wahlaufruf auch die Namen des Grafen v. Ballestrem und des Freiherrn v. Huene stehen. Der andere Hauptpunkt des Aufrufes beschäftigt sich mit der Wirthschaftspolitik des Centrums. „In wirthschaftlicher Beziehung — so sagt der Ausruf — haben wir den Schutz sämmtlicher Berussstände auf dem Grunde der ausgleichenden Gerechtigkeit, insbesondere dieser Menschen in Colmar bekannt werde, damit sie dort nicht länger ungescheut in anständige Gesellschaft sich drängen. An Dir ist es nun, den Nutzen aus meinen Nachforschungen zu ziehen. Von dem Augenblicke jedoch, wo Du wieder Erwarten der Mann dieses Mädchens würdest, hätte jede Beziehung zwischen uns aufgehört.
Deine Mutter.''
Tennenbach war von dem Ausfluge zurückgekehrt, zu dem ihn die Verbitterung, welche sein letztes Gespräch mit seiner Frau in ihm zurückgelassen, getrieben hatte. Wie er gehofft und erwartet, hatte der stille Naturgenuß, das Umher- streifen in Feld und Wald, die wohlthätigste Wirkung auf ihn ausgeübt; erfrischt an Geist und Seele, in versöhnlicher Stimmung kehrte er heim.
Er war bereit, seiner Frau Manches nachzusehen, da er sich ja sagen mußte, daß die Enttäuschung, welche ihren hochfliegenden Plänen geworden, bei ihren Charaktereigenthümlichkeiten ihr eine furchtbare Prüfung sei. Wie viel leichter wäre es ihm aber geworden, Nachsicht zu üben, hätte sie neben der Herzlosigkeit nicht auch noch Gemeinheit der Gesinnung an den Tag gelegt! Mit den Jahren hatte sich eben ein immer schreienderer Widerspruch zwischen ihrem angeblich auf höchste Ziele gerichteten Streben und ihrer Handlungsweise gezeigt. Indessen — sie waren nun einmal Mann und Frau; auch mochte er wohl gerade in der Angelegenheit der Verlobung ihres Sohnes ihren Elgenthümlichkeiten nicht genügend Rechnung getragen Haden. So wollte er sich jetzt bemühen, sie zu versöhnen und ihrer Eigenart dabei alle möglichen Zugeständnisse machen.
mit Unterhattungs-Meilage „Muflrirte Sonntags-Zeitung