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mit Unterhaltungs-Beilage „Ilkuffrirte Sonntags-Zeitung!' peterrgak« llr. 2 (Larmonie).

M 114.

Erstes Blatt.

Jutöa, Samstag, den 21. Mai 1898

25. Jahrgang.

Wahlaufruf.

Wiederum ist eine Legislaturperiode des • preußischen Landtags zu Ende gegangen; wir legen unser Mandat in die Hände der Wähler zurück, in dem Bewußtsein, daß wir uns redlich bestrebt haben, die altbewährten Grundsätze unserer Partei hoch zu halten und in treuer Arbeit nach besten Kräften für das Wohl des Landes einzu­treten. Treu der Vergangenheit der Partei, haben wir es uns angelegen fein lassen, unsere idealen Ziele zu verfolgen und unsere Grundsätze und Anforderungen auf kirchlichem und religiösem Ge­biete mit Eifer und Nachdruck zur Geltung zu bringen. In dieser Richtung sind unsere gerechten und selbst bescheidensten Ansprüche noch, lange nicht erfüllt. Die Wiederherstellung der früher verfassungsmäßig garantirten Freiheit der katho­lischen Kirche ist noch nicht erfolgt; die freie Be­wegung ihrer Organe auf dem ihnen zustehenden -Gebiete, so daß sie ihren wohlthätigen Einfluß für Staat und Kirche und für das Leben des Volkes ungehemmt ausüben können, ist trotz unseres jahrelangen Strebens noch nicht erlangt. Die volle Gleichberechtigung des kathol. Volks- theils, die Wahrung des konfessionellen Charakters der Volksschule und der natürlichen Rechte der Mtern auf dieselbe, die Leitung des religiösen Unterrichts durch die kirchlichen Organe, die Sicherung einer christlichen Erziehung in der Volksschule, welche wir um so nothwendiger er­achten müssen, je mehr wir erkennen, daß gegen­über der sich immer mehr entwickelnden Richtung auf Zügellosigkeit und Ungebundenheit nur ein christlich erzogenes, gottesfürchtiges Volk Widerstand zu leisten imstande ist; — die freie und ungehemmte Thätigkeit unserer Ordensge­nossenschaften unter Beseitigung aller engherzigen, chureaukratischen Maßregeln, welche die seelsorger- liche Arbeit, die christliche Wohlthätigkeit und die Selbstaufopferung im Dienste Gottes und des Nächsten, in ihrer segensreichen, unbedingt noth- wendigen Entwickelung hemmen, das sind alles Ziele, von welchen wir zum Theil noch sehr weit entfernt sind, welche aber zu erringen stets die erhabenste und vornehmste Aufgabe unserer Partei gewesen ist und sein wird.

Hierbei werden wir niemals vergessen, der 'Erhaltung des konfessionellen Friedens, welcher nur gewahrt werden kann, sofern nach allen Richtungen hin die gleiche Gerechtigkeit für Alle zur Anerkennung gelangt, unsere besondere Sorge zuzuwenden.

Unter Aufrechthaltung und Anerkennung aller bestehenden Rechte und Rechtsverhältnisse haben wir seiner in Wahrung der Rechte des Volkes wiederholt die bei der Berathung der neuen Steuergesetze zugesagte Reform des Wahlrechtes verlangt, durch welches die durch jene Gesetze be­wirkte Verschiebung und Verkümmerung des Wahl­rechtes ausgeglichen werden sollte; wir haben den Gesetzentwürfen, welche eine Beeinträchtigung des Vereins- und Versammlungsrechtes herbe zuführen geeignet waren, und ferner denen, welche nach unserer Ueberzeugung die Unabhängigkeit des -Richterstandes gefährdeten, die Zustimmung ver­sagt und dieselben mit Erfolg ' bekämpft. I n

Hohr Ziele.

Roman von L. von Neidegg.

'28 ------ (Nachdruck verboten.)

Dennoch, als Frau von Tennenbach sich nannte und den Namen ihres ersten Mannes er­wähnte, wußte er sich leicht auf sie zu besinnen. Sie sah es als günstiges Anzeichen an, daß er bei ihrem Besuch eine besondere Absicht voraus­setzte und sie nach derselben fragte. Sie war darauf vorbereitet. Ein Rebgut, welches Herr Burkart besaß, das an eines der ihrigen grenzte und für sie allenfalls ein erwünschtes Äbrun- dungsstück abgeben konnte, sollte als Vorwand zu ihrem Besuch dienen. Mit der ihr eigenen Geschäftskenntniß besprach sie den Kaus und hörte geduldig die weitschweifenden Einwendungen und Erörterungen des alten Mannes an. Erst als sie ihn in Sicherheit gewiegt, erwähnte sie ganz beiläufig, daß sie in Gries mit einem alten Bekannten von ihm zusammengetroffen sei; derselbe habe ihr Grüße an seinen Freund und Gönner aufgegeben. Es sei dies jener Anton Butz, zu dem sie vor langen Jahren vom Wohlthäligkeitsverein aus beordert worden, für welchen der Herr Stadtrath sich ja damals sehr interessirt habe.

Der alte Herr sah sie etwas mißtrauisch an und erwiderte kein Wort.

„O, Sie brauchen gar nicht so geheimnißvoll zu thun, Herr Stadtrath. Ich weiß über den Mann Bescheid, so gut, wie Sie selbst; er war ja seiner Zeit mit meinem jetzigen Manne bekannt."

Der Stadtrath nickte. „Ja, ja; der Herr

wirthschaftlicher Beziehung haben wir den Schutz sämmtlicher Berufsstände aus dem Grunde der ausgleichenden Gerechtig­keit, insbesondere aber die Fürsorge für die wirth- schaftlich Schwachen als obersten Grundsatz fest­gehalten. Wir sind nach wie vor davon durch­drungen, daß eine gesunde und gedeihliche Land- wirthschaft mit einem kräftigen und gesicherten Stande der Landwirthe und ein blühender Mittelstand in Handwerk und Gewerbe die Grundsäulen des Volkswohles bilden.

Während die Gesetzgebung in Bezug auf Hand­werk und Gewerbe vorwiegend dem Reiche zusteht, waren wir zu Gunsten der Landwirthschaft in der Lage, eine Reihe von nützlichen und fegensreichen Maßregeln gutzuheißen oder anzuregen. Dahin ge­hören unter andern die Herstellung von Klein­bahnen und Getreidespeichern, die Hebung des ländlichen Kredits durch Einrichtung der Central- Genossenschaftskasse, die Bereitstellung erhöhter Staatsmittel sür landwirtschaftliche Zwecke, und ein vermehrter Schutz des heimischen Viehbestandes gegen Einschleppung von Seuchen aus dem Aus­lande. Wir hoffen und werden mit allen Kräften dahin streben, daß es der Landesgesetzgebung im Verein mit der auch auf diesem Gebiete beteiligten Reichsgesetzgebung gelingen möge, die gedrückte Lage des landwirthschaftlichen, für das Wohl und die Kraft des Landes unentbehrlichen Standes auf dem Wege nützlicher und durch­führbarer Reformen zu erleichtern und das Wohlbefinden desselben zu sichern. Den Ge­setzentwurf über die Besoldung der Elementar­lehrer, dieses für das gesammte Staatswohl so bedeutsamen Standes, haben wir thunlichst zu verbessern gesucht, in der Vorlage über die Beamtenbesoldung haben wir uns bemüht, nach Möglichkeit auf eine gerechte Berücksichtigung der minder hoch besoldeten Beamten hinzuwirken. In diesen verschiedenen Gebieten wird daher, wie bisher, unsere eifrige Fürsorge alle wirth- schaftlichen und materiellen Interessen und An­forderungen zu umfassen suchen.

Sollen wir aber in diesem Streben nach den verschiedenen bezeichneten Richtungen hin auch ferner Erfolg erzielen und den Sieg erringen, so darf die Fraktion des Centrums nicht geschwächt, sondern sie muß möglichst gestärkt aus dem Wahlkampfe hervorgehen. —

Mögen denn alle Wähler mit Eifer und Festigkeit eintreten und bedenken, daß auch bei der bevorstehenden Wahl die höchsten Güter in Frage kommen, und daß dem Wahlrechte des Gesetzes die Wahlpflicht des Gewissens gegen« übersteht. Mögen Alle ihre Pflicht erfüllen unter der Loosung: für Wahrheit, Freiheit und Recht.

Berlin, 18. Mai 1898.

Der Vorstand der Fraktion des Centrums des Hauses der Abgeordneten.

Dr. Frhr. v. Heereman, Vorsitzender, Graf v. Ballestrem, Claeffen, Dauzenberg, Dieden, Fritzen (Borken), v. Gliszczynski, Frhr. v. Huene, v. Ke hl er (Mülheim),

Dr. Lieber, Meuken, v. Strombeck.

von Tennenbach. Das war auch ein lustiger, junger Herr dazumal."

„Freilich, freilich. Butz, der sich jetzt Mols­berg nennt, dessen eigentlicher Name aber Burg­holz ist, lebt in Kolmar. Lisbeth Butz ist die einzige Tochter des Obersten Schott gewesen."

„Gewesen? Ist sie denn gestorben?"

„Vor wenig Wochen."

„Arme Lisbeth! Arme, geprüfte Frau! Sie war ein schönes Mädchen und ein braves Weib! Hat weder Glück noch Stern gehabt. Also schon gestorben? So, so . . ."

„Daß sie nicht glücklich gewesen, war jeden­falls die Folge ihrer unüberlegten Heirath," sagte Frau von Tennenbach mit absichtlicher Schärfe. „Solche Heirathen tragen immer ihre Strafe in sich selbst."

„Der alte Mann verfolgte indessen seinen eigenen Gedankengang und achtete ihre Bemerkungen nicht. „Also erlöst von ihren Leiden, die arme Lisbeth! Nun ist ihr endlich wohl. Er war hart, recht hart, der alte Oberst. Sein einziges Kind, die einzige Tochter so dem Elend zu über­antworten ! Keine Hand zu rühren zu ihrer Rettung! es war kein guter Mann."

„Wenn Kinder heirathen wollen nach eigenem Ermessen, müssen sie auch die Folgen tragen," entgegnete sie kurz und hart. „Wer den Willen der Eltern mißachtet, hat jeden Anspruch auf deren Wohlwollen verwirkt."

„Lisbeth Schott hatte sich mit des Vaters Einwilligung verlobt; Anton Burgholz galt da­mals als wohlhabend. Als er dann arm und elend, mit Gott und der Welt verfallen, aus dem Zuchthaus kam, hielt sie an ihm fest, um ihn

Deutsches Deich*

Berlin, 20. Mai.

x Heute, am Freitag, hat der Anndesralh eine Plenarsitzung abgehalten und in dieser als ersten Gegenstand der Tagesordnung das Gesetz über die militärische Strafgerichts-Ord­nung in der Fassung der Beschlüsse des Reichs­tages angenommen. Gleichzeitig wurde dem zugehörigen Einführungsgesetze sowie dem Gesetze über Dienstvergehen der militärischen Justiz­beamten die Zustimmung des Bundesrathes er- theilt. Es ist eine Weile vergangen, bis auch der Bundesrath diese Gesetze angenommen hat. Und daraus wollten manche schon den Schluß ziehen, daß der Erledigung genannter Gesetze durch den Bundesrath Hindernisse im Wege ständen. Nunmehr sind diese Besorgnisse also endgiltig beseitigt.

(*) Die preußischen Minister v. Miquel, Dr. Bosse, v. d. Recke und Staatssekretär Graf v. Posadowsky haben am heutigen Freitag die längst angekündigte Meise «ach Mose« angetreten, um dort Bauplätze und Ge­bäude zu besichtigen, die in Aussicht genommen sind zur Anlage eines Museums, einer Landes­bibliothek und anderer Einrichtungen, von denen man erwartet, daß sie zur Förderung des Deutsch- thums dienen werden. Es könnte wohl aber der Fall eintreten, daß alle diese an sich lobens- werthen Einrichtungen getroffen werden, ohne daß der erwartete Erfolg eintritt.

X Das kartellpolitische ,Deutsche Wochen­blatt' des freikonservativen Politikers und Abge­ordneten Arendt bringt von Zeit „Briefe aus der Uroviuz Mose«." Der neueste dieser Briefe beschäftigt sich mit der Frage, was im Sinne der preußischen Regierungspolitik besser sei: ein Erzbischof polnischer oder deut- scherAbstammung? Und der Verfasser kommt zu dem Ergebnisse, daß „ein Pole von dem Schlage des Herrn von Stablewski unbedingt vorzuziehen" sei. Den von den Hakatisten- oft gegen die Re­gierung erhobenen Vorwurf, diese hätte für Posen auf einem deutschen Erzbischof bestehen-müssen, zeugt nach der Ansicht des Verfassers „von großer Unkenntniß der Personen und Verhältnisse". Daraus ersieht man, daß es auf deutscher Seite nicht allein die Centrumspresse ist, die an der Gewaltpolitik des Hakatismus keinen Gefallen findet. Auch ganz offenbare Kartellpolitiker warnen vor dieser Politik und ihren Konsequenzen. Aber leider wird Herr von Miquel, der in Preußen die Polenpolitik macht, aller Voraus­sicht nach solchen Warnungen nur geringe Be­achtung schenken. Erst wieder in späteren Jahren wird man die unliebsame Entdeckung machen, daß man durch die Gewaltpolitik mit den Polen nur wieder rückwärts statt vorwärts kam. Und dann ist es mit der Erkenntniß wieder zu spät!

ff Die Meizeupreise steigen von neuem! Ein freisinniges Berliner Blatt, das in Handels­sachen im allgemeinen recht gut bedient zu sein pflegt, führt diese Thatsache auf neue Opera­tionen der Hausse-Männer in Chicago zurück: „Das Hausse-Konsortium in Chicago, das man bereits für aufgelöst hielt — so läßt sich das Blatt vernehmen — scheint die Situation zu

vor dem Untergang zu retten, und das nenne ich schön und großmüthig!" rief der in Eifer ge­ratene alte Mann, und seine Augen hatten etwas von ihrem Feuer wiedergefunden, als er Frau von Tennenbach strafend anblickte.

Aus dem Zuchthaus! Nun war es heraus, das Geheimniß, nun hielt sie Molsberg's Zukunft in ihrer Hand! „Aus dem Zuchthaus!" wieder­holte sie gedankenlos.

„O Gott, was habe ich gesagt!" rief er­schrocken der alte Herr, dessen Stimme nun wieder ganz zittrig geworden. „Nein ... so ... so war es gar nicht, . . . ich habe . . . mich ver­sprochen. So war es nicht, gnädige Frau."

„Als ob ich das alles nicht längst gewußt hätte! Lassen Sie's gut sein mit Ihren Ein­sprüchen, Herr Burkart Fräulein Schott's romantische Handlungsweise habe ich nie zu be­greifen vermocht. Ein Subjekt wie Burgholz ist wahrhaftig nichts anderes werth, als zu Grunde zu gehen."

„Entschuldigen Sie, Exzellenz; um so zu ur­teilen, müssen Ihnen die Verhältnisse doch nicht so genau bekannt fein, sonst müßten Sie wissen, daß es für Anton Burgholz gar manche mildernde Umstände gab. In meinen Augen war Fritz Burgholz ungleich strafwürdiger; dies sage ich, obwohl er mein Verwandter war."

„O, den gebe ich Ihnen vollkommen preis. Die Brüder waren eben einander werth und würdig."

„Fritz war ein schlechter Mensch," sagte der alte Mann wie traumverloren vor sich hinsehend. „Wie jemand aus meiner Mutter Blut so fein konnte, wie er und feine Mutter vor ihm, habe

einem neuen Coup im Juli für günstig zu halten; darauf läßt das Eingreifen desselben an den amerikanischen Märkten schließen . . ." Und englische Handelsblätter sind ebenfalls der An­sicht, daß „die Weizenspekulanten in Chicago die Brodpreise in Europa noch weiter in die Höhe treiben werden ..." Sehr interessant ist ein Bericht, den der Handels-Attache bei der eng­lischen Botschaft in Berlin, Herr Gastrell, feiner Regierung gesandt hat. Derselbe war beauftragt worden, die Folgen zu beobachten, die das Verbot des Getreide-Termin­handels in Deutschland haben würde. Daraus hat Herr Gastrell u. A. berichtet: „Anstatt, wie behauptet worden war, den Preis zu steigern, hat dieses Verbot den Getreidepreis herab­gesetzt." Also auch ganz unparteiische Sachver­ständige strafen die Behauptungen der deutschen Spekulanten-Presse Lügen, daß das Verbot des Getreide-Terminhandels dem Volke das Brod verteuern würde.

Am letzten Mittwoch hat, wie mehrfach berichtet, beim Minister von Miquel die Be­rathung stattgefunden über die Besteuerung der IYaareuHäuser und chrostvazare. Diese Berathung hat, wie nunmehr gemeldet wird, einen streng vertraulichen Charakter gehabt, und außer­dem soll sie „in ihren Ergebnissen sehr befriedigend abgeschlossen haben", so daß „ein gangbarer Weg zur Lösung der Frage betreten werden dürfte . . " Es fragt sich nur, für wen diese Ergebnisse befriedigend sind: für die Ansichten des Herrn von Miquel und für die von diesem vorgeschlagene Kommunal-Besteuerung, oder aber für die An­schauungen, die durch die Mehrheit des preußischen Abgeordnetenhauses vertreten wurden und auf eine staatliche Besteuerung hinausliefen. Hoffentlich erfährt man das recht bald!

* Uegensöurg, 20. Mai. Ein am vor­gestrigen und gestrigen Tage anläßlich der Jubel­feier der 40jährigen oberhirtlichen Thätigkeit des Bischofes Ignatius von Senestrey von Regensburg nach Altötting veranstalteter P il g er - zug von Männern nahm einen ebenso groß­artigen wie glücklichen Verlauf. Theil nahmen etwa 2500 Diözesanen. Führer des Zuges war Präses Mehler. Es predigten außer diesem die Kapuzinerpatres Ephrem Lutz und Benno Auracher. Der feierlichen Generalkommunion folgte gestern Abend Lichterprozession und Ovation an der Tillygruft. Bischof Ignatius und Papst Leo sandten Segenstelegramme.

Ausland.

* Londo«, 20. Mai. Der Tod Glad­stones wird im ganzen Lande als nationaler Verlust anerkannt. Alle Blätter sind gestern und vielfach auch heute mit Trauerrand er­schienen und haben dem dahingeschiedenen Staats­mann eingehende Nachrufe gewidmet. Allgemein wird der Wunsch ausgesprochen, daß die Leiche in der Westminster-Abtei beigesetzt werden möge. Die öffentlichen Gebäude und zahlreiche Privat­häuser trugen gestern auf Halbmast gehißte Flaggen.

* Budapest, 20. Mai. Im ungarischen Unterhause meldete der Abg. Kossuth ich nie fassen können. Ich begreife, daß Anton die Verzweiflung packte, als jenes ungerechte Testament bekannt wurde."

„Ich bewundere Ihre Moral, Herr Stadt- rath," unterbrach seine Zuhörerin spöttisch.

„Ich kannte eben die Verhältnisse genau, und für mich gibt es andere Normen, als bloß den starren Buchstaben des Gesetzes!" rief Burkart mit etwas von der Willenskraft seiner Jugend. „Anton war zum Wohlleben erzogen; er hatte Schulden. In einer dunkeln Stunde, halb trun­ken, fälschte er die Unterschrift des Bruders; sein Gewissen beschwichtigte er mit der Einrede: es war ja seines Vaters Geld, das eigene, das er sich auf diese Weise verschaffe. Die That gelang, das Geld wurde ihm ausbezahlt; als sich der Betrug herausstellte, war alles verausgabt. Ich rieth Fritz dringend zur Schonung; er, der die Geistesschwäche des Vaters mißbraucht, das Testa­ment erschlichen hatte, saß im Ueberfluß. Er be­stand aber auf seinem Recht. Anton wurde das zulässig gelindeste Strafmaß, ein Jahr Zuchthaus, zuerkannt; des Bruders Rachsucht war aber da­mit noch nicht gestillt. . ."

„Schlimm für Anton Burgholz, doch kann ich des Andern Verfahren nur gerecht nennen. Anton mußte ja wissen, daß sein Weg nach dem Zucht- Hause führe."

„Ja, wenn der liebe Gott mit uns allen nur nach seiner Gerechtigkeit verfahren wollte!" be­gann der alte Mann, unterbrach sich aber und fuhr fort: „Ja, was ich weiter sagen wollte. . . was war es doch ? ... Ja, richtig, ich wollte erzählen, wie Fritz gegen den Bruder gehandelt»