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FuldaerMZeitung

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für JnferateJ. parselter in Fulda. mit Unterhaltungs-Beilage „Illnstrirte Sonntags-Zeitungpetersgaste Nr. 2 (Harmonie).

M 113.

JuLöa, Freitag, den 20. Mai 1898

25. Jahrgang.

Schluß des preußischen Landtages.

Der 18. Mai hat nun auch dem preußischen Landtage Schluß gebracht. Nur mit Mühe konnte zuletzt noch ab und zu Beschlußfähigkeit des Abgeordnetenhauses erzielt werden: Die Mit­glieder des Hauses waren nicht länger beisammen zu halten, und alle athmeten erleichtert auf, als am Dienstag nach einer 6V2 Stunden langen Sitzung Schluß verkündet wurde.

Unwillkürlich drängt sich ein Vergleich auf zwischen Reichstag und preußischem' Landtage. Der Unterschied zwischen den beiden parlamen­tarischen Körperschaften ist im Laufe der Jahre stärker hervorgetreten. Und namentlich in der allerneuesten Zeit ist er noch fühlbarer geworden als früher. Schon die Grundbedingungen für beide Parlamente sind ganz verschieden: der Reichstag wird gewählt nach dem allge­meinen gleichen, direkten und geheimen Wahlrechte, das preußische Abgeordnetenhaus aber nach dem bekannten geflügelten Worte des Fürsten Bismarck auf Grund des „elendesten und widersinnigsten Wahlrechtes, das man ersinnen kann". Und die Zusammensetzung beider Häuser entspricht der Verschiedenheit der Wahlrechte. Gleichzeitig kann man am preu­ßischen Abgeordnetenhaus« sehen, was aus dem Reichstage werden würde bei der Umwandlung des Reichstagswahlrechtes nach dem Sinne der­jenigen Parteien, die jetzt die unbedingte Mehr­heit im preußischen Abgeordnetenhaus haben und aller Voraussicht nach leider noch lange behalten werden: ein Parlament mit einer allmächtigen Kartellmehrheit. Im Reichstage ist während der jetzt abgelaufenen Parlamentszeit von dem „großen M.", Herrn Finanzminister von Miquel, nichts zu spüren gewesen. Auch nicht ein einziges Wort hat er dort gesprochen. Aber im preu­ßischen Abgeordnetenhause ist das Gebiet, auf dem er sich wohl fühlt; dort ist er einer der fleißigsten Redner. Und ganz besonders bezeichnend ist es ja für das Abgeordnetenhaus, daß dieses mehrfach benützt worden ist dazu, um Kritik .ju üben am Reichstage, wenn dieser anders handelte und beschloß, als es in dem Sinne der Kartellpolitik lag.

Werfen wir einen kurzen Rückblick auf das, was der preußische Landtag während seiner nun­mehr abgelaufenen Legislaturperiode geschaffen hat, so stoßen wir kaum auf politische Ge­danken und Thaten von hervorragender Bedeutung. Aus der Reihe der beschlossenen Gesetze sind hervorzuheben die Errichtung der Land- wirthschaftskammern, das neue Stempelsteuergesetz, die Umbildung des Gerichtskosten-Tarifs, die Aufbesserung der Lehrerbesoldungen, eine neue Städte- und Landgemeinde-Ordnung für Hessen- Nassau und anderes mehr. Wichtig und erfreu­lich ist die Gründung der Central-Genossenschafts- Kasse und die Einsetzung des Freiherrn von Hüne als ihr Leiter, und ebenso erfreulich ist es, daß dieser Kasse auch neuerdings noch weitere Mittel bewilligt wurden. Und ebenso erfreulich und wichtig ist das Gesetz über die obligatorische Tilgung der Staatsschulden, das die Verwendung aller Ueberschüsse im Staatshaushalte zur Schulden- iilgung vorschreibt und diese auf 3/s Prozent der

Hohr Ziele.

Roman von L. von Neidegg.

■27 ------- (Nachdruck verboten.)

Alle Freudigkeit wich aus Hedwig's Herzen, als sie den Vater mehr wie theilnahmslos, bei­nahe feindselig sich gegenüber sah.' „Vater!" fügte sie ängstlich, „was ist Dir? Jst's möglich, daß Du Dich gar nicht über mein Glück freust?"

Er raffte sich zusammen. „Dich glücklich zu sehen, war immer mein erster Wunsch, nuin Kind. Aber . . daß es nicht leicht ist, den ersten Platz im Herzen des Kindes einem andern zu überlassen, das wird Dir erst später einmal klar werden."

„So ist es nicht, Vater, gewiß nicht. Der Vater bleibt doch immer die erste Liebe. Der hat seinen Platz, von dem ihn keiner entthront."

„Deine erste Pflicht würde jedenfalls Deinem Manne gehören. So hat Deine Mutter gegen mich gehandelt. Gott fei davor, daß ich Dich hindere, einem Andern die Treue und Liebe ent­gegenzubringen, die sie mir bewiesen. Möchte er nur Deiner würdiger sein ... als ich es Deiner Mutter gewesen," fügte er kaum hörbar hinzu.

Sie hatte ihn aber doch gehört. „Möge er so sein, wie Du, Vater!" verbesserte sie, sich an ihn schmiegend.

Er sah sie traurig an, antwortete aber nichts. Endlich nach langer Pause flüsterte er: „Du könntest wohl den Gedanken nicht faffen, zu leben L>hne ihn?"

„Ich leugne es nicht ... es wäre viel Freude

Kapitalschuld jährlich festsetzt. Im Interesse der Landwirthschaft liegt die Bewilligung von Kre­diten zur Herstellung von Getreidelagerhäusern, die Einführnng von bäuerlichen Anerbenrechten, noch ganz zuletzt für die Provinz Westfalen; und in der neuesten Zeit hat manche Debatte be­wiesen, daß die Landwirthschaft viele gute und eifrige Freunde im preußischen Landtage besitzt, bei dem Centrum ebenso wie bei den Konser­vativen. Der Centrumsabgeordnete Szmula ist es gewesen, der die brennende Noth an länd­lichen Arbeitern uno Dienstboten zur Sprache brachte, und namentlich der Abg. Herold vom Centrum und mehrere schlesische Centrumsmit­glieder sind wiederholt und mit großem Erfolge für die Interessen der Landwirthschaft eingetreten.

Aber das, was der preußische Landtag nicht zu Wege gebracht hat, ist mindestens ebenso viel besprochen worden wie die Arbeit, die er ge­leistet hat. Und ebenso sind unter seinen Be­schlüssen nicht wenige, die in dem Sinne der Politik ausgleichender Gerechtigkeit nur zu be­dauern sind: man denke nur an die Verdop- pjelung der Hundertmillionen-Fonds zur „Förderung des Deutschthums" in den Ost­marken, an die Vereitelung der so außerordent­lich nothwendigen Reform des Wahlrechtes für das Abgeordnetenhaus und für die Gemeinde­vertretungen, das durch die neuen Steuergesetze noch weiter verschoben worden ist zu Gunsten der wohlhabenden und reichen Leute und zum Schaden derer, die den niedrigen Steuerstufen angehören. Auch hier ist es das Centrum gewesen, das bis zuletzt die Sache des Volkes geführt hat — leider umsonst!

Dem „großen M." erschien es nützlich, die Neuwahlen zum Abgeordnetenhause unter dem Einflüsse dieses noch verschlechterten Wahlsystems stattfinden zu lassen, und so wird es geschehen. Und darum wird auch das neue Abgeordnetenhaus in seiner Zusammensetzung wenig von dem alten sich unterscheiden.

* ♦ *

Im Weißen Saale des Königl. Schlosses fand am Mittwoch Vormittag 11 Uhr der feierliche' Schluß der 18. Legislatur-Periode des Landtages durch Se. Maj. den Kaiser und König statt.

Schon vorher versammelten sich die Mitglieder beider Häuser im Weißen Saale und nahmen dem Throne gegenüber im Halbkreise Aufstellung.

Um 11 Uhr traten die Mitglieder des Staats­ministeriums ein. Nachdem dieselben zur Linken des Thrones Aufstellung genommen hatten, er­schien der Kaiser mit Gefolge und wurde von der Versammlung mit dreimaligem begeisterten Hoch empfangen, welches der Präsident des Herren­hauses, Fürst zu Wied, ausbrachte.

Alsdann nahm der Kaiser aus der Hand des Präsidenten des Staatsministeriums, Fürsten zu Hohenlohe, die Thronrede entgegen und verlas dieselbe, nachdem er das Haupt mit dem Helm bedeckt hatte, wie folgt:

Erlauchte, edle und geehrte Herren von beiden Häusern des Landtages!

Bei Beginn dieser Legislatur-Periode habe Ich dem Vertrauen Ausdruck gegeben, daß Mein Bestreben, den Bedürfnissen des Landes überall gerecht zu werden, in Ihrer Mitarbeit eine sichere Stütze finden werde. Meine

aus meinem Leben genommen, müßte ich auf ihn verzichten."

„Dann werde glücklich mit ihm, mein Kind. Ich will Euch nicht entgegentreten."

„Vater, lieber Vater!" rief sie beseligt, und neben ihm niederknieend, küßte sie seine Hand. ,Mott lohne Dir das Wort. Wir werden jetzt zwei sein, Dich zu lieben."

Er überhörte diese Worte. „Jubele nicht zu früh, Hedwig; deshalb sind alle Hindernisse noch lange nicht beseitigt. Bist Du der Ein­willigung seiner Mutter sicher? Sie ist eine gar hochfahrende Frau."

„Er hofft bestimmt, sie zu erlangen."

„Um so besser, denn ..." — er wollte sagen: denn er ist nicht der Mann, schwere Opfer um Dich zu bringen, verbesserte sich jedoch — „denn ein Zwiespalt in der Familie würde Dein Dasein verbittern. Weiß ich Dich wohlwollend ausge­nommen, von Liebe umgeben, so fällt für mich Vieles weg von der Bitterkeit der Trennung."

„Trennung? Du wirst bei uns sein, Vater."

Er schüttelte den Kopf. Wie blind macht doch Liebe, daß feine kluge Tochter die Gesinnung ihres Auserwählten, die Macht der Verhältnisse so gänzlich verkennen konnte. „Ein Soldat, der neben der Frau auch noch den Schwiegervater mit sich schleppte! Nein, das ginge nicht an," erwiderte er, sich zum Scherzen zwingend. „Er soll Dich haben, uneingeschränkt. Weiß ich Dich glücklich, bin ich es auch."

Sie war sehr ernst geworden, und Thränen standen ihr in den Augen. „So sehr ich Dich liebte, habe ich doch nicht gewußt, wie gut, wie selbstlos Du bist, lieber Vater. Nie hätte ich

Zuversicht hat sich erfüllt. Mit Befriedigung blicke Ich auf das während dieser arbeitsvollen 5 Jahre in ge­meinsamer Thätiokeit Erreichte zurück.

Zur dauernden Befestigung unseres Finanzwesens ist eine Reihe von Maßnahmen eingeführt; insbesondere werden die Konvertirung der 4prozentigen Anleihen, die Aufstellung bestimmter Grundsätze für den Haushalts­plan, die Wiedereinführung der obligatorischen Schulden­tilgung und die Verabschiedung des Gesetzes betr. den Staatshaushalt, wesentlich dazu beitragen, auch für die Zukunft ein wohlgeordnetes Finanzwesen zu sichern.

Die Finanzlage des Staats hat sich in der abge­laufenen Legislaturperiode fortgesetzt günstiger gestaltet. Während die ersten Jahre noch Fehlbeträge aufwiesen, haben die letzten Jahre mit Ueberschüssen abgeschlossen. Diese erfreuliche Entwickelung hat es möglich gemacht, die wachsenden Bedürfnisse auf allen Gebieten des Staatslebens in ausgiebiger Weise zu befriedigen. Die Ausgaben in allen Berwaltungszweigen haben bedeutend erhöht werden können, und eine Reibe seit längerer Zeit ungelöster Aufgaben ist nunmehr zur Durchführung gelangt.

Die Lage der Beamten hat sich durch die Ein­führung des Systems der Dienstaltersstufen, die erheb­liche Vermehrung der etatsmäßigen Stellen, die An­rechnung bestimmter Jahre für die Diätarien, die Er­höhung der Wittwenpenstonen, die Aufhebung der Dienst­kautionen wesentlich verbessert. Vor allem ist es ge­lungen, die im Jahre 1890 begonnene allgemeine Er­höhung der Beamtengehälter nunmehr zum Abschluß zu bringen. Nur die Neuregelung der Gehälter einiger Klassen der Unterbeamten wird den Landtag in der nächsten Session noch beschäftigen müssen.

Den seit Jahren hervorgetretenen Wünschen auf Verbesserung _ber Lage der Volksschullehrer ist durch das Gesetz vom 3. März v. I. entsprochen wor­den, durch welches das Ziel erreicht worden ist, den Lehrern ein festes, den örtlichen Verhältnissen ange­messenes Einkommen zu sichern.

Mit Freude begrüße Ich nicht minder das Gelingen einer Verständigung zwischen den beseitigten staatlichen und kirchlichen Instanzen über die Neuregulirung der Gehaltsverhältnisse der evangelischen und katholischen Geistlichen. Ich hoffe zuversichtlich, daß diese Re­form für Staat und Kirche von bleibendem Segen sein wird.

Für die Förderung des Hochschulwesens und des gewerblichen Unterrichts, für die wissenschaftlichen und Kunstanstalten sind erhebliche Mittel bereitgestellt worden.

Die Neuordnung der Staatseisenbahnver­waltung hat sich in allen Th eilen durchaus bewährt. Infolge des großen Aufschwunges der gewerblichen Thätigkeit hat sich der Verkehr der Eisenbahnen über Erwarten gesteigert. Zu Meiner Befriedigung hat der Landtag sich bereit gefunden, aus den Ueberschüssen des Staatshaushalts Meiner Regierung außerordentliche Mittel zur Verfügung zu stellen, um den stetig wachsenden Anforderungen des Verkehrs schneller und durchgreifender zu entsprechen.

Für die Erweiterung des Staatseisenbahn­netzes, sowie für die Förderung des kräftig aufblühenden Kleinbahnwesens sind die verlangten Mittel bereitwillig von Ihnen gewährt worden.

Behufs Verbesserung der Wohnungsverhält­nisse der Arbeiter und geringer besoldeten Staats­beamten sind erhebliche Beträge bereitgestellt; der Förder­ung dieses bedeutsamen Ziels wird auch in Zukunft be­sondere Fürsorge gewidmet werden.

Die Errichtung derCentral-Genossenschafts- kasse und ihre weitere Ausstattung mit staatlichen Mittel wird, wie schon die bisherige Erfahrung bewiesen hat, zur Hebung des Genossenschaftswesens und zur Sicherung einer billigen Kreditgewährung für die Mittel­klassen in Stadt und Land beitragen und den Zusammen­schluß der schwächeren Kräfte im Wirthschaftsleben fördern.

Das Zustandekommen der Städteordnung und der Landgemeindeordnung für die Provinz tessen-Nassau ist ein erfreulicher Fortschritt. An teile der vielgestaltigen, zum Theil veralteten Gesetze ist ein einheitliches Gemeindeverfassungsrecht getreten, welches sich an die im übrigen Staatsgebiete geltenden Grundsätze anschließt.

Die schwierige Lage der Landwirthschaft hat

mir vorgestellt, daß es so schwer sei, zwischen zwei Pflichten zu wählen."

„Das ist so der Lauf der Welt," beruhigte er sie und fuhr liebkosend über ihr Haar. „Lasse nur Hardanger wissen, daß ich ihn erwarte."

Noch einmal ergriff sie des Vaters Hand und führte sie an ihre Lippen; die Eile, mit der sie ging, seinen Auftrag zu vollführen, zeigte ihm deutlicher als alle Worte, was Hardanger ihr sei.

Der alte Mann erhob sich aus seinem Sessel und ging gedankenvoll auf und ab. Was war es, das er nun thun mußte? fragte er sich. Sollte er, wenn Hardanger käme, ihm offen seine Ver­gangenheit bloßlegen? Daß dies die Vereitelung von Hedwigs Wünschen bedeuten würde, glaubt er voraussetzen zu können. Allerdings behielte er dann die Tochter, die für ihn verloren war, wenn sie jenem angehörte. Die erste Bedingung, die Frau von Tennenbach stellte, würde jedenfalls sein, Hedwig aus der jetzigen Umgebung heraus­zuschälen, und auf ihres Sohnes Zustimmung konnte sie in dieser Beziehung zählen. Auf Kosten der Tochter würde er also im Falle eines Geständ­nisses sein häusliches Glück erkauft haben! Nach­dem bereit Mutter ihm Jugend, ein sorgenfreies Leben, Seelenfriede und Gesundheit geopfert, sollte die Tochter seiner Selbstsucht ähnliche Opfer bringen müssen? Nein, seine letzte Buße sollte es sein, sich zu vergessen, um Hedwigs Glück zu sichern.

Schwieg er über die Vergangenheit, so stand dem Glück der Tochter nichts im Wege. Tennen­bach hatte ihm Verschwiegenheit gelobt; eben so sicher konnte er auf Burkart rechnen, der sich als treuer, theilnehmender Freund bewiesen und ihn

nach wie vor die volle Aufmerksamkeit Meiner Re" gierung in Anspruch genommen, welche fortgesetzt auf die Hebung und Förderung dieses für unsere heimischen Verhältnisse hochwichtigen Gewerbes bedacht ist. Das Gesetz über die Landwirthschaftskammern hat eine kor­porative Vertretung der Landwirthschaft ermöglicht. Durch die in zehn Provinzen bereits erfolgte Errichtung solcher Kammern ist die werthvolle Mitarbeit dieser zur Wahrnehmung der Gesammtintereffen der Land- und Forstwirthschaft gesetzlich berufenen Organe gesichert worden.

Von der von Ihnen beschlossenen Einführung des gesetzlichen Anerbenrechts nicht nur bei Renten- und Ansiedelungsgütern, sondern auch bei Landgütern der Provinz Westfalen und einigen rheinischen streifen verspreche ich Mir eine günstige Wirkung für die Er­haltung des für unsere soziale und wirthschaftliche Ent­wickelung so wichtigen bäuerlichen Grundbesitzes.

Den Handelskammern ist ein erweiterter Wirkungskreis und größere Bewegungsfreiheit gegeben worden.

Die Bewilligung von weiteren Hundert Millionen Mark zur Ansiedelung von Bauern in den östlichen Landesrheilen wird zusammen mit anderen Maßnahmen zur Stärkung des Deutschthums dienen, zugleich aber auch allgemein die wirthschaftlichen Verhältnisse dieser Landestheile zu heben geeignet sein.

Mit besonderer Genugthuung habe Ich es em­pfunden, daß Sie die von Meiner Regierung für noth- wendig erachteten Mittel zur Beseitigung der durch die Hochwasser des vorigen Sommers herbeigeführten Schäden bewilligt haben. Die zur dauernden Sicherung gegen Ueberschwemmungsgefahren eingeleiteten Vor­arbeiten sind in kräftiger Förderung begriffen.

Geehrte Herren! Der Rückblick auf die abgelaufene Legislaturperiode ist ein erfreulicher. Zahlreiche Re­formen sind zur Durchführung gelangt, langempfundene Bedürfnisse konnten befriedigt werden, und fast auf allen wichtigen Gebieten des öffentlichen Lebens sind erheb­liche Verbesserungen erzielt worden. Diese Ergebniffe sind nicht zum wenigsten Ihrer treuen Arbeit und dem verständnißvollen Entgegenkommen zuzuschreiben, welches Meine Regierung bei Ihnen gefunden hat.

Am Ende einer zehnjährigen Regierungszeit em­pfinde Ich mit aufrichtigem Danke, daß die bereitwillige Mitarbeit der Landesvertretung Mir Mein landes­väterliches Bestreben, die Wohlfahrt meines Volkes zu fördern und zu heben, in hohem Maße erleichtert hat. Hieraus schöpfe Ich zugleich die Zuversicht, daß es unter Gottes gnädigem Beistand auch in der Zukunft gelingen wird, das Erreichte festzuhalten und den neuen Aufgaben, welche unsere Zeit in immer steigendem Um­fange stellt, zum Segen unseres theueren Vaterlandes gerecht zu werden."

Nach Verlesung der Thronrede trat der Präsident des Staatsministeriums, Fürst zu Hohen­lohe vor den Thron und erklärte auf Befehl des Kaisers und Königs die Session des Landtages für geschlossen.

Die Thronrede birgt keine Uebercaschung in sich. Sie stellt dem scheidenden Landtage ein gutes Zeugniß aus und hebt namentlich auch die Verdienste des Herrn v. Miquel und die dauernde Befestigung unseres Finanzwesens hervor. Finanz­verdienste wird nun Herrn v. Miquel niemand abstreiten wollen. Nur schade, daß mit diesen seinen Finanzkünsten in so hohem Grade eine so engherzige und rücksichtslose Fiskalität gepaart ist, die beispielsweise nicht einmal dem Ausbau unseres Verkehrswesens Gerechtigkeit widerfahren lassen, sondern auch dieses vor allen Dingen als melkende Kuh für den Staatssäckel betrachtet und behandelt wissen will. In die Zukunft läßt die Thronrede keine Blicke thun. Und so verräth sie uns auch nicht, ob dem neuen Land­tage bald der ersehnte Gesetzentwurf zugehen wird, der die Ungerechtigkeiten ausgleicht, um die das preußischeLandtags-Wahlgesetz durch die neuen Steuergesetze bereichert worden ist.

zu jeder Zeit mit Rath und That unterstützt hatte. Vor der Welt, vor dem Gesetze war er Anton Molsberg; vergrub er sich in die Einsam­keit, würde niemand weiter nach ihm fragen, fein Dasein der Tochter nicht hinderlich sein können. Ein paar Jahre noch, wenige vielleicht, und er war gestorben; sein einsames, freudloses Leben hatte gesühnt für die Jrrthümer und Sünden seiner Jugend, kein Schatten aus seiner unseligen Vergangenheit konnte trübend auf das Glück der Tochter fallen. Das Opfer, das er brachte, in­dem er sich von ihr loslöste, war in feinen Augen so groß, so vernichtend, daß es ihn versöhnte mit der stillschweigenden Lüge, die er sich damit schuldig machte. Ja, er dachte kaum an sein eigenes Unrecht gegen Hardanger, so ausschließ­lich war Hedwigs Zukunft, Hedwigs Glück das Ziel seiner Bemühungen.

Als Hardanger erschien, hatte der alte Mann denn auch die letzten Bedenken überwunden. Hätte es noch eines mehreren bedurft, ihn in feinem Vorsatz der Selbstaufopferung zu bestärken, das glückstrahlende Gesicht des jungen Offiziers, die innige Liebe zu Hedwig, die aus feinen Worten sprach, würden es erreicht haben. Es lag etwas, das den Vater neu belebte, in den begeisterten Ausdrücken, die Hermann fand, um feine Be­wunderung Hedwigs, um das Glück zu fchildern, das er an ihrer Seite erwarte. Und so legte er seine gewohnte, abweisend kühle Haltung ab und wußte wahrhaft warme Worte für den zukünftigen Schwiegersohn zu finden, zugleich ließ er durch­blicken, wie es sein Wunsch und sein Wille sei, daß Hedwig nach ihrer Verheirathung ausschließ­lich der neuen Familie angehören sollte.