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JuLöcr, Mittwoch, den 18. Mai 1898
25. Jahrgang-
Das Begrüßungsschreiben,
welches der Hochselige Erzbischof Dr. Komp an die Diözesanen des Erzbisthums Freiburg zu richten gedachte und das am Sonntag den 15. Mai von den Kanzeln verlesen werden sollte, hat (laut ,Erzbischöfl. Anzeigeblatt' Nr. 9) folgenden Wortlaut:
Georgius Ignatius
durch Gottes Barmherzigkeit und de» Apostolischen Stuhles Gnade
Erzbischof von Freiburg entbietet der seiner Deslhergreifung dem hochw. Klerus und allen geliebten Diözesanen
Gruß und Kege« im Kerr».
Indem ich den Boden betrete, wo ich den Samen des Heils und des ewigen Lebens für euch ausstreuen soll, und Besitz ergreife von der ehrwürdigen Erzdiözese, die mir das Vertrauen des Hochwürdigsten Metropolitankapitels und der Wille des hl. Vaters anvertraut hat, drängt es mich, ein Wort der herzlichsten Begrüßung an meine neue Diözesanen zu richten. Ihr verübelt mir nicht, wenn ich gleich Abraham einen Scheideblick auf das Land werfe, das Gott mich wie ihn zu verlassen geheißen, d. i. auf eine Kirche, die in der Geschichte Deutschlands einen so berühmten Namen trägt, auf einen Klerus, der mir so sehr meine Mühen erleichtert und meine Sorgen ge- theilt hat, auf ein Volk, das mir fo viele Bei- fpiele seiner Glaubenstreue und Frömmigkeit gegeben Hal. Aber weit entfernt, daß solche Bemerkungen euch betrüben werden, sollen sie eine Bürgschaft der Hingebung und Anhänglichkeit fein, die ich zu euch hegen, der Liebe, aus der ich mich mit euch verbinden will. Ja, Gott ist es, der das Herz des Hirten bildet, und wie Gott die Liebe ist, so ist er die erste Gnade, die er dem von ihm bestellten Hirten verleiht, die Liebe zu den ihm vertrauten Seelen. Ein Herz des Priesters, des Bischofs, welch' eine wunderbare Schöpfung der Liebe Jesu Christi! Noch kenne ich euch kaum, und doch drängt mich schon diese Liebe Jesu Christi, mit dem Apostel zu rufen: „Unser Mund hat sich zu euch aufgethan, mein Herz hat sich zu euch erweitert" (2. Cor. 6,11), damit auch eure Herzen sich erweitern. Welches ist aber das kurze Wort, mit dem ich Alle begrüße? Kein anderes, als jenes, mit dem der Herr nach seiner Auferstehung die ©einigen begrüßte : Fax vobis! Der Friede sei mit euch! Und um so lieber erwähle ich diesen Gruß, als wir ja noch in der Osterzeit stehen. Hätte der göttliche Heiland eine vollkommenere Gabe gekannt, eine vortrefflichere Gnade, ohne Zweifel hätte er sie seinen vielgeliebten Jüngern und Aposteln gegeben.
In der That! Die großen Beziehungen, welche der hl. Glaube zwischen euch und mir schafft, die Autorität auf der einen, das-Band des Vertrauens und des Gehorsams auf der andern Seite, die fo heiligen Pflichten, die mich in den Dienst eurer Seelen stellen, weisen sie nicht auf diesen Frieden, den der Herr gemeint und gewünscht hat, als auf ihr letztes Ziel hin? So bin ich denn glücklich, in dieses einfache, aber
inhaltsvolle Worte alle Wünsche zu legen, die ich für euch hege, und in diesem Segenswort meinen herzlichen Dank auszusprechen für die vielen Beweise des Wohlwollens und der Liebe, mit der ihr mich ausgenommen habt. Freilich alle diese glänzenden Veranstaltungen des Empfangs — sie gelten ja nicht meiner Person, sondern der anbetungswürdigen Person dessen, der mich als seinen Abgesandten und Ausspender seiner göttlichen Geheimnisse in eure Mitte geführt hat.
Fax vobis! Friede dann zuerst euch, ehrwürdige Brüder, die ihr nach den Satzungen der Kirche den Senat des Bischofs bildet und durch den Ernst eurer Würde und
Stellung, durch die Weisheit, durch Erfahrung und Kenntniß der Diözese, mir die schwere Bürde des Hirtenamtes erleichtert und unterstützet! Herzlichen Friedensgruß entbiete ich auch dem gesammten Diözesanklerus, der des Tages Last und Hitze trägt und Stunde für Stunde arbeitet im Heiligthum des Herrn. Ich weiß, daß eure Sendung und eure Pflich so oft auf Erden verkannt wird, aber im Himmel als groß und kostbar vor Gott gilt. Der Lohn eurer Sorgen und die Vergeltung aller eurer Opfer richte euch auf in allen Kämpfen und Prüfungen des hl. Amtes. Fahret fort in Vereinigung mit eurem Bischof, das Volk zu belehren und zu erbauen, die Kinder zu katechistren, den Armen das Evangelium zu predigen; seid immer ein Herz und eine Seele in allen Anliegen des Reiches Gottes, denn die Eintracht macht stark Habet Vertrauen zu eurem Erzbischof, der euch alle voll Liebe und Sorge im Herzen trägt, euch, bie, ihr ja, wie der Apostel sagt, unsere Hoffnung, unsere Krone seid vor dem Herrn (I. Theb. 2,19). Arbeitet dann als muthige Streiter Jesu Christi: „weiset zurecht die unruhigen Geister, richtet auf die Kleinmüthigen, stehet bei den Schwachen, habet Geduld mit Allen" (I. Theb. 5,14). Diejenigen Kandidaten des Priesterthums aber, welche im Schatten des Heiligthums sich durch Wissenschaft und Ascese vorbereiten, um einst in eure Reihen zu treten und die Lücken zu schließen, die der Tod herbeiführt — mögen sie nichts unterlassen, was sie zu würdigen Trägern ihres erhabenen Berufes macht, und an der Stätte heiliger Sammlung mich auch jetzt schon unterstützen durch ihr inniges Gebet.
Fax vobis! Friede sei auch allen Gläubigen der Erzdiözese. Ich weiß, daß die Diener Jesu Christi nach dem Beispiele ihres Herrn nicht gekommen sind, sich bedienen zu lassen, sondern zu dienen, „Allen Alles zu sein, um Alle zu retten" (I. Cor. 9, 22), denn „jeder Hohepriester unter den Menschen ist aufgestellt für die Menschen" (Hebe. 5, 1). Empfanget denn Alle meinen Gruß und mein Gelöbniß, mich ganz dem Dienste der geistlichen Bedürfnisse der weit ausgedehnten Erzdiözese zu weihen. Ihr habt das Licht der katholischen Wahrheit zu eurem Führer, das keinen Fortfchritt braucht, weil es von Anfang an ganz vollkommen ist und allein vermag, starke Seelen, edle Herzen und große Charaktere zu bilden; alle Fortschritte in Kunst, Wissenschaft und Industrie vermögen dies Licht nicht zu ersetzen und alle Verheißungen, welche von diesem Lichte absehen, begraben mit dem Glauben nur zu oft das irdische
Hohr Ziele.
Roman von L. von Neidegg.
26 ------ (Nachdruck verboten.)
Wieder einmal war sie auf dem Kirchhof gewesen und geistig erquickt schickte sie sich zum Nachhausegehen an, nachdem sie das liebe Grab mit Weihwasser besprengt.
Sie hatte das Ausgangstbor beinahe erreicht, da hörte sie eilende Schritte hinter sich, und eine wohlbekannte Stimme rief halblaut: „Fräulein Molsberg. . . Hedwig!" Sie wandte sich um und blickte in Hardangers Gesicht.
Er hatte sie in ihrer Wohnung aufgesucht, hatte erfahren, sie werde wohl auf dem Kirchhofe fein, und war ihr dahin gefolgt. Er fah sie am Grabe, wagte aber nicht, sie dort zu stören; an der Kirchhofthür hatte er jedoch seine Ungeduld nicht länger zügeln können.
Hkbwig starrte ihn wortlos an, mit weitgeöffneten Augen, wie jemand, der sich unfaßlichem, für unmöglich gehaltenem Glücke gegenüber sieht — denn dieses Mal war es nicht bloß der theil- nehmende Freund, den sie wiederfand, es war der Liebende! Aus ihrem Gesichte hatte freudiger Schrecken alle Farbe verbannt, mit einem Male strömte aber die heiße Welle vom Herzen zurück; Purpurgluth auf den Wangen, die Augen auf- leuchtend in wunderbarem Glanze, verklärt von Liebe und Glück, stand sie da und sah Hermann lächelnd an.
Nie war sie ihm so lieblich, so bekehrenswertb erschienen; ihre Hand erfassend, blickte er ihr tief jn die Augen. „Sie verlangten, ich solle mich prüfen,
Hedwig; ich habe es gethan und erkannt, daß ich nicht leben kann ohne Sie. Wollen Sie die Meine fein?"
Ein glückliches Lächeln, ein Neigen des Kopfes, ein kaum hörbar geflüstertes „Ja" war ihre Antwort.
„Mein also!" rief er jubelnd und zog auch ihre andere Hand an sich. „Wie viel Glück kann doch in dem kleinen Wörtchen Ja enthalten fein! Wiederholen Sie es, sagen Sie, daß Sie mich lieben!"
„Würde ich Sie wohl anhören, wenn ich es nicht thäte," erwiderte sie leise, mit gesenkten Augen.
„Meine Hedwig, mein Kleinod!" rief er entzückt. „Ja, nichts soll und darf uns trennen. Ihr Herz habe ich gewonnen, den Kampf gegen die Vorurtheile meiner Mutter nehme ich nun muthig auf."
Ihr war, als habe sie ein kalter Hauch berührt. „Kämpfen . . . gegen die Mutter!" sagte sie erbebend.
„Mir bangt vor keinem Kampfe mehr, feit ich Ihr liebes Gesicht wiedergesehen! Ich werde von der schlecht unterrichteten Mutter an die besser zu unterrichtende appelliren und werde nicht eher ruhen, ehe ich nicht gesiegt. . .. Mein Glück steht auf dem Spiele," fuhr er ernster werdend fort. „Ich bin mündig, über die eigene Zukunft soll nur das eigene Urtheil entscheiden."
Hedwig hatte ihre Hände aus den seinen gezogen ; nachdenklich ging sie gesenkten Hauptes an seiner Seite her. „Wenn auch", murmelte sie halblaut; „der Mutter entgegen zu handeln, ist etwas Furchtbares. Und mein Vater ... wie wird den wohl die Nachricht berühren?"
Wohl. Gefestigt und vereint mit dem Centrum des Glaubens, dem Statthalter Jesu Christi auf Erden, folget der Leuchte des Glaubens auf euren Bergen und Thalern, in euren Städten und Dörfern, in guten und bösen Tagen bis zur Stunde, wo man euren Leib in's Grab bettet und eure Seele ihr Urtheil empfängt für die ganze Ewigkeit.
Christliche Familien, in denen sich von Geschlecht zu Geschlecht, von Vätern auf die Kinder die Ueberlieferungen des Glaubens und der christlichen Sitte fortpflanzen, der Friede fei besonders mit euch. Verbindet die alten gläubigen Zeiten mit der neuen Zeit durch eine glorreiche Kette von christlichen Tugenden und häuslichen Uebungen der Andacht von reinen Sitten, die unter dem Dache eurer Vorfahrer blühten. Der Autorität der Eltern enffpreche die Unterwerfung und Liebe der Kinder; ein gegenseitiges Vertrauen einige die Gatten; ein geachteter Vater sei wie ein Priester, der im Namen der Familie alle Tage das Opfer des Gebetes darbringt; Kinder voll Unschuld mögen unter dem Auge Gottes, eines gewiffen- haften Vaters, einer frommen liebenden Mutter Heranwachfen, zunehmend an Alter, Gnade und Weisheit; die Dienstboten mögen fürchten den Herrn im Himmel und ihren Herrschaften auf Erden aus Gewissenhaftigkeit dienen. So wohne der Segen Gottes in den Familien und heilige und beglücke die irdischen Tage, wie er die Bürgschaft ist für die einstige Vereinigung aller Familieuglieder in der Seligkeit des Himmels. Wohl weiß ich, daß es leider noch Familien genug gibt auf dem Lande und noch mehr in den Städten, in denen der Friede Jesu Christi nicht wohnt, weil sie den Frieden nur in dem suchen, was die Welt verspricht, im Genüsse der Sinne, in Befriedigung der Vergnügen, im Besitze irdischen Gutes Ach, solcher Schlaf des Gewiffens ist bedauerlich, aber schrecklich ist das einstige Erwägen. O könnte ich sie doch aufwecken, daß sie den Frieden wieder suchen in der Gnade und Freundschaft ihres Gottes! O möchten sie ihrem neuen Oberhirten diese Freude machen, und möchte am Tage, wo er den Hirtenstab der Erzdiözese ergreift, manches verirrte Schäflein zum guten Hirten zurückkehren!
Friede insbesondere euch, auf denen Armuth und Leiden lasten. Bevor die Religion der Liebe der Menschheit verkündet worden, hatte die Welt für Euch nur Gleichgiltigkeit und Verachtung und selbst die Weisen vergaßen euch in ihren Plänen und Vorschlägen des Fortschritts. Aber nachdem das Wort erklungen: „Selig sind die Armen", da seid ihr in der Kirche Gottes achtungswerth geworden, ja die lebendigen Abbilder des armen gedernüthigten Gottes, und eure Entbehrungen, eure Thränen — Engel des Himmels nehmen sie auf und tragen sie hinüber als kostbare Perlen eurer Himmelskrone. O wie sehr wünschte ich, alle eure Wunden heilen zu können, aber dazu reichen die menschlichen Mittel nicht aus. Was ich euch aber geben kann, ist die Verheißung, daß das Loos derer, die mit Christus ihr Kreuz tragen, tausendmal besser ist, als die Freude und das Lachen der Sünder. Gewiß ist es Recht und Pflicht, daß Staatsmänner und Volksvertreter
Hermann streifte sie mit einem verwunderten, ungläubigen Blick, den sie, ausschließlich mit ihren Gedanken beschäftigt, übersah. So sehr er sie liebte, blieb er sich doch vollkommen bewußt, von feiner Höhe niederzusteigen, indem er zu ihr sich neigte, war er auch viel zu sehr von seinem Werth als vorzügliche Parthie durchdrungen, um nicht anzu- nehmen, daß Herr Molsberg mit beiden Händen zugreifen würde, ihn für die Tochter zu sichern. Jn die Trennung von derselben würde er sich zu finden haben, wie andere Väter auch. Das war wieder die blinde Liebe seiner Hedwig für den Vater, die in jenem den Ausnahmemenschen fah, für welchen wohl Ausnahmebestimmungen zu gelten hätten.
„Das Weib soll Vater und Mutter verlaffen und dem Manne anhängen", erwiderte er lächelnd. „Das ist eine Wahrheit, fo alt wie die Welt, und Niemand kann Einspruch dagegen erheben."
„Gewiß; nur bleibt es hart, daß der Schmerz gleich neben der Freude stehen muß. Er ist so verlassen der arme Vater, besonders seit ihm die Mutter fehlt; es wird ihm schwer fallen, mein Glück mir nachzuempfinden, so wie ich das möchte. Verstehen Sie das nicht?"
In Herrn Molsbergs Gefühle sich hineinzudenken, fehlte Hermann jede Lust; er schüttelte den Kopf. „Ist Ihr Vater so selbstsüchtig?"
„Selbstsüchtig? G^wiß nicht, nur krank und erregbar; darum fürchte ich mich etwas vor dem Eindruck, den meine Nachricht hervorbringen wird."
„Ich begleite Sie und spreche selbst mit ihm!" rief Hermann.
Sie fand ihr schalkhaftes Lächeln wieder, um
alles versuchen, das Loos der armen, arbeitenden Klaffen zu bessern, aber nie wird es ihnen gelingen, Armuth und Elend aus der Welt zu schaffen, und die find des Volkes unheilvollsten Führer, welche ein Glück auf Erden verheißen, das es nicht gibt, und es unter der Bedingung versprechen, daß man auf das ewige Glück verzichte.
So bitte ich denn Alle, indem ich ihnen den Frieden wünsche, die Liebe Jesu Christi in ihrem Herzen walten zu lassen, das Reich Gottes zu suchen und seine Gerechtigkeit und damit zu verbinden die Liebe zur Ordnung und zu dem Gesetze: denn „die Gerechtigkeit erhöht ein Volk, die Sünde aber macht die Völker elend" (Sprüch. Sal. 14,34), und die Mahnung des Apostels zu erfüllen: „Für Könige und alle Obrigkeiten zu beten, damit wir ein ruhiges und stilles Leben führen können in aller Gottseligkeit und Ehrbarkeit" (I. Tim. 2,2).
Und nun, was erübrigt mir noch, als daß ich im Beginne meines Hirtenamtes unter euch, sgeliebte Diözesanen, den Segen des allmächtigen Gottes herabrufe, „von dem jede gute Gabe und jedes vollkommene Geschenk kommt", und gleich Salomon beim Antritte seines Königthums zum Herrn flehe: „Gib Deinem Diener ein gelehriges Herz für die Einsprechungen Deiner Weisheit, damit er mit Gerechtigkeit leite Dein Volk und mit Klugheit die schwierigen Fragen entscheide, bei denen Gutes und Böses mit einander sich zu berühren scheinen. Wer könnte ohne Dich dieses Volk der Diözese feiten, das bei seiner Menge eines so weitschauenden Scharfblickes bedarf." Ja, o Gott, der du mich gesandt hast, dieser Diözese ein guter Hirte zu sein, segne du von der Höhe des Himmels mich und die mir Anvertrauten, und ihr, alle heiligen Patrone der Erzdiözese, erfleht mir, dem Hirten, daß ich die Heerde einst dem ewigen Hirten vorstellen kann als gerettet, auf ewig gerettet. Dazu segne euch jetzt der allmächtige Gott der Vater und der Sohn und der heilige Geist. Amen.
Freiburg i. B., den 12. Mai 1898.
Georgius Ignatius,
Erzbischof.
Nordamerika, England, Frankreich, Rußland.
Vor einigen Tagen hat der englische Staats- fefretär der Kolonien, Herr Chamberlain, in Birmingham eine Rede gehalten, die großes Aufsehen erregt. Anfänglich war man geneigt, anzunehmen, daß durch die kurzen, telegraphisch übermittelten Auszüge dieser Rede deren Tonart an Schärfe noch gewonnen habe. Jetzt, da nun der ganze Wortlaut der Chamberlain'schen Ausführungen in den englischen Blättern vorliegt, sieht man erst, daß dasVerhältniß umgekehrt ist: Die kurzen Drahtberichte hatten die Tonart der Rede nicht verfchärft, sondern vielmehr abgeschwächt erscheinen lassen.
Tatsächlich nämlich hat Herr Chamberlain ein förmliches Schutz-und Trutzbündniß zwischen England und den Vereinigten Staaten von Nordamerika empfohlen, einen
zu entgegnen: „Wo denken Sie doch hin! Ich sollte mich mit einem Dragoner-Offizier auf der Straße zeigen! Nein, wir scheiden sogleich, hier wo die ersten Häuser anfangen. Kein Mensch soll gerechten Tadel an mir ausüben dürfen. . . . O Hermann", — demüthig wie ein Kind sprach sie die Worte — „zum erstenmal in meinem Leben wünschte ich reich und schön, vornehm und liebenswürdig zu sein, damit Sie Ihre Wahl nie bereuen müßten."
Gerührt sah er zu ihr hinab. So hoch er sich selber auch schätzte, feine Liebe hatte eine Ahnung ihres schwachen Werthes in ihm geweckt; in ihrer aufrichtigen Selbstverdemüthigung, in ihrer ungekünstelten Einfachheit lag etwas, das ihn tief bewegte und die besseren Gefühle feiner Natur anklingen ließ.
„So wie Sie sind, liebe ich Sie," erwiderte er innig. „Um kein Haar möchte ich Sie anders haben." Damit machte er eine Bewegung, wieder nach ihrer Hand zu greifen.
„Auf offener Straße!" rief sie verweisend und doch mit lieblichem Lächeln. „Jetzt, wo wir die Häuser erreicht haben, und man aus allen Fenstern uns beobachten kann! Ich kreuze jetzt schnellsten Schrittes die Straße, und als wären wir einander ganz fremd, gehen wir sittsam einher."
„Noch ein paar Worte, Hedwig ... es ist unser erster Abschied . . ."
„Nein, ich muß jetzt eilig zum Vater, ihn Dor^ubtreiten. Kommen Sie morgen, die Antwort zu holen." 1
„Bis morgen ist's so lange,” bemerkte er trübselig und wollte fortfahren, den süßen Unsinn