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25. Jahrgang.
Iulöa, Dienstag, den 17. Mai 1898
verantwortlich: Für die Redaktion Ios. Baum, für Inserate I. Parzeller in Fulda.
mit Anterhattungs-Aeilage „Mckrirte Sonntags-Zeitung!' petersgaye Nr. 2 (Harmonie).
Trauerrede
bei der Deerdigung des Hochw. Herrn Erchischofes Dr. Georg Ignatius Komp,
gehalten vom Hochw. Herrn Weihbischofe Dr. K ne ch t aus Freiburg im Dome zu Fulda am 16. Mai 1898.
„Wenn der Erzhirt erscheinen wird, werdet ihr die unverwelkliche Krone der Herrlichkeit empfangen. I.Petr. 5,4.
In Trauer und Andacht versammelte Zuhörer!
Die hl. Schrift erzählt uns nur wenige Todesfälle so ausführlich, wie den Tod des Patriarchen Jakob, von welchem bekanntlich das Volk Israel abstammt. Seine zwölf Söhne kamen zu ihm, er verkündete ihnen den göttlichen Rathschluß, segnete sie und sprach: „Begrabet mich bei meinen Vätern im Lande Kanaan!" Nach diesen Worten starb er im fremden Lande. Da fiel Joseph auf das Angesicht seines Vaters, küßte ihn und weinte. Auch die anderen Söhne trauerten, denn sie hatten einen edlen Vater, den Träger der göttlichen Verheißungen, verloren. Alsdann führten Joseph und seine Brüder den Leichnam des Vaters nach Kanaan hinauf und begruben ihn zu Hebron, wo auch Abraham und Isaak begraben lagen.
Andächtige Zuhörer! Auch wir haben einen Vater, den Träger apostolischer Vollmachten, verloren, denn der von allen, die ihn kannten, hochverehrte Hochwürdigste Dr. Georg Ignatius Komp lebt nicht mehr auf Erden, nur sein Leichnam ist bei uns, und es ist uns nicht vergönnt, noch einmal in sein mildes Angesicht, den Spiegel seiner edlen Seele, zu schauen. Am letzten Dienstag schied er aus der Stadt Fulda, deren Vertreter ihn einstimmig zum Ehrenbürger erkoren hatten, und fuhr zunächst zu seinem bischöflichen Freunde in Mainz, um mit diesem am folgenden Tage nach Freiburg zu reisen und sein neues Amt als Erzbischof anzutreten. Den schweren Abschied von seiner geliebten Stadt und Diözese Fulda hat ihm sicher der Gedanke erleichtert, daß er als Erzbischof zugleich Metropolit der ganzen oberrheinischen Kirchenprooinz, zu der auch Fulda gehört, sein und deshalb mit seiner bisherigen Diözese verbunden bleiben werde. Er schied mit der Hoffnung und dem Vorsatze, daß er alljährlich einmal wieder in seine geliebte Stadt Fulda und zur Gruft des hl. Bonifatius kommen werde, um mit den Bischöfen der preußischen Monarchie das Wohl der Kirche zu berathen. Er wußte auch, daß das Metropolitankapitel in Freiburg, welches ihn einstimmig zum Erzbischof erwählt hatte, mit Vertrauen und Sehnsucht seiner Ankunft entgegensah, und daß die Herzen aller kirchentreuen Katholiken der großen Erzdiözese ihm in achtungsvoller Liebe entgegenschlugen.
In Freiburg war Alles zum würdigen Empfang des neuen Oberhirten vorbereitet: der Oberstkammerherr v. Gemmingen als Vertreter Seiner König!. Hoheit des Großherzogs Friedrich war bereits in Freiburg angekommen, um im Verein mit dem kommandirenden General, dem Oberbürgermeister, dem Prcrektor der Universität und anderen Spitzen den neuen Erzbischof am Bahnhof zu begrüßen und durch eine via triumphalis zu seiner Kathedrale zu geleiten, und viele Priester vom Bodensee, vom Neckar und vom Main, vom Odenwald, vom Schwarzwald und von der Rauhen Alp waren herbeigeeilt, um dem Gesalbten des Herrn ihre Huldigung darzubringen — da kam, wie ein Blitz aus heiterem Himmel, die telegraphische Botschaft aus Mainz: „Der Hochw. Erzbischof ist plötzlich erkrankt," und am Mittwoch früh die Nachricht: „Dr. Komp ist.heute Nacht vor 1 Uhr im Herrn entschlafen." In allen Kreisen rief diese Nachricht Bestürzung hervor, und die'Theilnahme war und ist eine allgemeine und vollberechtigte, denn das inhaltsreiche Leben des hohen Verblichenen hat unter wahrhaft tragischen Umständen seinen Abschluß gefunden.
Als Erzbischof Komp den Tod herannahen fühlte, sprach er: „Begrabt mich bei meinen Vätern in Fulda!" In diesem hohen Dome, wo seine geistigen Väter: der hl. Bonifatius, der hl. Sturmius, der ehrwürdige Eigil und viele Gottseligen des weltberühmten, um Deutschlands Kultur hochverdienten Stiftes Fulda beigesetzt sind, wollte der apostolische Mann begraben werden. Wir hatten gehofft, er werde am 11. Mai unter dem Jubel der Stadt in die Metropole Freiburg einziehen und am 12. inthronisirt werden — nun hielt er an dem vorbestimmten Jnthronisationstage als Leiche unter Klageliedern und Trauerklängen seinen Einzug in die Stadt, von welcher er vor zwei Tagen bewegten Abschied genommen hatte. Großer Gott! wie unbegreiflich sind deine Gerichte,
wie unerforschlich deine Wege! Demüthig beugen wir uns unter deine gewaltige Hand und beten an die Rathschlüsse deiner Weisheit und Güte.
Geliebte Zuhörer! Hier möchte ich abbrechen; ich möchte schweigen und beten und seufzen und weinen, wenn ich an die neue, schwere Heimsuchung der mir so theuren Erzdiözese Freiburg denke. Aber ich habe dem Hochwürdigsten Domkapitel von Fulda die Zusage gemacht, daß ich die Trauerrede zu Ehren des Hochseligen Erzbischofs halten werde. Diese Aufgabe wird mir schwer, soweit meine persönliche Stimmung in Betracht kommt; denn es ist das dritte Mal, daß ich meinem Erzbischof einen Nachruf in die Gruft sende: im Frühjahr 86 dem Erzbischof Johann Baptist Orb in, im Spätjahr 96 dem Erzbischof Johann Christian Ro os, und jetzt dem Erzbischof Georg Ignatius Komp, dessen theuere Leiche wir in die Gruft neben dem Altar des hl. Sturmius versenken werden. Auf der anderen Seite aber ist meine Aufgabe leicht, denn ich brauche mich nur auf eure eigene Erfahrung zu berufen und euren Gesinnungen und Gefühlen gegenüber dem hohen Entschlafenen Ausdruck zu geben, um dar- zuthun, daß derselbe ein Priester und Bisch.of nach dem Herzen Gottes gewesen ist.
Ihr Heiligen Gottes, Bonifatius, Sturmius, Lioba, helfet durch eure Fürbitte, daß meine Worte dem Verstorbenen zum Lobe, uns Lebenden zur Erbauung und dadurch dem Herrn zur größeren Ehre gereichen mögen!
Geliebte Zuhörer! Der erste Statthalter Christi auf Erden, der hl. Apostelfürst Petrus, schrieb um 65 nach Christus aus Rom an die Bischöfe und Priester der Kirche (1. Petr. 5, 2. f.): „Weidet die euch anvertraute Heerde Gottes und führet Aufsicht über sie, nicht gezwungen, sondern freiwillig nach Gottes Willen, nicht schmählichen Gewinnes wegen, sondern aus Liebe, auch nicht als Gewaltherren, sondern als Vorbilder der Heerde. Und wenn der Erzhirt erscheinen wird, werdet Ihr die unverwelkliche Krone der Herrlichkeit empfangen."
In diesen kurzen Worten zeigt'der Apostelfürst allen Hirten, denen ein größerer oder kleinerer Theil der Kirche anvertraut ist, wie sie ihres heiligen Amtes walten sollen. Bischöfe und Priester sollen die ihnen anvertraute Heerde als Gottes Heerde betrachten, denn sie gehört Gott, weil der Gottmensch Jesus Christus sie mit seinem kostbaren Blute erkauft hat. „Weidet sie", sagt der Apostelfürst, das heißt: Lehret und stärkt sie durch die Gnadenmittel, weidet sie durch Wort und Sakrament, damit sie theilhaftig werden der Wahrheit und der Gnade Jesu Christi; und führet Aufsicht über sie und leitet sie aus dem Weg, der zum Himmel führt. Und dies sollen sie thun 1. mit unermüdlichem Eifer, 2. mit selbstloser Liebe und 3. durch das Beispiel heiliger persönlicher Tugend.
Geliebte! Der hohe Entschlafene hat diese apostolische Mahnung aufs beste und treueste befolgt, und dadurch ist er ein Hirte, ein Priester und dann ein hoher Priester oder Bischof nach dem Herzen Christi geworden. „Weidet die euch anvertraute Heerde, nicht gezwungen, nicht mit Widerwillen, nicht träge, sondern freiwillig aus ureigenstem Antrieb, mit Lust, mit Eifer und Sorgfalt." Geliebte! Georg Ignatius Komp hat aus eigenem inneren Antrieb, geleitet von der Gnade Gottes, deren Ruf er folgte, den idealsten aller Stände, den Priesterstand, sich zum Berufe auserwählt, und er hat die Ideale dieses Standes hochgehalten zu einer Zeit, da sie vielfach erblaßt waren. Er hat mit unermüdlichem Eifer gewirkt in der Seelsorge, im höheren Lehramte als Professor der Theologie, in der Erziehung des Klerus als Regens des hiesigen Priester-Seminars, in der geistlichen Verwaltung als Domkapitular und seit 4 Jahren als Bischof. Hunderte von Priester, gut unterrichtete und tugendhafte Priester der Diözesen Fulda, Limburg, Hildesheim und Osnabrück verehren in dem hohen Entschlafenen ihren geliebten Lehrer, ihren geistlichen Vater und Führer, und sie bewahren ihm ein dankbares, gesegnetes Andenken. Unberechenbar ist es, wie viel Gutes der Heimgegangene durch Erziehung braver, tüchtiger, frommer, tugendhafter Priester gewirkt hat, zur Ehre Gottes und zum Heile der Seelen, zum Wohle der Kirche und zum Besten des Staates. Wie sehr ihm das Seminar ans Herz gewachsen war, ersehen wir aus einer Stelle seines Abschiedshirtenschreibens an die bisherigen Diözesanen, ein Schreiben, das man nicht ohne Rührung lesen kann, da es den Eindruck macht, als hätte der Hochselige es mit seinem Herzblute geschrieben. „Lebe wohl," ruft er da dem Seminar zu, „du Pflanzstätte des Priesterthums, du meine Hoffnung, mein Trost, aber auch meine Sorge Tag für Tag. Möchte der Geist echt 'religiöser, kirchlicher Wissenschaft und ernster Frömmigkeit stets deine Kraft und Deine Ehre bleiben." Möge dieser Herzenswunsch des hohen Entschlafenen in allen künftigen Jahrzehnten am hiesigen hoch
verdienten Seminar in Erfüllung gehen, mögen noch Hunderte und Hunderte treuer Priester aus dieser Pflanzschule hervorgehen, die da eigentlich eine Fortsetzung jener Hochschule der Kultur ist, die der hl. Bonifatius als seine Lieblingsschöpfung gegründet hat.
Der Hingeschiedene hat, Geliebte, seine ganze Lebenskraft in unermüdlicher Wirksamkeit für Religion und Sittlichkeit aufgezehrt. St. Paulus schreibt im ersten Briefe an die Thessalonicher: „Priester, die gut vorstehen, sind doppelter Ehre werth, besonders solche, die in Wort und Lehre sich abmühen." Ehre darum über Ehre dem hohen Entschlafenen, der sein ganzes Priester- und Bischofsleben hindurch in Wort und Lehre sich abgemüht hat, bis seine Kraft gebrochen.
Der Eifer des Heimgegangenen Oberhirten war ein erleuchteter, ein heiliger Eifer. Es gibt ja einen Eifer, der mehr Leidenschaft ist, der bitter ist, empfindlich ist. So darf der Eifer des Priesters, des Bischofs nicht sein. Er soll hervorgehen und durchtränkt sein von heiliger und selbstloser Liebe. „Weidet die euch anvertraute Herde Gottes, nicht schnöden Gewinnes wegen, sondern aus Liebe." Der Eifer des Hochw. Herrn Bischofs Georg Ignatius war von der selbstlosesten Liebe, ich möchte sagen, durchtränkt. Sein natürliches Wohlwollen, das aus seinen milden Augen leuchtete, war vom Glauben verklärt und gestärkt, zu jener übernatürlichen Liebe geworden, die aus dem Herzen Jesu des obersten Hirten stammt und auch das Leben für die Schafe hinzugeben bereit ist. Mit solcher Liebe hat er gewaltet als Regens des Seminars, mit solcher Liebe hat er seine Diözese geliebt; und wenn er diese verlassen hat in seinem hohen Alter, so that er es nicht, weil er nach größerem Einfluß, nach höherer Ehre gestrebt hätte. Er hat niemals daran gedacht, Erzbischof werden zu wollen. Er war kein Streber. Schon vor Jahr und Tag hatte das Metropolitankapitel den Hochseligen als eventuellen Erzbischof ins Auge gefaßt. Aber wir hüteten uns wohl, auch nachdem feine Wahl in bestimmter Aussicht stand — und ich besonders hütete mich, obwohl ich in dieser Zeit persönlich dreimal mit ihm zusammen war — ihm auch nur eine Andeutung davon zu geben. Denn wir befürchteten mit Recht, er würde die Wahl hintertreiben. So wurde er vor eine vollendete Thatsache gestellt, und er mußte in der einstimmigen Wahl des Domkapitels und in dem Wunsche des heiligen Vaters den Willen Gottes erkennen. So hat er aus Liebe zur Kirche diese neue schwere Last auf sich nehmen wollen. Zu seinem seitherigen Diözesanen sprach er: „Ein schweres Opfer hat Gott mir aufgelegt, zu verlassen das traute Heim, die lieb gewordenen Verhältnisse, zu verlassen eine Stätte, mit der ich von Jugend auf verwachsen war, deren Einwohner mir so lieb und teuer geworden sind. Aber eingedenk, sährt er fort, „daß das Leben des Priesters und vollends des Bischofs ein beständiges Opferleben ist und fein soll, folge ich dem höheren Rufe und nehme Abschied von Euch". Und seinen neuen Diözesanen schrieb er in seinem Begrüßungshirtenbrief: „Gott ist es, der das Herz des Hirten bildet, und wie Gott die Liebe ist, so ist die erste Gnade welche er dem von ihm bestellten Hirten verleiht, die Liebe zu den anvertrauten Seelen.
O Herz des Priesters, des Bischofs, ruft er aus, welch' ein Wunderwerk der Liebe Jesu Christi. Kaum kenne ich euch, fährt er fort, und schon drängt es mich, mit dem Apostel zu euch zu sprechen: „Mein Mund hat sich zu euch aufze- than, mein Herz hat sich zu euch erweitert, damit auch euere Herzen erweitert werden." Ja, durch solch' eine gewinnende Sprache müssen die Herzen erobert werden. Wenn Thomas von Kempis sagt: „Wahrhaft groß ist nur derjenige, der große Liebe hat," dann wage ich zu behaupten: Der Entschlafene war groß, ein bedeutender Mann durch die große apostolische Liebe, welche er in seinem Herzen trug. Groß war seine Liebe zu Gott, groß seine Liebe zur heiligen Kirche Gottes, groß und brennend seine Liebe zum deutschen Vaterlande, für defsen Wohl er so oft und innig in der Gruft des Apostels der Deutschen, des heil. Bonifatius, gefleht hat. Wer so liebt, muß wieder geliebt werden. Si vis amari, ama. Nur wer Liebe säet, wird Liebe ernten. Und so kam es, daß der Entschlafene hier an seinem Sarge, an seiner Gruft umgeben ist von der Liebe zweier Diözesen, von der Liebe von Vk Millionen Katholiken, die in ihm ihren geistlichen Vater verehren. Und wenn ich das betrachte, dann möchte ich ausrufen : „O wie schön, wie herrlich war der Tod, ist das Grab dieses apostolischen Mannes!"
Durch seine Liebe ist der Entschlafene auch zum Vorbild für Priester und Laien geworden. „Weidet die Heerde, nicht als Gewaltherren, sondern als solche, welche Vorbilder der Heerde geworden sind!" Es soll da keine persönliche Herrschsucht sich geltend machen. Wer persönlichen Ein
fluß erlangen will, der kann ihn, abgesehen von den Rechten und Pflichten seines Amtes, nur durch persönliche Tugend und persönliche Leistungen erlangen. Das war denn auch der Grundsatz, den der Verewigte befolgte. Er leuchtete vor seiner Geistlichkeit und den Gläubigen seiner Diözese durch das Beispiel wahrhaft christlicher Tugend. Ich erinnere nur an seine schlichte Einfachheit und Anspruchslosigkeit, an seine apostolische Armuth. Er hat keine Schatze gesammelt; kein Vermögen hinterläßt er. Ich darf verrathen, hier öffentlich, was mir im Vertrauen mitgetheilt worden ist von solchen, die feit Jahren selbst den Hochseligen Herrn Erzbischof kannt, gepflegt und bedient haben. Hat doch der hohe Herr bis vor wenigen Jahren auf einem Strohsack geschlafen; er hielt ihn für gut genug, bis ihm die Pflegeschwestern während seiner Abwesenheit eine Matratze hingelegt haben. Hat er doch Jahrzehnte lang zu jenem Mittagsmahle, wenn keine Gäste da waren, sich kein Gläschen Wein gegönnt. Hat er ja die Ordnung des Seminars nicht blos befolgt, sondern ist in Befolgung dieser Ordnung allen mit gutem Beispiel trotz der Last der Jahre vorangegangen. Selig sind die Armen! Ja, er war arm! Sein Herz war losgeschält von den irdischen Gütern, er war ein Liebhaber und Freund der geistlichen Armuth. Ganz Fulda kann es bezeugen, wieviel er an den Armen gethan hat, und hat er nicht als ein teures Vermächtniß für die Armen und Kranken seiner ganzen Diözese die Kongregation gottgeweihter Jungfrauen hinterlassen, die Kongregation der barmherzigen Schwestern vom heil. Vincenz, die er so lange Jahre geleitet, der er auf dem Wege zur Vollkommenheit durch sein gutes Beispiel vorangeleuchtet hat. Und als dem Hochseligen Mittheilung davon gemacht wurde, daß seine Einkommensverhältnisse künftig besser sein würden, da gab er zur Antwort: „Für mich werde ich nur das brauchen, was zu einem anständigen Haushalte nothwendig ist. Alles übrige ist für kirchliche Zwecke und für die Bedürfnisse der Armen." So habe ich es schwarz auf weiß von ihm gelesen. Er war ein Mann, wie zum Regens und zum Regenten geschaffen, eine im- ponirende Gestalt; aber er war kein Gewaltherrscher; er verband mit seiner Liebe eine aufrichtige Demuth. Wiederholt habe ich mich persönlich davon überzeugt, welche bescheidene Zurückhaltung der Hochselige bei den Berathungen der Bischöfe an den Tag legre. Es lag in seinem Wesen nichts Hochfahrendes, nichts Herrisches; er wußte zu leiten und zu dirigiren, ohne die Leitung fühlbar werden zu lassen.
Soll ich noch an andere Tugenden erinnern, an seine ungeheuchelte Frömmigkeit, soll ich erinnern an seine makellose Keuschheit? Er hat alle Christen- und Priestertugenden geübt und ist so das Vorbild der Heerde geworden, lind mehr und mehr hat sein Herz sich losgerungen von aller Anhänglichkeit an das Irdische und sich vorbereitet zum Heimgang in die ewige Heimat. Rührend sind die Abschiedsworte, mit denen sein Abschiedshirtenschreiben schließt: „So muß man sich denn trennen von allem, was man liebgewonnen hat". Aber dieser Geist der Trennung, fährt er fort, „ist ja das Siegel der christlichen Heiligkeit. Möge durch diese Trennung auch mein Herz von allem Geschaffenen losgelöst, und aufs innigste vereinigt werden mit demjenigen, der mein ewiger Lohn, meine ewige Freude sein will". Und dann führt er in Vorahnung seines bald bevorstehenden Todes die Stelle aus dem Messianischen Psalm 44 an, wo die bräutliche Seele sagt: Wohlan, meine Seele, schau und neige dein Ohr und höre: Vergiß deines Volkes und des Hauses deines Vaters. Denn der König verlangt nach deiner Schönheit.
Ja der himmlische König hat die Seele des Enischlafenen als reif befunden für den Himmel. Darum hat er ihn wieder Erwarten zu sich gerufen.
So, Geliebte, ist Georg Ignatius Komp ein Priester und ein Bischof gewesen nach dem Herzen Gottes. Und darum sind wir voller Zuversicht, daß an ihm die Verheißung sich erfüllen wird. Wenn der Erz-Hirte kommt, wird er empfangen die unverwelkliche Krone der Herrlichkeit; unverwelk- lich ist diese Krone. Denn es ist eine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit ohne Maß, eine volle Herrlichkeit, die durch nichts gestört, durch nichts getrübtwerden kann. Wonne über Wonne, Freude über Freude, Entzücken über Entzücken wartet auf diejenigen, die eingegangen sind in die Freude ihres Herrn. Der Entschlafene hat es nicht mehr erlebt auf Erden, daß das Erzbischöfliche Pallium um ihn gelegt wurde; aber er braucht es nicht mehr. Denn wir hoffen, er wird umkleidet von himmlischer Herrlichkeit. Er konnte nicht mehr inthronisirt werden auf dem Erzstuhle zu Freiburg; aber er wird, so hoffen wir, inthronisirt droben bei den heiligen Aposteln im Himmel.
„Qui vicerit, dabo ei sedere mecum in throno meo.“ So heißt es in der Kommunion der