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KuldaerMZeitmtg
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25. Jahrgang
Iutöcl, Dienstag, den 17. Mai 1898
M 111.
Dr-ck and Verlag der Luldaer Actiendruckeret petersgaile Nr. 2 (Larmonie).
für Jnf^ate61.parzeller in Knlda. mit Unterhattungs-Weilage „ILustrirte Sonntags-Zeitungs
Zur Lage der unteren Eijenbahn- beamten.
Im preußischen Abgeordnetenhause 'kam am Samstag die Lage der unteren Eisenbahnbeamten zur Sprache, und da waren es hauptsächlich die Centrumsabgeordneten, die sich der bedrängten und bedrückten Lage dieser Beamten warm annahmen. Auf der Tagesordnung standen Petitionen verschiedener Eisenbahnbeamten um Verbesserung ihrer Einkommensverhältnisse. Als Referent der Kommission hielt der Abg. Wallenborn (Centrum) ein einstündiger Vortrag, in dem er die Gehaltsverhältnisse der Petenten darlegte und den Beschluß der Kommission befürwortete, die Petitionen der Regierung als Material zu überweisen.
In der Diskussion befürwortete der Abg. E7ahensly (Centrum) insbesondere die Petitionen der Zugführer, der Lokomotivheizer und der Bahnsteigschaffner. Die Zugführer bekleideten eine außerordentlich verantwortliche Stellung, und sie hätten dazu einen aufreibenden und anstrengenden Dienst zu leisten. Dasselbe gelte von den Lokomotivheizern, die Wind und Wetter ausgesetzt seien, und die ein Gehalt von 1000 bis 1500 Mark bezögen. Das Maximum von 1500 Mark aber erreichten sie in Folge des anstrengende» Dienstes fast nie. Auch die neue Beamtenkategorie der Bahnsteigschaffner sei mit einem Gehalt von nur 800 Mark gegenüber einem Dienst von oft 12 Stunden, die in Wind und Wetter geleistet werden müßten, viel zu •gering.
Der Abg. Schmidt-Warburg (Centrum) führte aus: Das ausführliche Referat des Herrn Referenten über die Lage der unteren Eisenbahnbeamten Hal uns einen tiefen Blick thun lassen in die bedürftige Lage dieser Leute. Wenn man bedenkt, daß da gezahlt werden an Bahnwärter- Gehälter von 700—900 Mark, an Weichensteller solche von 800 bis 1200 Mark, und wenn man dabei bedenkt, daß es sich hierbei vielfach um verheirathete Leute handelt, die zum Theil in theueren Gegenden wohnen, so kann man sich ungefähr einen Begriff machen, welche Unsummen von Elend vielfach in diesen Familien herrschen muß. (Sehr wahr! und Zustimmung.) Ich hatte mir vorgenommen, nur einige Beamten-Kategorien herauszugreifen, mit deren Verhältnissen ich mich besonders beschäftigt habe. Beim Anhören des Referates bin ich aber doch schließlich zu der Ansicht gekommen, es geht nicht an, einzelne Beamten- Kategorien herauszugreifen, es thut noth, sie alle gleichmäßig der Regierung zur Erwägung, ja ich möchte eigentlich sagen, zur Berücksichtigung zu empfehlen. (Sehr wahr! und lebhafte Zustimmung.) Ich bin daher dafür, daß alle die Petitionen der Zugführer, der Lokomotivheizer, der Maschinenwärter, der Maschinenaufseher, der Eisenbahnschaffner, der Bremser, kurz sämmtliche Petitionen der Unterbeamten, der Regierung zur
Hohe Ziele.
Roman von L. von Neidegg.
55 ------ (Nachdruck verboten.)
„Zu überlegen, ob er auch wirklich im Stande sei, seine Eitelkeit und Selbstsucht, deren er ein gerütteltes Maß hat, seiner Liebe zum Opfer zu bringen; sich zu wiederholen, daß Hedwig keinen der Vorzüge besitzt, die er bisher bei seiner Frau vorausgesetzt. Achte er das für nichts . . . zu suchen. Deine Einwilligung zu gewinnen und ruhig seinen Weg weiter zu gehen."
Clotilde biß die Zähne aufeinander. „Du weißt, daß ich aus allen Kräften mich dieser Heirath widersetze, und hast so rathen können?"
„Ja; denn dies ist ein Punkt, wo der Mann für sich entscheiden muß."
„Und Martha, die in ihn verliebt ist, die ich ihm zur Frau bestimme?"
„Verliebtsein ist noch keine Liebe. Du weißt so gut wie ich, daß er Martha nur aus Berechnung heirathen würde, zu seinem und ihrem Unglück. Edeler und und männlicher ist es, er Heirath ei diejenige, welche er liebt, an die er eigentlich gebunden ist, da er sich erklärt hat."
„Thorheit! Zur Selbstvernichtung ist niemand verpflichtet. Ich will hoffen, daß Du ihn aufmerksam darauf machtest, daß es in meiner Macht steht, ihn zu enterben."
„Dir sind ja die Hände gebunden bis zu einem gewissen Grade, wenn Du auch bei Deinen Lebzeiten ihm das Dasein vergällen kannst. Wen wolltest Du aber auch zum Erben einsetzen an seiner Stelle?"
die ein Todesfall nach sich zieht, und um zugleich den Trostlosen aufzurichten.
„Kein Mensch weiß, was mir Deine Mutter gewesen ist," wiederholte er fortwährend; „niemand, selbst Du nicht, kann mir nachfühlen, was ich an ihr verloren."
Erst, als Hedwig ihm vorstellte, wie man durch den Tod eines geliebten Wesens gleichsam in zwei Welten heimisch werde, und wie das Interesse der Todten an ihren Lieben fortdauere, zugleich mit der Loslösung von irdischen Leiden, da leuchteten seine Augen auf.
„Ja, sie hat die ewige Ruhe gefunden, und sie bittet für uns da droben, wo das ewige Licht ihr leuchtet!" rief er aus. „Schöne tröstliche Worte. Gedankenlos sagt man sie nach, bis ein tiefer Schmerz unser Inneres aufrüttelt und uns lehrt, daß es kein anderes Heil gibt. Oft und oft hat mir Deine Mutter Aehnliches vorgestellt, aber den vollen Glauben daran habe ich erst durch ihr Sterben erlangt/'
Vater und Tochter waren nach Kolmar zurückgekehrt, wohin auch die theuere Leiche gebracht worden, die der alte Mann nicht in fremdem Lande zurücklassen mochte. Die Beerdigung mit all' den Erschütterungen, die sich daran knüpfen, war vorüber, wie auch der erste leidenschaftliche Schmerz. Das Leben fing für die Zurückgebliebenen langsam an, in das alte Geleise zurückzukehren.
Von Hermann's Liebeserklärung, von seiner Werbung hatte Hedwig bisher dem Vater keine Mittheilung gemacht. Der sterbenden Mutter hatte sie den Trost nicht versagen wollen, vor
Erwägung überwiesen werden. Eine lieber« Weisung als Material würde mir zu schwach erscheinen, und ich fasse die Ueberweisung zur Erwägung in dem Sinne auf, daß die Regierung aufgefordert wird, in ernste Erwägung darüber einzutreten, wie diesen Beamten zu helfen ist. Im Besonderen hatte ich die Absicht, mich für die Verbesserung der Lage der Werkführer auszusprechen. Der Abg. Czarlinsky hat diese Frage schon eingehend behandelt, weswegen ich mich darauf beschränke, nochmals hervorzuheben, daß schon 1895 einmal vom Regierungstische aus anerkannt worden ist, daß die Ansprüche dieser Beamten zum großen Theil berechtigt sind. Ich muß sagen, es dauert doch etwas sehr lange, wenn die Regierung seit jener Zeit sich noch nicht hat entschließen können, diesen Beamten durch eine recht ausgiebige Gehalts - Aufbesserung zu helfen. Ferner hatte ich die Absicht, für die Weichensteller erster Klasse einzutreten. Gegenüber dem Dienst, den diese Beamten zu leisten haben, muß man sagen, sie stehen in ihren Gehaltsoer- hältnissen viel zu schlecht da. Ein Weichensteller erster Klasse ist eigentlich ein Konversations-Lexikon des ganzen Eisenbahnwesens. Im Publikum meint man gewöhnlich, der Weichensteller erster Klasse habe nur Weichen zu stellen. Nichts ist aber unzutreffender als das, und das Weichenstellen ist für diese Beamten eine große Nebensache. Der Weichensteller erster Klasse ist vielmehr Halte- stellen-Aufseher für kleine Stationen, und er hat als solcher als Stations - Vorsteher, als Kassenbeamter, als Güterexpedient, als Telegraphist lhätig zu sein. Als Kassenverwalter hat er oft jährlich bis zu 20,000 Mark Geld zu verwalten. Ich meine doch, daß man diese Universal- Genies unter den Eisenbahn-Beamten (sehr gut!) doch etwas besser stellen könnte, als mit ihrem jetzigen Gehalt von 1000—1500 Mark. Da wir einmal bei den Weichenstellern sind, so möchte ich auch noch die wirklichen Weichensteller, nämlich die Weichensteller zweiter Klasse, dem Wohlwollen der Regierung empfehlen. Diese Beamten haben ein Gehalt von 800—1200 Mk. Wie ein solcher Beamter, welcher eine Familie von 3—4 Kindern hat, mit einem solchen Gehalte auskommen kann, das ist mir überhaupt unerfindlich. (Sehr wahr!) Dabei haben diese Leute einen sehr schweren undl vor allen Dingen sehr verantwortungsvollen Dienst zu leisten, und von ihrer Zuverlässigkeit hängt die Sicherheit des Betriebes in erster Linie ab. Ich schließe mit der Hoffnung, daß für alle diese Beamten im nächsten Etat eine ganz erhebliche Ausbesserung vorgesehen wird. (Beifall.)
In gleicher Weise trat der Centrumsabgeordnete v. Strombeck für die Beamtenklasse energisch ein; er wies darauf hin, daß die vielbeschäftigten Weichensteller 1. Klaffe mit einem Gehalt von 1000 Mk. anfangen und nach 18 Dienstjahren ihr Höchstgehalt von 1500 Mk. erreichen. „Und dabei ist zu berücksichtigen, daß diesem 18jährigen Zeitraum schon eine mehrjährige frühere Dienstzeit als Bahnwärter, als Weichensteller 2. Klasse vorausgegangen ist, so daß also thattächlich mehrere Jahrzehnte vergehen, bis diese Beamten es auf das Maximum von 1500 Mk. bringen. Und da glaube ich in Uebereinftimmung
„Wen? Dich etwa."
„Nichts könnte mich bestimmen die Gabe anzunehmen. Gib nach, lasse ihn gewähren."
„Nein und tausend Mal nein! Leider ist es ja ein solcher, daß er aus sich selbst es zu nichts bringen kann; so soll wenigstens eine Heirath ihn emporheben. Dies Mädchen ab^r würde ihn in den Sumpf hinabziehen. Sagtest Du ihm denn, wer dieser Molsberg eigentlich ist? Daß nicht einmal der Name ihm zukommt, den er trägt ?"
„Darin irrst Du; er hat das Recht, sich so zu nennen. Heber seine Vergangenheit habe ich Hermann nichts mitgetheilt; keiner weiß um dieselbe außer mir und noch einem; sie ist ausgelöscht. Mag Molsberg sie ihm enthüllen, ich fühle mich dazu nicht berufen. Ich habe er Dir schon mehrfach wiederholt: nach meiner Ansicht ist es jetzt zum Eingreifen zu spät."
„Ich sehe," war ihre kalte Erwiderung, „daß ich mich auf niemand verlassen kann, als auf mich selbst. Dir fehlt, wie der Wunsch, so auch der Wille, Dich pflichtgetreu meines Sohnes anzunehmen."
„Keine harte Anklage, Clotilde!"
Der Kammerdiener trat zögernd herein, wie einer, der sich bewußt ist, eine inhaltvolle Unterhaltung zu stören; er brachte der gnädigen Frau einen soeben angekommenen Brief. Sie öffnete ihn hastig, und Zornesröthe steg in ihre Wangen, als sie den Inhalt überflog.
„Der thörichte, wahnsinnige Mensch!"
„Was schreibt er?"
„Daß er um die Mamsel angehalten habe; er bitte um meine Einwilligung und um meinen
mit meinem Kollegen Schmidt behaupten zu dürfen, dieses Gehalt ist entschieden zu gering, wenn man berücksichtigt, daß diese Beamten als Haltestellenaufseher den gefammten Güterabfertigungsdienst besorgen und dabei auch noch als Telegraphisten thätig sein müssen. Bei ihren vielseitigen Dienstleistungen werden diese Beamten nur zu leicht mal in die Sage kommen, ein Versehen zu begehen. In einem solchen Falle wird der Fiskus gewiß nicht versäumen, sie dafür pekuniär verantwortlich zu machen. Bei der großen Zahl von Reglements, die diese Beamten im Kopse haben müssen, sind derartige Versehen gar nicht zu vermeiden, und auch das trägt dazu bei, das Gehalt derselben als ein unzureichendes erscheinen zu lassen. Man könnte nun sagen, diese Beamten seien zum großen Theil aus den Kreisen der Bahnwärter hervorgegangen; ich meine, diese Thatsache spricht nicht zum Nachtheile, sondern zu Gunsten dieser Beamten, denn es ist eine große und anerkennenswertste Leistung, wenn sie sich aus dem Stande der Bahnarbeiter geistig so weit emporarbeiten, daß sie den schwierigen Stationsund Abfertigungsdienst auf kleinen Stationen selbstständig versehen können. Ich möchte daher diese Beamten, nicht ausschließlich, aber neben den andern Eisenbahnbeamten, dem besonderen Wohlwollen der Regierung empfehlen." a j -«WWWHk
Schließlich wurden sämmtliche Petitionen der Regierung zur Erwägung überwiesen.
Außer den genannten Centrumsabgeordneten haben nur einzelne Abgeordneten von anderen Parteien wenige Worte zu dieser Sache gesprochen, und es hat sich hier wieder einmal recht deutlich gezeigt, daß die Interessen der „kleinen Leute", der unteren Beamten wie der kleinen Gewerbetreibenden, Handwerker und Arbeiter, von keiner andern Partei so energisch und nachdrücklich gewahrt werden, wie von der Centrumspartei.
Deutsches Deich.
Berlin, 16. Mai.
* Der feierliche Schlußakt des preußische« Landtages ist für Mittwoch Vormittag 11 Uhr angesetzt.
" * Die .Frankfurter Zeitung' veröffentlicht den Wortlaut eines geheime« Staatsvertrages zwischen Itutzkand u«d Hesterreich Ilirgar«. Das im April 1897 gelegentlich des Besuches Kaiser Franz Josephs in Petersburg zwischen Rußland und Oesterreich-Ungarn getroffene lieber« einkommen ist keine politische „Abmachung" im landläufigen Sinne des Wortes, sondern ein „Staatsvertrag", gezeichnet vom russischen und vom österreichischen Kaiser und gegengezeichnet von den Ministern der Aenßeren Angelegenheiten beider Länder, dem Grasen Murawjew und dem Grafen Goluchowski. Der Vertrag läuft vom 1. Mai 1897 bis zum 1. Mai 1902. Er verlängert sich von selbst auf je weitere drei Jahre, wenn 6 Monate vor feinem Ablauf nicht einer der Kontrahirenden ihn kündigt. Der Hauptzweck des Vertrages ist die Aufrechterhaltung der Ruhe und des Friedens auf der Balkanhalbinfel, sowie das Status quo im gegenwärtigen Besitzstände daselbst.
Segen! Meinen Segen! .... als wüßte er nicht, daß ich von dem einmal gefaßten Vorsatz niemals abgehe."
„Clotilde!" . . . begann Tennenbach.
„Laß das, Klemens. Lebten Deine Töchter noch, könntest Du sie dem ersten Besten geben, ohne daß ich Einspruch erhöbe. Für meinen Sohn sorge ich."
„Ganz wie Du willst. Was aber gedenkst Du zu thun?"
„Vorläufig nichts; ich würdige ihn keiner Antwort. Später, später! Das findet sich."
Mit Frau Molsberg war es reißend schnell abwärts gegangen. Ganz richtig hatte sie ihren Zustand erkannt, als sie darauf gedrungen, ungesäumt einen Priester zu rufen, denn die Art Lähmung, in welche sie nach feinem Besuch verfiel, erwies sich als der liebergang zum ewigen Schlafe. Regungslos lag sie da, von heftigem Fieber verzehrt; einzig der Versuch zu lächeln, um der Umgebung für empfangene Liebesdienste zu danken, bewies, daß das warme Herz noch nicht aufgehört habe, zu schlagen. Einige Tage dauerte dieser Zustand, bann war das schwache Flämmchen erloschen; so sanft war sie eingeschlafen, daß die Umstehenden den Augenblick ihres Heimganges kaum gewahr wurden.
Ihr Mann war wie vernichtet; fassungslos wie er gewesen seit der Erkrankung seiner Frau, blieb er es auch, als sie im Sarge lag. Sein reizbares Temperament, seine zerrütteten Nerven machten ihm jedes Sichaufraffen unmöglich. Hedwig mußte ihre ganze Kraft zusammennehmen, um alle die traurigen Anordnungen zu treffen,
O Die Besprechung der Iuterpetkatio« der konservativen Abgeordneten Graf Kanitz und Genossen im preußischen Abgeordnetenhaufe über die hohen Getreidepreise und die Getreideversor- gung konnte nun doch nicht am gestrigen Montag auf die Tagesordnung des Abgeordnetenhauses gesetzt werden. Als Grund für die Hinaus- fchiebung der Besprechung wird angegeben, daß das preußische Staatsministerium vorher dazu Stellung nehmen sollte; dies aber habe nicht sofort geschehen können, weil Staatsminister von Miquel und zwei andere Mitglieder des Staatsministeriums infolge einer gemeinsamen Dienstreise an den Rhein von Berlin abwesend waren. Inzwischen ist von einem Osfiziosus etwas „eingetroffen" über die Fragen, die hierbei hauptfächlich in Betracht kommen. Es wird in der halbamtlichen Darlegung darauf hingewiesen, daß die Interpellation des Grafen Kanitz nur die eine Seite der Frage berührt, welche Wirkungen die Abhängigkeit der Befriedigung des deutschen Bedarfs an Brodsrncht vom Auslande hervorgebracht hat, nämlich die Wirkungen bei Krieg und Kriegsgefahr. Die andere Seite der Frage tritt in den Vordergrund, wenn der ©efammtbetrag der Brodsrucht auf dem Weltmärkte unter das Durchschnittsmaß sinkt und infolge dessen das Angebot hinter der Nachfrage zurückbleibt. Entsprechend den früheren Darlegungen an dieser Stelle weist hernach die halbamtliche Feder darauf hin, wie sehr es im Interesse unserer Volksernährung liegen würde, wenn die heimische Getreide-Erzeugung so vermehrt werden könnte, daß sie den deutschen Inlandsbedarf annähernd wenigstens deckt; denn je näher man biefem Ziele gelangt, desto unabhängiger wird der deutsche Markt von dem Weltmärkte und von den Preisfchwankungen sein, die durch allerhand Spekulationen hervorgerufen werden. Als ein „wichtiger Gesichtspunkt" für die deutsche Zoll- und Handelspolitik nach dem Ablaufe der jetzt bestehenden Handelsverträge wird die Nothwen- digkeit bezeichnet, den „deutschen Getreidebau" wieder zu heben und damit auch einem solchen Steigen der Getreidepreise vorzubeugen, wie es jetzt unter der Einwirkung der Vorgänge auf dem nordamerikanischen Getreidemarkte vorgekommen ist. So weit der Osfiziosus, dem man diesmal ausnahmsweise beistimmen kann. Diejenige liberale Presse, die die Sache der berufsmäßigen Getreide-Spekulanten zu führen gewöhnt ist, hat innerhalb der letzten Zeit absonderliche Sprünge gemacht bei der Beurtheilung dieser ganzen Sache. Ehedem konnte man beinahe täglich in solchen Blättern lesen, daß die Landwirthe höhere Preise für ihr Getreide erzielen würden, wenn der börfenmäßige Getreide-Terminhandel nicht verboten worden wäre. Jetzt kommen die- feiben Blätter und behaupten, die neuesten übertrieben hohen Getreidepreise rührten nur davon her, weil — der Getreide-Terminhandel verboten worden wäre .... Und das nennt man mit der Waffe der Intelligenz kämpfen!
* Am heutigen Montag haben hier in Berlin die Berathungen der 7. Konferenz der Kerrtrak- stelke für Arbeiter - Wohlfahrts - Kmrich- tuuge« begonnen. Den ersten Gegenstand der Tagesordnung bildet das Thema: Die Stellung