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mit Ztnterhattungs-Meitage „Issuffrirte Sonntags-Zeitung"
M 109.
JuLöcr, Samstag, den 14. Mai 1898
Jahrgang
Georgio Ignatio archiepiscopo
defuncto
Fuldae restituent
ducem.
Luctu nunc resones et querimoniis, Maerens, Fulda, pii praesulis aspero Fato, quo nihilum flebilius Tibi Plorandum est et acerbius.
Deverso hie in amici hospitium cito Adstant tristia fata et revocant domum; Fuldae namque vetat praesulem amabilem Auferri Bonifatius.
Maeremur merito; tristitia et dolor Debetur misero praesulis et novo Fato; sed videor percipere optimi
Vocem veridicam patris:
Felix hinc abiit, civibus optima Reddens vota vale vociferantibus. Laetus cum sociis usque Moguntiam Profectus bene pervenit.
Eheu, sic reducem conspicient Tui Cives egregium, quem modo debitis Pastorem coluere undique honoribus ?
Durum est, at voluit Deus.
Atqui non potuit vivus et integer Friburga retrahi iam archiepiscopus;
Sed certe exanimem — sic placitum est Deo —
Vester iam redeo. vester ab integro Factus possideo, quam cathedram pie Servo, dum revocer vivus ab inferis, Sancto cum Bonifatio.“
nQuid lugetis adhuc ? prodite gaudia Mecum vultu hilari, quod Deus, en, mihi Tarn pulchrum dedit et praecipuum exitum, Vestro nuper episcopo.
Deutsches Reich.
Berlin, 13. Mai.
* lieber einen Ilufass des Kaiserlichen Souderzrrges auf der Fahrt nach dem Reichslande gibt die König!. Eisenbahndirektion in Halle folgende amtliche Darstellung. Der Sonderzug des Kaisers hat am 7. d. Mts. etwa 1,5 Kilometer vom Bahnhof Hettstedt entfernt kurze Zeit halten müssen, weil wegen der in Folge Regenwetters entstandenen Schlüpfrigkeit der Schienen eine Vorspannmaschine von Hettstadt abgewartet werden mußte. Von einem Defektwerden der Zuglokomotive kann hiernach nicht die Rede sein. Ebenso wenig hat der Kaiser den Zug verlassen oder sich in der Nachtruhe stören lassen. Die angebliche Aeußerung des Monarchen ist demnach nicht geschehen. Dem Zuge von vornherein eine Vorspannmaschine beizugeben, war sachlich keineswegs geboten.
* Bei einem Besuche, den der Krotzherzog von Sachsen-Weimar kürzlich dem Papste im Vatikan abstattete, sprach der Letztere, wie aus Weimar geschrieben wird, dem protestantischen Fürsten in warmen Worten den Dank dafür aus, daß unter dessen Scepter die Katholiken des Großherzogthums sich stets der größten Fürsorge und vor Allem auch der vollsten Gleichberechtigung mit den Angehörigen anderer Religionsgemeinschaften zu erfreuen hatten, so daß der konfessionelle Friede niemals die geringste Trübung erfuhr. Sodann gedachte der Papst der Heimgegangenen Frau Großherzogin, die allen ihren Unterthanen und wahrlich nicht zum Mindesten den ärmeren katholischen Bewohnern der weimarischen Rhöndistrikte ihre werkthätige Liebe zugewendet und so vorbildlich praktisches Chriüenthum geübt habe. Der Großherzog dankte für diese anerkennenden Worte und hob hervor, daß es zu feinen und seines Hauses ersten Aufgaben gehöre und stets gehören werde, den konfessionellen Frieden zu pflegen und auf das Wohl aller Staatsbürger gleichmäßig bedacht zu sein. Seine Regierung werde auch fernerhin allen Bedürfnisfen der katholischen Kirche innerhalb des Staates Rechnung tragen, wie sie sich eins wisse mit der Volksvertretung.
* Das Wohlwollen des Knktusmmisters er
hält eine neue treffliche Illustration durch eine Nachricht aus dem Wahlkreise Altena-Iserlohn. Die Gemüther der Katholiken hier haben sich noch nicht darüber beruhigen können, daß die Luft bei Letmathe zu schlecht sein soll für eine Gründung des Steyler Missionshauses und daher ein „abgelehnt" vom Minister erfolgte, und jetzt haben wir schon wieder ein „abgelehnt". In Menden, Kreis Iserlohn, war schon lange eine katholische höhere Töchterschule dringendes Bedürfniß. Die Pfarrei Menden hat circa i 1 000 Katholiken, die Stadt selbst circa 7000. Diese waren bis jetzt gezwungen, ihre Töchter zur weiteren Ausbildung nach auswärtigen katholischen Pensionaten zu schicken; dem sollte durch Gründung einer katholischen höheren Töchterschule abgeholfen werden. Damit auch aus der näheren Umgebung die Kinder hier ihre weitere Ausbildung erhalten könnten, sollte mit der Schule ein Pensionat verbunden werden. Die Pfarrgeistlichkeit der Kreise Altena- Iserlohn hatte sich einstimmig für dieses Projekt ausgesprochen und dasselbe als dringend noih- wendig erklärt, da in beiden Kreisen eine katholische höhere Töchterschule nicht existirt. Es wurde nun vor einigen Monaten die Genehmigung zur Niederlassung von Schulschwestern nachgesucht, da die katholischen Väter glaubten, daß dann ihre Kinder in Schule und Pensionat auf jeden Fall gut aufgehoben seien, und eine solche Gründung auch weniger Mittel erforderte, als die Gründung einer weltlichen höheren Schule mit Pensionat. Es dachte, zumal nach der großartig begründeten Ablehnung der Steyler Missionäre, keiner an Ablehnung, da kommt plötzlich die Nachricht „abgelehnt, weil kein Bedürfniß vorhanden ist". Nun, der Herr Minister muß es ja wisfen, ob ein Bedürfniß vorhanden ist, und ob wir Katholiken überhaupt noch solche Bedürfnisse haben dürfen. Für die ca. 1000 Protestanten der Stadt und des Amtes Menden ist das Bedürfniß einer höheren Töchterschule schon lange von der Regierung anerkannt; eine protestantische höhere Töchterschule existirt hier schon seit Jahren, für die ca. 11,000 Katholiken liegt aber kein Bedürfniß vor, obgleich schon doppelt so viel Kinder angemeldet waren, als die protestantische Schule überhaupt zählt. Die Wahlen stehen vor der Thür, hoffentlich zeigen die katholischen Wähler der Kreise Altena - Iserlohn bei dieser Gelegenheit, daß sie auch noch da sind, um sich ihrer Haut zu wehren; sehen sie ja wieder einmal, daß sie doch nur Staatsbürger zweiter Klasse sind, und daß eine thatkräftige katholische parlamentarische Vertretung letzt noch ebenso norhwendig ist, wie zu den Zeiten
des heftigsten Kulturkampfes. Das mögen sich auch noch andere Wahlkreise merken!
* Der Gesetzentwurf über das Me« geilt - komme« der Geistliche« ist am Donnerstag von der Kommission des Herrenhauses durchbe- rathen, und zuletzt mit nur einer Stimme Mehrheit angenommen worden. Die Opposition, die sich gegen den Gesetzentwurf geltend machte, richtete sich gegen die Bestimmungen über das Diensteinkommen der protestantischen Prediger. Das katholische Gesetz wurde ohne Debatte angenommen. Zu dem evangelischen Gesetz gelangte folgende vom Frhrn. v. Manteuffel vorgeschlagene Resolution zur Annahme: Das Herrenhaus spricht die Erwartung aus, daß seitens der staatlichen und kirchlichen Behörden die § 12, 13 und 14 des Kirchengesetzes mit aller Schonung und größter Vorsicht, namentlich mit weitestgehender Berücksichtigung der Wünsche der jeweiligen Stelleninhaber und der Patrone zur Ausführung gebracht werden, daß ferner innerhalb der nächsten drei Jahre die mit dem Gesetze gemachten Erfahrungen gesammelt und einer nach Ablauf dieser Zeit einzuberufenden Generalsynode behuft Beseitigung die hervorgetretenden Mängel und Schwierigkeiten vorgelegt werden." Sollte das Plenum des Herrenhauses das Gesetz in der Fassung der Beschlüsse des Abgeordnetenhauses nicht annehmen, so müßte es in diesem letzteren wiederholt zur Berathung gelangen. Nichtsdestoweniger hält man nach wie vor daran fest, daß die Sitzungsperiode des Landtages am 18. Mai geschlossen wird.
h Die neue Aokettpokilik der preußischen Regierung soll auch für die Presse fühlbar gemacht werden. Das preußische Kriegsministerium hat folgenden Erlaß versandt: „Es liegt Veranlassung vor, die Zuweisung amtlicher Bekanntmachungen anZeitungen, die p o l n i s ch en Interessen dienen oder solche zu fördern bestrebt sind, wie z. B. die ,Posener Zeitung', nach Möglichkeit einzuschränken. Innerhalb der Militärverwaltung sind derartige Zeitungen für den erwähnten Zweck nur in so weit zu benutzen, als dies die durch die militärischen oder wirth- schaftlichen Interessen gebotene Rücksicht auf ausreichende Verbreitung der jeweiligen Bekanntmachungen unabweisbar macht." — Die genannte ,Posener Zeitung' ist ein liberales Blatt, das sich nicht scheut, die neue Polenpolitik freimüthig zu kritisiren, weil nach ihrer Ansicht diese Politik niemals zur Versöhnung der polnischen Bevölkerung, sondern nur zur weiteren Verhetzung derselben führen kann. Polnischen Sonderinteressen dient sie also durchaus nicht, ebenso wenig, wie z. B.
die Blätter der Centrumspartei, die im wesentlichen die neue Polenpolitik ebenso beurtheilen, wie die genannte Posener liberale Zeitung. Ver- muthlich fallen also auch die Centrumsblätter ebenso unter den Erlaß des Knegsministers, wie die namentlich von diesem aufgeführte,Posener Zeitung'. Soll nun etwa diese Entziehung von amtlichen Bekanntmachungen zur „Versöhnung" beitragen? Das glaubt wohl der Herr Kriegsminister selbst nicht.
X Die Handelskammer zu Mannheim hat den Beschluß gefaßt, an den Bundesrath einen Antrag zu richten auf zeitweilige Auftjeöung der Gelreidezölle. Aber es ist anzunehmen, daß die Getreidepreise sich nicht mehr lange auf ihrer unnatürlichen Höhe halten werden. Wenigstens sind die Preise in Nordamerika seit dem letzten Mittwoch im Fallen begriffen. Allem am letzten Donnerstag ist in New-Pork der Ortspreis für Weizen um 24 Mk. für die Tonne gefallen, nämlich von 178'/- auf 163 Cents nach dortiger Notirung und Berechnung heruntergegangen. Die Mannheimer Handelskammer kommt mit ihrem Beschlüsse etwas nach der Zeit! Gegenwärtig besteht ein eigenthümliches Verhältniß zwischen den Getreidepreisen in Berlin und denen in den Provinzen Posen und Ostpreußen. Das Getreide ist augenblicklich dort noch theurer als in Berlin. Das sind die Wirkungen eines Ausnahme-Tarifs, der im Anfang dieses Jahres vom Eisenbahnminister Tbielen für Getreidesendungen aus dem Osten Preußens nach Böhmen eingeführt wurde. So wurde beispielsweise dce Fracht für den Eisenbahnwagen mit 10,000 kff. Getreide im Verkehr von Bromberg nach Bodenbach von 243 auf 145 und von Posen nach Reichenberg von 150 auf 80 Mark herabgesetzt. Infolgedessen sind sehr große Mengen von Getreide vom preußischen Osten nach Oesterreich abgelenkt worden. Der ostdeutschen Land- wirthschaft war diese Verkehrserleichterung wohl zu gönnen. Thatsache aber ist es, daß die ostdeutschen Landwirthe ein viel besseres Geschäft gemacht haben würden, wenn ihr Getreide hätte aufgespeichert werden können bis jetzt; und der verbrauchende Theil der Bevölkerung würde ebenfalls Vortheile gehabt haben, denn die Preise würden bei uns bei größeren Vorräthen an Jn- landgetreide nicht so stark in die Höhe gegangen wie jetzt.
* Nach einer Mittheilung der „Verkehrs- Zeitung" ist anzunehmen, daß im Herbste dieses Jahres dem neuen Reichstage ein Gesetzentwurf mit ähnlichem Inhalte wie die jetzt unerledigt gebliebene Aost-Ilovelke oorgelegt werden wird.