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mit Anterßaltungs-Meitage „Illuflrirte Sonntags-Zeitung!' pelersgaff« Nr. 2 (Harmonie).

M 103.

JuLöcl, Samstag, den 7. Mai 1898

25. Jahrgang.

N Zweites Z3Latt.I _____________________________________

Wochen-Rundschau.

(Nachdruck »erboten.)

X Fulda, 7. Mai.

Auf die Anberaumung des Reichstags-Wahltermins ist nun auch die Festsetzung des Reichstags-Schlusses gefolgt: derselbe fand gestern (Freitag) Mittag durch den Kaiser selbst statt, der zu diesem Zwecke seine ur­sprünglich auf Dienstag festgesetzt gewesene Reise nach Lothringen bis zum 6. d. M. aufgeschoben hatte. Auf Freitag Nachmittag hatte er dann die A b g e o r d n c t e n ins Schloß zu Tisch geladen; dieser Einladung batte eine ansehnliche Zahl Volksvertreter entsprochen. Die Ankündigung des Reichstagsschlusses war sehr überraschend gekommen, denn es war ziemlich allge­mein angenommen worden, daß der Reichstag wenig­stens all das Material verarbeiten würde, welches in den Kommissionen vorbereitet worden war. Das konnte nun nicht mehr ausgeführt werden; nur die bereits in Berathung befindlichen Justizgesetze, die Militärstrafprozeßreform und einige andere kleinere Sachen wurden zur Erledigung bestimmt; aber das wichtigste von den noch rückständigen Gesetzen, die so­genannte lex Heintze, die vom Centrum eingebrachten und in der Kommission durchberathenen und ange­nommenen Anträge auf Bekämpfung der Unsittlichkeit, blieben zurück und die Arbeit der Kommission war so­mit u m s o n st. Es ist das aus zweifachem Grunde zu bedauern: erstens sind jetzt Maßregeln verschoben, deren Durchführung wenigstens der öffentlich sich breit machenden Unsittlichkeit in Wort, Bild und That einen Damm hätte setzen können; und dann ist es fraglich, ob und wann in einem später» Reichstage sich eine Mehrheit für ein derartiges Gesetz finden wird. Neben dem Reichstage selbst, dessen beständige Beschlußun­fähigkeit das rechtzeitige Zustandekommen des Gesetzes hinderte, trifft auch die verbündeten Regierungen ein Theil der Schuld hierfür. Wenn es um Militär- oder Marineforderungen sich handelte, arbeitet der Regie­rungsapparat außerordentlich eifrig und rasch; hier aber, wo es um einen Gesetzentwurf sich handelte, der bestimmt war, der Vergiftung der Volksseele entgegen­zutreten, that die Reichsregierung nichts, um die Er­reichung dieses Zieles einigermaßen zu beschleunigen. Viel eher könnte matt sagen, daß sie hemmend wirkt. Dadurch, daß ihre Vertreter in der Kommission ein­zelnen Bestimmungen des Entwurfs gegenüber sich ablehnend verhielten. So hat sich auch hier wieder die alte Erfahrung bestätigt, daß bei allen Maßregeln, die auf die geistige und sittliche Gesundung und Er­starkung des Volkes abzielen, auf eine thatkräftige Mit­hilfe der Regierungen nicht zu rechnen ist. Diese schwächliche, gleichgiltige Haltung dürfte eines Tages sich schwer rächen.

Außer der wiederholt festgestellten Beschlußunfähig­keit ist aus den Verhandlungen des Reichstages in der abgelaufenen Woche nur ein Vorgang von Bedeutung zu vermerken. Bei der Berathung des Nachtragsetats, der eine Forderung von 5 Millionen Mark für die neue deutsch-ostasiatische Besitzung K i a u t sch o u brachte, entspann sich ganz unerwartet eine regelrechte Sozia- listendebatte. Der sozialdemokratische Abg. Lieb­knecht entwarf bei diesem Anlaß ein wenig anmuthen- des Bild von unserer neuen Besitzung — Kiautschou z. B. nannte er ein „Drecknest" — und gab der Be­fürchtung Ausdruck, daß die gestellte Forderung nur der Anfang vieler folgenden fein werde, und daß von einer Rentabilität der Kolonie sobald keine Rede sein könne. Daß er auch dabei die Sozialdemokratie als ■■■■■■■■■■»———iM

Hohe Ziele.

Roman von L. von Neidegg.

17 ------ (Nachdruck verboten.)

Die Freifrau saß mit ihrer Nichte im Kur- garten. Generalin von Holleben, eine ihrer hier angetroffenen Freundinnen, hatte mit ihren Töch­tern sich zu ihr gesellt und eine Unterhaltung angeknüpft, deren Kosten hauptsächlich die Vor­übergehenden zu tragen hatten. Frau von Tennen­bach warf wohl hier und da eine Bemerkung in das Gespräch hinein, im Ganzen verhielt sie sich zurückhaltend dem Witzeln und Spötteln gegen­über, an dem die Holleben'schen Damen und Martha ausgesprochenes Vergnügen fanden. Ihrer richtigen Ansicht nach war folckes ein Zeichen von Geistesarmuth; außer, wenn sie persönliche Gründe zur Abneigung hatte, wo sie dann er­barmungslos fein konnte, ging sie mit dem Nächsten glimpflich um.

Ziemlich lange hatte die Unterhaltung ge­dauert, und Frau von Tennenbach, die wenig Hehl daraus machte, daß sie ihr überlang vor­gekommen, schickte sich eben an, aufzustehen und weiterzugehen, als Frau Molsberg vorüberfuhr, von Hedwig in ihrem Rollstuhl geschoben. Die überzarte, sterbenskrank aussehende Frau, das hohe schlanke Mädchen waren keine gewöhnlichen Erscheinungen. Frau von Tennenbach erkundigte sich denn auch bei der Generalin, die mit den Damen einen Gruß ausgetauscht, nach deren Namen, hatte aber alsbald Grund, die Frage zu bereuen.

Mit absichtlich zur Schau getragenem Er-

die Weltretterin pries, kann nicht weiter auffallen, denn das war der eigentliche Zweck der Rede. Staats­sekretär Graf Posadowsky trat ihm zwar scharf ent­gegen, betonte aber, daß die Regierungen nicht beab­sichtigten, ein neues Sozialistengesetz einzubringen, das nur geeignet sei, das Bürgerthum einzuschläfern, das dann um so eher seine Augen von der sozialistischen Gefahr verschließen werde. Diese Auffassung kann man nur als vernünftig bezeichnen und auch der Mah­nung unbedingt zustimmen, die der Minister an die Besitzenden richtete: Die Arbeiter gerecht und billig zu behandeln; dann werde die sozialistische Gefahr viel von ihrer Schwere verlieren. Mit dieser Mahnung aber hat der Staatssekretär bei den „Be­sitzenden" sowohl auf der Rechten, wie auf der Linken in ein Wespennest gestochen; die Leute mit den großen Portemonnaies sind nicht gerne an ihre Pflichten er­innert, am wenigsten den Arbeitern gegenüber; viel lieber hören sie es, wenn die Arbeiter zur Zufrieden­heit und Genügsamkeit ermahnt werden. So kann es nicht weiter Wunder nehmen, wenn selbst „liberale" Blätter schrieben, der Minister habe gesprochen, wie ein Sozialdemokrat hätte sprechen können; er habe die „Begehrlichkeit" der Arbeiter geweckt usw. Die Re­gierung könnte daraus entnehmen, wie nothwendig es wäre, daß sie in Bezug auf die Sozialpolitik einen sichern, festen Kurs ins Auge faßte, der wahrhaft die Versöhnung der Klassen bezweckt. Für eine solche klare und zielbewußte Politik würde die Regierung immer, im Volke sowohl wie im Parlamente, eine zu­verlässige Mehrheit finden, und sie würde damit der Sozialdemokratie weit mehr Abbruch thun, als mit Ausnahmegesetzen.

Aus dem preuß. Abgeordnetenhause ist auch dies­mal über eine volkswirthschaftliche Debatte zu be­richten, die, wie die über die Besteuerung der großen Waarenhäuser und über die ländliche Arbeiterfrage, für weite Volkskreise von hoher Bedeutung ist. Es handelt sich um einen von konservativer Seite gestellten Antrag auf Ergreifung von Mitteln gegen die Ein­schleppung von Viehseuchen und auf allgemeine Einführung der F l e i s ch s ch a u. Der Ministerpräsident Fürst Hohenlohe, der selbst zur Verhandlung erschienen war, erklärte, daß das Reich um durchgreifende Maß­regeln angegangen und überhaupt Alles geschehen werde, um den bestehenden Mißständen nach Möglich­keit abzuhelfen. Zwei weitere Minister bekräftigten diese Zusagen noch. Das wäre nun Alles gut und schön, wenn nicht immer ein gewisses Mißtrauen in derartige Versprechungen gesetzt würde, das stets die Frage aufdrängt: Wird das nun auch wirklich ausge­führt werden, was hier versprochen wurde? Dieses Mißtrauen kam auch im Abgeordnetenhaufe zum Aus­druck, das dann der Landwirthschastsminister zu zer­streuen suchte.

Die Wahlbewegung scheint diesmal recht langsam sich entwickeln zu wollen und, wenn es so weiter geht, auch recht ruhig. Das wäre an sich recht erfreulich, wenn es nicht auf eine gewisse Gleichgiltigkeit in den Wählermaffen schließen ließe; indeß kann die Folgezeit darin leicht noch eine Aenderung bringen. Einstweilen marschiren die verschiedenen Parteien mit ihren Wahl­programmen und -Aufrufen auf. Die ersten auf dem Plane waren die Sozialdemokraten, die, wie immer, in möglichst prahlerischen Worten dem Volke das Blaue vom Himmel herunter versprechen und die Beseitigung der sozialen Noth wie allen wirth- schaftlichen Schäden überhaupt lediglich von der Ver­wirklichung der sozialdemokratischen Bestrebungen er­hoffen. — Nach den Sozialisten erschien die „weibliche" Linie des Freisinns, die „Freisinnige Vereini­gung" mit ihrem Wahlaufruf, der, wie die ganze Haltung dieser Partei, „nicht gehauen und nicht ge­stochen" ist, und mit dem sie, wie das Sprichwort sagt, „kaum einen Hund hinter dem Ofen herauslocken" dürfte. — Neuestens haben die Nationalliberalen

staunen erwiderte Frau von Holleben: „Was? Sie kennen sie nicht? Es sind doch so gute Be­kannte Ihres Sohnes!"

Natürlich war es Frau von Tennenbach nun vollkommen klar, wer die beiden gewesen, sie mochte aber den andern den Triumph nicht gönnen, es sich anmerken zu lassen. „Mein Sohn wird hier wohl mit manchen Menschen bekannt geworden fein, die mir fremd sind und bleiben," entgegnete sie sehr ruhig. „Woher kennen Sie aber die Damen, und wer sind sie?"

„Eine Frau Molsberg und ihre Tochter. An der gemeinsamen Tafel waren wir hier und da Nachbarn von Vater und Tochter; die Mutter erscheint dort nie. Natürlich ist unsere Bekannt­schaft nur ganz oberflächlich."

„Selbstverständlich," pflichtete Laura Holleben ihrer Mutter bei; man müßte sich unter Umständen förmlich schämen, sie als Bekannte anzuerkennen; sie machen einen so . . so vorsündfluthlichen Ein­druck, namentlich die alte Frau, die mit ihren hohlen Wangen wie eine Laterne aussieht."

„Eine Laterne am Hellen Tag! Hihi!" kicherte Martha.

„Sie ist zusammengeknickt wie ein Taschen­messer," bemerkte Bertha Holleben, die hinter der Schwester an Geist nicht zurückstehen wollte; „was die junge Dame betrifft, lebt sie mit der Mode sichtlich auf gespanntem Fuß. Alles trägt doch diese schönen Achselfalten und straff gespannte Kleiderröcke, die so reizend aussehen! Das Fräu­lein geht aber ihre eigenen Wege."

„Ob sie wohl je von einem Schneiderkleid gehört hat!" svottete Martha und sah wohlge- sällig an der eigenen Person herunter.

ihren Wahlaufruf veröffentlicht, der auf einem am Sonntag in Berlin abgehaltenen nationalliberalen Delegirtentag festgestellt ward. Auf diesem Delegirten- tag kam die ganze Noth und innere Zerfahrenheit dieser ehemals so mächtigen und starken Partei, die heute nur noch gewissermaßen eine Ruine ist, zum Ausdruck. Denselben Eindruck, wie der Delegirtentag, macht der Wahlaufruf, der zudem noch gegen den „Ultramon- tanismus" angehen möchte — der größte Hohn! Diesen Gegner haben wir wahrlich nicht zu fürchten.

Außerordentliche Mühe gibt die konservative Presse sich fortgesetzt, das Cent rum darüber zu be­lehren, daß sein eigenes Interesse die Un terstütz ung der Konservativen bei den bevorstehenden Reichs­tagswahlen fordere. Nachdem jüngst schon die ,Krenz- ztg.' an dieser „Belehrung" sich abgeplagt hatte, unter­nimmt jetzt auch das offizielle Parteiorgan, die Konser­vative Korrespondenz', dieselbe undankbare Arbeit. Merkwürdig, daß jetzt, wo bei dm Konservativen die „Noth an den Mann geht", die Herren von der Rechten auf einmal ein so feines Verständmß für unsere Interessen offenbaren, so fein, daß sie besser wissen wollen, was uns frommt, als wir selbst! Sonst, wenn sie vom Centrum aufgefordert wurden, für unsere In­teressen mit einzutreten, zeigten die Herren sich oft genug sehr schwerhörig; wenn nicht gar direkt wider­willig. Die Art und Weise, wie sie jetzt die Unter­stützung des Centrums nachsuchen, förmlich darum betteln, ist nicht geeignet, ihnen die Sympathieen von Centrumswählern zuzuwenden. Letztere bedürfen am allerwenigsten der konservativen Belehrung über das, was sie zu thm: haben; der Erfolg dieser Belehrung, namentlich, wenn sie so anmaßend auftritt, wie in der ,Kreuzztg.' und der .Konserv. Korrespondenz', könnte gar leicht das Geg entheil von dem fein, was diese Blätter erhoffen. Wenn irgendwo ein konservativer Kandidat die Unterstützung des Centrums findet, so geschieht es nicht etwa der konservativen Partei zu Liebe, sondern lediglich, weil unser Interesse es fordert.

Ueber die Neutralität des deutschen Reiches im amerikanisch-spanischen Kriege und über die Möglich­keit eines spätem diplomatischen Einschreitens soll, wie ein Londoner Blatt wissen will, Kaiser Wilhelm bei seiner jüngsten Anwesenheit in Dresden dem Kaiser Franz Joseph von Oesterreich Erklärungen abgegeben haben. Die Nachricht klingt etwas dunkel, ist aber an sich auch gleichgiltig, denn thatsächlich übt das deutsche Reich Neutralität beiden Staaten gegenüber, und auch das durfte man von vornherein als wahr­scheinlich annehmen, daß die europäischen Großmächte ein vollständiges Niederwerfen Spaniens durch Amerika nicht zugeben, sondern im geeigneten Moment ein­schreiten werden. Schon die altbekannte Eifersucht unter den Großmächten duldet nicht, daß die Ameri­kaner gar zu übermütig werden.

Im österreichischen Reichsrath dauert die Debatte über die Sprachenfrage noch fort. Das Ergebmß der seitherigen Diskussion läßt sich dahin feststellen, daß sämmtliche Parteien wohl ihre Geneigtheit zu einer friedlichen Lösung der schwierigen Frage ausgesprochen haben, keine aber einen Weg zu bezeichnen vermochte, den alle zu betreten bereit wären. Seit Monaten be­mühen die beiderseitigen Ausschüsse sich, den Ausgleich zu Stande zu bringen, bisher vergeblich, und es wird schließlich nichts Anderes übrig bleiben, als, wie in der Verfassung für diesen Fall vorgesehen, die Ange­legenheit provisorisch im Verordnungswege zu regeln. Verhindert wird die Lösung der Frage hauptsächlich durch die magyarische Begehrlichkeit, die, wie aus dem staatsrechtlichen Bündniß mit der österreichischen Reichs­hälfte, so auch aus dem wirthschaftlichen für sich den Löwenantheil ziehen möchte.

Fortgesetzt traten hinter dem amerikanisch-spani­schen Kriege alle übrigen Vorgänge im Ausland

Frau von Tennenbach hatte mit halbem Ohr das Gespräch angehöet und dabei Hedwig an­geblickt; gerade der Umstand, daß sie die Vor­nehmheit ihres Wesens anerkennen mußte, durch welche die Gefahr, die dem Sohne drohte, wesent­lich erhöht wurde, reizte sie zum Aerger. Die Ungeduld, die ihr das seichte Geschwätz der Mäd­chen verursacht, kam dabei zum Ausbruch.

„Ach was!" fertigte sie Martha ab, hocher­freut zugleich, damit den andern eine Lektion geben zu können, „reizend, aber unbequem. Die Achselfalten steigen so hoch herauf, daß sie bei­nahe die Ohren verdecken, und den Luxus eines Schneiderkleides leistet sich heutzutage jede Probir- mamsell. Es gehört Verstand dazu, einzusehen, daß man mit Mode-Uebertreibungen sich nur ent­stellt; und Verstand beweist dies Mädchen, indem sie alles Auffällige vermeidet, das ja ihren Mangel an Schönheit nur hervorheben würde."

Frau von Holleben zeigte ein sauersüßes Lächeln. „Mangel an Schönheit! Wenn das Ihr Sohn hörte!"

„Mütter und Söhne stimmen in solchen Fragen nicht immer überein. Sollten Sie das nicht öfter beobachtet haben?" erwiderte Frau von Tennen­bach mit großer Gelassenheit. „Mag Hermann in diesem Augenblick übrigens denken, wie er will, diese Schwärmerei wird vergehen, wie so manche vor ihr."

„Wissen Sie nicht, was die Franzosen sagen, die sich auf Psychologie des Herzens ausgezeichnet verstehen? Man muß nämlich ganz besonders mißtrauisch sein gegenüber Neigungen für Häß­liche —, weil solche Leidenschaften unvergänglich

zurück, so z. B. die unmittelbar bevorstehenden Kam' merwahlen in Belgien und Frankreich, die unter andern Umständen auch bei uns wohl lebhaft erörtert würden, jetzt aber kaum beachtet werden; die öffentliche Aufmerksamkeit wendet sich ausschließlich der Entwickelung und dem Ausgang des Kampfes zu, der von den überseeischen Handelsmännern mit dem weiten Gewissen in so frivoler Weise heraufbeschworen wor­den ist. Inzwischen ist der Kampf thatsächlich ent- crannt, aber nicht von Cuba, sondern von den Phi­lippinen, den spanischen Besitzungen im fernen in­dischen Ozean, und dieser Kampf hat dort leider mit der völligen Vernichtung der spanischen Flotte durch die amerikanische geendet. Allerdings haben die Ameri­kaner keinen Grund, darüber in allzu lautes Sieges- geschrei auszubrechen, denn der Kampf war ein sehr ungleicher: während sie mit einer Anzahl seetüchtiger, gut ausgerüsteter Kriegsschiffe anrückten, konnten die Spanier ihnen nur alte, meist hölzerne, zum Kamps kaum geeignete Schiffe entgegenstellen. So konnte, ob­wohl die spanischen Schiffe sich heldenmüthig hielten und den Amerikanern empfindliche Verluste beibrachten, der Ausgang nicht zweifelhaft sein: die Spanier unter­lagen der Uebermacht. Zwei ihrer Schiffe, die in Brand gefchoffen wurden, flogen mit fammt der Be­satzung in die Luft, und zwei andere mußten sie ver­senken, damit sie nicht in die Gewalt des Feindes fielen. Die Spanier sollen 1000, die Amerikaner 500 Mann und die letztern außerdem auch ein Schiff verloren haben. Nach den letzten Nachrichten wäre in Folge dieses Sieges den Amerikanern die Haupt­stadt der Philippinen, Manila, übergeben worden; nachdem sie vorher in Brand gesetzt und die Hafen­stadt Cavite zerstört gewesen sei. Das wäre ein schwerer Schlag für die Spanier und tarne im Augen­blick den Verlust der Philippinen gleich — wenn die europäischen Großmächte keinen Einspruch dagegen er­heben. — Vor Cuba ist es zu einem Zusammenstoß noch nicht gekommen, wenngleich auch hier die Ver­hältnisse auf eine Entscheidung hindrängen. Den Amerikanern soll es gelungen fein, eine Verbindung mit den Aufständischen der Insel herzustellen, mit denen sie gemeinsam gegen die Spanier vorzugehen beabsichtigen. Und da die spanischen Schiffe, die seither an den Kap Vertuschen Inseln im großen Ozean an­kerten, in See gegangen sind, dürfte ein Zusammenstoß zwischen den beiden Flotten, gleichviel wo, nahe bevor- stehen. Hier dürfte es zu einem hartnäckigem Kampfe kommen, da die Amerikaner dann der eigentlichen spanischen Flotte, deren besten Schiffen, gegenüberstehen. Allerdings wird schließlich auch hier nicht die größere Tüchtigkeit und Tapferkeit siegen, sondern der — Dollar, und den haben die Amerikaner, nicht die Spanier.

Die Philippinen.

Die Inseln, die in gerade r nord-südlicher Richtung zwischen Formosa und Borneo und den Molukken liegen, bedecken, wenn man den Sulu- Archipel mitrechnet, eine Oberfläche von 296182 Quadratmetern, also etwas mehr als das König­reich Italien und etwas weniger als die Länder der österreichischen Krone. Die Zahl der Inseln beträgt über 1200, von denen Luzon (105 919 Quadratkilometer) und Mindanao (96 310 Qua­dratkilometer) allein einen größeren Umfang haben. Die Küsten der Inseln sind reich an Buchten mit guten Ankergründen. Die Bevölke­rung wird mit Einschluß von Heer und Marine auf 7 670000 Einwohner geschätzt. Manila, die auf Luzon gelegene Hauptstadt, hatte bei der letzten Volkszählung 1887 154062 Einwohner, Loaag 30 642. Liva 43 408, Banang 35598 und

sind, indem sie auf soliderer Grundlage sich auf- bauen, als bloß auf der Bewunderung eines schönen Gesichtes."

„Sehr fein, doch nicht immer richtig, besonders, wo es sich um eine im Müßiggänge begonnene, in der Langeweile eines Krankenzimmers fort­gesetzte Kurmacherei handelt."

„Das Fräulein gilt für hochgebildet," fiel eine der Holleben'schen Töchter ein. „Bei Tisch drehte sich ihre Unterhaltung meist um Litteratur und schöne Künste.

„Also ein Blaustrumpf strengster Observanz!" bemerkte naserümpfend die Freifrau, indem sie aufstand. „Mir die widerwärtigste unter allen Abarten der Frauen."

Die Zeit, in der sie literarische Abende gegeben, lag längst vergessen hinter ihr. Sie war eine Real-Politikerin durch und durch geworden, in deren Empfangszimmern über das Wohl und Wehe Europas verhandelt wurde. Dort thronte sie wie eine Königin, fällte Urtheile, von denen es keine Berufung gab, und erging sich in wohl abgerundeten Sentenzen. Sie liebte es, politische Gespräche her­beizuführen — bei denen die Eitelkeit sie verleiten konnte, die Eingeweihte zu fpielen, auch wo sie es nicht war. Es wurde deshalb auch behauptet, sie habe ihren Mann um dem Ministerposten, den er inne gehabt, geredet.

Mochte diese Behauptung begründet sein oder nicht, schon seit Jahren war das Verhältniß zwischen den Ehegatten zwar äußerlich durchaus freundlich, entbehrte aber innerlich jeder Wärme. Tennenbach hatte seine Frau nach Gries begleitet, durchaus nicht- weil er ihre Gesellschaft nicht missen wollte, sondern, theils weil er ein unabweisliches