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Fuldaer -K Zeitung
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mit Itnterhattungs-Meitage „Mustrirte Sonntags-Zeitung!' petersgasse llr. 2 (Harmonie).
JuL'öa, Montag, den 2. Mai 1898
25. Jahrgang.
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ft Der Arbeiter-Feiertag.
„Alle Räder stehen still, wenn dein starker Arm es will" — wie oft ist den Arbeitermassen von den Leuten, die sich deren Bethörung zum Berufe gemacht worden, mit diesen Worten geschmeichelt worden. Aber haben jemals am ersten "Mai „alle Räder still gestanden" ? Nein, niemals. Die gewerbsmäßigen Aufwiegler der Arbeiterschaft wollten aus der Maifeier eine Herausforderung des Unternehmerthums machen; die Arbeiterschaft sollte durch eigene, willkürliche Bestimmung die Arbeit mitten in der Arbeitszeit unterbrechen, und die Unternehmer sammt und sonders sollten an jedem ersten Mai in dem Anblicke ihrer leeren Fabriken gewahr werden, Laß eigentlich der Arbeiter der Herr ist, wenn -er will, und der Unternehmer abhängig von ihm
Das war ein ungesunder Gedanke. Und ungesunde Gedanken pflegen an sich selbst zu sterben. So ist es auch mit der sozialdemokratischen Maifeier gewesen. Im Ansange fürchtete man sich ordentlich davor, was wohl nun der erste Mai bringen würde. Als im Jahre 1889 der sogenannte internationale Arbeiter-Kongreß stattgefunden hatte, zu dessen Beschlüssen die Einführung der Maifeier gehörte, hörte im Geiste mancher Bourgeois schon am ersten Mai die hallenden Schritte der Arbeiterbataillone auf dem Straßenpflaster erdröhnen; und mancher Fabrikunternehmer konnte sich des Gefühls einer dunkeln Gefahr nicht entschlagen, die mit dem ersten Mai drohte. . . Wie ist das alles so ganz anders gekommen! Freilich, daß zunächst die Staatsbehörden ihre Vorbereitungen trafen, um auf alle Fälle die Ordnung an dem weltberühmten Arbeiterfeiertags aufrecht zu erhalten, und daß das Bürgerthum zur Abwehr rüstete — wer wollte es ihnen verdenken? Aber als nun der erste Mai kam, da zeigte es Kch^ daß diejenigen recht gehabt hatten, die von Anfang an dem gesunden Sinne in der Arbeiterschaft noch etwas zugetraut und dem ersten Maitage nicht mit der Miene blasser Besorgnis entgegengesehen hatten. Der erste Mailag blieb ruhig. Und als dann noch mehr erste Maitage kamen, da wurden sie immer ruhiger.
Gon einer allgemeinen, internationalen Ueber- einstimmung in der Arbeiterschaft war von Anfang an nicht die Rede gewesen. Der Ueber- eifer der Franzosen und Belgier hatte auf eine solche allgemeine Uebereinstimmung gehofft. Aber die deutschen und die englischen Vertreter bei dem Pariser internationalen Arbeiterkongresse machten den französischen Hitzköpfen von Anfang einen Strich durch die Rechnung. Sie sahen richtig voraus, daß das Unternehmerthum sich nicht beugen, und daß es mit seinem Widerstande erfolgreich bleiben werde. Die deutschen Vertreter bei dem Arbeiterkongresse in Paris waren getheilter
Hohe Ziele.
Roman von L. von Neidegg.
12 ------ (Nachdruck verboten.)
Dies Mal jedoch schien die Tochter zu blindem Gehorsam nicht geneigt. „Wer war denn nur dieser hochmögende Herr von Hardanger, der so erhaben ist, daß man gar nicht von ihm reden darf?" fragte sie neckend.
„Ein reicher Fabrikherr. Frau und Sohn haben sich aber, wie es scheint, zu einer höheren Stellung in der Gesellschaft emporgeschwungen. Da geschieht es leicht, daß man vergißt, was hinter einem liegt; am wenigsten scheint mir dieser junge Mann geneigt, eine Ausnahme von dieser Regel zu bilden."
„Und wenn ich Königin würde, der wäre mir der liebste Gesellschafter, der mir von meinem Vater spräche!" rief Hedwig femig.
„Du hast eben in der Abgeschiedenheit gelebt mnd bist nicht weitläufig, gutes Kind," antwortete Molsberg, indem er d.e Tochter an sich zog und auf die Stirne küßte. „Ich bin aber müde, zu müde, um weiter zu berichten," wandte er sich dann an seine Frau, die erwartungsvoll zu ihm aufsah. „Lasse Dir von Hedwig erzählen, was Euer junger Held über sich und seinen Lebenslauf alles mitgetheilt hat; es ist nicht wenig gewesen. Plaudert aber etwa nicht bis zum Morgen." Damit beugte er sich zu seiner Frau herab, streichelte ihr noch immer dunkeles Haar, küßte sie auf die Stirne und zog sich dann zurück, sachte und kaum hörbar, wie er in allen iseinen Bewegungen war.
Meinung. Einhellig aber traten die Engländer gleich von Anfang an dafür ein, daß der erste Sonntag im Monat Mai zum besonderen Arbeiter-Feiertag erhoben werden und daß man nicht gerade auf dem ersten Mai selbst als Feiertag bestehen sollte. Und daß das gerade die englischen Arbe-tervertreter waren, die sich so ablehnend zeigten gegen die geplante Herausforderung des Unternehmerthums, verfehlte nicht seinen ganz besonderen Eindruck. Gerade die englische Arbeiterschaft ist am besten und kräftigsten organisirt und verfügt über die meisten Geldmittel zur Ausfechtung von Jnteressenkämpfen. Wenn die Engländer also nichts auszurichten glaubten mit einem besonderen Arbeiterfeiertage, hatten die Arbeiterfchaften der anderen Länder noch weniger zu hoffen und hatten damit gleichzeitig eine starke Stütze verloren für eine internationale Gewaltmaßregel.
Theilweise haben es Arbeiter im Jahre 1890 in Deutschland versucht, die sozialdemokratische Maifeier in der ursprünglich beabsichtigten Weise durchzuführen. Aber wo der Versuch gemacht wurde, mißglückte er durchaus. Die Arbeitgeber wehrten sich dagegen mit Entschiedenheit, und überall zogen die Arbeiter den Kürzeren. Da besann sich die Sozialdemokratie eines Besseren und gab die Maifeier in ihrer ursprünglichen Gestalt auf. Sie beschränkte sich darauf, am 1. Mai zu Kundgebungen außerhalb der Arbeitszeit anzurathen, und von Streitigkeiten zwischen Unternehmern und Arbeitern wegen der Maifeier ist längst keine Rede mehr. Die Erfahrung hat es deutlich und unwiderlegbar bewiesen, daß der sozialdemokratische Weltfeiertag am 1. Mai ein todtgeborenes Kind war.
Diesmal fiel der 1. Mai auf einen Sonntag. Da hatte die ganze Welt einen Feiertag. Und wenn Arbeiter an diesem Tage irgendwo noch etwas Besonderes für sich veranstaltet haben, so hat sie wohl Niemand in diesem Beginnen gestört. Schon längst haben sozialdemokratische Macher darüber geklagt, daß die Arbeiter, die am 1. Mai an den besonderen Veranstaltungen theilnahmen, dies mehr des Vergn ügens wegen als deswegen thaten, um eine politische Kundgebung zu unterstützen. Und dies war in diesem Jabre nach den vorliegenden Berichten aus den Jnoustriebezirken in noch höherem Maaße der Fall als sonst — trotz der bevorstehenden Neuwahlen und trotz der leidenschaftlichen Aufrufe, mit denen die Macher in der Sozialdemokratie schon jetzt in zahlreicher Fülle um sich werfen.
Deutsches Keich.
Berlin, 30. April.
h ImReichstage ist von den Sozialdemokraten eine Interpetkatio« wegen der Hohe« Gelreibepreise eingebracht worden. In der Interpellation wird die Frage an den Reichskanzler gerichtet, „was die verbündeten Regierungen gegenüber den enorm hohen Getreidepreisen zu thun gedenken." Die plötzliche Steigerung der Getreidepreise hängt, wie man ja weiß, mit dem spanisch-amerikanischen Kriege zusammen. Es ist aber kaum anzunehmen, daß die Getreidepreise ihre jetzige Höhe lange behalten werden.
Mittlerweile befragte sich Hermann Handanger über die Eindrücke des Abends, und zu seinem eigenen Erstaunen fand er, daß sie befriedigend gewesen. Bei näherer Beleuchtung war das Mädchen doch eigentlich so übel nicht. Wundervolle Augen leuchteten unter langen schwarzen Wimpern hervor, und die langen braunen Flechten, einfach um den Kopf gelegt, gaben demselben ein elastisches Gepräge. Ganz wunderhübsch war aber der wechselnde Ausdruck ihres Gesichtes, wenn sie von all dem Interessanten erzählte, das sie gesehen. Wie Licht und Schatten flog es über dasselbe, die Augen leuchteten auf, die Farbe kam und ging auf ihren Wangen, alles an ihr war frisches Leben, ungekünstelte Natur. Unerfahren wie ein Kind in allem, was große Welt, was gesellschaftliche Gebräuche betraf, zeigte sie staunenswerthe Schärfe des Urtheils in allen Fragen von allgemeinem Interesse.
„Gibt urgemüthliche Plauderstunden. Ein wahrer Segen in dem langweiligen Gries!" sagte sich Hardanger.
Als er einschlief, war es mit dem Bewußtsein, seinen ersten angenehmen Abend hier verbracht zu haben.
* * ♦
„So ganz in Ihr Buch vertieft, Fräulein Molsberg? Was für ein außerordentliches Geistes- Erzeugniß muß es doch fein, daß es Sie derart einnehmen kann!"
Diese zu Hedwig gesprochenen Worte ließen sie erschreckt zusammenfahren. Sie sah um sich und bemerkte Hardanger, der in einiger Entfernung stand und sie lächelnd beobachtete. Von der Wärme des Tages angelockt, hatte sie lesend
x Ein „deutscher Ilottenvereirr" soll ins Leben gerufen werden. Unter dem Vorsitze des Erbprinzen von Hahenlohe-Schillingsfürst, des Sohnes des Reichskanzlers, soll heute, am Samstag, eine Versammlung abgehalten werden, an der auch Herren von auswärts auf besondere Einladung hin theilnehmen werden. Angeblich soll der Kaiser das Prot ektorat des Prinzen Heinrich für den Verein in Aussicht gestellt haben. Darüber, was dieser Verein hauptsächlich bezweckt, verlautet noch nichts Genaueres.
* Nach einer Bekanntmachung im ,Reichsanzeiger' haben die Dampfergesellschaften mit Ausnahme derspanischen die regelmäßigen Iatzrle« «ach der Insel Kuöa eingestellt. Korrespondenzen für Cuba können daher bis auf weiteres nur über Spanien zur Versendung gelangen.
* Die „Maikäfer", welche gestern zur Bataillonsbesichtigung durch den Kaiser auf dem Tempelhofer Felde waren, wurden vom Kaiser durch folgende Ansprache ausgezeichnet: „Garde- Füsiliere! Ihr habt heute, wie ja gewöhnlich, ganz vorzüglich exerziert und besonders eine musterhafte Haltung gezeigt. Ich fpreche Euch meine größte Zufriedenheit dafür aus. Adieu Maikäfer!" — Es ist dies, wie die,Germ.'hervorhebt, das erste Mal, daß der Kaiser die Garde- Füsiliere öffentlich mit „Maikäfer" angeredet hat.
x Der Reichsanzeiger hat am Freitag den Wortlaut des Vertrages zwischen Zeutsch land und Ktziua wegen der Ueberlassung von Kiautschou veröffentlicht. Der Vertrag beginnt mit dem Ausdrucke des Dankes, den China dem Deutschen Reiche schuldet für die ihm seither von Deutschland bewiesene Freundschaft. Die einzelnen Bedingungen des Vertrages sind bereits bekannt: China begibt sich aller Souveränetäts- Rechte in einer Zone von 50 Kilom. (100 chinesische Li) im Umkreise des Hochwasserstandes der Kiautschou-Bucht. Dieses Gebiet wird an Deutschland für 99Jahre verpachtet, und Deutschland übernimmt es, auf dem ihm überlassenen Gebiete Befestigungen zum Schutze seiner baulichen Anlagen und der Hafen-Einfahrt zur Ausführung zu bringen. Sollte Deutschland später einmal den Wunsch äußern, die Kiautschou-Bucht vor Ablauf der Pachtzeit an China zurückzugeben, so verpflichtet sich China, die Aufwendungen zu ersetzen, die Deutschland in Kiautschou gemacht hat, und einen besser geeigneten Platz an Deutschland zu gewähren.
ff Die Budget-Kommission desReichs- tages hat sich am letzten Freitag, mit dem Nachtrags Ktal für Kiautschou beschäftigt. Diese Berathung hat zu eingehenden politischen Auseinandersetzungen geführt. Auf Anfragen der Abgg. Dr. Lieber und Eugen Richter theilte Staatssekretär von Bülow mit, daß Deutschland von dem englisch-chinesischen Abkommen über W?i-hai-wei erst nachträglich Kenntniß erhalten hat durch die Erklärung des Unterstaatssekretärs Balfour im englischen Unterhause. Gleichzeitig wiederholte Herr von Bülow die bereits durch die Presse bekannte Mittheilung, daß England nicht die Absicht hat, deutschen wirthschaftlichen Bestrebungen in China im Wege zu sein, und daß England darüber bei der deutschen Reichsregierung eine amtliche Erklärung abgegeben hat. Sehr wichtig für die allaemeine pstitis-ffe Laa» mar ferner
in den Garten-Anlagen sich niedergelassen und über dem Interesse, das ihre Lektüre ihr einflößte, alles um sich her vergessen. Erröthend kloppte sie ihr Buch zu und bemerklewie zur Entschuldigung : es sei ein alter Fehler von ihr, daß sie in einen sie ansprechenden Gegenstand sich ganz versenke.
Die Tiefe ihrer Natur hatte Hardanger zu beobachten Gelegenheit gefunden; ihm, d r gern über alles hinwegglitt, nur den Augenblick zu genießen wünschte, war ihre Gründlichkeit als eine sehr unbequeme Eigenschaft erschienen.
„Ja, ja!" sagte er denn auch halb scherzend, halb vorwurfsvoll, „bei Ihnen heißt es immer: entweder, oder; So etwas wie Schwanken oder Halbheit, w-e bei uns anderen armen Sterblichen, kommt bei Ihnen gar nicht vor; darüber sind Sie erhaben."
„Warum nicht gar!" verwahrte sie sich eifrig. „Ich bin um kein Haar anders als andere Menschen. Ein jedes zweifelt, schwankt wohl auch, schließlich weiß man aber ganz genau, was man will, und vollbringt es auch."
„Wieder eine Ihrer vorgefaßten, in der Einsamkeit groß gehegten Ansichten! Es gibt Dinge, die wir wollen, weil sie uns behagen, und Dinge, die wir wollen, weil sie das Rechte sind, obgleich sie uns gar nicht behagen. Sollten Sie das nie empfunden haben? Was thut man nun in solchem Falle?"
Sie sah aus, als kämpften eben in diesem Augenblick jene zwei Willen in ihr. „In diesem Falle muß eben „ich möchte" vor „ich soll" zurücktreten." Sie stand auf und schickte sich an, dem Hause zuzugehen.
„Was, bei der herrlich milden, würzigen
folgende Mittheilung des Staatssekretärs: Ihm sei weder etwas bekannt von einem Abkommen zwischen Japan und Rußland, noch von einem Bündnisse zwischen Eng land und den Vereinigten Staaten von Nordamerika. — Abg. Dr. Lieber ersuchte um Aufklärungen darüber, aus welchen Einzelforderungen die Ge- sammtforderung im Betrage von 5 Millionen Mark sich zusammensetze, und ferner um eine Mittheilung darüber, weshalb diese Forderung nicht im Nachtrags-Etat in ihren einzelnen Theilen aufgeführt worden sei. Gleichzeitig wies Dr. Lieber darauf hin, daß ehedem bei der Aufstellung der ersten Kolonial-Etats auch Bauschsummen gefordert und bewilligt worden sind. Staatssekretär Tirpitz erwiderte, er habe den Versuch machen lassen, einen speziellen Etat aufzustellen. Aber dies habe sich als unmöglich erwiesen. Im Vordergründe steht der Regierung nach dieser Erklärung des Marine-Staatssekretärs jedenfalls die wirthschaft- liche Entwickelung von Kiautschou. Molenbauten, Löschplätze und Lagerplätze für Maaren sind noth- wendig an der Ostseile der Bucht. Diese Arbeit muß die Marine-Verwaltung auf sich nehmen und kann nicht privater Unternehmung überlassen werden.— Danach gelangte ein Bericht des Geschwader-Chefs in Kiautschou zur Verlesung, der sehr beifällig von der Kommission ausgenommen wurde. — Abg. Nadbyl (Centr.) bemerkte, es sei zweckmäßig, daß wie es den Anschein hat, die Kolonial - Abtheilung des Amtes nicht mit Kiautschou befaßt werden soll. Und er erkannte nach den voraufgegangenen Mittheilungen an, daß der Nachtrags Etat für Kiautschou jetzt nur als Bauschquantum bewilligt werden könne. — Der Nachtrags - Etat für Kiautschou wurde schließlich mit allen Stimmen gegen die Stimmen der Sozialdemokraten angenommen.
Aus dem Reichstage.
«O 80. Sitzung vom 30. April 1 Uhr.
Am Bundesrathstische: Graf Posadowsky, v. Podbielski, v. Goßler.
In dritter Lesung werden debattelos angenommen die Gesetzurkunde zum We ltpostv ertrag, das Gesetz betr. die Handelsbeziehungen zum britischen Reiche und das Gesetz betreffend die elektrischen Maßeinheiten. Das Gesetz betreffend die Naturallei st ungen für die bewaffnete Macht int Frieden gelangt darauf zur 2. Berathung.
Abg. Ärockmann (Centrum) gibt seiner Befriedigung darüber Ausdruck, daß durch die neuen Bestimmungen vielen Klagen ein Ende gemacht wird, insbesondere über die Heranziehung zu Vorspanndiensten. In mancher Beziehung werden die Wünsche der Bevölkerung nicht g rnz erfüllt. Aber ich sehe diesmal von einer Stellung von Anträgen ab. ,
Abg. Arueck (natlib.) schließt sich dem Vorredner att. Das Ges etz wird darauf unverändert angenommen. Es folgt die erste Berathung des Antrages Wachem (Centrum) betreffend Ergänzung des Zolltarifes durch Einführung eines Zollsatzes von 300 Mark für 100 Kilo ganzseidener, nngemusterter, taffetbindiger Rohgewebe, tn gebleichtem und ungebleichtem Zustande, nur aus Seide des Maulbeerspinners (Bombyx mori) bestehend, ohne jede Beimischung von Floretseide, oder Seide vom Eichenspinner und beiderseitig mit festen Kanten gewebt.
In Verbindung damit wird zur Berathung gestellt der Antrag Wiinch Ierver (natlib.): Die verbündeten Regierungen zu ersuchen, im Verordnungs- oder Gesetzgebungswege baldigst dafür zu sorgen: 1) daß zur Veredelung durch Waschen, Bleichen, Appretiren, Färben und Bedrucken auf Grund des § 115 des Vereinszoll-
Luft wollen Sie fort ins dumpfige Haus, statt hier ein wenig weiter zu plaudern! Warum denn nur?"
Ein kurzes 'Zögern, dann rückte sie tapfer mit der Wahrheit heraus. „Weil mein Vater es nicht billigt, wenn ich in seiner Abwesenheit mich mit jemand unterhalte. Dann auck, weil es bald Zeit wird die Mutter zu fahren."
Ach, immer das langweilige Fahren! Lassen Sie es doch durch Ihre Dienerin besorgen."
Hedwig lachte fröhlich auf. „Wie lange kennen Sie uns doch. Herr von Hardanger, daß Sie uns immer noch nicht richtig einschätzen?"
„Wie lange? Als ob ich Sie das ganze Leben gekannt hätte . . . das ganze Leben kennen sollte."
Sie überhörte die Bemerkung. „Etwas über vierzehn Tage, und noch haben Sie nicht herausgebracht, daß wir nicht vornehm und nicht verwöhnt sind, deshalb auch keine Dienerin mitgenommen haben. Ich bin es nicht anders gewöhnt, als die Mutter zu fahren."
„Auch in Colmar?" ,
„Auch dort. Ich würde es in einer Weltstadt thun, da es der Mutter so angenehm ist."
Einen Augenblick schwieg er; dann sagte er plötzlich: „Ein beklagenswerthes, ein grauenvolles Leben, das Ihre! Immer an Kranke geschmiedet !"
„Die Kranken sind meine Eltern, Herr von Hardanger!"
„Freilich, freilich! Sie werden mir von Pflicht erzählen wollen und von derlei schönen Dingen mehr, herrlich in der Theorie, haarsträubend in der Praxis. Sie haben nie einen Ball mitge-