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mit Zlnterßaltungs-Aeitage „Mustrirte Sormtags-Jeiümgff

JK 96.

JuLöcr, Freitag, den 29. April 1898

25. Jahrgang.

<£ Viehzucht und Getreidebau bildeten am letzten Mittwoch die hauptsächlichen Gegenstände der Berathungen des preußischen Abgeordnetenhauses. Diese Berathungen nahmen eine solche Gestalt an, daß sie eigentlich in den Reichstag gehört hätten. Und thatsächlich sind sie für alle deutschen Bundesstaaten genau ebenso wichtig geworden, wie für Preußen. Denn so­wohl der Reichskanzler und Ministerpräsident Fürst zu Hohenlohe als auch die preußischen Minister Dr. Bosse und Freiherr v. H a m m e r - stein gaben Erklärungen ab, die für die Gesetz­gebung des Reiches und für seine Wirthschafts- politik außerordentlich wichtig sind.

Daß derlei im preußischen Abgeordnetenhaus« verhandelt wird statt im Reichstage, geschah am letzten Mittwoch bei weitem nicht zum ersten Mal. Man liebt es in Berlin, das so einzu­richten. Und diesmal gaben nun auch die konser­vativen Abgeordneten Ring und v. Mendel- Steinfels noch eine besondere Veranlassung dazu. Dieser Antrag bezieht sich, wie man weiß, auf die Einführung weiterer Maßregeln gegen Viehseuchen und allgemeine Einführung der obli­gatorischen Fleischbeschau. Die Antragsteller er­suchen die preußische Staatsregierung darum, auf eine Revision der Bestimmungen über die Einfuhr von Vieh aus seuchenverdächtigen Ländern, bei der Reichsregierung hinzuwirken, einheitliche Vorschriften gegen die Seuchenverschleppung im Jnlande für ganz Preußen herbeizuführen, der pathologischen Bekämpfung der Seuchen durch Aus­setzung von ausreichenden Staatsmitteln und Heranziehung des praktischen Versuchs im Großen die Wege zu ebnen. Außerdem aber ersucht der Antrag in einem zweiten Theile um sofortige Einführung der pflichtmäßigen Einfuhrbeschau in ganz Preußen und für alle ausländischen Fleisch- emfuhren, um Errichtung von Schlachtviehver­sicherungen, gesetzlich geregelte Verwerthunq von etwa beschlagnahmtem Fleisch und um Einwirkung beim Bundesrathe dahin, daß eine gleichwerthige Kontrolle von Fleisch und allen Fleischwaaren an allen Grenzen Deutschlands eingeführt werde. Alle Parteien, auch die Freisinnigen, stehen dem Antrag sympathisch gegenüber. Und da auch die Vertreter der Regierung erklären, daß sie ganz und gar auf dem Boden des Antrages stehen, so herrschte fast vollkommene Einmüthigkeit im ganzen Hause — ein seltenes Bild!

Die Hauptsache nber waren, wie schon erwähnt, die Erklärungen des Fürsten Hohenlohe und der beiden Minister. Fürst Hohenlohe theilte mit, daß dem Bundesrathe ein Gesetzentwurf vorgelegt werden soll über die Einführung der obligatorischen Fleischbeschau im ganzen Reiche. Dabei sollen gegenüber der ausländischen Einfuhr von Fleisch­und Fleischwaaren, „mindestens gleichwerthige hygienische Vorsichtsmaßregeln zur Anwendung gelangen müssen, wie gegenüber den inländischen Erzeugnissen gleicher Art. Bei der Vorbereitung des Reichsgesetzes wird auch der Punkt der zwangsweisen Schlachtoiehoersicherung mit in Er­wägung zu ziehen sein und ebenso eine zweckmäßige Verwerthung der Konfiskate." Der Reichskanzler sagte also im Voraus die Erfüllung aller Forderungen zu, die der Antrag in seinem zweiten Theile er­hebt, und zwar für das ganze Reich.

Hohe Ziele.

Roman von L. von Neidegg.

10 ------- (Nachdruck verboten.)

Die Tugenden der Frau Butz kümmerten Frau Hardanger sehr wenig; dagegen hätte sie gern erfahren, wohin die Leute sich begeben; sie meinte, dieselben seien nach irgend einem Gasthof gefahren, war aber ihrer Sache durchaus nicht sicher. Hingegen kehrte sie immer wieder zum alten Gegenstand zurück: dem Glück, das ihren Nachbaren widerfahren und ihrer uneigennützigen Freude darüber. Davon hatte Frau Hardanger übergenug gehört, in ihrer unverbindlichen Weise unterbrach sie die Wäscherin, wünschte derselben guten Tag und begab sich aus den Nachhauseweg.

Sie war sehr nachdenklich geworden: hier war ein ungewöhnlicher und dazu unaufgeklärter Vorfall. Theilnahme empfand sie ja gar keine für die Leute, aber es lag ihr daran. Bestimmtes über dieselben zu erfahren. Diesen Wunsch, den gewöhnliche Sterbliche als Neugierde bezeichnet haben würden, nannte sie verbessernd: Bedürfniß nach Klarheit. Kaufmann Burkart war ver- muthlich der einzige, der ihr Aufschluß verschaffen konnte; diesen also beschloß sie unverzüglich auf­zusuchen.

Diesmal traf sie ihn zu Hause an. Er führte sie in sein kleines, hinter dem Ladenlokal ge­legenes Geschäftszimmer, wo er, die klugen Augen auf ihr Gesicht geheftet, aufmerksam ihrer Er­zählung folgte, ohne durch irgend eine Aeußerung sie zu unterbrechen.

„Nun sagen Sie mir aber, wer eigentlich die

Als Medizinalminister stellte der Kultusminister Dr. Bosse fest, daß die Staatsregierung auch dem ganzen Antrag sympathisch gegenüber steht und „gründliche Arbeit machen will", und der Landwirthschaftsminister Frhr. v. Hammer st ein ergänzte diese Mittheilung dahin, daß die Ver­waltungsbehörden des Reiches in diesem Sinne schon in erfreulicher Weise der preußischen Re­gierung entgegen gekommen sind.

Das sind Mittheilungen, mit denen die Land- wirthschaft ebenso zufrieden sein kann, wie die Fleischer und die Verbraucher des Fleisches, und es bleibt nur noch der Wunsch übrig, daß alle zuständigen Stellen im Reiche mit der preußischen Regierung darin übereinstimmen, daß sie einmal gründliche und auch schnelle Arbeit machen wollen.

So ganz nebenher hat außerdem der Minister von Hammer st ein eine Bemerkung gemacht, die noch ganz besondere Beachtung verdient, aber augenscheinlich im Abgeordnetenhause selbst viel­fach kaum in vollem Maße gewürdigt worden ist. Der Minister hat nämlich den Ausspruch gethan, er sei überzeugt davon, daß „Deutschland, wenn es auf dem bisherigen Wege weiter fortfahre für die Getreide-Versorgung ebenso, wie auch für die Fleischversorgung der Bevöl­kerung unabhängig vom Auslande fich machen könne und machen werde."

Der Minister sprach, so kann man sagen, da­mit „ein großes Wort gelassen aus". Die nächste Schlußfolgerung daraus würde die sein, daß wir bei unseren zukünftigen Handelsverträgen gar nicht mehr auf die Einfuhr von Getreide, Vieh und Fleisch aus dem Auslande Rücksicht zu nehmen brauchten, weil wir in Deutschland selbst genug davon erzeugen, um die Bedürfnisse unserer ganzen Bevölkerung davon zu befriedigen.

Das würde sicherlich ein recht erfreulicher Zu­stand sein. Aber vorläufig sind wir noch ein ganz gutes Stück von diesem Zustande entfernt, und wenn unsere Industrie sich so fortentwickelt, wie jetzt im Verhältniß zur Landwirthschaft, so ist vorläufig nicht recht einzusehen, wie wir in absehbarer Zeit zu diesem Zustande gelangen sollten. So ganz geheuer schien dem Herrn Minister die Sache selbst nicht zu sein. Denn er warnte gleichzeitig vor den Bestrebungen, die Deutschland am liebsten auf wirthschaftlichem Gebiete mit einer chinesischen Mauer umgeben wollen, und diese Warnung ist gegenwärtig sehr am Platze.

Deutsches Keich.

Berlin, 28. April.

* Die Zeit der politischen Enten beginnt dies­mal früh im Jahre, noch vor dem Anfänge der heißen Zeit: so ist in der Presse noch einmal die falsche Nachricht aufgetischt worden, daß der Rücktritt des preußischen Ministers von der Mecke nahe bevorstehe. Die Bemerkung, die früher an dieser Stelle der falschen Nachricht entgegengehalten wurde, gilt auch heute: Herrn von der Recke würden, wenn er ginge, schwerlich Thränen nachgeweint werden. Aber vorläufig geht er noch nicht!

X Von mehrere« Blättern war berichtet worden, der Oberpräsident der Provinz Leute sind," schloß Frau Hardanger ihren Bericht.

„Franz oder Peter Butz und seine Ehefrau," erwiderte der Stadtrath Lelaffen, und nur ein leises Zucken der Mundwinkel verrieth, daß es ihn belustige, diese stolze Unnahbare kleinen Schwächen zugänglich zu finden.

Sie warf hochmüthig den Kopf zurück. „Ich bin nicht hier, um zu scherzen, Herr Stadtrath," antwortete sie würdevoll. „Da ich mich dieser Leute anzunehmen hatte, steht mir auch das Recht zu. Sie zu fragen, wer sie eigentlich sind. Sie elbst sagten mir, daß die Butz bessere Tage ge­kannt, daß ihre Lebens-Schicksale ganz unge­wöhnliche sind."

„Daß sie bessere Tage gekannt, wiederhole ich auch heute noch ; von ungewöhnlichen Schick­alen habe ich meines Wissens nicht gesprochen. Butz war leichtsinnig und ist außerdem ohne sein Verschulden um sein Vermögen gebracht worden; das ist nichts Außergewöhnliches, wenn es auch gottlob nicht häufig vorkommt. Die Frau hat mit Aufopferung zu ihm gestanden, das ist schon außergewöhnlicher. Daß den Leuten eine Erb- chaft zugefallen ist, die sie aus dem Elend reißt, das allerdings kommt höchst selten vor. Möge Butz sich bessern und des unerwarteten Glückes ich würdig zeigen."

Frau Hardanger stand auf. „Sie haben Recht, Herr Stadtralh; es ist nicht der Mühe werth, über diese Leute nur ein Wort zu ver- l eren. Er wird nichts Besseres sein, als ein Krämerssohn, und sie ist wohl eine Ladenmamsell gewesen; jedenfalls läßt er sich jetzt als Wirth nieder oder als Inhaber eines Spezereigeschäfts

Posen, HerrMikamowitz-Mölrendorf, werde dem nächst von seinem Posten zurücktreten. Auch an dieser Stelle war diese Nachricht erwähnt worden. Jetzt glaubt die freikonservative,Post' „bestimmt" versichern zu können, daß die Nach­richt unrichtig ist und der Oberpräsident im Amte bleibt. Auch das wird jetzt in Abrede gestellt, daß der kommandirende General des posenschen Armeekorps, von Bomsdorff, um seinen Abschied einkommen wolle. Die ehedem an dieser Stelle geäußerten Anschauungen über die Ministerialverordnung für die Beamten in den Provinzen mit gemischter Sprache werden dadurch natürlich keineswegs beeinflußt.

ft Mit dem Gesetze über das Dienstem- kommerr der Geistlichen wird ein wunderliches Spielchen getrieben. Wer die beiden Gesetze über das Diensteinkommen der evangelischen und der katholischen Geistlichen sich nur einigermaßen angesehen hat, der weiß, daß die Katholiken eher Grund zu Beschwerden hätten über Bevorzugung der andern Seite, als gerade diese andere Seite selbst. Aber jetzt wird der Spieß umgedreht, und es finden sich einige findige Leute, die aus dem X. ein U. zu machen verstehen und behaupten das Gegen- theil sei derFall. Das ist nun eine erwünschteGelegen- heit für die amtl. Berliner Korrespondenz, um in ganz ernsthaftem Tone folgende Versicherung von sich zu geben: „Durch die Zeitungen wird die Be­hauptung verbreitet, daß bezüglich der Regelung der Gehaltsfrage der Geistlichen die katholische Kirche vor der evangelischen von der Staatsre­gierung in tendenziöser Weise bevorzugt worden sei. Diese Behauptung ist im vollen Umfange unrichtig und beruht aus Unkenntniß der Ver­handlungen der Synoden, sowie der Bestimmungen der vorliegenden Gesetzentwürfe..." Auch ohne diese feierliche Versicherung sind die preußischen Katholiken überzeugt davon, daß Herr Staats­minister von Miquel nicht aus ganz besonderer Freundschaft für die katholische Kirche dem Ge­setzentwürfe über das Diensteinkommen der katho­lischen Geistlichen eine Fassung geben ließ, die im Ernste Veranlassung sein könnte für den Arg­wohn, daß der Herr Finanzminifter dabei die katholischen Geistlichen vor den Protestanten be­vorzugen wollte.

— Heute, am Donnerstag, hat die Kom­mission des preußischen Abgeordnetenhauses für das Gesetz über das Diensteinkommen der Geistlichen ihre Berathungen fortgesetzt. Finanzminister von Miquel gab dabei die Erklä­rung ab, daß er sich mit dem Kultusminister da­hin verständigt habe, die staatliche Beihilfe sür leistungsunfähige Gemeinden im Ganzen um 450000 Mark zu erhöhen, wovon 300 000 Mk. auf die evangelische und 150000 Mark auf die katholische Seite entfallen. Nach ziemlich langer Debatte wurde der erste Artikel des evangelischen Kirchengesetzes in der Fassung der ersten Lesung mit allen gegen drei Stimmen angenommen.

X Ueber die „lex Keiutze" äußern konser­vative Blätter, namentlich die ,Deutsche Tages­zeitung' des Bundes der Landwirthe, daß es bei einiger Anstrengung wohl doch noch möglich sein werde, das Gesetz vor dem Schlüsse des Reichstages zur Annahme zu bringen. Hoffent­lich behalten diese Zeitungen Recht! Die Wichtig-

und bleibt meinem Gesichtskreis entschwunden. Meiner Pflicht als Vereinsmitglied bin ich hier­mit nachgekommen und habe berichtet. Jetzt sage ich Ihnen guten Morgen."

Damit rauschte sie zur Thüre hinaus.

Im Garten sprang ihr Hermann entgegen, der seine Freistunde hatte. „Denke Dir, Mama, wer wohl vor einer halben Stunde hier vorüber­gefahren ist?" rief er ihr zu. Der Weg zur Eisenbahn führte nämlich an einer Seite des Gartens vorüber, und Hermanns Vergnügen war es, die Fahrenden und Gehenden zu beobachten, wie oft auch die Mutter ihre Mißbilligung über diese plebejische Geschmacksrichtung ausgesprochen hatte.

„Wie soll ich das wissen? Es ist mir auch höchst gleichgiltig.

„Das wird Dich aber doch intereffiren, Mama," fuhr er unbeirrt fort. „Es war die Frau, die vor einiger Zeit mit dem kranken Kinde am Garten stand. Diesmal war sie sehr gut ange­zogen, saß neben einem Manne und hatte das Kind auf dem Schooß, das lustig lachte. Mich freut, daß das Kind gesund ist, aber die Frau hätte uns nicht anlügen, sich nicht arm stellen sollen."

„Alle Menschen lügen, wenn sie ihren Vor- theil dabei finden," sagte die aufrichtige Mutter. Mit diesem Ausspruch war für sie die Angelegen­heit abgethan.

3.

Es war in den letzten Karnevalstagen, in der Dämmerung eines März-Nachmittages. Die von Bozen nach Gries führende Straße war beinahe menschenleer. Abgebrochene Akkorde einer Tanz-

keit des Gegenstandes würde ganz besondere An­strengungen in diesem Sinne rechtfertigen — noch mehr: es kommt uns so vor, als verlange er solche sogar!

* Darmstadl, 28. April. Das hessische Ministerium hat nunmehr das Ausschreiben über die Anstellung von zwei Assistentinnen für den Fabrikinspektorendienst gegen ein jähr­liches Gehalt von 2000 Mark erlassen. Die Be­werberinnen haben ihre Eingaben bei dem Mini­sterium mit einem selbstgeschriebenen Lebenslauf, dem Zeugnisse über die seitherige Thätigkeit in ähnlicher Stellung beizufügen sind, einzureichen.

* Attenönrg, 28. April. Die Ergebnisse der Landtagswahlen liegen nun sämmtlich vor. Die Sozialdemokraten haben zu den bis­herigen vier Mandaten ein fünftes hinzugewonnen und zwar in einem ländlichen Wahlkreise. Von den gewählten 30 Abgeordneten sind 12 Guts­besitzer, 7 Kaufleute und Gewerbetreibende, 8 Bürgermeister, 3 Kommerzienräthe, 2 Landräthe und je ein Lehrer, Rechtsanwalt und Rentner.

* Mürzvnrg, 28. April. Der Landtags­abgeordnete Burlein in Eßleben ist geftorben. Der Gestorbene war 1837 zu Engenthal im Elsaß geboren und hatte sich 1875 in Eßleben als Kaufmann niedergelassen. Von 1890—1893 war er Mitglied des Reichstages, seit 1887 der Ab­geordnetenkammer. Er gehörte dem Centrum an.

Aus dem Reichstage.

-V 77. Sitzung vom 28. April 1 Uhr.

Am Bundesrathstische: Die Staatssekretäre Graf Posadowsky, v. Podbielski, Frhr. v. Thiel- mann.

Zur Berathung steht zunächst die aus dem inter­nationalen Postkongreß in Washington hervorge­gangene Vertragsurkunde.

Staatssekretär ». podviekski gedenkt zunächst der Verdienste des verstorbenen Staatssekretärs Dr. v. Stephan um das Zustandekommen des Weltpostvertrages und gibt dann einen Ueberblick über den Umfang des bis heute zu Stande gekommenen internationalen Verkehrs. Deutsch­land hat au h auf dem letzten Kongreß erreicht, daß seine sämmtlichen Anträge angenommen wurden: das Straf­porto für unfrankirte Postkarten ist auf die Hälfte herab­gesetzt; das Meistgewicht für Waarenproben und für Packele ist den Wünschen des Handelsstandes entsprechend erhöht worden für erstere auf 800 Gramm, für letztere auf 5 Kilogramm; der Postanweisungsverkehr ist ein­heitlich gestaltet worden. Angesichts dieser Vortheile bittet Redner, dem Vertrage die verfassungsmäßige Zu­stimmung zu ertheilen.

Damit schließt die erste Berathung; der Vertrag wird sofort in 2. Lesung ohne weitere Diskussion ge­nehmigt.

Es folgt die erste Berathung des Gesetzes betreff, die Handelsbeziehungen zum britischen Reiche, durch das dem Bundesrath die Ermächtigung ertheit wird, Großbritannien und seinen Kolonien bis zum 30. Juli 1899 diejenigen Vortheile einzuräumen, die vom Reiche den Angehörigen oder den Erzeugnissen des meistbegünstigten Landes gewährt werden.

Staatssekretär Graf posadowsky bittet, dieses Gesetz anzunehmen. Der Handelsvertrag mit England läuft mit dem 30. Juli dieses Jahres ab. Eine Einigung über den Vertrag mit England und seinen Kolonien hat bis jetzt noch nicht vereinbart werden können. Auch in der kurzen Zeit, während deren der Reichstag noch versammelt sein wird, ist die Vorlegung eines neuen Abkommens nicht ausführbar. Deshalb haben die ver­bündeten Regierungen die in dem Gesetze enthaltenen Vollmachten nachgesucht. Sie würden von denselben keinen Gebrauch machen, wenn nicht von englischer Seite völlig gleichwerthige Zugeständniffe gemacht würden. (Beifall.)

Musik, von einem Windhauch herübergetragen, erklangen leise dann und wann, und Jauchzen und Jubiliren aus den Dorfwirthshäusern störte den stillen Abendfrieden

Der elegant gekleidete junge Mann, der lang­sam Gries zuschlenderte, horchte auf, so oft solch ein Ton sein Ohr traf, und sagte sich mit stillem Neid, daß die Bauernburschen da drüben es doch viel besser hätten, als er, der die lustigen Karnevalstage fern von der Heimath, einsam, alle gewohnten Vergnügungen entbehrend, ver­bringen mußle.

Wie um ihm zu zeigen, daß e8 schlimmere Leiden gäbe wie die seinen, mischten sich plötzlich andere Töne in die der Heiterkeit. Von fern )er klang eine klagende Frauenstimme herüber, )eifere§ Lachen und das Scherzen verworren durch­einander redender weinseliger Männer antwortete derselben. Der junge Mann strengte seine Augen an, um die hereinbrechende Dunkelheit zu durch­dringen, und es gelang ihm, auf der Straße, auf der er ging, in einiger Entfernung etwas zu ent­decken, was einem Menschenknäuel gleich sah. Seinen Schritt beschleunigend, hatte er denselben bald erreicht.

Zwei Damen bildeten den unfreiwilligen Mittelpunkt einer lärmenden Gruppe; die eine saß in einem Fahrstuhl, den die andere, eine hohe, schlanke Gestalt, lenkte. Bezechte Burschen, auf der Wanderung von einem Wirthshause in das andere begriffen, hatten die Frauen ange­halten, sie mit rohen Scherzen belästigt und for­derten nun von der.jüngeren, was sie „Wegzoll" zu nennen beliebten, das heißt einen Kuß, bevor sie ihr gestatteten, ruhig ihres Weges weiter zu ziehen.