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KuKmerMZeitung

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mit Jlnterßaltungs-Aeitage „Mustrirte Sonntags-Zeitung"

•Ä 95. Mit einer Beilage. JulHa, Donnerstag, den 28. April 1898

25. Jahrgang.

Der spanisch-amerikanische Kriegsschauplatz.

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Es sind dies die unterseeischen Kabel, die Kohlenstationen und Docks. Von unterseeischen Kabeln wird vornehmlich der Norden des Atlan­tischen Ozeans durchquert, nicht weniger als 8 Linien gehen von Irland, 2 von Landsend und 2 von der französischen Westküste nach Kanada und dem Norden der Union. Von der Küste der letzteren aus ist Kabelverbindung nachßder briti­schen Bermuda-Gruppe, ferner nach Westindien und von da die Küste Südamerikas entlang. Von der europäischen Küste gehen über Spanien Kabel nach den Azoren, Madeira, den Kanarischen und Kapverdischen Inseln, die Küste Afrikas ent­lang und direkt nach Südamerika.

Die spanischen Besitzungen sind, wie das Mutterland in Europa, an der Westküste Nord­afrikas, sowie in Westindien (Cuba, Portorico) durch schwarze Signatur markirt, die nordameri­kanische Union durch gekreuzte stärkere Schraf- firung.

Nach der Madame ihrem Besuch halte der Butz einige Tage sich vorzüglich gehalten; er hatte seine Frau in der Pflege des Kindes treu unterstützt, wie er denn, wenn nicht der leidige Saufteufel über ihn gekommen, für Frau und Kinder immer höchst liebevoll gewesen war. Der Doktor war öfter in's Haus gekommen, hatte allerlei verschrieben und auch die Hoffnung gemacht, daß das Kind daoonkommen könne. Sie, die Muhr­mann, hatte allerdings seinen Worten nie getraut, denn der Kleine war viel zu gescheidt gewesen für seine Jahre; für die Mutter natürlich, ja für die war des Arztes Ausspruch wie das Evangelium gewesen, lieber Abzahlung einiger Schulden, Arzt­besuche, Apotheke war das Geld ausgegangen, und Butz fah sich wieder um Arbeit um. Er be­stürmte seinen bisherigen Prinzipal um solche und kam dann ganz rasend nach Hause, weil dieser ihm erklärt hatte, er würde es für unverantwortlich halten, einen so leichtsinnigen Menschen ferner zu heschäftigen, wo es so viele ordentliche Leute gäbe, die sich um Arbeit bemühten. Sie war dem halb Wahnsinnigen nachgeschlichen, um oben etwaiges Unglück zu verhüten, und es hatte ihr beinahe das Herz abgedrückt, wie sie so vor der Thüre ge­standen und das Toben des Mannes, das Weinen der Frau angehört hatte. Endlich war er etwas ruhiger geworden, wenn er auch noch immer die schlechten Menschen verwünschte, die ihn so weit gebracht hätten und seinen Untergang verantworten müßten. Die Frau sprach ihm zu, so schön, wie man es nur im Gebetbuch lesen kann: er möge

die sich nur im Dock repariren lassen, in großer Zahl zu erwarten sind.

Das „Para bellum“ ist von beiden Parteien in vollstem Umfange befolgt, aber nicht, weil man den Frieden wollte, und der Krieg ist nun­mehr im Gange. Jeder Tag kann die Kunde vom Beginn des Kanonendonners bringen.

* Madrid, 27. April. Die Langsamkeit der spanischen Flottenbewegungen be­ginnt in weiten Kreisen Unwillen hervorzurufen. Um demselben zu begegnen, legt die offiziöse Presse dar, das spanische Publikum dürfe an die spanische Marine nicht Anforderungen stellen, die sie kompromittiren müßten. Man spreche viel von einemH and streich auf die amerikanische Küste. Das sei schwieriger, als Viele dächten. Spanien müsse seine Kräfte schonen und den rechten Augenblick abwarten. Denn es habe weniger Mittel als sein Gegner, etwaige Schäden zu repariren. Er dürfe nicht Siege suchen, die es ruiniren müßten. Das Publikum solle nichts Unmögliches und nichts Unvorsichtiges fordern.

aufgehobenen Händen, ihr und den Kindern zu Liebe nicht stolz zu sein, sondern jede Arbeit an­zunehmen. Butz hatte dies versprochen und sich dann auch zum Gassenkehren wie zum Holzmachen gemeldet; natürlich war seine Arbeit nichts werth gewesen, weil ja alles erst gelernt sein will, und so hatte man ihn nicht wieder beschäftigt. In der Verzweiflung hatte er dann jeden Pfennig verwendet, sich einen Rausch anzutrinken. „Den gibt es gleich, wenn man nichts zu beißen hat und in den leeren Magen hineintrinkt", entwickelte die biedere Waschfrau mit großer Sachkenntniß.

Mittlerweile war es mit dem kleinen Hans bergab gegangen und eines Abends so schlimm geworden, daß die Butz in ihrer Herzensangst zum Doktor lief. Der verschrieb etwas und schärfte dabei ein, es ja pünktlich zu gebrauchen. Mit den letzten Pfennigen, welche die Butz müh­sam zusammengesucht, war deren Mann in die

* Madrid, 27. April. Im Senate sprach sich der Bischof von Toledo Kardinal Sancha in einer patriotischen Ansprache für die Einigung Aller gegenüber dem Feinde aus, er erklärte, er sowie der Bischof von Valladolid, Kardinal Cascajares, stimmen der Adresse^ an die Krone zu. Diese Haltung des hohen Klerus wird hier sehr beifällig besprochen. — Der Senat heschloß, morgen in corpore der Königin- Regentin die Adresse zu überreichen.

* Madrid, 27. April. Die spanische Regierung hat an die Großmächte eine Cirkularnote als Ergänzung ihres Schreibens vom 18. ds. Mts. gesandt. Sie bedauert darin die Nothwendigkeit, in Folge des schändlichen Vorgehens der Ver­einigten Staaten zur Wahrung der nationalen Würde und des Staatsgebietes an die Gewalt appelliren zu müssen. Die Note schließt mit der Erklärung, daß das spanische Volk den Angriff mit stiller Gemüthsruhe erwarte, entschlossen, das Leben theuer zu verkaufen und energisch sein Recht zu vertheidigen, sowie in Amerika zu bleiben

Apotheke gegangen, das Mittel zu holen. Stunde um Stunde blieb er aus; endlich kam er halb sinnlos heim, ohne Arznei, ohne Rezept, ohne Geld. Ob er alles verloren, oder was er damit gethan, konnte sie, die Muhrmann, nicht sagen. Sie vermuthete, er habe wahrscheinlich wieder von dem bösen Gift genommen, denn ein Schutz­mann hatte ihn taumelnd auf der Straße ge­funden und heimgeführt.

In aller Frühe war der brave Herr Doktor schon wieder dagewesen, nach dem Kinde zu schauen; als er es röchelnd gefunden und erfahren, was sich zugetragen, da hatte er zornig gerufen: Wer das Mittel verloren, der ist mit schuld am Tode des Knaben! „Es hat mich ganz ge-

da mrterlebt, das merkwürdigste Ereigniß ihres I um Gottes willen alles ertragen, und bat ihn mit Lebens gewesen; ihr Bericht wollte denn auch •* 1 * — -

schier kein Ende nehmen.

> An den Küstenorten sind weiter alle dort vor­handenen Kohlenstationen angegeben, da deren ; Vorhandensein in der Seekriegsführung unserer 1 Zeit, wo nur noch Dampfschiffe ohne Segel Der« wendet werden, von außerordentlicher Bedeutung 1 ist. Die Kohlenstationen sind (vergl. die Zeichen­erklärung) je nach der Größe des in ihnen auf­gestapelten Kohlenvorraths durch verschiedene Signaturen markirt, auch ist durch einen Pfeil­strich neben einigen angezeigt, ob in der betref­fenden Station Einrichtungen zur schnellen Ueber- nahme von Kohlen vorhanden sind.

Das Vorhandensein von Docks in den ver­schiedenen Küstenstädten ist durch Einzeichnung kleiner Rechtecke bei den Namen derselben ver­merkt. Docks sind im modernen Seekriege von ganz außerordentlicher Bedeutung für die Wieder­instandsetzung von verletzten Schiffen, weil gegen­wärtig in viel größerem Maße als früher sich der Angriff gegen ein Schiff gegen den Unter- wasfertheil desselben richtet (Torpedos, Minen, Ramme) und daher Verletzungen unter Wasser, | nicht gleich sei mit Tennenbachs verschollenem Studienfreund. Ihr Mann mochte nichts von der Burgholz'schen Angelegenheit hören, war auch der letzte, der sich bemüht hätte, einem Geheimniß auf die Spur zu kommen; was hier zu erreichen war, das mußte durch sie geschehen. Der Besuch bei jenen armen Leuten, den sie über kurz oder lang doch zu wiederholen hatte, würde ihr die gewünschte Aufklärung bringen, setzte sie voraus, und sie nahm sich deshalb vor, ihn bald zur Ausführung zu bringen.

Damit hatte es aber gute Wege. Bald kam ihr dies, bald jenes Hinderniß, und Nächstenliebe, die sie gedrängt hätte, theilnehmend nach der verlassenen Frau zu sehen, und die alle Hinder­nisse geebnet haben würde, war bei ihr nicht zu finden. So kam es denn, daß einige Zeit ver­strichen war, ehe sie nach der Wolfsgasse zurück­kehrte. Wieder stieg sie voll Abscheu die vier Stockwerke hinauf, und wieder fand sie Frau Muhrmann, die redselige Waschfrau, neben ihrem Waschfaß auf dem Flur. Es war dies augen­scheinlich deren Lieblingsposten, auf dem sie genaue Hauspolizei üben und jede Gelegenheit ergreifen konnte, ihrer Geschwätzigkeit freien Lauf zu lassen.

„Gehen Sie nicht hinauf, Madame!" rief sie in ihrer breitesten Sprechweise Frau Hardanger zu, die stumm an ihr vorüber wollte. „Oben ist alles leer. Alle sind fort."

„Ja, was ist denn geschehen?" fragte Frau Hardanger verblüfft.

Die Muhrmann, entzückt, eine willige Zuhörerin gefunden zu haben, ließ sich nicht zweimal bitten und fing sogleich zu erzählen an von dem, was sich bei Butz zugetragen. Jedenfalls war, was sie

Langsamer als wir dies bei den Kontinentalstaaten Europas in Folge des deutschen vorbildlich gewordenen Musters gewohnt sind, haben sich die einer vollständigen Mobilmachung entsprechenden Rüstungen der beiden Staaten vollzogen, ein Zeichen, daß ihre Wehrkraft bei weitem nicht auf der Höhe der Zeit steht. Hunderte von Millionen wurden von beiden Seiten ausgegeben und Preise für Waffen, Schiffe und Ausrüstungs­gegenstände damit bezahlt, welche den normalen Werth der Sachen oft um das Doppelte übersteigen. In aller Eile wurden namentlich Seekriegsmittel der verschiedenen Art beschafft, ganze fertige oder in Aus­rüstung begriffene fremde Kriegs­schiffe und Handelsdampfer gekauft, um die eigene Kriegsflotte zu ver­stärken, aber es darf dabei nicht übersehen werden, daß ein Quantum gekaufter Schiffe noch keine Kriegs­flotte ist, sondern gerade hier in be­sonders hohem Grade der Werth einer kriegsmäßigen Ausbildung von Mannschaften und Führern ins Ge­wicht fällt und die Geschwader- sührung eine Beherrschung des leben­den wie todten Materials erheischt, die durch die Komplizirtheit des letzteren noch ganz außerordentlich erschwert wird.

Der spanisch-amerikanische Kampf wird sich vornehmlich auf dem At­lantischen Ozean abspielen, in dessen westlichen Theile er bereits begonnen hat, wir bieten deshalb unfern Lesern in beistehendem Kartenbilde eine Darstellung des hier in Betracht kommenden Theiles desselben, die alle Angaben enthält, welche zur Beurtheilung in kriegsmaritimer Hinsicht sind.

Hohe Ziele.

Roman von L. von Neidegg.

0 ------- (Nachdruck verboten.)

Frau Hardangers Erwartung, Tennenbach würde seinen Aufenthalt in F. doch noch verlängern, sollte sich als trügerisch erweisen. In der kleinen Stadt, in der ein Jeder genau vom Treiben des Anderen unterrichtet war, hatte sein Erscheinen eine Art Ereigniß gebildet, die Kunde seiner Ab­reise verbreitete sich also schnell. An dieselbe knüpften sich Bemerkungen, wie sie unter müßigen Menschen, ob in großen, ob in kleinen Städten, nie fehlen. Während die einen ihn zum Himmel erhoben, unter ihnen General v. Dittberg, der Oheim seiner Zukünftigen, erinnerten andere an seine stürmische Jugend, an die tollen Streiche, die er im Bunde mit Gleichgesinnten verübt. Neben einem Legendenkreis über seine Vorzüge entstand ein gegentheiliger Sagenkreis, dessen In­halt ihn zu einem zweiten Faust machte.

Frau Hardanger hörte alles und lachte. Für sie war Tennenbach weder die heldenhafte Licht­gestalt noch der dunkele Misfethäter dieser Klein­städter; jedoch beschäftigte sich ihre Einbildungs­kraft feit diesem unverhofften Wiedersehen weit mehr wie bisher mit dem Jugendfreund. Sie hatte wahrnehmen können, daß seine Bewunderung für sie nicht erloschen; die Huldigung, die er ihrem Geiste, ihrer Schönheit dargebracht, hatte ihr wohl- gethan, und alles, was ihn betraf, hatte an Werth für sie gewonnen. Daher kam es denn auch, daß in ihr die Neugier sich regte, herauszubringen, ob jener verkommene Mann, der Abschreiber Butz,

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