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mit Anterßattungs-Aeilage „Illustrirle Sonntags-Zeitung" Vetersgajse tlr. 2 (Darmonie).

M 93.

JuLöa, Dienstag, den 26. April 1898

25. Jahrgang

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K> Die Neuwahlen zum Reichstag sollen, wie berichtet, am 16. Juni stattfinden! Zwischen heute und diesen Neuwahlen liegt nur noch eine kurze Spanne Zeit. Und doch hat man heute noch keine Antwort auf die Frage: was wird die Losung sein? Noch niemals ist dies bisher dagewesen.

In den Jahren bis 1887 herrschte Fürst Bis­marck mit dem Liberalismus. Das war die große Zeit der nationalliberalen Partei, die Aera Lasker, die Periode des offenen Kulturka mpfes. Das war auch die Zeit, in der das Centrum zum ersten Male nahezu 100 Sitze im Reichstage er­hielt. Es wurden im Jahre 1874 gewählt 158 Nationalliberale, 55 Konservative, 49 Fortschrittler. Das Centrum, das 1871 nur 63 Mitglieder ge­zählt hatte, war auf 91 gestiegen, und erreichte bald ungefähr 100 Mandat. Seitdem hat es nur geringe Schwankungen in der Zahl seiner Reichstagsmitglieder zu verzeichnen. Die Sozial­demokratie besaß nur 9 Mandate. Auch die Wahlen von 1877 fanden unter demselben Losungs­worte statt. Aber schon ging es damit zu Ende. Die gemäßigten Liberalen gingen auf 141 zurück, die Fortschrittspartei auf 35. Die beiden konser­vativen Fraktionen stiegen auf 178, die Sozial­demokraten auf 12,

Bei den Wahlen von 1878, die nach der Auflösung infolge des Nobiling'schen Mordanfalls unter der Parole des Sozialistengesetzes stattfanden, setzte sich diese Entwickelung weiter fort. Die gemäßigten Liberalen hatten nur 199 Mandate erlangt, die Fortschrittspartei nur 26, dagegeü waren die beiden konservativen Fraktionen aus 116 angewachsen. Da erfolgte die durch­greifende Aenderung der Handelspolitik. Unter dem Eindrücke dieser Aenderung gingen die Wahlen von 1881 vor sich. Die nationalliberale Partei trennte sich in ihren damaligen rechten und linken Flügel. Es erfolgte eine Stärkung des Libera­lismus im Ganzen, zugleich aber eine Links­schiebung innerhalb desselben; es wurden 47 Nationalliberale, 46 Sezessionisten, 60 Mitglieder der Fortschrittspartei gewählt (im Ganzen 153 Liberale gegen 135 im Jahre 1878), dagegen nur 78 Konservative beider Fraktionen. Die Sozial­demokraten erhielten wieder 12 Sitze. Am Ende dieser Legislaturperiode vereinigten sich die Sezes- ffonisten und die Fortschrittspartei zur deutsch­freisinnigen Partei, die somit 106 Mitglieder zählte. Aber bei den nachher vorgenommenen "Wahlen von 1884 fiel diese Zahl auf 67. Es wurden dann außerdem 51 Nationalliberale ge­wählt. Die beiden konservativen Fraktionen stiegen wieder auf 106 Sitze. Die Sozialdemokraten

Hohe Ziele.

Roman von L. von Neidegg.

*7 ------- (Nachdruck verboten.)

Es war eine zahlreiche Gesellschaft, welche die Neuangekommenen beim Präsidenten vor­fanden. Alles, was in F. zur guten Gesellschaft sich rechnete, hatte hier seinen Vereinigungspunkt: Adel und Offiziersfamilien, Prosefforen und Künstler, Großindustrielle und einige der ange­sehensten Bürger. Ein Gemurmel ging durch die Reihen beim Eintritt des Ehepaares: man flüsterte sich bewundernd zu, wie merkwürdig gut Frau Hardanger sich konservire. Hardanger, der zu den beliebten Persönlichkeiten gehörte, fand sich sofort von Freunden umringt, die ihn warm be­grüßten, von denen jeder ihn zu seiner Tarock­oder Whistparthie beschlagnahmen wollte.

Weniger warm war der Empfang, der Frau Hardanger zutheil wurde. Wenn auch alles einig war im Lobe ihrer Schönheit, in der Bewunderung ihres Geistes — im ganzen ging man ihr doch mit einer gewissen Scheu aus dem Wege. Die einen fürchteten ihr scharfes Urtheil, andere schreckte ihre überlegene Redeweise zurück, nur wenige Auserlesene waren es immer, die ihre Nähe aufsuchten, und in der Regel bestand eine gewisse ehrsürchtige Leere um sie herum. So fehlte es ihr denn nicht an Muße, sich nach dem­jenigen umzusehen, der für sie die Hauptperson bei dem Feste war.

Bald hatte ihr scharfes Auge ihn auch heraus­gefunden; er stand an einem Ende des Saales, den Mittelpunkt einer Gruppe älterer Herren, die

Deutsche» Reich.

Berlin, 25. April.

* Der ,Metzer Zeitung' zufolge trifft nach den bis jetzt als zuverlässig geltenden Meldungen das Kaiserpaar am 4. Mai in Urville ein und kommt bereits am Tage darauf zum Besuch nach Metz, um u. A. einer Einladung zur Tafel im Bezirkspräsidium Folge zu geben. Dort wird das Kaiserpaar dem Fackelzuge, dessen Abhaltung genehmigt wurde, beiwohnen und Abends nach Urville zurückkehren. Auf sonst geplante größere Kundgebungen hat der Kaiser dankend verzichtet. — Wie die ,Leipz. Reuest. Nachr.' erfahren, hat der Kaiser eine offizielle Feier seines 10jährigen Regierungsjubiläums am 15. Juni abgelehnt. Der Tag soll in Preußen ebenso wie der Geburtstag des Landesherrn gefeiert werden.

* Es hat langer Zeit und mannigfacher Ver­handlungen bedurft, bis die Formen festgestellt werden konnten, die bei dem Zusammentreffen des Prinzen Keinrich und des Kaisers von China beobachtet werden sollen. Nament­lich die Frage war sehr schwierig zu lösen, ob der Beherrscher des „himmlischen Reiches" vor dem Prinzen Heinrich sich erheben sollte oder nicht. Lange Zeit hindurch hat er sich geweigert, das zu thun; denn die Hofetiquette des Reiches der der Mitte kennt das nicht, daß ein Kaiser vor einem Sterblichen von seinem Sitze sich erhebt. Bisher paßte diese Vorschrift für alle vor­kommenden Fälle. Denn es ist bisher noch nicht vorgekommen, daß der bezopfte Kaiser in seinem eignen Palaste ein Mitglied eines großen euro­päischen Herrscherhauses zu empfangen hatte. Nunmehr ist dies anders geworden. Aber die Diplomaten sind auch dieser höchst schwierigen Frage Herr geworden, und es ist nun entschieden: Seine Majestät von China wird sich vor dem Prinzen Heinrich erheben. Nach dem vereinbarten Pro­gramm wird dieser letztere bei seiner Ankunft auf dem Pekinger Bahnhof von den kaiserlichen Prinzen und dem Tsung-li-Uamen (dem Staats- rathe) empfangen und zur kaiserlich deutschen Ge- sandtschast in Peking geleitet werden. Am Tage daraus wird Prinz Heinrich in Wan-schau-wan, der Sommerresidenz des chinesischen Kaisers, diesem einen Besuch abstatten. Der Kaiser von China wird sich erheben, und dann wird sich Prinz Heinrich neben ihn auf den Ehrenplatz setzen. Gleich nach diesem Besuche wird der Kaiser dem Prinzen Heinrich einen Gegenbesuch machen, den dieser letztere in einem Gebäude innerhalb der Gürten von Wan-schau-wan em­pfangen wird. Dieses Gebäude wird dem Prinzen Heinrich vorübergehend als Wohnung überwiesen. Auch die Kaiserin-Mutter will den Prinzen Heinrich empfangen und hat Befehl gegeben, alle Palastanlagen zu zeigen, die vordem noch nie­mals der Fuß eines Europäers betreten hat.

X Der Meichstag nimmt, wie bekannt, heute (Dienstag) seine Berathungen wieder auf. Auf der Tagesordnung dieser ersten Sitzung nach den Osterferien stehen die erste Lesung des Gesetz- kalte berechnende Frau — er war wieder der arme Student, voll schöner Träume, bereit, der­jenigen, die er liebte, sein Alles zu Füßen zu legen; sie war wieder das junge Mädchen, dessen Herz stürmisch klopfte, und das in dem Geliebten den Helden gefunden, freilich einen kurzen Augen­blick nur, bis ihre kühle Natur die Oberhand gewonnen, und sie mit unnachsichtiger Hand das Spinnengewebe ihrer Träume gewaltsam zerrissen hatte.

Bald genug forderte auch diesmal beider Eigenart ihr Recht; die weichen Regungen wurden zurückgedrängt, und sie waren wieder die welt­klugen Leute, die im Gefühle der eigenen Ueber- legenheit und mit einer Art Geringschätzung auf die übrige Menschheit herabsahen. Frau Har­danger beglückwünschte Tennenbach zu seiner Be­förderung und meinte, nun würde er wohl bald als Minister seinen Einzug halten in der Haupt­stadt seines engeren Vaterlandes. Mit einem etwas spöttischen Lächeln erwiderte er, dieser Jugendtraum habe etwas kindlich Bescheidenes gehabt, auf das er beinahe mitleidig zurückblicke; seinen jetzigen Anschauungen könne dies Ziel nicht mehr genügen. Ec freue sich aufrichtig, daß die Verhältnisse sich nunmehr so entwickelt hätten, daß der Deutsche nur mehr ein Vaterland habe, ihm mithin in jenem Land und Ländchen Spiel­raum gegeben sei, der Gesammtheit zu dienen. Er trete in den Reichsdienst; dadurch könne man alles erreichen ... am Ende gar Reichskanzler werden, scherzte er.

Sie fühlte sich wie elektrisirt von den kühnen Worten. So mußte der Mann sprechen, dem sie gern sich untergeordnet hätte; warum nur hatte

verdoppeln ihre Anzahl; sie erlangen 24 Mandate, und konnten zum ersten Male als besondere Fraktion auftreten, wozu 15 Mitglieder gehören.

Die beiden nächsten Wahlen standen unter dem Zeichen des Kartells und des Anti­kartells. Im Januar 1887 wurde der Reichs­tag wegen der Verwerfung der damaligen Militär­vorlage, der Septennat-Vorlage aufgelöst. Es folgten die Kartell-Wahlen. Diese ergaben 99 Nationalliberale, nur 32 Deutsch-Freisinnige, aber 121 Konservative beider Fraktionen. Die Zahl der Sozialdemokraten war wieder auf 11 gefallen. Das gerade entgegen gesetzte Bild zeigten die Wahlen von 1890, die unter dem Einflüsse des Antikartells stattfanden, nur 42 Nationalliberale, nur 93 Deutsch- und Frei­konservative, aber 66 Deutsch-Freisinnige und 35 Sozialdemokraten. Und bald nach diesen Wahlen erfolgte der Rücktritt des Fürsten Bismarck.

Der Auflösung des Reichstags wegen der Septennats-Vorlage, war der Kartell-Reichstag von 1887 gefolgt.

Und wieder wurde der Reichstag im Jahre 1893 aufgelöst, als die Militär-Vorlage des Grafen Caprivi abgelehnt wurde. Auch diese Neuwahlen, mit der Wahlparole eines Militärgesetzes brachten der Regierung insofern einen Sieg, als sie eine kleine Mehrheit für die Militärvorlage brachten, die alsdann vom neuen Reichstage angenommen wurde. Aber zum ersten mal traten die Sozialdemokraten mit starker Mit­gliederzahl auf den Plan: 44. Und zum ersten­mal hatten auch die Antisemiten erwähnenswerthe Erfolge zu verzeichnen. Sie zogen mit 13 Mann in den Reichstag ein.

Die Regierung hat es bekanntlich schon längst versucht, ein Schlagwort auch für die Wahlen dieses Jahres in die Massen zu schleudern. Herr Johannes von Miquel hat es erfunden: es ist das Schlagwort von der sogenannten Politik der Sammlung. Aber bis jetzt hat dieses Schlag­wort vollkommen seine Wirkung verfehlt. Und getrost kann man annehmen, daß es während der nächsten 6 Wochen nicht mehr sehr viel an Zug­kraft gewinnen wird. Herr von Miquel's nächste Freunde, die Konservativen, suchen die Politik der Sammlung so vollkommen für sich allein auszubeuten, daß allen anderen die Augen auf- gegongen sind darüber, was diese sogenannte Sammlung eigentlich zu bedeuten hat, eine neue Auflage des alten Kartells unter konservativer Führung. Und das Wiederaufleben der alten Mischmaschpolitik gefällt vielen Konservativen selbst nicht. Das Centrum kommt durch das Fehlen eines zugkräftigen Schlagwortes am wenigsten von allen politischen Parteien in Verlegenheit. Stärkungdes wirthschaftlich Schwachen, Versöhnung wirthschaftlicher Gegen- sätze,Aufrechterhaltungderverfassungs- gemäßenFreiheitendesVolkes,nament­lich des Wahlrechtes zum Reichstage, Beseitigung der Reste des Kulturkampf es, Erhaltung und Stärkung idealer Ge­sinnung im Volke — das sind ganz klare, unzweideutige Wahlschlagworte. Sie ergeben sich von selbst. Und sicherlich werden sie auch ihre Wirkung nicht verfehlen. Nur eifrig und einig braucht das Centrum in den Wahlkampf einzutreten, __iii ii MMgBMMBM ■■■■■■■■■■ l

mit sichtlichem Interesse aus seine Worte hörten — kam er doch aus Berlin, das eben zur Reichs­hauptstadt geworden^hatte er doch im Reichstag gesessen und brachte eine fast kosmopolitische Luft in den engen Dunstkreis der Provinzstadt. Frau Hardanger studirte seine Züge; schön war er nie gewesen, aber wie klug war deren Ausdruck, wie feurig blickten seine Augen! Er war hager und gelb geworden, wie einer, der viel arbeitet und Darüber die Nacht zum Tage macht, aber wie gut stand ihm das! Wie konnte sie nur in diesen entschlossenen Zügen nicht besser gelesen haben in jener fernen Jugendzeit, nicht erkannt haben, daß dies ein Mann sei, wie gemacht, um über andere sich zu erheben! O, über jene un­selige Aufwallung, der sie nachgegeben hatte . .! Sie seufzte auf.

Der aufmerkfame Blick, mit dem sie den Jugendfreund studirte, mußte eine Art magnetischer Wirkung auf ihn ausüben, denn seine Augen schweiften plötzlich von den ihn umgebenden Herren ab und begegneten den ihren. Mit Genugthuung beobachtete sie den freudigen Aufblick, der das strenge Gesicht erhellte, den unverkennbaren Aus­druck der Bewunderung, der auf demselben sich zeigte.

In der nächsten Minute stand Tennenbach neben ihr und begrüßte sie mit jener Herzlich­keit, die um so wohlthuender berührt, wenn sie einer an sich verschlossenen Natur gleichsam wider deren Willen entspringt. Heber beide war es wie eine Welle von Jugendfrische gekommen beim gegenseitigen Anblick. Beim ersten Austausch der Worte war er nicht der rastlos emporstrebende, ehrgeizige trockene Mann, sie nicht die Herzens­

und es wird auch diesmal ungeschwächt daraus hervorgehen.

entwurfs über die elektrischen Maßeinheiten, die zweite Berathung der sogenannten lex Heintze und Berichte der Wahlprüfungs-Kommission. Das Parteiorgan der Konservativen, die ,Kreuz-Ztg/, gibt der Hoffnung Ausdruck, daß aus der vom Centrum beantragten lex Heintze nun wirklich ein Gesetz werden möge. Das ist in der That ganz besonders dringend zu wünschen. Hoffentlich ist die Haltung des konservativen Parteiblattes ein gutes Vorzeichen dafür, daß diese Wünsche that- sächlich in Erfüllung gehen. Man hat indessen damit zu rechnen, daß die Linke des Hauses alles aufbieten wird, um die Annahme des Gesetzes zu vereiteln. Dies könnte ihr gelingen, wenn der Reichstag infolge schwachen Besuches beschlußun­fähig sein sollte. Außerdem hat der Reichstag immerhin noch ein ganz ansehnliches Arbeits­pensum zu erledigen. Von den Novellen zu den Justizgesetzen sind noch durchzuberathen die Konkurs ordnung und die Novelle zur Civil- prozeßordnung. Die erstere ist von der Kommission einstimmig angenommen worden, wird also auch im Plenum ohne weiteres angenommen werden. Die letztere wird dagegen im Plenum des Reichstages noch manche Debatten veran­lassen. Dann hat noch die militärische Straf­prozeßordnung die dritte Lesung durchzumachen.

(*) Am 17. Mai soll in Köln eine Dele- girten-Versammlung der rheinische» Kenlrnmsparlei stattfinden, so hat derProvin- zial-Ausschuß der rheinischen Centrumspartei am letzten Samstag beschlossen. In Aussicht genom­men ist ferner ein allgemeiner rheinischer Partei­tag. Die Berathungen des Prooinzial-Ausschuffes haben, wie nicht anders zu erwarten war, voll­ständige Hebereinstimmung über die Ge­sichtspunkte ergeben, welche für die Neuwahlen zum Reichstage maßgebend sind.

* Heber die Auslegung der Wähkerkiste» itt Preußen veröffentlicht der,Staatsanzeiger' folgende Bekanntmachung:

Nachdem durch kaiserliche Verordnung vom 22. d. Mts. bestimmt worden ist, daß die Neuwahlen für den Reichstag am 16. Juni d. I. vorzunehmen sind, setze ich auf Grund des § 2 des Reglements vom 28. Mai 1870 (Bundes-Gesetzblatt S. 275) den Tag, an welchem die Auslegung der Wählerlisten zu beginnen hat, auf den 18. Mai ds. Js.

hierdurch fest.

Berlin, den 24. April 1898.

Der Minister des Innern. Frhr. v. d. Recke.

x Dem Reichstage ist heute, am Montag, der angekündigte Gesetzentwurf über die Kaudeks- öezietjuugen zwischen Dentschkand und Oroß- vritannien zugegangen. Danach soll dec Bundes­rath ermächtigt werden, den Erzeugnissen Groß­britanniens und der britischen Kolonien bis zum 30. Juli 1899 diejenigen Vortheile einzuräumen, die den meistbegünstigten Ländern gewährt wer­den. Der Vorlage ist auch eine kurze Begründung gleich beigegeben worden.

* Der Iorderuug von 5 Millionen Mark sür Kiautschou ist eine Begründung bei­gegeben, in der es heißt: Es entstehen persönliche und sächliche Ausgaben. 1. für die Civilver- waltung des Gebietes. An die Spitze der Verwaltung soll ein Gouverneur treten mit dem erforderlichen Personal. Außerdem ist ein richter­licher Beamter in Aussicht genommen. 2. Für die Garnison: Zur Zeit befindet sich in Kiaut-

er diese Sprache erst so spät gelernt! „Sie haben Recht," gab sie zur Antwort. „Will man es über­haupt zu etwas bringen, muß man sich die höchsten Ziele stecken; mit einem Flügelschlage bringt sich Der Muthige dann hoch empor, und nur so ist das Leven werth, überhaupt gelebt zu werden. Wer hingegen am gemächlichen Vorwärtstrotten sich genügen läßt, der bleibt, mißachtet und verhöhnt, schließlich am Wege liegen."

„Es ist schön, bei unserer ersten Begegnung so ermuthigende Worte von Ihnen hören zu dürfen; ich sehe dies als gute Vorbedeutung an, vielver­sprechend für meinen hiesigen Aufenthalt."

„Wird es ein längerer fein?"

„Keinesfalls. Doch hoffe ich, lange genug, um mir einige Male den Genuß verschaffen zu können, mit einer Frau zu verkehren, die männ­lichen Geist mit seltener Anmuth vereint."

Sie, die jede Schmeichelei wie eine Art Schimpf von sich wies, erröthete in aufrichtiger Freude bei diesen von einem bewundernden Blicke be­gleiteten Worten.

„Ich habe von Ihren literarischen Abenden gehört," fuhr er fort, „an denen Sie alle Geistes­größen bei sich sehen, welche die Stadt birgt. Würden Sie mir gestatten, mich zu einem solchen bei Ihnen einzufinden?"

„Kommen Sie doch gleich übermorgen," be­jahte sie eifrig. „Neben unfern hiesigen Geistes- Helden, von denen die meisten recht nebelhaft verschwommenen Theorieen huldigen, wird es wahr­haft erquickend sein, einem Manne von zielbewußtem Streben' zu begegnen."

Sie hatte sich in einer Fensterbrüstung nieder­gelassen ; er rückte einen Sessel an ihre Seite,