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SääSätä“' mit Zlnterßattungs-Deikage „IÄustrirte Sonntags-Zeitung" “XÄlÄisr*”'
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JuCöa, Samstag, den 23. April 1898
25 Jahrgang.
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Wochen-Rundschau.
(Nachdruck verboten.)
X Fulda, 23. April.
Diese letzte Woche hat den Wiederbeginn der parlamentarischen Arbeiten in verschiedenen Bundesstaaten gebracht. Der Reichstag dagegen wird seine Sitzungen wie bekannt erst wieder am 26. April aufnehnien. Das preußische Abgeordnetenhaus hatte gleich an seinem ersten Tage eine interessante Verhandlung, nämlich über die Anfrage des konservativen Abg. von Brock- Hausen über die Haltung der Regierung zu dem Ueber- handnehmen der großen Waarenhäuser und infolge dessen Niedergange des Kleingewerbes. Konservative, Freikonservative und Centrum traten einmüthig für einen nachhaltigen Schutz des Kleingewerbes durch die Gesetzgebung des Staates oder des Reiches ein. Der nationalliberale Redner vermied es, bestimmte Stellung zu nehmen und der Abg. Gothein von der freisinnigen Vereinigung sprach getreu den manchesterlichen Anschauungen seiner Parteigenossen gegen die besondere Besteuerung der Großbazare: Laßt sie machen, laßt alles gehen, wie es geht, ob auch tausende von Existenzen dabei vernichtet werden! Leider hat auch die preußische Regierung ihre Aufgaben auf diesem Gebiete nicht richtig erfaßt. Sie will selbst nichts thun in der Sache. Sie wartet, wie der Minister von Miquel sagte, ans Vorschläge aus deni Parlamente. Aber wenn Kammern eine Unisatzsteuer für Groß oazare ein- führen ivollen, so will die Regierung dieses Bestreben unterstützen.
Die Vorgänge innerhalb der Centrumspartei haben der Presse anderer Parteien Veranlassung gegeben zu allerhand Betrachtungen — meist aber zu solchen Betrachtungen, die der Wahrheit recht fern blieben. Man lachte sich schon in's Fäustchen darüber, daß es mit der Centrumspartei in Bayern ein Ende haben, und daß infolge dessen das Centrum mit halbgebrochenem Rückgrat in den nächsten Reichstag einziehcn würde. Aber so leicht ist es doch nicht, das Centrum umzubringen. Ein bayerischer Wahlkreis nach dem andern erklärt sich für das Festhalten am alten Centruin und am alten Programm, so die Vertrauensmänner in Unterfranken und in Schwaben, in Amberg i. d. Oberpfalz und in Landshut. Andere werden folgen und bisher ist der oberpfälzische Wahlkreis Weiden allein geblieben mit seinem Beschlüsse, daß sein Vertreter im Reichstage nicht die Verpflichtung haben soll, der Centrumspartei beizuireten. Dieser Vertreter selbst aber, nämlich der Abg. Dr. Heim, den die Weidener auch wieder wählen wollen, hält am Cenlrum fest und will nicht von diesem los; und damit verliert auch der Beschluß der Weidener Vertrauensmänner seine praktische Bedeutung. Ohne Zweifel ist die Verstimmung in Bayern groß und wird nicht so leicht wieder zu beseitigen sein; und darauf muß man wohl gefaßt sein, daß bei den nächsten Reichstagswahlen einige Sitze in Bayern verloren gehen werden. Hoffentlich gelingt es, den voraussichtlichen Verlust in Bayern durch den Ge
winn an andern Orten auszugleichen. Sehr beachtens- werth sind einige Worte, die der bayerische Landtagsabgeordnete Dr. Ort er er in einer Centrumsversammlung in Köln darüber gesprochen hat. „Das Centrum", so sagte Dr. Orterer, „muß sein und bleiben eine wahre Volkspartei, mag es nun so heißen oder nicht. Dazu aber bedürfen wir des ganzen Centrums, in dem die verschiedenen Stämme und Stände Deutschlands besser, vielseitiger und vollständiger vertreten sind, als in irgend einer anderen Partei. Das ganze einige Centrum müssen wir haben. In diesem Sinne bin ich ein heißer Anhänger der Sammelpolitik. Bei unseren Gegnern guckt aus allen Löchern die Hoffnung, die Flottenvorlage möge der Anlaß sein zu einer unheilvollen Spaltung. Diese Freude mache ich unfern Gegnern nicht, so lange ich lebe. Ich sage mit Dr. Joerg: „Möge Gott es verhüten und das katholische Gemeingefühl, daß wir uns von einander trennen. Es wäre ein Unglück für beide Theile." Eine Trennung vom Centrum würde ich beklagen als Bayer und als Katholik. Die Vortheile einer Trennung sehe ich nicht ein, aber der Schaden läge auf der Hand: die einheitliche Vertretung des katholischen Volkes in Deutschland wäre zu Ende und das wäre ein gewaltiges Uebel."
Ein interessantes Ereigniß ist der Arbeiterausstand am Picsberge bei Osnabrück. Nicht Umstürzler, nicht Sozialdemokraten haben die Arbeit niedergelegt, sondern die Leute, die das gethan haben, sind stille, ruhige Leute, zum größten Theile gute Katholiken, die neben ihrer Arbeit im Bergwerke ihren Acker bebauen und der Hauptgrund der Bewegung ist die Weigerung der Bergwerksleitung, den katholischen Arbeitern die katholischen Feiertage freizugeben. Zwar wollte der Hochw. Bischof von Osnabrück den Arbeitern Dispens ertheilen für die Feiertage, um die es sich handelte, und demgemäß hat sich die katholische Geistlichkeit von der ganzen Bewegung vollständig ferngehalten. Aber die Arbeiter selbst hängen zu fest und treu an den Ueberlieferungen der katholischen Kirche, als daß sie so leicht den Besuch des Gottesdienstes an den Feiertagen sich nehmen lassen. Sie sind ganz ordnungsgemäß vorgegangen, sie haben zunächst eine Petition mit 800 Unterschriften an den Bergwerksdirektor Haarmann gelangen lassen. Darin baten sie um Zurücknahme der Verfügung, die ihnen dauernd die Feiertage nimmt. In allen Notharbeiten erklärten sie sich bereit, ja sie erkannten die gegenwärtige besonders schlechte Lage an und bekundeten dies dadurch, daß sie sich bereit erklärten, an den zunächst bevorstehenden Feiertagen in der verlangten Weise zu arbeiten. Das einzige, was sie erbaten, war eine Sicherheit dafür, daß nicht die Feiertagsarbeit am Piesberge für unabsehbare Zeit festgelegt werde. Aber die Bergwerksleitung bekundete kein Verständniß für die Wünsche und der von den Arbeitern um seine Vermittelung angerufene preußische Handelsmini st er lehnte jedes Eingreifen in kurzer und barscher Form ab. Da haben die Leute die Arbeit niedergelegt und vorläufig ist keine Aussicht auf eine Beilegung des Zwistes. Mit solcher Art von Sozialpolitik wird aber die Regierung keine Versöhnung zwischen Unternehmerthum und Arbeiterschaft herbeiführen.
In Belgien stehen Neuwahlen bevor. Nach der im Jahre 1893 neu gestalteten Verfassung besteht die Kammer aus 152 auf vier Jahre gewählten Mitgliedern. Gesetzlich sind die neun Provinzen in zwei Gruppen für die Wahlen eingetheilt. Die erste Gruppe umfaßt die Provinzen Antwerpen, Brabant, Westflandern, Luxemburg und Namur. Die zweite Gruppe besteht aus den Provinzen Ostflandern, Hennegau, Lüttich und Limburg. Alle zwei Jahre findet die Erneuerung der Hälfte der Kammern statt. In diesem Jahre ist die zweite Gruppe der Provinzen an der Reihe. Der Wahltag dieser vier Provinzen ist festgesetzt auf Sonntag, 22. Mai, und die Wahlbewegung ist bereits im kräftigen Zuge bei den Katholiken, Liberalen und Sozialisten. Von den 75 zurücktretenden Abgeordneten gehören 39 der Rechten und 36 der Linken. Unter letzterer Bezeichnung sind Radikale, Liberale und Sozialisten zusammengefaßt. Da die
Linke nur 41 Mitglieder zählt, steht diesmal fast die ganze Partei zur Neuwahl.
Durch die Bestimmung des Präsidenten der französischen Republik sind für Frankreich die Neuwahlen zur Deputirtenkammer auf den 8., die Stichwahlen auf den 22. Mai anberaumt. Was eine Wahl für Paris bedeutet, kann man aus folgenden Ziffern ersehen. Die Zahl der Kandidaten dürfte nicht weit hinter 200 zurückbleiben. Und wenn man für jeden Kandidaten nur 5000 Plakate an den Mauern von Paris rechnet, so ist die Million der bunten Papierstreifen voll. Je näher die Wahl heranrückt, desto eifriger wird das Ankleben der Plakate betrieben, desto größer werden die Buchstaben, die für den Druck der Maueranschläge verwendet werden, bis dann am Wahltage selhst die „Manöver der letzten Stunde", die „Antwort auf eine Verleumdung", „Ein letztes Wort" rc. auftauchen, um bald unter einer neuen Schicht gegnerischer Kundgebungen zu verschwinden.
Das wichtigste politische Ereigniß der Woche ist die Entwickelung, die der Streit zwischen Spanien und den Vereinigten Staate» von Nordamerika um die Insel Cuba angenommen hat. Das Parlament der Vereinigten Staaten hat sich für den Krieg erklärt. Das heißt, die beiden Häuser des amerikanischen Parlamentes haben eine Resolution angenommen, deren Ausführung die Eröffnung des Krieges unvermeidlich macht. Die Vereinigten Staaten verlangen von Spanien rundweg Räumung von Cuba und Verzicht auf die Insel. Spanien aber denkt natürlich nicht daran, so ohne weiteres sein Eigenthum von den Nordamerikanern sich rauben zu lassen. Das Volk der Vereinigten Staaten will den Krieg ! Unwillkürlich wird man dadurch an die Worte erinnert, die Moltke kurze Zeit vor seinem Tode im deutschen Reichstage über die Kriegsführer unsercs Zeitalters sprach: „Die Fürsten sind es wirklich nicht, die in unseren Tagen den Krieg herbeiführen. Die Zeit der Kabinetskriege liegt hinter uns, wir haben jetzt nur noch den Volkskrieg, und einen solchen mit allen seinen unabsehbaren Folgen heraufzubeschwören, dazu wird irgend eine besonnene Regierung sich schwer entschließen. Von außerhalb sind es gewisse Nationalitäts- und Rassenbestrebungen, überall die Unzufriedenheit mit dem Bestehenden, ohne den Willen der Regierungen und auch gegen deren Willen, denn eine Regierung, die nicht stark genug ist, den Volksleidenschaften entgegenzutreten, ist eine dauernde Kriegsgefahr." Wer ist die Regierung in den Bereinigten Staaten von Amerika? Es ist die Bockt, ertcrtnng, der Kongreß, in dessen Hände die Verfassung die gesetzgebende Gewalt gelegf hat. Allerdings ist auch der Präsident durch sein Recht, Gesetzen und Beschlüssen seine Unterschrift zu versagen, ein Theil dieser gesetzgebenden Gewalt. Sein Recht, das Vetorecht, ist aber ein beschränktes, weil der Kongreß ein Gesetz, das der Präsident verwirft, dennoch zum Gesetze machen kann, wenn eine Zweidrittelmehrheit so beschließt. Insbesondere das Recht der Kriegserklärung ist von der Verfassung dem Kongreß übertragen mit den Worten: „Der Kongreß soll die Macht haben, Krieg zu erklären, Kaper- und Repressalien- hriefe auszustellen und Vorschriften Über Prisen zu Land und zur See zu erlassen. Liegt ein Beschluß zur Kriegserklärung vor, so bedarf er, wie jeder andere gemeinsame Beschluß, zunächst der Unterzeichnung des Präsidenten. Läßt der Präsident 10 Tage verstreichen, ohne seine Unterschrift zu geben, so wird der Beschluß rechtekräftig, und der Präsident ist gezwungen, ihn auszuführen: Legt er sein Veto ein, so geht der Beschluß zur Wiedererwägung an den Kongreß zurück. Findet sich dann in beiden Häuser eine Zweidrittelmehrheit für den Beschluß, so ist derselbe trotz des Betos rechtskräftig und der Präsident gegen feinen Willen gezwungen, die zur Führung des Krieges noth- wendigen Maßregeln zu treffen. Präsident Mc. Kinley selbst ist offenbar davon überzeugt, daß ein Krieg mit Spanien unnöthig und ungerechtfertigt ist. Aber er hat es nicht verstanden, der Volksvertretung die eigne Ueberzeugung beizubringen, wie es der frühere Präsident und auch ein Vorgänger Cleveland in großen, entscheidenden Fragen vermocht hatten. Die Ver-
Kohn der Barncherzigkeit.
Eine kalte, stürmische Winternacht hatte sich über die Fluren gelagert. Nichts unterbrach die lautlose Stille des Abends als das einförmige Knarren der vom Winde bewegten Aeste und das ferne Gebell wachsamer Hunde.
Doktor Bonnet, der weit und breit bekannte menschenfreundliche Arzt, saß noch beschäftigt in seinem Albeftszimmer. Die Zeit sei, war vorgerückt und Mitternacht nahe. Die Lampe brannte immer düsterer und der Ofen versagte seine Dienste. Dies alles erinnerte Bonnet daran, daß es nun hohe Zeit, sich zur Ruhe zu begeben. Er schfttt auf sein Betpult zu, um sein Tagewerk zu beschließen, wie es einem Christen geziemt.
Horch, da klopft es hastig an die längst verschlossene Hausthüre! Doktor Bonnet ergriff, da seine Hausgenossen bereits schliefen, die Lampe, und öffnete die Thüre mit der freundlichen Frage, wer fo spät noch seine Hilfe begehre.
Eine hohe Mannesgestalt, in einen weiten ^""ntel gehüllt, den Hat in das Gesicht gedrückt, bat dringend, der Herr Doktor möge sogleich in das eine Stunde entfernte Dorf, zu dem schwer darniederliegenden Kranken kommen, den er im «rr6 heutigen Vormittags besucht habe. — »äßie", fragte Bonner erstaunt, „ist es möglich, oaß dieser Mann noch lebt? Ich habe ihn gänz
lich aufgegeben und deshalb auffrterffam gemacht, sich den Tröstungen unserer hl. Religion ohne Aufschub zuzuwenden, mit seinem Gott sich auszusöhnen und" — „O zögern sie nicht, Herr Doktor", fiel ihm der Fremde hastig ins Wort. ..Es ift eine unerwartete günstige Wendung der Krankheit eingetreten. Der Leidende hegt selber die Hoffnung der Genesung, wünscht aber zugleich sehnlichst. Sie diese Nacht noch zu sprechen." — Dabei verschwand der Fremdling in der Dunkelheit der Nacht. — „Nun, ich werde kommen", rief Bonnet ihm nach.
Kaum war eine Viertelstunde vergangen, so hatte sich der treue Franz aus seinem warmen Lager schon herausgearbeitet und den alten Schimmel in die Kutsche gespannt und fort ging es in scharfem Trabe dem Orte der Bestimmung zu. Man war bereits in dem kleinen Gehölz, welches etwa auf der Hälfte des Weges lag, angekommen, da wird der sonst so geduldige Schimmel sehr störrisch und will trotz einer Portion Peitschenhiebe nicht von der Stelle gehen.
„Aber Du siehst ja doch, daß das Schlagen nichts fruchtet," rief endlich Bonnet ziemlich heftig aus feiner Pelzvermummung heraus. „Gib die Zügel her und sieh mit der Laterne nach; es muß ein Hinderniß im Wege liegen!" — „Ach, was ift hier!" rief betroffen Franz aus, — „ein ganz erstarrter und vielleicht schon tobtet Soldat liegt im Wege." — Bei genauer Untersuchung
glaubte Bonnet an der Rettung des Unglücklichen nicht zweifeln zu dürfen. Was nun thun? In jenes Dorf ruft ihn die Pflicht zu einem Kranken, der nach der Beschaffenheit seines Leidens durch menschliche Kunst wohl einige Tage noch erhalten, aber nicht gerettet werden konnte. Vor sich sieht er einen Unglücklichen, dem schleunige Hilfe dringend Noth thut. Es ist ihm völlig klar, was die Pflicht hier gebietet. Nachdem er den Erstarrten in die Kutsche gebracht, gab er Befehl zur Umkehr und mit Sturmeseile ging es der vor kurzem verlassenen Wohnung wieder zu.
Aber wie, schon von weitem sieht Bonnet sein Haus erleuchtet, unheimliches Ahnen ersaßt ihn und Franz muß den Schimmel noch stärker antreiben. Es duldet den Doktor nicht länger in der Kutsche. Er vergißt im Augenblick, von spannender Sorge übermannt, seinen Patienten und eilt mit seinem Kutscher in das Innere des Hauses.
Unterdeß war der Soldat, der schneidenden Kälte entrückt, in der wohlverwahrten Kutsche zur Besinnung gekommen. Er dehnt sich und erhebt sich und ist voll Erstaunen über die eigentümliche Sage, in der er sich befindet. Allmählich wird er auch aufmerksam auf das vor ihm liegende hell erleuchtete Haus. Er horcht und vernimmt ein ängstliches Stöhnen, das von wüstem Gepolter unterbrochen wird. Immer klarer wird ihm, daß er nicht weit von seiner
Mittelungsversuche des Papstes und der Mächte sind ohne Erfolg geblieben. Daß aber dem Kriege schließlich gewisse Grenzen gezogen werden, wird sich als eine Pflicht der Selbsterhaltung allen europäischen Mächten von selbst ausdrängen. Ohnehin wird der Krieg Schädigungen des Handelsverkehrs zur Folge haben, die nicht zu vermeiden sind. Entscheidend bei dem Kriege muß schließlich sein, was der eine und der andere Theil a<Kühnheit, Disziplin, militärischem Talent und Zähigkeit auf bringen kann. Was die Vereinigten Staaten vermögen, weiß niemand. Ihre militärische Schulung ist seit dem Kriege im eigenen Lande zwischen Nord- und Südstaaten nicht erprobt worden, abgesehen von den Plänkeleien gegen die Jn- dianerstämme haben sie den Krieg nicht kennen gelernt. Im Vergleiche zu den europäischen Armeen erscheint ihr Bestand an kriegserfahrenen Führern und an geübter Mannschaft lächerlich genug, die Millionen Soldaten, die sie aufbringen wollen, imponiren niemanden in der Welt. Aber auch Spanien hat in seinen steten Kriegen gegen die Aufständischen im Mutterlande, wie in den Kolonien keine irgend bedeutende Feldherrnkraft hervorgebracht. Auch hier stehen wir, wenn die beiderseitigen Aussichten abgewogen werden, dem Unbekannten gegenüber. Es wird wohl darauf ankommen, wie sich die Fehler und Mängel des einen Theils zu denen des andern verhalten. So stehen wir vor einem großen Fragezeichen, das allem gilt: dem Zeitpunkt, den Streitkräften, den Kriegsplänen, den Führern, der Qualität der Mannschaften und dem Kriegsmaterial. Sicher ist nur eines: daß nämlich die moralische Verantwortung für den frivol heraufbeschworenen Krieg die VereinigtenStaaten von Nordamerika trifft.
König Otto non Kayern.
Im .Neuen Wiener Tageblatt' schildert Julius Konried das Leden und den Zustand des „Königs" Otto von Bayern wie folgt: Am 15. Juni 1886, an dem Tage, an welchem Otto von Bayern zum Nachfolger feines unglücklichen Bruders eingesetzt wurde, fanden sich in Fürstenried, der Residenz des Geisteskranken, die damaligen Kuratoren desselben, Obersthofmarschall Freiherr v. Malsen und Gardekapitän General Freiherr v. Prankh, ein, um dem Monarchen Mittheilung von dem Hinscheiden seines Bruders zu geben und ihm das Thronfolge- und Regentschaftspatent vorzulesen, welches ihn zum König erhob. Der Kranke nahm diese Mittheilungen ruhig auf, ohne irgend eine Aeußerung zu thun; die erschütternde Botschaft von dem Ableben Ludwigs II. erweckte keinerlei Gemüthserregung in ihm und ohne Bemerkung hörte er die Verlesung des Patents an. Erst als die Kuratoren ihn mit den Worten: „Eure Majestät!" ansprachen, flog ein Lächeln über das Antlitz des Königs und seine Züge erhellten sich plötzlich. Zuerst halblaut, dann mit erhobener Stimme wiederholte er: „Majestät! Majestät!" . . . Dann klingelte er nach seinem alten treuen Kammerdiener Vögele, und als dieser eintrat, rief ihm König Otto zu: „Du, jetzt mußt Du mich Majestät nennen!" Der neue Titel machte dem neuen König so viel Vergnügen, daß er an diesem Tage jeden Augenblick den Telegraphen in Bewegung setzte, um einen seiner Diener zu rufen, von denen selbstverständlich jeder mit den Worten eintrat: „Majestät befehlen?"
Zwölf Jahre sind seither verflossen; nur selten drang während dieses langen Zeitraumes eine Nachricht durch die Mauern des Schlosses Fürstenried in die große Oeffentlichkeit hinaus, bis in der Vorwoche die überraschende amtliche Meldung kam, daß König Otto an Nierenblutung leide, und daß die Behandlung der Krankheit in Heimath entfernt fein könne, und daß er sich im Hause des allbeliebten Doktors befinde. Indem er ein Unglück vermuthet, rafft er all seine Kräfte zusammen, schnallt den blanken Säbel um und geht hinein. Doch welch furchtbarer Anblick! Der Arzt und sein Diener liegen geknebelt am Boden; die Hausfrau und die Magd bluten aus vielen Wunden, während drei Raubmörder eifrigst damit beschäftigt sind, die werthvollsten Habseligkeiten einzupacken. Der erste Mörder, der dem Soldaten mii Gewalt entgegentritt, stürzt mit gespaltenem Kopf zur Erde. In einem Augenblicke sind die Banden des Arztes und seines Dieners zerschnitten. Durch den anhaltenden Tumult sind auch die Nachbarn wach geworden und zu Hilfe geeilt. Es gelang nach verzweifelndem Widerstände, der beiden andern Räuber Herr zu werden und sie dem Arme der strafenden Gerechtigkeit zu überliefern. Der getödtets Räuber hatte den Arzt in das entlegene Dorf bestellt, um ihn und seinen Diener aus dem Hause zu locken.
Die göttliche Vorsehung schützte den menschenfreundlichen Arzt; sie gab ihm Gelegenheit, christliche Barmherzigkeit an einem Unglücklichen zu üben, und dieser wurde in der Hand Gottes der Retter seines Wohtthäters. Das ist der Lohn der Barmherzigkeit!