FuUmerMIeitung
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M 90.
JuLöcr, Freitag, den 22. April 1898
Jahrgang
verantwortlich: Lür die Redaktion 3of. Saum, siir Inserate 3. parzeller in Fulda.
mit Anlerhatkungs-Aeikage „Mnstrirte Sonntags-Aeitung"
peterszasfe Nr. 2 (Harmonie).
heitsspruch Übereinstimme? Wie um die lästige Mahnung los zu werden, faltete sie eine Zeitung auseinander und bemühte sich, in deren Inhalt sich zu vertiefen. So sehr sie sich aber in der Gewalt hatte, diesmal ging es nicht, wie sie wollte. Die Buchstaben tanzten vor ihren Augen, die Gedanken kehrten zurück zu jener unwiederbringlich entschwundenen Zeit, in welcher der verarmte Edelmann der schönen Professorstochter gehuldigt. Er hatte für sehr begabt gegolten, aber seine Zeit mit leichtsinnigen Kameraden auf unverantwortliche Weise vertrödelt. Als er bei der Prüfung durchgefallen, wies sie ihn schroff ab, und Niemand ahnte etwas von dem kleinen Roman. Nicht lange darauf, und sie war — um mit der Vergangenheit zu brechen — Har- dangers Braut geworden. Tennenbach aber hatte mit entschlossenem Ruck sich emporgerafft; die glänzende Prüfung, welche er, zur Wiederholung zugelaffen, bestanden, hatte den Maßstab gegeben für sein Können. Nun, wo kein Zweifel mehr bestehen konnte, daß eine schöne Zukunft seiner harre, begegnete sie ihm wieder zum ersten Male nach jener Zeit. Wie ganz anders wäre Alles gekommen, hätte sie damals verstanden, Nachsicht zu üben! Tie Egeria eines bedeutenden Mannes wäre sie geworden, eines Mannes, berufen, dereinst eine gewichtige Rolle zu spielen . . und jetzt . .
Ungeduldig knitterte sie die Zeitung zusammen und warf sie bei Seite. Das Blatt hatte ihr den Blick auf ihren Mann verhüllt; nun sah sie ihn vor sich und hätte aufschreien mögen in ohnmächtigem Zorn bei seinem Anblick: das Buch, in dem er gelesen, war ihm aus der Hand geglitten; mit herunterhängendem Kinn, blödem Gesichts
nurthschaft daran, sich selbst zu helfen, indem sie lahrelang die fremden Arbeiter gar nicht zuließ und jetzt nur zeitweise zuläßt. Also jetzt ist die Regierung an der Reihe, auf Mittel zur Abhil e zu sinnen. Findet sie keine, so hat sie auf's neue gezeigt, daß sie zur Lösung sozialer Fragen, auch der wichtigsten und brennendsten, u n f ä h i g ist.
Lk Ländlicher Arbeitermangel.
Wer noch daran gezweifelt hat, daß die Land- wirthschäft in den östlichen Theilen des Reiches schwere Noth leidet unter dem Mangel an Arbeitern, der muß durch die Verhandlungen des preußischen Abgeordnetenhauses vom 20. und 21. April vom Gegentheil überzeugt werden. Die Redner aller Parteien stimmten darin überein, von der äußersten Rechten bis in die Reihen der Freisinnigen. Von den letzteren war es der Abg. Goth ein von der freisinnigen Vereinigung, der ebenso bestimmt die Thatsache feststellte, daß der Mangel an Arbeitern für die östlichen Landes- theile eine schwere und dauernde Nothlage bedeutet, besonders für die Landwirthschaft, aber auch für die Industrie.
Eine Ziffer, die der freikonservative Abg. Gamp anführte, läßt so recht deutlich erkennen, welchen ungeheuren Umfang der Abzug an Menschen vom Osten nach dem Westen hat: während der letzten 10 Jahre hat allein die Provinz Ostpreußen von einer Gesammtbevölkerung von 2'12 Millionen rund 300 000 Menschen mit voller Arbeitskraft verloren. Und in Schlesien ist es noch schlimmer als in Ostpreußen, in diesem Jahre ganz besonders schlimm.
Der Abg. Szmula vom Centrum hat sich ein großes Verdienst dadurch erworben, daß er durch seine Interpellation die Frage dieser ostdeutschen Arbeiternoth zur ausführlichen Be- fprechung brachte, und mit dem Abg. Szmula muß es allgemein bedauert werden, daß die Regierung ganze zwei Monate dazu gebraucht hat, um Beschluß zu fassen über die Stellung, die sie zu dieser Sache einnehmen will.
Die Verhandlungen im preußischen Abgeordnetenhause haben noch einen andern Punkt klar gelegt. Bisher ist vielfach angenommen, und namentlich von der liberalen Preffe behauptet worden, daß unter dem Mangel an ländlichen Arbeitern nur die Großgrundbesitzer leiden, die „ostelbischen Junker," wie das bekannte Schlagwort heißt. Davon kann nicht die Rede jein. Es leidet unter dem Mangel an Arbeitern und Dienstboten der kleine Grundbesitzer genau so, wie der Großgrundbesitzer. Und auch die Industrie hat darunter zu leiden.
Zahlreich sind die Gründe, die man für diesen Arbeiterzug von Oste» nach Westen verantwortlich macht — säst könnte man von einer neuen Völkerwanderung sprechen.
Da ist zuerst die Freizügigkeit. Abgeordneter Szmula führte aus, daß die Noth ihren Anfang genommen habe mit der Freizügigkeit, die zur Zeit des Norddeutschen Bundes eingeführt wurde. Die Industrie hatte großen Vor- therl davon, die Landwirthschaft Nachtheil. Als dann die Landwirthschaft sich helfen wollte, durch Heranziehung russischer und galizischer Arbeiter, trat die Regierung dazwischen und verbot den ferneren Zuzug solcher Arbeiter. Später ist der Aufenthalt fremder Arbeiter wieder für eine bestimmte Zeit des Jahres gestattet worden. Aber das genügt nicht, die Arbeiter müssen dauernd zugelassen werden, sonst wird der Landwirthschaft des Ostens nicht geholfen in ihrer Nothlage.
Die Ausführungen jdes Landwirthschafts-
ausdruck schlief er den Schlaf des Gerechten. Es war zu seinem Glücke, daß in diesem Augenblicke das Dienstmädchen erschien und meldete, das Abendessen sei au'getragen, und daß zugleich Hermann Hereinsprana, gefolgt von seinem Hauslehrer. Der Sturm, welcher im Innern der Frau tobte, hätte sich sonst in schärfster Weise Luft gemacht.
s „Komm, Emil!" begnügte sie sich zu sagen, indem sie ihn zugleich an der Schulter schüttelte. „Auf Deinen Gast zu warten, fällt mir nicht ein; der kommt doch wohl erst später." Hermann bei der Hand nehmend ging sie voraus in das Eßzimmer.
* * *
Das Abendessen war kaum vorüber, da erschien der unerwünschte Gast. Frau Clotilde hatte ihn einen Buckeligen genannt; das war indessen zu viel gesagt. Er war einfach ein unansehnliches Männchen mit einer hohen Schulter; weit störender war seine ungemeine Häßlichkeit, der breite Mund, die aufgestülpte Nase gaben seinem Gesichte etwas Widerliches. Dem Aeußern ent- fprechend war fein Benehmen, dem man allzu sehr anmerkte, daß er vorzugsweise in gemeiner Gesellschaft verkehrt und in solcher sich gefallen hatte. Die Art, wie er in feinem Lehnstuhle sich streckte, die Unbefangenheit, mit der er — von einem bösen Husten geplagt — auf den Teppich spuckte, auch wohl seine Cigarrenasche ans denselben streute — Alles an ihm war roh und ungeschliffen, eine beständige Verletzung von Frau Clotildens ästhetischem Gefühl. Den. ihm angebotenen Wein wies er zurück, verlangte dagegen nach Bier und Käse; als ihm das gebracht wurde, hob er mit den Fingern große Brocken Käse in den Mund.
gegeben, in der er eben keine schöne Rolle gespielt?"
„Buckelig ist der arme Kerl eigentlich nicht," verbesserte Hardanger, „Krämer auch nicht: Großkaufmann. Nach des alten Burgholz Tode hieß es, er habe den Theil des hinterlassenen Vermögens, der nicht von Fritzens Mutter stammte, einem Bankhaus anvertraut, welches damit spekulirt, und . . ."
„Und dieser Fritz brachte fein Schäfchen ins Trockene und gab Anlaß zu viel Gerede. Ich I kann mich dunkel erinnern, von einer unsauberen Erbschaftsgeschichte gehört zu haben, bei welcher Dein Vetter" — mit außerordentlicher Schärfe betonte sie das Wort — „sich mehr vorsichtig als edelmüthig benommen haben soll. Nun, das könnte ihm schließlich Niemand verargen. Jeder ist sich selbst der Nächste; die Grenzen, die der Anstand fordert, sollte man aber niemals überschreiten."
Hardanger äußerte kein Bedenken gegen diese sittliche Anschauung. „Fritz scheint mir sehr verändert, hoffentlich auch gebessert," meinte er nur. »Er ist kränklich geworden, steckt offenbar in keiner guten Haut und sieht aus wie Einer, der Reue kennen gelernt hat."
„Reue! Ein thörichtes Gefühl!" orakelte Frau Hardanger. „Die Vergangenheit kann Niemand ungeschehen machen; sie ist und bleibt unserer Macht entrückt. Die Gegenwart genießen, die Zukunft vorbedenken: das ist's, was^uns frommt, nicht aber schwachmüthiges Jammern über das, was hinter uns liegt."
Kam ihr in diesem Augenblick der Gedanke, wie wenig ihr eigenes Thun mit diesem Weis
geben hat, hätten größere strategische Vortheile geboten. Allein es ist unnütz, darauf zurückzu- kommen. Das Uebereinkommen zwischen der chinesischen und der französischen Regierung sichert Frankreich eine Anzahl politischer und kommerzieller Vorrechte. So sind z. B. die an Tonking stoßenden chinesischen Provinzen als zur französischen Interessensphäre gehörend anerkannt worden. Man hat sich dieser Bezeichnung bisher fast ausschließlich für afrikanische Verhältnisse bedient, aber sie kann ebensogut auf China angewendet werden. Die diplomatischen Dokumente, welche auf die Unterhandlungen der verschiedenen Mächte mit China Bezug haben, werden eines Tages der Gegenstand eines interessanten Studiums sein. Wie ist der sonst so zähe Widerstand der schlauen Mandarinen besiegt worden? Welche Jntriguen haben die verschiedenen Gesandtschaften gegeneinander gesponnen? Die Dinge liegen noch zu nahe, als daß wir sie genau kennen und richtig beurtheilen könnten. Das aber scheint uns billig und ganz in der Ordnung 8U fein, daß man wieder zu der Gleichgewichtspolitik zurückgekehrt ist, nach der auf die Vergrößerung einer Macht eine entsprechende Vergrößerung der andern Mächte folgen muß. Dieses System war als ein Vermächtniß des alten Regimes in Verfall gerathen, was zur Folge hatte, daß Riesenstaaten gegründet und alle kleinen Mächte, aber auch einige große, darunter Frankreich, geschwächt wurden. Die Rückkehr zu der guten Ueberlieferung ist eine Wohlthat für Europa im allgemeinen und für Frankreich int besonderen.
X Im Gegensätze zu den Meldungen der letzten Tage wird neuerdings von einer Berliner Zeitungs-Korrespondenz berichtet, in der Frage eines eignen bayerische« chßerste« Mikilär- gerichtsHofes fei nunmehr zwischen Bayern und Preußen die Verabredung getroffen, daß man vorläufig von einer Regelung dieser Frage Abstand nehmen wolle. In der Ausübung werde sich die Sache so gestalten, daß das neue Reichsmilitärgericht seine Befugnisse nicht auf Bayern ausdehnen, Bayern vielmehr seinen eignen Obersten Gerichtshof einstweilen behalten soll. Andrerseits soll sich Bayern verpsiichten, die Erkenntnisse des Reichsmilitärgerichtes als verbindlich anzuerkennen. Ob diese Meldung das Richtige trifft, läßt sich nicht kontrolliren. Sie fei der Vollständigkeit wegen hier verzeichnet. Im übrigen muß man nun die Entwickelung dieser Angelegenheit abwarten. Bald nach der Wiederaufnahme der Sitzungen des Reichstages wird man ja das Nähere erfahren.
* Die internationale Weichsetkommisfio«, der Regierungsvertreter Deutschlands, Oesterreichs und Rußlands angehören, ist zum Juni nach Krakau einberufen worden.
* Der neueste „große Zlnf«g", der von einem Gerichtshöfe entdeckt und mit einer Strafe belegt worden ist, beruht auf der — man höre und staune! — „Belästigung des ästhetischen Gefühls des Publikums". Die Sache kam so: Der Gastwirth Weimann in Bad Reinerz in Schlesien halte an seinem Park-Etablissement „Zur Schmelze" an der Weißtritz einer ihm unangenehmen Nachbarschaft wegen einen
Münsters v. Hammer st ein werden schwerlich jemand befriedigen. Zunächst sollen auch künftig die fremden Arbeiter nur bis zum 1. Dezember eines jeden Jahres zugelaffen fein, bann aber unbedingt wieder nach ihrer Heimath außer Landes geschafft werden. Es soll also auf jeden Fall die feste Ansiedelung der Leute hintertrieben werden. Warum? Weil sie polnisch sprechen und vielleicht auch darum, weil sie meistentheils katholisch sind. Lieber läßt die Regierung einige Provinzen Noth leiden, ja, sogar in die Gefahr einer wirthschaftlichen Krisis gerathen, als daß sie einige tausend polnisch sprechende arme Arbeiter sich ansiedeln läßt. Denn das wird wenig helfen, daß die Regierung, wie der Minister in Aussicht stellte, mit einigen Sträflingen aushelfen und bewirken will, daß ab und zu in dringenden Fällen einige Soldaten für die Erledigung von landwirthschaftlichen Arbeiten beurlaubt werden. Die Verwendung schulpflichtiger Kinder aber, von der der Minister ferner sprach, hat ihre argen Bedenken und Schulkinder können doch auch niemals als rechter Ersatz für erwachsene Arbeiter angesehen werden.
In der That haben auch die Redner der Konservativen und Freikonservativen, die doch nicht so leicht der Regierung Opposition machen, dem Minister ganz deutlich ihr Mißfallen über die zweifelhafte Haltung der Regierung zu erkennen gegeben. Namentlich der freikonservative Abgeordnete Gamp war es, der unter lebhafter Zustimmung aus dem Hause ausführte, es werde 'Niemand glauben, daß die landwirthschaftliche Arbeiterfrage in Ostdeutschland mit den Mittelchen zu lösen, die der Minister vorschlägt. Und noch deutlicher übte der Abg. Jansen Kritik an den Ausführungen des Ministers: nur Spott im Lande kann es Hervorrufen, wenn die Regierung die Noth dadurch furiren will, daß sie den fremden Arbeitern erlauben will, ganze 14 Tage länger als bisher im Lande zu bleiben!
Nur in einem Punkte hatte der Minister recht, er wies auf die Notwendigkeit hin, die Wohlfahrtspflege für die Arbeiter auf dem Lande thunlichstzu fördern. Der ländliche Arbeiter muß sich wohl und behaglich fühlen an der Stätte feiner Arbeit. Sonst wird alles Kuriren an der Arbeiternoth in den östlichen deutschen Landestheilen nur fruchtlose soziale Quacksalberei. Aber es war, als hätte dem Herrn Minister seine eigene Aeußerung von der Rothwendigkeit der Wohlfahrtspflege nachher wieder leid gethan, denn er hielt es für nöttjig, in einer späteren Ausführung den Grundsatz aufzustellen, daß „man in den Städten vielleicht die Wohlfahrtspflege weit übertreibt, daß man den Leuten das Leben viel zu angenehm macht . . . ." Leider hat der Herr Minister nicht ausgeführt, wieso es den Arbeitern in den Städten viel zu gut gehen soll Es wäre interessant gewesen, das genauer zu erfahren.
Selbsthilfe soll nach des Herrn Ministers Rath die Landwirthschaft üben. Der Rath ist billig. Thatsächlich hat die Landwirthschaft Selbsthilfe gleich von Anfang an geübt, indem sie Arbeiter aus Russisch-Polen und Galizien heranzog. Aber dieRegierung machte ja einen Strich durch diese Rechnung und hinderte die Land-
Deutsches Reich.
Berlin, 21. April.
x Während der Zeit des diesjährigen Karsermanövers, das bekanntlich in der Zeit vom 4.-9. September im Regierungsbezirk Minden stattfinden wird, will der Kaiser in Hannover und Bückeburg Wohnung nehmen. Beide Städte werden dem Kaiser bei seinem Aufenthalte dortselbst große Ovationen barbringen. Es gilt als sicher, daß der Kaiser von Bückeburg aus einen Abstecher näch den in einer herrlichen Waldschlucht liegenden fürstlichen Jagd- schlöffern „Arensburg" und „Zum Baum" unternehmen wird.
* Reichskanzler Fürst zn KohenkoHe wird sich am 22. April nach Dresden begeben, um dem König von Sachsen mit einer Abordnung des Bundesrathes die Glückwünsche desselben zu seinem Jubelfeste darzubringen.
x Nach Zeitungsberichten aus Ostasien ist in Tung-Tschang in der chinesischen Provinz Kiangsi von einem Pöbelhaufen ein Angriff gegen die katholische Mission ausgeführt worden. Der Pöbel war mit Messern und Schwertern bewaffnet. Die dort lebenden französischen Missionare riefen eine Anzahl christlicher Chinesen zu Hilfe. Ein Kampf entspann sich, bei dem einer der Priester und drei chrfftliche Chinesen getödtet wurden. Eine Abtheilung Truppen ist nach dem Orte des Aufruhrs abgegangen.
* Die „erste Weitung Khiuas« dürfte nun zu Ende fein. Jede der „entschädigungs"- bedürftigen Mächte hat ihre „Kompenfation" erhalten und das „Gleichgewicht" ist vorläufig wieder hergestellt. Frankreich, das zuletzt seinen Theil bekommen hat, ist jetzt auch zufrieden gestellt. Die französische Regierung, schreibt F. Amouretti im Pariser ,Sole'U, überläßt vorläufig Nordchina den Gelüsten Deutschlands, Rußlands, Englands und Japans, indem es fein Augenmerk auf das unseren indo-chinesischen Besitzungen naheliegende Südchina richtet. Das ist weise gehandelt. Frankreich wird fortan die Bucht von Kuang- Tschau unter ähnlichen Bedingungen besetzen, die Deutschland für Kiautfchau, Rußland für Port Arthur und England für Weihaiwei eingegangen. Das heißt, China behält feine Souveränitätsrechte über das Land, aber Frankreich darf kraft feines Pachtvertrages, der erneuert werden kann, auf dem erworbenen Gebiete nach Belieben schalten, Handelsniederlassungen errichten, sich militärisch festsetzen, eigene Gerichtsbarkeit haben usw. Durch die Besetzung der Bucht von Kuang-Tschau erwächst uns große Sicherheit für Tonking. Den- uoch hätte die Besetzung eines nördlicher gelegenen Hafens unserer Kolonie größere Sicherheit gewährt und wäre dadurch die Aktionssphäre der Republik erweitert worden. Die Peskadores- Jnseln, welche Frankreich im 1885 leider aufge-
Hohr Ziele.
Roman von L. von Neidegg.
------- (Nachdruck verboten.)
„Unsinn, Emil!" erwiderte Frau Hardanger. „Eine Frau wird nie schöner, wenn sie altert. Worauf es ankommt, ist, den Geist frisch und jung zu erhalten, ihn nicht verkümmern zu lassen im Pfuhle der Alltäglichkeit."
Eingeschüchtert schwieg Hardanger still. Nach ein paar Minuten sagte er, beinahe zaghaft: „Noch ein Besuch ist hier gewesen, Clotilde, der wird Dich aber weniger kümmern."
„Dann erwähne feiner lieber gar nicht."
Er lachte etwas verlegen: „Ich muß aber, denn er kommt wieder; ich ... ich .. . habe ihn nämlich zum Abendessen geladen."
Sie zog die Augenbrauen in die Höhe.
„Vermuthlich kommt er aber erst nach demselben," tröstete Hardanger und setzte entschuldigend hwzu: „Ich konnte nicht anders, als ihn bitten; er ffl so etwas wie ein entfernter Verwandter von mir.
Ein langgedehntes „So—o—o" war die einzige Antwort.
. _"Fa; suche Dich seiner zu erinnern. In H . rotrft Du von ihm gehört, ihn vielleicht em oder
andere Mal gesehen haben: Fritz Burgholz." „Burgholz, . . . Burgholz?" Sie sann nach.
duckeliges, überaus häßliches Männchen. ^ch glaube einem solchen einmal begegnet fern. 2ßar nicht fein Vater Rechtsanwalt?
4H|tanb der Sohn nicht darauf, Krämer zu werden?
. . . Und hat es nicht einmal eine Geschichte |