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FuKmerMZeitung

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verantwortlich: Lür die Redaktion 3of. Saum, <nr Inserate I. parzeller in Lulda.

mit Unterhaltungs-Beilage „Zssuffrirte Sonntags-Zeitung!'

JuLöct, Donnerstag, den 21. April 1898

25. Jahrgang.

Mnrntgritliiti bis Ende April

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Deutsches Deich.

Berlin, 20. April.

h Die Frage des bayerische« Iteserval- rechles auf ein besonderes Ober st es Militär­gericht ist in der Presse wieder auf der Tages­ordnung. Die Aeußerungen einzelner Blätter kennzeichnen zum Theil recht scharf die Art und Weise, in der manche Leute und Parteien über unzweifelhafte bayerische Rechte urtheilen. Wie bekanntund berichtet, hatte ein bayerischesCentrums- blatt mitgetheilt, daß Verhandlungen gepflogen werden auf folgender Grundlage: Bayern sol einen Senat des Reichsmilitärgerichtes unter dem Vorsitze eines bayerischen Generals nach München bekommen. Der ,Donau-Zeitung' zu Folge ist anzunehmen, daß die Verhandlungen über diese Frage bereits abgeschlossen seien, und daß man annehmen dürfe, es liege bereits ein befriedigendes Ergebniß dieser Verhandlungen vor, obwohl Preußen im Grundsätze das Reservatrecht des Königreiches Bayern auf einen eignen Obersten Gerichtshof nicht anerkenne. Den norddeutschen nationalliberalen Blättern gefällt es aber gar nicht, daß eine Einigung zu Stande kommen folle auf einer Grundlage, wie vorher angedeutet wurde. Die nationalliberale Berliner ,National- Zeitung' ruft höhnisch aus: „Unter dem Namen eines „Senates" des Reichsmilitärgerichtes soll ein solches Gericht (nämlich ein besonderes bay­erisches Gericht), dessen Mitglieder vom König von Bayern ernannt wären und das in dessen Namen Recht sprechen würde, in München errichtet wer­den ! Also das besondere bayerische Gericht, nur unter dem Namen eines Senates des Reichs­militärgerichts! Wir glauben nicht, daß außer­halb der klerikalen Presse jemand an ein solches „Kompromiß" denkt . . ." Und in entsprechen­dem Sinne bezweifeln andere nationalliberale Blätter, daß eine Vereinbarung auf der ange­deuteten Grundlage angebahnt sei. Thatsächlich aber würde es doch ein wichtiges Zugeständniß bedeuten, wenn Bayern mit einem bloßen Senate des Militärgerichtshofes sich begnügen wollte an Stelle des eignen Gerichtshofes, auf den es sein gutes Recht hat; und allgemein müßte im übrigen Deutschland ein solches Zugeständniß Bayerns im Interesse befriedigender Beilegung des Streites mit Freuden begrüßt werden. Anders aber denkt man, wie die angeführten Beispiele beweisen, in norddeutschen nationalliberalen Kreisen. Sie, die sonst den nationalen deutschen Gedanken in Erb­pacht zu haben vorgeben, suchen den Konflikt zu erhalten und zu schüren, möchten am liebsten

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Hohe Ziele.

Roman von L. von Neidegg.

------- (Nachdruck verboten.)

Frau Hardanger hatte Hermann bei der Hand genommen, in den Garten gezogen und das Gitterthürchen mit heftigem Ruck in das Schloß schnappen lassen. Herr Hardanger legte liebkosend seine Hand auf den Krauskopf des Sohnes, der aus den großen blauen Augen ver- ständnißinnig zu ihm emporsah. Es war dies stumme Einverständniß Beider etwas, das öfter sich wiederholte, das Frau Hardanger aber nie­mals ohne ungeduldiges Erheben ihres ganzen Nervensystems beobachten konnte. Sie war keine weichliche Natur, jede gefühlvolle Regung lag ihr fern; es war auch nicht sowohl Eifersucht, womit sie das Verhältniß zwischen Vater und Sohn betrachtete; weit eher glichen ihre Gefühle dem Aerger eines, der sich das Versagen eines Instrumentes eingestehen muß, auf welches er große Hoffnungen gesetzt. Wie ein Stich durch­fuhr es sie jedes Mal, und die schroffste, un- uebenswürdigste Seite ihr Charakters kehrte sie dann in auflammenden Zorn hervor.

»Deine zwei Gulden wärest Du nun glück- nch los," bemerkte sie spöttisch zum Kinde; „da­mit wohl jedenfalls den Rest Deines Taschen- getdes^ Bist Du Dir nun auch klar geworden, atz Du bis zum Monatsschluß Dich ohne Geld behelfen mußt?"

s u"d nur mehr wenige Tage!" lachte

t'rbin ich nicht ganz verlasfen." Damir stahl sich feine Rechte in die Hand des Vaters.

sehen, daß eine Einigung nicht zu Stande käme. Das reimt sich schlecht zusammen!

* Ueber die Rechtsfrage in der cuba- nischen Verwickelung finden wir in den .Ham­burger Nachrichten' folgendes zutreffende Urtheil: „Zum erftenmale bedroht eine überseeische Macht, welche die Grundlagen ihrer Kultur Europa verdankt, ein Mitglied der europäischen Staaten-Gesellschaft mit Krieg. Es ist ein frivol vom Zaune gebroche­ner Eroberungskrieg, den die Vereinigten Staaten unternehmen. So unverzeihlich die spanische Mißwirth- schaft auf Cuba sein mag, so gibt sie doch den Ver­einigten Staaten so wenig wie irgend einem Staate ein Recht zur Einmischung; denn die Verwaltung Cuba's ist eine innere Angelegenheit Spaniens, und daran ändert der Umstand, daß Cuba geographisch zu Amerika gehört, oder der, daß die Fortdauer des Aufstandes für den Handel und die Industrie der Vereinigten Staaten von Nachtheil ist, nicht das Allergeringste, vielmehr setzt die weltbekannte Thatsache, daß der Aufstand nur darum fortdauert, weil die Aufständischen von den Vereinigten Staaten nach jeder Richtung unterstützt werden, die echt angelsächsische Heuchelei, welche die Vereinigten Staaten in der geschraubten Begründung ihres Vorgehens be­kunden, in das hellste Licht. Dies Verhalten ist ebenso völkerrechtswidrig, wie es dasjenige Griechenlands in der kretensischen Frage war, und wir müßten uns sehr irren, wenn es sich nicht in ähnlicher Weise räche sollte."

Mittwoch früh 11 Uhr 20 Mm. hat der Prä­sident der Vereinigten Staaten von Nordamerika, Herr Mae Kinley, die Resolutionen des ameri­kanischen Parlamentes über die Ausek Kuba unterzeichnet und ebenso das Ultimatum mit seiner Unterschrift verfehen, das der spanischen Regierung zugestellt werden soll. Der spanische Gesandte vertagte sofort seine Pässe. In dem Ulti­matum wird die Räumung der Insel Cuba verlangt, und es wird Spanien ein Aufschub be­willigt, der am nächsten Sonnabend früh 6 Uhr nach Madrider Zeit abläuft. Alle Vorbereitungen sind getroffen, um die Feindseligkeiten in dem Augenblicke zu beginnen, wo der Spanien bewilligte Aufschub für die Beantwortung des Ultimatums abgelaufen ist. Es wird berichtet, daß die Häfen von Cuba und Portorico sofort blokirt werden sollen. Trotz alledem erhalten sich noch immer Meldungen, daß Präsi­dent Mac Kinley nach wie vor diplomatischen Verhandlungen zuaeneigt sei und daß er die Ab­fahrt der Heeresabtheiluna, die Cuba besetzen soll, noch im letzten Augenblicke verhindern wolle, wenn zwischen Spanien und .den cubanischm Aufstau- oischen doch noch ein Uebereinkommen geschlossen würde. Aber die Aussichten auf die Verwirk- lich«ng solcher Friedenshoffnungen sind fast gleich Null. Denn jetzt steigert sich^ auch in Spanien die Kriegsstimmung von einem Tage auf den andern; und die Zeitungen von Madrid erscheinen fortan mit einer Überschrift in Riesenbuchstaben: „Auf in den Krieg!"

x Die konservativen Abgg. Ring und von Mendel-Steinfels hatten, wie bekannt, im Abgeordnetenhause einen Antrag eingebracht auf Einführung von schärferen Maßregeln gegen die Kinschleppimg von Viehseuche« und auf Einführung der obligatorischen Fleisch­schau. Konservative Blätter äußerten sich unwillig darüber, daß die Regierung sich noch immer nicht schlüssig gemacht hatte darüber, welche Stellung sie zu diesem Anträge einnehmen will. Nunmehr wird berichtet, daßdas preußische Staatsministerium am nächsten Sonnabend die entsprechenden Be­schlüsse fassen wird. Der Antrag wird dann ver-

„So!" fuhr sie höhnend fort. „Wohlthätig- keit, ohne dabei etwas verlieren zu wollen, also? Meinst Du, Dein Vater sei thöricht genug. Dich zu unterstützen in Deiner kopflosen Großmuth? Man muß sich jede Handlung vorher genau über­legen und muß sich klar werden, ob sie uns zum Schaden oder Nutzen gereicht; nur dann ist man vor Enttäuschungen sicher."

Herr Hardanger lächelte still vor sich hin. „Ereifere dich nicht, Clotilde", bemerkte er, ohne auf Hermann's etwas enttäuschtes Gesicht zu achten; „von mir bekommt Hermann nichts; ich will ihm das Verdienst seines guten Werkes nicht chmälern. Aber was Enttäuschungen betrifft, wer wäre bei aller Klugheit davor sicher? Bist elbst Du immer davor bewahrt geblieben?" Da­nit sah er in das Gesicht mit jenem Ausdruck, )er schon in manchen die Vermuthung geweckt yatte, es sei nicht eigentlich unverbesserliche Dumm- ;eit, die Hardanger zum willenlosen Sklaven einer Frau gemacht; vielmehr sei es feine wahrhaft blinde Liebe, ^verbunden mit Sorg- osigkeit und Sehnsucht nach Frieden um jeden Preis.

Flammende Röthe überzog Frau Clotildens Wangen bei dieser keineswegs verletzenden Be­merkung. Es war nicht das erste Mal, daß ihr Mann den wunden Punkt in ihrem Innern, wenn auch absichtslos, herausgefunden und mit ungeschicktem Finger berührt hatte. Die scharfe Antwort, die sie ihm zu geben gedachte, brauchte das Kind aber nicht zu hören.

„Geh', Hermann, geh'!" — altklug, nach Art einziger Kinder, schaute er neugierig vom Vater zur Mutter und horchte auf deren Worte —

muthlich am Mittwoch, 27. April auf die Tages­ordnung der Sitzung des Abgeordnetenhauses ge­setzt werden.

* Königsberg i. Ur., 19. April. In der heutigen Sitzung der Stadtverordneten gab Oberbürgermeister Hoffmann bekannt, daß der Minister des Innern seine Beschwerde über den Oberpräsidenten Graf Bismarck, der bei der Centenarfeier sich geweigert hatte, ihm die Hand zu reichen, unbeantwortet gelaffen habe« Die Versammlung nahm mit 44 gegen 36 Stim­men eine Resolution an, in welcher sie darüber ihr Bedauern aussprach.

* Stuttgart, 20. April. Am 15. Mai, an dem Jahrestage, an welchem Papst Leo XIII. 1891 seine herrliche Encyclica Kerum novarum für die ganze Welt veröffentlichte, wird auch in diesem Jahre wieder eine große katho lische Arbeiterfeier stattstnden. Von den Veran­staltern der Feier wird gewünscht, daß das Stutt­garter Beispiel an anderen Orten Nachahmung finden möchte. Als Hauptvortrag für eine solche Festversammlung wird ein Referat über: „Die Koalitionsfreiheit des Arbeiters" empfohlen. Alle Anfragen bezüglich Abhaltung der Encyklikafeier beantwortet gerne das „Katholische Arbeitersekre­tariat Stuttgart", Urbansstraße 94, welches auch, soweit ausreichend, Redner für die Feier auf Verlangen entsendet. Gleichzeitig fei auch auf das voriges Jahr erschienen- Flugblatt: „Aus­zug aus der Encyklika Leos XIII. über die Ar­beiterfrage" aufmerksam gemacht, welches sich zur Verbreitung vorzüglich eignet. Dasselbe kann in jeder beliebigen Anzahl vom Verlag „Aktien­gesellschaft Deutsches Volksblatt" bezogen werden.

Varkame«1arische Nachrichten.

x Die Kommission des Abgeordnetenhauses für die Vorberathung des Gesetzentwurfes über die Besoldung der Geistliche« ist auf heute, Mittwoch, Abend einberufen worden. Das Plenum des Abgeordnetenhauses wird zu Gunsten dieser Kommisfion einige seiner Sitzungen ausfallen lassen. Es sind bereits Abänderungs-An­träge zu dem Gesetzentwürfe eingebracht worden, namentlich ein solcher von dem freikonservativen Abg. Haacke über die Verkeilung der für die protestantischen Bedürfnisse ausgeworfenen Ge- fammtsumme. Abg. Haacke beantragt für Zuschüsse an protestantische Prediger, die das Mindest­gehalt von 1800 Mk. beziehen, eine Summe von 600000 Mk. auszuwerfen. Diese Zuschüsfe sollen nach dem Anträge Haacke bis zu 600 Mk. jähr­lich betragen, sodaß danach thatsächlich das Mindestgehalt protestantischer Prediger 2400 Mk. jährlich betragen würde.

x Im preußischen Abgeordnetenhause haben die freisinnigen Abgg. G othein, Rickert und Wetekamp folgende Interpellation einge­bracht: „Welches sind die Gründe, aus denen die Königl. Staatsregierung die Genehmigung zur Errichtung eines von den städtischen Behörden in Breslau beschlossenen Mädchen-Gym­nasiums versagt hat?" Diese Interpellation entstammt folgender Veranlassung: Magistrat und Stadtverordnetenversammlung der Stadt Breslau hatten den Beschluß gefaßt, ein Mädchen-Gym­nasium zu errichten. Dec Kultusminister aber

„denke endlich an Herrn Obermüller und an deine fo lange vernachlässigte Stunde."

Nachdem Hermann zögernd sich entfernt, hatte sie sich aber eines Bestem besonnen und be- fchlossen, ihrem Manne nur würdevolles Schweigen entgegenzusetzen statt der heftigen Antwort, mit der sie ihn zuerst zu vernichten gedacht. So ging denn das Ehepaar in tiefem Schweigen weiter, bis der friedliebende Mann im Tone eines Men­schen, dem der Wunsch nach Versöhnung über alles geht, die Frage stellte, was denn heute los gewesen sei, daß die Sitzung so lange ge­dauert.

Stadtrath Burkart ist eben unermüdlich in seinen Bemühungen, unfern Verein zu heben!" spottete sie in ihrer herben Weise. „Er hat uns den Beschluß ausgenöthigt, daß es uns von nun an obliegt, alle diejenigen zu besuchen, welche aus der Stadtkasse Unterstützung erhalten ... so eine Art wohlthätiger Polizei zu üben."

Hardanger belachte pflichtschuldig die Bemer­kung. „Du hast doch immer originelle Gedanken, Cloti. Aber eigentlich so übet ist fein Beschluß nicht; dafür seid ihr ja da!"

„Wie Du nur so reden magst!" gab sie ge­ringschätzig zur Antwort. „Wir sind zusammen- getreten, um alten Weibern Arbeit anszntheilen und ihnen dadurch einen Verdienst zu sichern, keineswegs, um in Spelunken herumzulaufen. Herr Burkart natürlich war Feuer und Flamme für das neue Schema, das der Sekretär der Landes­mutter ihm zur Nachachtung eingeschickt. Hätte Frau von Rolshausen nicht einen ihrer seltenen lichten Augenblicke gehabt und gegen „pharisäische Protokollirung" der Armenbesuche sich ausge-

hat seine Genehmigung versagt, ohne Gründe für dieses sein Verfahren anzugeben. Auch wenn man für die Errichtung von Mädchen-Gymnasien nicht besonders schwärmt, so kann man doch un­möglich das selbstherrliche Verfahren des Herrn Kultusministers billigen, der solche Beschlüsse von städtischen Körperschaften aufhebt, auch auch nur den Schein eines Grundes dafür anzugeben. Man muß also die Interpellation der Herren Gothein und Genossen durchaus für gerechtfertigt erklären.

(*) Der bekannte konservativ-agrarische Abgeord­nete $raf o. Miröach-Sorqnitten will nach einer Meldung der ,Post' kein Mandat mehr zum Reichtage annehmen. Im Ganzen genommen sind es, wie man weiß, diesmal sehr viele Namen, die aller Voraussicht nach im nächsten Reichstage nicht mehr wiederkehren werden. Daß Graf Mir­bach nichtmehr als Kandidat sich aufstellen lassen will, ist aber auffällig und verdient besondere Beachtung.

* Mainz, 20. April. Da der Vertreter des Reichstagswahlkreises Mainz-Oppenheim Rechts­anwalt Dr. Schmitt sich entschieden weigert, nochmals zu kandidiren, wird vom Centrum der Reichstags - Abgeordnete Oberlandesgerichtsrath Roer en aufgestellt. Herr Roeren hat die Kan­didatur angenommen.

Aus dem Landtage.

-V Avgeordnetenh aus.—03. Sitzung v. 20.April11 U.

Am Ministertische:Freiherr von der Recke, Frhr von Hammerstein.

Auf der Tagesordnung steht die folgende Inter-, pellation der Abgg. Szmula, Leto cha und Stanke (Centrum):

„Ist der königlichen Staatsregierung bekannt, daß in den östlichen Provinzen — speziell in der Provinz Schlesien — sowohl bei Groß- als Kleingrundbesttzern ein derartiger Ma ngel an ständigen Dienstboten und landwirthschaftlichen Arbeitern vor­handen ist, daß die Landwirthe nicht mehr im Stande sind, rechtzeitig und rationell ihre Felder zu bestellen und abzuernten? — Auf welche Weise gedenkt die könig­liche Staatsregierung diesem Uebelstande abzuhelfen, so­fern die Zulassung russischer und österreichischer Dienst- und Arbeitskräfte — nach wie vor — nicht den Bedürf­nissen entsprechend gestattet wird?

Vizepräsident Freiherr v. Keeremau« theilt mit, die königliche Staatsregierung habe sich bereit erklärt, die Interpellation sofort zu beantworten. Zur Begründung bei Interpellation verweist

Abg. Szmuka (Centrum) auf folgendes: Zunächst bedauert Redner, daß die Interpellation erst jetzt nach 2 Monaten beantwortet werde, trotzdem ihm persönlich damals die Zusicherung gegeben worden sei, daß sie inner­halb 8 Tagen beantwortet werden solle. Die Regierung hatte nicht erst auf Berichte warten sollen über eine Sache, die seit mehreren Jahren allgemein erörtert wird. Darin kann man höchstens den Beweis sehen, daß die untergeordneten Behörden der Landwirthschast und ihren Verhältnissen nicht das genügende Interesse entgegen­bringen. Diese Kalamität rührt schon her aus der Zeit, wo uns mit dem Norddeutschen Bunde die Freizügigkeit bescheert wurde. Durch den Wegzug der Arbeiter in die Jndustriebezirke und namentlich durch die Sachsengängerei find die Arbeiter für die Landwirthschast des Ostens ver­mindert. Noch schlimmer steht es bezüglich des ländlichen Gesindes, welches man fast gar nicht mehr bekommen kann. Redner verliest zum Beweise dafür mehrere Briefe von Landwirthen der Provinz Schlesien. Für die An­siedelung von Bauern in den polnischen Landestheilen sind wieder 100 Millionen Mark gefordert. Aber durch die Ansiedelungen von Bauern bekommt man noch keine Arbeiter für Landwirthe, welche solche brauchen. Es ist der Vorschlag gemacht worden, daß die Gesinde-Ver- miether unter strenge Kontrolle gestellt werden sollen. Es ist allerdings vorgekommen, daß die Vermiether ganz ungeeignete Personen vermiethet haben, die man bald

sprachen, wäre uns noch Schlimmeres zugemuthet worden."

„Ja, die Landesmutter!" lachte Hardanger. „Mit ihren starken Nerven, ihrer unverwüstlichen Gesundheit versteht sie euch recht in Bewegung zu setzen."

Fran Hardanger antwortete nur durch ein Kopfnicken. Ihrem Manne vielleicht am aller­wenigsten hätte sie es eingestehen mögen, daß es hauptsächlich der Wunsch gewesen, dadurch Zu­tritt zum Hofe zu erhalten, der sie in den Ver­ein getrieben. Vielleicht hatte sie dies auch sich selbst nicht offen eingestanden. Wie viele Men- fchen gibt es nicht, die Komödie spielen vor sich felber, und die nur darum ihr Publikum so gut zu täuschen vermögen, weil sie felsenfest an sich glauben! Frau Hardanger galt als eine Frau von weitem Gesichtskreise; man bewunderte ihren männlichen Geist, ihre unerbittliche Logik; keiner aus ihrer Umgebung vermaß sich, sie kleinlicher Rücksichten für fähig zu halten — wie hätten da je Zweifel an der eigenen Unfehlbarkeit in ihr aufsteigen können?

Das Paar hatte die Villa erreicht, deren an­genehm durchwärmte Halle wohlthuend berührte nach der plötzlich eingebrochenen Abendkühle. Eil­fertig sprang eines der Dienstmädchen herbei, um der Herrin den Mantel abzunehmen. Frau Har­danger duldete nur weibliche Bedienung imHause.

„Es ist Besuch hier gewesen, Frau Hardan­ger," meldete das Mädchen, mit geschickter Hand die Herrin bedienend.

„Ach ja, Clöti," fiel Herr Hardanger ein; „beinahe hätte ich vergessen, es Dir zu sagen. Du hast interessanten Besuch versäumt."