FuUmrrMZertung
25. Jahrgang
Iuköa, Mittwoch, den 20. April 1898
inen.
Erscheint täglich, m. Ausnahme der Sonn- und Feiertage. Vierteljährl. Ke;ugspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld in Kulda und auswärts IM. SO Pf.
Druck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei p-tersgah'e llr. 2 (Darmonie).
stützen, die sich in finanzieller Nothlage befindet. Diese Gesellschaft ist aus landwirthschaftl. Kreisen hervorgegangen, und darum entwickelten die Blätter der genannten Richtung besonderes Interesse für dieselbe. Leider muß man, um der Wahrheit die Ehre zu geben, die Geschäftsführung der Leitung der Gesellschaft anklagen, daß sie nicht so gehandelt hat, wie sie hätte handeln sollen. Und so ist es gekommen, daß viele Landwirthe durch die genannte Gesellschaft zu Schaden gekommen sind. Diesen letzteren wäre eine Staatshilfe wohl zu gönnen. Aber von der Richtigkeit des Grundsatzes, daß der Staat verkrachten Aktiengesellschaften wieder aufhelfen müsfe, werden schwerlich viele Leute zu überzeugen sein. Thatsächlich denkt auch die preußische Regierung nicht daran, die genannte Hagelversicherungs-Gesellschaft Germania wieder mit Staatsgeldern flott zu machen. Dies wird durch ein halbamtliches Organ festgestellt mit dem gleichzeitigen Hinweise darauf, daß schon in einer Plenarsitzung des preußischen Abgeordnetenhauses vom Regierungstische aus eine Erklärung in demselben Sinne abgegeben worden ist.
x An den preußischen Handelsminister war eine Petition des Vorstandes des Centralverbandes deutscher Kaufleute mit dem Ansinnen ergangen, die Salz Syndikate zu verbieten. Jetzt hat der Handelsminister Brefeld dem genannten Verbände den Bescheid zugehen lassen, daß die Regierung es ablehnt, diesem Wunsche zu willfahren. Salmen-Konventionen, fo heißt es in dem Antwortschreiben des preußischen Handelsministers, seien zur Regelung der Produktion nothwendig. Man darf mit Sicherheit annehmen, daß weiten Kreisen der Bevölkerung diese Nothwendigkeit nicht vollkommen klar und einleuchtend erscheinen wird.
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Die neu hinzutretenden Abonnenten erhalten also die gestern begonnene Erzählung von Anfang an.
Zwischen der ursprünglichen Fassung dieser Resolution und der nunmehr angenommenen besteht ein wesentlicher Unterschied. Zuerst war nur von einer „Ermächtigung" des Präsidenten Mac Kinley die Rede, die Streitkräfte der Vereinigten Staaten im gedachten Sinne zu ver welchen. Jetzt heißt es, der Präsident wird „angewiesen und ermächtigt", so zu handeln. Die Resolution hat also eine weitere Färbung ins Kriegerische erhalten.
Nach Kabelmeldungen aus Washington heißt es, Präsident Mac Kinley fasse die Resolution des Parlamentes so auf, daß es nunmehr seinem Ermessen anheimgestellt sei, wann und wo er Gebrauch zu machen habe von den Streitkräften der Vereinigten Staaten. Und das wollen manche noch als eine schwache Friedenshoffnung deuten. Aber thatsächlich besteht ja ganz und gar keine Hoffnung mehr auf die Erhaltung des Friedens. Zunächst will nach den vorliegenden Drahtberichten Präsident Mac Kinley binnen 48 Stunden Antwort von Spanien darüber begehren, ob dieses den General Bianco von der Insel Cuba abberufen will oder nicht. Natürlich wird Spanien dies nicht thun. Der spanifche Ministerrath nahm vielmehr schon den Entwurf einer Thronrede an, in der es heißt: „Obwohl Spanien stets zur Versöhnlichkeit neigt, wird es doch niemals sein Souveräne- tätsrecht auf Cuba aufgeben. Spanien bewilligte den Waffenstillstand nur darum, weil der Papst diesen Wunsch aussprach und die Mächte dazu riechen."
Also der Krieg ist nach aller menschlichen Voraussicht nicht mehr zu vermeiden — ein Krieg, hervorgerufen durch die ungerechte Anmaßung der Vereinigten Staaten von Nordamerika.
verkommen im Ausdruck, blickten scheu zu ihm auf und liefen dann davon, so rasch ihre Beine sie trugen. Die ohnehin wenig begangene Straße war jetzt, wo die Abenddämmerung hereinbrach, menschenleer. Niemand war darin zu sehen, als ein armselig gekleidetes Weib, das laut aufschluchzte, und die Jungen, die eben um die nächste Ecke bogen.
Mit dem regen Mitleid, das in jedem Kinder- Herzen sich rührt, trat Hermann auf die Frau zu und fragte, was es gegeben.
„Sie haben mir mein Geld gestohlen," erwiderte diese mit zitternder Stimme und erhob den Kopf, den sie auf ein Bündel gesenkt hatte, das sie in den Armen trug. Ihr Gesicht, welches sie dem Frager zuwandte, war vergrämt und verfallen, aber von seltener Reinheit der 3üge; selbst jetzt, wo es im Leid zuckte, blieb es noch schön. Angezogen wie ein Weib aus dem Volke, hatte sie doch nicht die hier landläufige breite Aussprache der niedern Klaffen, ebensowenig die schreiend laute Art, über ihr Elend zu klagen, die man in denselben so oft antrifft.
„Es war das Geld, womit ich m der Apotheke Arznei holen wollte für mein krankes Kind," fuhr sie mit unsäglicher Wehmuth fort.
Hermann zog leise das Tuch fort, welches das Gesicht des Kindes bedeckte. „Ein Kind? Wie roth im Gesicht, und wie sonderbar die großen Augen! Warum schaut es denn wie versteinert drein?"
„Es ist eben recht krank," antwortete die Frau, mühsam. ihre Thränen unterdrückend. „Rühren Sie es nicht, an, junger Herr!" Damit deckte sie das Tuch wieder über das schmale Gesichtchen.
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Luft geschöpft. Hermann hat versprochen, nachher recht fleißig zu sein."
„Nachher!" wiederholte Frau Hardanger ungeduldig. „Nachher, das Losungswort aller Nichls- thuer."
Herr Hardanger war offenbar abgestumpft gegen solche Bemerkungen, denn er zuckte bloß kaum merklich die Achseln und sprach dann ganz vergnügt weiter über Garten und Glashaus und über all' die schönen Dinge, die er vorhabe. Hauptsächlich beschäftigte ihn eine in einem abgelegenen Theile des Gartens anzubringende Veränderung, die er nothwendig sogleich mit seiner Frau be- rathen müsse. In wortloser Ergebung folgte sie ihm dorthin. Hermann, der bei ihrem Kommen seine kleine Hand in die der Mutter geschoben, zog sie leise fort, nachdem er ihre mürrischen Worte gehört, und hüpfte an der Seite des Vaters neben den Eltern her.
Sie gingen das Gitter entlang, das den Garten von der Straße trennte. Kleine Thüren, in weiten Zwischenräumen angebracht, durch eine verborgene Vorrichtung zu öffnen, vermittelten den Bewohnern der Villa den ungestörten Ein- und Ausgang. Im Begriff, an einem dieser Thürchen vorüberzugehen, bannte Herrn und Frau Hardanger ein Lärm, der sich auf der Straße erhoben, fest. Sie hörten eine klagende Frauenstimme, dazwischen rohes Lachen, freche Spottreden aus heiseren Kinderkehlen. Die Frau drohte mit der Polizei. Die Knaben antworteten mit unfläthiger Rede. Hermann, neugierig wie alle Kinder, riß — unbekümmert um die Verwarnung der Mutter — das Thürchen auf. Zwei Jungen mit trotzigen Gesichtern, verwahrlost im Aeußern,
Aus dem Landtage.
^.Abgeordnetenhaus.—t>2. Sitzung v. 19.April11 U.
Am Ministertische: Dr. von Miquel, Freiherr von Hammerstein. .
Auf der Tagesordnung steht zunächst dre folgende Interpellation des Abg. v. Brockhausen (kons.) und Genossen: „Die Unterzeichneten richten unter Bezugnahme auf den Beschluß des Hauses der Abgeordneten vom 9. Juni 1896 betr. die Besteuerung der Maaren - Häuser, Bazare und Versandtgeschäfte an dre Königliche Staatsregierung die Anfrage: Welche Mafl- nahmen hat die König!. Staatsregierung tn Aussicht genommen, um die Schäden und Gefahren, welche dem gewerblichen Mittelstände durch die den Detarl-Handel mit Maaren verschiedener Gattungen betreibenden großkapitalistischen Unternehmungen entstehen, thunlrchst ern-
Hohe Ziele.
Roman von L. von Neidegg.
2 ------ (Nachdruck verboten.)
Die schlanke Hand der Frau Hardanger krampfte sich zur Faust zusammen, wenn sie an den Aerger dieser Erörterungen, an all die fehlgeschlagenen Pläne dachte. Und wenn sie dann, weiter blickend, das lange Leben vor sich liegen fah, in dem sie sich verzehren würde in den gleichen fruchtlosen Bemühungen, da erfüllte sie unsägliche Bitterkeit. Dabei gab es thörichte Menschen, die sie um ihr Glück beneideten! Sie lachte höhnisch auf bei dem Gedanken.
In solche Erinnerungen und Erwägungen verlieft, hatte Frau Hardanger das Gitterthor erreicht, das den Eingang zu ihrem Garten abschloß, und war in denselben cingetreten. Einige Schritte weiter, an Gehölzgruppen vorbei, deren schwellende Blätterknospen das Nahen des Frühlings verriethen — und sie hatte den unbehinderten Ausblick auf ihre Villa, die, auf einer kleinen Anhöhe gelegen, den kunstvoll angelegten, sorgfältig gepflegten Garten beherrschte. Ein vollständiger Landaufenthalt, als man sie erbaute, bildete sie nun, nach dem raschen Emporblühen und Sichern e tern des Städtchens, eine freundliche Oase mitten in dem Häusermeer und war ein viel bewunderter, viel beneideter Wohnsitz. Selbst in ihrer jetzigen unzufriedenen Stimmung mußte die Besitzerin der von ihrem Manne nach ihr benannten Villa Clotilde sich eingestehen, daß ihr einige Gegenwerthe geboten seien für das, was sie entbehrte.
Aufdbränten ?" , _ ,
Finanzminister Dr. v. Wiquek erklärt: Die Interpellation kann gleich" beantwortet werden,
Zur Begründung derselben verweist
Aog. v. Arockhausen auf die Verhandlungen über denselben Gegenstand aus dem Jahre 1»^. Mißstände seien seitdem nur noch verschärft worden. Man brauche nur durch di? Geschäftsstraßen Berlins zu gehen, um zu entdecken, daß die großen Waarenhäuser stets gefüllt sind, während die kleinen Geschäftsleute keine Käufer finden, In Frankreich sei unter dem zweiten M^ff-rreich eine ähnliche Entwickelung zu verzeichnen gewesen. Do7t Mbe man sich infolgedessen zu
+ Die Entscheidung.
Die Volksvertretung der Vereinigten Staaten von Nordamerika hat sich nach einem vorausgegangenen kleinen Konflikt schnell in seinen beiden Körperschaften, dem Senate und dem Repräsen- tantenhause, geeinigt und hat sich für den Krieg entschieden. Schneller ist nun diese Entscheidung gekommen, als man nach dem Gange der Verhandlungen während der letzten Stunden erwarten konnte. Noch am Dienstag Morgen schien es, als wolle das Parlament der Vereinigten Staaten durch einen scheinbaren Konflikt zwischen den beiden Häusern des Parlamentes die Entscheidung verzögern, um Zeit zu gewinnen für weitere Kriegsrüstungen. Aber der Kriegseiftr war stärker als alle anderen Gesichtspunkte, und so ist noch in der Nacht von Montag auf Dienstag der gemeinsame Beschluß der beiden Häuser des nordamerikanischen Parlaments zu Stande gekommen. Der Verlauf des parlamentarischen Schlußaktes war der folgende:
Durch Vertreter beider Häuser des Parlamentes wurde eine gemeinsame Kommission gebildet, und nach längeren Verhandlungen kam in der genannten Nacht um 1 Uhr ein gemeinsamer Beschluß zu Stande. Nach diesem Beschlüsse wurde die vom Senate vorgeschlagene Resolution bis auf einen Punkt angenommen; es sollte nämlich nicht die Unabhängigkeit der Insel Cuba anerkannt werden. Diese letztere Frage wurde vollkommen aus dem Wortlaute der beschlossenen Resolution beseitigt, und dann wurde diese neue Resolution vom Senat mit 42 gegen 35 Stimmen und vom Repräsentantenhause mit 310 gegen 6 Stimmen angenommen.
In der Resolution werden die nachfolgenden Gesichtspunkte ausgestellt: Das Volk der Insel Cuba ist von Rechts wegen frei. E? ist die Pflicht der Vereinigten Staaten, zu verlangen, daß die Regierung Spaniens sofort ihre Herr- MM und V.^masmng der Insel Cuba aufgibt und ihre Streitkräfte zu Lande und zur See von Cuba und aus den kubanischen Gewässern zurückzieht. Der Präsident der Vereinigten Staaten wird durch dessen Parlament angewiesen und ermächtigt, die sämmtliche Streitkräfte der Vereinigten Staaten zu Lande und zur See anzuwenden, ebenso die Miliz der verschiedenen Staaten einzuberufen bis zu dem Maße, als es nöthig sein mag, um die Anträge des Parlamentes auszuführen.
Voraussicht nach um Pfingsten eintreten wird, soll die Uebersiedelung sämmtlicher Bureaux, auch der Bibliothek, in Angriff genommen werden und bei der Eröffnung des neuen Hauses vollendet sein. Es verlautet übrigens, daß die Staatsregierung beabsichtigt, den Landtag diesmal sehr zeitig und zwar bereits im November ds. Js. zu berufen.
ft Zur Füllung der Staatskasse ist der Herr Finanzminister v. Miquel auf etwas ganz Neues verfallen: er will die Gedanke« besteuern, wenigstens die Gedanken bestimmter Leute. Er will nämlich, daß der «Staat Antheil an dem Gewinne habe, den solche Erfindungen bringen, die in staatlichen Anstalten gemacht werden, z. B. also in chemischen Laboratorien der staatlichen Hochschulen und in ähnlichen Instituten. Dieser Plan zeugt freilich von neuem für die außergewöhnliche Steuerfindigkeit des gegenwärtigen Finanzministers. Aber gleichzeitig ist er auch ein Beweis dafür, daß derselbe Herr Minister sehr wenig Sinn hat für die Thätigkeit der wissenschaftlichen Forschungen. Ein chemisches Laboratorium z. B. richtet der Staat an Universitäten doch nicht für den Professor deswegen ein, damit dieser über Erfindungen nachdenken soll, sondern zu dem Zwecke, daß der Professor die Studenten unterrichten soll. Wenn der Professor dann außerhalb seiner Unterrichtsstunden Entdeckungen macht, so geschieht dies ohne Zweifel keineswegs im Dienste des Staates. Ferner bezieht der Staat schon jetzt reichliche Einnahmen als Früchte der wissenschaftlichen Entdeckungen der Gelehrten. Denn diese Entdeckungen werden von der Jndustie verwerthet; die Industrie entfaltet also infolge solcher Entdeckungen eine erhöhte Thätigkeit, und diese erhöhte Thätigkeit der Industrie kommt dann auch der Staatskasse zugute in der Gestalt erhöhter Steuerzahlungen. Bisher galt der alte Spruch für unanfechtbar, daß „Gedanken zollfrei sind". Herrn von Miquel blieb es vorbehalten, auch mit diesem alten Grundsätze zu brechen. Aber darüber, daß dies wiederum kein Ruhmesblatt ist in der Geschichte des gegenwärtigen preußischen Finanzministers, dürften kaum ernsthafte Meinungsverschiedenheiten aufkommen.
X Die Vorzüge des Aefähiguttgs-Zlach weises für einzelne Gewerbe gewinnen auch in liberalen Kreisen fortgesetzt Anhänger. So beschäftigt man sich jetzt in den Kreisen der Berliner Stadtverwaltung mit dem Gedanken, einen Befähigungsnachweis für das öffentliche Fuhrwesen einzuführen. Für einen der nächsten Tage hat die Gewerbedeputation des Berliner Magistrats eine größere Anzahl von Fuhrherren und einige Autoritäten auf dem Gebiete d;A nm ben Y'-an -in« gut- ?chtlich-n «efprÄ »u Man
denkt hier schon seit längerer Zen . n d". Errichtung von Fuhrschulen, von deren erfolgru-, 11 Benützung man die Ertheilung der Erlaubniß zur Ausübung des Fuhrgewerbes abhängig machen möchte.
X Die Presse des Bundes der Landwirthe hat in den letzten Tagen die Nachricht aufgebracht, die preußische Regierung wolle die Kaget verstcheruugs Gesellschaft Germania unter-
Deutsches $rtdj.
Berlin, 19. April.
ff Fortgesetzt wird ans Bayern von Kundgebungen berichtet, die für das IestHakteu (Senfrum veranstaltet werden. In Amberg haben die Vertrauensmänner der Partei erklärt, daß sie eine Trennung vom Centrum nicht haben wollen und daß sie entschlossen sind, auch in Zukunft an ihrem bewährten Abgeordneten Landgerichtsrath L e r n o festzuhalten. Und in L a n d s - Hut ist genau ebenso verfahren worden. Bei einer dort abgehaltenen Versammlung von Vertrauensmännern aber war besonders bemerkens- werth die zahlreiche Vertretung des Bauernstandes und der Hinweis dieser ländlichen Vertreter darauf, daß man bei einer Partei bleiben müffe, die m erster Linie die Religion schützt. Auch in Landshut will man an dem bisher gewählten Reichstagsabgeordneten frjiyuurn» i In der Rhejnpfatz wirb die Centrumspartei mit der Ausstellung von Kandidaten selbstständig vorgehen und sich für die Stichwahlen vollkommen freie Hand behalten.
* Das neue Geschästsgeöäude des Aöge- ordueteuhanses in der Prinz Albrechtstraße ist fo weit gefördert, daß das voraussichtlich im Juni neuzuwählende Abgeordnetenhaus im Herbste in dasselbe einziehen kann. Nach dem Schluffe der gegenwärtigen Legislaturperiode, der aller
Aus dem weiten Rasenplatze, der vor der Villa sich ausdehnte, stand Herr Hardanger in eifriger Berathung mit dem Gärtner. Ein schöner, frischer Knabe von beiläufig 8 Jahren, dessen blonde Locken in den Strahlen der untergehenden Sonne wie Gold erglänzten, umsprang den Vater und ahmte lustig den Pfiff der Amseln nach, welche ihren Abendgesang ertönen ließen. Die Augen der Mutter ruhten einen Augenblick freundlich auf dem Kinde; aber selbst hier ließ ihre Verbitterung das weichere Gefühl nicht aufkommen, und eine zornige Gluthwelle überflog ihr Gesicht. Es war ja jetzt nicht Hermanns Freistunde; gewiß hatte der thörichte schwache Vater wieder einmal dem Drängen des Knaben nachgegeben und ihm beim Hauslehrer Freiheit erwirkt.
Sollte sie denn auch bei ihrem Knaben eine Täuschung erleben? Sollte auch der Sohn im Nichtsthun sein Leben vergeuden, statt unverdrossen auswärts zu streben? Den unmuthigen Gefühlen, die sie bewegten, entsprechend, klang denn auch der Ton, in dem sie die liebevolle Begrüßung ihres auf sie zueilenden Mannes erwiderte, überaus frostig. Seine Mittheilung über anzubringende Verschönerungen, die er soeben mit dem Gärtner besprochen, unterbrach sie durch die unfreundliche Bemerkung: ohne Zweifel sei dies Alles hochinteressant, immerhin aber keine ausreichende Erklärung für Hermanns Anwesenheit im Garten, jetzt, wo er in seine Grammatik vertieft fein sollte.
Herr Hardanger lächelte etwas verlegen. „Der arme Kerl schien so abgespannt. Herr Obermüller selbst meinte, es würde mit dem Lernen besser gehen, wenn er erst ein Viertelstündchen frische
nahmen'zumUütze der kleinen und mittleren Gewerbetreibenden entschließen müssen. Auch in Süddeutschland und in letzter Zeit auch in Sachsen würde immer lauter nach Schutz gegen die Konkurrenz der großen Waarenhäuser gerufen. In Frankreich werden die großen Waarenhäuser entsprechend dem in ihnen beschäftrgren Personal mit besonderen Steuern belegt. Auch in Sachsen
mit Ilnterhattungs-Meilage „Mustrirte Sonntags-Zeitungs