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KuldaerMZeitimg

Juköa, Dienstag, den 19. April 1898

25. Jahrgang.

Inserate: Die eiu-- spalt. Garmond« zeile oder bereit Raum 15 Pf., Re­klamen die Petit­zeile 25 Pf.; bei Wiederholungen wird entsprechend. Rabatt gewährt.

Erscheint täglich, m. Ausnahme der Sonn- und Feier­tage. Bierteljährl.

Kezugspreis ohneBringerlohn und Bestellgeld in Fulda und aus­wärts IM. 50 Pf.

für Inserate I. Varzellee in Lulda. mit Anterßattungs-Meilage „Issuflrirte Sonntags-Zeriungi' pelersgan'e Nr. 2 (Darmonie).

»MauserungderLozialdemokratie.

Die Erkenntniß, daß es innerhalb der Sozial­demokratie je länger, desto mehr Aenderungen in der Anschauungsweise sich vollziehen, stammt nicht von gestern. Schon öfters als einmal haben diese Vorgänge innerhalb der Sozialdemokratie bewiesen, daß diese sich „mausert", und namentlich hat der letzte sozialdemokratische Parteitag in Hamburg Beweise dafür geliefert, daß es so ist. Zwar haben die Sozialdemokraten am 18. März im Reichstage am 50jährigen Gedenktage der Ber­liner Straßenkämpfe von 1848 außerordentlich lärmende Kundgebungen durch Herrn Beb el ver­anstaltet. Aber das sollte doch nur Agitation für die bevorstehenden Wahlen sein. Und kein ernst­hafter und unparteiischer Beobachter kann es leug­nen, daß die Sozialdemokratie jetzt etwas Anderes geworden ist, als nur und ausschließlich eine Par­tei des Umsturzes. Eine ihrer ursprünglichen Lehren nach der andern hat die Sozialdemokratie aufgegeben, das eherne Lohngesetz und die Arbeit als Quelle aller Güter, die „Revolution im Heu­gabelsinne der Gewalt", und was sonst zu dem Evangelium von Lassalle, Marx und Engels ge­hörte. Es ist wenig von der Sozialdemokratie übrig geblieben, wie sie im Anfänge war. Und selbst von dem Zukunftsstaate wollen ihre Führer nicht mehr so recht etwas wissen.

Jetzt ist ein neuer Streit in den Reihen der Sozialdemokratie aus gebrochen, die wiederum außerordentlich kennzeichnend ist für die Mauserung gewisser sozialdemokratischer Kreise und Führer. Dieser Streit geht um den „Militarismus". Der Berliner Rechtsanwalt Heine, der als Reichs­tagskandidat der Sozialdemokratie für den dritten Berliner Wahlkreis aufgestellt ist, hat sich in einer Wahlrede gegen den Mißbrauch der Schlag­worte gewendet, und zu den Schlagworten, die gemißbraucht werden, auch den „Militarismus" gerechnet! Das heutige Armeesystem und der Geist der Armee, der dem des Volkes entgegen­gesetzt werde, sind freilich auch nach Heine's An­sicht grundsätzlich zu bekämpfen. Aber wir leben — so führte Heine weiter aus — doch noch nicht in der Periode des ewigen Friedens, und würden auch in hundert Jahren noch nicht so weit sein. Je mehr die Staatseinrichtungen der westeuro­päischen Länder demokratisch werden, desto mehr hat nach Herrn Heine das absolutistische slavische Rußland ein Interesse, uns zu unterjochen, desto mehr werden wir also Gewehr bei Fuß stehen müssen.....! Ein Mann also, der

zum sozialdemokratischen Reichstagskandidaten auf­gestellt ist, wird zum Vertheidiger des waffen­starrenden Zustandes der Gegenwart: wir müssen auch nach seiner Ansicht gerüstet dastehen, um nicht in Abhängigkeit von dem Zarenreich zu ge­langen und darum, sagt Herr Heine, darf auch die Sozialdemokratie ihre Haltung zu der Heeres- frage nicht mehr mit dem bloßen Schlagwort ihrer Gegnerschaft zum Militarismus abthan. Nach Heine's Ansicht kann die Forderung für neue Geschütze und dergleichen auch der Sozia l- de-mokrat bewilligen, wenn er genügende Gegenleistungen erhält, wenn werthvolle Volks­freiheiten dafür gewährt würden. Man darf nun nicht glauben, daß Heine mit diesen An-

Hohe Ziele.

Roman von L. von Neidegg.

------- (Nachdruck verboten.)

1.

Die Sitzung des Wohlthätigkeitsoereins war vorüber. Die Vorsteherin Freifrau von Rols- hausen besprach sich noch über einzelne Fragen mit dem männlichen Beirath und Vorstand des Vereins, zugleich dessen Kassensührer. Die übrigen dem Vorstande angehörenden Frauen standen gruppenweise bei einander und gaben ihre Be­merkungen zu den gefaßten Beschlüsfen.

Ziemlich abseits hielt sich eine der Damen, wohl das unzufriedene Element in diesem Kreise, ihrem Gesichtsausdruck nach zu urtheilen. Sie war eine stattliche, noch ziemlich junge Frau, eine wahrhaft junonische Gestalt. Ihre Hutbänder hatte sie eben zusammengeknüpft und war im Begriff, ihren Umwurf anzulegen, als eine ihrer Vereinsgenossinnen, eine kleine, ältliche Dame, an sie herantrat mit der halb vorwurfsvollen Frage, warum sie denn schon nach Hause gehe und nicht den Nachmittags-Thee bei Frau v. Rols- hausen abwarten wolle.

„Ich werde zu Hause erwartet," antwortete die jüngere Frau in abweisendem Tone; „übrigens kann es noch lange währen, ehe wir mit dem Thee unserer verehrten Vorsteherin beglückt werden. Ihr Gespräch mit Herrn Burkart will gar kein Ende nehmen; geradezu unglaublich, wie sie den Mann vorzieht! Sie verzichtet ja durchaus auf jede Selbstständigkeit, überläßt ihm mehr und mehr das große Wort."

schauungen über das Heerwesen allein in der Sozialdemokratie dasteht. Vielmehr scheinen diese Ansichten maßgebend geworden zu sein bei der Berliner Parteileitung. Dies kann man aus folgendem Vorgänge schließen: das sozial­demokratische Hauptorgan ,Vorwärts' hatte jene Rede Heine's abgedruckt. Als aber ein gewisser Ledebour, ehedem Redakteur beim /Vorwärts', im .Vorwärts' eine Erwiderung auf Heine's Rede bringen wollte, wurde dieser Er­widerung die Ausnahme verweigert. Zu­gleich erklärte die sozialdemokratische Reichstagsfraktion in einem förmlichen Beschlüsse „sie habe sich überzeugt davon, daß Heine durchaus auf dem Standpunkte der bisherigen Taktik der Partei und der Fraktion stehe . . . ." — also vollkommene An­nahme der Heine'schen Anschauungen, und Ver­werfung des bisherigen Schlagwortes von der Bekämpfung des Militarismus!

Mehrere Provinzorgane der Sozialdemokratie haben Widerspruch dagegen erhoben und besagter Herr Ledebour hat die von Heine geäußerten Grundsätze in den ,Soz. Monatsheften' als „Schacher-Politik" bezeichnet, die der Sozial­demokratie „eine Art Mitverantwortung für den Fortbestand des bureaukratifch-militärischen Re­gierungssystems" auferlege. Und die ebenfalls sozialdemokratische .Sächsische Arbeiter-Zeitung' bemerkt: „Diese Praktik wird jetzt in unserem Centralblatt (eben im Vorwärts) geübt: Wer aus eine sozialreformerische Umwandlung der Parteitaktik hinarbeitet, dem wird der breiteste Raum gewährt — wer aber die sozial revo­lutionäre Taktik, welche bisher die Partei zu ihren großen Siegen geführt hat, vertheidigt, dem wird, wenn er auch persönlich angegriffen ist, das Wort entzogen, oder erwird todt- geschwiegen."

Daß auch auf dem Gebiete der Anschauungen über das Heerwesen eine Mauserung der Sozial­demokratie sich vollzogen hat, ist also gar nicht zu leugnen. Aber deswegen sollte doch Niemand glauben, daß die Sozialdemokratie nun weniger gefährlich sei, als ehedem. Vielleicht ist sie sogar noch gefährlicher als früher. Denn wenn die Sozialdemokratie ihre äußerlich sicht­baren Auswüchse beseitigt und unmögliche Phan­tastereien von sich abthut, dann wird es ihr leichter werden. Andere über ihren wahren Charakter zu täuschen und neue Elemente aus dem bürgerlichen Lager zu sich hinüber zu ziehen. Nach diesem System der Vertuschung ist augen­scheinlich auch der sozialdemokratische Wahlauf­ruf gearbeitet, der Ostern veröffentlicht wurde. Und darum gilt es von nun an, doppelt vor­sichtig zu fein. Der Umsturz im Gewände der Heuchelei kann gefährlicher werden, als der Um­sturz, der mit dem Mordknüppel offen vor die Leute trat!

Deutsches Deich.

Berlin, 18. April.

ti Das bayerische Reservatrecht auf einen eigenen oberste» Mikitärgerichtstzof wird leider als solches von keinem Bundesstaate außer Bayern anerkannt, auch von Baden,

Die alte Dame lächelte. „Er ist auch unser Kommandant, Frau Hardanger.

„Das heißt, er möchte sich herausnehmen, uns zu kommandiren, Frau Doktor! Ich lasse mich aber von Niemand herum kommandiren, am wenigsten von einem Manne, dem ich, wenn er hinter seinem Ladentisch steht, befehlen kann, mir ein paar Ellen Kattun herunter zu schneiden."

„Wie eigenthümlich Sie das auffassen!" lächelte die Doktorsfrau. „Es hindert Sie aller­dings nichts, bei ihm Kattun zu bestellen; ob er selbst Ihnen denselben aber herunterschneidet oder einen seiner Kommis damit beauftragt, das kann er halten wie er will. Das alles ist übrigens nebensächlich: er ist ein tüchtiger Armenrath, ein kluger, thatkrästiger Mann. Wir haben uns seiner Leitung freiwillig untergeordnet, und hier im Verein sind wir seine Untergebenen.....

seine Dienerinnen," setzte sie hinzu mit einem heitern und wohlwollenden Lächeln, das wie ein Sonnenstrahl über das alte, welke Gesicht flog und ihm einen überaus gewinnenden Eindruck verlieh.

„Ich nicht!" widersprach Frau Hardanger, „ich diene Niemand. Ich bin nicht wie Sie, Frau Wahrmund: nachgiebig gegen Jedermann, nachgiebig bis zur Selbstvergessenheit, was nach meiner Ansicht ein ganz falscher Grundsatz ist."

Frau Wahrmund sah in das klassisch schöne, aber harte Gesicht der jungen Frau und wollte — in ihrer oft geradezu verblüffenden Offenherzig­keit — sie eben fragen, was sie denn mit diesen Ansichten im Armen-Verein thue, als ihr durch das Nahen Burkart's das Wort abgeschnitten wurde.

Württemberg und Sachsen nicht. Wenn es sich trotzdem zeigen sollte, daß der Anspruch Bayerns sachliche Befriedigung erhielte, so würde das außerordentlich günstige Folgen haben . . . . " so läßt sich die ,Augsburger Postzeitung' ver­nehmen. Alsdann schreibt das genannte Blatt weiter: „daß „die Sache gewahrt" sein würde, wenn in München ein eigener Senat des Reichs - Militärgerichtes eingesetzt würde, dessen Vorsitzender ein bayerischer General ist und dessen Wahrspruch im Namen des Königs von Bayern erfolgt". Diese Mittheilung klingt überraschend. Aus den Erklärungen, die der bayerische Gesandte Graf von Lerchenfeld-Köfering und der Abg. Freiherr von Hertling in der Kommission des Reichtages abgaben, schien heroorzugehen, daß Bayern auf keinen Fall sein Reservatrecht preisgeben, noch auch sich etwas davon abhandeln lassen wolle. Sollte die Mittheilung der,Augsb. Post­zeitung' die Einleitung zu der weitern Meldung sein, daß diese Anschauungen sich unverändert haben? Nach allem Voraufgegangenen ist nicht anzunehmen, daß die öffentliche Meinung in Bayern mit einem solchen Rückzüge der baye­rischen Regierung einverstanden sein würde. Man muß abwarten, wie diese Dinge sich weiter ge­stalten werden. Es handelt sich dabei um eine ausschließlich bayerische Angelegenheit, und in Bayern allein kann darüber entschieden werden. Aber wundern sollte es uns, wenn die Unter­scheidung zwischen „Form" und „Sache", wie sie von der bezeichneten Mittheilung der ,Augsb. Postzeitung' gemacht wird, in weiteren bayerischen Kreisen Annahme und Billigung fände.

X Wie wir schon gestern unter „Neueste Post" mittheilten, hat nun auch der §enat der Bereinigte» Staate» von Nordamerika mit der starken Mehiheit von 67 gegen 21 Stimmen die Resolution angenommen, nach denen die Vereinigten Staaten es als ihre soge­nannte „Pflicht" erachten, „von Rechtswegen" auf der Insel Cuba mit bewaffneter Hand sich ein­zumischen. Gleichzeitig hat der Senat einen An­trag des Senators Turpie angenommen, wonach die Anerkennung der eubanischen Re­publik ausgesprochen wird. Dieser Antrag wurde mit 51 gegen 37 Stimmen angenommen. Dann aber hat der Senat einen Zusatzantrag des Senators David angenommen, der besagt, die Vereinigten Staaten bestreiten die Absicht, die Herrschaft über Cuba ausüben zu wollen, außer zu dem Zwecke der Friedensstiftung und sind ent­schlossen, die Regierung und die Herrschaft über die Insel der einheimischen Bevölkerung zu über­lasten . . . Fürwahr, eine wundersame Friedens­stiftung, die in dieser Wnse vorgeht! Wohl haben mehrere Senatoren in dringlicher Form zum Frieden geredet, und in der That hat ja eine ansehnliche Minderheit des Senats gegen die kriegerischen Resolutionen gestimmt. Aber that- sächlich ist ja nunmehr jede Hoffnung auf die Erhaltung des Friedens geschwunden, und wenn die Vereinigten Staaten noch eine kurze Zeit zögern mit der Eröffnung der Feind­seligkeiten, so geschieht dies ohne Zweifel nur in der Absicht, ihre unvollkommenen Rüstungen zu verstärken. Die Vereinigten Staaten verfügen nur über ein sehr kleines stehendes Herr, das der

Der große schlanke Mann mit den scharf ausgeprägten Zügen, den — trotz ergrauendem Haar und Bart — ungemein lebhaften Augen, fah allerdings etwas selbstbewußt aus.

„Ich sehe Sie im Begriff, uns zu verlassen, Frau Hardanger. Vorher möchte ich Ihnen noch einige Worte sagen über jene Frau Butz, die Sie zu besuchen beauftragt sind."

„Die ich zu besuchen übernommen habe," ver­besserte Frau Hardanger.

„Ganz richtig", pflichtete Herr Burkard bei, sehr gelassen, doch mit einem Zucken um die Mundwinkel. „Ich möchte Sie darauf aufmerksam machen, daß Frau Butz recht sehr Ihrer Theil- nahme bedarf; sie ist eine wahrhaft beklagens- werthe Frau, die beffere Tage gekannt hat."

„Dann wollte ich, es könnte sie eine andere besuchen", gab Frau Hardanger kalt zur Antwort. „Wenn ich etwas verabscheue, so sind es jene Menschen, die „bessere Tage" gekannt haben und damit groß thnn. Wer Almosen empfängt, soll vergessen können, daß er besteres hinter sich hat."

„In gewisser Beziehung ist das richtig; das Können ist nur oft etwas schwer. An denen, die mit den Armen verkehren, ist es jedoch, die Er­innerung an jene Zeiten festzuhalten, möchte ich behaupten, und ihnen durch liebreiche Behandlung neue Bitterkeit zu ersparen. Frau Butz. . . "

„Bitte," unterbrach Frau Hardanger mit steigender Kälte, „die Vergangenheit jener Frau ist mir höchst gleichgiltig. Ich habe nur das eine übernommen: die ihr ausgeworfene Unterstützung zu übermitteln und mich dann und wann nach ihr umzusehen. Haben Sie mir in der Richtung etwas zu sagen, bitte es nun zu thun."

Militärmacht Spaniens nicht gewachsen ist. Und die Kriegsflotten beider Länder sind einander ebenbürtig. Aber Spanien ist arm und die Ver­einigten Staaten sind unermeßlich reich, und des­wegen würden sich die Dinge bei längerer Aus­dehnung eines Krieges für Spanien wahrschein­lich sehr bedenklich gestalten. Ist der Krieg un­vermeidlich, dann kann Spanien sein Heil nur suchen in möglichst stürmischer und rascher Be­treibung des Kampfes. Und vielleicht hat Don Carlos gar nicht so unrecht mit der Behauptung, daß die spanische Regierung am sichersten ihren Vortheil wahren würde, wenn sie sofort Befehl dazu gäbe, New-Aork zu bomb ardiren und Truppen auf der Halbinsel Florida zu landen. Sehr wohlthätig berührt der ein- müthige Zusammenschluß aller Spanier an­gesichts der drohenden Gefahr, der sich rasch über alle inneren Zwistigkeiten hinwegsetzt. Selbst Don Carlos soll die Absicht haben, dem Vaterlande sich zur Verfügung zu stellen, und sehr große Summen stellen die Spanier in allen Ländern der Regierung für den Fall eines Krieges zur Verfügung. Allein die Spanier in Buenos-Aires stifteten 3 700 000 Franken für die Erbauung eines neuen Kreuzers.

* Mit »CMC» Mikitärforderttttge» tritt ein Berliner offiziöses Blatt bereits wieder her­vor, indem es verlangt, daß das Offizierkorps mindestens so stark vermehrt werde, daß nach allen Abkommandirungen, zu denen auch die Adjutantenstellen gehören, ein Premierlieutenant und drei Sekondelieutenants pro Kompagnie unter allen Umständen für den Frontdienst vor­handen bleiben; ebenso bedürfe auch die Unter­offizierfrage einer „eingehenden Erwägung", natürlich im Sinne der Vermehrung des Unter» offizierbestandes. — Schöne Aussichten!

* Das Iladfahrer Detachement, das von einigen aus Offizieren und Mannschaften der zweiten Garde-Jnfanterie-Brigade gebildet wurde, wird im Laufe des Sommers zwei oder drei größere Ausflüge unternehmen und zwar u. A. nach dem Riesengebirge und nach dem Harz. Die Kosten für Verpflegung und Einquartirung werden aus noch zu bestimmenden Mitteln be­stritten werden. Vorläufig hat das Kommando der Brigade für die Unkosten der Ausbildungs­und Vorbereitungstouren 500 Mk. zur Verfügung gestellt. Zu dem Detachement gehören gegen­wärtig etwa 60 Mann. Es liegt nicht in der Absicht der Militärbehörde, das Detachement auf dieser Stärke zu belassen, sondern es werden während den Ausbildungstouren die am besten für den Radfahr-Patrouillen- und Ordonnanzdienst geeigneten Leute ausgesucht. An den großen Touren, die den Charakter der taktischen Offiziers­ritte haben sollen, dürften sich vielleicht nur etwa 25—30 Mann mit vier ober fünf Offizieren be­theiligen. Während des diesjährigen Manövers sollen die Leute des Detachements auf die ein­zelnen Garde - Infanterie-Regimenter zum Ver­sehen des Patrouillen- und Ordonnanzdienstes vertheilt werden.

* Aus den deutsche» Münzstätte» sind im Monat März d. I. geprägt worden: 1,264,860 Mark in Doppelkronen, 9,553,040 Mk. in Kronen, 601,315 Mk. in silbernen Fünfmarkstücken,

Ihr Gesicht trug einen so eisig wegwerfenden Ausdruck, als sie diese Worte sprach, daß dem Stadtrath unwillkürlich die Frage entschlüpfte: „Wie kommen Sie überhaupt nur dazu, sich mit Armen zu befassen?"

Frau Hardanger sah ihn statt aller Antwort mit einem frostigen Blick an. Als sie ihn damit in fein Nichts zurückgeworfen glaubte, fragte sie ruhig: „Hatten Sie mir nicht etwas über Frau Butz zu sagen?"

Der Stadtrath verbeugte sich. „Jawohl. Es lag mir übrigens fern, Ihnen die Lebensgeschichte dieser Frau zu erzählen, ich wollte sie bloß Ihrem Mitleid empfehlen. Außerdem wollte ich Sie er­suchen, durch Nachbarsleute oder Mitbewohner sich Kenntniß zu verschaffen, wie Herr Butz in letzter Zeit sich hält. Frauen sind geborene Diplo­maten ; sie verstehen es besser, sich Nachricht zu verschaffen, als unsereins. Ich will Ihnen nicht verschweigen, daß, wie ich bestimmt weiß, das Elend den Mann zum Trinker gemacht hat. Fürchten Sie sich etwa vor einem solchen?"

Frau Hardanger lächelte beinahe verächtlich. „Ich fürchte nichts und Niemand," erwiderte sie ruhig. „Ich würde, träfe ich ihn betrunken an, dem Manne einfach bedeuten, daß von nun an jede Unterstützung aufhöre."

Nun war es Herr Burkart, der lächelte, und zwar- recht spöttisch und überlegen. „Entschul­digen Sie, verehrteste Frau, darüber haben nur wir Armenpfleger zu bestimmen. Sie müßten bloß die Güte haben, über ihre Wahrnehmungen an mich zu berichten; das weitere würde ich ver­anlassen. Als ich Butz zuletzt sah, gelobte er mir, mannhaft der Versuchung zu widerstehen. Es