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• mit Zlnterhattungs-Aeikage „Mustrirte Sonntags-Zeitungl' pelersgaä« Nr. L (Harmonie).
M 86. _______
Wieder Einiges zur Politik der Sammlung.
Die Politik der sogenannten Sammlung des Herrn von Miquel findet in Norddeutschland bekanntlich nur gecheckten Beifall bei denen, für die sie in erster Reihe berechnet ist. In Süddeutschland aber fassen sie auch diejenigen mit größter Vorsicht an, auf deren bedingungslose Gefolgschaft man mit Sicherheit gerechnet hatte — so beispielsweise die bayerischen Konservativen. In Nürnberg ist jüngst ein Parteitag der bayerischen Konservativen abgebalten worden, bei dem der Landtagsabgeordnete Niß- l er den Bericht erstattete. Dem Reichstagsabgeordneten Lutz, dem sonst diese Aufgabe zufiel, gefällt es nicht mehr bei den Konservativen; sie sind ihm gar zu sehr zu bedingungslosen Nachbetern der Berliner Regierung geworden. Er will, wenn wieder gewählt wird, der konservativen Reichstagsfraktion nicht mehr beitreten. Der Hauptgegenstand der Nürnberger Berathungen bildete die Taktik für die bevorstehenden Reichstagswahlen. Darüber erfährt man natürlich nichts genaueres. Aber es kennzeichnet die herrschende Stimmung sehr, daß man es geflissentlich an die Oeffentlichkeit bringt, daß „die bayerischen Konservativen sich der Sammelpoliük des Herrn von Miquel nur sehr vorsichtig angeschlossen haben und mit allen Vorbehalten". Diese Sammlungspolitik erinnert auch die bayerischen Konservativen gar zu sehr an die verflossene Kartellwirthschaft. Diese Kartellpolitik hat aber nach der Auffassung des bayerischen konservativen Parteitages „den Konservativen mehr geschadet als genützt".
Nicht minder kühl steht em Theil der na- tionalliberalen Partei der vielgerühmten Sammlungspolitik gegenüber. Namentlich die .Kölnische Zeitung' hat schon wiederholt darauf hingewiesen, daß ihren Freunden aus der ^Sammlung Gefahr drohe, die Gefahr nämlich, unterdrückt zu werden durch die Vertreter besonderer Jnteressenbestrebungen. Die ,Köln. Ztg.' nennt das die „agrarische Gefahr" und warnt von ihrem Standpunkte aus ihre politischen Freunde davor, Unterstützung dazu zu bieten, daß „das Reich einer agrarischen Mehrheit in die Hände falle". Prompt und unzweideutig erwidert ihr die konservative,Kreuz - Zeitung': „Da in den östlichen Provinzen der überwiegende Theil der Landwirthe, und zwar Moße und kleine, zu den Agrariern im Sinne der ,Köln. Ztg/ zu rechnen sind, so ist aus den Aeußerungen der ,Ksln. Ztg/ nicht anderes zu entnehmen, als die Forderung, daß alle diese Agrarier von der Sammlung der produktiven Stände ausgeschlossen werden. Damit ist aber auch einem nicht gerade kleinen Theil der Landwirthe in den westlichen Provinzen der Fehdehandschuh hingeworfen worden. Wie man auf diese Art nationale Politik machen und die Feinde einer solchen Politik wirksam bekämpfen will, scheint uns räthselhaft. Würden wir lediglich Fraktionspolitik treiben, und als deren vornehmste Aufgabe die Schwächung aller anderen Fraktionen betrachten, so müßte uns der Artikel der,Köln. Ztg/ höchst willkommen sein. Denn
Es ist uns gelungen, für das Feuilleton der »Fuldaer Zeitung' wiederum einen Roman aus der Feder des rühmlichst bekannten, sehr beliebten katholischen Schriftstellers C. N e i d e g g zu erwerben. Der Roman ist betitelt: „Kohr Ziele" und wird ohne Zweifel den Beifall unserer Leserinnen und Leser finden. Der Abdruck beginnt schon morgen (Dienstag).
Wege rrnd Ziele.
Roman von A. Jüngst.
37 ------ (Nachdruck verboten.)
(Schluß.)
Schwester Charitas faltet die Hände fester in einander, und das Gebet, welches seit gestern Morgen, seit dem Augenblick, da die Gräfin Ostheim ihren letzten Alhemzug ausgehaucht, immer wieder aus Herzenstiefen sich emporqerungen hat, tritt auch jetzt in der Stille der Nacht, da sie allein die Leichenwache hält, auf den Lippen: „O, mein Gott, rechne ihr die Sünde nicht an; sie wußte nicht, was sie that!"
Dann wandern die Gedanken der frommen Schwester von ihr, die bereits vor dem Throne des Allmächtigen stand, zu dem Unglücklichen, der sich wie ein Rasender über die leblose Hülle der Verstorbenen geworfen hat und durch keine Ver- nunftsgründe zu bewegen war, seinem Schmerze Einhalt zu thun. Die ganze wilde Leidenschaft, welche ihn an das bethörende Weib gefesselt und sein Verderben geworden, war wieder aufgeflammt im Augenblicke des Verlustes.
Erst als die Morberg näher getreten war und leise gesagt hatte: „Herr Graf, wollen erlauben, wir müssen doch die letzte Ruhestätte der gnädigen Gräfin würdig schmücken!" war er auf-
Iulöa, M-mag, den 18. April 1898
die Berücksichtigung der in ihm aufgestellten Forderungen ist das sicherste Mittel zur Spreng- gung der nationalliberalen Partei . ."
Noch ganz anders aber als die ,Kölnische Zeitung' geht die ebenfalls" nationalliberale Berliner ,Nationalzeitung'. Vor diese spricht in einem Leitartikel über den sozialdemokratischen Wahlaufruf mit rücksichtsloser Offenheit folgenden Grundsatz sür die Wahlen aus: Es gibt ernste, ihrer politischen Verantwortlichkeit sich wohl bewußte Männer, die für das Sozialistengesetz und für jeder Erneuerung desselben eingetreten sind und trotzdem dazu entschlossen sind, bei der Wahl zwischen einem Anhänger der Partei Ploetz (also Bund der Landwirthe), und einem Sozialdemokraten nicht für den ersteren zu stimmen.
So wenig zart behandeln einander die Brüder in der Sammlung selbst. Wer klug ist, bleibt also von aller dieser wunderlichen sogenannten Sammlung so weit wie möglich abseits, denn bei ihr ist weder Ruhm, noch politischer Erfolg zu ernten.
Deutsches Deich.
Berlin, 16. April.
* Die Meldung, daß das Kaiserpaar bereits am 3. Mai auf Schloß Urville eintrifft, ist nicht ganz korrekt, da der Monarch an diesem Tage, wie es neuerdings heißt, nach persönlicher bestimmter Zusage in Berlin der Vermählung einer Tochter seines Flügeladjutanten Oberst Graf Klinckowström, mit dem Rittmeister und Eskadronchef Graf Rochus von Lynar beiwohnen wird. Der Kaiser würde nicht nur bei der Trauung in der Dreifaltigkeilskirche zugegen sein, sondern auch an dem Hochzeitsmahle im Hotel Kaiserhof theil- nehmen. Am Tage zuvor, am 2. Mai, werde der Kaiser nach alter Gewohnheit die drei Bataillone seines ersten Garde-Regiments in Potsdam besichtigen. Der 2. Mai ist der Gedenktag der Schlacht von Groß-Görschen und einer der blutigsten Ehrentage des 1. Garde-Regiments. An diesem Tage pflegte der Kaiser stets mit der Frühjahrsbesichtigung der Garde-Regimenter zu beginnen. Die diesjährigen Rerse- dispositionen haben jedoch eine Aenderung eintreten lassen. Die Frühjahrsbesichtigungen werden schon am 28. April beginnen, und zwar wird das 2. Garde-Regiment z. F. als erstes dem Kaiser auf dem Tempelhofer Felde vorgestellt werden. Verschiedene Blätter melden, der Kaiser habe zugesagt, der Enthüllung des Denkmals Kaiser Wilhelms I. in Liegnrtz beizuwohnen. Als der Tag der Enthüllungsfeier ist der 4. August d. I. bestimmt.
* Das unter dem 10. d. M. in Homburg v. d. H. vom Kaiser vollzogene Gesetz üöer die deutsche Atolle ist am letzten Samstag amtlich publizirt worden.
* Um den Mastigen ZLischof von Kulm machen sich liberale und Hakatisten-Blätter ungemein viel Kopfschmerzen. Nur ja keiner, der den polnischen Wünschen und Bestrebungen entgegenkommt! Wäre es nicht besser, die Sache denen zu überlassen, die sie angeht? Unseres Wissens bestimmt die Bulle de salate animonu n
gesahren aus dem dumpfen Hinbrüten, welches dem ersten heftigen Paroxysmus gefolgt war.
Er hatte gerufen: „Ja, schmücken, würdig schmücken! Nehmt alles, alles! Kein Stein, den sie getragen, soll jemals wieder einem anderen Weibe gehören. Die Juwelen mußten vor ihrer Schönheit erbleichen und mögen nun auch mit ihr begraben werden."
Schwester Charitas, die noch betend zu den Füßen der Verstorbenen gekniet, hatte verwundert aufgeschaut, als der Graf aufgesprungen und an die Kästen des Ankleidezimmers geeilt war, Etui um Etui herauszerrend und ihres kostbaren Inhalts entledigend.
Nun lag die Todte in der starren Pracht der Brillanten da, ein abschreckendes Zerrbild des anscheinend zu srohem Feste geschmückten Leibes. Der Tod war seiner Würde entkleidet und damit seines Friedens, seines Trostes.
Langsam schwanden die Stunden der Nacht dahin. Die Kerzen brannten tiefer herab, ein schwaches Licht drang durch die verhangenen Fenster herein.
Schwester Charitas verharrte noch immer im Gebete. Bald für die Todten, bald für die Lebenden stiegen ihre Seufzer zum Himmel empor.
Da öffnete sich leise die Thür des Vorzimmers; ehrfurchtsvoll von einem der Diener geleitet, glitt eine hohe weibliche Gestalt in dunkeln Reisekleidern über die Schwelle und trat an den Katafalk heran.
„Inge," kam es über die bleichen Lippen, „Inge, so sehen wir uns wieder?"
Die Schwester hob das müde Haupt; Prinzessin Sarolta von Hohenburg und Lora sahen sich Auge in Auge.
nichts über die Mitwirkung des „H.-K.-T.-Vereins" bei der Wiederbesetzung eines Bischofssitzes.
* Das neue Gebäude des preuhische« Aö geord«ete«hauses wird in dieser Tagung nicht mehr in Gebrauch genommen werden. Anfänglich hatte die Absicht bestanden, die Schlußsitzung schon in dem neuen Hause abzuhalten. Sicher aber ist, daß das Abgeordnetenhaus in der nächsten Sitzungsperiode in dem neuen Gebäude tagen kann.
X Die Ergebnisse der letzten Volkszählung beweisen von Neuem, wie sehr gerade die K a t h o - liken im Allgemeinen vor Mischehe« sich zu hüten haben. Nach den amtlichen Mittheilungen über die Ergebnisse der letzten Volkszählung wurden am 2. Dezember 1895 im Ganzen 128,069 Mischehen zwischen evangelischen Männern und römisch- katholischen Frauen und 150,365 Mischehen zwischen römisch-katholischen Männern und evangelischen Frauen gezählt. Jnsgesammt bestanden also 278,434 Mischehen, von denen 59,181 Ehen ohne Kinder, und 219,253 mit Kindern waren. Die Zahl der Kinder aus diesen Mischehen betrug 597,921. Von ihnen waren 332,947 evangelisch, 264,648 katholisch, 229 gehörten anderen christlichen Bekenntnissen an, 2 waren Juden, und 95 waren anderer oder unbekannter Religion. Hiernach war also der Vorth eil, den die evangelische Konfession gegenüber der katholischen aus den Mischehen zieht, recht beträchtlich.
x „Aus dienstliche« Ziiickstchterr" werden gegenwärtig viele Beamten der Post und Eisenbahn, die polnischer Herkunft sind, aus dem preußischen Osten nach den westlichen Provinzen versetzt. Einige dieser Beamten sind von ihrer Versetzung so spät benachrichtigt worden, daß es ihnen nicht mehr möglich war, an ihrem neuen Amtssitze geeignete Wohnungen zu miethen. Ein Bremser in Posen hat erst 5 Tage vor dem Termin Nachricht von seiner Versetzung nach Jülich (Reg.-Bez. Aachen) erhalten, und ähnliche Fälle lassen sich nach den Berichten der polnischen Blätter in großer Menge aufzählen. Natürlich bringt man diese Maßregel in Verbindung mit dem neuesten Ministerialerlaß an die Beamten irr beu Provinzen mit gemischt sprachlicher Bevölkerung. Man nimmt vermuthlich an, daß die Beamten polnischer Nationalität wenig geeignet seien, die Forderungen zu erfüllen, die nach jenem Erlasse von der Regierung an die Beamten gestellt werden, und so beraubt man die polnischen Beamten plötzlich und gewaltsam ihrer Heimath. Und auf solche Art will man „versöhnen"! Das Gegentheil davon, neue und gesteigerte Erbitterung kann unter solchen Umständen gar nicht aus bleiben.
h Nach halbamtlicher Mittheilung soll die reichsgesetzliche Ilegetung des Derstcherungs- wesens, die gegenwärtig vorbereitet wird, auf dem Grundsätze der Konzessionspflicht von Versicherungsunternehmungen beruhen. Dem Reiche soll die Konzessivnirung und die Aufsicht über alle Versicherungsgesellschaften zustehen, deren Geschäftsbetrieb sich auf mehrere Bundesstaaten erstreckt. Bei der Zuständigkeit der letzteren und ihrer Regierungen soll es sein Bewenden haben für die Versicherungsunternehmungen, die auf
„Wie, Lora, Du mein Kmd?" stöhnte die Prinzessin, scheu zurückbebend.
„Ja, ich, liebe Tante," versetzte Schwester Charitas und erhob sich. „Der Rathschluß Gottes hat mich hierher geführt ohne mein Zuthun. Es war ein schwerer Augenblick, ein schweres Sterben."
Die Prinzessin umarmte ihre Nichte.
„Ich habe sie nie wieder gesehen," flüsterte sie, das Haupt auf die Schulter der barmherzigen Schwester senkend; „ich hätte es nicht ertragen können. Aber als ich gestern Morgen von Herbert die Depesche mit der Todesnachricht erhielt, da konnte ich nicht anders; ich habe mich sofort aufgemacht von Wien und bin die Nacht durchgefahren, um an Jnge's Leiche zu stehen, ihr im Tode die Verzeihung zu bringen, welche ich ihr im Leben nicht hatte gewähren mögen. Der Tod versöhnt alles. Aber," fügte Prinzessin Sarolta schaudernd hinzu, „was soll diese Juwelenpracht hier an der Leiche?"
„Es war sein — Herberts Wille," antwortete Lora leise. „O Tante, Du mußt jetzt bei Herbert bleiben. Du mußt ihn stützen und trösten, ihn zurückzugewinnen suchen für Gott und das Leben! Er hat ja Niemand mehr als Dich."
„Das bittest Du, Lora, die tief Gekränkte?"
„Ach, Tante, aus dem Verluste wuchs mir der Gewinn, aus dem Schmerze die Freude hervor. Du weißt, die blaue Blume! Sie ist mir erblüht, nicht dort, wo ich sie suchte, sondern im Schatten des Kreuzes, wie mein Traum sie mir zeigte. Ich ward reich und glücklich in meiner scheinbaren Armuth. Die arme Inge jedoch — o Tante, glaubst Du nicht, daß sie gedarbt hat in all' ihrem Ueberfluß?"
25. Jahrgang.
deren eigenes Staatsgebiet beschränkt sind. Zur Durchführung einer wirksamen Aufsicht, wie sie im Interesse der soliden Versicherungsunternehmen selbst liegt, und von diesen auch gewünscht wird, soll der Errichtung einer besonderen Behörde erfolgen, die dem Reichsamt des Innern unterstellt, aber mit selbstständigen Befugnissen ausgestattet werden soll. Weiter wird angedeutet, in der Kostenfrage werde es sich empfehlen, „nach dem Vorgänge anderer Länder u. A. der Schweiz dazu diejenigen heranzuziehen, welche in erster Linie von der Einrichtung Nutzen haben", denn eine solche Heranziehung derselben zu den Kosten der Aufsicht erscheine um so unbedenklicher, als diese sich zweckmäßig und in leichten, wenig lästigen Formen durchführen lafse.
* Sehr lobenswerth sind die Grundsätze, auf denen eine soeben erlassene Kaiser!. Verordnung über die KigenIHumsrechte der Kmgeöorene« in dem deutschen Schutzgebiete von Südwest- afrika beruht. Diese Verordnung schafft sogen. Eingeborenen-Reservate. Der Reichskanzler und mit seiner Genehmigung der Landeshauptmann sind ermächtigt, Ländereien für das unveräußerliche Eigenthum eines Eingeborenenstammes oder Verbandes von Stämmen zu ertheilen und zu Wohnplätzen für den Stamm oder den Verband vorzubehalten (Reservate). Solche Reservate sind alsbald unter möglichst genauer Bezeichnung der Grenzen öffentlich bekannt zu machen. Die innerhalb eines Reservates belegenen Grundstücke können nur mit Genehmigung des Landeshauptmanns Gegenstand von Rechtsgeschäften zu Gunsten Fremder bilden. Aus anderen Rechtsgeschäften finden Zwangsvollstreckungen zu Gunsten Fremder weder in die Grundstücke selbst, noch in deren Zubehörstücken statt. Kein Fremder darf ohne Erlaubniß des Landeshauptmanns in dem Re- fervat wohnen, Land in Benutzung nehmen oder Handel oder Gewerbe betreiben. Fremde im Sinne dieser Verordnung sind alle nicht zu demjenigen Stamme oder Verbände gehörigen Personen, für welche das Reservat geschaffen worden ist. Zuwiderhandlungen gegen dieses Verbot werden mit Ge- fängniß bis zu 3 Monaten oder Geldstrafe bis zu 3000 Mark bestraft.
* Für die Versicherten der Kagekver- stcheruugsgeseltschafl „Germania" soll nach einer durch die Blätter gehenden Nachricht im Abgeordnetenhause eine Staatsunterstützung von 100,000 bis 300,000 Mark beantragt werden, damit dieselben die von ihnen geforderten enormen Nachschüsse bequemer zu zahlen vermöchten. Die,Nationalztg.' bemerkt dazu, man könnte gerade so gut Staatshilfe für die Besitzer der Pfandbriefe der Stettiner National-Hypo- theken-Kreditgesellschaft verlangen!
* Darmstadt, 16. April. Englische, amerikanische und französische Zeitungen haben Nachrichten über angebliche Zerwürfnisse zwischen dem Großherzog und der Großherzogin verbreitet und sogar schon eine bevorstehende Ehescheidung angekündigt. Nachforschungen nach dem Urheber dieser Skandalnachrichten, die man für böswillige Verleumdung erklärt, sind bereits eingeleitet, wie die ,Franks. Ztg.' aus zuverlässiger Quelle erfäqrt. Das großherzogliche Paar wird übrigens am Mitt-
Das Auge der Prinzessin wurde feucht, wie es von dem durchgeistigten Antlitze der Nonne auf das Gesicht der Todten schaute.
Ehe die Erschütterte ein Wort der Erwiderung gefunden, war die Morberg vorsichtigen Schrittes eingetreten. Sie sagte schon auf der Schwelle: „Sie wollten gegen fünf Uhr abgelöst sein, Schwester, um den Frühzug zu benutzen .... Mein Gott, wer ist denn das?"
Die erschreckte Kammerfrau bemerkte erst jetzt die Gestalt der Fremden und blickte fragend auf die Schwester.
„Die Frau Prinzessin von Hohenburg, die Tante des Herrn Grasen," erklärte diese ruhig. „Es ist gut, liebe Frau Morberg; ich bin sogleich zur Abreise bereit."
Aber Frau Morberg beachtete die arme Ordensfrau schon nicht mehr; sie erstarb in Ehrfurcht vor der erlauchten Verwandten ihres Gebieters.
„Ich werde den Herrn Grafen augenblicklich benachrichtigen laffen, obschon derselbe sich erst vor einer Stunde geleqt hat," sagte sie diensteifrig. „Durchlauchts Ankunft verändert eben alles. Seine Gnaden werden auch der Schwester Lebewohl sagen wollen."
„Nein, nein," wehrte Schwester Charitas, „lassen Sie den Herrn Grafen ruhen. Ich gehe sofort."
Die Thränen, welche wieder heiß in ihre Augen stiegen, gewaltsam bekämpfend, sank sie an den Katafalk nieder, ein letztes Gebet zu verrichten. Prinzessin Hohenburg kniete zur Verwunderung der Kammerfrau neben sie hin, und als Schwester Charitas sich erhob und noch einmal ihre Hand auf die