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mit Unterhaltungs-Anlage „Mussrirte Sonntags-Zeitung"

M 85.

Jutba, Samstag, den 16. April 1898

25. Jahrgang.

Deutsches Deich.

Berlin, 15. April.

* Der Kaiser ist gestern Nachmittag von Homburg nach Wiesbaden übergesiedelt. Auf dem Bahnhofe waren Prinzessin Luise von Preußen sowie die Spitzen der Behörden zum Empfange erschienen. Der Kaiser begab sich alsdann nach dem Schlosse. Um 7VI2 Uhr be­suchte er das Hofl Heater. — Se. Majestät trifft am Montag zur Auerhahnjagd in Kalten­bronn (Baden) ein. — Der Kaiser hat dem jetzt in Erfurt tagenden Vereine für Reformations­geschichte aus seiner Privatschatulle 20,000 Mk. zur Herausgabe der noch ungedruckten Werke Melanchthons zugewiesen.

* Zur Erleichterung des Verkehrs in der Bai von Kiautschott hat die deutsche Regierung den Bau einer Anzahl leichter Schleppboote, welche im Kriegsfälle auch mit Geschützen armirt werden können, beschlossen. Dieselben sollen stückweise gebaut und erst an Ort und Stelle zusammengesetzt werden; deutsche Handelsschiffe sollen sie nach China bringen. Eine große Menge Telegraphenmaterials ist ebenfalls zur Verwendung für China bestellt worden. Der deutschen Firma Sietas und Co. in Ehefoo wurde seitens des deutschen Marinekommandos in Kiautschou die Bewilligung zur Errichtung einer Niederlassung ertheilt.

* Anfangs hieß es, die diesjährige Lattd- lagssesfion sollte ganz kurz sein. Nach dem bis jetzt ausgegebenen Verzeichnisse der uner­ledigten Vorlagen aber ist es nicht ausgeschlossen, daß die Session sich bis über Pfingsten ausdehnt, da die Vorlage über das Dimstein- kommen der evangelischen und katholischen Geist­lichen so spät vorgelegt worden ist, daß die Kom- missionsberathungen erst am 23. ds. beginnen können. Auf die Erledigung des Entwurfs in dieser Session wird weder die Regierung noch der Landtag verzichten wollen. Außerdem sind noch rückständig von Regierungsvorlagen die zweiten und dritten Berathungen des Kompta- bilitätsgesetzes, des Privatdozentengesetzes, die drei Berathungen des Sekundärbahngesetzes und einer Reihe von Kirchengesetzen, sowie das west­fälische Anerbengesetz.

. *** Unter der Überschrift: „Rarität im Lichte des politischen Katholizismus" findet sich in Nr. 88 der .Münchener Allgemeinen Zeitung' folgender Ausschnitt aus der,Augsburger Abendzeitung', den auch sonstige liberale Blätter Nachdrucken:

Gegenüber dem Paritätsgeschrei, das gegenwärtig den bayerischen Landtag und die Centrumspresse erfüllt, ist es interessant, davon Kenntniß zu nehmen, was der politische Katholizismus unter „Parität" eigentlich ver­steht. Das von der Görresgesellschaft heraus­gegebene „Staatslexikon" zur Pflege katholischer (d. h. ultramontaner) Wissenschaft (Bd. III, 1519 ff.) enthält unter „Parität" folgenden instruktiven Abschnitt.

Es folgen dann unter Anführungszeichen 28 Druckzeilen, die sonach jeder Leser für einen

W* Es ist uns gelungen, für das Feuilleton der .Fuldaer Zeitung' wiederum einen Roman aus der Feder des rühmlichst bekannten, sehr beliebten katholischen Schriftstellers C. Neid egg zu erwerben. Der Roman ist betitelt: „Koste Aieke" und wird ohne Zweifel den Beifall unserer Leserinnen und Leser finden. Der Ab­druck beginnt voraussichtlich schon am Dienstag.

Mege mtb Ziele.

Roman von A. Jüngst.

36 ------ (Nachdruck verboten.)

„Herr Geheimrath, können Sie wirklich nichts, gar nichts für meine Frau thun?" fragte Graf Ostheim, als er den Arzt in's Vorzimmer geleitete. „Sie wissen, was menschliche Kraft, menschliche Kunst nur irgend vermögen ..."

„Ich weiß, Herr Graf; aber einem solchen Leiden steht die Wissenschaft machtlos gegenüber. Wir können nur unterstützen, nur lindern; aber helfen . . .?" Er zuckte traurig die Achseln. „Hat Ihre Frau Gemahlin kein Verlangen nach den Kindern?"

„Nein, ich glaube nicht."

«Frau Gräfin wünschen den Herrn Graf zu sprechen," ertönte die sanfte Stimme der Schwester.

Der Graf eilte sofort an das Bett seiner Ge­mahlin, indeß der Arzt der Nonne noch einige Verhaltungsmaßregeln gab.

„Du sprachst mit dem Doktor, Herbert," brachte die Kranke mühsam keuchend hervor. „Er hat doch nicht gesagt, daß — daß ich sterben müsse? Ich will nicht sterben! Hörst Du, ich will nicht!"

„Aber Inge, welche Schreckgemälde malt Deine erhitzte Phantasie Dir vor," suchte der Graf sie

wortgetreuen Abdruck aus dem Artikel „Parität" im „Staatslexikon" halten muß. Dem­gegenüber konstatirt die ,Donauzeitung':

Das „Staatslexikon" enthält überhaupt keinen Artikel über „Parität". 2. Die angeführten Sätze sind entnommen aus dem Artikel des Professors Dr. Biederlack, 8. J, über „Oberaufsichtsrecht". 3. Sie ent­halten nicht die wortgetreue Wiedergabe eines Abschnittes, sondern eine tendenziös gekünstelte Zusammenstoppelung aus verschiedenen Bruchstücken des Artikels. 4, Die ersten zwei Sätze finden wir Kolumne 1523, die folgenden auf Kolumne 1519, den letzten Satz auf Kolumne 1520, dazwischen sind ganze Partien ausgelassen. 5. Es ist überhaupt kein einziger Satz wortgetreu und vollständig wiedergegeben.

Wir wollen nun sehen, ob die liberalen Blätter so viel Gerechtigkeitsgefühl haben, ihre falschen Angaben richtig zu stellen. Das fällt denen natürlich gar nicht ein, dagegen wird diese Fäl­schung noch jahrelang von liberaler, freimaurerischer und bündlerischer Seite immer und immer wieder als reine Wahrheit vorgetragen werden. Der­artige tendenziöse Fabeln und Geschichtslügen gegen den Katholizismus haben erfahrungsgemäß ein sehr zähes Leben.

Interessant, aber nicht erfreulich sind einige Ergebnisse, die aus den nunmehr erfolgten ge­naueren Zusammenstellungen aus der letzten ZLernfszäHlrmg heroorgehen. Aus diesen Er­gebnissen geht nämlich von neuem eine sehr starke Abnahme der Kleinbetriebe und eine ent­sprechend große Vermehrung der Riesen­betriebe im Geschäftsleben hervor. Die Be­triebe ohne jede Hilfskraft, die sogenannten Allein­betriebe, haben fast überall abgenommen; zuge­nommen an Zahl haben sie nur in der Gärtnerei, Thierzucht, im Baugewerbe, im Handels- und Versicherungsgewerbe. Auch die Betriebe mit 1 bis 5 Personen haben fast überall abgenommen, während die Großbetriebe eine mit der Größe verhältnißmäßig ansteigende Zunahme erfahren haben. Am allerstärksten haben die Großbetriebe zugenommen im Bergbau, in der chemischen In­dustrie, der Textil-, Maschinen- und Papier-In­dustrie. Eine Berliner Zeitungskorrespondenz berichtet, die Schaffung einer kommunalen Umsatzsteuer für Großwaarenhäuser und ähn­liche Unternehmungen würde die volle Zustim­mung der maßgebenden Regierungsstelle finden. Ob diese Meldung richtig ist, entzieht sich im gegenwärtigen Augenblicke der Beurtheilung. Aber im Königreiche Sachsen besteht bereits eine kommunale Umsatzsteuer dieser Art, und was im Königreiche Sachsen möglich ist, braucht in Preußen und anderwärts in Deutschland nicht un­möglich sein.

h. Vor einigen Tagen fand in Halle a. b. S. eine General - Versammlung des Verbandes der Lagerhalter in soziatdemokratischett Kovsttm- Dereine« statt. Es wurde bei dieser Gelegen­heit festgestellr, daß die Ausbeutung der Ange-, stellten noch ebenso stark ist wie ehedem: die Ge­schäftszeit erreicht auch jetzt noch stellenweise die ungeheuere Höhe von 96 Stunden in der Woche, während die vertheilten Dividenden bis zu 18 pCt. hinaufgehen. Lägen nicht diese Ziffern in ganz zweifelloser Bestimmtheit vor, sollte man gar nicht glauben, daß bei den Sozialdemokraten die scham­loseste Ausbeutung von Arbeitskräften eine so außerordentliche Höhe erreicht. Das nennt

zu beschwichtigen und beugte sich zärtlich über sie. „Der Geheimrath meinte nur, ob nicht die Sehn­sucht nach Kurt und Elsa Dich heimlich quäle; er meinte, ich möge die Kinder herüberkommen lassen."

„Ich will die Kinder nicht sehen. Ich habe kein Verlangen nach ihnen; ich habe nur ein einziges heißes, unnennbares Verlangen: gesund zu sein, gesund. Alles andere ist mir gleichgiltig. Geh'!"

Schwester Charitas folgte dem Grafen. Die zarten Hände ineinander gefaltet, stand sie auf der Schwelle ihm gegenüber. „Herr Graf", begann sie.

„Herr Graf? Lora!"

„Das Vergangene ist vergangen, lassen wir es ruhen," bat Schwester Charitas mit einem so innig flehenden Aufschlag ihrer schönen Augen, daß Graf Ostheim beschämt die seinen senkte. „Die Gegenwart ist ernst genug. Hat die Frau Gräfin schon die heiligen Sakramente empfangen?"

„Die Sakramente!" Lora, was denkst Du? Eine solche Grausamkeit!"

Ein schmerzlicher Ausdruck flog über das Antlitz der Nonne.

„Grausam nennen Sie, was die letzte Gabe der Liebe, der letzte Beweis der Treue ist? Wollen Sie Ihre Frau Gemahlin ohne die Tröstungen der heiligen Kirche ins Jenseits ziehen lassen?"

„Nicht weiter, ich ertrage es nicht," stöhnte Graf Ostheim, sein Gesicht verhüllend.

Die Schwester kehrte in die Krankenstube zurück und setzte sich betend zu Füßen des Bettes nieder, jede Bewegung, jeden Athemzug der

sich Theorie und Praxis bei den Herren Ge­nossen.

* Köln, 15. April. Eine Versammlung der Centrumspartei, in welcher ein Vor­trag des früheren Reichstagsabg. Dr. Orterer angesagt war, hat am Dienstag hier stattgefunden unter dem Vorsitz des Justizraths Custodis. Dr. Orterer erörterte die Stellung der Centrums­partei zu den verschiedenen Tagesfragen und er­mahnte alsdann unter stürmischem Beifall zur Aufrechterhaltung der Einigkeit der gesammten Centrumspartei „überall, am Rhein, an der See, an den Bergen, im Süden".J Abg. Trimborn aus Köln sprach in demselben Sinne für die Aufrechterhaltung der Einigkeit. Mit dem Danke an Dr. Orterer schloß der Vorsitzende die Ver­sammlung in der Hoffnung auf ungeschmälerten Fortbestand des Centrums mit einem Hoch auf den bayerischen Gast.

Ausland.

* Brüssel, 15. April. Demnächst wird in Belgien der Wahlkampf entbrennen. Nach der im Jahre 1893 revidirten Verfasfung besteht die Repräsentantenkammer aus 152 auf 4 Jahre ge­wählten, mindestens 25 Jahre alten Mitgliedern. Jeder 25 Jahre alte, mindestens ein Jahr in derselben Gemeinde ansässige und durch das Ge­setz nicht wegen Unwürdigkeit ausgeschlossene Bürger hat eine Wahlstimme. Jeder 35 Jahre alte ver- heirathete Bürger oder Wittwer mit ehelichen Kindern, der 5 Frks. Personalsteuern zahlt, jeder 25 Jahre alte Eigenthümer von Grundbesitz im Mindestwerthe von 2000 Franken und Renten­besitzer hat eine zweite Wahlstimme; 2 ergänzende Wahlstimmen (im Ganzen also 3) haben die aka­demisch Gebildeten und diejenigen, welche ein höheres öffentliches Amt odereine höhere Bildung voraussetzende Stelle inne gehabt haben oder inne haben. Die Wahlen sind direkt. Gesetzlich sind die 9 Provinzen in 2 Serien für die Wahlen ein- getheilt; die erste Serie umfaßt die Provinzen Antwerpen, Brabant, Westflandern, Luxemburg und Namur; die zweite Serie umfaßt die Pro­vinzen Oftflc-ndern, Hennegau, Lüttich und Lim­burg. Alle 2 Jahre findet die Erneuerung der Hälfte der Repräsentantenkammer statt; im heu­rigen Jahre ist die zweite Serie der Provinzen an die Reihe. Der Wahltag der 4 Provinzen ist festgesetzt auf Sonntag, 22. Mai, und die Wahl­bewegung ist bereits im klüftigen Zuge bei den Katholiken, Liberalen und Sozialisten. Von den 75 zurücktretenden Abgeordneten, deren Wieder­wahl gesetzlich nicht ausgeschlossen ist, gehören 39 der Rechten und 36 der Linken; unter letzterer Bezeichnung sind Radikale, Liberale und Sozia­listen zusammengefaßt. Da die Linke nur 41 Depu­tate zählt, steht diesmal das parlamentarische Schicksal der ganzen Partei in Frage.

* Baris, 15. April. Auf der hiesigen spanischen Botschaft, wo am Mittwoch noch die Erwartung ausgesprochen wurde, daß der Friede erhalten bleiben wird, wurde gestern erklärt, jedeStunde könne die Kriegserklärung bringen. Spanien habe die letzten Tage eifrig beruht, besonders seien gegen den erwarteten Versuch einer Blokade Havannas Maßnahmen

Leidenden beobachtend, jeden ihrer Wünsche er- rathend und geräuschlos erfüllend.

„Schwester," flüsterte die Gräfin einmal, „Sie erinnern mich an Jemand, den ich kenne — an — an . . ." Sie bemühte sich vergebens, das Bild zu entwirren, welches dunkel ihrem Geiste vorschwebte. „Ich kann es jetzt nicht finden: mein Kopf ist so schwach. Wenn ich gesund bin . . Ich werde bald gesund sein, Schwester. Ich will es, und was ich will, habe ich immer noch durchzusetzen gewußt."

„Gott ist der Herr über Gesundheit und Krankheit," sagte Schwester Charitas freundlich. „Was meinen Frau Gräfin, wenn einmal der Herr alles Lebens zu Ihnen käme?"

„Ich verstehe Sie nicht."

„Ich meine, wenn Frau Gräfin die heiligen Sakramente empfingen."

„Wie dürfen Sie wagen . . . . " rief die Kranke heftig. „Schweigen Sie, ich will nichts hören. Sie könnten mir am Ende noch vorreden, ich wäre ernstlich krank, während ich doch nur schwach bin, schwach ..."

Der Rest erstarb in unverständlichem Murmeln. Das Haupt der Gräfin war schwer in die Kissen gesunken.

Stunde um Stunde verrann. Der Geheim­rath Olten kam und ging, jedesmal mit ernsterem Antlitz und tiefer umwölkter Stirne.

„Sie wird die Nacht nicht überleben," flüsterte er der Schwester zu, „jeder Augenblick kann der letzte sein."

Nun war die Nacht vergangen, der neue Tag an­gebrochen, und indem Befinden der Gräfin Ostheim war noch immer keine Veränderung eingetreten.

großen Stils getroffen. Auf der amerikanischen Botschaft wird der Krieg gleichfalls für unver­meidlich gehalten. Der amerikanische und der spanische Botschafter haben alle Einladungen ab­gelehnt.

* Madrid, 15. April. Die Cortes werden am nächsten Mittwoch sofort nach ihrem Zusam­mentritt eine geheime Sitzung abhalten, um das Resultat wichtiger Schritte zu vernehmen, welche die Regierung gethan hat, um im Kriegsfälle nicht völlig auf die eigene Kraft ange­wiesen zu sein. Es verlautet, daß bei dieser vom Kabinette unternommenen Aktion kein euro­päischer Staat in Betracht kommt. Die Königin- Regentin unterzeichnete das Dekret betr. die Er­öffnung einer Nation alsubkription zur Ver­mehrung der Flotte. Sie hat für diesen Zweck 1 Million Pesetas gezeichnet, die Infantin Isa­bella 50000 Pesetas. Marschall Martinez Cam­pos erklärte einem Berichterstatter gegenüber, er werde, um dem Baterlande zu dienen, den Posten annehmen, den man für ihn bestimmen werde. Campos äußerte dann weiter. Jeder solle wissen, daß die Situation ernst sei, damit Jeder ruhig bleibe, welche Entscheidung auch getroffen werde.

* Kauea (Kreta), 15. April. Eine Abtheilung russischer Truppen, die in das Innere ge­schickt worden war, um von Muhamedanern ge­stohlenes Vieh zurückzuholen, wurde von einer Bande Baschibozuks beschossen. Die Russen er­widerten das Feuer, wobei ein Mann auf Seiten der Türken getödtet wurde. Kein Russe wurde verletzt. Die russischen Truppen umstellten später das Dorf Perivolia, um die Einwohner zu ent­waffnen.

* Montreal (Kanada), 15. April. Der Erzbischof von Quebec, Kardinal Tascherau, ist nach langer Krankheit gestorben. Er ist 78 Jahre alt geworden. Seine theologischen Studien hat er in Quebec begonnen und in Rom beendigt. 1862 wurde Tescherau Generalvikar und 1871 Erzbischof von Quebec. 1886 ernannte ihn der Papst zum Kardinalpriester.

if Ein Paradies für Bricfmarken- Sammler

ist die Sammlung der Postwerthzeichen im Mu­seum des Berliner Reichspostamtes. Die Post- werthzeichen-Sammlung des Reichspost-Museums ist eine der größten Sammlungen ihrer Art, die in mehr als einer Beziehung unübertroffen da­steht. Sie ist aus kleinen Anfängen hervorge­gangen. Den Grundstein zu der Sammlung bildeten die Postmarken preußischen Ursprungs, und zu ihnen gesellten sich zunächst solche Werth­zeichen, die der einheimischen Postverwaltung bei Neueinführungen zugesellt wurden. Obgleich die Anfänge der Sammlung nur auf das Jahr 1868 zurückgehen, hatte sie bereits im Jahre 1873 eine solche Bedeutung gewonnen, daß sie auf der Wiener Weltausstellung gezeigt werden konnte, und bald entwickelte sich ein regelrechter Tausch­verkehr mit den Postverwaltungen anderer Staaten. Im Jahre 1878 kamen sämmtliche dem Welt­postverein angehörigen Postoerwaltungen überein, die von ihnen eingeführten Postwerthzeichen unter

Schwester Charitas, welche die ganze Nacht durchwacht hatte, saß an der einen Seite des Bettes, ihr gegenüber Graf Ostheim, beide zitternd um das sinkende Leben, beide mit derselben Aengstlichkeit jede noch so leise Bewegung der Kranken beobachtend. Und doch — wie ver­schieden beide: die Schwester in unterbrochenem Gebete für die Sterbende sich zum Opfer brin­gend, der Graf in stummer Verzweiflung vor sich hinbrütend.

Ein Strahl der Morgensonne schlich sich durch eine Spalte der Läden. Schwester Charitas er­hob sich geräuschlos, den Eindringling zu ver­jagen, als die Gräfin langsam die Augen auf­schlug.

„Ach, Lora," flüsterte sie kaum verständlich, ich wußte ja, daß Du kommen würdest. Gib mir die Hand, ich führe Dich in die Dünen, in die schönen, sonnenschimmernden Dünen. Hier ist es dunkel, dort ist alles licht und hell. Wie, Du willst nicht, Lora? Du weigerst Dich? Du fürchtest wohl gar, ich würde Dir wieder die Schuhe ausziehen wie damals?"

Die Gräfin lachte leise, ein seltsames, von Röcheln unterbrochenes Lachen.

„Dummes Ding'. Wie sagte doch meine Großmutter?" Sie legte den Finger an die Stirn und dachte nach. „Ziehe ihr die Schuhe aus, und Du wirst dereinst in ihren Schuhen stehen! Haha, ich, Inge Gerrit, in den Schuhen der Komtesse Lora von Ostheim!"

Schwester Chaxitas trocknete mit sanfter Hand die feuchten Schläfen und hielt den letzten Labe­trunk an die Lippen der Sterbenden.

„Laß, laß! Ich will nicht. Morberg, rufe