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25 JahrgM-a.
Iuköa, Samstag, bett 9. April 1898
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Inserate: Die ein» spalt. Garmond- geile oder deren Raum 15 Pf, Reklamen die Petitgeile 25 Pf.; bei Wiederbolungen wirdentiprechend. Rabatt gewährt.
verantwortlich: Für die Redaktion Jo(. Saunt, für Inserate I.parzeller in Fulda.
Druck und Verlag der Fuldaer Actiendruckeret petersgasse Nr. i (Harmonie).
räumen. Er müsse jedoch die praktische Durchführbarkeit dieser Maßregel in Zweifel ziehen. Es sei ein Ding der Unmöglichkeit, daß eine große Versammlung nach der Richtung genügend überwacht werden könne, und man dürfe nicht die Polizeibehörde in Verlegenheit setzen, ein Gesetz zu handhaben, welches von vornherein an seiner Durchführbarkeit zweifeln lasse .. .." Aber die Konservativen haben in der sächsischen Kammer an sich die Mehrheit. Und so wurde das Gesetz dennoch mit 44 gegen 26 Stimmen angenommen.
Nach langen Verhandlungen und Kammerdebatten ist in Württemberg die Frage der Verfasiungs- Aenderung zu einem gewissen Abschlüsse gelangt, wenigstens zum Abschlüsse in der zweiten Kammer. Diese hat den Gesetzentwurf mit 69 gegen 18 Stimmen angenommen. Dagegen stimmten nur die Privi- legirten. Auch die Nationalliberalen stimmten mit ja, aber nur deswegen, um nun den Entwurf an die erste Kammer gelangen zu lassen. Die Nationalliberalen sind gegen die Verhältnißwahl, gegen den „Proporz", wie man sagt. Das Centrum erklärte nur zuzustimmen unter der Annahme, daß fortab die katholischen Rechte besser geschützt werden. Es verlangt im besonderen Zulassung von Orden und Kongregationen für überwiegend katholische Orte und konfessionelle Schulaufsicht. Im Ganzen ist also noch lange nicht das letzte Wort über die Verfassungsreform gesprochen. Zunächst aber hat sich nun die erste Kammer damit zu beschäftigen.
Der Zola-Prozeß in Frankreich ist nicht mehr, so hat das Pariser Obergericht entschieden. Die Grundlagen für den Prozeß sind nach dem Urt heile des Kassationshofes falsch gewesen, und so hat derselbe durch den ganzen Prozeß einfach einen dicken Strich gemacht — weg damit, er ist nicht mehr! Aber nun ist die Dreyfus-Clique wieder dabei, um aus dieser Urtheil für Herrn Zola und für sich möglichst viel Kapital zu schlagen. Zu diesem Zwecke brachte das Pariser Blatt,Siede' feine mit „Diplomat" unter zeichnete Darstellung, worin die Grundlinien eines künftigenBeweisverfahrens gegen den Major Esterhazy ge=' geben sein sollen. Ohne Wissen des deutschen Botschaftes soll er mit dem deutschen Militärattache vonSchwartz- koppen seit 1892 verkehrt haben, und ihm angeblich 162 mehr oder minder werthvolle Dokumente geliefert haben, darunter einige über Italien. Aber die deutsche Regierung wird sich durch solche angebliche „Enthüllungen" ebenso wenig aus ihrer Ruhe und aus ihrer Zurückhaltung herauslocken lassen, wie durch die Wühlereien vorher. In der Sache Dreyfus- Esterhazy — so bemerkt die Berliner Host' in halbamtlicher Tonart — ist so viel gefabelt, phantasirt und dann „enthüllt" worden, daß jeder Maßstab dafür fehlt, was an Wahrheit aus diesem Wust von Geschreibsel übrig bleibt .... Will die französische Regierung festgestellt wissen, was an dieser Geschichte etwa nicht gefabelt ist, so mag sie selbst sprechen. Sie hat das ja um so leichter, als Esterhazy ihr engster Vertrauensmann ist. Also, wenn offiziell etwas zu äußern sein sollte, so hat jetzt die Regierung der französischen Republik das Wort!"
Ganz bedrohlich haben sich die Beziehungen zwischen Spanien und Nordamerika gestaltet. Jeder Tag kann den Anfang des Krieges bringen. Gegenwärtig ändert sich aber die Lage mit jedem Tage, und so läßt sich an dieser Stelle schwer ein übersichtliches Bild der Lage im großen und ganzen entwerfen. In den letzten Tagen berichteten die Zeitungen davon, daß der Papst zwischen den streitenden Theilen vermitteln wolle. Die Anregung dazu ist von Deutschland ausgegangen, und so herrschte während der letzten Tage im Vatikan große diplomatische Bewegung. Der preußische Gesandte besuchte den Vatikan auch an Tagen, wo kein offizieller Empfang stattfand. Die Einwirkung des Papstes auf die Königin-Regentin von
Erscheint täglich, m. Ausnahme der Sonn- und Feiertage. Vierteljährl.
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Und nicht allein im Hause des Herrn: Gen Satans List, in der alten Fehde, Da steht ein echter Christ nicht fern Der Kreuzesfahne, er weiht sein Leben Für Christus all sein Kämpfen und Streben!
X Tas CharsamStagS-Alleluja.
Skizze aus dem Leben von W. Conrady.
(Nachdruck verboten.)
Er kam vom Grabe der Gattin.
Frühling war's und der Himmel war ein Meer von Blau. Linde Lüfte zogen dahin. Vögel jauchzten auf und jagten einander nacb in der Höhe. In den nahen Gärten der schmucken Häuser am Aus gange der Residenzstadt grünten eben die ©pit}en des Fliederstrauches, und an den Villen vorbei, die sauberen Trottoirs entlang, wallten rVcr , ^aQte "".d einsame Menschen, die einen fröglid) lachend, die anderen still sinnend, alle — fo schien es ihm, mit der Miene des Glückes, mit Zügen im Antlitz, die mit der so hold erblickten Frühlings-Natur lieblich harmonirten.
Wochen-Rundschau (Nachdruck »erboten.)
X Fulda, 9. April.
Der Zeitpunkt der Neuwahlen zum Reichstage rückt immer näher. Es wurde berichtet, daß als Tag für die Neuwahlen der 16. Juni in Aussicht genommen fei. Und dieser Meldung ist nicht widersprochen worden. Man wird darum anzunehmen haben, daß die Meldung richtig war, und daß die Neuwahlen wirklich an diesem Tage stattfinden sollen. Viel Zeit haben wir nicht mehr zu verlieren. „Die Waffen zur Hand!" ruft deswegen das sozialdemokratische Berliner Hauptorgan aus. „Gut, wie im Allgemeinen unsere Organisation — sie muß fortwährend verbessert, die Rahmen immer mehr ausgefüllt, die Rechen immer fester geschlossen werden. Und die Waffen zur Hand, auf daß keine Ueberrumpelung möglich ist. Unter den politifchen Kriegswaffen steht aber für alle Parteien, und für unsere junge, geächtete Partei mehr als alle anderen, die Presse in erster Linie. Unsere Parteipreffe ist unsere beste Waffe für Vertheidigung und Angriff. Sie ist unsere beste Waffe für den Wahlkampf. Unsere Organisation unablässig vervollkommnen; unsere Parteipresse für Vertheidigung und Angriff immer wirksamer gestalten, durch Mitarbeit, durch Vertiefung des Inhalts und Erweiterung des Leserkreises sie zur Erfüllung ihrer Aufgabe immer geeigneter machen, das ist die beste Vorbereitung zum Wahlkampfe!" .... Diese Worte des sozialdemokratischen .Vorwärts' sollten für unsere Parteigenossen eine recht kräftige Mahnung sein, zu rechter Zeit und mit voller Kraft die Wahlarbeit zu beginnen.
„Einigkeit macht star k" — Einigkeit ist die wichtigste und beste Vorbedingung für den Wahlkampf. Reißt erst Uneinigkeit in den Reihen einer Partei ein, dann beginnt damit zugleich deren Verfall. Der Zerfall der liberalen Parteien ist das beste Beispiel dafür, eine dringende Warnung für andere Parteien. Die freisinnige Partei zählte 1884 nahezu eine Million Stimmen, 1890 brachte sie es auf 1159915 Stimmen. Dann aber trat die Trennung in zwei Fraktionen ein, und die freisinnige Volkspartei erhielt^ 666439, die freisinnige Vereinigung 258481 Stimmen — beide zusammen nach der Trennung also riel weniger, als vorher die geschlossene freisinnige Partei. Wie haben sich in derselben Zeit andere Parteien entwickelt? Im Jahre 1871 erhielt das Centrum 718248, schon bei den folgenden Wahlen 1438792 Stimmen, und es hat sich fast durchweg auf dieser Höhe erhallen. Seine Mitgliederzahl ist niemals unter 1177000 gesunken und erreichte 1893 eine Gesammt- heit von 1468501 Stimmen. Die Sozialdemokratie ist in der ersten Legislaturperiode 1871 nur mit 101927 Stimmen verzeichnet; 1874 wächst sie auf 351 670, 1877 auf nahezu eine halbe Million. Nach kurzem Schwanken nimmt die Partei einen mächtigen Aufschwung. Von 1887—1893 erreichte sie folgende Stimmenzahlen: 763182, 1427 298 und 1 786 738. Die Hoffnung der Partei, es bei den nächsten Wahlen auf 2 Millionen Stimmen zu bringen, ist nicht erfreulich, aber sie ist nicht unberechtigt. Und dennoch hat teilte Partei so viele Wandlungen durchgemacht, so viele wesentliche Punkte ihres Programms aufgegeben, so viele heftige, persönliche Streitigkeiten vor aller Oeffentlichkeit, so viele Kämpfe zwischen Fraktion und Presse und zwischen dm einzelnen Zeitungen untereinander durchgemacht, wie die Sozialdemokratie. Aber
als die Perlen unter allen Chorälen gregorianischen und ambrosianischen Ursprungs.
Gehört hatte er sie eigentlich noch nicht, wenigstens nicht mit Bewußtsein, denn seit er als Student die Universität bezogen, hatte er keine Kirche mehr besucht. Nur gespielt hatte er den Choral oft auf seinem Harmonium in seinem Arbeitszimmer, und er hatte sich ausgemalt, wie mächtig dieses dreimalige Alleluja auf eine in der Kathedrale versammelte gläubige Menge wirken müsse.
Nur einmal wollte er dies doch hören! Zudem, er wollte Menschen sehen, glückliche Menschen! Er folgte der Mutter und dem Knaben, so eilig!sie auch gingen, um das Alleluja nicht zu versäumen. Das, grade das wollte auch er hören. .
Perlen des Schweißes standen auf seiner edlen Denkerstirne, als er den Hut abnehmend, hinter der Mutter, mit dem blonden Knaben durchs Portal des hohen Domes trat. ,
Noch herrschte feierlicher Ernst, Trauerstimmung in der dunkeln Kathedrale. Von den Tausenden, die da in Andacht versunken dem erhabenen Gottesdienste beiwohnten, war fast nichts zu unterscheiden, denn nur die gemalten Glasfenster goßen ein mysteriöses Dämmerlich über die weiten Hallen aus.
Schon war die Weihe der fünf Weihrauchkörner für die Osterkerze vollzogen, das „Exultet“ und das „Lumen Christi“ gesungen, das hl. Meß- opf er hatte begonnen. Zum ersten Male erstrahlte in der Ferne wieder der Hochaltar im Lichte der Kerzen. Aber noch rauschte kein Orgelklang durch das weite Heiligthum. Da auf einmal intonirt der Priester das „Gloria", und nun durchbraust
O ster«!
ißegrü6t sei, lieblicher Ostermorgen, 'S) Ihr Osterglocken, seid gegrüßt!
Verstummt sind die Klagen, verscheucht sind die Sorgen, Nun jubelt, die ihr in Schmerzen gebüßt!
Nun laßt uns froh zum Heiland wallen, Und die Sicgeshymne zum Himmel schallen.
Nun ist die letzte Sorge geschwunden, Wie er gesagt, so ward es vollbracht; Die Hülle besiegt, der Tod überwunden. Glorreich erstanden aus Grabesnacht! Der uns auch erlöst aus dem Grabe der Sünden, Des Heilands Ruhm laßt jubelnd uns künden!
Und künden nicht nur mit Lied und Rede
mit Anlerhattungs-Meilage „Mustrirte Sonntags-Zeitung!'
Spanien bezweckte vor allem, Spanien zur Gewährung eines Waffenstillstandes an die Aufständischen in Cuba zu bestimmen. Und daraufhin hat die Regierung von Cuba in der That an die Aufständischen einen Ausruf gerichtet, zum Zwecke Feststellung eines Waffenstillstandes die Waffen ruhen zu lassen, und daran die Ankündigung geknüpft, daß Spanien bereit sei, der Insel Cuba noch mehr Selbstständigkeit, als jetzt zu gewähren. Und wie in Madrid, so fragte der Papst auch in Washington beim Delegaten Satolli vertraulich an, ob feine Vermittelung Aussicht auf Erfolg haben könnte. Die Vereinigten Staaten zeigten sich aber wenig geneigt, die Vermittelung des Papstes anzunehmen. In Wirklichkeit handelt es sich darum, ob Spanien Cuba behalten soll oder nicht. Alles andere ist Nebensache geworden. In Europa wendet man überall seine Sympathien den Spaniern zu, denen nach all' den Bemühungen, die sie angewandt haben, um ein altes Unrecht an Cuba zu sühnen, im gegenwärtigen Augenblick entschieden ein ungerechter Krieg auf- gezwungen werden würde, wenn es zum Kriege kommen sollte. Die Sympathie bedeutet aber »och keine Unterstützung. Gewiß wird Europa nicht dulden, daß die Vereinigten Staaten Spanien in Europa angreifen, aber daran ist vorläufig nicht zu denken; die Yankees werden in den ersten Kriegswocheu genug zu thun haben, um sich ihrer eigenen Haut zu wehren. Hat Spanien kühne und kriegserfahrene Männer, so kann es sogar sehr beträchtliche Vortheile erringen, denn für's erste ist es weit besser gerüstet, als die Vereinigten Staaten. Aber Spanien ist arm, und die Yankees sind unermeßlich reich. Und am längsten kann den Krieg der aushalten, der das meiste Geld hat.
Bei der ängstlichen Spannung, mit der man die Ereignisse in Cuba verfolgt, ist es fast unbeachtet geblieben, daß England vor einem neuen industriellen Kriege steht, nämlich vor der Arbeitseinstellung der Bergleute in Südwales. Dieser drittgrößte Kohlenbezirk Großbritanniens hat unter wenigen Arbeitsstörungen zu leiden gehabt. Die Ruhe verdankte der Bezirk der „gleitenden Skala". Im Jahre 1875 tarnen Grubenbesitzer und Bergleute überein, die Höhe der Löhne nach dem gewonnenen Preise der Kohlen zu regeln. Ein Ausschuß, in dem beide Parteien in gleicher Zahl vertreten sind, erhält in bestimmten Zwischenräumen von allen Gruben genaue Angaben über die verkaufte Menge, sowie den behaltenen Preis. Hiernach wird dann der durchschnittliche Erlös für den ganzen Bezirk berechnet und mit demjenigen von 1879 verglichen, den man seitdem als Grundlage und Maßstab angenommen hat. Je nach der Höhe des Ueberschusses über diesen Preis erhalt bann der Arbeiter für die nächste Periode in bestimmtem Prozentsatz einen Zuschlag zu dem Lohn von 1879. Dieses System hat den Bergleuten niemals die zeitweilig hohen Löhne gebracht, die die Arbeiter im mittleren und nördlichen England sich zu erzwingen wußten. Und deswegen kündigten die Arbeiter vor mehreren Monaten den alten Vertrag. Etwa 40,000 Bergarbeiter, nahezu ein Drittel der Arbeiterschaft von Südwales haben bereits die Arbeit eingestellt. Sie fordern eine Erhöhung des niedrigsten Lohnsatzes der Prozente und die Festsetzung der zu Tage geförderten Koblenwenge und diesem Vorschläge haben die Grubenbesitzer ein entschiedenes Nein entgegengesetzt. Südwales besitzt in seiner Anthracytkohle geradezu ein Monopol. Ihre geringe Rauchentwickelung verbunden mit einer hoben Heizkraft haben die wallischen Kohl für die Dampfschifffahrt unentbehrlich gemacht. Die augenblickliche Regsamkeit der Kriegsflotten aller Länder kommt ihnen zu Hilfe, da der Bedarf an wal- lischer Seekohle hierdurch gesteigert wird. Anderseits aber verfügen die Arbeiter über recht wenig Geldmittel und besitzen keine straffe Organisation, und es ist vorläufig nicht abzusehen, wie der Streit enden wird.
„Mama, liebe Mama, sind wir noch nicht bald bei der Kirche?" frug ein blondlockiger Bausback die ihn an der Hand führende junge Mutter — eine Frau offenbar aus dem Handwerkerstande.
„Kannst es nicht mehr abwarten, Bub? Freilich, zur ganzen Feier kommen wir nicht mehr, aber das Alleluja wirst Du schon noch singen hören, Franzeri."
„Das Alleluja!" Doktor Trauta hatte das Wort gehört. „Was ist denn für ein Tag heute? Ah, richtig, Charsamstag! Morgen ist Ostern."
Für ihn ein Tag, wie alle andern.
„Glückliches Volk!" seufzte er, „das an so etwas noch seine Freude hat. Die Dummen sind doch halt noch glücklichere Menschen. Sogar das Kirchengehen erfreut sie noch."
„Mutter, wer singt denn das Alleluja? Singen's im Chor oder singen's am Altar?"
„Der Priester singt's am Altar dreimal und jedesmal höher; wirst hören, wie schön das ist."
Ah, das ist der berühmte Alleluja-Choralsatz!" sagte Dr. Trauta, dem auch diese Worte nicht entgangen waren.
Er war Professor der Philosophie an der Universität und las auch über Aesthetlk. Er war auch Musiker, theoretisch und praktisch; er liebte die klassische Musik und kannte genau deren Geschichte, auch den Choral, den liturgischen Gesang der Kirche kannte und schätzte er, denn dieser verkörperte ihm das Ideal des Künstlerisch-Einfachen und Aesthetisch-Erhabenen, namentlich die Präfation, das „Tedeum“, das „Exultet jum angelica*1 und das dreimalige Alleluja des Char- samstages kennzeichnete er in seinen Vorlesungen
alle diese Fehden waren regelmäßig in dem Augenblick i vergessen, wo es daranf ankam, gemeinsam zu schlagen. 1 Da war stets sofort wieder die alte Einigkeit und Ge- 1 schlossenheit da. Und unter dem Eindrücke und Ein- i flusse dieser steten festen Geschlossenheit im rechten : Augenblick verdankt die Sozialdemokratie zum größten Theile ihre Erfolge. m ,
Dasselbe können wir an andern Beispielen sehen, so bei den Konservativen und Nationalliberalen. Die konservative Partei hat einen mächtigen Aufschwung, besonders seit den Wahlen nach den Mordanschlägen auf Kaiser Wilhelm I. Damals flieg die Stimmenzahl der Partei von ungefähr einer halben Million auf 742 303. Gleichzeittg wuchs die Reichspartei, die bei den ersten Reichstagswahlen nur 347864 Stimmen erhalten hatte, auf 790062 an. Die Reichspartei hat allerdings später wieder einen Rückgang erfahren, so daß sie 1893 nur 438435 Stimmen erhielten, dagegen ist die Zahl der Stimmen der konservativen Partei 1893 auf 1038 353 gewachsen. Die nationalliberale Partei hingegen mit den fortwährenden Uneinigkeiten im eigenen Lager zeigt einen erheblichen Rückgang. Sie brachte es bei den ersten Wahlen auf 1128 289, bei den Wahlen von 1874 auf 1394020, bei denen von 1877 sogar auf 1446 363 Stimmen. Mit der Lostrennung der Liberalen Vereinigung beginnt der Rückgang der national- liberalen Partei. Im Jahre 1887 allerdings nahm die Partei noch einmal einen Aufschwung. Damals handelte es sich um das Septennat; sie brachte es auf 1677 979 Stimmen und war damit die stärkste Partei im ganzen Reiche. Aber der Rausch verflog überraschend schnell und schon 6 Jahre später war die Stimmenzahl der nationalliberalen Partei auf 996 980 gesunken.
Von allen diesen Vorgängen ist das Cent rum ziemlich unberührt geblieben. Das Centrum stand stets bei den Wahlen für sich da in einiger und fester und darum auch mächtiger Geschlossenheit. Und diese Festigung in sich ließ es alle Gefahren, alle Krisen siegreich überwinden. Darum weg jetzt mit allen kleinlichenMeinungsverschiedenheitenüber nebensächliche Dinge und über Dinge, an denen jetzt nichts mehr zu ändern ist. In alter Einigkeit vorwärts in den Wahlkampf und der große Erfolg wird auch diesmal dem Centrum nicht fehlen!
An der Erfüllung des Versprechens, das Reichskanzler Fürst zu Hohenlohe im Namen der verbündeten Regierungen dem Reichstage gab, daß nämlich die Bereiusgesetz-Gebung im zeitgemäßen Sinne umgestaltet werden sollte, fehlt es fast noch überall. Nur das kleine Herzogthum Anhalt hat das Versprechen bereits eingelöst und Bayern ist auf dem besten Wege dazu. Aber im Königreiche Sachsen haben die Konservativen die Ausführung des Versprechens verhindert. Das neue Vereinsgesetz, das die sächsische zweite Kammer angenommen hat, kann unmöglich als die Einlösung jenes Versprechens angesehen werden. Nach der verschlechterten Fassung der Konservativen gestattet das Gesetz alle politischen Vereinigungen im Jnlande, verbietet aber den Anschluß sächsischer Vereine an politische Vereine des Auslandes. Durch die konservative Abänderung des Gesetzentwurfes werden Frauen und Minderjährige von politifchen Versammlungen ausgeschlossen. Gegen diese Aenderungen stimmten außer den Sozialdemokraten und Freisinnigen auch die Nationalliberalen. Sogar der leitende Staatsminister von Metz sch erklärte: „Er halte es für wünschens- werth, daß die unreife Jugend nicht zu Verhandlungen politischer Art zugezogen werde, aus dem einfachen Grunde, weil die Jugend nicht diejenige Reife besitze, die die Behandlung derartiger Angelegenheiten erfordert! Ebensowenig sei es Wünschenswerth, den Frauen das Recht der Theilnahme an politischen Versammlungen einzu-
Er allein war unglücklich. Nem, nicht unglücklich fühlte er sich, er war ja Philosoph, Stoiker, er setzte sich hinweg über die Wechselfälle dieses Erdenlebens, die ja bloß nothwendige oder zufällige Erscheinungen sind jenes unbekannten x, des einzigen, wirklichen ober Scheinwesengrundes der Dinge rings um ihn.
Auch beim Tode der Gattin, die ihm 30 Jahre lang treu zur Seite gestanden, halte er nicht geweint, und als man gestern der Mutter Erde ihre Leiche übergab, auch da zitterte keine Thräne in feinen starren Augen.
Aber so leer war es in seinem Herzen, so leer in feinem luxuriös ausgestatteten Heim geworden, und heute Morgen drängte es ihn noch einmal hinaus an ihr Grab.
Er hatte einen Kranz auf den frischen Erdhügel gelegt, unter dem nun die Leiche feiner Josephine jenen chemischen Prozeß durch machen mußte, den er genau zu analysiren wußte und dem wie alles Werden so auch alles Vergehen unterlag nach einigen unwandelbaren Gesetzen der Natur. Damit aber ist alles — alles aus. Josephine wird er nie mehr wiedersehen! Auch seine Lebenskräfte werden sich ja verzehren, oder ein Krankheits-Prozeß wird die Bedingungen für die Erhaltung und das Wiiken der Lebenskräfte zerstören. Auch er wird sterben, und bann bt gräbt man seinen Leib neben dem feiner Gattin, und auch dieser wird zerfallen in seine Moleküle und Atome, und von ihm selbst, dem Gelehrten, wird nichts übrig bleiben als sein Name und seine Werke. Ach, wie bald werden auch die verschollen sein !
„Elendes Leben!" knirschte er, als er in die menschenbelebte Hauptstraße einbog, die zur Kathedrale führte.