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verantwortlich: Für die Redaktion Jos. Lanin, siir Inserate I. Parzelle» in Fulda.

mit AnterHaktungs-Meilage „Mustrirte Sonntags-Zeitungs -äi-xs-

25. Jahrgang

JuLöcr, Donnerstag, den 7. April 1898

M 79.

Wegen des hl. Charfreitags wird die nächste Nummer unseres Blattes erst am

Samstag ausgegeben.

M Charfreitag.

Der Tod des Gottmenschen hat unserer Seele das Leben wiedergebracht, und die Erb­schaft des Himmels eröffnet, indem sie das Erbe der Sünde hinwegtilgte. Aber welches gute Kind könnte sich der Erbschaft freuen am Todtenbette des gütigen Vaters oder der geliebten Mutter! Ebensowenig vermag die katholische Kirche sich heute der Freude über das himmlische Erbe Jesu Christi hinzugeben, den Tag der Erlösung als hohen Festtag zu feiern, — nein, die Freude über die Gnadenschätze, die der Heiland uns sterbend hinterlassen, muß heute zurücktreten hinter der tiefen Trauer, dem Schmerze über Jesu grausamen Opfertod und über unsere eigene Unwürdigkeit und Undankbarkeit.

Es ist dies durchaus kein Hinderniß, daß wir auch dankbar des Heiles gedenken, das uns der göttliche Erlöser am Kreuze erworben, und es so hoch schätzen, daß wir es nimmermehr verlieren möchten. Im Gegentheil ist der schmerzliche Ge­danke an unsere Undankbarkeit, unsere Schlechtig­keit gerade am besten geeignet, aus der Reue darüber die Besserung : innige Dar kbarkeit gegen Gott und das Gelöbniß, hinfort ihn nie mehr geistiger Weise zu kreuzigen und dadurch auch unser ewiges Heil zu gefährden, kräftig und dauerhaft hervorsprießen zu lassen

Nicht dadurch werden wir außerdem in rechter Weise der für uns errungenen Heilsgnade ge­denken, daß wir uns eipreden, nun brauchten wir selbst nicht mehr zu unserem Heile mitzuwirken und uns durch das Bewußtsein, im Besitze des Glaubens zu sein, in eine falsche Sicherheit und pharisäische Selbstzufriedenheit einlullen oder gar verächtlich auf andere herabsehen. Vielmehr müssen wir uns im Gegentheil heute so recht be­wußt werden, daß wir alle unsere Kräfte an­spornen müssen, um der Gnade Gottes uns stets würdig zu machen, soweit er dies von uns schwachen Menschen verlangt, daß ohne gute Werke unser Glaube todt und unfruchtbar ist, und daß uns der Opfertod Christi gar keine Veranlasfung zum Stolze, zur Selbstzufriedenheit oder gar zur Mißachtung anderer gibt, sondern uns ganz besonders eindringlich gerade an unsere sündhafte Natur gemahnt, welche die Ursache des qualvollen Leidens und Sterbens Jesu ist, an unsere Unwürdigkeit, Lauheit und Undankbarkeit. Und darum kann der Charfreitag kein Tag der lauten Freude, sondern nur ein Tag der Trauer, der Buße, der Einkehr in sich selbst, der Ge- wiffenserforschung, wie der guten Vorsätze sein.

Halten wir so strenge Abrechnung mit uns selbst, und reinigen wir in reuevoller Erinnerung an die entsetzlichen Qualen, welche wir dem alles voraussehenden Erlöser durch den Gedanken an unseren Undank noch in seiner Todesstunde be­reitet haben, unsere Seelen von ihren Schlacken und Flecken, so werden wir erst mit rechter Freude auch die glorreiche Auferstehung des Ge­kreuzigten feiern können und hoffen dürfen, daß auch von uns dermaleinst das schöne Wort

Das Krenx.

7)1111: Himmel ragt, erhaben <-3 Wohl über Zeit und Raum Auf eines Hügels Krone Ein hehrer Lebensbaum.

Fürwahr ein Baum des Lebens, Das uns der Tod gewann, Als aus fünf grausen Wunden Das Blut des Heilands rann.

Des Heilands, der die Erbschuld Der ganzen Menschheit trug. Und tilgte, als die Menschheit An's Holz den Schöpfer schlug!

O Baum, der ihn getragen. Das Heil, den Herrn der Welt, An dir der Holle Drohen In Ewigkeit zerschellt.

So ragt das Kreuz erhaben Wohl über Zeit und Raum, Auf Golgatha der hehre, Der wahre Lebensbaum.

Wege und Ziele.

Roman von A. Jüngst.

30 ------ (Nachdruck »erboten.) .

So sprechend halle der Graf die kleine Ge­sellschaft aus der beklemmenden Luft des Spiel- faales aus die Terrasse geführt, wo unter einer Gruppe knospender Ahornbäume ein lauschiges Plätzchen zum Weilen emlud.

„Welch ein Unterschied hier und dort!" lächelte die junge Frau und ließ sich aufathmend in einen Sessel nieder.

„Ich kann es immer noch nicht recht begreifen," fing der Amtshauptmann wieder an, „daß jenes

gelte: Durch Na chtzumLicht,durchKampf zumSieg, durch bittere Reue zur ewigeu Glorie!

G. Zum Geschichtsunterricht, ii.

Zunächst ist für die Einsicht in die heutige Staats- und Gesellschaftsordnung keine bessere Vorbereitung denkbar, als eine möglichst gründliche Betrachtung der geschichtlichen Ver­gangenheit.

In der alten Geschichte sehen wir die staatlichen Gebilde in anschaulichster Einfachheit und doch in reichster Mannigfaltigkeit sich ent­wickeln, die politischen Begriffe sich bilden und in größter Schärfe formuliren. Die griechische Geschichte im besonderen zeigt uns neben dem gewaltigen Bau des despotisch regierten persischen Weltreiches die Entwickelung verfassungsmäßiger Gesetzlichkeit und bürgerlicher Freiheit in kleinen und kleinsten Verbänden. Und in diesem Ver­fassungsleben mit seinen Formen Wechseln und Kämpfen lasten sich die Bedingungen des politischen Lebens wie die Ursachen politrscher Umwandlungen deutlich erkennen. Das Endergebniß der griechischen Entwickelung aber weist deutlich auf deren größtes Gebrechen hin, den bedauerlichen Mangel der politischen Einheit der Nation.

Das ergänzende Gegenbild liefert die r ö m i f ch e Geschichte. Besonders fesselt die überaus lehrreiche Verfassungsentwickelung der Republik, das jahr- hunderte lange, zunächst gesetzliche Ringen ent­gegengesetzter Kräfte, dann die blutigen Bürger­kriege, endlich der naturnothwendige, selbst als er thatsächlich schon vollendet war, formell noch kaum merkliche Uebergang zur Alleinherrfchaft. Anderseits zeigt dieses Gemeinwesen eine staunens- werthe Fähigkeit zu zeitgemäßer Erweiterung und Ergänzung seiner Einrichtungen und eine wunder­bare Kraft der Ausdehnung, sowie der Aufnahme und Regierung fremder Bestandtheile. Provinzial­verwaltung und Weltregierung der Röm r gehören zum Großartigsten, was an politischen Schöpfungen jemals geleistet worden ist.

Bei dem Staats- und Verfassungsleben des Alterthums aber bedarf es schon zum vollen Ver- ständniß und zur rechten Würdigung der Er­scheinungen auch der fortlaufenden Betrachtung sozialer und wirthschaftlicher Verhält­nisse. Hervorzuheben ist zunächst die Knechtung und Enterbung des größten Theiles der Mensch­heit in der Sklaverei. Soziale und wirthschaft- liche Dinge ferner sind die Hauptursachen aller Verfassungskämpfe und zugleich der Haupthebel der griechischen Kolonisation; entscheidend sind sie auch für den bedeutsamen Gegensatz zwischen Sparta und Athen. Dieselben sozialen und wirth- schaftlichen Verhältnisse sind in der römischen Geschichte gelegentlich des Ständekampses, der gracchischen Unruhen, des Sklavenkcieges rc. noth- wendig zu würdigen. Aber auch bei der Be­gründung des Kaiserreichs sowohl als bei dessen Auflösung sind sie von entscheidender Bedeutung gewesen.

Wenn somit für den Unterricht in der alten Geschichte (auf der Oberstufe) die staatlichen, sozialen und wirthschaftlichen Zustände so vielfach

Weib wirklich Inge Gerrit ist. Was wohl die Prinzessin Hohenburg zu dieser Umwandlung sagen mag?"

„Prinzessin Sarolta hat bittere Erfahrungen gemacht Die Laune einer Stunde hat sich furcht­bar an ihr und den Ihren gerächt. Als ich sie im vorigen Winter in Wien besuchte, war sie eine alte Frau mit weißem Haar geworden."

„Unglaublich, diese stolze schöne Erscheinung voll Geist und Leben!"

„Wie war es doch mit dem Grafen Herbert?" mischte die Baronin sich ins Gespräch. „Ich war damals noch ein Backfisch und fing nur hier und da ein abgerissenes Wort auf; später hat Hugo mir nie Rede stehen wollen."

„Er war verlobt mit dem lieblichsten Wesen, welches die Erde jemals getragen, die Anwesenden natürlich ausgenommen," erklärte Hellborn, sich artig gegen die Baronin verbeugend. „Wenn ich an das stille ruhige Glück dieses wie für einander geschaffenen Paares denke und dann der jähen Unterbrechung dieser Sommer-Idylle mich erinnere, so kommt mir noch heute die g anze Geschichte wie ein wüster Traum vor. Aber das Grab an der Kirchhofsmauer in Berchtes­gaden, die Gruft in Ostheim und mehr als ein zerstörtes Leben bezeugen die Wahrheit jener schrecklichen Ereignisse. Nur Lora, das Opfer all' dieser Ränke, ist siegreich daraus hervorge­gangen; sie genießt schon hienieden ein Glück, einen Frieden, von dem man sagen kann, daß er eia Vorgeschmack des Himmels ist."

„Haben Sie die Komtesse kürzlich gesehen?"

„Ich besuche sie jedes Jahr, wenn mein Weg — ich bin nämlich ein privilegirter Landstreicher

im Vordergründe des Interesses stehen, so wird dies bei der mittleren und neueren Ge­schichte noch mehr der Fall sein, weil es hier um die Erkenntniß der Entwickelung unseres Vaterlandes und unserer eigenen Verhältnisse und Zustände sich handelt.

Die Entstehung des mittelalterlichen Lehnstaates ist nur daraus zu begreifen, daß an Stelle der mit der gesammten Kultur des römischen Reiches untergegangenen antiken Geld- wirthschäft jetzt auf Jahrhunderte hinaus ein Zeitalter der Naturalwirthschaft eintritt. Das Wesen beider Wirthschaftsformen ist daher anschaulich auseinanderzusetzen. Auch im weiteren Verlaufe des Mittelalters erläutern sich die wichtigeren Erscheinungen zum größeren Theile aus wirthschaftlichen Verhältnissen: so das Ver­waltungssystem Karls des Großen, das geistliche Reichsfürstenthum seit den Ottonen, der Jnvestitur- streit, die Kämpfe Barbarossas gegen die Lom­barden, die Kolonisation jenseits der Elbe, das Aufblühen der Städte, die Kämpfe zwischen Fürsten, Adel und Städten, Städtebündnisse, Bauernaufstände und Raubritterthum.

Die Lockerung und schließliche Sprengung des mittelalterlichen Lehnstaates aber folgt Schritt für Schritt der allmählichen Durchbrechung des ur­sprünglichen Wirthschaftssystems durch die w i e d er- auflebende Geldwirthschaft. Die Neu­entwickelung der letzteren — erst Loslösung der Gewerbe aus dem Betriebe der Gutswirthschaft, dann Entfaltung des felbstständigen städtischen Gewerbes und Entwickelung des Handels darzu­legen, ist der Unterricht genöthigt, schon um das Entstehen und Aufblühen der Städte zu er­klären, die als neuer Bestandtheil in das Gefüge des Reiches eintreten, hauptsächlich aber auch, um den Uebergang vom Mittelalter zur Neuzeit ver­ständlich zu machen.

Nach Vernichtung des Wesens, wenn auch nicht der Formen des Feudal st aates erhebt sich nun auf der Grundlage der vollendeten Geld­wirthschaft das Gebäude des absoluten Staates der Neuzeit mit seinen Steuern, stehenden Heeren und bezahlten Beamten. Die Finanzpolitik wird, so zeigt es uns deutlich das Zeitalter Ludwigs XIV., zur Hauptaufgabe der Regierung. Das Interesse des Staates an der Steuerkraft des Landes veranlaßt einerseits die Ausbildung bestimmter finanzieller und volks- wirthschaftlicher Systeme, anderseits ein stets ge­steigertes Eingreifen des Staates in die gesammten Produklions-, Erwerbs- und Verkehrsverhältnisse. Die größte und folgenreichste Staatsumwälzung der Neuzeit, die französische Revolution wird wesentlich durch die Lage der Staatsfinanzen und die Mißverhältnisse in der Vertheilung des Be­sitzes und der Steuerlasten herbeigeführt.

Der konstitutionelle Staat der neuesten Zeit endlich sieht sich vor die Aufgabe gestellt, die staatliche und gesellschaftliche Ordnung aufrecht zu erhalten, nachdem durch Weltverkehr und Welthandel auf der einen, die maschinelle Fabrikation und die ausgedehnte Kreditwirthschaft auf der andern Seite die Besitz- und Erwerbs- verbältnisse gänzlich umgestaltet sind und das Kapital gegenüber dem Grundbesitz und der Arbeit übermächtig geworden ist.

— mich über Freiburg führt, und verlasse das Kloster nie, ohne zu sagen: Glückliche Lora!"

„Und Graf Herbert?"

„Ich sehe ihn öfters, spreche ihn jedoch nie. Wir begegnen uns in den Salons von Paris und Mentone; aber der Graf und seine Gemahlin sind Luft für mich. Sie selbst haben ebenfalls Takt oder vielleicht auch Gewissen genug, sich von mir fernzuhalten. Höchst wahrscheinlich werde ich die Herrschaften heute Abend noch treffen. Es ist ein Fest bei der Herzogin von Fleury, in deren Hause die Ostheims ebenfalls Zutritt haben. Ja, lieber Herr Amtshauptmann, Sie mögen den Kopf schütteln, so viel Sie wollen — der Enkelin, der alten Hexe, haben sich sogar unsere hochari- stokratischen Salons erschlossen. Die Gräfin ist sehr gewandt und kann außerordentlich liebens­würdig sein. Ihre entzückende Stimme hat die Frauen, ihre blendende Schönheit die Männer bestrickt. Wenn es Ihnen Vergnügen macht, Frau Baronin, die Gräfin in der Nähe zu sehen, vielleicht auch zu hören und dabei das ganze Leben und Treiben an der Riviera kennen zu lernen, führe ich Sie bei der Herzogin ein."

„Sie vergessen, Herr Graf, daß wir nur Durchreisende sind," fiel Hugo Landseer dem Redenden schnell ins Wort. „Wir dürften kaum in der Lage sein, in einer so glänzenden Gesell­schaft zu erscheinen."

„O, Hugo, glaubst Du nicht, wenn ich mein neues Spitzenkleid anzöge..."

Graf Hellborn lachte laut auf. „Ich führe Sie ein, gnädige Frau, wie Sie gehen und stehen und bürge für einen guten Empfang. Die Her­zogin Fleury, eine geborene Lady Pembroke, ist

Diese Andeutungen genügen, um zu zeigen' daß der Geschichtsunterricht einfach nur bis zur Gegenwart vorzudringen braucht, um von selbst zur Darlegung und Würdigung der heutigen Staats- und Gesellschaftsordnung zu gelangen.

Deutsches Deich.

Berlin, 6. April.

x Als erste That des neuen Kolonialdirek­tors v. Auchka wird die Einbringung einer neuen Vorlage über Neu-Guinea im Reichs­tage angekündigt. Herr v. Buchka will sofort Verhandlungen mit der Neu - Guinea-Kompagnie anknüpfen. Er will, so wird berichtet, Aender- ungen in zwei Punkten anstreben. Einmal sollen die vom Reiche an die Neu-Guinea-Kompagnie zu zahlenden vier Millionen Mark als Ent­schädigung für die von der Gesellschaft gemachten Aufwendungen nicht auf einmal ausgezahlt, son­dern auf zehn Jahre vertheilt werden. Zweitens soll sich die Kompagnie verpflichten, diese vom Reiche zu zahlenden Summen „ausschließlich zu Gunsten des Schutzgebietes" zu verwenden. Unter solchen Bedingungen könnte man sich eine Reichs - Unterstützung wohl gefallen lassen. Nur bedarf der Ausdruck „zu Gunsten des Schutzgebietes" noch genauer Aufklärung und Bestimmung.

fi Die SolenpokttiK der preutzische« Megieruug wird auf's neue gekennzeichnet durch die Verurtheilung des Redakteurs von Koras- zewski in Oppeln zu sechs Monaten Ge- fängniß wegen eines Märchens, das er in dem polnischen Volkskalender „Opolanie" ver­öffentlicht hatte. Das Märchen führt den Titel: „Das schlesische Aschenbrödel" und will das Ver- hältniß der oberschlesischen Polen zu den Deutschen schildern. Mit dem Inhalt und der Darstellungs- weise dieses sogenannten Märchens sind auch wir nicht einverstanden, denn die Stellung der Polen wird darin in absichtlich übertriebener Welse, viel ungünstiger dargestellt, als sie wirklich ist. Aber wenn man solche Gefchmacklosigkeiten gleich unter die Rubrik Hochoerrath einreiht, und dem­gemäß behandelt, so trägt man dadurch sicherlich nichts bei zur Versöhnung des polnischen Volks­elementes. Durch den Prozeß gegen Koraszewski wird die polnische Bevölkerung erst recht auf das sogenannte Märchen aufmerksam gemacht, und die Folge davon wird sein, daß die Gereiztheit neue Nahrung und das Verhältniß zwischen Polen und Deutschen einen neuen Stachel erhält. Bevor die scharfe Behandlung der Polen beliebt wurde, war alles Ruhe und Frieden in Oberschlesien. Un­ruhe und Unfriede ist erst entstanden seit der Zeit in der die Polenpolitik der Regierung durch den Fürsten Bismarck von dem System der Parität zwischen Deutschen und Polen zu der Behandlung der Polen als minderwerthiges Volkselement überging. Auf den Druck von oben folgte der Gegendruck von unten. Wer will sich darüber wundern?

ft Sehr nachahmenswerth ist ein Beschluß, den der Ausschuß der Anvakiditäts- und Altersverficherungsanstalt Berlin gefaßt hat. Der Ausschuß hat einen Antrag des Vorstandes auf Ankauf eines 560 Morgen großen, unmittel­bar am Bahnhof Beelitz gelegenen Waldterrains

eine alte Bekannte von mir. Meine Freunde sind auch die ihrigen und eines herzlichen.Will­komms sicher. Uebrigens, mein Lieber," wandte sich der Graf an Herrn von Landseer, „was ist solch ein Fest anders als ein Drängen über Flur und Treppen, ein Kommen uno Gehen in den Salons, wie auf einem Jahrmarkt? Ich habe in Rom zuweilen an einem Abend ein halbes Dutzend derartiger Gesellschaften besucht. Man sieht seine Bekannten, plaudert ein Viertelstündchen und fährt weiter."

„Ja, wenn Sie es so ansehen," lachte nun auch der Baron, „und es bei der Herzogin ver­antworten wollen, uns einfache Landleute in die große Welt zu bringen, werden wir Ihnen sehr dankbar fein. Nicht wahr, Onkel Rudolph?"

„Gewiß, gewiß," nickte der Amtshauptmann. Ich bin sogar sehr gespannt, die Enkelin der alten Marrit sich auf fern Parquet bewegen zu sehen."

Graf Ostheim, der keinen der alten Freunde bemerkt hatte, stand inzwischen Todesqualen aus. In der höchsten Erregung war er, da er bet seiner Nachhausekunft am späten Nachmittag Inge nicht mehr daheim getroffen, von der Villa Chiara nach Monte Carlo gefahren. Wie oft, wie innig hatte er seine Gattin beschworen, von dieser un­seligen Leidenschaft zu lassen! Dennoch war sie fast täglich am grünen Tische zu finden. Der gesteigerte Nervenreiz vermochte allein die Stimmen der Vergangenheit zu übet tauben. Das reine Bild Loras fand keinen Einlaß in diese sünde- alhmende Atmosphäre. Hier allein gab es Vergessen.

Herbert stand hinter dem Stuhle seiner Gattin und mußte mit ansehen, wie sie in ihrer auf-