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LuIdaerM Zeitung

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mit Unterhaltungs-Message „ILuItrirte Sonntags-Zeitung!'

Julöcr, Montag, den 4. April 1898

25. Jahrgang.

Beftellungen^auf die Fuldaer Zeitung werden noch fortwährend angenommen.

~ < Rückblicke.

Die Parlamentszeit des verflossenen Winters ist reich an Arbeit und reich an wichtigen Ereig- niffen gewesen. Ohne Zweifel hätte manche der gehaltenen Reden auch ungehalten und manches Wort ungesprochen bleiben können. Und namentlich die Sozialdemokraten haben vom Anfänge bis zum Schluffe der letzten Tagung des Reichstages jegliche Gelegenheit zu Reden zum Fenster hinaus in einer so ungeheuerlichen Art ausgenützt, daß der Reichstag vermuthlich die doppelte Zeit für die Erledigung feiner Arbeiten brauchen würde, wenn es alle Parteien ebenso machen wollten, wie die Sozialdemokraten. Und doch ist es vor allemanderenZeilungen geradedie sozialdemokratische Preffe, die so gern über allzu langes Tagen von Parlamenten sich aufhält. Es ist die alte Ge­schichte: bei keiner anderen Partei widersprechen Theorie und Praxis, geschriebene und gesprochene Lehre und die That, so sehr einander, wie bei der Sozialdemokratie.

Obwohl die Sitzungen des gegenwärtigen Reickstages noch nicht beendet sind, sondern am 26. April noch einmal für kurze Zeit aufgenommen werden müssen, so ist doch die Tagung und damit diesmal die ganze Mandatsdauer des Reichstags so gut wie abgeschlossen. Denn es besteht kein Zweifel mehr darüber, daß der Entwurf über die militärische Strafgerichtsbarkeit vom Reichs­tage angenommen wird, und daß auch die Frage des bayerischen Sonderrechtes auf einen eigenen Obersten Militärgerichtshof schließlich eine Lösung finden wird, die beide Theile befriedigt, Bayern sowohl wie die übrigen Bundes staaten. Und allem Anscheine nach wird diesmal das Centrum feinen Antrag auf Ergänzung des Strafgesetz­buches zum Zwecke der Bekämpfung der Unsitt­lichkeit auch nicht umsonst gestellt haben. An­fänglich herrschte die Annahme vor, daß die Ta­gung geschlossen werden würde, ohne daß aus dieser neuen „lex Heintze" etwas wie ein wirk­liches Gesetz herauskäme. Aber die Sachlage hat sich geändert; und nun ist die Weiterberathung dieser wichtigen Sache gleich auf die Tagesord­nung der ersten Sitzung nach den Osterferien ge­fetzt worden.

Richt wenig ist es, was der Reichstag diesen letzten Winter hindurch erledigt hat. Die Aen- derung des Branntwein-Kontingents, die Ent­schädigung unschuldig Verurtheilter, der Gesetz­entwurf über die freiwillige Gerichtsbarkeit, die weitere Unterstützung für Postdampfer nach Oft« asien, der ganze Etat und namentlich und vor allen Dingen die Flotten-Vorlage: sie alle haben während der 74 Sitzungen des letzten Winters ihre Erledigung und ihren endgiltigen Abschluß gefunden, und andere Gesetzentwürfe, wie sie vorher schon angeführt waren, sind so weit ge­fördert worden, daß ohne Schwierigkeit ihre voll­ständige Erledigung zu erreichen ist.

Ist alles gut, was der Reichstag gemacht hat? Eine solche Frage kann niemals in bestimmter Weise beantwortet werden, und das kann auch diesmal nicht geschehen, denn die Ansichten darüber

Mege und Ziele.

Roman von A. Jüngst.

27 ------ (Nachdruck verboten.)

Die Stimme des Mannes war weich geworden. Er wischte heftig mit dem Rockärmel über sein Gesicht und fuhr dann in schärferem Tone fort: „Sie sind gestorben. Hörst Du's, Inge, gestorben durch Deine Schuld! Hättest Du mir damals ein halbes Dutzend von diesen Goldstücken ge­schickt" — er trat mit festem Fuße auf ein paar gerade vor ihm liegende Napoleons — „meine Kinder lebten noch. Aber es wird Dir schon heim­kommen. Gott läßt seiner nicht spotten. Der Fluch, den ich am Sarge meines letzten Kindes ausgestoßen habe über das herzlose Weib, das nicht Vater noch Bruder mehr kennt, wird sich erfüllen an Dir und Deinen Kindern."

„Höre auf," stöhnte die Gräfin. „Siehst Du denn nicht, daß Du mich tödtest mit Deinen Worten?"

„Ach," sagte der Mann mit einem höhnischen Lächeln, seit wann bist Du so empfindsam ge­worden? Da muß mich Wunder nehmen, daß Du noch lebst. Hast Dir früher wenigstens die Dinge nicht so zu Herzen genommen, damals, als Du die Ostheims um ihr Glück betrogen und Deinen Geliebten in den Tod getrieben hattest. Wir hören nicht viel von der großen Welt in unserer Haide; aber zu der Zeit war Dein Name in aller Leute Munde. Mit Fingern hatten sie auf Dich gezeigt und vor Dir ausgespuckt; und sie würden es noch thun, wenn Du wagtest, nach Ostheim zu kommen."

sind bekanntlich sehr verschieden. Aber diesmal kann man mit großer Bestimmtheit eines sagen: an dem, was unbestritten gut ist, hat das Centrum das Hauptverdienst. Ohne die ganz eindringliche Arbeit des Centrums, namentlich des Abgeord­neten Gröber in der zuständigen Kommission des Reichstages, würde eine Einigung über die militärische Strafgerichts-Ordnung nicht erzielt worden sein. Die preußischen Konservativen hätten gar zu gern jede Reform auf diesem Ge­biete hintertrieben, und vermuthlich wären die Spitzen der preußischen Heeresleitung auch nicht sonderlich böse gewesen darüber, wenn diese Ab­sicht der Konservativen zur Ausführung gelangt sein würde. Gegen die Konservativen hat die glücklich vermittelnde Thätigkeit des Centrums dennoch einen Gesetzentwurf aus der Kommission hervorgehen lassen, der sichere Aussicht auf An­nahme im Plenum des Reichstages hat. Die neue „lex Heintze“ ist ganz und gar aus dem Centrum hervorgegangen, die Annahme der Flottenvorlage hat die Regierung vollauf der Arbeit einzelner Centrumsmitglieder zu verdanken, an einer langen Reihe von Anträgen, Arbeiten und Beschlüsfen anderer Art sind Centrumsmit­glieder ganz hervorragend betheiligt gewesen — kurz, an wirklicher und erfolgreicher Arbeit hat diesmal die Centrumspartei unbestritten den Löwenantheil, und die Menge der geleisteten Arbeit dieser Art ist groß beim Reichstage.

Im preußischen Abgeordnetenhause herrschen unumschränkt die Kartellparteien. Redner dieser Kartellparteien lieben es, von Zeil zu Zeit Seiten­hiebe zu führen gegen den Reichstag, in dem die Kartellparteien nicht die Mehrheit haben. Aber hat etwa das preußische Abgeordnetenhaus wäh­rend des verflossenen Winters mehr geleistet als der Reichstag? Nein, im Gegentheil. Es ist kaum mit dem Etat fertig geworden, und das Herrenhaus muß seinersetis den Etat sogar erst verspätet nach Ostern erledigen. Und außerdem ist nichts Hervorragendes aus der Arbeit des Abgeordnetenhauses hervorgegangen. Auf dem Gebiete der Gesetzgebung haben sich also die Kartellparteien in neuerer Zeit entschieden un­fruchtbarer erwiesen als das Centrum.

Manche Blätter, die dem Centrum übel wollen, leiten daraus den Vorwand her zu dem Vor­wurfe, das Centrum sei zu einer bedingungslosen Regierungspartei geworden. Das ist ebenso falsch wie gegen besseres Wissen behauptet von den­jenigen, die sich den etwas abgeschmackten Spaß machen, das zu thun. Wohin man kommt, wenn man aus bloßer Freude am Nein sagen nur immer Nein sagt, das hat Herr Eugen Richter gezeigt mit seiner Freisinnigen Volkspartei. Aus der einst großen und stolzen Fortschrittspartei ist ein kleines, machtloses Häuflein geworden, und vermuthlich wird der Tag nicht mehr fern sein, an dem Herr Eugen Richter mit seinem ganzen parlamentarischen Gefolge in einer einzigen Droschke wird zum Reichstage fahren können.

Nicht Nein sagen um jeden Preis will das Centrum. Aber ebenso wenig wird es jemals von der Regierung zu blinder und urtheilsloser Gefolgschaft sich niederdrücken lassen. Und das scheidet das Centrum scharf von den Kartell­parteien.

„Schweig, schweig!" rief die Kranke, sich die Ohren zuhaltend; „ich will nichts mehr hören."

„Das glaube ich; es würde auch gar kein Ende nehmen, wollte ich Dir alle Deine Sünden vor­halten. Aber ich überlasse Dich Deinem Gewissen."

Er stockte und sah die zusammengebrochene Gestalt zweifelnd an. Hatte nicht schon ein anderer, stärkerer als er, einer, der unbestritten Sieger bleibt über Kraft, Schönheit und Reichthum, die Hand ausgestreckt nach diesem ränkevollen Weibe? Trug nicht ihre Stirne ein Merkmal aufgedrückt, das keine Täuschung zuließ? Brannte nicht das verhängnisvolle Zeichen in den dunkelrothen Flecken, die jetzt auf den vorhin so bleichen Wangen glühten?

Fast wollte eine Art von Rührung über den gereizten Mann kommen; aber der brechende Blick seines Kindes tauchte vor seinem inneren Auge auf, und gewaltsam schüttelte er die weichere Stimmung von sich ab.

„So, jetzt habe ich Dir gesagt, was ich Dir sagen wollte; nun kann ich Dich von meiner lästigen Gegenwart befreien. Du wirst mich nie­mals wiedersehen." M

Ohne noch ein Wort hinzuzufügen, ohne Ab­schied, ohne Gruß wandte Peter Gerrit der nach Luft ringenden Gräfin den Rücken und ging trotzig erhobenen Hauptes und festen Schrittes hinaus.

Um die unerträglichen Bilder loszuwerden, schleppte Inge sich mühsam ans Fenster und starrte mit brennenden Augen hinaus auf die blühende Landschaft.

Ein duftiges Gewirr von Rosen und Myrthen, Kamelien und Rhododendron überdeckte die Terraffen des Gartens. Die beiden Palmen,

Deutsches Deich.

Berlin, 2. April.

* Das preußische Staatsmmisterium hat heute Nachmittag unter dem Vorsitze des Reichs­kanzlers und Ministerpräsidenten Fürsten zu Hohenlohe eine mehrstündige Sitzung abgehalten.

* Wichtige militärische Deränderunge« in den Höchke« Kommando stellen sind dieser Tage zu erwarten, zum Theil sind sie durch die Neuformationen bedingt, welche in dem neuen Etat vorgesehen sind. Unter dem 28. März ist Generalfeldmarschall Graf Blumenthal, Ge­neralinspekteur der 3. Armee-Inspektion, von dieser Stellung, unter Belassung in dem Ver- hältniß als Chef des reitenden Feldjägerkorps und des Magdeburgischen Füsilierregiments Rr. 36 sowie ü la suite des Garde-Füsilierregiments und des 3. Thüringischen Infanterieregiments Nr. 71, entbunden. Generalfeldmarschall Graf Blumenthal ist bekanntlich hochbetagt, er befindet sich im 88. Lebensjahre. Zum Nachfolger des Grafen Blumenthal als Generalinspekteur der 3. Armeeinspektion ist Generaloberst Graf Wal­tz ersee ernannt. Des Weiteren ist der General der Kavallerie und Inspekteur der 1. Kavallerie- Inspektion von Krosigk, unter Belassung ä la suite des Leib-Garde-Husaren-Regiments, zu den Offizieren von der Armee versetzt. Der kommandirende General der 7. Armeekorps, von Goetze, welcher gestern die Feier seines 50- jährigen Dienstjubiläums beging, wurde zum Chef des 130. Infanterie-Regiments ernannt.

x Kaum ist Herr v. Muchka zum Leiter der Kolonial-Abtheilung im auswärtigen Amte ernannt worden, verlautet schon weiter, daß das vermuthlich für Herrn v. Buchka nur ein „Dur ch - gangs-Posten" sein werde. Herr v. Buchka sei augenscheinlich zu „noch Höherem berufen". Die »Norddeutsche Allgemeine Zeitung" begleitete, wie berichtet, die Nachricht von der Ernennung des Herrn v Buchka zum Kolonialdirektor mit einer Bemerkung des Inhaltes, daß die politischen Anschauungen desselben ihn besonders dazu be­fähigen sollen,-seines Amtes in gutem Einvernehmen mit der Mehrheit des Reichstages zu walten. Jeder verständige Mann würde fich freuen darüber, wenn die oberoffiziöse Zeitung mit dieser ihrer Bemerkung recht behalten sollte. Im allgemeinen hat aber Herr v. Buchka wunderliche Anschauungen über den Werth und die Bedeutung des Parla­mentarismus. Das schöne Ländchen Mecklenburg erfreut sich bekanntlich noch nicht einer vom Volke gewählten parlamentarischen Körperschaft; und Herr v. Buchka hat mehrfach Gelegenheit genommen, offen ein politisches Bekenntniß dahin abzulegen, daß er die Einrichtung einer solchen in Mecklen­burg für ein Unglück halten würde. Denn „dann würden in Mecklenburg ebensolche Zustände ein­reißen, wie in Wien . . . " Auf große Freund­schaft für unseren deutschen, verfassungsmäßigen Reichstags-Parlamentarismus läßt diese Aeußerung gerade nicht schließen.

ti Herr Ireiherr v. Stumm sollte angeb­lich parlamentsmüde sein und nicht mehr für den Reichstag als Kandidat sich aufstellen lassen. Wir haben niemals so recht daran geglaubt. Und jetzt hat sich denn auch der König von Saarabien

der Stolz der Villa Chiara, hoben die schlanken Schäfte empor und badeten ihre Häupter im Scnnenschein des Südens. Der marmorne Triton des Springbrunnens sandte seinen Wasser­strahl hoch in die Luft und ließ die funkelnden Tropfen zurückfallen in die Schale seines Beckens. Ein Hain von Orangen und Citronen, deren Blüthen einen fast betäubenden Duft aushauchten, zog sich den Abhang hinab bis dahin, wo die Wellen des tyrrhenischen Meeres den Fuß der Marmortreppe küßten. Blauer Himmel, blaues Meer und sonnenduftige blaue Ferne!

Inge Gräfin von Ostheim wandte den Blick ab. Das helle Licht that ihren Augen weh. Mit dem Aufgebot all ihrer Kräfte schloß sie die Läden und warf sich dann wieder auf den Divan.

„Schlafen," flüsterte sie leise, „nur ein Viertel­stündchen schlafen. . . und vergeffen!"

Aber so wie die Augen sich schloffen, standen wieder die Bilder der Vergangenheit vor ihr, un­abweisbar, schrecklicher noch als vorhin. Ein süßes, sanftes Kindergesichtchen tauchte aus dem silbernen Nebel der Dünen empor, ein paar un­schuldsvolle blaue Augen blickten sie an mit ern­ster Frage, und ein rosiges Mündchen fragte: „Warum hast Du meine Schuhe genommen, Inge?" Ja, Lora, wie oft hatte sie ihrer denken müssen. Sie sah sie neben ihrem Verlobten, der jetzt ihr, Inge, genaht war. Es war ein trüber Tag, als sie Lora in den Dünen fand, da sie sich verirrte und sie zur Hütte der Großmutter brachte. Nie hatte Inge Gerrit, die Tochter des alten Dünen - bewohners, fo schöne Schuhe gesehen, wie die Grafentochter trug, und mit begehrlichen Augen

bereit finden laffen, eine neue Wahl zum Reichs­tage anzunehmen. Es hat sich im Königreiche Stumm unschwer eine Versammlung von Ver­trauensmännern zusammenbringen laffen, die den erwünschten einstimmigen Beschluß gefaßt hat, Herrn v. Stumm von neuem dringend um die Annahme der Kandidatur zu ersuchen, und dieser hat natürlich die Gnade gehabt, den Wunsch seiner getreuen Mannen zu erfüllen. Daraufhin, so wurde berichtet, sollte der Abg. Dr. Roesicke, der zweite Vorsitzende des Bundes der Land- wirthe, seine bereits angekündigte Reichstags- Kandidatur für den Stumm'schen Wahlkreis Ottweiler-St. Wendel sofort zurückgezogen haben, um keine Zersplitterung der Stimmen in dem genannten Wahlkreise hervorzurufen. Denn beide Herren, obwohl in vielen und namentlich in sozialen und Arbeiterfragen unmittelbare Gegner, haben den sogenannten „Sammlungs - Aufruf" unterschrieben. Aber es hat mit dieser zweiten Meldung ganz augenscheinlich noch nicht seine volle Richtigkeit. Die ,Deutsche Tageszeitung" erklärt, diese Mittheilungen von dem Zurücktreten des Herrn Dr. Roesicke seien „unvollständig und verfrüht". Die Angelegenheit sei „noch nicht ab­geschlossen". Es wäre ein Schauspiel für Götter, wenn dem Obersammlungspolitcker Stumm in seinem eigenen Wahlkreise ein Gegenkandidat er­stünde aus den Reihen seiner Sammlungspolitiker selbst — fast zu schön und zu ergötzlich, als daß man annehmen sollte, es werde wirklich so kommen.

* Die heute zur Ausgabe gelangte Num­mer 12 des ,Meichs-cheseHölatts* enthält das Gesetz, betreffend die Feststellung des Reichs­haus h a l t s - E t a t s für das Rechnungsjahr 1898, vom 31. März 1898; ferner das Gesetz, betreffend die Aufnahme einer Anleihe für Zwecke der Verwaltungen des Reichsheeres, der Marine und der Reichseisenbahnen, vom 31. März 1898; das Gesetz wegen Verwendung überschüssiger Reichs­einnahmen zur Schuldentilgung, vom 31. März 1898; das Gesetz, betreffend die Fest­stellung des Haushalts-Etats für die Schutz­gebiete auf das Rechnungsjahr 1898, vom 31. März 1898.

X Neuerdings ist in der Preffe auch schon ein bestimmter Tag als Zeitpunkt für die Wen- waHke« z«m Ileichstage angegeben worden, nämlich der 16. Juni. Die Meldung ist bisher unwidersprochen geblieben. Angenommen, die Meldung ist richtig, bleibt für die Vorbereitung zu den Wahlen nur sehr wenig Zeit übrig zwischen dem Schluffe des Reichstages und den Neuwahlen. Die Vorbereitungen für diese letzteren müssen also bald und eifrig in Angriff genommen werden, will man sich nicht unliebsamen Ueberraschungen aussetzen. Es wäre sehr zu wünschen, daß über den Zeitpunkt der Neuwahlen recht bald genauer Aufschluß gegeben würde. Es liegt ja tatsächlich auch kein Grund dafür vor, noch länger die Wählerschaft im geheimnißvollen Dunkel darüber zu belassen.

* Die katholische Wisfionsthätigkeit in der chinesischen Provinz Hunan wird durch spanische Missionare ausgeübt, die dort unter einem Bischof angesiedelt sind. Wie in Madrid von glaubwürdiger Seite versichert wird, hat

betrachtete sie dieselben. Und wieder hörte die Gräfin, wie die Großmutter sagte: „Nimm ihr die Schuhe und ziehe sie an, so wirst Du später in ihren Schuhen stecken."

Die schweren Falten der Portiere hingen schon lange wieder regungslos nieder und noch immer gab die vom Divan halb auf den Boden geglittene Gräfin Ostheim kein Lebenszeichen von sich. Der Kopf lag zurückgesunken in den Kiffen, das Ant­litz starr und bleich, die blauen Adern in den Schläfen jetzt bei der Hellen Beleuchtung mit er­schreckender Deutlichkeit hervortretend. Die dunkele Flechte hatte sich gelöst und ringelte sich wie eine Schlange über das spitzenbesetzte Morgengewand.

Endlich hob ein Athemzug die gepreßte Brust; die Augen öffneten sich und irrten fragend im Gemache umher. Die verstreuten Goldstücke, über welche die Sonnenstrahlen hinhuschten, fesselten den Blick, und langsam kam die Erinnerung an das Geschehene wieder.

„Werde ich denn niemals Ruhe finden?" murmelte die Gräfin zwischen den Zähnen. „Muß ich ewig meine Vergangenheit Himer mir her­schleppen, wie ein Gefangener seine Ketten?"

Die Lippen preßten sich aufeinander, die zit­ternde Rechte ballte sich zur Faust. Plötzlich sprang sie empor. „Wenn Jemand mich so fände!"

Wankenden Schrittes begab sie sich in's Neben­zimmer, verriegelte die Thür und machte sich dann seufzend daran, die Napoleons aufzulesen. . Es war ein schweres Stück Arbeit für die verwöhnte, durch Aufregung .und Krankheit geschwächte Frau. Aber der eiserne Wille, der Inge Gerrit von jeher ausgezeichnet, machte sich auch hier geltend. Die stolze Gräfin Ostheim, welche seit Jahren für die