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mit Anterhattungs-Meilage „Mustrirte Sonntags-Zeitung'.'

Druck und verlas der Luldaer Actiendruckeret petersgage Nr. i (Larawnie).

Jutöcr, Samstag, den 2. April 1898

25. Jahrgang

M 75.

jySrftes ^Catt. “

jf Zur Sammlungs-Politik.

Je länger desto mehr kennzeichnet sich die von Herrn von Miquel ins Werk gesetzte Politik der Sammlung als ein Schachzug, um alles das, was ehedem zur Kartellpolittk gehörte, und noch einiges dazu unter die Botmäßigkeit der Konservativen zu bringen. Und thatfächlich zeigen auch nur die konservativen Organe volles und ungeteiltes Interesse an dieser sogenannten Sammelpolitik. Jetzt ist es die Konservative Korrespondenz', das eigentlich offizielle Organ der konservativen Partei, die eine besondere Or­ganisation vorschlägt: „Wir schlagen darum, um die Sache in Fluß zu bringen, vor, daß sich zu­nächst in Berlin ein Centralausschuß bilde, der die nationale Sammlung praktisch in die Hand nehmen könnte." Dann sollen sich im ganzen Reiche „Sammlungs-Ausschüsse" bilden, die „auf Grund des wirthschaftlichen Aufrufes die Samm­lung für die nächsten Wahlen vorbereiten".

Aber weit reicht der Kreis nicht, der dem Vorschläge Beifall zu zollen bereit ist. Denn schon das entsprechende Organ der national- liberalen Partei, die .Nationalliberale Korre­spondenz', weist mit Entschiedenheit den „Ge­danken eines Misch-Masch-Centralwahlkommes" zurück als einen Vorschlag, der „dem Interesse aller politischen Parteien zuwiderläust". Und auf der anderen Seite hat der Bund der Land- w irt h e ohne jede Rücksichtnahme auf die angeblichen Freunde in der Sammlung schon in etwa 150 Wahl­kreisen ganz selbstständig Kandidaten für die nächste Reichstagswahl aufgestellt. Alle diese 150 Herren haben die Forderungen des Bundes der Land- wirthe entweder ohne weiteres anerkannt, ober sie haben solche Erklärungen abgegeben, daß sie vom Bunde der Landwirthe unterstützt werden. Aber auch im Bunde der Landwirthe selbst herrscht keine Einigkeit. Denn in etwa 20 von diesen 150 Wahlkreisen stellen schon jetzt zwei verschie bene bundesfreundliche Kandidaten einander gegenüber.

Die Konservativen wollen sammeln. Der Bund der Landwirthe geht schon lange seine eignen Wege, und die nationalliberale Partei weist es mit Entschiedenheit zurück, sich für eine Misch­masch-Organisation einfangen zu lassen. Das sind keine erfreulichen Anzeichen für das Gelingen des Miquel'schen Feldzugplanes für die Neuwahlen; und man braucht gerade nicht zu den Propheten zu gehören und kann doch schon heute mit ziemlicher Bestimmtheit Vorhersagen, daß aller Voraussicht nach die ganze Sammelei ins Wasserfallen wird.

Auch das Centrum hätte man gar zu gern um die Sammlungsfahne versammelt, vielleicht noch lieber nur einen Theil des Centrums, um dann diesen Theil in einen Gegensatz treten zu sehen zu dem anderen, dem nicht gesammelten — volksthümlich ausgedrückt: dem nicht geleimten. Natürlich ist daraus nichts geworden. Und nun ist auch aus dem schönen Plänchen nichts ge-

Mege mtfc Ziele.

Roman von A. Jüngst.

26 ------ (Nachdruck verboten.)

Zweiter Band.

Molleudet.

1.

In der traulichen Halbdämmerung eines mit bem ausgesuchtesten Luxus eingerichteten Gemaches lag eine noch junge Frau auf dem Divan. Das schöne Antlitz, dessen gelblich-weiße Blässe selisam abstach von dem tiefen Blauschwarz der üppigen Haarwellen, lehnte müde in den seidenen Ktssen; die feinen Hände lehnten nachlässig auf dem kost- Een orientalischen Gewebe, das über die zarte Gestalt gebreitet war. Doch die großen dunklen Augen irrten ruhelos umher ober starrten zu ber wit Amoretten unb Rosen-Guirlanden kunstvoll bemalten Decke empor.

„„ ®*ne Thüre im Nebenzimmer würbe leise ge- ostnet, die Falten ber Sammetportiöre würben vorsichtig auseinanber geschoben, ber Schritt eines x>ieners kam auf dem bicken Smyrna-Teppich lautlos näher.

Gräfin entschulbigen," besann ber Mann, sich räuspernb.

Die Angerebete wandte bas Haupt nur um E -nue und fragte verdrießlich: „Was gibt's? sein roiü?"00 ld) ^9en' baP nicht gestört

„Ich weiß, gnädige Gräfin, aber ..."

Eme gebieterische Handbewegung wies nach dem Ausgange. Der Diener zögerte verlegen.

worden, aus dem Streite um die Flottenvorlage heraus ein neues Kartell hervorzuzaubern. Daß daraus nichts geworden ist, hat man der klugen Taktik des Centrums zu verdanken. In diesem Sinne führte in diesen Tagen in einer Versammlungsrebe in Stettin ber freisinnige Ab­geordnete Brömel aus: Aehnlich wie bei dem Streite um die Militäroorlage im Jahre 1887 wollte man einen Streit um die Flottenvorlage herbeisühren, um bann eine neue Kartellpartei zu schaffen, bie natürlich nicht nur bie Flottenvor­lage angenommen, sondern auch alle diejenigen Gesetze und Maßregeln gebilligt hätte, die dann noch Herr v. Miquel in Vorrath hatte. „Es ist nun" — so meinte Herr Brömel in Stettin — „nicht zu bestreiten, daß durch die politische Klugheit des Centrums ein dicker Strich durch diese Pläne gemacht worden ist."

Schon mehr als ein Anzeichen ist in der neuesten Zeit hervorgetreten dafür, daß Herrn von Miquel's Stern gegenwärtig nicht im hellsten Glanze strahlt am Berliner Re­gierungshimmel. Er selbst hat sich neulich im preußischen Abgeordnetenhause darüber beklagt, daß er „keinen rechten Halt mehr im preußischen Ministerium habe". Und wenn dies natürlich auch nicht vollkommen ernst gemeint war, so klingt es doch sehr auffallend, wenn neuerdings ein von der Reichsregierung beeinflußtes Blatt am Rhein die Ernennunq des Marine-Staats­sekretärs Tirpitz mit dem Wunsche in Zusammen­hang bringt, dem'Reichskanzler Fürsten zu Hohen­lohe eine weitere Stütze im preußischen Staats­ministerium zu verschaffen. Für diese Ernennung kann nach dem gedachten rheinischen Blatte neben ber oerbienten Rangerhöhung für ben Staats­sekretär „nur ber Wunsch maßgebend gewesen sein, bem preußischen Ministerpräsidenten, ber zugleich ber Kanzler des deutschen Reiches ist, einen größern Einfluß im preußischen Staats­ministerium selbst zu verschaffen.... Fortan wird ber Ministerpräsident unbedingt auf vier Stimmen, seine eigne und die der drei Reichs­staatssekretäre zählen können".

Wenn ber Kaiser Staatssekretäre zu preußi­schen Slaatsministern ernennt, um im preußischen Ministerium bem Reichskanzler eine weitere Stütze zuzuführen gegen ben mächtigen, bisher im preußi­schen Staatsministerium säst allmächtigen Herrn von Miquel, so läßt bas tief blicken. Auf keinen Fall ist es ein Zeichen für fteigenbe Macht des preußischen Finanzministers. Unb mißglückt seine Politik ber Sammlung bei ben nächsten Reichstagswahlen, so wirb er bann noch weniger Halt als jetzt im preußischen Ministerium haben.

Deutsches Keich*

Berlin, 1. April.

* Immer unb immer roieber tauchen Gerüchte auf über ben bevorstehenden Rücktritt des preußischen Ministers des Innern von der Merke unb von feiner Ersetzung burch ben neu ins Ministerium berufenen Ministerialdirektor v. Bitter. So wenig Leute bem scheidenden Herrn von ber Recke Thränen nachweinen würben, so ist boch vorläufig nicht abzusehen, was neuerdings ben

„Wenn ich mir erlauben bürste, gnäbige Frau Gräfin ... es ist ein Besuch ba ... ein . ."

„Besuch? Warum hast Du bas nicht gleich gesagt. Du Tölpel?" unterbrach ihn bie Dame, sich lebhaft aufrichtend. „Wer ist's? Vielleicht Prinz Treuenstein? Der Vicomte be Grancy?"

„Nein, Euer ©naben. Er sagt ... er be­hauptet, ein Bekannter ber Frau Gräfin aus ber Heimath zu fein."

„Ah, weiter nichts," murmelte sie, in bie Kissen zurücksinkenb. „Wer mag es sein? Hugo Lanbseer vielleicht ? Ich habe ibn nicht roieber» gesehen feit . . . Aber Alles besser als bie tödt- liche Langeweile! Unb Herbert kommt erst in zwei Stunben von Nizza zurück. Laß ben Herrn ein­treten !" fügte sie laut hinzu.

Der Mann ging hinaus, ein Wort seiner Herrin rief ihn roieber zurück. „Oe ff ne bie Läden unb gieb mir ben Fächer bort vom Tische!"

Im nächsten Augenblick flutete ein heller Lichtstrom burch bas prächtige Gemach. Spielende Reflexe huschten über bie Vergoldungen ber Möbel unb ber Stuckaturen, lachten aus bem beckenhohen Spiegel über bem Marmorkamin unb ber glänzenb polirten Platte bes Tisches aus Rosenholz, ber vor bem Divan ftanb unb mit hunbert kostbaren Kleinigkeiten überlaben war. Die Rosen, welche ben Balkon vor bem Fenster überwucherten, steckten neugierig bie Köpfchen herein, ihre Schwestern an ber Decke zu grüßen. Eine Palme schwankte barüber unb wiegte das Haupt in bem leichten Luftzuge, ber von ber felsigen Höhe nieberwehte.

Die Gräfin richtete sich halb auf, zupfte an ben Spitzen ihres rosafarbenen Morgengewanbes, strich mit ber Hand über bie Stirne unb das

Abgang des genannten Ministers wahrscheinlicher machen sollte, als in ber letzten Zeit vorher.

X Die Kolonial AvtHettung bes aus­wärtigen Amtes hat einen neuen Leiter erhalten in ber Person des konservativen Abgeordneten von Buchka. Herr von Buchka ist ber Sohn eines mecklenburgischen Ministers unb hat, wie man zu sagen pflegt, eine „vorzügliche (Sortiere" gemacht. Er ist jetzt 46 Jahre alt, war ehebem schon mit 27 Lanbgerichtsrath unb mit 32 Jahren Lanbgerichtsbirektor in Güstrow in Mecklenburg. Seit 1886 ist er Oberlanbesgerichtsrath in Rostock. Dem Reichstage gehört Herr von Buchka seit bem Jahre 1893 an. Zum ersten Male trat er in biesem in ben Vordergrund bei ber Berathung des Bürgerlichen Gesetzbuches. In Rostock, so wirb von ber ,Nordd. Allgem. Zeitg.' hervorge­hoben, hat sich Herr von Buchka Vertrautheit mit Schifffahrt unb Haube! erworben, unb dies, so führt bas halbamtliche Blatt aus, läßt „bie Erwartung berechtigt erscheinen, baß bie koloniale Verwaltung unter ber Leitung des Herrn von Buchka in gutem Einvernehmen mit ber Mehrheit bes Reichstages geführt werben wirb". Trifft letzteres ein, so soll es uns freuen. Ob aber gerabe bas kleine, gemüthliche Städtchen Rostock mit einem geringen Schiffsverkehr der geeignete Ort ist, um sich mit dem deutschen Seehandel bekannt und gar vertraut zu machen, wird man ohne weiteres bezweifeln dürfen.

* Das Kenlrnm muß einig sein! So ruft auch das Mainzer Journal' aus, welches zu den am stärksten gegen bie Flottenvorlage opponirenden Blättern gehört hat, und fährt fort: „Suchen mir uns mit ben neuen Verhältnissen, so gut es gehen will, abzusinben. Die Zeit wirb es ja an ben Tag bringen, ob bie höhere Weisheit bei ber Mehrheit ober bei ber Centrumsfraktion ob­gewaltet hat bei ber Stellung zur Marinevorlage. Jetzt fei bet Streit ber Meinungen be« enbet, benn sie vermögen bas Ja nicht in ein Nein zu verwanbeln. — Feinde ringsum! Darum Schulter an Schulter für bie Emanzipation ber Katholiken weitergekämpft!" Das ist ohne Zweifel die richtige Sammelparole, ber sich Alle anschließen fällten;

* Vor Kurzem brachte bie ,Köln. Volksztg.' bie Nachricht, es bestehe in Preußen eine ge­heime Verordnung, bie Katholiken zu keinen Höheren verantwortlichen Stel­lungen vorrücken zu lasten. Diese Meldung ist nun zwar von halbamtlicher Seite als u n r i ch t i g bezeichnet worben. Trotzdem hält bie .Kölnische Vztg.' ihre Nachricht aufrecht. Wer recht hat, lassen wir vorläufig dahingestellt, aber wir möchten bem Folgenbes beifügen aus bem Werke bes preuß. Ritter-Akabemie-Direktors unb Reichstags- abgeorbneten Rubolphi über bie Stellung ber katholischen Kirche in Preußen, welches sich aus­schließlich auf archivarische Dokumente stützt: Nach Rudolphi besteht eine Hausverfügung eines preußischen Regenten an seine Nachfolger, worin ihnen berfelbe empfohlen hat, bie protestantische Kirche unb bie Protestanten ben Katholiken unb ihrer Kirche gegenüber immer zu bevorzugen. Hiernach würde" eine Verfügung obiger Art in Preußen nicht gerade so unglaublich erscheinen. Nach der nämlichen Schrift Rudolphis bezieht

Haar und warf bann seufzenb einen Blick auf ihr Bild im Spiegel.

„Haben gnädige Frau Gräfin noch etwas zu befehlen?" fragte ber Diener, ber in militärisch strammer Haltung am Fenster stehen geblieben war.

„Nein. Spute Dich boch. Du Einfaltspinsel! Warum bist Du nicht schon gegangen, ben Herrn hereinzuführen?"

Ein boshaftes Lächeln überflog bas Antlitz bes Gescholtenen; bann war es roieber so un- burchbringlich wie sonst. Mit einer tiefen Ver­beugung zog er sich zurück; aber kaum war bie Portiere hinter ihm zusammengefallen, so hielt er ben Schritt an unb rieb sich schadenfroh die Hände.

„Ein schöner Herr! Na, sie wird sich wun­dern, die Gnädige! Ha! ha! Unb wenn es mich meine Stelle kosten sollte, ich hätte mir das Vergnügen und ihr bie Überraschung nicht ver­sagen können. Solch' ein sauberer Bruber!"

Er öffnete bie Thüre, um einen Mann hierein« zulasten, besten Aeußeres im grellsten Wider­spräche zu ber kostbaren Einrichtung des Vor­zimmers ftanb. Aber der hagere Fremde in ben plumpen, geflickten Nägelschuhen, bem groben Zwillichrocke, ber an mehreren Stellen aus den Näthen gegangen war, schritt so fest über ben weichen Teppich, als ob er hier ganz an feinem Platze fei. .

„Sie können mich mit meiner Schwester allem lasten," bemerkte er bem Diener unb betrat bie Schwelle ber Bouboirs.

Die nachlässig vornehm in den Kiffen ruhende Dame spielte in Erwartung des Besuches mit

Preußen jährlich gegen 30 Millionen Mark Renten aus säkularisirteu katholischem Kirchen­vermögen. Daraus überweist es für die Bedürf­nisse der katholischen Kirche jährlich keine vier Millionen. Das Uebrige behält ber preußische Staat — von wegen ber „Parität".

h „Dieser" Meichslag, ehebem von ben Regierungsblättern unb ben Konservativen so vielfach geschmäht, angegriffen unb sogar un­mittelbar beschimpft, erfreut sich neuerdings deS offiziösen Wohlgefallens. Ein Berliner Re­gierungsblatt findet, baß „ber vom Reichstage in bem abgeschlossenen Abschnitte bewältigte Stoff recht beträchtlich gewesen ist". Die Mehr­heit des Reichstages kann auch leben und zu­frieden sein ohne diese Anerkennung der Offizi­ösen. Immerhin lohnt es sich, dieselbe zu ver­zeichnen als das beste Beweismittel gegen die Angriffe und Schmähungen, bie ehedem aus dem­selben Regierungslager gegen dieselbe Reichstags­mehrheit in häufiger Wiederholung geschleudert wurden.

X Die Kommission des preußischen Abge­ordnetenhauses für das westfälische Aueröen- recht hat bie erste Lesung des Gesetzentwurfes beendet. Bemerkenswenh ist eine Aenderung, bie auf ben Antrag bes Centrumsabg. Herold mit § 35 des Entwurfes vorgenommen wurde. Dieser Paragraph regelt die Unterhaltungspflicht der verbleibenden Geschwister durch den Anerben, und er erhielt durch den angenommenen Antrag Herold einen Zusatz, wonach diese Pflicht für großjährige Geschwister nicht besteht, wenn bie Besitzung so klein ist, baß sie keine Beschäftigung barauf finden können.

(Weitere politische Nachrichten finden sich im zweiten Blatte. D. Red.)

Aus dem Landtage.

^Abgeordnetenhaus.-61.Sitzung v. 1.April 11 U.

Auf der Tagesordnung stehen lediglich Kommissions­berichte über Petitionen.

Eine große Anzahl Petitionen von lediglich lolale» Interesse werden debattelos nach den Kommisstonsan« trägen erledigt.

Nächste Sitzung: Dienstag den 19. Äprrl 11 Uhr. (Interpellation Brockhausen betr. Besteuerung der Waarenhäuser und Interpellation Szmula betr. länd­liche Arbeiter und Dienstboten^

Ausland.

* Marrs, 1. April. Die Armeekommis­sion der Deputirtenkammer verhandelte gestern in Anwesenheit des Kriegsministers, Generals Billot über die von 160 Deputaten unterzeichnete Resolution, in welcher die Einführung ber zwei­jährigen Dienstzeit geforbert wirb. Der Kriegsminister i trat bem Anträge entgegen, ba sich bie Ober-Befehlshaber ber Armeekorps unb ber Oberste Kriegsrath bagegen ausgesprochen hätten unb bie Annahme des Antrages eine Schwächung ber Armee sowohl hinsichtlich bes Effektivbestandes wie ber Kriegstüchtigkeit mit sich bringen mürbe. Die Kommission lehnte hierauf ben Antrag einstimmig ab.

X Mom, 1. April. Wie fo häufig schon, stellten auch währenb ber letzten Tage verschiedene römischeZeitungsmelbungen ben Gesundheits« bem Fächer. Ihre Wangen hatten sich ein wenig geröthet, ihr lächelnber Blick hastete auf ihren juwelengeschmückten Häuben.

„Inge!" scholl eine rauhe Stimme vom Ein­gänge her.

Die Gräfin zuckte zusammen.

„Inge!" wieberholte ber Eingetretene unb kam langsam näher. „Kennst Du Deinen eigenen Bruber nicht?"

„Du, Peter, Du?" schrie sie. „Du wagst es . . .?"

„Ich wage es. Dein Haus, bas Haus ber hochgeborenen Gräfin von Ostheim zu betreten,“ fiel er ihr in bie Rebe. „Laß mich boch hinaus- roeifen; rufe boch Deinen hochnäsigen Diener, daß er Deinen einzigen Bruder vor bie Thüre fetze; laß mich meinethalben von Deinen Hunden hinaushetzen, wenn Du es wagst!" Peter Gerrit schlug bie Arme übereinander.

„Warum sollte ich es nicht wagen?" fragte zornglühenb bie Gräfin. „Eindringlinge dulde ich nicht, auch wenn einer zufällig mein Bruder fein sollte." .

„Ein unglücklicher Zufall für Dich! Dem vornehmer Bedienter schien es nicht so schwer zu nehmen."

Du hast dem Bedienten gesagt —"

„Daß ich Dein Bruder sei, natürlich, sonst hätte er mich ja nicht Hereingelaffen."

„Wie bist Du überhaupt hierher gekommen?"

„Ha! Ha!" lachte Peter, „Du glaubest wohl. Du seiest weit genug entfernt, bis hierher würde die verhaßte Sippe Dir nicht folgen! Aber Du siehst, ich habe Dich doch aufgefunden, trotz des fremden Landes unb ber kauber welsch en Sprache.