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KuldaerMZeitung

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für Inserate I. Parzelle» ill Fulda. Ultf (I-Cf Ult (^5 • p-tersgajse Nr. 2 (Harmonie).

M 74. Julöcr, Freitag, den 1. April 1898

Bestellungen auf die Fuldaer Zeitung werden noch fortwährend angenommen.

&> Spanien und Nordamerika. .

Langwierig und schwierig gestalten sich die Verhandlungen um die Insel Cuba und um ihre Selbstständigkeit. Ein halbes Jahr ist bereits darüber hingegangen, und noch ist nicht abzusehen, wie die Sache enden wird. Nur ein Umstand ist sehr erfreulich, und das ist der, daß die Kriegshetzer im Parlamente den Vereinigten Staaten von Nordamerika nicht die Mehrheit haben. Mit 179 gegen 139 Stimmen hgt viel­mehr am letzten Mittwoch das nordamerikanische Repräsentantenhaus beschlossen, daß ein von dem Kongreßmitglieds Bailey eingebrachter Antrag als unstatthaft zurückzuweisen sei, wonach die Insel Cuba als unabhängig und Spanien von den Vereinigten Staaten der Krieg zu erklären sei. Und dieser Beschluß des Kongresses entspricht vollkommen der Stellung, die Präsident Mac Kinley selbst zu der Angelegenheit einnimmt.

Damit ist das Kriegsgeschrei der soge­genannten Jingo-Partei für den Augenblick mund- todt gemacht. Aber damit ist noch lange nicht die Möglichkeit des Krieges beseitigt und der Friede gesichert. Vielmehr scheint die Regierung der Vereiniaten Staaten nach wie vor hartnäckig darauf zu bestehen, daß Spanien seine Einwilligung gebe zur Erklärung der vollkommenen Unabhängig­keit der Insel Cuba. Der Ministerpräsident Sa- gafta ließ — so wird berichtet — den Präsidenten der Vereinigten Staaten fragen, ob diese die Un abhängigkeit der Insel Cuba als nothwendige Vorbedingung für die friedliche Lösung des Streit­falles betrachten. Präsident Mac Kinley hat diese Frage bejaht. Und gleichzeitig hat er der spanischen Regierung vorgeschlagen, eine Entschädigung von 200 Millionen Dollars anzunehmen, sür die Er­klärung der Unabhängigkeit der Insel. Die Ver­treter der Aufständischen selbst, die in New-Iork eine Körperschaft in der Art eines cubanischen Parlaments gebildet haben, sind indessen damit nicht zufrieden. Sie halten 100 Millionen Dollars für eine genügende Entschädigung und verlangen außerdem, daß die Königin-Regentin von Spanien einen Eid leiste auf die zukünftige vollkommene Selbstständigkeit der Insel Cuba, und daß diese vollkommene Selbstständigkeit in die spanische Verfassung ausgenommen werde.

Das ist nun viel verlangt von Spanien; und dieses wehrt sich mit aller Macht, die ihm noch zu Gebote steht, gegen die Annahme dieser harten Bedingungen. Da hat nun die Königin-Re­gentin einen selbstständigen Schritt gethan im Interesse ihres hart bedrängten Landes. Sie hat persönlich an den Kaiser von Oesterreich, an den Zaren und an die Herrscher der anderen europäischen Großmächte geschrieben und hat diese gebeten, in Washington zwischen Spanien und den Vereinig­ten Staaten von Nordamerika zu vermitteln. Vor allen Dingen wendet sich die Königin-Regentin in ihren Schreiben gegen die Zumuthung, die Insel Cuba aufzugeben. Denn eine solche Entsagung würde unfehlbar das Ansehen Spaniens schwer schädigen. Aber freilich muß wohl auch die Köni­gin-Regentin eingestehen, daß Spanien allein wenig

Wege und Ziele.

Roman von A. Jüngst.

25 ------ (Nachdruck verboten.)

„Um Gottes willen, Lora, wie siehst Du aus?" nes Prinzessin Sarolta, betroffen in das Antlitz ihrer Nichte blickend.

„Es ist nichts, Tante; Du weißt, ich habe die Hitze niemals vertragen können."

„Aber so habe ich Dich noch nie gesehen, mein Kind. Deine Wangen glühen. Du hast Fieber."

„Nichts von Fieber," entschied Graf Hellborn, der aufgesprungen war und mit väterlicher Sorge Lora's Hand ergriffen hatte. „Lassen Sie die Komtesse sich ein wenig niederlegen, Durchlaucht. Ein Glas Wein und vollkommene Ruhe »erden sie in Kürze wieder herstellen."

„Aber wir wollen ja nach dem Obersee, lieber Hellborn."

„Wollen wir auch, Durchlaucht, nur die Komtesse muß hier bleiben. Frau Försterin!"

Ein paar leise Worte des Grafen zu der geschäftig herzueilenden Wirthin hatten den ge­wünschten Erfolg. Stach wenigen Minuten fah Lora sich in einem einfachen sauberen Stübchen vor dem besten Bette des Hauses, darin noch nie ein Fremder geschlafen, wie die Wirthin erklärte.

Das durch die hohen Bäume gedämpfte Licht, die heimliche Stille thaten Lora wohl; mit einem befreienden Athemzuge sank sie in die schwellenden Kiffen. Die brennenden Augen schlossen sich, eine sanfte Müdigkeit umfing sie, und in einer Art

thun kann gegen die Uebermacht der Vereinigten Staaten und daß eine friedliche Lösung un­zweifelhaft auch die allerbeste Lösung sein würde.

Jetzt ist eine bestimmte Frist ausgemacht worden, vor deren Ablaus Spanien seine letzte Erklärung an den Gesandten der Vereinigten Staaten von Nordamerika abzugeben hat. Noch hat im amerikanischen Kongreffe die friedliche Stimmung den Sieg über die Kriegspartei da­vongetragen. Aber man darf sich nicht täuschen darüber, daß die Kriegspartei mehr Anhang im Volke hat, und es ist zum mindesten sehr zweifel­haft, wie das Ende sein wird. Die Entscheidung steht unmittelbar bevor. Aber wie sie ausfallen wird, das können heute auch die zunächst be» theiligten Mitglieder der Regierungen von Washington und Madrid noch nicht mit Sicher­heit voraussagen.

Deutsches Deich.

Berlin, 31. März.

* Dem Vernehmen nach wird der Kaiser am 16. August im Sennelager bei Paderborn zu mehrtägigem Aufenthalte eintreffen. — Die Kaiserin wird nach einer Meldung der eng­lischen Zeitung ,Truth' wahrscheinlich im Mai zur Luftkur nach Schottland gehen, wo die Königin Viktoria ihr Aberfeldy Castle oder Birchall House zur Versügung gestellt hat. Die Luft an dem oberen Dee sei außerordentlich kräftigend. — Nach dem,Conf.' wird das K a i s e r- p a a r auch in diesem Jahre während des Monats Juli wieder einen längeren Aufenthalt in W il- helmshöhe bei Kassel nehmen.

h Die offiziöse .Norddeutsche Allgemeine Zeitung" bringt eine außerordentlich warm ge­haltene Kundgebung anläßlich des Hevurtstages des Fürsten ZLismarck, der auf den 1. April fällt, und an dem diesmal der Fürst fein 83. Lebensjahr vollendet. „An dem Tage — so schreibt die .Norddeutsche' — da er geboren ward, heute vor 83 Jahren, empfindet das deutsche Volk die tiefe Dankesschuld für alles, was Fürst Bismarck in langer und treuer Arbeit für Kaiser und Vaterland geleistet hat." Das klingt fo, als sei niemals „der Draht zerrissen gewesen zwischen Berlin und Friedrichsruh", und als hätte es niemals die Zeit gegeben, in der ein anderes Regierungsblatt von dem einsamen Manne im Sachsenwalde schreiben mußte, daß er „nörgelnd hinter dem Reichswagen daherpoltere". Und doch ist noch nicht viel mehr als ein halbes Jahr ver­flossen seit der Zeit, in der die Bismarck-Organe einen hämischen Ausfall nach dem andern gegen den neuesten Kurs unternahmen!

x Die Bau-Kommission des Reichstages ist aufgelöst. Sie hat ihr Werk gethan. Nunmehr ist als ihre Nachfolgerin die Kommission für die Ausschmückung des Aeichstages ins Leben getreten. Dieselbe soll aus sieben Mitgliedern des Reichstages und zwei Mitgliedern des Bundes- rathes bestehen. Vom Reichstage sind in die Kommission entsandt worden die Herren Abgg. von Bennigsen, Frhr. von Heereman, Dr. Lieber, von Kardorff, Rettich, Schmidt-Elberfeld und Singer. Der Bundesrath hat seine Vertreter noch nicht gewählt, so daß die Kommission heute

von Bewußtlosigkeit daliegend, empfand sie nur unausgesetzt den dumpfen Schmerz in ihrem Haupte, die nagende Pein an ihrem Herzen.

Die Boote glitten unterdeß rasch auf die zu schwindelnder Höhe emporsteigenden Tauern zu. Bald war die Salet-Alp erreicht, die grüne, mit moosbewachsenen Steir.trümmern besäete Land­enge, welche den Königssee vom Obersee trennt. Jeden Ausweg versperrend, thürmen sich die steilen Kalkwände über einander, zerrissene Schroffen, wild zerklüftete Felsmassen. Kein Laut unterbricht die Stille, kein Lufthauch bewegt den dunkeln Wasserspiegel; geisterhaft schwebt von der gegenüberliegenden Röthswand ein schäumender Wasserfall nieder. Der Ton dringt nicht her­über, der weiß schimmernde Schleier zittert nur seltsam im Sonnenlicht. Einzelne Wolkenflocken ziehen langsam hier und da an den Bergspitzen hin, ballen sich zusammen und zerreißen wieder. Es ist hoher Mittag und dennoch scheint es, als ob der Bann der Geisterstunde über dieser Oede brüte.

„Gott sei Dank!" seufzt die kleine Fronds- stein mit ernsthafter Miene auf, als die Gesell- fchaft den Rückweg nach den Booten antritt; „da drüben ist's fürchterlich. Ich lobe mir das frische, fröhliche Leben."

„Nun, Herr Graf, trauern Sie noch immer darüber, daß Ihre Cousine hat zurückbleiben müsien?" fragte Inge im Vorübergehen den Grafen Ostheim, der sich erschöpft auf einen Steinblock geworfen hat und keine Miene macht, sich den Uebrigen anzuschließen. „Wenn Lora das wüßte!"

„Nennen Sie den Namen nicht!" ruft er

noch nicht, wie beabsichtigt war, sich konstituiren konnte. Sofort nach den parlamentarischen Oster­ferien soll die Kommission zu weiterer Berathung zusammentreten.

X Mehrfach übereinstimmenden Zeitungs­meldungen zufolge soll dem Abgeordnetenhause noch ein Gesetzentwurf zugehen, um erhebliche Mittel bereitzustellen für die Beschaffung von Wohnungen für Kikfsöedieuketeund nament­lich sür Arbeiter im Bereiche der Staats­eisenbahnverwaltung. Die Grundsätze dieses Gesetzentwurfes sollen von der bisher auf diesem Gebiete üblichen Gepflogenheiten abweicheu. Bei Beschaffung solcher Wohnungen wurde bisher der Nachweis verlangt, daß im ganzen 4l/2 Pro­zent von dem aufgewandten Kapital herausge- wirthschaftet würden. In Zukunft soll sich der Staat mit einer entsprechenden Verzinsung von 3,9 Prozent begnügen wollen, und ohne weitens ist klar, daß dadurch der Bau von Arbeiter­wohnhäusern ganz erheblich erleichtert werden würde. Es ist nur zu wünschen, daß die Meldung der Wahrheit entspreche.

* ^ekpkm, 31.März. BischofRedner ist anLungentzündung erkrankt und hat sich heute Nacht mit den hl. Sterbesakramenten versehen lassen.

* Mreska», 31. März. Seine Eminenz Kardinal Kopp ist von seiner Romreise wohl­behalten in Breslau wieder eingetroffen.

Aus Made«, 31. März. Zur Ge­schichte der Erzbischofswahl mag nun­mehr abschließend festgestellt werden, daß die Regierung nichts unterlassen hat, um der ord­nungsmäßigen Wiederbesetzung des erzbischöflichen Stuhles Schwierigkeiten zu bereiten. Erst wurde der Unterhändler nach Rom geschickt, um auf Umwegen Stimmung für „staatsfreundliche" Kandidaten zu machen; dann ließ man die vor­schriftsmäßig eingereichte Wahlliste länger als ein Jahr liegen, wie wenn weder diese, noch das Domkapitel, noch überhaupt eine Vakanz vor­handen wäre; als schließlich von Freiburg der Anstoß zu einer Aenderung der Liste gegeben wurde, ging die Regierung zwar darauf ein, suchte aber die Wahlfreiheit des Domkapitels dadurch aufzuheben, daß sie alle Kandidaten bis auf einen „Favoriten" und den neu hinzugefügten Namen (Komp) für „minder genehm" erklärte. Im Ministerium war aktenmäßig bekannt, daß bereits Papst Pius IX. eine solche „Liste" mit nur zwei Namen als der staatlich-kirchlichen Vereinbarung widersprechend erklärt und eine Wahl auf dieser Grundlage verboten hatte. Auf Anrufen des Domkapitels entschied der heil. Stuhl auch diesmal in der Hauptsache in gleichem Sinne; nur als Ausnahmefall und unter ausdrück­lichem Protest gegen die Uebergriffe der Staats­regierung wurde die Wahl gestattet, ohne daß damit ein Rechtsvorgang für spätere Zeiten zu- gestanden wird. — Gegenüber verschiedenen Ge­rüchten kann Ihr Korrespondent mit authentischen Rückhalt erklären: 1. Es ist nicht richtig, daß Herr Dekan Lender auf der Wahlliste stand. 2. Weihbischof Dr. Knecht hat bisher nie Gelegenheit gehabt, sich über Annahme oder Ab­lehnung eines außerbadischen Bischofsitzes zu äußern; es ist [aber zweifellos, daß die Antwort ablehnend ausfallen würde.

wild auffahrend, „ich ertrage es nicht aus Ihrem Munde .... Inge," fährt er leidenschaftlich fort, „bleiben Sie einen Augenblick; ich muß mit Ihnen reden!"

„Was wollen Sie von mir, Herr Graf?" fragt sie ungeduldig und schaut dem Baron Landseer nach, der mit sauersüßer Miene sich dazu bequemt hat, die ältere Gräfin Pawel zu führen. Und da er nicht sogleich Antwort gibt, sondern sie nur mit heißen Blicken anstarrt, setzt sie hinzu: „Ich bin nicht so sanftmüthig wie ge­wisse andere Leute; ich bin die Hexe Loreley!"

„Halten Sie ein, Inge, Sie treiben mich zum Wahnsinn! Zuweilen glaube ich, ich bin schon wahnsinnig," sagt er mit heiserem Lachen und greift mit beiden Händen nach den Schläfen, „sonst könnte ich nicht sehenden Auges mich in den Abgrund stürzen. Ich werde Ihretwegen zum Wortbrüchigen, zum Ehrlosen, zum Leugner alles dessen, was ich bis dahin heilig gehalten; und doch — ich kann nicht anders! Inge, ich liebe Sie mehr als Ehre und Leben!"

Der kalte Schweiß steht auf feiner bleichen Stirne. Sie erwidert kein Wort, sie hält die Augen gesenkt; aber unter den schwarzen Wimpern hervor trifft ihn ein forschender Blick, der auf dem Grund feiner Seele lesen zu wollen scheint.

„Inge, haben Sie kein Wort für mich? nicht ein einziges Wort des Trostes, der Hoffnung für einen Verzweifelnden?"

„Sie vergessen, wer Sie sind und wer ich bin, Herr Graf," kommt es leise zitternd von ihren Sippen.

„Ich vergesse alles, Inge, Himmel und Hölle. Ich weiß nur, daß ich Dich liebe, Dich namen-

25. Jahrstang

Aus dew Reichstage.

•O 74. Sitzung vom 31. März 12 Uhr.

Am Bundesrathstische: Die Staatssekretäre Graf Posadowsky, v. Podbielski, Nieberding, Frhr. v. Thielmann.

Vor Eintritt in die Tagesordnung erklärt Abg. Liebermann v. Sonnenberg (Reformp.): Der Abg. A h l w a r d t hat sich gestern auf mein Blatt und auf mich in seiner Judenflinten-Angelegenheit berufen. Das Blatt hat allerdings Mittheilungen Ahlwardts gebracht, aber sich durchaus nicht mit denselben auf eine Stufe gestellt. Das wäre bei meiner Stellung zur Judenflinten­angelegenheit auch nicht möglich gewesen.

Das Haus setzt darauf die dritte Etatsberathung beim Etat der Justizverwaltung fort.

Abg. Dr. Lieber (Ctr.) nahm sodann von der im preuß. Abgeordnetenhaus durch den Justizminister er­folgten Berichtigung Akt, daß Erzbischof Paulus Mel­chers im Gefängnisse nicht mit Strohflechten beschäftigt worden sei. Er drückt aber sein Erstaunen aus, daß die Berichtigung erst jetzt erfolge, nachdem der Erzbischof in der Liste als „Strohflechter" geführt worden sei. Wenn der preuß. Justizminister ferner behauptet habe, daß der Herr Erzbischof eine seiner Stellung und Per­sönlichkeit entsprechende Behandlung im Gefängnisse er­fahren habe, fo habe der frühere Abg. Dr. Röckerath in einer längeren Zuschrift an die .Kölnische Volkszeitung' das Gegentheil dargelhan. Er habe seiner Zeit ix gutem Glauben die Angabe wegen des Strohflechtens gemacht. Diejenigen, die ihm andere Motive unter­schoben, strafe er mit absoluter Verachtung.

Staatssekretär Weberding begrüßt die Berichtigung mit Genugthuung, bedauert aber, daß ihm der Vorredner vorher nicht Gelegenheit gegeben habe, sich wegen des Uebrigen zu informiren. So müsse er dem preußischen Justizminister die Antwort auf den Vorwurf gegen die Verwaltung vorbehalten.

Abg. Dr. Lieber erklärte, daß schon die bloße Ein­tragung als „Strohflechter" einem Bischof gegenüber unwürdig sei, worauf

Staatssekretär Weberding erwidert, daß es sich um das Versehen eines Unterbeamten handele. Die Sache gehöre nicht in sein Ressort und Dr. Lieber hätte dieselbe besser im Abgeordnetenhause zur Sprache ge­bracht.

Abg. Dr. Lieber erwiderte darauf, daß er nicht auch noch im Abgeordnetenhaus sprechen könne, wenn er von früh 10 bis Abends 8 Uhr das Joch der Reichs­tagsarbeit trage. Im Uebrigen habe es der preußische Justizminister nicht für nöthig gehalten, ihn davon zu verständigen, daß er im preuß. Abgeordnetenhause ihn berichtigen wolle. Er habe sich für berechtigt gehalten, bei der dritten Lesung des Reichsjustizamts von der Be­richtigung des preuß. Justizmmisters im anderen Hause Notiz zu nehmen.

Der sozialdemokratische Abg. Stadthagen benutzte die Gelegenheit, um einige Erfahrungen aus seinem Ge- fängnißleben zum Besten zu geben, während der sozial­demokratische Abg. Schmidt einen polizeilichen Ueber- griff aus Frankfurt a. M zur Sprache brachte.

Der Etat des Reichs-Justizamtes wird darauf be­willigt.

Zum Etat des Reichs-Schatzamtes liegt ein Antrag des Abg. Dr. Lieber vor, das Gehalt des Staatssekre­tärs auf 24,000 Mark zu belassen und die 6000 Mark Erhöhung zu streichen.

Abg. Dr. Lieber bittet um Annahme dieses An­trages, der nur eine Konsequenz der zu den anderen Etats angenommenen Anträge sei. Bei diesem Etat ist in zweiter Lesung nur die Stellung des Antrages über­sehen worden. Der Reichstag werde die Erhöhung der Gehälter der Staatssekretäre nur annehmen, wenn gleich­zeitig damit die Erhöhung der Gehälter der Postunter­beamten angenommen werde.

Frhr. v. Stumm hält den Antrag allerdings mate­riell nicht für begründet, will ihm aber nicht wider­sprechen, da er eine Konsequenz früher angenommener Anträge sei.

Der Antrag Lieber wird darauf angenommen und der Etat des Reichs-Schatzamtes bewilligt.

Debattelos gelangen zur Annahme die Etats des Reichs-Eisenbahnamtes, der Reichsschuld, der Rechnungshofes, des allgemeinen Pensions­los. grenzenlos liebe! Und Du, Inge, Du liebst mich auch; Du kannst nicht anders. Du mußt mich lieben!“

Er ist näher an sie herangetreten, fein Arm legt sich um ihre Schultern. Sie läßt es schweigend geschehen und neigt anmulhig das dunkellockige Haupt — da, ein scharfer Knall — es pfeift zischend an ihrem Köpfchen vorüber, und ehe sie noch erschreckt auseinander gefahren, ein zweiter Knall — ein lauter Schrei — und dann ein schwerer Sturz.

Regungslos, wie gelähmt, stehen Beide und sehen mit weit geöffneten Augen nach der Stelle, wo Schönberg zusammengesunken ist.

„Um Gottes willen, Gras Ostheim, eilen Sie nach Hilfe!" ruft Graf Hellborn, der, von bösen Ahnungen ergriffen, zurückgekommen ist, um die Säumigen zu mahnen. „Die Boote halten dort unten."

Noch während er spricht, hat er sich neben dem Unglücklichen niedergeworfen und ihm ängst­lich ins Gesicht gesehen.

Aus einer kleinen Wunde in der linken Schläfe sickert das Blut hervor. Hellborn tastet nach dem Herzen, es regt sich nicht mehr.

„Getroffen! nur zu gut getroffen!" murmelt er. „Kein Leben, keine Hoffnung. Und das aller um dieses unselige Weib!"

Herbert ist inzwischen nach der Landstelle mehr getaumelt als gegangen. „Ein Unglück! Hilfe!" ruft er den ihm entgegeneilenden Herren zu. „Hellborn ..."

„Bleiben Sie hier, lieber Ostheim," sagt ein älterer Baron Weilheim gutmüthig, „Sie sind ja ganz außer sich. Die Anderen werden schon sehest.